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DierrSlag, IS. Febrimr 1924.

HanSelsverLräge und agrar-Krife.

Der Abschluß des für die deutsche Wirtschaft «urthtoeg günstigen deutsch-amerikanische,» Handelsvertrages eröffnet eilte Betätigung Je unserer Politik und Wirtschaft seit Ariegsbeginn oft vollständig verschlossen war. Dieser deutsch- ^nerikanische Handesvertrag eröffnet eine Aera »euer Handelsverträge.

1 Die Reichs reg ierung ist inzwischen auch schon m Verhandlungen mit anderen Mächten ein getreten, utm Tell sind solche Derhandtungen angedahnt, die den Zweck haben, zu gegenseitigen wirtschaftlichen jyti) Handelsabkommen zu gelangen. Die Aussich­ten für alle diese Derhandlungen stehen nicht un- Mstig, sie sind aber alle an die Aufrechterhal­tung der Währung gefnüpft und an die Re» «tung der äußeren Derpflichtungen Le« Reiches.

Qm Zusammenhänge damit stehen auch die Dor- Erörterungen über die Beschaffung eines neuen deut- schm Zolltarifes. Die letzte Entwicklung m peutft^and, die zu einer förmfldjen Agrar-Krise «esichrt hat, lieferte den Beweis dafür, daß die sog. freie Wirtschaft ihre bedenklichsten Seiten, wir müs­sen zu einem Schutz der eigenen Produkte des Lan­des übergehen, wenn mir nicht in ganz kurzer Zeit vor der schwersten Ernährungokatastrophe stehen pwllen. Es handelt sich nunmehr darum, die de» rechtigten Forderungen nach dem Schutz inländischer Erzeugnisse in Einklang zu bringen mit den Not­wendigkeiten unserer Industrie, Absatz im Auslande zu schaffen, um auf diese Weise wieder in den Besitz Ausländischer Devisen zu kommen, die den Rückhalt Mr unsere Währungsgefundung bilden müsien.

, aus dem Nachbargediet.

r *= Großenlüder. Auf unser« Pfarrgemtinde lastet neben den ht allen Pfarreien ein getretenen schlimmen Folgen aus den im Währungswirrwarr untergegangenen Kirchenkapitalien noch eine besondere drückende Schuld, Heren Tilgung größere Geldmittel erfordern. Für da» lllvOjährige Jubiläum der ersten Pfarrkirche war neben vielen andern Renovationen der Umbau ber 1740 ae» stifteten Orgel vorgesehen und als letzte Arbeit in An. griff genommen worden. Rach kurzer Zeit stand fte sedoch wieder sttll und seit der Jublläums-Dolksmiffion hat ein bescheidenes Harmonium ihre Stelle eingenom­men. Das Gutachten von Sachverständigen über den Umbau war für die ausführende Firma leider sehr un­günstig. Die Firma Gebr. Späth in Enne-ach-Mengen Sürttemberg) ist nun beauftragt, da, Werk neu herW»

ten und hat einen Kostenanschlag von mehreren St000 Mark oorgelegt. Um eine größere Anzahlung bald machen zu können, haben der kctthol. Arbeiterverein, der hiesige Mustkverein, der Männer-Gesangverein und die Jungftauenkongregatton verabredet, im Saale von Herrn Konrad Drähler in Großenlüder am Sonntag, den 24. Februar, abends 7 Uhr, einen heiteren Theater- abend mit Konzert und am 2. März, abend» 7 Uhr, einen Konzertabend mit Gssimgsvarteägen bei einem Eintrittsgeld von 1 Goldmark pro Person zu o«anstal. ten und den ganzen Ertrag dem Orgelbaufond» zuzu­wenden. Neben heiterer Musik werden klastische Stücke von der gutgeschulten Musikkapelle In reicher Zahl se­chsten werden; der Gesangverein, welcher wiederholt schon auswärtige Auszeichnungen sich errungen, wird '.Herz und Ohr erfreuen mit mehrstimmigen Gesängen, eie Jungfrauenkongregation spielte. 1. Eine fixe Meer 2. Ein Aprilscherz: 3. Die geschwätzige Botenkatherine: 4. Der Teufel mit dem alten Weib (nach Han» Sach» 1545). Zwei genußreiche Abendmüerhaltungen, bet denen auch Auwärttge «scheinen können, stehen zweifel­los in Aussicht und die Beteiligung ber Warreieingefesie- nen wird sicher ein sehr starker fein. Denn allgemein lautet die Parole: Wir müssen endllch mieber »in» Orgel haben, auch wenn sie viel Geld jetzt kosten sollte.

