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10 Pfennig.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

51. Zahrg

Dienstag, 12. Februar 1924

fir. 36

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Sn,c,aen-Prrtle ftietmeilt (ttolonei) lota> 0.15 »eitmari aurwürU OLO «olbmatt; fietlameeetie total 0,60. wsldmari :: auSrrSrtt 0.80 (SotbmarL :.

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Serantttortluö lür di» Scdrntleuring: Dr. Sobannel ft tarnte.

Anreisen: I- B attt Uer. Fulda. Rotaiionkdruck und Verlag der

Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernivrecher Nr- 9. ::

Bernsrvrti»: Monat Februar 2.60 ©olbmatt frei Lau».

Vie Wahl in Thüringen.

Aus Erfurt wird gemeldet: Die am Sonn­tag getätigten Wahlen zum thüringischen Landtag haben trotz der lebhaften Wahlpropaganda des Ord­nungsbundes und der sozialistischen Parteien einen ruhigen Verlauf genommen. Nur in der Stadt Aa m b u r g a. S a a l e ist es nach den bisher vor­liegenden Meldungen zu einem kleineren Zusam­menstoß gekommen. Trotz des vom Militärbefehls­haber erlassenen Verbots des Ausschanks stark alko­holischer Getränke kam es hier zu einem Streit zwischen einem deutsch-völkischen und einem sozialistischen Wähler, der mit Biergläsern ausgefochten wurde und einen Tumult im Wahlokal herbeiführte. Nach vorlie­genden Meldungen aus Weimar, Eisenach, Apolda, Gotha, Jena, Arnstadt, Meiningen, Gera usw. war die Wahlbeteiligung überall sehr groß. Sie wird in einzelnen Wahlbezirken zwischen 80 und 90, teilweise sogar bis zu 95 Prozent geschätzt. Um 7 Uhr abends wurde der Wahlgang geschlossen.

Ein Blld über die Verteilung der Stimmen bei der thüringischen Landtagswahl läßt sich noch nicht geben, da die Berichte nur verhältnismäßig spärlich eingehen. In den größeren Städten wie Weimar, Arnstadt, Gera, Rudolstadt und Gotha ist mit einer bürgerlichen Mehrheit zu rechnen, wäh­rend in Meiningen und Sondershausen eine bür­gerliche Mehrheit bereits gesichert erscheint. In Altenburg und Saalfeld scheinen die Stimmen rechts und links ziemlich gleichmäßig verteilt. In Ruhla bleibt die k o m m un i st i s ch e Mehrheit be­stehen, ebenso in den südthüringischen Jndustrie- bezirken und in den kleineren Jndustrieplätzen um Ilmenau.

Vorläufige Wahlergebnisse.

Weimar: Ordnungsbund 12 293, Völkische 4971, So­zialdemokraten 4090, Kommunisten 3881, Unabh. 950.

Sondershausen: Ordnungsbund 3450, Völkische 1058, Sozialdemokraten 1534, Kommunisten 1591.

Meiningen: Ordnungrbund 4200, Völkische 2073, Sozialdemokraten 1696, Kommunisten 1121.

Rudolstadt: Ordnungsbund 4361, Sozialdemokraten 1848, Unabhängige 731, Völkische 2577, Kommunisten 1780.

Gera: Ordnungsbunü 26 672, Sozialdemokr. 14 475, Unabhängig« 1576, Kmmunisten 76?p, Völkische 584.

2ena: Ordnungsbund 11210. Sozialdemokr. 6150, Kommunisten 8668, Völkische 2414, Unabhängige 17, Freier Wirtschafsbund 251.

Eisenach: Ordnungsbund 11535, Sozialdemokraten 5740, Kommunisten 3590, Völkisch« 2220, Unabhängige 1066. Freier Wirtschaftsbund 12.

Ilmenau: Ordnungsbund 2677, Sozialdemokraten 2274, Deutschvölkifche 1178, Kommunisten 1507, Freier Wivtschaftsbund 3.

Vie Ergebnisse kn Geisaer Lande.

