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- M 41.

eonnlctt, 17. ,>-br»-r 1924.

Fuldaer EZeitunq

Druck der ffnldoer Äetieaüntctetet in Anton 2. Blatt.

Europa in Waffen.

Das Abrüstungsproblem ist in 8er letz- wieder stärker m den Vordergrund geteten, durch die fe*r«5RÄ HE. Cecil im Oberhaus über dte europäischen rtrJhmaen machte. Er sagte u. e., 1913, als man Kfcuropa äs einem bewaffneten Lager sprach, 3 744 000 Mann unter der Waffe gestanden, Omaren es 3 632 000 Mann. Man dürfe erber MtA vergessen, daß die ehemaligen Femdstaoten von ^ Alliierten gezwungen worden seien, ihre Streik SZtft» um einige 700000 Mann «u vermmdern. Es «Anöen also heute nicht 100 000 Mann weniger, fon- 600 000 Mann mehr unter den Waffen als 1913; dazu kämen die großen Ver- Nserungen der technischen Kriegsnüttel.

Das England anbelange, fuhr Lord Ereil ort ft, seien seine Streitkräfte bis auf das geringft. mögliche Maß herabgesetzt worden, und man sollte andere Lander zu einem gleichen Vorgehen veran- lasten. _____________________________

Uatholikenversammlung 1924.

«um ersten Male findet die Katholikendersammlung «n einer reinen Diasporaaepend statt, und zwar in dem schönen Hannover, das aber auch bereits mit feinen Vororten an 45000 Katholiken zählt. Für die Wahl von Hannover war ausschlaggebend, daß dort seit 1914 tine großartige Etadthalle mit etwa 4500 Sitzplätzen ijjnö noch 500 Stehplätzen, eingebauter herrlicher Orgel, Aebensälen, die etwa 600 Sitzplätze enthalten, Büro» -räumlichkeiten, kurzum mit allem für eine große Tagung ? Erforderlichem vorhanden ist, so daß bauliche Anlagen '^icht nötig find. Rüdem ist noch eine große Ausstellung«, halle vorhanden, die 3100 Quadratmeter umfaßt, und hie für etwa erforderlich werdende Doppelversammlungen Btt geschaffen ist. Im Hinblick auf die große Kosten, frage für bauliche Anlagen und auch unter Berück­sichtigung, daß durch unvorhergesehene Fälle bereits zwei in Aussicht genommene Katholikentagungen in den letzten zehn Jahren, für die größerer Baukosten- muftoanb gemacht war, nicht statifinden konnten, hatte 1>er Vorsitzende deS Komitees, Fürst AloiS zuLöwen- .stein, Ausschau nach Städten mit großer Versammlungs- Halle gehalten.

Abgeordneter OberreaierungSrat Blank. Hannover, der Vorbesprechungen, Vorverhandlungen unter Berück- .sichtigung dieser Momente auf Anregung von Geheimrat ' Porsch mit Fürst zu Löwenstein geführt hatte, wie» auf die Städte BreSlau, Hildesheim und Hannover hin, die alle drei größere fertige Hallen hätten. Zwar wurde )ticgt verhehlt, daß eS immerhin große Anforderungen on die Katholiken einer Stadt wie Hannover stellen würde, all die vielen Forderungen zu erfüllen, die eine Serartioe Tagung mit sich bringt, aber nachdem trotz der gewissenhaft vorgebrachten Bedenken gegen die Wahl Hannovers das ständige Komitee zur Abhaltung von Katholikenversammlungen in Homburg Mitte Januar sich dennoch für Hannover ausgesprochen hatte, ist eS gelungen, innerhalb dreier Wochen die ersten Vor­arbeiten so weit zu erledigen, daß in der am 7. Febr. in Hannover stattgehabten Versammlung daS Solei- komitee mit seinen einzelnen Unterabteilungen in einer Gesamtstärke von etwa 124 Personen bestimmt werden konnte.

Erster Vorsitzender wurde Oekonomierat Steiger, itoeiter Vorsitzender Propst Feeland, dritter Vor- sitzender Oberstaatsanwalt Dr. Wilde, alle drei in Hannover,

Verwilderung.