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vermischt«.

* Die Tuberkulose in den deutsch»» Groß» Cftabten hat in der letzten Zeit unter den unterer- nährten Schulkindern stark zugenommen; die Zu­nahme beträgt etwa daS SOfache der DorkriegSreit; unter den Erwachsenen ist die Zunahme noch großer.

Durch Wanzen zur Verzweiflung gebracht hat die BergmannSfrau Magdelena Bauer in Penz« 'che r g ein der BergwerkLgesellschast gehörig« Wohn­haus in Brand gesteckt. Sie erlieft dafür 2 Mahre Zuchthaus.

* 10000 Tonne« Schnee eft Frachtgut. Ein Mewyorker Hotel liess mit ber Eisenbahn ans dem Adirondack-Gebirge 10 000 Tonnen Schnee heran 'beförbetn, um in seiner Nähe eine künstliche, zehn Zentimeter dicke LebungS-Skibahn für die Winter­spiele anzulegen. Ein Heer von Schauflern war zur Entladung der 750 Eisenbahnwagen bereitge­halten worden. Der Transport war hoch gegen Tau- toetter versichert.

Wirtschastskrisis und Arbeitsmarkt

Don Dr. Bruno R a u e ck e r.

Bedeutung und Umgang einer Wirtschaftskrise zeigt sich cm klarsten «n der Lage des Srbeitsmart* les. Schon im Sommer des vergangenen Jahres hatte ixe Uederhöhung der Prvduktwnskosbvn der deutschen Industrie zu einem Rückgang der Son- junftur geführt, der in em em ununterbrochenen An­steigen der Arbeitslosenziffern feit dem Iuv 1923 zum Ausdruck kam. LährtnD nn Juli auf 100 Fachverdandsmitglieder ber Arbeiter-Fach» verbände nur 3^ Arbeitslose entfallen, stieg ihre Zahl bereits «n August auf 6,3, um dann im Sept, auf 9,9, im Oktober auf 19,1, im RoveimÄer auf 23,4 anzuschwellen. Die Umstellung auf GolÄmarkrech» ttung auf allen Gebieten, die sogsnanmeScabtli- sierungskrife" hat dann dm ArLeitslosenziffern am Jcchvesondv auf 28,2 Prozent und damit auf eine Höhe anftelgen lassen, dm in Deutschland bis­her noch nie erreicht worden ist. Ende Dezenrber wurden in den 34 Facharöeiterverbärtttai, die regel­mäßig über den Stand der Arbeitslosigkeft ihrer Mitglieder an die Reich«rd«it,verwaltuna berich­ten, von 4,6 MiWonen Mitglieder, 1,8 Millionen als arbeitslos aufgeführt. Es fmd ha-upkfächlich di« Verbände der Metallarbeiter, Fabrikarbeiter, Der- kohrsarbeiter, Bauarbeiter und Holzarbeiter, die über eine starke Zunahme der Zahl ihrer arLeirs- fofen Mtglieber berichteten. Beim Baußttutrts» dund waren sogar 67,8, beim Ehristlichen Bauarbeiterverband 70,4 Proz. aller 5R t t.g lieber im Dezember ohne B e - schäftigung.

