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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

51. Zahrg

Samstag, 23. Februar 1924-

Nr. 46

«erantwortlich für die SSriftleilung: Dr. JobanneS Kramer. Anzeigen: I. V arretier. Suite. Rotationsdrnck nub Verlas bet :: Fuldaer Sletiendruckerei in Fulda. Senitoredxr Rr- 9.

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FuldaerZertung

SiegreBe" ml liekleine" MW.

Nach dem Stande der Beratungen der Sachver­ständigen in Paris ist nunmehr die Gründung der Goldkreditbank nach dem Schachtfchen Plan ge­sichert. Ts handelt sich um die provisorische Goldbank, die lediglich dazu bestimmt ist, den Äre- di tbedürfnissen der deutschen Indu­strie und Wirtschaft gerecht zu werden.

Die Schaffung dieserkleinen" Goldbank, die dann der endgültigen großen Notenbank eingefügt werden soll, hat die deutsche Regierung als ganz besonders dringlich anfehen müssen, nachdem die Kreditverhältnisse m der gegenwärtigen Form sich nicht mehr lange aufrecht erhalten lassen. Nicht nur die eigentliche Wirtschaft wird auf das empfind- gchste in ihrer Betätigung durch die gegenwärtige Goldmarktlage gehemmt, auch die Landwirt­schaft, und gerade diese leidet ganz außerordent- Lch unter den Schwierigkeiten der Kreditgabe. Nentenmarkkredite sind zudem für die Landwirt­schaft des ganzen besetzten Gebietes überhaupt nicht erreichbar. Dadurch sind Zustände geschaffen, die auf die Dauer unerträglich geworden sind und die uns jetzt mitten in eine der schwersten Agrar- fr i f e n geführt haben, die wir seit Jahren, ver­zeichnen können.

Die Kreditbank nach den Plänen Schachts ist von dem ausländischen Sachverständigen-Komitee gebilligt worden. Man hat dort eingesehen, daß die Festigung der deutschen Wirtschaftsverhältniffe unerläßlich ist, wenn die sogenannte große Golü- dank, die eine Noten-Emissionsbank sein muß, überhaupt in Funktion kommen will.

Diese endgültige Goldbank, die dazu bestimmt ist, die ganze deutsche Währung aus eine ein­heitliche Basis zu stellen, wird erst nach ge­raumer Zett sich errichten lassen. Die Schacht'sche Kreditbank indessen wird, wenn nicht unvorherge- sebeue Schwierigkeiten eintreten, in einigen Wochen bereits zu funktionieren vermögen.

Das Sachverständigen-Komitee hat die Statuten der endgültigen Goldnotenbank bereits in ihren Grundzügen festgestellt. Man ist nun auch in den französischen politischen Kreisen geneigt, der Grün­dung einer solchen Bank zuzustimmen, und es ist bemerkenswert, daß man nun jetzt in Frankreich selber geltend macht, daß ohne eine vorange- gangene Kräftigung der deutschen Wirtschaft a n Reparationszahlungen Deutschlands überhaupt nicht gedacht werden kann. Gegen­über Bedenken, die immer noch in vorwiegend politisch eingestellten Kreisen Frankreichs geltend gemacht werden, wird nun doch jetzt mit aller Deutlichkeit ausge'ührt, daß Deutschland eine Gold­währung haben muß, da nur eine solche den Bud­getausgleich gestattet und die notwendigen Siche­rungen für eine internationale Anleihe geben kann. Und alles das zusammen ist auch die Voraus­setzung für Deutschlands Reparationszahlungen, die Frankreich heute dringlicher als je zuvor benötigt. Die jüngsten Ereignisse auf dem französischen Geld­markt, namentlich der internationale Sturz des Franken, haben überzeugender als lange Berhand- lungen die Notwendigkeit eines raschen und ent­schlossenen Handelns erwiesen. Man sucht sich in Frankreich mit der Tatsache, daß die endgültige Goldbank Deutschland in Konkurrenz mit den größ­ten Banken Europas bringt, durch den Hinweis darauf abzufinden, daß ja doch die Militär- fon trotte in Esten und am Rhein bleiben werde, und die rein politisch eingestellten Kreise verweisen darauf, daß die von Poincare geschaffe­nenPfänder" auf deutschem Gebiet alle erforder­lichen Sicherungen geben, um die künftige Politik in ruhigere Bahnen zu führen.

