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Vimeinummer 10 Vfe«nlK

Amklicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

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Nr. 38.

PeraniwortUck ür b;e ecfcrtiileituna: Tr. Sofcanne» Kramer- «in,ergen: I- V onelltt. Fulda. Dotation?6rutt vnd Verlag der u Fuldaer «cttcndrvckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9. ::

BeruaSdre'S: SForat Sebtnar 2.00 koldmark frei Sau$.

Donrerrtag, !4. Zedruar 1924

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An»»' aea - Preile: 81em«tle (UoioneJ iotai 0.16 Oe.Oman auleäit? VLO (Solbmoit Reklamereil« lokal 0,60. Soldmark :: auswürtr 0.R0 Soldmark. :.

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51. ZaHrg.

Hus der Rede Macdonalds

ües englischen Ministerpräsidenten, über die Grund­lagen seiner Politik, die am Dienstag im Unter­haus gehalten wurde, verdient vor allem folgendes Beachtung:

Weder P o i n e a r e noch er selbst hätten irgend­welche Illusion bezüglich der Aufgabe der Ver­söhnung und der Entspannung- Wenn sie aber ihre Aufgabe in dem Geiste verfolgten, in dem sie beschlossen sei, so müßten, bevor das Jahr zu Ende Sehe, Frankreich und Großbritannien mit den an« eren Nationen von -erzen zusammenwirken, um die Bedingungen einer europäischen Regelung zu finden. Er könne nichts tun, bis er die Berichte der Reparationsausschüffe erhalten habe, die in Berlin und Paris eifrig an der Arbeit feien. Die Reparationskommission bilde Has stärkste H i n d e r n i s für eine allgemeine Re­gelung. Sobald die Reparationsausschüsie ihre Drtscheidungen mitteilen könnten und die Repara- tionskommission sich ihre Urteil gebildet haben würde, glaube er, daß die Zeit gekommen sei für eine völlig neue Prüfung aller Pro­bleme der Schulden Frankreichs und aller andern Fragen mit der Absicht, sie im einzelnen in Angriff tu nehmen und durch Vereinbarung aus dem Wege -u schaffen. Macdonald erklärte weiter, es müsse ein Abkommen über d i e Rüstungen ge­funden werden. Er werde feine ganze Energie auf­wenden, und den repräfentottoen Charakter und die Autorität des Völkerbundes zu ver­mehren.

Sobald Amerif a wisse, wie diese Frage aus- Öt werde, werde man — das glaube er zuver- ch — nicht mehr länger an Amerika heran­treten, die Mütze in der -and, sondern es werde von f e l b ft eingreifen, um die schwebenden Fragen lösen zu helfen. Das endgültige Ziel eines Staatssekretärs des Aeußern muffe fein, zu einem Uebereintommen über die Rüstungen zu gelangen.

Der Premierminister beantragte am Schluffe fei­ner Rede die Vertagung des - aufes. Der Führer der Konservativen, Baldwin, zollt der Rede Anerkennung, indem er erklärt, sie sei von außerordentlichem Interesse gewesen. Baldwin stimmt dem Antrag aus Vertagung zu, ebenso As­quith. Das liberale Mitglied Kennworthy und das Parlamentsmitglied Ward erhoben fedoch Ein­spruch. Hierauf nehmen noch mehrere weniger be­kannte Parlamentsmitglieder zur Rede des Pre­mierministers Stellung.

Dc. Sfrefemutm

hat am Dienstag den französischen Bol­schaf t e r empfangen. Die Unterredung hat etwa eine Stunde gedauert.

Lehren für die Reichsbank.

Der nicht leicht zu nehmende Ansturm einer ge­wissen in- und ausländischen Spekulation gegen die Rentenmark darf als abgeschlagen bezeichnet werden. Reichsregierrmg und Reichsbank sind aus dem recht ernsten Kampf als Sieger hervorge­gangen.

Die Reichsbant hat aus den Beobachtungen dieser kritischen Tage schon bestimmte Folgerungen ge- ,zogen. Man geht zu erneuten schar f en Kre- ditbeschränkungen über, und die Privatban­ken stich angewiesen, ihre Kreditgeschäfte einer gründ­lichen Nachprüfung zu unterziehen. Bei solchen Unternehmungen, bei welchen sich herausstellt, daß ihnen gewährte Kredite auf dem Devisenmarkt über den normalen Bedarf hinaus Verwendung gefun­den haben, werden unweigerlich mit Kreditsperre geahndet.

