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y-inzelnunimer 10 Pfennig.

Nr. 42.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Lerantwortii» lür die Echriitlettmig: Dr- Johannes Äramer. Anzeigen: I. Dariellcr. Iuldo. Rotationsdruck und Beilag der r Fuldaer Actienürackeret In Fulda. Fernlvrecher Rr- 9. ::

Bezugrvreir: Monat Februar 2.OV Lloldroark frei Laus.

Dienstag, 19. Februar 1924.

Suzeigen-Preile: Lleinzeile (Colonel) lokal 0,15 Goldmarl aurwSrtS 050 »oldmark: Reklamercile lokal 0,60. Boldmart anlwärti 050 «oldmark. !.

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51. Zahrg.

Internationale Intelligenz gegen Versailles.

Sine Kundgebung in der Berliner Ilnioerfitäk.

Bei der am Samstag abend von Angehörigen von mehr als 30 Staaten in der Uni­versität Berlin veranstalteten Kundgebung gegen »os Diktat von Versailles erinnerte der Rek­tor der Universität Professor R ö t h e daran, wie vor 10 Jahren in demselben Raum die Ver­treter der Kulturwelt beim hundertjährigen Jubi­läum der Berliner Universität dem Deutschen Reiche buldigten und wie wenige Jahre nachher von den Kulturverdiensten Deutschlands nirgends mehr die Rede war. Weiter sagte der Redner, die Welt brauche ein starkes und freies Deutschland.

Thomas Hall (Vereinigte Staaten) erklärte: Unser Ziel ist eine Verständigung zwischen den Völkern auf der Basis der Gerechtigkeit. Wen hat der Versailler Vertrag glücklich gemacht? Frankreich, das in Gefahr ist, keinen Freund auf der Erde zu haben, höchstens ein Paar gekaufte Liebhaber! (Stürmischer Beifall!) Oder England? Es sind viele in England, die heute gern die Uhr um 9 oder 10 Jahre zurück­stellen möchten. Die kleineren Staaten sind in Ge­fahr, Vasallen einer fremden Militärmacht zu wer­den.

Geza L u k a c z (Ungarn) wies darauf hin, wie fyt Jahrhunderten zu Ungarn gehörende Gebiete im Frieden von Trianon vom Mutterlande abge­rissen worden seien, und schloß: Die vollkommen unnatürlichen Staatenbildungen werden gesprengt und die Völker befreit werden.

Shigendri I d e k a (Japan) betonte, daß sein Vaterland wider seinen Willen in den Krieg hinein­gezogen worden sei. Die Japaner hätten es satt, den Helfershelfer Frankreichs zu spielen.

Ferner sprachen Wenzel Frankemöller (Holland), De la Escopura (Spanien), Lehmann (Finland), Hakki Bey (Türkei), Schnitter (Bulgarien) Yi-Ling (China), Mogens (Norwegen), R. des Coux-Ste- vens (England) und E. Jenny (Schweiz). Zum Schluß wurde eine Entschließung angenommen, in der namens von mehr als 30 Vertretern neutraler ind ehemaliger kriegführender Nationen eine R e« tzifiondesVerfaillerDiktates gefordert wird. _______________

Wahl in Mecklenburg.

Wie die „Mecklenburgische Zeitung" meidet, wür­ben bei den meckleickurgrschen Landtagswahlen am Sonntag bisher folgende Stimmen abgegeben:

Deutschnationale 51615, Deutsche Volkspartei 12 539, Deutschvölkische 32 686, Wirtschaftsbund 3552, Demokraten 6166, Landpartei 2275, Republi­kaner 1065, Sozialdemokraten 39 081, Unabhängige 886, Kommunistsn 25105.

Die Zusammensetzung des Landtags dürfte nach den bisher vorliegenden Wahlergebnis­sen etwa folgende sein: Deutschnationale 10, Deutsche Volkspartei 2, DeutschvälUschr 6, Demokraten 1, So­zialdemokraten 7, Kommtisten 5 Sitze, Wirtscha-sts- bund, Republikaner und Landpartei keinen Sitz.