Buch die Kurzarb «it hat in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 erheblich zugenommen. Don ben 30 Verbänden mtt im ganzen 4,03 Millionen Mitgliedern, von denen Meldungen über den Um­fang der Kurzarbeit für Ende Dezember Vorlagen, arbeiteten 1,69 Millionen d. h. 42 Prozent mit ver­kürzter Arbeitszeit. Im November belief sich di« Kurzarbeit bei 33 Verbänden auf 47,3 Prozent.

Die Mehrzahl dieser Erwerbslosen und Kurz­arbeiter wurde aus Mitteln der öffentlichen Für­sorge unterstützt. Es wurden gezählt an sogenannten Hauptunterstützungsmitglledem am 1. Dezember 1464.359, am 15. Dezember 1486 014, am 1. Jan. 1528 082, am 15. Januar 1 555 961. Die Zunahme fett dem 1. Dezember, seit dem Zeitpunkte also, von dem ab sich die Stabilisierungskrise tn aller Schärfe bemerkbar macht, ist also sehr gering. Beachtens­wert ist, daß ber Anteil der beiden Geschlechter sich tn entgegengesetztem Sinn« entwickelt hat: während die Z-öchl ber unterstützten Frauen stetig sank, bewegte sich die Zahl der männlichen Erwerbs­losen ebenso stetig in aufftetgender Richtung. Diese Erscheinung erHart sich in der Hauptsache durch die Stillegung einer Anzahl von Betrieben ber Kälte wegen, in denen übertmegeni) männliche Kräfte be­schäftigt werden, während gleichzeitig tn anderen! Mehr mit weiblichen Kräften arbeitenden Industrien (Texckl», Tabakindustrie) die Beschäftigung sich etwa« gebefftrt hat. Die stark bie Inanspruchnahme ber Arbeitsnachweise und roie wenig erfolgversprechend die Arbeitssuche ber Arbeitslosen tn diesem Zeit­raum gewesen ist, mag aus ber Tatsache «heile«, daß von 100 Krbrftsfudjenben mar rund 9 in Ar- beitefbeDen untergebrocht werden konnten. > ,

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Zeigen sich heute schon AnztefHvn zur Bes­serung dieser Krise? Kein Zweifel, daß der Ab­bau der Preise in ben letzten Wochen die Rauftraft des Jnnenimarktes gehoben und auch die Export­aussichten gebessert hat. Die Großhandels-Jndex- ziffem sind die Ziffern des Jahres 1913 ----- 100 angesetzt z. D. für Inlandswaren von 115,3 am 2. Januar auf 106,3 am 22. Januar surü cf gegangen. In nahezu allm wichtigen Waren fft in den letzte» Monaten ein Preisabbau erfolgt, der in einzelnen Warenarten bie Preise erheblich unter bas Weitz marftnhxttu herobaedrückt hat, während sie in an­deren mir wenig über dem Weltmarttpreft tagen. So bsispislsweise betrug ber Preis für Rogg.n (df. «mfetent) ben Weltmarktpreis wiederum gleich 100 gesetzt am 15. Januar 9SH, ber Preis für Weizen 89,1, ber Preis für Weizenmehl 107,4, für Baumwolle 104,7, für Blsi 74,9, für Zink 107,7, für Eisen 103,3, für Kohle 106,3.

Begleicht man diese amtlich notiert«, Preise mit der Preisbildung ber vorangegangenen Monate, so nimmt man wahr, daß ber deutsche Roggenpreir

sich seit dem 2. Noveneb«, wo er mit 10,19 Sold' mark für 50 Kg. märkischen Roggen fernen höchsten Stand erreichte und um ,77,2 Prozent über die Ehicago-Notierung hinausging, bis zmn 12. Januar, woselbst er m Berlin mit 7,23 Goldrnark notiert wurde, um 29 Prozent gesenkt hat. Am 31. wurde der Roggen m Derim nurmehr mit 5,9-- Mk. bewertet, so daß die Berliner Notierung nun.nchr unter dem Chicagoer Preis (30. Januar 6,09 rur einen Zentner) liegt. Ebenso kst der Preis für Bei- zsrrmeht, der bis Anfang Januar noch um 10 Pfg. Über den Newyorker Preis hinausging, seitdem be­trächtlich gesunken. Am 31. Januar unterschritt er mit 22,63 Mark für 100 Kg. die Newyorker Kotie­rung (2430 Mk.) um 8 Prozent.

