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MmeMummer 10 Pfennig

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

fir. 39.

verantwortlick ür bie fcctrirtlei'.una: Dr. So. 3 ß t a m e t. enietgea: 3- 6 erteilet. Suibo. Sictotionlbn i:>b Sieria» bet .! Fuldaer «cllenbruckerei in Stilbn. Nernivreüer Nr. 9.

‘setuabbreib: Donar Februar ?.V0 GoltmarT frei Sau5.

Sreitag, 15. gebruar 1924.

«meiaen-Wreiie: Äiemteiie tlloione.) ieta. u.lö »o.omati au»wLrt» 0.2Ü Oe.bmort; Äetiameieiie letal 0.60. Oetbtnart t: anSairt* 0.80 Eoldmart. : •

51. Zahrg.

Hei «lebtSu'unnen Rabatt- SoitfAeetfon o SranKurt a. M 4061.

MSN8ISU« MrMMg. Leoorstehend« VeröffearNchung der dritten Sksuer- ^toerordnung. — Regelung der AusmerlungsfraZe. _ g6in verbot der Aufwertung für Staatsaniechrn.

Eine amtliche Verlautbarung aus Berlin besagt:

Ueber die dritte SteuernotverorL- «nn g sind mehrtägige Derhandlungen zwischen den beteiligten Regierungsressorts gepflogen worden. Denn bei der überaus schwierigen Materie zwischen her Regierung und den Parteiführern auch kein völlig«« Einvernehmen zu erreichen war, to ist doch eine weitgehende Uebereinstimmung über bie Hauptprobleme der Derordnung erzielt worden. Das Reichskabinstt hat die Schlußberatung über die brüte StsuernotverorLnung abgehalten..

lieber die am Mittwoch abschließenden Vespre- chnngen zwischen der Reichsregienmg und dem Un­terausschuß des Fünfzehnerausschusses über die dritte Ztärernotverovdnung erfährt der „Verl. Gofa'ar.’." cug parlamentarischen Kreisen, daß wenigstens z w!- sch en den bürgerlichen Mittelpartei en eine Einigung insoweit erzielt werden konnte, als nunmehr von diesen Parteien ein W i d e r st a n d gegen die -Regelung der Aufwertungssrags inner- halb der Derordnrmg n i ch t m e h r zu erwarten ist. Der den Desprechrmgen zugrunde liegende Entwurf regelt sowohl die Aufwertungsfrage als auch di« Frage der Mietzinssteuer. Wie „Vor­wärts" und „Dost. Ztg." wissen wollen, soll die Auf- w-ertungsquota für Hypotheken von 10 auf 15 Proz. erhöht worden sein. Die Frage der Aufwertung der Reichs-, Staats« und Gemeindean­leihen fei dahin geregelt worden, daß eine Auf­wertung grundsätzlich nicht verboten wird, ohne daß positive Angaben über die Höhe der Aufwer­tung gemacht werden.

Nach dem Ergebnis der Besprechungen wird dem „Verl. Lokalanzeiger" zufolge angenommen, daß, falls im Reichstagsplenum der Wunsch nach Auf- Hebung der Verordnung geäußert werden sollte, eine Mehrhe it dafür nicht zustande kommen würde. Die Verordnung werde am Donnerstag der Vollsitzung des Fünfzehnerausschusses unterbrei­tet werden, seine Beratung dürfte jedoch im wesent­lichen nur formaler Natur sein, sodaß mit der Veröffentlichung und dem Inkrafttreten der Verord­nung noch für den Donnerstag, den 14. Februar, su rechnen sei. Am Freitag, 15. Febr. läuft bekannt­lich das Ermächtigungsgesetz ab.

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Ms der „Vorwärts" antündlgt, wird die sozial demokratische Reichstagsfraklion kom» ntenben Dienstag darüber Beschluß fassen, ob sie im Reichstag die Aufhebung der dritten Steuernotoerordnung beantragen wird, was geschieht mit -en Kriegsanleihen?