Bemerkenswert ist wieder der vollständige M i ß- erfolg der „unparteiischen" Listen. Der Wahl­ausgang läßt eine schwere Einbuße bei den Sozial­demokraten, eine mäßige Zunahme bei den Kommu­nistin und einen starken Aufschwung bei den Deutsch» ölkischen erf ernten. Auch die Deutsch- nationalen haben zum Teil stark zugenommien. Die Deutsche Volkspartei wird wahrscheinlich höchstens die Hälfte ihrer bisherigen Sitze erhalten. Die De­mokraten werden ungefähr ihren Bestand behalten. Die Wahlbeteiligung war im allgemeinen gut und wird auf 80 bis 85 Prozent geschätzt. Die Wahl ist, soweit bekannt, überall ruhig verlaufen.

Eine letzte Meldung bringt folgende Emzelergeb- nsise:

Wtb Schwerin, 18. Frbr. (Tel.) Bisher Negk aus 660 Wahlbezirken das vorläufige amtliche

Helgoland.

Don SkuKenrat Dr. K. Welz. '

Lockend ragt aus der Nordsee der steile, rote Fetsen des kleinen, wogenurnbrantettn Eilander, so weit vom Festland, daß eine wirkliche Seefahrt nötig ist, um hin- über zu gelangen, nahe genug, um die Ummnehmlich. ketten einer solchen Fahrt gerade noch erträglich er­scheinen zu lasten. Man erreicht von Hamburg aus Cuxhaven mit dem Schiff oder der Eisenbahn, von dort sind es dann noch etwa 60—70 Äm. für die Seereise. Man löst die Fahrkarte und geht auf langem Steg hinaus an die Anlegestelle des Dampfers. Dom Meer ist nicht viel zu sehen, jedenfalls hat man keinen über­wältigenden Eindruck, graues Master schiebt sich zwischen schwere, eingerammte Pfähle. Auf dem kleinen Dampfer HÄga, der für die Ueberfahrt gemietet ist, ist noch reich­lich Watz. Mit einem Klappstuhl sucht man sich seinen Sitz möglichst geschützt. Allmählich wird da» Gedränge größer, der verfügbare freie Raum verschwindet. Ein Mvtograph macht Aufnahmen, man kann sie für einiges Geld sich nachschicken lassen. Dann löst das Signal zur Abfahrt unsere Verbindung mit dem festen Lande, gleichmäßig und ohne Wehmut führt uns der Dampfer davon. Wir sind auf dem Schiff und müssen ihm fol­gen, eine Umkehr ist nicht mehr möglich. Di« Stimmung ist vielfach laut und steudig, man hofft bald drüben zu sein, und ängstlichere Gemüter machen sich jedenfalls nicht selbst bemerklich. Die Türme von Cuxhaven ziehen an uns vorrwer und verschwinden allmählich, die Inseln Neuwerk und Scharhöm sind vom Festland nicht zu unterscheiden. Das eine und andere Feuerschiff taucht auf und bleibt zurück. Man merkt allmählich, daß unser Fahrzeug draußen auf dem freien Meere schwimmt. Das Schaukeln wird stärker. Fortgesetzt taucht der Bug

Wahlergebnis vor. 10 Bezirke fehlen noch. Es er­hielten: Deutschnationale Aolksparlei 72048, Sozisl- demokratie55342, Deutschvölkische 49483, Kommu­nisten 35027, Deutsche Volkspartei 21474, Demokra­ten 6813, Mrtschaftsbund 4251, Landbund 2845, Unabhängige 2155, Republikaner 1809 Stimmen. Die Mandate würden sich wie folgt verteilen: Deutsch- nationale 14, Sozialdemokraten 11, Deutschvölkische 9, Kommunisten 7, Deutsche Volksparlci 4, Demo­kraten 1, Mrtschaftspartei 4, Unabhängige und Re­publikaner erhalten kein Mandat.

va§ bayerische Volksbegehren.

Erfolg der Bay. Bolkspartei bei der Abstimmung.

