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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

51. Zahrg,

Mittwoch, 20. ßebruar 1924

Nr. 42

usoehnung des Streiks

Der Vater der Inflation

Man hat weiter

Aieben.

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fjt Es ist nun chcrster Wied» Posten verläßt.

man erwarte nicht, daß der Dockarbeiterstreik einen unmittelbaren Mangel an Lebensmitteln der» Ursachen werde, da mit Ausnahme von grüchten Vor» rate für eine Woche und mehr vorhanden seien.

Der versinkende Froujk.

Wie die Blätter aus London melden, erreichte -er F r a n k e n st u r z an der Londoner Börseam Montag einen neuen Rekord. Ebenso wie in Paris notierte das Pfund in Landon über 100 Franks und zwar offiziell 101,25. Das ist nicht nurdertiefsteStandderfrunzösischen Valuta überhaupt, sondern mrch ihr stärk- '(t erFallan einem Tage, dy der letzte Kurs vom, Samstag 97,80 lautete.

Am Frankreich Poincares, das durch feine un­versöhnliche Gewaltpolitik Europa in unchristlichen Haß hineintrieb, scheint sich ein Strafgericht zu vollziehen. Das Land, das, im Vertrauen auf feine Bataillone der Welt trotzen zu können glaubte, P qetzt dem Währungselend anhetmgefallen, dieser ifthwersten Heimsuchung, die ein mcchernes VoS tref» fen kann. Gottes Mühlen mahlen langsam, lang­sam, aber trefflich fein.

Das Schicksal Frankreichs foWe auch uns Deut» schen eine neue Lehre fein: uns fernzuhalten von Uebermut, besonnen und gewissenhaft zu arbeiten und immer der Tatsache eingedenk zu sein, daß eine göttliche Vorsehung auch über die Völker gesetzt ist, die frevelhafte Ueberhkchrmg vernichtend treffen weiß.

«eieis en-elfer Slemreile (Colonel) lokal 0,16 Goldman, auswärts 0,20 »oldmark; JtellameieUe lokal 0,60, Soldmark :: auswärts 0.80 Soldmark. !.

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Berantwortlich lür die EibriMeltuna: Dr. JvbauneS Kramer. Anreisen: 3- B arreller, Sulda. Rotationsdruck und Berlaa der a Fuldaer Actiendruckevei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. :: Beruasvrei»: Monat Februar 2.00 Eoldmark frei Daus.

hätte die gegenwärtige Regierung auf den Einspruch der Parteien gehört, dann-wäre dasWunder der Renten­mark" nie zustande gekommen, trotz aller Bemühungen des Herrn Helfferich um den technischen Aufbau der Rentenmark. Denn das Wunder der Rentenmark be­stand gerade darin, daß die Regierung unbekümmert um olle Einsprüche und unbekümmert um jeden Verlust an Popularität, unbekümmert auch um alle Angriffe, die gerade aus den Kreisen der deutschnationalen Partei der Herrn Helfferich gegen sie gerichtet wurden, auf dem Verordnungswege Goldsteuern einführte und zu drakoni­schen Sparmaßnahmen, Beamtenabbau usw. schritt, um, koste es, was es wolle, das Gleichgewicht des Etats zu erzwingen."

Diese Polemik könnte man ja auf sich beruhe» lass», wen» nicht seit längerem die Tendenz zu er=

i, daß Dr. S o l f, der jetzige Botschafter in Tokio, fein Nachfolger wird. Diese Kombination ist zustandegekommen, weil Dr. Solf in einer persönlichen AngeLgenheit nach Berlin ge- koitnmen ist, Tatsache ist aber, daß Dr. Mvdfelül voraussichtlich nach dem 1. April nicht mehr deutscher Botschafter in Washington fein wird. Wiedfeldt hat auch persönlich derart dispo­niert, baß er von diesem Termin an wieder seine frühere Stellung als Direktor der Kruppwerke