Der K. V. wird geschrieben:

Als in den Kriegsjahren die Reichsregterung «rtgefetzt in eindringlichster Weife zur Zeickn ing von Kriegsanleihen aufforderte, wurde immer und immer wieder mit aroßrn und starken Worien be­tont, die KrieaSanleihen seien die absolut sicherste und beste flapitalanlane, durch die keiner Schaden erleiden könne, weil daS Ruch dafür hafte und sie 19-4 zum vollen Werte einlö e. DaS Jahr 1924 ist da, der Krieg verloren, das Reich bonkeroit. Ist nun auch seine moralische und rechtliche Beipflich- tuna gegen seine Schuldner erloschen? Die Frage bejahen, hieße olle staatlichen Rechisarundlaaen um« siozen, denn die Zahlungspflicht kann nicht er- loschrn durch zeitliche Zahlungsunfähigkeit. Die Rück­zahlung der (Sol Dan leiben in wertloser Papier« »Lik roäie gleichfalls en Hohn auf alles Recht, brauchte das Reich doch heute zur Abtragung aller feiner K'iegSanleiben nicht einmal 50 Renlenpseniiige aufzuwenden. Wie viele beitrauenSielige Existenzen sind nicht schon vernichtet woiden durch den furcht­

baren Satz: Mack ist Mark. Sollen die treuen Patrioten, die oft alles hingegeben haben für da« Vater land, auch noch den Spo t der schlauen Egoisten einstecken, dte ihre Goldstücke zeittg in Sicherheit ge­b'acht haben? Viele Wohttaiigkeitskafsen, Sterbe-, Emeiiteu-, Waisen- uiro. Kasten, die ihre Gelder in „mündesicherer" Kriegsanleihe angelegt hatten, sind vernichtet und -weckloS geworden. Was wird das Reich tu», um seine heiligen Verpflichtungen e i n j 111 ö j en?________________ _

(En ente und Pial;.

~ie Age> cr Beige meldet au3 Koblenz: Mit Rüasicht auf die Unruhen in der Pfalz hat die Rueinlandkonimisslon einen <nt$ einem fron- zösischen, belgi chen und englischen Offiz er beüehen- den Souderausschutz beauftragt, sich nach der Pfalz zu begeben, um die zur Wiederherstellung der Ordnung zu trereifmben Maßnahmen j t erwägen und zu treff n. ' Dieser Ausschuß soll gletchz-itig zur Ersüllirng jdnec Ausgabe mit dem pfälzischen Kreistag und dec militärischen Oberbehörde in Bei Hindun i beben.

Heber die Stadt Pirmasens ist der 55eia- gerungszustand verhängt morden. Der Delegierte der Nheinlandkommission Hot das Erscheinen der „Pirmasenser Zeitung" bis auf weiteres verboten. Die Zahl der Toten in der Stadt Pirmasens be­trägt 17 ober 18 Personen, darunter drei Pirma- senser Bürger; 10 verwundete Bürger liegen noch im Krankenhaus. .

Auch über Kaiserslautern ist die Oer- kehrssperre von 7 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verhängt worden. Zwischenfälle haben sich nicht mehr ereignet. Die Zahl der verwundeten Schutz­leute beträgt 5; 1 Separatist und 2 Nichtseparatisten wurden getötet. Es steht auch fest, daß Schüsse aus französischen Jnfanteriegewehren abgegeben morden sind. Wäre die Besatzung wirklich neutral gewesen, so wären die Separatisten auch aus Kaiserslautern vertrieben worden. Nun aber sitzen sie noch in ihren Büros. Marokkaner halten die Straßen im Innern der Stadt besetzt.

Die neue englische Regierung hat jetzt kritische Stunden zu bestehen. Im Unter­haus übte Baldwin und Asquith fdjarfe Kri­tik an der Rede Macdonalds. Im Oberhaus wurde ebenfalls die Politik der Regierung erörtert. Lord Parmor trat mit Wärme dafür ein, daß die britische Außenpolitik sich auf ben Völkerbund stützen möge. Die Frage derAbrü st ung müsse mit der Außenpolitik Hand in Hand gehen. _ Je näher man der Abrüstung komme, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit des Erfolges im Völker- bunö. Die Regierung werde den Abrüftungsoor» schlügen des früheren Vertreters im Völkerbund, Lord Robert Cecil, forgfältigfte und wohlwollendste Erwägung widmen, denn die jetzig« Regierung er­kenne feine hingebungsvolle Arbeit für den Bund vollauf an. lieber Rußland jagte Lord Parmour, er glaube, es fei am besten, die geschäftlichen Angelegenheiten spontan zu regeln.

Lord RobertCecil schlug vor, daß die Frage erwogen werden solle, ob es Mittel gebe, durch die die Rüstungen der verschiedenen Länder in ein an­gemesseneres Verhältnis zu einander gebracht mür­ben. Es fei jeder Mühe wert, anbere Nationen ba’u $u veranlassen, in einem Grade ihre Rüstun­gen zu vermindern, der sich dem britischen Sianbarb nähere. Eine wesentliche Verminderung wurde aber nicht eher möglich sein, bis in Europa eine bessere Stimmung herrsche. Er hoffe, tue Regierung werde einen erweiterten Ausschuß ernen­nen, um die Frage unverzüglich zu prüfen.