Nach den bisher vorliegenden Resultaten der Leiden Volksbegehren, auf Landtagsauf­lösung und Verfassungsänderung, ist mit Ausnahme von Nürnberg und Fürth der notwendige Prvzertt- satz der Wahlberechtigten zum Teil erheblich über­schnitten worden. Namentlich in den Landgemein­den ist, soweit bisher Ergebnisse vorliegen, eine Be­teiligung bis zu 80 und 90 Prozent festzustellen. Cs scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, daß beite Volksbegehren die verfassungsmäßige Unter st ützung gefunden haben.

wtb München, 18. Febr. (Tel.) Rach den »Münchener Neuesten Nachrichten" ergab das Ge­samtergebnis der Abstimmung für das Volksbegeh­ren in München für die Landtagsauflösung 108 892 Stimmen und für die Verfassungsände­rung 99 930 Stimmen. Wie das Blatt schreibt, dürste es nach den bisher eingegangenen Teilergeb­nissen kaum zweifelhaft fein, -aß ide erforderliche Stimmenzahl von 800 000 für beide Volksbegehren aufgebracht wird.

Deutschland und der Völkerbund.

Vorwiegend in der Auslandspresse sind dieser Tage Mitteilungen erschienen, daß die englische Regierung die deutsche Reichsregierung zum Eintritt in den Völkerbund emgetaden habe. Wir können demgegenüber mitteilen, daß weder offiziell noch offiziös von England an die Reichsrsgienmg in dieser Sache herangetreten worden ist. Es ist richtig, daß der gegenwärtige englische Ministerpräsident Macdcnald einen strlchen Plan schon vor fei» ner Ministerpräsidentschaft propagiert hat und eine derartige Idee liegt ja in dem Gedankenkreis seiner politischen Einstellungen überhaupt begründet. Es muß der englischen Regierung, nachdem sie die Sache selber will, auch überlassen bleiben, den Termin zu bestimmen. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Frage eines Eintritts Deutschlands in den Völker­bund nur diskutiert werden könnte, wenn die Auf­nahme ohne irgendwelche Erklärungen un­sererseits hinsichtlich ter Friedsnsverträge und ihrer Verpflichtungen erfolgte. Eine nochmalige Aner­kennung dieser Friedensverträge und ter durch sie vor allem geschaffenen territorialen Zustände in Deutschland ist ganz und gar ausgeschlossen.

Huslmtd.

* Achtstundentag in ter Schweiz. Bei der schwei­zerischen Volksabstimmung wurde der neue Artikel 41 des Fabrikgesetzes, der urtter gewissen Voraus­setzungen eine Ausdehnung der Arbeitswoche auf 54 Stunden Vorsicht, mit beträchtlicher Mehr­heit abgelehnt und zwar nach den bis fetzt vor­liegenden Zählungen 'mit 431 341 gegen 314 009 Stimmen. Damit bleibt ter bisherige Artikel 41 .n Kraft, ter Ausnahmen von der 48 Stu-iSenkooche nur bis 52 Stunden gestattet. 70 Prozent der Wahl­berechtigten beteiligten sich an ter Abstimmung.

* Das amerikanische RepcZsenlankenhaus har sich ter Forderung des Senats angeschlossen, wonach die amerikanische Regierung die zurzeit von ter Cali- sornischen Standard-Vilcompagriy betriebenen Pe-

des Schiffes tief in die Wogen, hebt sich dann wieder, um von neuem platt auszuschlagen. Das Wasser spritzt hoch auf, ost über das Verdeck hin. Bei vielen legt sich der anfängliche Uebermut; sie werden still und hören auf zu singen. Das mit umgekehrter Weinflasche, dir als Fernrohr dienen sollte, bereits bei ter Abfahrt ge­sichtete Helgoland ist noch in weiter Ferne, nicksts als Himmel und Waffer bietet sich dem Blick.