Aus der Rede eines DerwaltungSrats der Rentenbank teilt die .Germania" folgendes mit:

Don den Arbeiten des Sachverständigenausfchuffes fft nichts für Deutschland zu erwarten. Während der Jnflationsperiode sind ja eigentlich keine Steuern bezahll worden. Gegen Bezahlung von Reparation und De- satzungskosten muß Protest eingelegt werden. Es ist zu v e r w u n d e r n, daß der Dollar erst jetzt an den schwarzen Börsen steigt. Dr. Schacht hat in Paris z u v i e l von der Goldnotenbank gesprochen. Das wird uns jetzt zum Verhängnis. Die Goldnotenbank soll ins Ausland gelegt werden: damit ist die deutsche Finanz- Hoheit begraben, und die Goldnotenbank bringt uns die völlige Knechtschaft. Selbstverständlich ist Helsserich ter Schöpfer der Rentenbank: er hat gerade das ver­meiden wollen, was mit der Goldnotenbank herbeigeführt wird: den Verlust der eigenen deutschen Währung, die Finanzielle Auslieferung an die Feinde. Wer an der 'Güte der Rentenmark zweifest, dem muß man stun- tenla ng in die Fresse hauen."

Jeder Privatmann bat, so bemerkt dazu daS Blatt, bas Recht, seine Meinung zu äußern. Jeder lhat auch daS Recht, sich zu blamieren. Ein Der- .wallungSrat der Rentenbank ober ist kein Privatmann; et bekleidet eine Stellung, die den LuxuS öffentlicher Blamage nicht erlaubt. UebrigeitS steht im Sinn» Schachts das Goldnotenprojekt als Stütze hinter derRentenmark; aber daS sind wieder DährungS- fragen der schlappen Kerle, die sich den Kopf zer­brechen, statt stundenlang u'to.

Wissenschaft und zorschung.

rSuglingr-Linähruna ohne Milch. Wie dieDeutsche Medizinische Wochenschrift" mitteilt, wurde der Versuch gemacht, mit einer Nahrung, i* der jegliches Milchprodukt fehlte, Säuglinge über lange Zeiten hin zu ernähren. Die Grundlage der Nahrung bildete eine 6 bis 8 proz. Reilsuppe (bis 800 Gramm am Tage), die mit Rüben­zucker und einem Brei aus Kalbs- ober Rindetleber (etwa 40 Tramm) gemischt wurde. An Stelle der ReiS- suppe wurde bei anderen Kindern eine Suppe mit einer (Linbrenne aus Erdnußöl und Mehl (5:5) ver- wandt. Daneben erhielten alle Kinder Lebertran, Obst- unb Gewüsesäfte, Grießbrei (Malzsuppenextrakt) und ein Salzgemisch. Auch bei monatelanger, milchfreier Er- nährung konnte eine gute körperliche Entwicklung der Kinder erzielt werden.

Heues aus Srankfurt.

--- Internationale D-Sngbiebe. Seit Monaten wurden die Reisenden des D-Zuges KölnFrankfurtMünchen durch eine internationale Diebesbande belästigt und auch vielfach bestohlen, ohne daß es möglich war, ein Mitglied der Bande festzunehmen. Nunmehr wurden auf dem Bahnhof Haaen zwei der Diebe, der angebliche Kaufmann Samuel Paß aus Köln und der Laborant Szymanowitz aus DuiSburg, aber beide aus Polen stammend, auf frischer Tat ertappt und verhaftet. Ein dritter Dieb, ein angeblicher Richard Brenner aus Berlin entkam. Mehrere Diebstähle konnten den ge­fährlichen Menschen bereits nachgewiesen werden. Im Besitz der Diebe fand man erhebliche Mengen von Hot- gelb der Städte Frankfurt, Köln, Elberfeld und Bremen, ferner viele Devisen und zahlreiche wertvolle Sachen, die sie Zugreisenden gestohlen hatten.