* Tie Einnahmen der iranzösischen ^inanzverwatt tt>na T-at’en sich infgramt im Januar auf 2296 064000 F-ancs belaufen. Hiervon entfallen auf die außerordentlichen Einnahmen 2154n3 200 nn» auf die ordentlichen Einnahmen 2 ORO 571 400 Francs. Die letzteren weilen eine Erhöhuni um 300 184000 Franc» gegenüber dem Januar beS Vor­jahres auf.

Die ReichsbanL gegen die vevisenfpekulalion.

die Verkäufe solcher Papiere ohne weitere» feftge-

Von unserem Berliner Vertreter wird uns mit» geteilt:

An der Dienstag-Börse hat die Mitteilung den bontbar starrsten Eindruck gmacht, daß die Reichs­regierung bezw. die Reichs^ant gegen Bantfirmen mit der Kündigung des Girokonto» und der Kreditsperre vorgegangen ist. E, han­delt sich um Banken, die besonders starke Devisen- Anforderungen an di« Reichsbank gestellt haben, ohne daß einerseits der Bedarf gerechtfertigt gewesen wäre und andererseits ein dem Ansturm entsprechen­des Guthaben vorgelegen härt«. Weiter hat die Reichsdank gegen eine ganze Reihe von Bamfirmen im Zusammenhang mit den Ereignissen aus dem Devisenmarkt ein strenge» Ermittelung»- verfahren eingeleitet. Bon dieser Unter- fltchtmg werden tm ganzen allein von der berliner Zeniva.e aus etwa zwei Dutzend Bank» und andere Firmen betroffen. Die Untersuchungen erstrecken sich aber nicht allein auf die eigentlichen Devisenge­schäfte, sondern auch auf bestimmte Vorgänge auf dem Markt der Wertpapiere, insbesondere bei den Auslandswerten. Man hat gerade in den Tagen des Ansturms auf dem Devisenmarkt überraschend starke Abgaben in bestimmten Auslandswerten, na­mentlich in österreichischen Bank-Aktien (vornehmlich öftere. Kreditbank) und in Valuten-Papieren (Tür­ken werte, Schade-Aktien und dergleichen) wahrneh­men können. Da dies« Papier« durchweg in Deutsch­land höher notieren als an den ausiätchischen Bör­sen, so rentiert sich eine Transaktion derart, daß man sie an deutschen Börsen abgibt, um sie an Auslands­börsen zurückzukaufen. Dadurch entstehen immer­hin nicht unbeträchtliche Gewrnnmöglichkeiten. Der­artige Transaktionen sind aber durch die Demsen- Eesetzgebung verboten, und so erstrecken sich die von der Reichsbank eingeleiteten Untersuchungen auch auf solche eben beschriebenen Geschäfte. Und diese Untersuchungen werden dadurch erleidjtert, daß ja

stellt werden können.

Man muß es mit lebhaftester Genugtuung be­grüßen, daß man an den ueieiligten Stellen enducg von Worten zu Taten üvergebt Es müüen entmch einmal Exempel statuiert werden, um diesen fongesetzlcu Beunruhigungsmanövern ein Ende zu machen. Man wird auch gut daran nm, sich gewuje Prejse-Organe und ihre Aeußerungen über die Ren­tenmark sehr genau anzusehen. Auch da har es sich in letzter Zeit herausgestellt, daß versch.ek--ne, unter bestimmten Intere ssen- E inf 1 ü sjen ste­hende Nachrichten st eilen Mittettungeg über die Qualität der Reinen mark und dir Mögitch- teiten ihrer Stabilität verbreiten, die dazu angetan, wohl auch dafür berechnet finö, eine fortgesetzt« Un­sicherheit wachzuhalten. Wenn wir im eigtnett Lande noch nicht einmal Vertrauen zu unserer Wäh­rung haben, was soll danp erst das Ausland tun?