Weiße Kämme schäumen auf und zerrinnen im Wellental. Möwen umflattern uns und sinken auf die Wogen herab. Stundenlang geht es so weiter. Mit­unter scheint das Schiff still zu stehen. Achtung ruft es von vorn, dann ein mächtiges Platschen, die Maschine stockt, setzt wieder ein rmd es geht langsam weiter. Rück­wärts blickend sieht man mehrere andere Fahrzeuge ähnlich mit den Wellen kämpfen. Unwahrscheinlich tief schlagen sie in die hochspritzenten Wellen, um sogleich wieder hoch herauszuragen. Wenn man über dar Heck hinwegschaut, hebt und senkt sich der ganze Horizont zusammen mit dem Meere, den Wellen und den Schiffen. Mancherlei Ratschläge, wie man sich verhalten soll, wer­den erörtert, ob man essen ober fasten soll, sitzen oder stehen, auf das Meer oder auf das Schfff den Blick richten soll. Viele sind bereits endgültig erledigt. Fast kann man, im Tauwerk hängend, mit der Hand über Bord den Kamm der Wogen erreichen. Leiter sind manche Mitreisende mtt ihren »Erleichterungen", die sie von sich geben, so rücksichtslos, daß ter Danebensitzente nicht unbehelligt bleibt, ja, einer steigt leider dabei sogar auf das obere Verdeck, wodurch die Wirkung um so umfassender wird. Manche liegen totenblaß lang aus­gestreckt. lieber fünf Stunden brauchen wir so gegen Wind und Wellen, dir wir m die Nähe Helgolands kommen, wo die Plage zwar am schlimmsten wird, dann aber auch rasch ein Ende findet. Es mag fern, daß auf größeren Schiffen solche Szenen leichter zu ver-

troleumquellen übernehmen soll. Die Petrs» leumquellen sollen eine Reserve ter amerikanischen Flotte darstellen.

* Die Kundgebungen für die Pfalz, die am Sonntag in den großen Städten veranstaltet wur­

den, haben einen eindrucksvollen Verlauf genom­men. In Berlin sprach der deutsche Gesandte m Wien, Dr. Maximilian Pfeiffer, ein geborener Pfälzer, ferner Minister Dr. Hö fle. — In Elber­feld sprach am Sonntag Außenminister Dr. St re, s e m a n n über die politische Lage.

Die Lachverständrgen-DenKschrlft.

Der Z e n t r a l v e r l a g G. m. b. H., Berlin W. 35, stellt uns aus der Denk­schrift ter Reichsregierung: „Deutsch­lands Wirtschaft, Währung und F i n a n ze n", die den in Berlin tätigen Sach- verständigen-Ausjchüssen der Reparationskom- Mission übergeben worden ist, einen Auszug zum Aorabdruck zur Bersügung.

Deutschland vor dem Kriege.

Die deutsche Volkswirtschaft zeigt in den Jahren vor dem Kriege alle Symptome ter Gesundheit: starke Ge- burtenzfffern, rapides Absinken ter Sterblichkeit, einen Eeburtsüberschuß von jährlich 800 000 Menschen, ter zu 97 o. H. in brr Heimat Arbeit und Nahrung fand. Die Rente der industriellen Arbeit stieg, sie wurde 1813 auf 7—8 v. H. beziffert. Deutschland wurde von Jahr zu Jahr ein besserer Dtarkt für den Absatz ausländischer Waren. Es war 1913 der beste Käufer Englands (ab­gesehen von feinen Kolonien), Rußlands, Belgiens und Italiens, ter drittbeste Käufer Fnrnkreichs und ter Ber­einigten Staaten. Die Arbeitsteilung innerhalb der Weltwirtschaft, die der Eintritt Deutschlands in den Kreisen ter großen Hantelsvölker bewirkt hat, ist diesen selbst nicht weniger als Deutschland zugute gekommen. S. 36.

Die Wirkungen des Krieges.