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Auch im Bii&e

möchte heule jeder Zeitungslefer und jede Leserin die wechselvoilen Ereignisse unserer Leit miterleben und die handelnden Personen von ffngesicht kennen lernen. Diesem Bedürfnis wird

die ßuidaer Zeitung,

immer bestrebt, ihrer Leserschaft so viel als möglich zu bieten, künftig entgegenkommen. Neben unserer bisherigen Unterhaltungsbeilage, den beliebten .Buchenblättern", liefern wir, ohne daß eine Preiserhöhung eintritt, vom kommenden Monat an den Beziehern unseres Blattes

eine illustrierte Wochenbeilage.

Diese mit reichem Bildmaterial vom Tage ausgestattete Beilage, die auch dem ver­söhnenden ßumor ein Plätzchen einräumt, wird auf bestem Papier in neuzeitlichem Druckverfahren hergestettt. wer von Anfang an auch diesen Bilderschah zur Zeit­geschichte fein eigen nennen will, versäume nicht, sich rechtzeitig

zum 1. März

den Bezug der Zuldaer Zeitung, des Heimatsblaltes des Zuldaer Landes, zu sichern.

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Kunft und Literatur.

--- ver vombanmeiler von rtrahbnr«. Infolge eines i Schlaganfalls starb in Bangend ach der Dombaumerster des Straßburger Münsters, Dr. Johannes Knauth. Der Verstorbene, ein geborener Kölner, hatte nach dem Waffenstillstand noch längere Zeit seine Tätigkeit an den Stützungsarbeiten des Münsters fortgesetzt, wofür ;r auch die Anerkennung des damaligen ©eneral- kommrssars für Elsaß-Lothrrngen, des jetzigen Präsidenten bet Republik, Millerand, erhielt. Da er indes innerhalb der festgesetzten Frist die französische Staatsangehörigkeit nicht nachsuchte, wurde er seines Amtes enthoben.

Ans dem Nachbargebiet.

--- Magölsr (Kreis Fulda). Auf Anregung der vor kurzem abgehobenen VolkSbereinStagung in Fulda hielt die hiesige Ortsgruppe nach der Herr, lich verlaufenen Mission die Zeit für geeignet, um auch hier den Volksverein wieder neu zu beleben. 46 Mitglieder, 82 Männer und 14 Frauen waren dem Volksverein die KriegSiahre hindurch bis auf heute treu geblieben. Durch seine begeisternde Predigt ver- stand eS nun dethochw Herr Studienassessor Pfe i fe r« Fulda, am Sonntag, den 3. Februar, im vollbesetzten Gotteshause anschließend an die NachmittagSandacht den Zweck und die Ziele des BolkSveteinS auch für die heutige Zeit seinen Zuhörern packend vor die Seele zu führen. Seine Worte wurden reichlich belohnt. In einer HauSagitation, ausgeführt durch Vertrauensleute und Jungfrauen, wurden 46 Männer und 12 Frauen für den Volksverein neu gewonnen, so daß wir jetzt 104 Mitglieder zählen.

--- Hssaschendach (Kreis Hünfeld). In einer Zen- trumSversammlung sprach hier in überaus zweckdien­licher Weise Herr Reichstagsabgeordneter Schwarz- Frankfurt über die politischen Fragen der Gegenwart. ES schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Besondere Wünsche wurden geäußert, die der Abgeordnete zur geeigneten Zeit und an der richtigen Stelle Vorbringen unb verteidigen wird. Die Versammlung schloß mit

warmen Worten des Dankes an den Redner. In jedem mochte am Schluß wohl die Ueberzeugung herrschen: Es gibt nur eine Partei, die unS vor dem vollen Untergänge bewahrt und unsere religiösen Interessen verteidigt; das ist nicht die Rechte, nicht die Linke, son- dem einzig und allein die Mitte." Gar mancher Mit­läufer wurde zu« überzeugten ZentrumSmann.

fpb. Friedberg. 8m Herbst letzten Jahres kam es vor verschiedenen Geschäften, als diese wegen der rasenden Geldentwertung ihre Läden schlossen, zu Ansammlungen, die schließlich von der Schutz­polizei zerstreut wurden. Das Schöffengericht hatte sich jetzt Mit den Haupttätern jener Tage zu befaf­fen und verurteilte wegen Landfriedensbruchs den Küfernreffter Dechant und den Händler Geier zu j e einem Lahr Gefängnis. Das Urteil erregt wegen feiner Höhe in weiten Kreisen Aufsehen.

