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Fuldaer Wertung
Das Handwerk in Wirtschaft
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iner Kursbericht
JE 45.
Arettag, 22. Februar 1924.
[en auf b-rufsständischer Grundlage vorgen ommen wür. den. Auf Grund langjähriger praktischer Erfahrungen mässe er erklären, daß nichts bedenklichere Folgen für das Handwerk nach sich ziehen werde, als wenn bie Mehrzahl der Handwerker diesen Lockungen folgen wollten. Er stellte das politisch kluge Verhalten der übrigen Stände als Muster hin. Die Landwirtschaft habe sich, als sie so gewaltig unter dem Freihandel litt, ihre Angehörigen zur stärksten berufsständischen Organisation zusammengeschlossen, fie. habe aber nicht den Feh- ler begangen, sich politisch auf der Grundlage dieser berufsständischen Organisation zu orientieren, vielmehr ihre Kräfte stets und mit Erfolg benutzt, sich
innerhalb der politischen Parteien - Geltung zu verschaffen. Auch die Arbeiter hätten das
Wahlen auf derufs ständischer oh er parteipolitischer Grundlage.
Es seien starke Strömungen vorhanden, die glauben, würde dem Handwerk förderlich sein, wenn die Wah-
geschädigte Handwerk. Abg. Esser beklagte es als den größten Fehler der letzten Wochen, daß man bei dem neuen Gewerbesteuerentwurf die Besteuerung der Konsumgenossenschaften und -Vereine abge- lehnt habe. Wenn ein rechter Opfergeist durch das Volk ziehe, dann müßten auch diese Genossenschaften, auch die Genossenschaften in den eigenen Reihen zu dieser Steuer herangezogen werden. Das Handwerk wolle hier keine Ausnahmestellung einnehmen. Was ihm aber für feine Genossenschaften recht sei, müsse den anderen billig sei. Der Antrag sei zwar im Ausschuß des Landtages mit 15 : 14 Stimmen angenommen worden» ober man wisse nicht, wie die Abstimmung im Plenum auslaufe. Mit der restlosen Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft sei auch er durchaus einverstanden. Die Mietstener sei nur zu verstehen unter dem Gesichtspunkte des gewaltigen Finanzelends int Reiche. Durch einen nicht zu schroffen Uebergang, der auch die Interessen der Mieter gebührend berücksichtige, müsse auch hier ein Ausgleich angestrebt werden.
Auch die Frage des Kreditwesens sei sehr ernst. Wir müßten uns leider mit dem Verlust jeder Kredü- grundlage abfinden rmd erst wieder der Weg zu neuer Kapitalbildung beschritten werden. Aber der Epartrieb könne ohne hohe Habenzinsen nicht angereizt werden. Abgesehen von den teueren Rentenmorkkrediten, fei tat- sächlich jede andere Kroditguelle, um aus billigem Wege Geld zu erhalten, versiegt. Man müsse wieder zur genossenschaftlichen Selbsthülfe greifen und hier mit der alten eisernen Zähigkeit, Ruhe und Ziel- strebigkeit wie früher mit Mark und Pfennig zu rechnen beginnen. Der (genossenschaftliche Geist tut nie so not wie jetzt. Um weiter zu kommen, müsse auch dieser Aufbau von unten herauf einsetzen in zäher, emsiger Arbeit. Auf dem Gebiete der öffentlichen Lie- ferung müsse man wegen der Finanznot im Reiche alle Erwartungen ganz bedeutend zurückschrouben. Man werde aber auch darüber wachen müssen, daß bei den zu verteilenden geringen Aufträgen das .Handwerk in geregter Weise berücksichtigt werde. Redner streifte die trostlose Lage im Bäckcrhandwrrk am Niederrhein in- folge der schrankenlosen Getreideeinfuhr aus Holland.
Besonders eindringliche und überzeugend wirkende Ausführungen macht der Abgeordnete zur Frage der bevorstehenden
Druck der S*n>ett Acttendvackerei i« «?»»• 2 Blatt.