Aber man darf dabei nicht stehen bleiben. Ge­gebenenfalls muß die Reichsbank auch eine E r - Höhung des Diskontsatzes vornehmen. Mr find uns sehr wohl bewußt, daß eine solche Er­höhung jetzt im Zeichen der Stabilität viel einschnei­dender wirken muß als das in Zeiten der Inflation der Fall war. Aber es darf unter keinen Umständen vor einem solchen Schritt zurückgeschreckt werden, und wir wissen, daß die Rentenbank sich sehr ernstlich mit Absichten in dieser Hinsicht trägt. Die Wirtschaft, die durch die Kreditbeschränkungen ohnehin schon empfindlich getroffen wird, würde bei einer Diskont­erhöhung in eine sehr mißliche Lage geraten. Wenn die letzten Vorgänge dazu führen würden, daß bie soliden Elemente sich zusanrmenschließen, um die Schädling« aus ihren eigenen Kreisen rüi-ichts- los zu entfernen, dann wäre ein ganz wesent­licher Gewinn zu verzeichnen.

Die Währung hat v o r der Wirtfchaft zu stehen. Denn von dem Schutze der Währung ist auch die Sicherung der Wirtschaft abhängig. Man wird der Reichsregierung darin beipflichten müssen, daß sie alles daransetzt, um die Zügel in der Hand zu be­halten. Die Gesundung urrb Erhaltung der Wcih- nmg ist die Voraussetzung für unseren gesamten wirtschaftlichen, aber auch politischen Wieder­aufbau. Und um dieses Ziel zu erreichen, darf uns kein Opfer zu groß fein. Aber die Bevölkerung-, krvise, die heute schon, solche Opfer für die Gesamt- beit bringen, haben ein Recht darauf, zu verlangen, daß solche Opfer mich von denen gebracht werden, die dazu in erster Linie berufen waren, well letzten Endes Gedeih und Verderb auch ihrer Schicht von dem Erfolg der zum Schutz unserer Währung einae- leiLeten Maßnahmen abhängt. Der Grundsatz also: Erst Währung, dann Wirtschaft, muß mit der denkbar größten Energie in die Tat umqefetzt werden, und die Reichsregierung wird der Unter­stützung aller Dolkskreise bei solchen Bemühungen immer sicher fern.

= Der Beamtenabbau. Zum 1. April werben 15 Präsidcntendeut;cherObe>po ft direkt tonen toetn Ueber,chrcttung deS 60. Lebensjahre» in den Ruhestand verseht.

Deutsche; Reich.

* Feststellung zur Wahlrechtresorm. Nach Zeitungs- Meldungen soll beabsichtigt sein, bei der Reform beS Reichskagswahlrechis das wahlberechtigie Alter von 20 aus 25 Jahre-cherauszufetzen. Temgegen- über sei seügestellt, daß der kürzlich vom Reichskabinett angenommene Entwarf zur Abänderung des RcichS- wadlgesetzeS irgend eine Bestimmung dieser Art nicht enthält

* DaS thüringische Presseamt teilt mit: Nach den vorlie,enden amtlichen Feststellungen deS Ab> stimmungSergebnisfeS der Thüringer Landtagswahlen werden auf den Ord> ungsbund 34, auf die V. ®. P. D. 16, auf die Kommunisten 13 und die Teutsch- völkischen 6 LandtagSabgeordnete ein fad en. Einige Wahlresultate aus kleineren Wählst ten stehen zurzeit noch auS.

Kurland.

* Frankreich und Wilson. Der französische Senat bat zum Andenken an den verstorbenen ehemaligen Präfidenken Wtlson eine Tageroidnung angenommen, der sich Justizminister Coliak im Namen der Regie- rung angeschloffen hat. In dieser Tagesordnung wird erklärt, Wilson habe sich um Frankreich und die Menschheit verdient gemach-, da er die amerikanischen Armeen während des Krieges an die Seite der französischen Heere geführt habe, um die Sache des Rechts und der Böker zu verteidigen. — Die Begründung der Ehrung wäre richtiger ge­wesen, wenn sie darauf Bezug genommen bähe, daß sich Wilson vo» Clem.nceau habe „einfei]en" lassen.