Zeitschriften.

= Zehn Gebote für Radio-Freunde. Sie Zahl der Freunde des Radiowesen» wächst auch bei uns lawinen­artig an ein erfreuliches Zeichen seelischen Ausstiegs des deutschen Volkes, da, in feiner breiten Masse in der letzten Zeit nidjts anderes sah, hörte und wußte, als was die Lebensrnittel gestern gekostet hatten, was sie heute kosteten und morgen voraussichtlich kosten würden. Die Radio-Auslagen Apparate und was damit zu- fammenhängt sind ständig von Menschenscharen um- jagert, die Radio-Zeisschristen werden in ihrem Inhalt verschlungen. Eine der bekanntesten dieser Zeitschriften, dieRadio-Umschau" (H. Bechhold Verlag, Frank» furt a. M.) kommt diesem Interesse nun durch ein Preisausschreiben in ihrem neuesten Hefte ent­gegen. Zehn Gebote für Radio-Freunde, die in wenigen Worten eine Richtschnur für den Radio-Liebhaber geben sollen, so lautet die gestellte Aufgabe und 14 Preise im Werte von zusmnmen 200 Goldmark winken denen, die sich am Preisausschreiben beteiligen. Wer Näheres er­fahren will, wende sich an den Verlag der Radio-Umschau in Frankfurt a. M., Niddastraße 81.

Sine Märtyrerin 6er pflicht.

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Gelegentlich der Wahlen im Lahre 1876 hatte er­ben Mut besessen, sich um die Stimmen der Wähler Les Wahlbezirks Eure zu bewerben unb sich diese durch allerlei Mittel zu sichern verstanden. Sein Mandat wurde sogar in der nächsten Wahl be» ftättgt. Er hatte sich stiner aber nur bedient, um gewisse Unternehmungen zu erleichtern, in denen fein Name nicht genannt wurde und um derentwillen er sich unermüdlich bei den maßgebenden Faktoren ver­wendete, was ihm bann reichlichen klingenden Lohn ein- -rüg.

\ Anläßlich einer dieser Unternehmungen, zu der Ne Zustimmung der Kammer erforderlich war, sprach man die Beschuldigung ganz offen gegen ihn aus, daß er feine Stimme gegen entsprechenden Lohn abgegeben und bei 'mehreren feiner Kollegen den Versuch gemacht habe, sie zu einem gleichen Vorgehen zu veranlassen. Damals 'hätte er sich auf ein Haar den Hals gebrochen, denn feilte, die er zu gründe gerichtet, zerrten ihn vor den ^Gerichtshof. Er aber erwies sich schlauer als feine Geg­ner und gewann denn Prozeß. Immerhin enthielt das .Urteil, das feinen Freispruch verfügte, so belastende, nie­derschmetternde Momente, daß er sich genötigt sah, fein (Kbgeortmetemnanbat niederzulegen und seine Rotariats- Lanzlei aufzugeben.

j Auch hierbei ging er geschickt genug vor, um die sLeute irrezuführen und den Glauben zu erwecken, daß er beides nur freiwillig getan, so daß viele überzeugt blieben, daß er auf beides ohne jeden Zwang verzichtet, nur um sich nach jeder Richtung freier bewegen zu fön« «en. Doch war der Notar in seinen Rachfovschungen so gründlich vorgegangen, daß er den wahren Tatbestand ffi Tage förderte und diesen gab er in seinem Briefe Soll wieder. Seine durch zahlreiche Einzelheiten unter- üfote Darstellung zeigte Simonnet als einen Menschen,

der vor keiner.Art von Geschäften, nicht einmal vor dem Auskauf fremder Schulden, zurückschreckte und der nur zum Schaden seines Nächsten reich geworden, der feine Mitmenschen erbarmungslos betrog, beraubte, plünderte, so daß sehr viele von jenen, die einflätig genug gemein, ihm Vertrauen zu sanken, dem größten Elend preis­gegeben waren. Aus dem Gesagten kam der Notar zu dem Schluß, daß ehrenhafte Menschen, wie ffrau von ffosseuse und ihr Lohn, sich mit einem so notorisch mit Makel behafteten Manne in keinerlei Beziehungen ein- lassen könnten.