Don ebenso enffchekdsndsr Bedeutung für die Gr- stehungskosten der Industrie wie die Roggen- und Roggenimehlpreise sind die deutschen Kohlen-, Eisen- und Stahlpreise. Auch hier ist in ben letzten Wochen ein Abbau erfolgt, der eine bal­dige Sefjerung der Wirtschaftslage erhoffen läßt. So Regt z. B. der Preis für Ruhrförderkohle, der Mitte Oktober den gleichartigen englischen Preis um nahezu 105 Prozent überschritt, heute, nur noch 8 Prozent höher als der englische Preis. In glei­chem Zeitraum ist die Spanne zwischen ben deutschen und den englischen Roheisenpreisen, die Mitte Oktbr. noch 23 Prozent betrug, so gut wie gefallen. Auch der deutsche Trägerpreis, der den gleichartigen eng- lisch-n Preis Mitte Oktober um 1718 Prozent und Mitte Dezember noch um 7 Prozent über schritt, hat diesen jetzt mit 130140 Gold mark pro Tonne erhebfich unterschritten.

Bedenkt man, daß in den letzten 3 2iona.cn des Jahres 1923 die Real löhne der Bergarbeiter in allen Hauptgruppen in den 5 Hauptgebieten des Steinkohlenbergbaus durchschnittlich um 30 Prozent gesunken und damit von 69,22 Prozent des Bor­kriegsschichtlohnes nn September auf 51,04 Prozent für ledige und oo-n 75,44 Prozent auf 55,66 Prozent des Barkriegslohnes für verheiratete Hauer und Schlepper im Durchschnitt zurückgegangen smd, be­denkt 'man ferner, baß die Tariflöhne ber Berg-, Dau», Holz», Metall-, Texffl«, Fabrik-, Buchdruckerei. und Reichsbetriebsarbeiter im Durchschnitt von 67,16 amt im August für den gelernten Arbeiter auf

Prozent an November und für den unge­lernten Arbeiter von 86,38 Prozent des Bor« kftegslohnes auf 65,68 Prozent hn November ge- fünfen sind, so wird man auch aus dieser Tatsache eine Senkung der Produktionskosten ber verarbeitenden Industrie entnehmen, die sich in einem Preisabbau und in ber Zunahme der Export« fcchigksit demnächst wird äußern können.

Tritt zu diesen GeftmdEgssymptomen unserer Wirtschaft dann noch eine planmäßige und baldige Steigerung unserer Produktion, so wird eine entsprechende Besserung auf dem Arbettsmarkt die batoige Folg« sein. (Es kann in diesem Zusammen- Hang sestgestellt werden, daß sich z. B. die Förde­rung ht ben Steinkvhlenbergchaubezirken des und«, fetzten Deutschlands feit Beginn dieses Jahres be­reits erheblich gehoben hat. So erhöhte sich m Oberschlssien die Förderung vom 3.25. Januar nach dem Inkrafttreten des Uebereftrkvmmens über die Verlängerung der Arbeitszeit, bas von den Ar­beitern eine Mehrarbeit von 1%2 Stunden ver­langt, auf den Arbeitstag um 31 780 Tonnen gegen­über einer arbertstägkchen Leistung von 37 218 To. tm Durchschnitt 1913 und 29 748 Tonnen im Durch­schnitt 1922. Auch im Ruhrbezrrk fft die Kohlen- Produktion auf jenen Zechen, die infolge ihrer Lage die Möglichkeit habe«, ihre Förderung auf dem Wasserwege zu verladen, erheblich gafft »gen. Auf den ThystM-Zschen z. B. wurde bereits Anfang Jlnmar eins Leistung von 14 bts 16 000 Tonnen «reicht, ffine Förderleistung, di» annähernd ber Tagesleistung ber Gesamtbelegschaft iin Jahre 1918 von hn Durchschnitt 0,89 To. pro Kopf ent­spricht. HAt diese erfreuliche Zmi-ahme ber Fürder, (effhtngen hn Bergbau an, so wird auch sie |u einer öeiteren Belebung ber oerarbeiteilen Industrie bei­tragen können. Go wenig Ursache zu einem über« eilten Optimismus bezüglich der Lage unserer Wir«, schäft fft, so sehr können wir deshalb mit Beruhi­gung dies« Symptome einer beginnenden Sa­nierung der deutschen Wirtschaft buchen und mit einer gewissen Hoffnung in bie Zukunft sehen.