* Skapa Flow. Aus London wird mitßeteilt, daß die Admi-autät einen Bettrar nntelzeichnet bat, wonach die Mehrzahl der bei Skapa Flow versenkten beutichen Krreasschisfe gehoben werden soll.

8»Wriß nut die WMflen in der Pftlz Blutige Stürme auf daS NegieruugSgebäude in PirmafenS. Kampf in Kaiserslautern.

In der Pfalz hat fetzt die deutsche Bevölkerung, nachldsm ihr von den Besatzungsbehörden kein Schatz gegen die Plagegeister, das verbreArische 6epa- ratisten-Gesin-del, zu teil wurde, zur Selbsthilfe gegriffen. Aus Pirmasens und Kaisers­lautern werden blutige Kämpfe gemeldet. Möge die schwer« Prüfungszeit für die Pfälzer bald vor­übergehen. Das DoT der Pfalz, das uns Katholiken besonders nahe stcht, bat durch feine vorbild­liche Treue zum oeutfchen Vaterland es verdient, daß die schweren Tagen, die so viele Opfer kosten, abgelöst werden von Tagen der ge­sicherten staatlichen Ordnung.

wtb Mannheim, 13. Febr. (Tess. Dl« Rhei nb rücke ist seit heute vormitlag 5 Uhr an» unbekannten Gründen für den Verkehr nicht ge­öffnet.

Am das Bezirksamt in ftcffersltmlem.

mb ftaiferlanfern, 13. Febr. (Tests. Seit heute vormittag S Ahr tobt hier ein furchtbarer Kamps um das Bezirksamt, wo sich das Hauptquartier der Separatisten befindest Rach einem lebhaften Feuergefechk griffen marok­kanische Truppen ein, um die Menge von dem Gebäude wegzutreiben. Rach einer Stunde Pause (%10 Ahr) fallen wieder Schüsse. Durch Glockenalarm wurde die Feuerwehr alarmierst Die Wmze Bevölkerung ist auf der Straße. Die Schulen sind geschlossen. Bis seht sind 2 Personen schwer verletzt, darunter ein Separatist, mehrere Personen sind leicht verletzt.

Das Strafgericht in Pirmasens.

vrd Pirmasens. 13. $ebt. (Tel.) 6.45 Uhr. Seit gestern vormittag 11 Uhr ballten sich vor dem Reglermrgsgeböude, dem Sih der Separa­tisten, ungeheure Menschenmengen zusammen. Die Separatisten wurden wiederholt ausgefOr­der f, bas Gebäude zu verlassen und in Unter­handlung mit einer Abordnung Pirmasenser Bürger zu treten. Diese Cinignngsversuche wurden seitens der S^-graNsten abgelehnt, die das Ge­bäude nunmehr verbarrikadierten. Der Bevölke­rung bemächtigte sich deshalb eine ungeheure Aufregung. Gegen Abend fetzte seitens de» Selbstschutzes der Sturm anf das Be- gierungsgebä ude ein. in dem sich schätzungs­weise 40 Separatisten befanden unter Führung des bekannten Kommissars Schwab. Die Separa­tisten schosse« darauf auf die Bevölkerung und

es mußten daher traf Seiten der Bevölkerung leider auch die erste« Verluste feftgestellt werden. Trotz dieser schwere« Verluste wurde der Sturm immer und immer wieder fortgesetzt. Da an das Gebäude nicht anders heranzukomme« war. wurde die Feuerwehr herbesgerufen. Auch dieser versuch mißlang, worauf man sich entschloß, das ganze Gebäude mitvenzinz« übergießen und anzuzünde«. Als der Unterteil des Gebäudes lichterloh brannte, stellten die Separatisten endlich das Feuer ein und baten um Gnade, die ihnen aber nicht gewährt wurde. Die ans dem Gebäude fetzt herauskommenden Separatisten wurden von der erregten Menge ergriffen «nd buchstäblich in Stücke gerissen. Gleichzeitig war es mehreren Männern mit Leitern gelungen. In das Gebäude einzudringen, worin sich jetzt ein ftatnpf Mann gegen Mann entspann. Anter den Erschossenen befindet sich auch der Re­gierungskommissar Schweb, ferner feki» Aswkant und viele andere Separatisten, die eine besondere Rolle gespielt hakte«. Den Schwab warf die Menge zum Schluß «och in das Feuer, von den 40 Separatisten, die sich in dem Gebäude befanden, dürften nicht viele mit dem Leben davongekommen fein. Vor dem Gebäude spielten sich fürchterliche Szenen ab. Das Feuer, da» sich auf das ganze Gebäude ausgedehnt hatte, konnte bisher noch nicht gelöscht werde«. Es hält noch an. Wie man annimmt, befragen die Verluste auf Seifen der Bevölkerung 3 Tote und etwa 20 Verletzte. Die Franzosen hielten sich während des fürch­terlichen Kampfes vollkommen neutral.