An industriellen Rohstoffen hat Deutschland 26 v. H. der Steinkohlenproduktion verloren. Nach Abzug ter Reparationslieferungen und des hohen Selbstverbrauchs standen ter teu^chen Wirtschaft an Stein- und Braun­kohle nach ter Entscheidung über Oberschlesien 30 v. H. weniger Kohle al« vor dem Kriege zur Bersügung. Infolge ter ^Reparationslieferungen hat Deutschland in demsÄben ÜRafje, in welchem es vor dem Kriege Kohle ausgeführt hat, selbst Kohle einführen müssen. Seit einem Jahr sind weitere 76 v. H. der verbliebenen Stein- kohlenproduktton durch die Ruhrbesetzung ter deutschen Bersügung entzogen. Drei Viertel der Eisenerze, zwei Drittel ter Zinkerze sind mit den Industriegebieten in Lothringen unb Oberschlesien abgetreten worden. An die Stelle einer Mehrausfuhr des deutschen Zollgebiete» von 660 000 To. Roheisen im Jahre 1913 trat 1922 eine Mehreinfuhr von 140 000 To. Roheisen. Die Mehrein- fuhr von 690 000 la im Jahre 1913 ist 1922 durch eine Mehreinsuhr von 220 000 To. ersetzt worden.

Die schwerste Einbuße aber hat Deutschland an seiner Arbeitskraft erlitten durch die unmittelbaren Fol­gen des Krieges. Durch Tod und Verstümme­lung sind ter Produktion mehrere Millionen Menschen im besten Lebensalter verloren gegangen. Dazu kommt eine tiefgreifenbe politische Umwälzung, welche die Mas­sen ftn Zusammenhang mit den Ueberanstrengungen des Krieges und der Ernährung äußerst nachteilig beeinflußt hat. Die Entbehrungen ter Nachkriegszeit haben eine Erholung von diesen Schädigungen verhindert. An den Folgen ter Geldentwertung sind in den letzten Jahren aber auch die Mittelschichten des Volkes, ter Boden für die geistige Arbeit, zu Grunde gegangen. Die Ausbil­dung der Handarbester hat unter den Kriegsfolgen und dem materiellen Zwang zu frühzeitigem Geldverdienst gleichfalls schwer gelitten. Damit ist die Aussicht ge­schwunden, die Qualitätsarbeit in absehbarer Zett wie­der zu erzielen. Der Wert ter deutschen Produktion ist daher auch um mehr als ein Drittel gesunken. S. 37 und 38.

Die Wirtschaftslage 1923.

Der Rückgang tes Reallohns hat die Leistungsfähig­keit ter Arbeiter schwer beeinträchtigt. Bei der schlech­ten Ernährung und der wachsenden politischen Erregung gingen die Leistungen allgemein zurück.

Die Steigerung ter Produktionskosten hat dazu ge­führt, daß ter Absatz hn Inland noch stärker zurück­ging als die Ausfuhr, da bei der geringen Kaufkraft ter Löhne die große Masse nicht mehr die dringendsten Be­dürfnisse bestreiten konnte. Die Kaufkraft der gelernten Arbeiter betrug im Reichsdurchschnitt des Monats Sep­tember nur noch 60 v. H der Vorkriegszeit. In den Großstädten, wo sich die Wirkung der Geldentwertung auf die Preise schneller durchsetzte, war ter Reallohn zum Teil bis auf 30 v. H. gefallen. Bis Ende Oktober haben sich dann die Lohnverhültnisse außerordenttich ver­

meiden sind. Drei bis vier jugne Hunte sorgen, wie es heißt, für die Reinigung tes Schiffes. Als es am un­erträglichsten ist, schwingt sich ein junger Matrose un­bekümmert um die Welt um ihn her und ihre Bewegung auf einem Haufen Stiften, um mit einer Ziehharmonika die noch vorhandenen Lebensgeister etwas zu erfrischen. Das meiste seiner Lieder trug freilich ter Wind ungehört davon. Aber Helgoland ist jetzt in Sicht, die Hoffnung, daß es bald überstanden ist, gewinnt wieder die Ober­hand. Bald wstd ter Wellengang geringer, dann hält dar Schfff an, um auf der offenen Reede Anker zu werfen, umschwärmt von 5—6 Motorbooten, die die Passa­giere an Land tragen sollen, lieber eine kleine Treppe hinweg wird man von zwei Matrosen in einem leichten Schwung in das Fahrzeug auf der Backbordseite hinab- beförtert, das dann rasch ter Küste zufährt, sofort von einem andern abgelöst. Am flachen Strand des Unter« lautes ist ein kleiner Steg ins Meer hinausgebaut, an Land erwartet eine lange Reihe Badegäste die Ankom- menten. Eine Gaffe wird gebildet, man ist genötigt, zwischen den drängenden Menschen hmdurchzuschreiten, die jeden möglichst zu hänseln suchen, bis man sich schließ­lich seitwärts hinausdrückt. An Unterkunstsgelegenheit fehlt es nicht: sofort wird man angesprochen und zum Milgehen aufgeforteri. Gasthäuser sind in großer Zahl vorhanden, überall sind auch Prioatzimmer zu vermieten. Au; dem Fenster blickend sieht man fast wie im Traum die rote Felsen wand 50—60 Meter hoch aufragen, wäh­rend draußen im Meer ruhig unser Schiff vor Anker liegt, den letzten Dampf verströmend, inmitten zahlreicher kleinerer Fahrzeuge. Eine starke Erschöpfung ist das erste Gefühl und die Freute, am Ziel zu sein und wieder auf festem Grund. Mer Zurückliegende ist oergeffen. Ganz Deutschland und alles, was einen da bedrückt, ist hier verschwunden. Es liegt ja das weite Waffer da­zwischen. Dann wird ter erste Rundgang unternommen.