Man bemerkt also einen sehr bedeutsamen Wan­del in der Gesinnung in der Richtung einer wirt­schaftlichen und kaufmännischen Be­trachtung der Dinge. Man , hat sich aber auch in Frankreich davon überzeugen müssen, daß es Na­turgesetze auch in der Wirtschaft. gibt, gegen die eine noch so forsch geführte Politik nkcht ankommen kann. .

Das Geheimnis von Paris.

Die Arbeit an dem Bericht der Sachverständigen. Die deutschen Kolonien.

Die Sachverständigenkommission setzt ihre Eerorte- rung der Konklusionen des Berichtes über die fi n a n- zielle Lage Deutschlands in tiefstem Ge­heimnis fort. Es wäre zwecklos, schon jetzt etwas darüber vorauszusagen, wann der Bericht der Re­parationskömmission vorliegen soll. Wenn auch einige Angaben, die bereits veröffentlicht worden feien, eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich hätten, so glaubt der diplomatische Redakteur der Havas- agentur doch versichern zu können, daß andere da­gegen durchaus willkürlich sind; dies gelte insbeson­dere von der Behauptung, wonach die Sachverstän­digen die Rückgabe der Kolonien an Deutschland ins Auge gefaßt hätten, um feine Zahlungsfähigkeit zu erhöhen.

Es scheine nicht, daß diese Lösung augenblicklich in Betracht gezogen würde, dagegen scheine sich unter den Sachverständigen Einstimmigkeit darüber ergeben zu haben, daß das Reich über eine b e - trächtliche Wirtschaftskraft verfüge.

Lin weiteres Gerücht.

wtb Pari s, 22. Febr. (Tel ). DasPetit Jour­nal" will erfahren haben, daß die französischen Sach­verständigen sich nn.Augenblick bemühen, die Auf­nahme eines Paragraphen in den Be­richt der Sachverständigen zu erreichen, der die Fortsetzung der militärischen Besetzung des Ruhrgebiets und die Notwendigkeit ge­wisser Garantien für die Verwaltung im besetzten Gebiet regeln soll.

Poincare würde natürlich eine solche Einmischung her Sachverständigen in feine eigenste Politik nicht Staat Lehen.

Der Termin der

Einer Korrespondenzmeldung zufolge har die Deutschnationale Volkspartei deiü Reichskanzler mirgcteiü, nach ihrer Auffassung soll­te!'. die Reichstagswahlen gemeinsam mit den baye­rischen Landtagswahlen am 6. April vorgenom­men werden. Innerhalb der übrigen bürgerlcheiu Parteien bestehe jedoch keine Neigung, sich die­sem Verlangen anzirschsietzen. Klarheit über die Frage des Termins der Reichstagswahlen werde voraussichtlich in der am Freitag stattfindenüen Sitzungdes Aeltest en rates des Reichs­tags geschaffen wenden, die sich auch Mit der Be­handlung der von der Sozialdemokratie gestellten Anträge zur Abänderung oczw. Aushebung der Ver­ordnungen aufgrund des Ermächtigungsgesetzes be= schlissigen werde. *

Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

Die Sozialdemokraten sind an den Reichstag mit einer ganzen Fülle von Anträgen und Jnterpellatio- nen herangetreten, die sich mit den durch die Verordurmgen der Reichsregierung aufgeworfenen Fragen beschäftigen. Die Interpellationen seiber sind ganz und gar agitatorisch eingestellt und affen­bar dazu bestimmt, Len Soziaidemokraten eine g e - eignete Wahlparole zu schaffen. Die An­träge zu den Einzelheiten der Verordnungen gehen zwar mehr ins Sachliche, halten sich aber ebenfalls nicht frei von Agitation. Gerade die Sozialdemo­kraten müßten wissen, Laß an dem Schutze der Wäh­rung die Massen der arbeitenden und erwerbenden Schichten des Volkes das allergrößte, Interesse ha­ben. Sie folgen zwar nicht dem Beispiel der Korn- rmmisten, die sämtliche Verordnungen aufgrund des Ermächtigungsgesetzes aufgehoben wissen wol­len, wodurch unter anderem auch die Renten- m a r k beseitigt wird. Indessen würde eine ganze Anzahl ihrer Anträge eine neue Inflation ohne weiteres zur Folge haben. Daß die von der Reichsregierung auf grünt) des Ermächtigungsge­setzes erlassenen Verordnungen es sind deren nicht weniger «is 72! zu erheblicher Kritik und zu ernsten Bedenken in Emzelheiten Anlaß geben, ist immer wieder auch an dieser Stelle ausgespro­chen worden. Es kann sich bei diesen Verordnun­gen aud) unmöglich um etwas Dauerndes handeln. Die Maßnahmen der 'Jtegierung müssen vielmehr unter den großen politischen und wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten betrachtet werden, aufgezwungen durch die Not unserer Tage. Auch wir halten eine ganze Reihe dieser Verordnungen und ihrer einzelnen Be- ftimmungen keineswegs für unantastbar, jedoch muß man sich bei alledem prüfen, ob der Zeitpunkt zu Aenderungen und Aufhebungen schon gekommen ist. Das wird erst dann der Fall fein können, wenn die Festigung unserer wirtschaftlichen Verhütmisse gesichert ist.