Es wurden uns aus Geisa folgend« Ergebnisse ge­meldet: _

Wenigentaft 118 Ob., 6 Soz., 12 Komm.: Buttlar: 295 Ob., 9 Soz., 13 Komm. 6 ungültig: Dermbach: 132 Ob.. 10 Soz. 3 Unabh., 5 Komm.; Bors ch: 386 Ob., 11 Soz., 4 Unabh. 18 Komm.; Bre­men: 215 Ob., 7 Soz., 1 Komm.; Motzlar: 105 Ob., 6 Unabh., 3 Komm.; Geismar: 262 Ob., 2 Soz., 1 Unabh., 19. Komm.; Spahl: 274 Ob., Barchfeld: 27 Ob.; Vacha: 669 Ob., 281 Soz., 6 Unabh., 247 Komm., 228 Völkische; Otzbach: 54 Ob., 2 Soz.; Geisa: 665 Ob., 171 Soz. 25 Komm., 10 Völkische, 15 ungültig; Schleid: 189 Ob., 9 Soz., 7 Unabh., 3 Komm.; Kranlucken: 107 Ob., 2 Komm., 1 un­gültig.

Wenn überall so gewählt worden Ware, tote tm katholischen Geisaer Amt, brauchte Thüringen keine sozialistisch-kom munistische Mißwirtschaft für die Zu- kunft zu befürchten.

Letzte Meldungen.

wtb Weimar, 11. Febr. (Id.). Die Zeitung «Deutschland" berichtet: Nach den bis seht bekannt gewordenen, lückenhaften Wahlergebnissen dürfte die Zusammensetzung des neuen Land­tages die folgende fein:

Ordnungsbund: 25 Abgeordnete.

Bereinigte Sozialdemokratie: 12 Abg. Kommunisten: 11 Abg.

Deutsch-Völkische: 5 Abg.

wtb Weimar, 11. Febr. Tel) lieber 8te Landakgswahlen liegen folgende Ergebnisse vor:

1. w a h l k tjt i 9 (Weimar): Das Ergebnis von 15 Landorten steht noch aus:

34 215 vereinigte Sozialdemokratie, 382 Freie wirkschaskspartei, 36 640 Kommunisten, 171 Unab­hängige, HO 841 Ordnpngsbund, 17 228 Deutsch- Völkische.

2. Wahlkreis (Gera): 60 011 vereinigte Sozialdemokratie, 1711 Freie wirtjchaftspartei, 29 876 Kommunisten, 3526 Unabhängige, 91666 Ordnungsbuad, 24 662 Deutsch-Völkische.

Kleinere Ortschaften fehlen noch, die an dem Gesamtresultat nichts ändern.

3. Wahlkreis (Uleiningen einschließlich Gei­saer Amt): 46 249 vereinigte Sozialdemokratie, 303 Freie Dirlschafkspartei, 32 558 Kommunisten, 2495 Unabhängige, 92 836 Ordnungsbund, 13 582 Deutsch-völkische.

4. Wahlkreis (Arnstadt): 36283 Vereinigte Sozialdemokratie, 892 Freie Wirtschaftspakte-, 40 271 Kommunisten, 88 335 Ordnungsbund, 21 249 Deutsch-Völkische.

Bemerkenswert ist der hier schon vorausgesagte glänzende Reinfall der freien Wirt­schaftspartei. Cs zeigt sich auch hier wieder, daß derartige freie Listen, die gewöhnlich dem Ehrgeiz einzelner Persönlichkeiten entspringen, nur Zersplitterungen Hervorrufen. I

, Mag man an den Parteien auch mancherlei aus­zusetzen haben: sie haben wenigstens klare Be­griffe .fürs öffentliche Leben und es ist nicht möglich, sie für private Zwecke einzuspannen.

Wahlen in LübsL.

Bei den am Sonntag vorgenommenen Bürger- schafrswahien wurden folgende Stimmen abgegeben:

Kommunisten 8896, Sozialdemokraten 25236, Haus- und Grundbesitzer 7 871, Demokraten 6556, Wirtscha tsgemeinschaft (Demschnationale, Deut che Bolkspartei, Zentrum und Bürgerbund) 19506, Deuüchvölkische 5402.

Es e>halten demnach die Kommunisten 10, die Sozialdemokraten 20, Haus- und Grundbesitzer 8, Demokraien 7, Wirtschaftsgemeinschaft 21, Deutsch- völknchen 6 Sitze.

Während sich die Bürgerschaft bisher aus 45 Sozialdemokraten und Kommunisten und 35 bürger­lichen Abgeordneten zusammensetzie, stehen nunmehr 38 Abgeordnete der Linken 42 Bürgerliche gegenüber.