schlechter! So betrug der Rcallohn eines Berliner Dau- arbetters Mitte Oktober nur noch 18 v. H., eines ge­lernten Berliner Buchdruckers gleichfalls noch 18 v. H., eines Hauers int Ruhrgebiet noch 33 o. H. des Dor- kriegslohnes. Eine kurze Zeit im September verdiente ter gelernte Holzarbeiter noch 24 v. H. feines Dorkriegs­einkommens. Die Mittelschichten der Bevölkerung sind zum Teil noch schwerer betroffen worden. Die Beamten- gehälter haben durchschnittlich 40 o. H. der Dorkriegs- gehälter in den letzten Monaten nicht mehr überstiegen, ganz abgesehen davon, daß sie infolge ter Not der Reichs­finanzen nur unregelmäßig ausgezahlt werten konnten. Fast ein Sechstel ter deutschen Bevölkerung, darunter ein wesentlicher Teil des früheren Mittelstandes, muß heute, abgesehen von ter Arbeitslosigkeit, durch öffent­liche Fürsorge erhalten werten. Kapital und Renten dieser Schichten sind durch die Eeltentwertung vollkom­men aufgezehrt worden. S. 41.

Die Stabilisierung.

Unter ter Voraussetzung, daß die begonnene Stabi­lisierung ter Währung durchgehalten wird, darf die Ent­wicklung der letzten Wochen als Uebergang aus der Geld- entwertungskrffe zur Realisierungskrise mtt der Aus- sicht auf allmähliäse Gesundung ter Wirtschaft angesehen werten. Wie es in dem Gutachten der internationalen Finanzsachverständigen vom November 1922 angeregt worden ist, bat Deutschland von sich aus, ohne fremde Hilfe und ohne mdgültige Regelung ter Reparations­lösung abzuwarten, den ersten Schritt zur Stabilisierung getan. Die Grundlage ter Stabilisierung, welche Deutsch­land aus eigenen Krästen angesichts des Verfalls feiner Wirffchast Herstellen konnte, fft indessen schmal. Die end­gültige Durchführung ist ohne die Hilfe ausländischen Kapitals und ohne die Wiederherstellung der deuffchen Wirffchaftseinheit nicht möglich. (S. 43.)

Zur Dährungsfrags.

Di« scharfe Uederwachung des Zahlungsrnitteloer- kehrs und die Stillegung der Notenpreffe bilden zunächst einen Schutz gegen währungspolitische Gefahren. Das Reich befindet sich freilich in einer schwierigen Sage; denn die ihm von ter Renten bank zu gewährenden Kredite sollten ihm eine Atempause verschaffen, während bann ter Ausgleich des Haushalts herbeizuführen märe. Wenn gleich die Steigerung der Einnahmen einen befriedigen- teil Fortgang nimmt, so ist doch dis Lage kritisch, da der Kredit bei ter Rentenbank in Höhe von 1200 Billio- nen Rentenmark bald erschöpft ist. Auf dem Gebiete ter Einschränkung der Ausgaben und der Erhöhung ter Einnahmen ist alles geschehen, was geschehen konnte. Ein stärkeres Anziehen der Steuerschraube fft nicht mehr möglich, da die geschwächte deutsche Wirtschaft die Last nicht mehr tragen konnte. Die namentlich durch die In- Hatton herbeigeführte Minderung der Substanz, also die Verarmung der deutschen Wirtschaft treten in der drin­genden Kapitalnot und in ter herrschenden Kreditknapp­heit zu Tage. Wenn in einigen Wochen die Bilanzen ter deuffchen Kaufleute und Gesellschaften in Gold aufgestellt vorliegen werden, wird diese Verarmung zahlenmäßig zu greifen sein. (S. 52.)