Der Dries wirkte wie ein kalter Sturzbad auf die keimenden Hoffnungen. Franz nahm es gleichmütig hin, ohne mit einer Wimper zu zucken, denn er hatte nichts anderes erwartet. Um so schmerzücher berührt fühlte sich seine Mutter und noch gedemütigter bei dem Ge- danken, daß sie überhaupt daran gedacht, die Früchte der Raubzüge Simonnets ihrem Sohne zu sichern.

Was fangen wir jetzt nur an?" stöhnte sie.Dein Besuch in Vernon ist nunmehr ganz unmöglich!"

Doch Franz war nicht dieser Meinung. Le mehr sich Simonnet als skrupelloser, erbarmungsloser Mensch ent­puppte, dem jede Missetat zugemutet werden konnte, desto mehr ergab sich die Notwendigkeit, sich ihm gegenüber der List zu bedienen, um ihn unschädllch zu machen. Stattete man ihm den zugesagten Besuch nicht ab und entzog man sich im letzten Moment durch irgend einen Vorwand der übernommenen Derpslichtung, so begab man sich vielleicht der Möglichkeit, sich gegen seinen Groll zu schützen. Cr war sicherllch jeder Gewalttat fähig, nur um sich einer Absage wegen zu rächen, die ihn um so mehr verletzen mußte, als sie ihm ganz unerwartet kom­men mußte.

Mr müssen uns der gleiche« Waffen bedienen wie er", fügte her junge Mann hinzu:und ihn in bar Meinung erhalten, daß unsere Absichten heute die glei- chen sind, die sie gestern gewesen. Auf diese Art ge­winnen wir zunächst Zeit. So lange er an unseren guten Willen glaubt, wich er uns nicht zu schaden suchen.

8ch gehe asso nach Vernon. Mein Besuch wird ihn wei­ter in seinem Srrtume erhalten, und dieser soll währen, bis wir in bie Lage gekommen find, ihm offen die Stirne zu bieten. Das ist nicht unmöglich. Wenn jemand so viele Verbrechen auf dem Gewissen hat wie er, so kann er rechtschaffene Leute nicht lange schrecken, sondern muh sich noch mehr fünften, wie jene ihn."

Obschon ffrau von ffosseuse nicht umhin konnte, die Richtigkeit dieser Argumente anzuerkennen, stimmte sie ihrem Sohne nttr zögernd bei. Mit dem Scharfblick, der der ffrau eigen ist, erkannte sie Schwierigkeiten, die sich feinem Auge entzogen, und sie sagte:

Das Unglück ist nur, daß du, um den Sätet zu täu­schen, auch die Tochter zu hintergehen gezwungen fein wirst."

Das dürste nicht so schlimm fein, wie du meinst, denn die Tochter steckt mit ihm unter einer Decke."

Bist du dessen so sicher? Weshalb sollten wir sie ohne weiteres beschuldigen? Ist es nicht denkbar, daß sie nichts von den Umtrieben weiß, deren sich dieser traurige Patron bedient, um eure Heirat zu erzwingen? Es er­scheint durchaus nicht ausgeschlossen, daß sie in gutem Glauben handelt."

Die könnte ich das vorausfetzen, nachdem ihr Vater mir gestanden hat, daß sie mich nicht erst sehen, nicht erst kennen lernen müsse, um sich zu entschließen, meine ffrau zu werden? Das könnte ich sonst aus ihrer Be- reitmiHigteit, 2a urtb Amen zu sagen, folgern, wenn nicht, daß sie mit diesem ganzen Ränkespiel einverstanden ist? 3d) mache mir daher kein Gewissen daraus, sie ebenso zu überlisten wie ihren Vater."

Weißt hu denn überhaupt, ob er dir bie Wahrheit gesagt hat?" fragte die Marquise.Kann man nicht vielmehr annehmen, daß er dich belogen hat, indem et versicherte, daß seine Tochter von dir im vorhinein so eingenommen fei, gleichwie er sie zweifellos belegen und ihr weiszumachen gesucht hat, daß du um ihre Hand anzuhalten wünschest? Unb wenn dem so ist, verdient

vle Zukunft der hessischen Schafzucht.