Die Zrage der wahlresorm

hat auch neuerdings in den Der!)ondlungen mit den Parteiführern und der Reichsregierung eine große Rolle gespielt. Daß diese Angelegenheit nicht durch Ermächtigungsgesetz, stmdern, da es sich um em Hwusgesetz des Reiches handelt, nur durch die,en jjelbft geregelt werden kann, ist allgemeine Ueber- Sougung. Die Reichsregierung hat inzwischen eine Vorlage ausarbeiten lassen, die nun Gegenstand der ,Defpr«hungen zwischen den Parteiführern war, ehe sie an den Reichstag gelangt. Ob das geschieht, ist bet Entschließung der Parteien Vorbehalten ge-

bmnen wäre, die Vaterschaft an der Rentenmark zu einem zugkräftigen Wahlpropaganda- Mi t t e l zu machen. Da muß man doch folgendes sich vor Augen halten:

Eine Stabilität der Währung und damit ein Er­folg der Rentenmark märo gar nicht denkbar und

In diesen Besprechungen haben die Führ« der deutschen Volkspartei, der Demokraten und des Zen­trums geltend gemacht, daß aus Gründen der Dutch- ftchrung der Wahlarbeiten es wohl kaum möglich fein merbe, noch vor den Neuwahlen das Wahlgesetz so grundlegend zu ändern, wie es der Entwurf vor- Peht. Von den verschiedensten Seiten wurde darauf

---- Der Streik in de» englischen Häse». Die Arbeit in den englischen Häfen ruht infolge des Hafenarbetter- streikS nahezu vollständig. Die Führer der streikenden Gewerkschaften drohen mit der Ausdehnung des Streiks auf den UeberlandtranSport und den OmnibuS- verkehr, falls die Mitglieder des Verbandes der Schauer- leute weiter bei der Arbeit bleiben. Reuter meldet.

3m Men Oes MlMzes.

wtb Paris, 19. Febr. (Tel.) Die Kammer hal in ihrer Nachlsihung, die um 5 Uhr morgen, noch andauerte, Artikel 3 des Jinanzgesetzes, der der die Erhöhung sämtlicher Steuern um 2 0 r o. 3ent vorsieht, nach Stellung der Vertrauensfrage mit 315 gegen 284 Stimmen angenommen.

Letzterer Beschluß ist nur zustande gekommen, weil die Kammer unter dem stärkstem Druck des sinkenden Frauken stand. Sonst wären wohl die Verhandlungen um das ftanzösische Ermächtigungs­gesetz noch wochenlang weitergeführt worden. Der endliche Erfolg Poincares ist angesichts der Abstim­mungszahlen (315 gegen 254) sehr schwach.

Wtb Paris, 19. Febr. (Tel.) Der Polizei- prüfe« von Paris hat durch eine Verordnung die pariser Warenbörse bis auf weiteres gefchlof- fen. Der Grund dieser Maßnahme liegt im gest­rigen neuen Irankensturz. Nach demIftatln notierte das Pfund an der Abendbörse 102,50 $ttm« ken, der Dollar 23,90 Franken.

Dir empWen »Kgen Luffitz tkfonbers auch den 8entrnms«n6infler» in der La » dwi rt» schast rur besonderen Beachtung. Aeußerungen auf, der Kasseler Landbundtagung und auch sonstige Beobach, iungtn zeigen, daß die deuifchnationale AgitationHelft ferich als Vater der Rentenmark" gar zu gerne prokla­miert sehen möchte. Was es damit auf sich hat, ist oben mit aller Gründlichkeit dargelegt.

hingewiesen, daß die P a r t e i 2t r b e i t e n bereits auf die bisherige Organisation emge- stellt seien und daß bei Zugrundelegung der neuen Wahltreisemtelung auch eine neue Verteilung der Wahlarbeiten notwendig sei, die sich zum großen Teile gar nicht mehr durchführen lasse, da ja ver­schiedentlich schon Kandidaten-Aufstellun- gen stattgefunden hätten. Ins Gewicht fällt auch der Umstand, daß gegebenenfalls der Reichstag ganz plötzlich aufgelöst iverden könne. Weiter muß man damit rechnen, daß bei einer Be­ratung der Vorlage im Parlament Anträge kom­men, die als verfassungsändernd anzusehen sind. Insbesondere sind solche Maßnahmen in Vorberei­tung, die eine Heraufsetzung des Wahlalters von 20 auf 25 Jahre bezwecken. Wenn die Parteien in ihrer Mehrheit zu der Auffassung kommen, daß die Wahlresorm vor den Neuwahlen nicht mehr in der gebotenen Weise erledigt werden tonn, bann wird sehr wahrscheinlich von Seiten der Parteien eine diesbezügliche gemeinschaftliche Erklärung veranlaßt. Unter Umständen kann es auch in Be­tracht kommen, daß der Aeltesten-Ausschuß des Reichstages selber zu der Frage in einer offiziellen Kundgebung Stellung nimmt Freilich wird man dabei nicht auf eine geschlossene Front der Parteien rechnen können. Es werden verschiedene Absplitterungen zu erwarten sein.