Heber die GoldnotenianL

hat der erste Sachv.'rständigen-AuSschuß mit dem Reichsbankpräsident Dr. Schacht eine gewisse B er­st ändigung erzielt. DaS läßt sich au« einer omt« lichrn Veröffentlichung entnehmen, dis darüber erfolgt ist. Bislang gingen die Plane Dr. Schachts und des Komitees in zwei Richtungen. Das Kommu­nique des ersten Sachverständigenausschusses läßt er­kennen, auf welcher Basis die beiden Projekte jetzt mrteinander vereinigt werden fallen. Das Sachverständigenkomiiee will feinen Vorschlag mit aller Dringlichkeit der Reparatronskommission zur Durchführung empfehren und Herr Dr. Schacht leinersetts will das von ihm geplante Institut in der Weise verwirklichen, daß eS in dem Augenblick, wo die @nlonoienbant errichtet ist, ohne Schwierigkeiten in sie übergeführt werden kann. Tiefe» Ergebnis der gememiamen Beratungen kann von außeroröenl- llcherTragweitsfürdleweueleEntwicklungder deüljchen Währungsfrage und im Zuiammenhang bannt der gan­zen Reparanonsfrage werden. Man kann wohl an» meir, dag oaS Komitee aus feinen Untetfuchungen die Gewißheit darüber erhalten wird, baß bte Vor­aussetzungen für die Durchführung seiner PlLrtr ans deutscher Seite vorhanden sind, daß also da-- Ziel der endgültigen WährungSsante- rung und der Gesundung des RsichShau-halteS lat« sächlich erreicht werden kann.

Welche Voraussetzungen dafür auf dem Poli­tischen Gebiete geschaffen sein müssen, wird in dem Kommunique des Sachverständlgeuausichuffes nicht erwähnt. Sie sind nalurlrch von enljcyer­de nd er Bedeutung.

Macdonalds Pläne.

Der diplomatische Redakteur der Haves-Agentur hat in französischen und englischen diplomatischen Kreisen sestgestellt, daß von der von der Ere nou- velle gemeldeten diplomatischen Transaktien nichts bekannt ist. Das radikale Blatt hatte berichtet, Mac- donald habe die Absicht, die Wiederaufnahme der militärischen Kontrolle in Deutsch­land durch den Völkerb-imd oorzuschlagen und zwar unter sehr strengen Bedingungen, wenn Poincare seinerseits sich der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund nicht Widersetze.

Lloyd Georges Enthüllungen.

Der französische Politiker Tardieu hat ameri­kanischen Blättern eine Erklärung zugeftellt, die sich auf die angeblichen Enchüllungen Lloyd Georges bezieht. Nach Feststellung der Ereignisse, wie sie sich nach der offiziösen Auslassung von französischer Seite vollzogen Haden sollen, berichtet Tardieu:

Dadurch, daß Lloyd George die vollständig kor- reften loyalen Verhandlungen mit Wilson und Ele- menceau als Geheimoertrag hmstellt«, hat er sich in eine schlechte Lage gebracht. Aber da er die De­batte wieder eröffnet hat, tmb sich mit Unrecht über das Vorgehen seiner Kollegen beschwerte, habe ich die Pflicht, daran zu erinnern, daß da« einzig i n - korrekt« Verhalten in dieser Angelegenheit von dem englischen Pr«mi«rminister began­gen wurde, als er vierzehn Tage nach Ueberreichung der Friedrnsbedingrmgen an Graf Brockdorff- Rantzau alles wieder in Frage zu stellen versuchte, was er zwei Wochen vorher hinsichtlich der Besetzung der RhÄnlande, der Reparationen, der Grenzen Polens usw. unterzeichnet hatte. In dieser Zeit vom 25. Mai bis 16. Juni 1919 versucht Lloyd George eine grundlegendeRevisiondes Friedens, den er namens seines Landes unter­zeichnet hatte, zu erzielen. Während dieser tragischen Periode mußte Clemenceau mit seiner Demission drohen, unser Parlament sich mit dem Wortbruch Lloyd Georges befassen. Während dieser Periode hat Wilson, der von Seiten Lloyd Geor­ges einem gewaltsamen Drucke ausgesetzt war, eines Tages durch eine Unterredung ein Ende betet- t e t, daß er feinem britischen Kollegen erklärte: ?)ou make me sick. Schließlich blieb der Vertrag mit Ausnahme der Frage der Volksabstimmung in Ober­schlesien in Kraft. Aber Clemenceau hat dieses Resultat trotz Lloyd George erzielt.