Die Geschäftsstelle des Verbandes Kur- hessischer Schafzüchter schreibt uns u. a.: Die Ausgabe des Verbandes Knrhessischer Schafzüchter liegt nicht allein auf dem rein züchterischen Gebiet, er tritt vielmehr auch für die sachgemäße Behand­lung unb Verwertung der Erzeugnisse der Schafhaltung ein. Verkauft der Landwirt seine Wolle zu billig, in llntenntnis der Weltmarktlage, ober aus kleinlichen Er­wägungen heraus, nun so hat trotzdem der Verbraucher letzten Endes nicht den Vorteil davon, sondern der große Preisunterschied füllt solche Taschen, die weder dem Er­zeuger noch dem Verbraucher viel nützen.

Dabei ist zu betonen, daß der eigentliche Woll­handel unbedingt erforderlich ist. Wir können den Wollhandel nicht entbehren und wir Schaszüchter arbei­ten mit ihm Hand in Hand. Aber bei der Eigenart des Artikels Wolle, gehört jedes Pfund Wolle dorthin, wo die Dolle auch in anderen Ländern verwertet wird auf die Versteigerung! Die Londoner Wollauktionen sind von der ganzen Welt beschickt und es gibt wohl keinen deutschen Wollhändler, der diese Veranstaltungen noch nicht zu eigenem Nutzen besucht hätte. Unsere Industrie unb das dürfte manch einem neu klingen verarbeitet solch' große Mengen von Wolle, daß bie in Deutschlano erzeugt Wolle nur 6 Prozent davon beträgt. Von der gesamten Welterzeugung verarbeitet Deussch- land den ansehnlichen Teil von 25 Prozent, und habet bemißt sich der Anteil unserer deutschen Wollen an der Wellerzeugung nur auf IS Prozent.

Run haben unsere deutschen Wollen, vermöge ihrer besonderen Eigenschaften, wie guter Kraft und Spinn, sähigkeit, auch ihre besonderen Vorzüge. Die deutsche Wolle gibt den Geweben ihren HM. Die Provinz Sach­sen fft schon längst dazu übergegangen, dieses wertvolle Produkt zu verbessern und im strengen Zusammenschluß eine einhellliche Wolle zu züchten. Dort werden alle Zuchtböcke und Mutterschafe in den über 30 Stamm- schäsereien nach einheitlichen Gesichtspunkten gekört. Ein Kopf, ein Wille wirkt bestimmend. Wenn wir bedenken, daß bei der letzten Auktion am 18. Januar in Leipzig allein 3750 Zentner Wolle aus der Provinz Sachsen versteigert wurden und daß sich die Ostpreußen durchaus nicht durch bie, manch kleinlichem Menschen zu groß erscheinenden, Frachtunkosten abhalten Netzen, den fern» siegenden Auktionsplatz zu beschicken, so werden bie Händler, bie das Beste wollen, gern zugestehen, daß dieses Anzeichen sind für einen Fortschritt, der auch dem Handel zweckdienlich ist. Der Landwirt erhält für sorg­same Behandlung und die Zucht ausgeglichener Wolle seinen wohlverdienten Preis. Eine gleichmäßige, gut durchgezüchtete, hessische Wolle haben wir noch nicht. Aber fest steht, daß unsere hessischen Wollen auch jetzt schon viel gute Eigenschaften besitzen, die unbe- dingt ausgewertet werden müssen. Den Dorteil der feinen Wolle vona und seiner" ersetzt die vollschürige, hessische Wolle durch die größere Länge. Wenn hall>- schürige, also halblangea-Wollen" und seien sie noch so gut gepflegt, was man den provinzialsächsischen unbe­dingt zugestehen muß 150 bis 170 JA. bringen, nun so brauchen unsere Wollen nicht viel nachzustehen. Es dürfen nicht Preise vorkommen von 92 M für den Zent- ner Wolle, wie mir das ein leidtragender Herr am 25. Januar mitteilte.