Neue Bücher.

Reine 3ugen»rtif<. Von Dr. Tihamer Toth Privatdozent an der Universität zu Budapest. Stit eine, Einführung von Dr. Linus Bopp, Privatdozent an da Universität zu Freiburg L Br. Mit 4 Bildern. 8» (XII u. 160 S.) Freiburg L Br. 1923, Herder. Geb. G.-M. 2,20. Ausklärungsbücher, bas heißt Schriften, die ber geschlecht- sichen Selbsterztehung der Hercmreifenben dienen wollens gibt es viele. Doch geht positiv vor, und er verbindet begeffternden Sbealismus mit gesundem Reali sA mus. Er zeigt zunächst die göttlich« 2der auf, dtet der Schöpfer in ber Geschlechtskraft des Menschen oeiS mirklicht hat. Toth vermeidet dabei den Fehler anderer. Lufklärungssormen, die vor lauter Idealismus den Bo­den der Wirklichkeit verlieren und die jugenMtdfen Leser, «st recht an sich und der Wirklichkeit irrt machen. »ufJ klärungsbücher sind Notbehelfe, die das lebendige Wortj nur schwer ersetzen können, weil ihnen da» Persönliche fehlt. Aber gerade dem Verfasser dieses Buches gelingt es, eine persönliche Fühlung mit seinen Lesern zu ge­winnen. Sowohl mit Rücksicht auf den Stoff wie bie: Form ber Darbietung dürfte das Buch nicht bloß bete -ormMilendsn, für bie es zunächst bestimmt ist, sonderns auch den Eltern und Erziehern vieles bieten können.! Natürlich hat die deutsche Bearbeitung des Buches der! deutschen Seele stet, gerecht zu werden gesucht.

Eingesandt.