Der frühere italienische Ministerpräsident Or­lando bestätigt in einer Unterredung mit einem Vertreter desGiornale d'Jtalla, daß Wilson und Clemenceau, wie in Konferenzkreisen allgemein be­kannt gewesen sei. zwar nicht einen Vertrag, wohl aber ein Abkommen über die Besetzung der Rheinlatrde abgeschlossen hätten. Er, Orlando hab,- keinen Anteil daran gehabt. Das Blatt bemerkt dazu, Wilson, der neue Messias und Moses, fei

so allen feinen 14 Punkten untreu gewor­den, indem er Deutsche an die Tchechen und Polen verschacherte und den Franzosen den Einzug ms Rheinland bewilligte, obwohl sie schon damals die Absicht gehabt hätten, dort zu bleiben.

MW glimmen zur MUMM«

Die Kölner Zone und die Regie.

Aus Paris wird gemeldet: Das Abkommen über den Eisenbahnverkehr in der britischen Zone gibt dem Journal des Debets Anlaß zu erklären, daß die französisch-belgische Eisen­bahnregie baldigst verschwinden müsse. Im Interesse der Besatzungsmächte und der besetz­ten Gebiete müßten die fremden Eisenbah­ner nach Hause zurückkchren. Es sei gut ge­wesen während der kritischen Tage des passiven Widerstandes, die Taten der Eisenbahnregie zu loben, heute aber wäre es lächerlich, sie als die Quelle der Prosperität oder als ein Instrument der Zukunft hinzustellen. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Schaffung eines internationalen Organis­mus die Sicherheitsgarantien und eine versöhnliche Verwaltung erzeugen könnte. Das verlange B e r - handlnngen und zwar geführt von Persönlich­keiten, die gesunde Ideen hätten. Seit 1919 hätten die professoralen Lehren in Frankreich ebensoviel Schaden gebracht rote bei den Deutschen. Man habe geglaubt, die Vergangenheit kopieren zu können, aber der Geist der Nachäffung sei verhängnisvoll. Man könne auf die Deutschen von 1924 nicht die Methoden von 1648 und 1807 anwenden.

In gewissen französischen Kreisen habe man den grundlegenden Irrtum begangen, anzunehmen, die französische Sicherheit werde sich aus einer unbe­grenzten französischen militärischen Besetzung er­geben. Man habe nicht darüber nachgedacht, daß diese Besetzung nicht nur die Deutschen, sondern alle Welt unvermeidlich gegen Frankreich aufbringen werde und daß bte allgemeine Lage Frankreichs selbst in militärischer Hinsicht dadurch sehr geschwächt werde. Unter den Umständen, unter denen der Krieg beendet worden fei, hätte man sich bemühen müssen, an der Ostgrenze inter­nationale Garantien, gegründet auf einem Derroal- tungsorganismus und einer militärischen Kontrolle zu schaffen. Das hätte man so einrichten müssen, daß es dem rechtsrheinischen Deutschland fast un­möglich geworden wäre, einen neuen Anariff durch- zuführen. Für alle Personen, die Deutschland und die deutsche Geschichte kennen, hätte dieses Verwal­tungssystem nicht in einem Separatismus bestehen dürfen. Es fei leicht gewesen, die Rbemlanbe mit einem Statut zu versehen, das diese Provinzen ge­sichert hätte, ohne die patriotischen Leidenschaften zu Überspannen.

Die übergroße Mehrheit der Rheinländer f ü r ch- t e t ebensosehr wie die Franzosen, ja sogar noch mehr, einen neuen Krieg. Sie seien vor­behaltlos geneigt, Maßnahmen anzunehmen, ja so­gar vorzuschlagen, die Frankreich und die Rhein­landen schützen könnten.

Gegen steuerliche Ueberbelastung.

Für Wiederbelebung der Bautätigkeit.

Die Organisationen des gewerblichen Mittelstandes veranstalteten in der Automobilhalle am Kurfürsten­damm in Berlin eine stark besuchte Kundgebung aegen die steuerliche Ueberlastung des Mittelstandes. Die Versammlung hafjnt eine Entschließung an, in der eine Vereinfachung des Steuersystems sowie die Ei Haltung eines gesunden Mittelstandes und die Stärkung des inneren Markte? durch die Wiederbelebung der Bautätigkeit verlangt wurde.

