M 34»
La«stag, 9. Februar 1924.
Fuldaer Leitung
Truck Her ^aldaer 'Irtiiitlr ttferei in viilva
Sme Märtyrerin -er Pflicht.
Gegen 1 Uhr mittags am anderen Tage nahmen Mutier und Sohn in dem hohen, geräumigenSpeiseasaale, der im Erdgeschoß des altertümlichen Schlosses lag, eben das Gabelfrühstück ein, als Franz von seinem Platze aus, den er bei Tische seiner Mutter gegenüber einnahm, einen offenen Wagen in die schattige Allee einbiegen sah, die vom Gittertor zur Freitreppe führte. In diesem Wagen saß unter einem grauen Sonnenschirm ein ganz in Schwarz gekleideter Mann, dessen Gesicht er der Ent- fermmg wegen noch nicht erkennen konnte.
„Wir bekommen Besuch aus Rouen", sagte er; „ich erkenne den Wagen des Bahnhofes. Erwartest du jemanden, Mama?"
„Nein, ich erwarte niemanden", erwiderte die Marquise und neigte sich vor, um gleichfalls zu sehen.
„Dann ziehst du es vielleicht vor, überhaupt nicht zu empfangen. In diesem Falle mußt du aber deine Weisungen sofort erteilen."
Schon wollte die Marquise Befehl geben, niemanden vorzulasien, als sie sich eines anderen besann. Sie sagte sich, daß, wenn der unbekannte Besucher trotz der Glühhitze, die die Lust erfüllte, vor einer Fahrt zu ihr nicht zurückgeschreckt war, er ihr jedenfalls wichtige Mitteilungen zu machen habe. Es erschien ihr zweckmäßiger, ihn nicht fortzuschicken, ohne ihn angehöri zu haben.
„Führen Sie den Gast in den kleinen Salon", befahl sie dem Diener, der bei Tische aufwartete.
Er schritt hinaus, um dem Fremden bis zur Freitreppe entgegenzugehen, und kehrte gleich darauf mit einer Karte zurück, die er feinem jungen Gebieter überreicht. Mit lauter Stimme las Franz, was darauf stand:
„ßulas Simonnet, ehemaliger Notar zu Semen, ehemaliger Abgeordneter, MitgliÄ» mehrerer gelehrter Gesellschaften, Besitzer verschißener Orden . . . Kennst du den Herrn?" fragte er seine Mutter und betrachtete habet vier kleine Kreuze, die als Symbole der unterschiedlichen Auszeichnungen nach dem langatmigen Titel auf d-r Kopie yt sehen wäre«,
Zur Kronungsfeier -es Papstes.
Der große französiche Bichof Freppel hat in .w Rede über das Papsttum, die er tm Jahre 1869 in Rom gehalten hat, di« erhabene Figur des Bapstmms geschildert im Anschluß an fünf Symbol«, zugleich die Ehrenzeichen des Papsttums sind.
Das erste Ehrenzeichen des Papsttums ist die Daune des Martyriums.
Das zweite ist die Ärone des Apostolats.
Das drille ist der Genius christlicher Slaatskunst.
Das vierte ist der Lorbeerkranz der Kunst und Wissenschaft. .
Das fünfte ist der Glorienschein der Hetligkett.
Mit diesem fünffachen Ruhmes!ranz auf der Stirne tritt uns die Figur des Papsttums in der Geschichte entgegen. Betrachten mir diese Symbole des nähern» zunächst die Palme des Marchriums.
Bei seinem Einzug in die Stadt Rom hätte der hl. Petrus dem römischen Kaiser sagen können: „Bis jetzt gibt es rüchts Mächtigeres auf der Welt chs den römischen Kaiser und ferne Legionen, aber jetzt errichte ich neben deiner weltlichen Gewalt meine geistliche Gewalt. Du hast dein Reich errichtet mit der rohen Gewalt des Schwertes und dem Blute der Völker, ich aber habe nur das Schwert meines Wortes, um mein Reich zu errichten, und nur mein Blut, das ich selbst vergieße, um mein Reich zu befestigen." Und in der Tat, schon im Jahre 67 n. Ehr. verblutete der erste Papst, das sichtbare Oberhaupt der Kirche, als Statthalter Christi, am Kreuze.