Ob man im Lande allgemein die in diesen Mit- tellungen geltend gemachten Beweggründe des Par­laments'in der Frage der Verschiebung der Wahl- reforM anerkennt, ist auch noch eine Frage, deren Beantwortung bn Augenblick sehr zweifelhaft ist. Allerdings muß man mach näher« Kenntnisnahme des Reform-Entwurfes in seiner gegenwärtigen Ge­stalt sagen, daß er derart kompliziert, aber auch der­artig lückenhaft ist, daß kaum das Ziel der Reform, nänÄch die nähere Fühlungnahme der Wähler mit den zu Wählenden imb Ge- wählten durch die muen Aestimmmgan «MW ward. w

Der Aeltestenrvt kleb Rei^ktogtz ycck am Montag beschlossen, daß eine Abänderung der Reühstagswahlgefetzes aus technischen Gründ«, vor den ReichstagswfahLen nicht mehr mög­lich ist.

Kredite für die Landwirtschaft.

Aus landwirtschaftlichen Kreisen wird *ne aus Berlin geschrieben: ______

Er fft in all« wirtschaftlichen und «ckh flei der Mehrheit Ser politischen Steife eine unbestritten» Tat­sache, daß unter den Wirtschaftsgruppen die Landwirt­schaft ganz besonders schmerzlich unter der gegenwärtigen Kreditnot leidet. Die Dinge sind so schlimm, daß für die Ernährungsversorgung der Bevölkerung im kom­menden Erntejahr die stärksten Bedenken gerechtfertigt sind. Die Reichsregierung hat inzwischen weitreichende DerhanAungen über die Beschaffung von Kreditmitteln für die Landwirtschaft gepflogen, die auch Aussicht darauf bietet, daß wenigstens den schlimmsten Rofftänden abgeholfen werden kann. Die Aerhandlungen mit bei« Kalisyndikat wegen Stundung der Schuldsumme sind be- rests abgeschlossen. Gegenwärtig werden bezügliche Er­örterungen mit dem Stick st offsyndikat geführt. Das Wichtigste auch für die Landwirtschaft ist das Ge­singen des Planes der Reichsregierung auf Schaffiwg einer Goldnotenbank, durch welche mittels aus­ländischer Kapitalien der heimischen Wirtschaft und vor allem auch der Landwirtschaft die nötigen Betriebskapi­talien zugeführt werden können. Die Landwirtschaft hat mit das allergrößte Interesse daran, daß die Währung in ihrer jetzigen Stabilität erhalten wird, und das ist allerdings nur möglich, wenn die Umlaufsmittel des Inland:- nicht über dasjenige Maß hinaus angespannt werden, das jetzt für sie besteht.

Deutsches Reich.

8 Am die Botschaft in Washington. In Preise werden die Mitteilungen über bie Veränderung in

Bat dnec wirtschaftspolitischen Seite wich uns ^schrieben:

Sn der Presse kann man gegenwärtig eine recht erbauliche Polemik beobachten. Man streitet sich über die Vaterschaft der Renten- Mark. Helfferich hatte sie reklamiert, ober sofort sind aus den Reihen der Deutschen Volkspartei, un- ter Führung des Abgeordneten (Silbe nm ei ft er. Disputanten erstanden, die für sich diesen Ehrentitel reklamieren. Das hat offenbar Herrn Helfferich ge- kränkt. In derKreuzzeitung" schreibt er einen sehr unfreundlichen Artikel, Helfferich ist immer aus- geregt, und er kramte dabei ein bischen in seinen Erinnerungen: Er tagte, daß er geradegewiffe führende Vertreter der damaligen nationalliberalen Partei" gewesen wären, die nicht nur dauerndauf die amtliche Proklamation der Forderung nach vol-

gesteckte Kriegsziele" auszeichneten. Helffe- nch behauptet weiter, daß er woh-l gern ehe, Knegssteuern gemacht hätte, daß er aber in der Presse, im Bundesrat und im Reichstag heftigen Widerspruch mit diesem Plan gefunden hätte. So fei der damalige Vorsitzende der nationalliberalen Partei, Herr $af fermann, er ist längst tot! ~ gu Herrn Helfferich gekommen und hätte ihn in feinem Helfferichs eigensten Interesseauf bas dringendste" ersucht, eine Steuervorlage an den Reichstag zu bringen. Helfferich erklärt, daß ihm die Durchbringung der ersten Kriegssteuern nur "Nach Ueberwindung der unglaublichsten und der unanständigsten Quertreibereien" gelungen sei.