Auch die Reichsregierung unterscheide» zwischen lebenswichtigen" und anderen Verordnun­gen. Sie wird sich rasch oste ns den Parteien gegen­über darüber zu erklären haben, welche Vervrdnun- gen sie als km Jntereffe der Erhaltung unserer Wäh­rung unbedingt erforderlich ansieht. Im übrigen wird gefördert werden müssest, daß, sobald die Ver- hältuisse es irgendwie erlauben, bestimmte, jetzt tief einschneidende Maßnahmen namentlich auch in finanzieller Hinsicht gegenüber einzelnen Berufsstän­den, rückgängig gemacht oder doch gemildert werden.

Reichstags

II

ahl.

Die im Reichstag eingebrachten sozialdemokrati­schen Anträge bringen, was man nicht verkennen darf, eine sehr Harte Spannung in das Parlament. Da die Reichsregierung auf dem Standpunkt steht, bestimmte Verordnungen unter fernen Umständen preiszugeben, und da andererseits die Möglichkeit gegeben ist, daß für die sozialdemokratischen Anträge sich durch das ZusammenwirkenderOppo- f ition eine Mehrheit ergibt, fo kann unter Um­stünden eine sehr gefährliche Situation sich ergeben. In einem solchen Falle wäre damit zu rechnen, daß in kurzer Zeit die Regierung, die unter keinen Um­ständen irgend welche Krise hinzunehmen gewillt ist, zur A n f l ö f u n g des Reichstages schreitet.

Sie Pfalz-Debatle

wurde am Donnerstag in der Reichstagssitzung wciter- geführt: Reichsminisrer Dr. Hoefle erklärte in einer längeren Rede, die Regierung habe beschlossen, die aus- gewiefenen Privatpeifonen in derselben Weife zu unter­stützen, wie die ausgewiefenen Beamten der Gehalts­gruppen 5, 8 und 11. Die Regierung wirb nicht er­lahmen, mit allen Kräften auf eine Wieder gut - m a ch u n g des der rheinischen Bevölkerung zugefügten Unrechts hinzuwirken. Abg. Geck- Mannheim (Soz.) bedauert, daß die parteipolitische Einstellung sich auch bet dem großen nationalen Gedanken des Abwehrkampfes in der Pfalz gezeigt habe. Der sozialdemokratische Redakteur in Ludwigshafen ist vom französischen Mikitärgertcht wegen einer Notiz zu einem Jahr Gefängnis verurtettt worden. An der zuverlässigen und im besten Sinne vaterländischen Haltung der pfälzischen Sozialdemokratie kann gar kein Zweifel fein. Äbg. Dr. Zop s (D. 23p.) schildert die furchtbaren Leiden der pfälzischen Be­völkerung unter dem Druck der französischen Besatzung und dem Separatiftenterror. Abg. Dr. Helffench (Dtml.): Solange Deutschland sich, noch feiner auslän­dischen Bedrücker erwehren muß, spielt für uns i>te Frage Monarchie oder Republik keine Rolle.- Wir verteidigen unfer Vaterland, wie es ist. (Lebh. Beif.) Sie Separatisten setzten sich aus dem ärgsten Verirre - chergefindel der ganzen Welt zusammen. Das System der' Okkupation muß oerschlvinden, und es wird ver­schwinden, wenn jeder Deuffche seine Schuldigkeit fo tut, wie es die Mälzer getan haben. Abg. Gersten ber­ge r (Bayr. Bp.) warnt vor den Bestrebungen, auch :m Rahmen des Reiches die Pfalz von Bayern zu lüjen. Bayern und die Pfalz gehörten untrennbar zusammen.