Die Geschichte des Papsttttms beginnt demnach mit dem Martyrium. Während der ersten drei Jahrhunderte, zurzeit der Christenverfolgungen, ftcht das Papsttum im Zeichen der Märtyrerpalme. Dreißig Päpste sehen wir mit dieser Palme geschmückt am Heiligenhimmel der katholischen Kirche. Welch herrliche Erscheinung! Und doch ist dies nur die blutgefärbte Morgenröte in der Geschichte der Päpste, und nur der erste Sttahl chres Ruhmes. Bald wird das Papsttum wie die aufgehende Sonne Lichtstrahl auf Lichtstrahl folgen lassen, um dann im Mittelalter in feinem ganzen Glanz zu erscheinen, wie die Sonne, wenn sie am Mittag hoch am Himmel steht, Licht und Wärme, Nahrung und Leben spendend.
Es kamen hn vierten und fünften Jahrhundert die Völkerwanderungen, es kamen die Fluten der Germanen, der Goten, der Vandalen, welche das Römerreich förmlich überschwemmten. Eine neue Welt war wie über Nacht aus dem Boden gewachsen, welche dem Römerreich das Existenz recht streitig machte.
„Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen."
Dieses Schillersche Wort findet auch feine Anwendung auf die damalige sturmbewegte Zeit. Nur einer ist aus den alten Zeiten des Römerreiches übrig geblieben: es ist der römische Bischof, der Papst; der Papst, der jetzt in Rom alleiniger Herr wurde, nachdem Konstantin im Jahre 325 seine Residenz in Konstantinopel wufgeschlagen hatte.
Das Papsttum, dessen Existenz seit Konstantin auch staallich genehmigt war, hat jetzt nach der Völkerwanderung angesichts der germanischen Rasse eine neue Bölkermisfion zu erfüllen. Die Einzelnen zu Christen zu machen, das ist die erste Aufgabe, welche jetzt die Päpste zu lösen hatten, und durch die erfolgreiche Lösung derselben hat fich das Papsttum mit der Krone des Apostolats geschmückt. Ungefähr von 300 bis 800 hat das Papsttum den germanischen Völkern gegenüber das Amt der Missionierung ausgeübt.
Während die Päpste im Morgenland noch damit beschäftigt waren, durch Kirchenversammlungen zu Mcäa, Konstantinopel und Ephesus die katholische Lchre gegen die Irrtümer der Arianer, Nestorianer und Mazedonier zu verteidigen, streuten die Päpste im Abendland den Samen des Christentums aus, um bei den Franken und Germanen durch reichliche Ernte entschädigt zu werden für die durch das Unkraut mannigfacher Irrlehre verursachte Mißernte im Orient. Von Rom gehen die Sendboten des christlichen Glaubens aus. In Gallien hatte schon im zweiten und dritten Jahrhundert das Christenmm Eingang gefunden. Der hl. Dionysius war in Lutetia, dem heutigen Paris, tätig, und der heilige Irenaus in Lyon. Durch Chlodwigs Bekehrung im Jahre 496 wird das Christentum auch in Frankreich zur Staatsreligion erhoben, wie es Konstantin getan im Römerreich. Konstantin und Chlodwig taten es aus Anlaß eines Sieges, den sie dem Gotte der Christen zu verdanken hatten.
Aber mit dem Römer- und dem Frankenreiche begnügten sich die Päpste nicht. Papst Cölestin I. ferchet nach Irland die Glaubensboten Palladius und Patrizias. Und Irland heißt bald nur „die Insel der Helligen", „eine Pflanzstätte von Missionaren". Gregor der Große schickt Augustinus mit seinen Gefährten, der Apostel der Angelsachsen zu werden. Und bald liefert Irland, England und Schottland eigene Missionäre, welche die frohe Botschaft nach Deutschland tragen, so wie sie dieselbe von Rom aus erhallen hatten. St. Gallus, der hl. Fridolin und Columban sind in der Schweiz und in Sud» deutschland tätig. Aber der Apostel, der im Herzen Deutschlands gewttkt, ist Bonifatius, Fuldas großer Heiliger, der Apostel der Deutschen, der Mainz zur Mettopole erhoben, wie der hl. Kilian Würzburg zur Vischofsstaüt erhob. Diese Apostel, sie kamen alle vom Lande der Angelsachsen; aber ihre Sendung erhielten sie von Rom, speziell der hl. Bonifatius von Gregor II.