Natürlich läßt dieDeutsche Volk spartet diesen Stoß nicht unerwidert. In derZeit" wird Helfferich seines Angriffs wegen folgendermaßen charakterisiert:

Also: der Wille war da, aber nicht die Kraft, ihn durchzusetzen. Ein schlechtes Zeugnis für einen Staats­mann. Herr Helfferich stellt es sich selbst aus. Zudem ist Vassennann tot und kann nicht mehr gegen Helfferich zeugen. . , . Wir fürchten nicht die Drohung des Herrn Helfferich, daß er nun unter dieEnthülle r" gehen unb mit ausgestrecktem Finger diejenigen bezeichnen werde, die während des Krieges an große Ziele ge­glaubt haben. Mag er sie nennen, es wird sich mancher Name von gutem Klang aus der unmittelbaren Nahe des Herrn Helfferich darumer befinden. Noch weniger fürchten mir seine andere Drohung, diejenigen bloßzu- ftellen, die sich während des Krieges nicht gerade durch große Geneigtheit, Steuern zu bewilligen und zu be­zahlen, ausgezeichnet hätten. Nur um eins bitten wir ihn, feinen Enthüllungseifer nicht lediglich auf national- liberale, demokratische und Zentrumskreise zu beschrän­ken, sondern auch Umschau in konservativen und de» tschnati analen Lagern zu halten. Dielleicht dehnt Herr Helfferich diese feine Betrachtungen auf die Gegenwart aus. Schaden könnte es nicht. Aber ielbst wenn es zutrifst, daß damals von den Parteien Bedenken gegen die Einführung scharfer Steuern geltend gemacht wurden,, io liegt darin keine Entlastung des Herrn Helfferich. Hätte das Kabinett Strefcmann und

Zer Weg zur GejMdmg.

tirineobe Einnahmen des Reiches. Wachsende

Steuererkrüge.

Die dieDeutschs allgemeine Zeitung mitteilt, r.nb die Einnahmen des Retches an Steuern, Zöllen und Abgaben im Ja- ® n, aitf 503,46 Goldmillionen gestiegen gegen 312,23 Goldmillionen im Dezember 1923. Die Dezembereinnahmen waren bereits gegen den Vor­monat auf das Zehnfache geftiegen.

Die oben genannte end giftige Ziffer: für die R-ickseinnahmen im Januar übersteigt erheblich vorläufige Resultat von 442,7 Goldmillionen her Dekadenausweise und übersteigt auch beträcht- ,ick die in diesen Dekadenausweisen genannten Rmcksausgaben für Januar (440,8 GolDmillionen). Daraus folgt jedoch nicht, daß das Reich im Januar im Haushalt einen Ueberschuß erzielt hat, da sich muh die Ausgabenziffer für den ganzen Monat aenenüber der Summe der einzelnen Dekadenaus- aaden erhöht. Die höchste Einnahme im Januar brachte die Umsatzsteuer mit 98,40 Millionen gegen 50 57 Millionen im Dezember, was im wesenüichen auf die Geschäftsbelebung zu Anfang des Jahres durückzuführen sein dürste.

Die Einkommensteuer au«/Lohnad- rügen hat sich etwa verdoppelt. Aus der Ein­kommensteuer aus anderen Einkommen gingen im Januar 90,07 Millionen ein gegen 3,1 Millionen ün Dezember, was auf die am 10. Januar fällig auf die Einkommen- en ist. Aus dem glei­chen Grunde stieg auch die Körperschaftssteuer be- Mchllich. Hervorzuheben ist schließlich noch dte starke Steigerung der Zplleinnah'- men.