Am ReMerungsttsch sind während der Aussprache neben beni Reichskanzler und A u ß e n m t n i st e r auch die übriflen Mitglieder des Kabinetts erschienen.

Abg. Frau Pfülf (Soz.): Wir müssen scharf tren­ne» zwischen der französischen Regierung und dem französischen Volk, mit dem nur in Frieden leben wollen. Wir hoffen, daß das französifche Volk feine Regierung zur Ordnung rufen wird. Sonst könnte der Tag kommen, wo Dr. Hetfferich mit seiner Hetzrede tm deutschen Volke mehr Verständnis findet als in der ! gegenwärtigen ctiunbe. (Beifall b. d. Soz.) Abg. T h o- mäs (Komm.): Die Separatisten sind in der Haupt- i fache mißleitete Proletarier, die die Beireiung vom Joch i des Kapitalismus auf falschem Wege suchen zum Aor- ! teil der französischen Kapitalksten.

Wetterberatung am Freitag.

Reue sozialdemokratische Anträge.

Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichs­tag eure weitere Interpellation einge­bracht, die sicki mit der Person enrarifpoli- t i k der Reichsbahn beschäftigt und diese als unsozial bezeichnet. Ferner wendet sich die Interpellation ; gegen die geplante Einführung des Licht- ! bildzwanges bei Zeitkarten.

Deutsches Reich.

* Ter Reichsetat für 1924. Dem.Börienkarier' zufolge hat der Reichsfinanzmtuister dem Reichsrate einen Entwurf des Gesetzes über dir vorläufige Regelung des Reichshaushalts für das ReLnungs- jahr 1924 zugehen lassen. Solange der Geldetat für 1924 noch nicht völlig festgestellt ist, soll die Reichsregierung ermächtigt werden, zur Aufrechter­haltung der Reichsverwaltung oder zur Erfüllung der Aufgaben und Verpflichtungen des Reiches die notwendigen Ausgaben zu lcisien.

* Vom bayerischen Landtag. Der Landtag hat einstimmig einen gemeinsamen Antrag aller Parteien angenommen, nach dem die Staatsregierung ersucht wird, die Land tagswahlcn auf Den 6. April festzusetzen. Ter Landtag wird am 5. Aprtl aufge­löst, und wird die noch zu erledigenden ?(tbeilen in kürzester Frist abschließen.

* Ei» wichtiger Zentrnmsantrag. In: preußischen Landtag har Der Abgeordnete Brust mit Unterstützung Der gesamten Zentrnmsfrccklion folgenden Antrag eingeb rächt:

Mit einzelnen Ausnahmen lehnen es die Serg- werksbefitzer des Siegerlandes ad, den vom Reichsarbeitsminifterium für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom.21. Dezember 1923 betreffend die Ar­beitszeit durchzuführen, tote verlangen, entgegen dem Schiedsspruch, von den Arbeitern längere Schichtzeit, in einzelnen Fällen für einzelne Arbeitergrup­pen bis zu 3,'j Stunden über d i e in der Vorkriegszeit geltende Schicht zeit hin. a u s. Nachdem die Arbeiter dieses Verlange» abgr- lebnt haben, ist ein Teil gekündigt, zum Teil sind die Arbeiter sogar fristlos entlassen worden. Rücksichtslos wurden Die Gruden siillgelegt. Der Landtag wolle be- fchließen, das Staatsministeriunt zu ersuchen, mit größ­ter Beschleunigung einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Bestimmungen des allgeincinen Berggefetzes vom Jahre 1865 über d i e Aufhebung des Lergwerkseigentums dahin abgeändert werden, daß, wenn eine. Unterlassung oder Einstellung des Be­triebes von Bergwerken überwiegende Gründe des öfscnt- tichen Interesses - entgegenstehen, das Bergwerkseigentum zur Inbetriebsetzung in beschleunigtem Verfahren erft«» werden kann."

preußischer Lanötag.

Die Beamkcn-Abbau-Verordirung.