wtb Pirmasens, 13. Febr. (Tel.). Vach vorliegenden Nachrichten sind bei dem Sturm auf das RegiecungsgebSude im ganze« 17 Perso­nen gelötet worden, darunter 14 Separatsten und 3 Personen der deutschen Bevölkerung.

Abzug in Zweibrücken.

wtb Zweibrücken, 13. 3an. (Lei.) Die Se­paratisten habe« heule oorm'ufag 4 Uhr öle Stadt in der Richtung nach ft aisersla uter n verlassen.

*

Die deutschen Parteien und WirtfchafwverbänLe rufen zu großen Kundgebungen für die deutsche Pfalz aus, die am 17, Februar statt- fmdrn sollen.

Die Einheitsfront -er Katholiken

im öffentlichen Leben, die allein imstande ist, alle Anschläge gefährlicher Gegner abzuwehren, ist in der letzten Zeit stärksten Anstürmen zäher Wider- facher ausgesetzt. Zwar scheint es, als ob die von rechts her otngeleiteten Zersplitterungsoersuche nach­gelassen hätten. Das Vorgehen der deutsch-völkischen Kreise in Bayern, namentlich in München, ha-t ja auch den hannlosesten Katholiken aufgeweckt und die Lage geklärt. Jetzt kommt der Ze-rsplitterungsoer- such von links. Sozialdemokratische und demo- krattsche Blätter verkündigen bereits den Verfall des Zentrums, herdeigeführt durch Abwande­rung der Arbeiterwähler der Zentrumspar- tet Sie verwerfen dabei unter gewaltiger Uebertreibung örtlicher Vorgänge im Dortmunder Bezirk auf die Gründung einer „Thrist- llch-sozialen Volksgemeinschaft", die jetzt in Essen ge­tagt hat. In der Tat handelt es sich um Machen­schaften einer Gruppe von Eigenbrötlern unter Füh- rimg eines gewissen A. Meise, der feinen Anhängern die Bezeichnung „die Ameisen" verschafft hat. Die große Masse der katholischen Arbeiterschaft denkt nicht daran, der Zentrumspartei untreu zu werden. Die katholischen Arbeiter sind ebenso sehr wie die Katholiken aller anderen Berufsstände davon über­zeugt, daß in unseren für die kulturelle Entwicklung Deutschlands enffcheidungsschweren Zeiten das kath. Volk Zusammenhalten muß mit uner­schütterlichen Festigkeit. Treu« um T r e u ei Der Versucher ß«ht jetzt um. Von r e ch >» und link» sucht man die Katholiken mit mate­riellen Vorteilen au» ihrer bisherigen Einigkeit bcrauszulocken. um hie durch Lerlvütt.runa Ge­

schwächten einzeln zu schlagen. Das darf nicht fern, liebere^ heißt es jetzt: aufgepaßt! in der Ge­meinde, im Staat, in allen Körperschaften des öffentlichen Leben». Nur durch geschloffene Eircheit können sich hie Katholiken vor schweren Zeiten be­wahren. ___________________

Beamtenttayen.