Nach den Germanen kamen die Slawen an die Reihe. Adrian II. ist es, der Methodius und Zyril- lus zu Aposteln der Slawen macht, wie Nikolaus I. den hl. Ansgar zum Apostel des Nordens, speziell der skandinavischen Völker.
Und wie es die Päpste getan m Europa, so haben auch sie die ersten Glaubensboten gesandt in den fernen Osten Asiens, nach China und Japan, nach Amerika, in das Innere Afrikas, sowie nach Australien.
Das Papsttum ist an der Wiege der germanischen Völker gestanden, es hat dieselben großgezogen, ist geworden chr Erzieher, ihr Lehrer, ihr Führer. Selbst ein Voltaire hat dies eingeftanben, wenn er sagt: „Inmitten dieser rohen Völkerschaften wäre Europa ohne die moralische Macht des Papsttums zum Schauspiel immerwährender Kriege, ja zu einer wahren mongolischen Wüste geworden." Daß es nicht so gekommen ist, hat Europa dem Papsttum zu verdanken, das nicht nur die Einzelnen zu Chrt- sten machte, das die Skcwerei beseitigt, die Frau dem Manne ebenbürtig zur Seite gestellt im christlichen Familienleben, sondern das auch die staatliche Gesellschaft beseett hat mit dem Geiste christlicher Slaatskunst. Diese letztere Tatsache ist in der Geschichte in die Erscheinung getreten, und zwar in der Form des hl. römischen Reiches deutscher Nation.
Der Äatferfrönung Karls des Großen durch Leo III. im Jahre 800 lag eine tiefe Idee zu Grunde. Die geistliche Gewalt, die Christus von der welllichen Gewalt geschieden hat, hatte sich im Mittelalter aufs Schönste im Papsttum und Kaisertum verkörpert. Die römischen Kaiser deutscher Nation sollten nicht durch den Kirchenstaat, sondern auch die geistliche Gewalt des Papstes vor den cäfaro- papistischen Gelüsten der Fürsten schützen, sie sollten als Schutzheren der großen res pubilica christiana die Christenheit auch schützen gegen äußere Feinde, vor allem gegen die Türken, und dafür sollten an» bererfeits die Kaiser vom Papst die kirchliche Weihe erhalten. Es war dies friedliche Mit- und Nebeneinander des Papsttums mit dem ' Kaisertum geradezu das Ideal christstcher Staatskunst, das Ideal des Verhältnisses zwischen Kirche und Staat. Freilich war dies gute Verhältnis nicht von langer Dauer, denn nach des Dichters Wort: „Kann auch der Bravste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Als nämlich die deutschen Kaiser die Grenzen ihrer weltlichen Gewalt überschritten und in das geistliche Gebiet des Papstes einbrangen vermittelst Simonie und Investitur, da waren es die Päpste, welche für sich und die ganze Christenheit die Freiheit der Kirche erkämpften. Gregor vn. hat diesen Kampf der Freiheit aufgenommen gegen das übermütige Kaisertum und stegreich fortgeführt, wenn er auch deshalb in der Verbannung gestorben ist, weil er „die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehaßt hat". Seine Nachfolger haben diesen Freiheitskampf weiter- geführt und ihr Ansehen ist dadurch nicht gesunken.
(Schluß folgt.)
Bus -em Nachbamedret.
— Oberndorf. Aus Anlaß der Versetzung des hochw Herrn Pfarrers Hasen ei er von hier nach Kassel- Wehlheiden, fand am 3. Febr., abends 7 Uhr, eine kleine ckbschiedsfeier vor dem Pfarrhause unter Fackel- und Lampionsbeleuchtunq und stärkster Beteiligung aller Bevölkerungsschichten der Pfarrei statt. Einaeleitet wurde die Feier durch ein Musikstück der Oberndorfer Musik- kapelle, woran ein allgemeines Abschiedslied unter Musikbegleitung anschloß. Kirchenvorstandsmitglied Bürgermeister Schreiber- Burgjoß, richtete dann an den scheidenden Herrn Pfarrer herzliche Abschiedsworte,
„Ich höre diesen Namen heute zum erftenmale und erinnere mich nicht, feinen Träger jemals gesehen zu haben."
„Dann will ich ihn fragen, was er will," sagte Franz.
„Ich gehe mit dir," fügte seine Mutter hinzu und stand auf.