Wir Züchter müssen den öffentlichen Markt, die Auktion, suchen, um in enge Fühlung mit dem Handel zu kommen und unsere Zuchtrichtung in rechte Bahnen zu leiten. Die hessischen Schäfer haben zumeist eigene Echafhallung und besonders für sie ist dies von vielem Vorteil. Sie haben deshalb besonders darauf hinzu- weisen. Im Interesse der zahlreichen Gemeindeschäfereien in unserem Hessenland ist zu bemerken, daß eine Woll­menge von zwei Zentnern an als besonderes Los aus geboten wird. Kleinere Mengen weist die Schätzungs- kommifsion, welcher zwei Wollhändler, der Direktor der deutschen Wollgesellschast und der Tierzuchtinspekto! eines Schafzuchtverbandes angehören, bestimmten Blocks zu. Einea Wolle" kommt z. B. zum Block 1, ein» b Wolle" zum Block 2, einebe Wolle" zu 3 usw. Solch ein Block kann dann auf 20 Zentner anschwellen, findet entsprechende Beachtung unb feinen guten Preis. Als- bann wird anteilig bezahlt. Die Wolle muß gut aus­gelüftet sein, damit sie nicht durch die in ihr enthaltem Körperwärme verdirbt. Strohtelle sind sorgsam auszu lesen usw. Alsdann ist die Wolle so zu verschicken, baf sie etwa zehn Tage vor der Auktion an Ort und Stell» ift, um geschätzt zu werden.

Kein hesssscher Schafhalter unterlasse die Tat, wem er diesen Ausführungen recht gibt. Die außerordentlich* Belastung der Lmdwirtschoft wird jeden Landwirt, der sich auf seiner Scholle behaupten will, zwingen, vor aller» dort entschlossen zu handeln, wo sich ihm bei der Den Wertung seiner Erzeugnisse ganz offensichtlich Vorteil« zeigen. Jegliche Auskünfte erteilt der Verband Kur- hessischer Schafzüchter in Kassel, Eulenburgstraße 11 2. Stock, Fernruf 5254.

Hünersdorf, Tierzuchtinspektor.

sie wirklich nicht, daß du sie belügst unb den Glaube« in ihr erweckst, daß du sie heiraten wirst, während ds gerade zum Gegentell entschlossen bfft! Daß du dem Vater gegenüber eine kleine Komödie aufführst, lasse ich noch gelten, denn er hat dich in einen Hinterhalt gelockt; d: verteidigst dich bloßmit den Waffen, die sich dir bar bieten, wie das im Kriege einmal nicht anders ist Aber fiel"

Daran habe ich allerdings nicht gedacht", gestanl Franz:aber einleuchten will es mir doch nicht recht, daß die junge Person eine andere Denkungsart habe alt ihr Herr Papa. Der Apfel fällt nicht wett vom Stamme."

Auch dieses Sprichwort trifft nicht immer zu", wandte ffrau von ffosseuse lebhaft ein.Jedenfalls setzen wir uns nicht geringen Gewissensbissen aus, wenn Fräulein Simonnet sich in gutem Glauben befindet und von Liebe zu Mr erfaßt wird!"

Aber, Mama!" lachte Franz.Am Ende g taub ft du, sie werde sich gleich bei der ersten Begegnung tn mich verlieben! Din ich denn ein Adonis?"

?ch wette, daß du ihr sehr gefallen wirst, denn du bist ein unglaublich gewinnender Mensch, wenn du es Darauf abgesehen hast!"

Dies ward in einem Tone soviel zärtsicher müver- licher Fürsorge gesagt, daß ffranz von einem Gefühl innigster Dankbarkeit für feine Mutter erfaßt wurde, deren Liebe und Umsicht sich niemals verleugneten., Er schloß sie in bie Arme und während er sie mit heiße: Küssen bedeckte, flüsterte er ihr ms Ohr:

Ich werde es diesmal nicht darauf absehen, sondern werde kühl, fetetfid), zurückhaltend fein; ich werde nichts sagen, was einer Derpflichiung ähnlich sähe, und wie sich die Dinge auch gestalten mögen! ffräulem $tmon- net wird den Vorwurf, ich hätte sie getäuscht, nicht gegen mich erheben können." ;

tSwHehu««* WnteX 1