Seit Jahren sind die Eingesandt wegen mangelnd«! Straßenbeleuchtung eine ständige Erscheinung. Dichh Angelegenheit liegt bei der GaswerkskommWon, ber Beamte, Magistratsmitglieder und Stadtverordnete an. gehören und welche selbständig handeln kann und han­delt und deren Beschlüsse eine Genehmigung der Sorpo- rationen nicht erfordern. Vor dem Kriege war die Stra- ßenbeleuchtung in Fulda eine sehr gut« und wenn Hieriw in der Kriegs- und Nachkriegszeit mitunter sehr bedeu­tend abgebairi werden mutzte, so sind Ja die Ursachen hierfür (Kohlenm.mgel) bekannt. Auf Anregungen und Darstellungen hin hat die Kommisiion sowohl die Zahl der Laternen im allgemeinen, als ganz besonders die Zahl der die ganze Nacht hindurch brennenden Laternen (Richtlaternen) mehrmails erhöht, doch dürfte auch h«tte noch diese ZaU einer nochmaligen Nachprüfung bedürf- tig sein. So versuchte ich schon seit 20 Jahren eilte bessere Beleuchtung z. B. der oberen Bahnhofstraße in» zwar auf der rechten Seite, wenn man vom Bahnhaf kämmt, berbeizuführen, doch leider bi» heute vergeblich. Wohl weiß ich, daß dann gleich mehrere Dutzend Inter, efienten erscheinen werden, welche die Notwendigkeit als ebenso dringend begründen werden, aber gerade vom Bahnhof beim Haupteingang in die Stadt erachte ich den heutigen Zustand besonders Ecke Heinrich-Bahnhofftratze als unhaltbar. Bei ber heutigen Finanznot der Kom­munen spielt bie finanziell« Frage der Straßenbeleuchtung^ ernt große Rolle. Es tritt auch hier der verlorene Krieg! mit dadurch in Erscheinung, daß für solche der Allge­meinheit dienenden Ausgaben bie AllgsmeurlM durch das Reichsfinanzgesetz nicht zur Tragung der Kosten durch Zickchlä« zm ^Einkommensteuer hsrangezogen werden kann, sondern daß diese Mehrausgaben nur durch Zu- schlüge zu den Real- (Gebäude, Grund und Gewerbe) Steuern aufgebracht werden können. Da aber gerabt, bitten Realsteuern schon jetzt von Reich, Stach unb Städten viel ausgehalst wurde und bis 1. April noch weitere Lasten zugedacht sind, ist die Stellungnahme der Gaswerkskmmrssion nach diesem Gesichtspunkt sehr wokü zu verstehen, um eben dies« Steuern für den gewerblichen Mittelsttmd noch eimgermatzen tragbar zu gestalten. 6me weitert Möglichkeit zur Vermehrung ber Straßenlaternen imb Aimgleich ber Kosten wäre die Erhöhung des Gas« preise«. Hiergegen müßte ich aber enffchieden protestie« ren, indem die verhältnismäßig wenigen Privatgaskon-, fumenten dann die ganze Last für die allgemeinr affent- kicke Beleuchtung zu trogen hätten. Der Bonftantrigtett halber unb zum Nachdenken möchte ich der Allgemeinheit einen Fall zur Kenntnis geben, wo zwei Nachbarn teer, m Fulda nachts das ganze Jahr hindurch an ihrem An- wesen eine Sttaßenlaterne brennen lasten unb dem Gas- wert hierfür bie Selbstkosten bezahlen.

Jos. Kapp, Stadtverorbnetenvorsteher.

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6.

In Wernon hatte man alle Vorbereitungen zum Empfang des Marquis von Fosteuse getroffen. Simon- net war schon seit dem frühen Morgen auf ben Fußen und trotz der Hitze, die den Tag zu einem unerträglich- heißen zu machen d-rohte, unobläsfig ht Bewegung: er tauchte abwechselnd in der Küche, im Retter, hn Garten, tm Speisezimmer und im Salon auf, durch die Mek- sältigkett feiner SBetfungtit die beiden Mägde unb ben 'Gärtner, die für gewöhnlich zur Bebtimmg des Haus- wesens ausreichten, m nicht getfngt Verlegenheit ver­setzend.

Gegen neun Uhr, als er die mit dem ersten Frühzug gus Rouen eingettoffenen zwei Hotelkellner mit seinen Wünschen und Anforderungen bekannt machte, tarn seine Tochter zum Vorschein. Sie trug ein leichter Morgen- Leid aus weißem Wollzeug, das durch eine Sechenschnur los« um die Taille festgehalten war; die üppige Maste des schwarzen Haares ward am Scheitel durch einen Kamm gehalten. Sie wollte die letzte Hand an itzt Bor« berettungen legen, die schon Tags vorher begonnen wor­ben wie aus den reichen Vorräten an Tafelwäsche und Eilbergeräten, die man bereits in den Sprffesaal geschasst Hatte, zu erkennen war.

i .Du bist noch nicht angefieibet?" fragte Dimonnet überrascht.