Als sie in den Salon traten, wo der Safi auf sie wartete, trafen sie ihn bequem in einem Fauteull aus» gestreckt, mit aufgeknöpftem Rocke an; feinen hohen Hut hatte er neben sich auf die Erde gestellt und seine schwarze Ledermappe darauf gelegt, während er sich mit dem Taschentuche den Schweiß trocknete, der ihm von der Stirne rieselte. Ms schämte er sich, in dieser nach, lässigen Haltung angetroffen zu werden, fuhr er empor, knöpfte hastig seinen Rock zu und stand nun, den Hut in der Hand, die Mappe unter dem Arm da, wobei er einige ensichuldigcnde Worte stammelte.
„Was verschafft uns die Ehre Ihres Besuches, mein Herr?" fragte Franz und musterte neugierig den feit« fernen Mann, als suchte er dessen Antwort in vorhinein zu erraten.
„Ich habe zweifellos die Ehre von Herrn Marquis von Fosieufe?" fragte jener zurück, statt zu antworten.
„Allerdings, mein Herr."
„Und gnädigste Frau sind jedenfalls die Mama?" fuhr der Saft auf die Marquife blickend fort. „Schön. Mit Ihnen beiden habe ich zu tun. Ich bin der Besitzer der vom verstorbenen Marquis von Fosieufe hinierlaste- nen Schuldenlast in der Höhe von . . ."
Er öffnete feine Mappe, als wollte er die Summe nur mit den Belegen in der Hand aussprechen. Dann aber besann er sich eines anderen, schloß die Mappe und fügte hinzu:
„Aber Sie wissen ja, wovon ich spreche. Ich habe vom Syndikus der Släubiger die Schuld angekaust und bin gekommen, um zu hören, wie und wann Sie mich zu bezaksten gedenken."
„Darauf könnte ich Ihnen zunächst erwidern, daß wir Ihnen keinen roten Heller schuldig sind, sprach Franz lebhaft.
„Und darin hätten Sie vollkommen Recht," gab Simonnet zu; „beabsichtigen Sie ober von diesem Rechte,
welch« die Sesühle der Pfarrangehörigen für ihren Pfarrherrn und den Schmerz über seinen Verlust zum Ausdruck brachten, zugleich auch die Dankbarkett, Liebe und Verehrung in schönstem Lichte zeigten. Im Anschluß hieran überreichte der Bürgermeister von Oberndorf ein, von den drei Semeinben der Pfarrei — Oberndorf. Burgjoß und Pfaffenhausen — gegiftetes Geschenk. Die Schüler von Oberndorf und auch die Schüler von Burgjoß unter Leitung der Herren Lehrer fangen je ein dreistimmiges Sieb, unb von ieber Schule wurde ein Abschiedsgedicht vorgetraqen. Im Anschluß hieran sprach Herr Hauptlehrer König dem Sche denden herzlichen Dank aus für seine Bemühungen auf dem Gebiet der Schule und wünschte ihm namens der Lehrkräfte der Pfarrei viel Glück unb herzl. Lebewohl! Auch eine Jungfrau trug ein Abschiedsgedicht vor unb überreichte namens des Jungfrauenvereins ein Abschledsgelchenk. Herr Dfarrer dankte in bewegten Worten unb versprach, feine Dbemborfer Pfarrkinder niemals vergessen zu wollen. Und nun nahte der feierlichste Augenblick b-efes Abenbs — als b?r bas Schlußwort sprechen!)« Reimer dem scheidendkn Seelsorger noch einmal bankte unb zugleich auch um Verzeihung bat für diejenigen, die dem hochw. Herrn manchmal das Amt erschwert, ober ihn gar beleidigt haben. Als er bann ben hochw. Herrn Pfarrer bat, seine Pfarrkinder noch einmal zu segnen, wie einst der liebe Heiland die Kinder und ihre Mütter segnete, als sie noch am späten Abend zu ihm tarnen — ba knieten alle nieber, unb empfingen noch einmal ben priesterlichen Segen ihres hochverehrten Seelsorgers. In kaum siebenjähriger Tätigkeit hat sich Herr Pfarrer Haseneier alle Herzen seiner Pfarrkinder gewonnen und so sehr fein Weggang in ber Pfarrei Dbernborf bebnuert wird, so werden ihn doch seine Pfarrkinder niemals in ihrem Gebete vergessen.