Und daß wir zu der gegenwärtigen Währung Vertrauen Haden dürfen, hat uns doch dir jetzt drei Monate lang anhaltende Stabilität, die unter den schwierigsten Verhältnissen zustande gekommen ist» bewiesen. Hand aufs Herz: Keiner von uns hat diese Stabilität nach all dem zuvor Erlebten über-j Haupt für möglich gehalten. Um so mehr müssen wirr mm alle unsere Kräfte anspannen, um diejenige» Maßnahmen zu stützen und zu fördern, die dazu an­getan sind, den jetzigen Zustand, der uns doch in etwa aus der Unsicherheit herausgefuhrt hat und uns eine sichere Disposition ermöglicht, unter alle» Umständen zu erhalten.

Die Bevölkerung billigt daher das Vorgehen der Rsichsregierung. Auch die anständigen Ban­ken und Geschäftsleute haben das größte Interesse daran, daß in diesen Fragen mit Entschiedenheit vorgegangen wird. Die Reichsbank beabsichtigt üb­rigens, die Untersuchungen auch auf zurücklie­gende Devisengeschäfte auszudehnen. Auch da« wird man unbedingt begrüßen können.

Vas Saarparlamcnt

Vas Zentrum als ausschlaggebende Parks».

Das Ergebnis der saarländischen Landesrctts- wahlen liegt nunmehr m einer amtlichen Mit­teilung des Wahlausschusses vor.

Demnach haben erhallen: Zentrum 14 Sitze bei 3 491 170 Stimmen, Sozialdemokraten 6 Sitz« bei 1398 935 Stimmen, Kommunisten 5 Sitze bei 1270 405 Stimmen, Deutsch-Saarländische Volks­partei, Vereinigte Demokraten und Liberale 4 Sitze bei 1 120 452 Stimmen, «Saarbund" 210168 Stim­men, fernen Sitz, Deutschnationale 90 975 Stimmen keinen Sitz. Die alten Führer, die bisher im Landesrat faßen, darunter Kommerzienrat Röchling, sind durchweg wiedergewählt.

Zndustrle. und tzrndelstag.

Rm Mittwoch fand in her Berliner Handels­kammer unter starker Beteiligung der Handels­kammervertreter aus allen Teilen des ReicheS die erste HauPtauSichußsitzung des deutschen In uftrie- nnh Handelslager in bleiern Irhre statt.

Der Vm sitzen oe, Franz von MenrelS'obn, forderte in feiner Begriißungsan prache u. a. völlig- Wte^er« heistellung der Souveränität der Reichs- regierung über die Wirtschaftskräfte des besetzten Gebiets, Festsetzung unterer Repara- t onSleiftnngen auf ein angemessenes Maß, Bewilli­gung eines Moratoriums' und einer äußeren An­leihe, feiner sofortige Balanzierung des staat­lichen Budgets, alsbaldige Gründung einer Gold Notenbank und schließlich freie Preisbildung für Waren und Arbeitslei inng.

Reichsminister Hamm setzte sich in einer Rede gleichfalls für die Freiheit der Wirtschaft ein. Im Anschluß daran machte Reichsbankpräsi- Cent Dr. Schacht Ausführungen über feine Ver­handlungen mit dem SachderständigenauSichuß, ins»

1 besondere über die Frage der Schaffung einet Gold­währung. Zu den letzten bedauerllchen Vorgängen am Devisenmarkt erklärte Dr. Schacht, ei müsse von Zeit zu Zeit ein Signal gegeben »er«; den, durch welches ba5 Beran nvortungsbelvuhtiem' in jedem einzelnen ge;täitr werde.

»Deutscher Reich.

* Zum Hiller-Ludendorff-Prozeß. Aus Mün­chen wird gemeldet: Gegenüber den wiederholt in der Oeffentlichkeit geäußerten Besorgnissen, daß in dem Hochverratsverfahren gegen Hitler und Genossen die unbefangene Wahrheit»- forschung dadurch beeinirächtigt fei, daß der Ge­neralstaatskommissar al» Inhaber der vollziehen­den Gewalt auch Vorgesetzter der Justizbehörden fei, wird der Korrespondenz Hofsmann von dem Justizministerium mitgeteilt, daß diese Besorgni» unbegründet sei- Eine Einwirkung des ®eneral- staatskommissars sei von vornherein ausgeschlossen, da durch die vom Generalstaatskommissariat er­lassene Verordnung die Unterstellung der Gerichts­behörden unter den Generalstaatskommissar au»* drücklich angenommen wurden. Von der rechtlichen Möglichkeit, der Staatsanwaltschaft Weisungen zu erteilen, habe der Generalstaatslommissar nur einmal Gebrauch gemacht, und zwar bei der Haftentlassung Ludendorffs gegen Ehrenwort.

VIrtschaMche UampsbeWeZUngen.