Aehnliche Kundgebungen wurden gleichzeitig in vielen anderen deutschen Städten veranstaltet.

Vas Konkordat mit Bayern.

wtb Paris, 11. Febr. (Tel.). Nach einer Havas-Meldung aus Rom wird in vatikanischen Kreisen der Abschluß des Konkordats mit Bayern als nahe bevorstehend bezeichnet.

Deutscher Reich.

* Komprom ißve Handlungen in der Frag« der Steuernotverordnung. Am SamStag nachmittag fand die angefünbigie Besprechung zwischen Mitgliedern deS Reichskabmet's und Vertretern der sämtlichen Reichsiagsfraklionen statt. Die Verhandlunge.t, die dem Problem der dritten SteuerNotverord­nung galten, waren streng vertraulich. Die Fraktionsvorüär.de werden ihren Fraktionen, die An sang der Woche zusammentrelcn, vom Stand der Kompromiß Verhandlungen Bericht erstatten.

Ausland.

* Vointßiv an Grippe erkrankt Poiücrrö, der seil einigen Tagen an einer leichten Grippe leibet, ist Sonntag vormittag nicht nach dem Ministerium des Aeußerrn gekommen. Er wird den ganzen Tag daS Zimmer hüten, um von Montag ab wieder der Fortsetzung der Tebatte in der Kammer beiwohnen zu können.

* Für die amerikanische Kriegsmarine. Aus Washington wird gemeldet: Der Finanzausschuß des Repräseniamenlaiises hat die Vorlage beneffenb die Bewilligung bei E at8 für die Kriegsmarine für die Dauer eines Jahre? genehmiqt. Bewilligt wurden 271942867 Dollar, d. h. 4453000 Dollar weniger als im Budget vorgesehen. Die Boi läge sieht 14590000 Dollar für Luftschi ffahrt vor, d. h. 57171 Dollar weniger als im Vorjahr-

Reichstags-Wahlreform?

Die Aenberung des Reichstagswahll g e f e tz e s, die, wie fcyon kurz gemeldet, vom Reichs« kabinett jetzt beschloßen wurde, hat nicht gering* Ueberraschungen tm Lager der Parteien hervorge« rufen. Bekanntlich hatten sich anfänglich die oerschie« densten Parteien gegenjegltcheAenderunz des Wahlgesetzes vor den kommenden Neuwahlen zum Reichstag ausgesprochen. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung aber, die einen anderen Stand­punkt einnahm, hat nun doch die Reichsregiertmg den Entwurf zu einer Aenderung dieses Wahlgesetzes vorgelegt. Dieser Entwurf soll auf ordnungsmäßi­gem Wege, also durch den Reichstag verhandelt werden. Was dort mit ihm wird, ist noch recht frag- lich, der öffentlichen Meinung wird nach wie vor eine sehr gewichtige Rolle bei der Behandlung dieser Dinge zufallen.

Die Aenderungen des Entwurfes find nicht ge­rade überwältigend, aber doch recht wesentlich.