Um die große Bedeutung dieser Entwicklung zu würdigen, muß man den engen .Zusammenhang zwischen Staatshaushalt und Währung sich ver-

Neue Labeloerbindunzen mit dem Kurland. Vor kurzem hatten wir veröffentlicht, daß die Deutsch-Ättari- tische Telegraphengeiellschaft unter Benutzung eines Seekabels eine unmittelbare Telegraphen Verbindung von Emden mit der Londoner Statt»» der Lastern Telegraph Compantz Herstellen tüAe, die eit Beftzr- d»rung von Xeiegram-me« nach Südamerika, Ifrifa. Asten und Lnstratie» bestimmt sei. Die Sordindung ist ingwischen fertiggestellt und in Ühtrieb gexemmen worden. Telegramme, die über die neue Verbindung befördert »e ben sollen, sind mit dar Angabe via Sm- den-Madeira (nach Südamerika) und via Ernden-Eastern (nach Afrika, Asien und Australien) zu bezeichnen. Heber die Telegrammgebühren geben alle SEelcgtammannohme. stellen Auskunft,

gar nicht möglich gewesen, wenn nicht zu gleicher Zeit die R o t e n p r e s s e a b g e st o p p t, alle Aus­gaben auf das schärfste gedrosselt und gleichzeitig die Einnahmen des Reiches durch harte, ja brutale Steuern gesteigert worden wären. Gegen alle drei Dinge hat sich Helfferich seit Jahren, ja, noch bis in die letzten Tage vor Einführung der Renten­mark gestemmt. Helfferich hat sogar in den Zeiten des allerschwersten Währungsverfalls einmal in aller Oeffentlichkeit geleugnet, daß wir überhaupt eine Jnflatton hätten' Nachdem auch ihm die Dinge über den Kopf wuchsen, hat er aber immer noch nicht den Kern des Problems gesehen, nämlich durch gewaltige Vermehrung der Einnahmen des Reiches durch Steuern einerseits und durch eine dingliche Sicherung in Gestalt der Heranziehung der Bermögensfubstanz, vor allem in Grund und Boden andererseits, die Grundlage für die neue Währung zu schaffen.

Helfferich hat feit Jahren jeder Absicht der Reichsregierung, neue Steuern zu schaffen und einen Ausgleich des Reichshaushafts herbeizufüh­ren ,mit den schärfsten Mitteln bekämpft. Wie er im Kriege von der Reichstagstribüne herab die Auffassung vertrat, daß es unsere Gegner sein müßten, die das Bleigewicht der Kriegslasten nach sich schleppen müßten, so hat er jetzt die These ver­treten, daß jede Sanierungsarbeit vor einer end­gültigen Regelung des Reparationsproblems völlig unnütz sei. Eine mit nicht gerade einwandfreien Mitteln geführte Agitation im Lande hat es denn auch vermocht, daß man unter Geltendmachung der Helfferich'schen Argumente zum Schaden der Ge­samtheit von Volk und Wirtschaft viel zu spät an diese Dinge heranging. Und als Herr Helfferich sich dann schließlich doch zu einer anderen Auffas­sung bequemen mußte, da versucht er über den Um­weg einer Roggenmark eine Währung zu schaf­fen. Was aber Helfferich als Basis zur Sicherung rdiefe Roggenmark heranziehen wollte, war nichts anderes als eine verschleierteErfassung" der Substanz" und derSachwerte", namentlich in der Landwirtschaft. Das also, was feit Jahren unerhört bekämpft wurde, hat Helfferich letzten Endes als den einzigen Ausweg aus der Not selber erkennen müssen. Das ist erfreulich, und wir denken nicht daran, eine Wandlung Helfferichs agitatorisch auszunutzen. Wir müssen aber bitten, daß dann Helfferich selber die Kirche im Dorf läßt!

Helfferich war nicht der Vater der Rentenmark, er war aber der Vater der Inflation! Und das muß man ihm sagen, wenn er mit dem Aufgebot der ihm eigenen Lungenkraft die anderen Parteien, namentlich auch das Zentrum, ob einer, angeblichen Steuerscheu anklagen will. 3m übrige» kommt es ja gar nicht darauf an, wer den Typ ber; stabilen Mark geschaffen hat, sondern entscheidend ist es, wer und welche Regierung den Mut gefunden hat, endlich einmal mit rücksichts­loser Faust durchzugreifen, um Ordnung in den Haushalt des Reiches zu bringen, die Ausgaben entschlossen zu verringern und die Einnahmen ebenso entschieden, wenn auch frei von jeder Popu­laritätshascherei, zu steigern. Hätten wir die Helf- ferich'sche Roggenmark, dann hätten wir heute keine Stabilität mehr, wie die Bewegung auf dem Roggenmarkt in den letzten Wochen sehr deutlich zeigt. Für das Zentrum bedeutet es eine beson­dere Genugtuung, daß es die Regierung Marx gewesen ist, die dank ihrer Maßnahmen nach dem geradezu furchtbaren Erleben der letzten Jahre in die Wirtschaft und damit auch in die Politik ein Moment der Ruhe und Sicherheit ge* bracht hat.