— $k Streiflage Im Wupper!«l. Der christliche Isj* ttiarbeitemrtKinb in Elberfeld hat beschlossen, den Ausstand abzubrechen. Die Arbeit wird sofort wieder aufxienommen. — Bei der erneuten Urabstimmung unter den Metallarbeitern in Barmen hat sich wiederum er­geben, daß über 75 Prozent für die Wetterführung de» Streik» gestimmt haben. Der Ausstand dauert also an.

Eine Märtyrerin der Pflicht.

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Der Form halber erhob die Marquise noch eine Tln- «endung.

»Ja, wenn wir es nut mit ihr allein zu tun hätten • - . Doch wir haben auch mit dem Baier zu rechnen, und ich kann Ihnen sagen, ta^ wir von seiner Bekannt­schaft durchaus nicht entzückt sind.

»Ja, er ist ein wenig ungeleckt, aber trotzdem ein Sanzer Mann unb seine geringe gesellschaftliche Bildung, i>ie ich nicht in Abrede stelle, schmälert feine Millionen um feinen Centime, ganz abgesehen davon, boj Sie slicht ihn, sondern seine Tochter heiraten. Und bann wol­len Eie doch gefälligst bedenken, meine Herrschaften," fugte ter Anwalt überzeugungevollen Tones hinzu, „wenn Sie nicht über dies oder jenes hinwe-fehen, so werden wir niemals ans Ziel gelangen. Abgesehen von dem Paisivum der zu Grunde gegangenen Bank, für das man Sie natürlich nicht ve antwortlich machen kann, dessen Lorhandensein sich aber mit dem Andenken des verstorbenen Marquis unh Ihrer eigenen Ei;re nicht recht verträgt, stecken Sie bis an den Hals in Schulden. Die wollen Eie die bezahlen, wenn Sie nicht eine reiche Heirat eingehen?"

„Ich will eine solche gewiß eingehen, aber eine ehren­werte soll sie fein," erklärte Franz.

»Das sage ich auch: doch wenn Sie dabei b:ha-ren, Herr Marquis, daß bei einem solchen Bunde alles, aller auch alles mit Thren Ansichten übereinftmme, fo wird die Sache niemals zustande kommen Drei Eetezen- ’Wen haben Ei; bereit» unbenutzt Darübergeben lafstn. tas hat sich herumgesp"ochen und man f niet allgemein, bah Sie zu an'prucheooll sind. Nun bietet sich die

vierte (Belegenheit dar und rückt ein ungeheures Der- mögen in den Bereich Ihrer Hand. Lassen Sie sich das nicht entgehen! Ich meine e» gut mit Ihnen, indem ich Ihnen diesen Rat gebe."

Diese Unterredung vermehrte die UnschlüssigkeK und Ratlosigkeit der Marquise noch. Sie rou^te nicht, wie sie zwischen den Worten des Notars nud denen des An­waltes, bte einander stracks widersprachen, die Wahr­heit ausfindig machen sollte. Was ihren Sohn anbetraf, so hätte er am lieferten Simonnet auf der Stelle ge­schrieben, datz er auf seinen Vorschlag dankend verzichte. Doch die Mutter bat ihn inständigst, sich nicht zu über­stürzen und nicht durch eine voreilige Ablehnung einen Mann, der allem Anscheine nach sehr rach'üchtig war und geradezu schädlich werden konnte, wenn man sei­nen Zorn herausforderte, zum Äußersten treiben. Sie meinte auch, daß man das junge Mädchen kennen lernen muffe, bevor man sich zu irgend etwas entschlietze. Mög- licherweije sei das Mädck)en häßlich, geistlos, eine gc- wohnliche Durchsthntttsnatur, es war aber auch nicht ausgeschlossen, dafz Franz der jungen Dame nicht gefiel und die Ablehnung von ihrer Seite erfolge.

Tiefe.mannigfachen Argumente hatten zur Folge, daß sich Franz von Fosieu'e dem Willen seiner Mutter fügte und einwilligte, mit Fräulein Simonnet zu!am- menzutresfen. Er gab seine Einwillig.mg indessen nur i sehr widerstrebend. Seine Abscheu vor der Heirat, zu der man ihn veranlassen wollte, schien geradezu unüber­windbar zu fein, und als er eines Morgens, achtund- vierzig Smnden nach Empfang des Briefes des Laters der ihm zugedachten Braut aufbrach, um diesen von seiner Antwort in Kenntnis zu setzen, wurde feine Mut­ter, die ihn das Haus verlassen sah, von ter Furcht erfaßt, daß er Simonnet gegenüber seine wahren Emp­findungen nicht würde verbergen können. 1

Luka» erwartete ihn unbeugsamen Sinne».