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Morgen, Freitag, 22. Februar, abend» 8 Evan uti. sation, Prediger Jöck-Soiilieden (leine «»bet- und G» bettstunde).
und Politik.
bisher noch nlchft getan. Ihr Dorgehen have Sew^stn, daß sie sich gerade durch die nachhaltige Beemslusiung der Parteien eine solche Stellung zu verschaffen oerstan- den hätten, die sie, wenn sie gesondert vorgegangen, niemals erreicht haben würden. Er verwies auf das Kräfteverhältnis der Parteien im Preußischen Landtag und auf die kommende Abstimmung über die Besteuerung der Konsumgenossenschaften. Eine Mehrheit für die Belange des Handwerks in den Parlamenten werde nur dann erzielt, wenn es den Vertretern des Mittel- standes gelinge, sich in den großen Parteien durchzusetzen. Die vier Abgeordneten der Deutschen Wirt- schaftspartei z. B. seien auch in diesem Falle von gar keiner Bedeutung. Im parlamentarischen Leben fielen die Entscheidungen immer durch Mehrheiten, und da seien nur jene ©tanbesoertreter erfolgreich, denen es gelinge, die großen Fraktionen für bie Berech- tigung ihrer Standesinteresien zu überzeugen. Jedes einseitige Vorgehen bei den Wahlen habe immer eine große Täuschung im Gefolge gehabt. Im Reichstage hätten bie starken Gruppen der Mittel- standsvettreter ber bürgerlichen Parteien in Inter» fraktionellen Sitzungen sich immer wieder zusammengefunden. Der Parteiunterfchied habe sich nicht im geringsten geltend gemacht. Noch im letzten Reichstag sei eine ganze Reihe von Anträgen, bie er (Redner) als Vorsitzender des sechsten Ausschusses besprochen und begründet habe, in kurzer Zeit einstimmig zur Annahme gelangt. Es komme eben auf bie ge- schickte und überzeugende Geltendmachung bet Forderungen des Mittelstandes an. Wenn man von der bisher bei den Wahlen beobachteten Praxis abgehe, werde man nie finden, daß das Handwerk geschloffen dastehe. Cs werde sich dann von den Patteien trennen. Der Abgeordnete wies sehr nachdrücklich weiter daraus bin, daß es im politischen Leben auch Dinge gebe, die nicht lediglich auf dem materiellen Boden stehen. Namentlich im Rheinlande machten sich diese Fragen sehr bemerkbar und würden bie große Mehrzahl der rheinischen Handwerker diese wichtigen Belang« ethischer Natur im Augenblick der Wahlenischet» düng höher stellen als rein materielle Gesichtspunkte, l Diese Erwägung gllt auch für das Fuldaer Land. D. Red.)
Alle diese Gründe sprächen auch gegen etn 8e- rufsständisches Vorgehen bei den Ge- meinberatswahlen. Wirkliche Mittelstands- intereffen könnten bloß bann mit Erfolg gefördert werden, wenn die betreffenden Vertreter Initiative zu entwickeln in der Lage seien, mit dem Ziel und ber Aussicht, eine feste Mehrheit für ihre Forderungen zu gewinnen. Je nachdrücklicher sich ber Mittelstand innerhalb der politischen Patteien geltend mache, um so mehr nütze er seinen Standesinteressen. Gerade mit Rücksicht auf bie folgenschweren kommenden Neuwahlen gelte es, den verlorenen Einfluß im politischen Leben wieder zu gewinnen, es komme weniger auf die Zahl ber Vertreter an, denn auf solche, welche den Interessen des Standes in den Fraktionen nachdrücklich Geltung zu verschaffen verständen. Er schloß mit einem lebhaften Appell, mutig ans Werk zu gehen für die Rückeroberung des Ansehens des Handwerks in der Wirtschaft und in der Politik.