! .Ich habe noch reichlich Seif', erwiderte sie, ber -Erregtheit des Vaters ihre gewohnte Ruhe entgegen- setzend.

.Met weniger als du mainft Ich sah« gleich zpm Bahnhof, in einer Stunde sind mir da und ihr dsihe, deine Großmutter und du, müßt dann i» Salon sein, 12 tn unseren Gast zu emystmge«.' -1

Vüßir werden dort fein, Papa, sei unbesorgt!'

Er Pickte die Achseln, während er etwas Unverständ­liche, vor sich hinbrummte, unb begann beim wieder 4

hin- unb herzueilen, sich uw altes zu kümmern unb eher Unordnung als Ordnung zu schaffen. Er zeigte, wie dir Gedecke auf dem Tisch zu liegen hätten, Netz überall Blumen anbringen, ritz dem Gärtner selbst gange Rosen- bündel aus ber Hand, um alle Vasen des Erdgeschoss damit zu füllen, und kümmerte sich um die geringsten Einzelheiten. Er fragte, ob das Eis schon Sa sti, Bar.b ber Köchin eindringüch auf die Serie, ten Braten «ich! verbrennen zu kaffen, und «üeBerhvkie nnablafsig, daß ihm vor allen Dingen daran gelegen sitz, dem Ganzen einen recht teterüchen, grvßaetftten Anstrich zu geben.

Ich sehe schon, daß du nur selbst nichts z« tun übrig lSffest', bemerkte Gllbeete »ach einer Brite, denn btefee llebtrmotz an XOUgfett und Me zunehmende Hitze machten sie ein wenig nervös.

Wenn du das siehst, so kehre in drin Zimmer zurück und mache dich nur recht schön. Achte auch auf d« Toilette deiner Großmutter, die zuweilen eine unglaub­liche Geschmacklosigkeit entwickelt. Beide sollt Ihr fe schön und gewinnend effcheinen, wie es euch nur mög­lich tft.N

Räderrollen, dar aus dem (Serien vernehmbar ward, machte seinen Dorten ein Ende. Gilbe^e blickte durch bas offene Fenster und sagte:

Der Landauer fft da.'

Slmonnet blickte gleichst!lls hinaus und wer ganz entzückt von der Pracht des Gefährtes, dar vor der Freitreppe hielt. Der Wagenvennister hatte feine Sache entschieden gut gemacht. Er wunderte sich bloß über dar Schweigen feiner Tochter, die seine Degrifteeung nicht zu teilen schien.

.Ra, wie gefällt dir dos?' fragte er.

Sehr elegant in der Tat,' erwiderte sie gleich­mütig.

Gin Glück, baß du dar anMrtennen geruhst. Du könntest sogar eine etwas freundlichere Biene auksttz« und mk harrte*, beim schließlich, wmn, fe mir gar fo viel Mühe gebe und vor feiner Ausgabe zurückschrecke, so geschieht er ja doch nur um deinetwAen, um dein Glück zu förbem.'

Wohl hatte sie sich vorgenoinmen, die Rolle, bie ihr bie Umstände auferlegten, unentwegt zu Ende zu spielen unb gute Miene zum bösen Spiel zu machen; als sie aber einen versteckten Vorwurf aus den Worten ihres Vaters herauszuhören meinte, vermochte sie sich nicht länger zu beherrschen unb ensfberte:

Es wäre sehr kläglich um das Glück bestellt, wenn »s bloß darin bestünde, uns einen schönen Wagen unb zwei teure Pferd« anzuschaffen.'

Tinwnnet blickte sie beunruhigt und aegrnöhnisch an. Er fand, daß sich hinter ber Kälte, bie Gilberte zur Schau «M- jene Steigung zum Widerstand verberg«, ber ihn flchrm cknmal in so heftigen Zorn versetzt hatte, und « fragte sich, ob er nicht von einem Irrtum befangen gewesen, als er Tags vorher diesen Widerstand endgilüg beseitigt zu haben wähnte.