antreten wird. <

* Eine Verhaftung iu Wien. In der Nacht zum 18. Februar ist der von der Staatsanwaltschaft München wegen Hochverrats steckbriessich verfolgte Oberleutnant Gerhard Roßbach in Wien verhaftet worden, der letzthin unter Benutzung eines falschen Paffes nach SBten gekommen ist. Roßbach wird nach Abschluß der polizeilichen 'Erhebuagen wegen der steckbrieflichen Verfolgung untz wegen Bentihung falscher Ausweispapiere beim Wiener Landesgericht eingeliefert werden.

Reich und Bayern.

Der Rücklriil Lahrs und Loffows.

Eine amtliche Meldung aus Berlin besagt:

Der Konflikt zwischen dem Reich und Bayern ist b e i fl e l e g t.Zur Erledigung der sachlichen Streit­punkte zwischen der Reichsregierung und der bayerischen Regierung über den Vollzug des Wehrgesetzes wurde in den letzten Tagen zwischen der Reichsregierung und der bayrischen Staatsregierung u. a. vereinbart: Ueber- einstimmun« bestand, daß durch die Lösung des gegen» wattigen Falles die Bestimmungen der Reichsoerfassung und des Wehrgesetzes über die Einheit des Reichsheeres und die Einheitlichkeit des Oberbefehls nicht berührt wer­den sollen. In diesm Rahmen soll a) künftig auch bei der Abberufung des Landeskommandan- t e n mit der bayrischen Regierung ins Benehmen getreten und dabtt ihren begründeten Wünschen möglichst Rech, nung getragen werden; b) bei der Verwendung bayrischer Truppen außerhalb des Lan­des die bayerische Regierung möglichst vorher gebärt und dabei den bayrischen Belangen die tunlichste Rück- fickst zuteil werden, insbesondere hinsichtlich der inneren Sicherheit des Landes; c) die Eidesformel der gefamten Wehrmacht zur Vermeidung von Zwei­feln künftig folgende Fassung erhalten:Ich schwöre Treue der Verfassung des Deutschen Reiches und meines Heimatstaates und gelobe, als tapferer Soldat mein Vaterland und feine gesetzmäßigen Einrichtungen jeder­zeit zu schützen und dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam zu leisten."

Herr v. Kahr hat sich veranlaßt gesehen, sein Amt als Generalkommissar am 17. Februar in die Hand des bayerischen ©efamtminifteriums zurück­zugeben. Ferner ist General p, Lossow zurück- getreten.

Der auswärtige Kusschutz

feg Rioichstages hat sich mit der außenpoliti- »chen Lage befaßt. ReichSmiiflster Dr. Stre- femann sprach über die durch die Bevattmgen der Sachverständigen aufgemorfonen Fragen und behandelte dann das Problem des gegenwärtigen Standes der Micumoerträge sowie die Fragen der Befätzungskosten. Im weiter« Verlaufe seiner Ausführungsn berührte der Auhenminffter die Stellung Deutschlands zum Völkerbünde und ging daraus zur Frage der MilitärklMtrolle über und Widerte sodann die Verhandlungslage über i)wi nwdus vivendi in Bezug auf Rhein und Ruhr und auf die neue Regelung der Verhältnisse in der Pfalz. Zum Schluß wurde der deutsch-amerikanische Harrdelsverrrag in eingehender Läeffe von dem M- wster erörtert.

Es schloß sich eilte lange Aussprache an, an dek MM Zentrum der Abg. Raas teilnahm.

Reichsbankpräsident Dk. Schacht

.DerhandeU zurzeit m Paris mit den Ausschüssen %et Reparattonskommiffion über di« deutsche Goldnotenbank.

V 1 Mmertnttnmev 10 Pfennig.

uldaerZettung