Zugleich mir der Abbauoerordnung beraten wird eine große Anzahl von Anträgen und Anfragen über den Beamtenabbau, über die Zahlung der Gehälter im besetzten Gebiet, über die Gewährrmg von persönlichen Zulagen, über die Erhöhung der Beamtenbezüge, über Notstandsdeihilsen, die Behandlung der Berdrängten. Fürsorge für weibliche Beamte, sowie Ansiedlung von Beamten, Angestellten und Arbeitern. Abg. Ebers­bach (Dnrl.) berichtet über die Berhandlimgen des Hauptausfchusses. Die Regierung hat die vielfach um­lausenden Gerüchte, vag man noch weitere Gehalts- herabletzmigen geplant habe, kategorisch dementiert und int Gegenteil der Hoffnung Ausdruck gegeben, es werde gelingen, schon zum 1. April eine Erhöhung der jetzigen Gehälter eintreten zu lassen.

Bezüglich der Abbau-Verordnung wird die Härte der Maßnahuien allseitig bedauert und mit der dringenden Notlage des Staates erklärt. Der Sprecher der Deut­schen Bolkcpartei, Meyer- .Herford erklärte u. a.: Wir handeln unter furchtbarem Zwang, nicht allein wegen ttnferer Finanzen, sondern weil das Reich uns zwingt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß wir einen Abbau in der Zahl, die das Reich verlangt, ermd^n.

Die Weiterberatung wird auf Freitag vertagt. ®e= werbcfteuerordnung und Staatsratseinfpruch gegen die (Brincü. aer.

Rmrand.

* Tie politische Lage in Frankreich. Die fran­zösische Kammer fetzt die Debatte über Die zahl­reichen Steuervorlagen rastlos fort. Im Senat siel bei der Wahlrecktsdebcitte ein Vertrauensvotum für Poincare recht dürftig aus. 134 Stimmen gegen ihn, 150 Stimmen für Poincare. Der französische Mintsterrat hat befchlossen, Ausländer zu den französischen Börsen nur bann zuzulassen, wenn sie eine besondere Genehmigung hierzu von den zustän­digen Behörden erlangen.

* Ter amerikanische Priisidenjjchaltskarididat. Nach einer Havasmeldung aus Miani (Florida) Bqt der ehemalige Gouverneur von Ohio, Cox, der be­reits 1920 für die Präsidentschaft kandidierte, für die diesjährige Wahl wieder ferne Kandidatur aufgestellt.

M neue IeM in Bringen.

Landbund, Volkspartei und Deutschnakionale.

In der Landtagssitzung in Weimar wurde die neue thüringische Regierung gebildet. Auf Bor- chlcra des Abg. Hüser (Landbund), den er tm Na­men' der Deutschen Volkspartei, des Landbundes und Der Dcutschnationalen 'machte, wurde Die Re­gierung wie folgt zusammengesetzt: Ministerium der Finanzen: Dr. Stolze, zugleich als Vertreter für das Gebiet Altenburg; Inneres und Wirtsckfast: Dr. Sattler, zugleich Vertreter für das Gebiet Rudol­stadt; Volksbildung und Justiz: Oberverwaltungs- gerichtsrat Leutheußer, zugleich Vertreter für das Gebiet Gocha. Das Ministerium des Aeußersr ,bleibt vorläufig unbesetzt.

Zum Präsidenten des Landtags wurde der Abgeordnete Dr. Wernick (Landbund) gewählt, zum 1. Vizepräsidenten Der frühere Landtagspräsi­dent Abg. Leber (S.) zum 2. Vizepräsidenten der Abg. Dr. Geier (D. Dpt.).

Vie englische Flotte.

Stellungnahme Macdonalds zum Flotkenproblem.

Wtb London, 22. Febr. (Tel.) 3m Laufe der Debatte über den Vcfchluß der Regierung, 5 Kreuzer und 2 Zerstörer zu bauen, er­klärte Macdonakd, daß die Heuhaufen lediglich all« Schiffe ersehen sollten. Die Stärke der britischen Kriegsflotte werde dadurch nicht erhöht werden, die Regierung könne aber eine Abrüstung nicht zu­stande bringen, indem sie zulasfe, daß die britische Flotte durch Abnutzung verschwinde. (Beifall bei der Opposition.) Die Frage des gesamten Flotten­programms und des Standards, gegen den Groß­britannien bauen sollte, werde jetzt erwogen und bis diese Prüfung vollendet fei, könne keine Ent­scheidung über die gesamte Flotteupolitik erfolgen. Keine ftemde Ration könne gegen den Bau von Er- satzfchissen protestieren. 3m übrigen fei der Be­schluß, neue Kreuzer zu bauen, erfolgt, um dem englischen Schiffsbaugewerbe Arbeit zu verschaffen. Am Schluß der Debatte wurde ein liberaler Antrag, Der die Regierung hermisssrderte, mit 372 gegen 73 Stimmen abgelehut. Die Kon­servativen stimmten mit der Regierung, einige Ab­geordnete der Minderheit enthielten sich der Stimme.___ ____________

Wohin gehören die Veutschvölkijchen?