Cine vieljährige Vertrautheit mit den Schwierigkeiten der Ledens und di« Eewohnheit, ihnen ein Ende zu bereiten, ohne es mit der Lauterkeit der Mittel allzu genau zu nehmen, hatten ihn unempfindlich für die Bedenken und Rücksichten gemacht, die sich jede» ehrlichen Menschen, der vorn Wege des Rechten nicht abweichen will, bemächtigen, wenn ein Moment eintritt, wo man zwifchen Vermögensvorteil und Ehre wühlen muß. Nach, dem er, ausschließlich von seinem persönlichen Interesse geleitet, einen Plan entworfen hatte, ging er mit einer Entschlossenheit an die Ausführung, die durch keinerlei Rücksichtnahme gehemmt werden konnte. Er gedachte unaufhaltsam feinem Ziele zuzustrebep und erwog dabei nicht einmal die ganz nahe liegende Frage, ob er nicht vielleicht das Glück seiner Tochter gefährde.

Diese Gle'ichziltigkeit de» Herzens war der natürliche Ausfluß feiner Verderbtheit. Der Sinn für Moral war ihm so abgestorben, daß ihm das Rohe und Gewallfame seines Vorgehens der Familie Fosieuse gegenüber gar nicht zum Bewußtsein kam. Er behonbe'te das Ganze als eine reine Geschäftsfache mit der Gewandtheit de» Mannes, der gewöhnt ist, eine Partie auszubeuten.

Nicht ohne Ungeduld erwartete er seit zwei Tagen eine Antwort auf feinen Dries, und obschon er sich nicht wunderte, daß er sie noch nicht erhalten, beunruhigte und ärgerte ihn doch das Schweigen ihm gegenüber. Er hatte beschlossen, Paris nichi eher zu verlassen, als bi» er diese Angelegenheit in Ordnung gebracht, um ihren Gang aus nächster Nähe lenken zu können: er ue: liefe daher nur äufeerft selten das Absteigequartier, das er noch aus der Zeit, da er Abgeordneter gewesen, im Madeleine-Diertel befafe. Hier hielt er sich fast den gan­zen Tag auf, um ja nur sofort die Antwort de» Mar- qui» zu erfahren.

Auch heute morgen hatte er nicht ohne lebhaften Der- drufe feftgefteilt, daß sie sich nicht unter den eingelaufene« Driesen befand, al» ihm Herr von Fosseuse gemeldei wurde.

„Wenn er selbst kommt, so bringt er mir seine Ein- willizung", sagte er sich. „Würde er ablehnen, so hätte «r geschrieben."

Er war voll Vertrauen auf da» Gelingen feine» Plane», al» er dem Gaste mit den Worten entgegen- ging:

„Ach, Herr Marquis, Sie haben sich die Mühe ge­geben, meine vier Treppen herauszusteigen? Darf ich daraus vielleicht den Schluß ziehen, daß Sie den Vor­schlag annehmen, den ich Ihnen zu unterbreiten die Ehre halte?"

„Anzunehmen, ohne die Ehre zu haben, Fräu'em Eimmonet zu kennen und von ihr gekannt zu werden, märe zuviel gesagt", entgegnete Franz lächelnd. „Sie werden indessen der Wahrheit näher kommen. Herr Simonnet, wenn Sie bei meinem Kommen einen Se­mei» dafür erblicken, daß wir, meine Mutter und ich, Ihren Vorschlag als ernsthaft gemeint aussassen."

„Das ist er auch in der Tat," versicherte Simonnet. „Ich habe ihn unterhieltet, ohne die wechselseitigen Vor­teile, die er enthält, zu verschweigen und habe dem weder etwas hinzuzufügen, noch etwas zurückzunehmen, ob­schon ich kein Hehl daraus mache, daß ich ihn ohne jede Vorbereitung, unter dem Einflufe einer spontanen Eingebung gemacht habe. In meiner langjährigen, von Arbeit und Kämpfen zusammengesetzt^n Tätigkeit hack« ich indcsien niemals Anlaß, me.ne ersten (Eingebungen zu bereuen, ganz abgesehen davon, dag mein Wort einem geschriebenen Beitrag gleichkommt ... Und Sie, Herr Marquis, bringen Sie mir Ihre Antwort?"

töortsttzung folgt.)