— Offenbach a. ZN. Die bis Mitte Februar dauernd« Ausstellung von Arbeiten einiger Fachklassen der unter Leitung von Prof. Hugo Eberhardt stehenden Offenbacher Kunstge- werbeschule im Schulgebäude am Isenburaer Schloß findet starken Besuch und große Anerkennung. Ausgestellt sind Arbeiten der Faöbklassen für künstlerische Frauenarbeit, Innenarchitektur und Möbelzeichnen. Gebranchsgraphik, Schrift, Bildhauerei und Dekorationsmalerei. Die Ausstellimg zeigt einen ecbihanbrverkticben Geist von rro^er Einheitlichkeit, sie bringt das lebendige Ausstrahlen dieser hessischen Schelle und die Einwirkung ihres Leiters und ihrer Lehrkräfte auf das praktische Leben stark in Erscheinung und hält sich vom Schul- mäßigen in erfreulichster Weise frei. Eine zweite direkt folgende Ausstellung wird die Arbeiten der Fachklassen für Lederwaren. Buchbinderei, Hand- vergold'.Mg und Buchdruck enthalten.
--- Gemünden a. M. Generalleutnant a. D. Kaspar Häusler, der frühere Zentrumsab« aeorbnete für den Reichs'0"Swa''lkreis Neustadt a. S. (llnterfranfen 1), von 1907—1918, 'eierte am 8. Februar ben 70. Geburtstag. Er ist aebürtig von Gemünden a. M., bat feine Laufbahn 1871 im 9. Inf.-Reg. in Wurrburq begonnen. Zuletzt stand er bis 1905 an der Spitze der 3. Feldcirt.-Brioade in Sanbau. In den Jahren vor dem Kriege ist er als Müitcirkrttiker de? Zentrums viel genannt worden.
— Aschaffenburg. Bor einigen Tagen begab sich die Frau eine? Eisenbahnbeamten zum Milchholen von Hause fort und ließ tbr kjähriges Söhnchen ganz allein. Das Kind kletterte, um fich zu wärmen, auf den Küchenherd und setzte sich auf den Deckel deS Wasserschiffes. Dieser kam inS Rutschen und das Kind geriet in da? kochende Wasser. Es wurde so schwer verbrüht, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
= Aus Thüringen. Ein aus Nordbausen gebürtiger 60jährioer Apotheker ließ sich in der Räbe von Gotha von einem Zuge überfahren. Er wurde sofort gelötet. — In einer Malzfabrik in Roßleben wollte der Schlosser Bothe eine eingefrorene Leitung mit der Lötlampe auftauen. Die Lampe explodierte und der Mann erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald daraus int Krankenhaufe statb. ___
Gottesdienstordnung.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 10. Febr. Fulda. Vormittag? 9’/i Pfarrer Weber, 11 Kmder'ottesdtenst, nachmittags 2 Pfarrer Reich. — Bad Salzschlirf. SBormitta ? 9ü8 Lup. Ruhl. — Schloß Bteb-rstein Vorm. 9 Pfarrer Reich.
Dienstag, 12. jfebr. Fulda. Abend? 8 Kirchenchor.
Mittwoch, 13. Febr. Fulda. Abends 8 Bibel- stunde (Gemeindehaus).
Lsangel. landrrkirchl. Gemeinschaft, $ulbo, Suttlarftr. l?
Sonntao, 10. Febr. Nachm. 5 Evangelisation. — Dienstag abends 8 Brbelstunde «Pfarrer Weber). — Mittwoch abend? 8 Jugendbundstunbe. — Freitag abends 8 Bibel» und Gebetstunde.
bas ich keinen Moment in Zweifel zieh«, auch Gebrauch zu machen? In biesem Falle bliebe mir nichts anderes übrig, als um Entschuldigung zu bitten, daß ich Sie gestört habe, unb mich zurückzuziehen. Sie haben in- befjen jederzeit zu verstehen gegeben, daß Sie die Absicht hätten, einem Zustande, der Ihrem verstorbenen Vater gerade nicht zur Ehre gereicht, ein Ende zu machen. Unb auf bie Berläffigkeit dieser Absicht bauend, habe ich bie Schulb angekaust."