Der Wahlerfolg der Deutschvölkischen in Meck­lenburg (ihre Mandatsziffer hat sich inzwischen auf 13 erhöht) hat diese bisher als Splitter­gruppe der Deutschnationalen vielsach bewachtsten Elemente nunmehr zu einer geschlossenen Partei ge­macht. Die DeutschMkischen sind natürlich durch das Ergebnis in Mecklenburg auherordentlich er­mutigt, und sie erwarten auch von Den kommenden Reichstagswahlen eine derartige Verstär­kung ihrer Vertreter im Reichstag, Daß fie Dort nut den anderen Parteien konkurrieren können, «'.e bedürfen dazu mindestens 15 Mitglieder, Denn eine solche Zahl würde ihnen Die Fraktionsbildung und Die Teilnahme an Den Ausschüssen ermöglichen und jede sonftige geschäftsmäßige Führung emraumen.

Nun ist es aber eine nicht ganz leichte Frage, wohin die Deutschvölkischen im Parlament eigent­lich gehören. Man erinnere sich, daß es schon bet Der 'Platzzuweisung Der Drei Abgeordneten Graefe, Wulle und Henning im Reichstag zu leb­haften Auseinandersetzungen kam. Die Deutsch- nationalen haben es abgelehnt, diese Drei Vertreter, Die aus ihren Reihen abgesprengt waren, in ihren Bänken sitzen zu lassen. Man wies ihnen Dann Die Drei letzten Sitze in Den Zentrumsbänken cm, aoer auch Das Zentrum erhob dagegen Einspruch, um so mehr, als die Deutfchvölkischen Vertreter sich in emer Weise betätigten, Die immer wieder zu Konflikten mit Den anDeren Parteien Anlaß gab.

Es ist nun bemerkenswert, daß Die Deutfchvolki- fchen selber nicht den geringsten Wert darauf legen, etwa als noch weiter rechts stehend als Die Deutfchnationalen angesehen zu werden. Ja, sie lehnen Das sogar rundweg ab. Sie verweisen Darauf, daß in ihrer Gruppe Die wirtschaftlichen und sozialen Gesichtspunkte vorwiegen, daß sie Die früheren Vertreter Der Wirtfcyaftspartei, Die be­kanntlich ganz ausschließlich a n t i s e m i t i sch gerich­tet waren, in ihre Reihen ausgenommen hätten. Daß auch Die sogenanntendeutsch-sozialen" Ele­mente von ihrer Richtung ersaht wurden und Der­gleichen mehr. Danach roürDen die Deutschvölkischen nicht auf der rechter, Seite Des Hanfes, sondern zwischen Den De'mokraten unD Den Sozialdemokraten Platz zu nehmen haben. Tatsächlich ist auch ein Derartiger Wunsch von Den Deutschvölkifäfen in Thüringen geäußert wor­den. Die Deutschvölkischen würden sich demnach im Sinne des Hitler-Programms, desNotional-Sozia- lismus" betätigen wollen, Der zwar Den Marxis - m u s ablehnt, aber doch gerade in Den arbeiten­den Schichten seine stärkste Werbekrafi ent­falten will. .

Mit einer solchen Parteibildung tritt in Deutsch­land ein politisches Element in die Erscheinung, Das wir in anderen Ländern schon seit längerer Zett be­obachten. Freilich ist zwischen Den rabi taten Sozialisten in Frankreich, Die em ähnliches Programm vertreten unD Die auch in derselben Weise, also zwischen Der äußersten Linken unD Den sogenannten Sozialisten rangieren, und den italieni­schen Fafzisten, auf Deren GeDankengänge Die Deutschen Völkischen sich berufen, Doch noch ein we­sentlicher Unterschied. Die franzöfifchen Radikal- Sozialisten sind keine Antisemiten, and) die italieni­schen FaMen im großen und ganzen nicht, Aber