,®o hältst du dein Versprechen?" fragte er ärgerlich. Ich habe Herrn von Fosteuse nur eingeladen, weil du mir versprochen hattest, ihn freundlich zu empfangen. Denn du ihm aber mit dieser Miene entgegentreten willst, fo wäre es besser gewesen, ihn nicht kommen zu laflen."

Diese Worte brachten Gilberte zur Besinnung unb machten ihr klar, daß sie einen schweren Fehler begehe, ««m fte von dem uvsprünglich vorgezeichneten Verhak- ten akmtzch. Cs mar entschieden unklug zu sprechen, mit sie es soeben getan. Sie bereute es jetzt und war fortan bestrebt, ben instinktiven Widerwillen zu verbergen, den sie gegen diesen unbekannten Edelmann empfand, den man fte mte einen Freund zu empfangen zwang.

Ich hab« keine Absicht, deinen Schützling unfreund. IN zu empfangen, Papa; fobald er hier ist, werde ich sein, was ich fern muß."

,Sas will ich mehren, erwiderte Simonnet, der sich allmählich beruhigte.Run aber gehe dich cmzukleiden,' eemahmte er wieder;ich fahre zur Bahn.

Rachdem er gegangen, begab sich Mlderte seufzend in ihr Zimmer. Sie bemühte sich, ihren dumpfen Grctzl zu bemeistsrn; einer Nichtigkeit wegen hatte sie sich zu einer bitteren Bemerkung hmrrrSert faffen. Porten

wollte sie sich indessen bester beherrschen und endlich ans Ankleiden gehen, worauf sie ltz« Toilette ihrer Groh-: mutier zu überwachen gedachte, welche wohl noch imi Bette lag. Sie ließ die alte Dame niemals durch einen anderen wecken und war noch nicht in ihrem Zimmer gewesen. Ms sie aber ihr Haar zu einem kunstlosen, vollen Knoten geschlungen hatte, wurde die Tür ge­öffnet und Frau Regnard hat angekleidet rin. Sn ben »eiten Fasten ihres schwarzen Seidenkleides tmb mit ber Hemde au« malrenfardenen Spitzen und Bändern^ bie fte auf da« «riße Haar gesetzt hatte, erinnerte fies <m ehw Herzogin aus uraltem Geschlecht, wie man sie, alten Porträts fthen kann. j

.Grohmama, du!" rief Gilberte au», während bin Bünde mit größter Sicherhett, als hätte fte ihr Zugen-j licht nicht «ingebüßt, auf einen Fauteuil zuschritt, m dem sie regelmäßig saß, wenn sie in das Zimmer ihrer ®n»j ft [in kam.Du hast nicht auf mich gewartet?" I

Ich wußte, daß du heute morgen flchr viel zu turr haben würbest und wollte dir eine Arbeit ersparen." f

Und ganz allein hast du dich so prächtig geschmückt?"; Ganz allein," erwiderte Frau RegnwL mtt einem Lächeln befriedigter Eitelkeit.Die Kammersrau hat mist nur beim Aussehen der Haube ein wenig geholfen. Sitzt; sie nicht schief?"

Ein zärtücher Kuß mar die Antwort unb die ge-j liebte Stimme, deren Klang ihr stets bas Herz erfreute,, fügte hinzu:

Du bist entzückeub, Großmama, un2j geändert werben braucht nicht das Geringste cm dir." f

Du bist noch nicht bereit?" fragte bie alte Dame^ deren welke Hände Gilberte» Arme berührten.

Lch brauche nur noch das Kleid überzumerfen." Welches nimmst du?"

,£), so viele habe ich nicht und meine Dahl war dae her bdb getroffen. Herr von Foffeuse wird mich in Meinem erbsenfarbenen Kleide mtt dem Meuet Gürtet sehen, dazu dos Perlcnkollier, das du mir geschenkt haft einige Rosen unb weiter nichts."