- Abbo« trab Gehaltserhöhung. In einer Aus­sprache im Reichsfinanzministerium mit Vertretern der Spitzenorganisationen der Beamten wurde seitens der Regierung ertlärt, daß nicht beabsichtigt sei, die auf Grund der Personalabbauverordnung ausgeschie­denen Beamten von einer etwaigen künftigen Er­höhung der Gehälter auszuschlietzen. Eine weitere Her­absetzung der Bezüge der Beamten fei niemals erwogen worden. Vielmehr fei es der ernste Wille der Reichs­regierung, sobald es die Finanzlage des Reiches gestatt«, di« Grundgehälter und den Ortszuschlag zu erhöhen und an dieser Aufbesserung auch die Frauen- und Kinder­zuschläge tellntbmen zu lassen. Für die Beamten Im einstweiligen und dauernden Ruhestand würden die Be­züge entsprechend erhöht werden. Schließlich wurde noch­mals betont, daß die Gerüchte über eine Erhöhung der Quote de, Beamtenabbaues auf 85 Prozent jeder Grundlage entbehren.

e Putschgerüchke. Die Blätter verzeichnen Mel­dungen aus allen Teilen des Reiches über kommu­nistische Putschabsichten für den Mittwoch. Der „Berliner Lokalanzeiger" erfährt dazu von der Berliner Politischen Polizei, daß es sich um Putsche handele, die u r s p r ü n g l i ch für den 3. Februar geplant waren, bann aber auf den 13. Februar und schließlich aus verschiedenen Gründen aufAnsong März verschoben worden seien. Es seien trotzdem überall tm Reiche umfangreiche Sicherun­gen «troffen EwriX«.

Die Reichsbahn.

Der Organisationsausschuß der Reichs­bahn trat' im ReichSverkehrsmtntsterium zur Be­ratung der Neuorganisation der Reichsbahn zu­sammen. Zur Verhandlung stand die Frage der zu heffenben neuen organftatorlschen Maßnahmen Teilens deS Neichsvcrkehism>nlsterlumS wurde die Notveioidnung über die Schaffung eines selbständi­gen wirtschaftlichen Unternehmens „Deutsche Reichsbahn" zur DiSkitision gestellt.

Die Schweiz und die notleidenden deuljchen Studierenden.

3m Zeichen edelster Menschlichkeit hat die Schweiz der Kulturschicht der notleidenden Studenten ihre ernste Aufmerksamkeit zugewandt. Sie begleitet mit ihrem In­teresse die Studierenden der bedrängten Länder roie Deutschland, Rußland, Ungarn und Polen. 5m beson­deren Hot Sie große Organisation der Europäischen Stu­dentenhilfe (6. S. H.) ‘tiefe Wurzeln geschlagen.

Dieses ist eine internationale Organisation, die in 42 Ländern unter den Studenten ohne Rücksicht auf Natio­nalität, Konzession und politisch« Auffassung bestrebt ist, materiell« und geistige ffilfe zu bringen. Sie sucht dieses Ziel durch Unterstützung der gemeinstubenttschen und Selbsthilseorgamsationen (menfae academieae, Waren­oder Büchervermittelungen, Studentenwerkstätten u. a.) zu erreichen, andererseits auch durch Veranstaltung inter­nationaler Konferenzen, Forderung des Studentenaus- tauschs, der Ferienaufenthalte usw. Sitz der hervor­ragend wirksamen Organisation ist Gens (Leiter: C. -Hoff­mann). Gerade dec Schweizer Zweig ist besonders rührig. In Basel findet in der Woche vom 4.—10. Februar für Werbezwecke eine Freundschaftswoche der Europäischen Studentenhilse statt. Den einleitenden Vortrag hielt der münsterschr Reichstagrabgeordnete wrd Universität,pro- fessor Dr. Georg Schreiber über die Not der deutschen Wissenschaft txr geistig schaffenden und im besonderen der deutschen Studierenden.

Redner führte aus, der Ruiturbegriff der Werkstuden­ten sei einer der merkwürdigsten und gleichzeitig ergrei­fendsten sozialen Erscheinungen der Gegenwart. Dieser Auffassung habe auch der Engländer Keynes Raum gegeben. Der Werkstudent empfinde die körperliche Ar­beit und das geistige Schaffen nicht al, störende Dissonan« und als unerbittliche Forderung eines trüben Alltags, sondern er suche die ideelle Einhett der beiden Leben» kreis« und verlange nach der werkstudentischen Petsön- lichkeit. Der Idealismus der werkstudentischen Bewe­gung sei im übrigen nur aus den liefen der deutschen Jugendbewegung zu erklären. Sn der Dresdener studen­tischen Wirtschaftshilfe habe die Studentenschaft eine groß­artige Hilfsorganisation geschaffen. Mit Dan? gedenke Deutschland der unterstützenden Wirksamkeit der Euro­päischen Studentenhilfe. Sind doch in den kurzen vier Jahren des Bestehens weit über 8 Millionen schweizer Franken von den Studenten vieler Länder gesammelt worden. 3n Mittel- und Osteuropa wurden Tausende und Abertausende tätlich gespeist. Man rechnet, daß weil über 22 Millionen Mahlzeiten au,gegeben sind. Eine halbe Million Keidungsstücke wurden für die Studenten verteilt und ebenso sind zahlreiche erwünscht« Lehrbücher verschickt. Gerade in der Schweiz hat man Verständnis dafür, daß durch die Arbeitslosigkeit di« Studentenschaft besonders jetzt in Deutschland in eine besonders schwere Krisis eingerückt ist.