Huf einer großen Tagung des rheinischen Handwerks in Köln sprach ber bekannte rheinische V Handwerkersührer und Zentrumsabgeordnete Thomas Ess er (Euskirchen) über bie .Stellung bes Hanbwerks in Wirtschaft und Politik". In diesen Tagen, wo vielfach gerade bie Handwetter mit unklaren Schlagwor- ' ten bearbeitet werden, sind die großzügigen ®e- dankengange eines in praktischer Mittelstandspoli- tik erprobten Führers von besonderer Bedeutung: Das Handwett hat, so fühtte Abg. Ester aus, in unterem Wirtschaftsleben drei wichtige Auf. gaben zu erfüllen. Erstens fei es der Vermittler zwischen Großunternehmer in den breiten Arbettnehmer- inasfen, zweitens biene es ber Versorgung ber weiten greife ber Verbraucher mit den Gegenständen des tag- Haben Lebens in Anpassung an bas individuelle Bedürf- ■pig und die dritte überaus wichtige Aufgabe bestehe dann, daß es in dieser Zeit des Wiederaufbaues die Arbeit der Heranbildung der für die geplante Wirtschaft unbedingt notwendigen Facharbeiter übernommen habe. Das Handwerk habe in den jetzigen schweren Kämpfen stn Wittschastsleben keinerlei Anlaß, sich nach den Rezepten eines grwistrn Herrenmenschentums, das Steigerung ber Arbeitsleistung bei gleichzeitiger Herabminderung der Löhne erftrebe, für besten Interesse «ch als Vorspann brauchen zu lasten. In dem kommenden Reichshandwerkergesetz werde ber Gedanke der Arbeitsgemeinschaft, der Gewerbesolidatttät mit großer Enttchiebenheit betont. Die Mission bes Handwerks sei ts hier, als erst beteiligter Stand diesen großen Gedanken in bie Tat umzusetzen. Das Verhältnis ,ur Industrie sei in den letzten Jahren in mancher Hinsicht getrübt worden. Der Redner erinnerte dabei un die druckenden Zahlungsbedingungen der jüngsten Vergangenheit. Auch das V e r h ä l t n i s z u r L a n d- wirtschaft habe stark gelitten. Nichts fei kurzsichtiger ais eine gewisse Schadenfreude über bie heutig« Not ber Landwirtschaft. Wenn es dem Bauer schlecht gehe, ' es auch dem Handwetter schlecht. Selbst die sozia» krsttsche Agrarkorrefponbenz mache bas interessante Eingeständnis, daß durch bie schwer darniederliegende Land, wirtschaft die Ernährung des deutschen Volkes gefährdet werde. Die Industrie müsse ihre Erzeugniste der Land- wirtschaft billiger als bisher ablasten. Im Handwett, ifo betonte Abg. Esser, müsse man sich bewußt werden, Daß man gerade aus dem Lande aus die Einigkeit zwischen Landwirtschaft und Handwerk angewiesen sei. Di« Landwittschaft wüste man unterstützen, indem man wieder anfange, fachlich und gründlich zu kal- kulieren. Nach der Stabilisierung ber Matt sei bi es auch möglich, und auch bie Senkung der Löhne ber Ar- beitnehmer lege diese Pflicht nahe. Man wüste be- denken, daß das Handwerk nur ein« Gruppe, ein einzelnes Glied im Wirtschaftsleben fei. Es könne sich nur selbst helfen, wenn es Verständnis bei den übrigen Ständen zu wecken verstehe. Don diesen erwarte man aber auch Verständnis für bie Belange des Handwerkes, und zwar mit allem Nachdruck nach oben wie nach ^Von Reich, Staat und Gemeinden könne man bei ber trostlosen Finanznot beim besten Willen für das Handwerk nichts mehr verlangen. Mit dieser Konsequenz des verlorenen Krieges mäste man sich abfinden. Zur Steuerfrage übergehend, verlangte Redner jede billige Rücksicht auf das durch den Ruhrkampf so schwer
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