Grundzüge des Haushalts 1924.

Ausgaben:

1. Allgemeine Reichsverwaltung 5072 G.-M,

2. Ausführung des Vertrages von Versailles 640 .

Summe ter Ausgaben 5712 .

Einnahmen : 5274 „

Fehlbetrag: 438 „

Die Schätzung ter Einnahmen geht davon aus, daß Sie Wirffchaftseinheit zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet in vollem Umfange wieder hergestellt ist, daß die Lerwaltungs- und Steuerhoheit des Reichs und ter beteiligten Länder in den besetzten Gebieten wie­der besteht und daß die nach den allgemeinen Reichs­und Landesgesetzen dort zu erhebenden Abgaben den öffentlichen Reichs- und Lanteskaffen zufließen. Bei Fortdauer des gegenwärtigen Zustandes würden die Ein­nahmen rund 950 Billionen weniger erbringen. In die­sem Fall würden die Einnahmen noch nicht den unmittel­baren Reichsbedarf decken und es wäre eine Balanzie- rung des .Haushalts auch bei völliger Streichung der Ausgaben für die Ausführung des Vertrages von Ver­sailles unmöglich. (S. 75 und 76.)

Auf dreifach abgesetzter breiter Treppe steigt man hinaus zum Oberland, bei jeder Biegung ein hastend und den Ausblick genießend. Oder man benutzt den elek­trischen Auszug, der in einer Minute hinaufführt. Ist die Höhe erreicht, so wandert man an der Front zahl­reicher freundlicher Gasthäuser entlang, vor denen ein aussichtsreicher Weg, der Falm, Lahinführt. Außer dem etwa parallel laufenden Strand tes Unterlandes wird er hauptsächlich von den Fremden als Promenatenwez benutzt. Zahlreiche Läden mft Andenken zeigen ihre Auslagen, daneben kann man Tabak und Zigarren, Kakao, Kaffee und Likör zollfrei und billig erwerben. Vorüber an ter Erdbebenstation erreicht man das Sathurn (Südhorn), von wo man den besten Blick über den jetzt zerstörten, umfangreichen Kriegshafen hat. Ueter die Blocke der gesprengten Hafenmauern spritzen die anschlagenden Wellen der Brandung hoch, sodaß man noch den ganzen Zug der Mauer verfolgen kann. Man beschaut sich Mönch und Predigtstuhl, einzeln stehende Felsen, sieht die leeren Höhlen der herausgerissenen Ge- schützstänte und folgt den Windungen am Rande des steil abfallenden Ufers. Mit kleinen Platten ist ter Weg gepflastert, mit Eisenstäben und Draht eingegäunt. An ter Nordspitze, dem Nathurn ,steht die Kuh, die ein­zige auf Helgoland, das Nebelhorn, das wegen ter langgezogenen Warnungssignale diesen Namen trägt. An sonstigen Tieren fallen besonders auf zahlreiche große Ziegen, die oft dicht am Rande angepflockt bis zur äußersten Spitze tes Felsens das ©ras abweiten. Wir kommen vorüber an dem Lummenfelsen, auf dem Tausende von Möwen im Frühling nisten, zuletzt bann an ter langen Anna, dem mächtigsten ter alleinstehenden Felsen. Sei Ebbe kann man besonders am Nordrante der Insel weit hinaus die rillenförmigen Felsen auf dem Boden tes Meeres verfolgen; denn die See ist dicht