Wie uns aus Bern gemeldet wird, hat der schweizerische Außenminister Bundesrat Motta be« Retchstagsobgeordnelen UniveisitälSprofeflor Dr Georg Schreiber tiefer Tags empfangen.

Soziales.

= vie loyalen verflcherun:e» «nd las SrWächttguu-s- aesetz Der föer Ausschuß be» Rercb»tags e> suchte die Reichsregieruna, die Verordnung über die Krankenver» ficberuna, die sie im Wege de» Ermächtigun »gesehe» veröffentlichen wollte, der Beratung im Nahmen der ordentlichen Gesetzgebung vorzubehalten. Die Reichsregierung har serner die Vorlage einer Verordnung über dir Renten, und Personatadfinvun i in der Unfall» versicherun t zurück ewen, nachdem sich größere Uw« fiimmigfeiten in ihrer Beurteilung im Ausschuß ergaben

Katholische Welt. '

= verband katholischer veamtenorrelne Deutschland» Der verband hatte auf d n 4. Februar zu einer fton< ferenz nach Köln eingeladen, zu der zahlreiche Bev- treter der Bezirikvcrbände de» besetzten und unbesetzten Gebiete» er chienen waren. Der Vorsitzende, General- präfeS Gehlen, sprach über den Zwcck der Konferenz. Der Verband will Stellung nehmen zu den augenblick­lichen außergewöhnlichen Sorgen de» Beamtenstandes. Die Morgenverhandluvgen brachten zwei Referate sGörgen, Bonn, und Btmuth, Köln) über die durch den Beamtenabbau verurfnchre Notlage bei ge­samten Stande» unö über vorbeugende und helfend« Arbeit der verbände», währens am Nachmittag (9tefe- reuten: Bezickspräse» Wrrtz, Aachen, und General- Präses Geht en, Köln) die Wtitirl gesucht und gefunden wurden, duich die Veidand und Ortsvereine den Ver­bandskollegen helfen können, die infolge der Personal- Abbauverordnung uns infolge der noch immer di« Beamienschafi schwer druckenden autzenpolitilchen Der» hälimsse in tiefe Not geraten find.

= Kaitnrardeit deutscher rnstsronärr. Seit dem Jahre 1901 betreuen öcutjdje Kapuziner die Mission unter den Indianern der Arankante in Chile. E» ist ein große» Zivlllsatconswerk, daß dies« deutschen Mrfsionare rn aller Stclle in den dunkren Wäldern der Araukante vollbringen. Mit zähem Flerß und bewunserung»- toütui er Ausdauer haben diese Pioniere der Kultur in den letzten 25 Jahren 18 Jnterr-aie und 86 Schule» gebaut, die zum Teil in den verborgensten Winkeln de» Berge, inmitten von Indiane» steolun^en, sich destnde» und in denen regenwärtig an 4000 Rrndcr eine , Ute und gediegene Erziehung erhalten. Nur so läßt e» sich erttä en, daß von den 100O00 Indianern, die in de» Provinzen Eo.tin und P tldivtu leben, bereit» 90003 ai« brauchbare Menschen anzu ehen sind, wenn rhne» auch immerhin noch die Eierschalen ihre» priu.itive» ZustanSeS anhängen.

• Sieg der Ordnung in Mix,ko. Wie dem «exr- la: iidjen Honjulat in N worleau» miigetcilt totr», hat der Pro i»oe nl Odiogon ben Hafen von Beiorluz, der infolge des Auf.uinbes fett Dezember ge chiossen war, wiever für den mtetnationale« Bsp- ieiit aeöüuet.