Der neue Entwurf sucht dem Grundübel des gegenwärtigen Systems dadurch beizukommen, daß er kleine Wahlkreise schafft, etwa in feem Umfange derjenigen des früheren Wahlrechts. Die Verhältniswahl wirb deibchalten, aber so ge­staltet, daß die bisherigen Schäden möglichst avge- milbert werben. Die Reform will der E i n e r w a h l im Rahmen der Verhältnisroahl möglichst nahekom­men. Das bisherige System der Unbestimmtheit der Mitgliedsrzahl des Reichstages wirb verlassen und die Zahl der Abgeordneten auf 399 festgesetzt. Die bisherigen 16 Wahlkreisverbände werden bei­behalten, aber feer Unterschied zu dem geltenden Rechte besteht darin, daß diese Wahlkreisverbände nicht wie bisher in 35, sondern in 156 Wahlkreise emgereilt werden. Jeder Wahttreisverband soll mög­lichst in so viele Wahlkreise zerlegt werden, als die Zahl 380 000 in der Gesamteinwohnsrzahl fees Wahl­kreisverbandes, berechnet nach her letzten Volkszäh­lung, enthalten ist. Jeder Wahlkreis soll demnach möglichst 380 000 Einwohner umfassen. Das w'rd sich natürlich nicht immer durchführen lassen. Cs wird, da Derwaltungsemheiten bei feer Bildung der Kreise möglichst erhalten werben sollen, etwas grö­ßere und kleinere Wahlkreise geben. Dieser Unter­schied fällt aber nicht ins Gewicht, denn da- Ver­hältniswahlsystem verwertet alle Reststimmen der­art, daß von einer Wahlkreisgeometrie fein * Rede sein kann. Gewählt ist, w e v 7 5 0 0 0 Sti n m e n (bisher: 60 OOU) aus sich vereinigt. Bei Wahlkreisen von 380000 Einwohnern ist es möglich, wenn auch nicht sehr häufig, daß eine starke Partei die doppelte Anzahl der für ein Mandat notwendigen (Stimmen aufbringt. Diesem Umstand ist dadurch Rechnung getragen, daß der Wahlvorschlag noch einen zweiten Bewerber nennen kann. Mehr als zwei Kandi­daten darf aber kein Kreisroahlvorschlag enthalten. Innerhalb eines Wahlkreisverbandes ade" können die Kreiswahlvorschiäge verbunden weiden, und diese' verbundenen Kreiswahlvorschiäge gellen feen anderen Kreisroahlvorschlägen gegenüber als ein Wahlvorschlag. Em und berfelbe Wahlvirschlag kann innerhalb eines Wahlkreisverbandes in meh­reren Wahlkreisen aufgestellt werben. Banti, wird auch den kleinen Parteien, bte in den einz-lnen Wahlkreisen keine genügende Stärke besitzen, Ge­legenheit gegeben, ihre Stimmen in dem Wahllllüs- oerbanb auf einen Bewerber zu vereinigen. Ange­nommen, ein Kandidat hat in einem Wahlkreis 80 000 Stimmen erhalten, er ist also gewählt. Den. Reit von 5000 Stimmen aber erhält sein Partei­freund im nächsten Wahlkreis, da die beiden Liften verbunden sein werden. Reststimmen, feie in den Wahlkreisverbänden nicht mehr angerechnet werden können, werben an bte Reichswahlvor­schläge überwiesen, denn die Errichtung der Reichswahlvorschlöge ist beibehalten worden, Der Reichsroahlvorschlag kann beliebig viele Kandidaten enthalten. Nachwahlen sind nicht vorgesehen. Scheiben die Abgeordneten eines Wahlkreises durch Tob ober Nied erlegen bes Mandates aus, so geht der Abgeordnetensitz auf den Reichswahlvorschlag über, fofem der Kreisroahlvorschlag einem Reichs­wahlvorschlag angeschlossen ist. Ist bas nicht der Fall, so erhält bas Ttanbat.feer höchstbestimmts Kan­didat des verbundenen Kreisroahlvorschlages.

Im Wahlkreisverband Hessen-Nas- sau und Land Hessen, zu dem Fulba ge­hört» sollen 10 Wahlkreise errichtet werden.

*

DieMontagspost" berichtet, zwischen dem Reichskanzler tmb ben Parteiführern fyabe am Sonntag eine Besprechung über feie Aenbe­rung des Reichsroahlgesetzes stattgefunben. In der Aussprache feien Bedenken dahin geltend ge­macht worden, ob es möglich wäre bei der großen, vom Reichstag noch zu bewältigenden Aufgaben die nötige Zeit für bte Beratung unb Verabschiedung des vom Reichskabinell beschlossenen Entwurfs zur Aenderung bes Reichswahlgesetzes zu finden. Man fei infolgedessen übereingekommen, von einer Weiterleitung bes dem Reichsrat bereits zugegange­nen Entwurfs an ben Reichstag abzusehen. Die nächsten Reichstagswahlen Mitte Juni würben also nach den bisherigen Bestimmungen fees Reichstags­wahlgesetzes durchgeführt werben.

Daß die Parteiführer gegen eine Wahlreform sind, ist bekannt- Gleichwohl scheinen weite Kreise bte notwenbigen Reformen mit Nachbruck zu fordern,

* Das rinruhtqe Katalonien. AuS Perpignan wird beruhtet, man kündige vom internationalen Bahnhof von Port-Bou in Spanien an, daß in dieser' Stadt b Deutende Verstärkungen der Bürgergarde angekommen sind. Dte gleichen Maßnahmen seien. in zahlreichen Ortschaften feer Grenze unb in den Städten von Katalonier» er- ariffen worbe«.