„Unsere Absicht besteht nach wie vor, mein Herr", ließ sich jetzt bie Marquise vernehmen. „Auch mir wünschen ber Sache ein Ende zu machen unb batum wollen Sie sich mit unserem Sachverwalter ins Einvernehmen setzen. Er wirb Ihnen sagen, was wir tun können."
„Ach, Frau Marquise", rief Simonnet aus: „ich bitte Sie, lasten wir nur bie Advokaten unb Sachverwalter aus bem Spiele! Ihre sogen. Permittelung kann einem freundschaftlichen Uebereinfommen nur hinderlich fein, und mir wollen daher wachten, ohne sie fertig zu werden."
Die Marquise fühlte sich durch bie scheinbare Mäßigung bes Gastes bereits ein wenig beruhigt unb be- fragte mit einem Mick ihren Sohn. Sie glaubte aus feinen Augen zu erkennen, baß er im vorhinein billige, was sie Vorschlägen würbe unb sagte:
„Um ein freundschaftliches Uebereinfommen herbeizuführen, scheint sich nur ein Weg barzubieten. Ms Sie bie in Rede stehende Schulb an fich brachten, bürsten Sie ben sehr begreiflichen unb natürlichen Wunsch gehegt haben, baraus einen gewissen Nutzen zu ziehen, über besten Höhe Sie fich jedenfalls schon im klaren find. Sagen Sie uns also gefälligst, wie hoch Sie diesen veranschlagen. Wir fügen ben Ihnen gebührenden Nutzen bem Kaufpreis bei, ben Sie gezahlt haben, vierzigtau- fenb Franken, wenn ich nicht irre, unb nachdem die Gesamtsumme der Schulb derart festgestellt worden, wirb nur mehr erübrigen, über bie Zahlungsfristen eine -Ber- stöndigung zu erzielen. Wir mürben Sie bitten, biefe Fristen auf brei Jahre mit halbjähriger Raiemilzung zu »erteilen, mobei noch zu bemerken märe, daß mir bei Unterfertigung eines biesbezüglichen Vertrags Ihnen eine beträchtliche Anzahlung leisten."
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Währenb ber Marquise sprach, brückte Simonnets Geficht «namenloses Staunen aus. Seine Antrnort bekundete diese noch deutlicher.
„Auf dieser Grundlage, Frau Marquise", rief er aus, „ist eine Verständigung von vornherein ausgeschlossen. Sie scheinen über meine Absichten eben gar nicht oder nur sehr unzureichend unterrichtet zu fein. Was ich verlange, stt nicht etroa die Wiedererstattung meiner Kosten nebst einem lächerlichen Profit, sondern die vollständig? Schuld, so mie Ihr Gatte sie auf sich genommen: Kapital nebst Zinsen und Kosten."
„Sie motten also zwei Millionen und noch einiges darüber für etwas bekommen, wofür Sie vierzigtcmsend Franken gezahst haben?" fragte Franz.
„Gewiß, das will ich. Ich werde nicht einen Centime nachlasten und habe Recht unb Gesetz auf meiner Seite. Laut Gesetz nämlich übergehen auf ben Ersteher einer Schulb genau bie gleichen Rechte, wie sie ber ursprüngliche Gläubiger besessen hat."
„In biesem Falle forbern Sie etwas moralisch Der- bammenswertes unb wir werden genötigt fein, uns hinter bie Erklärung zu verschanzen, bie wir bem Syndikus unzähligemale gaben unb bie auch Ihnen nicht neu jein bürste. Mein Vater ist tot. ich habe sem Erbe nicht übernommen unb bin Ihnen nichts schulbig. Sie können Ihrer Wege gehen!"
Simonnet wurde leichenblaß, als er diese Worte vernahm.
„Es verrät gerade kein diplomatstches Geschick, junger Mann, daß Sie mir bie Tür weisen", sagte er. „Glam- ben Sie beim wirklich, baß ich unbewaffnet bin _ unb hierher gekommen bin, ohne mich vorhin mit Mitteln versehen zu haben, bie Sie zur Vernunft bringen können? Doch, wie Sie wollen; Sie werben noch von mir hören unb mehr al» Ihnen lieb ist."
„Ich möchte boch misten, was Sie tun können?"
,Zch fann tun, was ber Syndikus nicht hm wollte: Ihnen een Prozeß machen."
„Den Sie verlieren werben, wie ihn brr Syndikus verloren bitte."
(Fortsetzung folgt.)