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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
51. Zahrg
Donnerstag, 7. Sebruar 1924-
Nr. 32
land l geführt
neuer 14 Tage nach den Reichstagswah- len stattfinden zu lassen.
soll daS Staaismintsteriurn beitimmen, in welcher Weise die Verminderung der Seiner aller Arien unter Wahrung des Bilvunqs- und KulluistandeS zunächst in eritet Lime du-ch oiganisalorische Maßnahmen herbeigesührt werden kann.
Der Entwurf sieht EinstellungSsperre und Aende« ruttgen zahlreicher wichtiger Gesetze und Berordnun« gen,' wie des AlterSgrenzengesetzes, deS Ruhegehalts- gesetzeS, des RuhegehaltSgefetzes des Hinterbliebenen. fürsorgegeietzeS, der Wartegeldverordnung und zahlreicher anderer Gesetze und Verordnungen vor-
Der Aeltestenausschuß des Reichstages tritt am am DunnerStaa zusammen, um über den Zusammen« »ritt des Reichstags zu beraten.
Verantwortlich >ür bie Echrittteituns: Dr. Solennes Kremer. Anreisen; I. Darretier. Fulda. Rotationsdruck und Berleg der
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BeruaSdreiS: Monat Februar 2.0« Svldmork frei Sau,.
An,e> sen -Preiie: Ktemreiie (tioionei) lota. 0.15 Eoidmari auswärts 0.20 Salb matt: Retlamereile letal 0.60, Goldmark auswärts 0.80 Goldmark. > •
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Kreditpolitik und Rentenmark.
Bon unserem wirtschaftspolltischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:
Diele Wochen hindurch war die Gesamt-Wiittschaft durch die empfindliche Drosselung in der Kreditgewährung in eine sehr mißliche Sage gebracht worden. Die Ren- lenbank-Verwaltimg sträubte sich ebenso heftig gegen die Hergabe von Krediten wie das auch seitens der Reichs- bant geschah, die seit einiger Zeit ohnehin eine völlige Schwenkung in ihrer bisher betriebenen Kreditpolitik vor. genommen hat. Die Industrie mußte zu sehr scharfen Einschränkungen, aber auch zu sehr erheblichen Lockerungen ihrer Waren und Vorräte übergehen. Die schwächeren Kräfte konnten erst recht nicht den Druck aushalten, und so kam es auf der ganzen Linie zu einem Abbau der Preise.
Diese Bewegung ist aber seit einigen Tagen zu einem Stillstand gekommen. Ja, man kann schon wieder be- obachten, daß die Preise teilweise recht empfindlich an- ziehen. Die Preis-Konventionen beginnen wieder in Aktion zu treten. Wird hier nicht rechtzeitig unb mit Nachdruck Vorsorge getroffen, bann muß allerdings befürchtet werden, daß das bisher mühsam Geschaffene von ernsten Gefahren bedroht wird.
Daß eine Lockerung der Kreditschraube notmcnbic war, wird niemand verkennen, der mit den wirtschaftlichen Dingen Bescheid weiß. Die Groß-Industrie wie auch die kleineren und mittleren Unternehmungen sind in arge Bedrängnis gekommen. Nun scheint es aber, als wenn vielerorts eine Kreditpolitik getrieben würde, die nicht geringe Gefahr für die Nentenmark in sich birgt.
Daß die Versorgung mit Krediten gegenwärtig in höherem Maße möglich ist, liegt daran, daß den Banken und Kasten recht erhebliche flüssige Kapitalien zuströmen, die nach Betätigung suchen und die darum in viel größerem Maße, als das bislang üblich war, zu ÄrebUge- schäften Verwendung finden können. Das ist gut, und niemand wird dagegen etwas einwenden können, solange die absolute Gewähr vorliegt, daß diese Krebste nicht zu Spekulations-, sondern zu Produktionszwecken benutzt werden. Mit viel größerer Reserve müssen bis- jenigen Bestrebungen beobachtet werden, die Reichsbcmk und die Rentenmark zur Hergabe von Krediten in größerem Umfang zu drängen versuchen. Oberster Grundsatz für alle diese Dinge muß sein, daß mst den Kredit- Mitteln nur Produktionszwecke gefördert werden dürfen, daß sie nur anerkannten Ptoduk- tionsb et rieben zugute kommen dürfen und daß eine strenge Kontrolle über die Verwendung der Krebste einzig und allein im Sinne des Produktionsprozesses ausgeübt werden muß. Alle andere Kreditgewährung wäre vom Uebel, und Kredite, die für Spekulationszwecke, wie wir sie jetzt wieder auf dem Devisenmarkt beobachten können, gegeben würden, hätten eine neue Inflation zur sicheren Folge.
D« Reichsregierung wird diesen Dingen ihre größt« Aufmerksamkeit schenken wüsten, denn eine neue Inflation muß unter allen Umständen und selbst auf bie Gefahr hin, dar gewiße berechtigte Interesten eine Zeit lang nicht die ihnen zustehende Würdigung erfahren, vermieden werden. Denn die Katastrophe, die bei einer solchen zweiten Inflation über unser ganze» Volk hereinbrechen würde, wäre einfach nicht at»z» denken. Darum scheint es auch geboten, daß die Reichsregierung den schon angedeuteten Vorgängen auf dem Devisenmarkt streng nachsieht. Dort werden gegen««- tig mst überreichlich flüssigen Mitteln englische Valuta, in ungeheuren und ganz bestimmt nicht für regulären Bedarf berechneten Summen angefordert, um die Reichsbank zur Abgabe zu verlocken. Man wird den Ursprung der Gelder, die für diese Zwecke bereit gehalten werden, nachdrücklich nachzuprüfen haben.
führeik würden, als nur kritisieren oder ablehnend hinter biegen oder jenen aus der Not der Zeit heraus» geborenen Maßnahmen der Reicks ngieiung herzu- laufen. Der Femd der beut'"eben Wirtschaft sitzt heute noch in dem uns vielfach feindlich gesinnten Aus- iande.
5. Die Wehrlosmachung Deutschlands ist nicht das Werk der deutschen Republik, sonvern bet beutscken Fembü'aaten. Ter sozialdemokratische Reichswehrminister Noske sagte seiner Zeit:
.Aus der Geschichte ist mir kein zweiter Fall bekannt, in dem ein protze» Volk in atm über Weise wehrlos gemacht wurde und obendrein ote «offen der Durchführung feiner Entwürdigung auferlegt hielt."
So ist es! Die 12 jährige Dienstpflicht in der Reichswehr hat ja den ausgesprochenen Zweck zu erreichen, daß möglichst toen'g junge Beute durch btc Schule des Waffenhandwerks hinburchgehen sollen. Die beutsche Juqeub muß für btefe Bestimmungen beS Versailler Vertrags besonderes Verständnis auf» bringen, indem sie außerhalb der Kasernenhö'e lörperliche und geistig-seelische Ertüchtigung pflegt. Wir stehen für unser Land; bas ist nicht nur unser Recht, fenberu auch unsere nationale und sittliche Pflicht. Dabei braucht man gar nicht an einen Revanchekrieg zu denken. Das Ausland aber soll ei wissen, welche Volksstimmung die Bedrückungen des deutschen Volkes zuletzt auSlöjeu müssen.
8. Der Feind hat die Rechtsgrundlagen, auf denen der Friedensvertrag aufgebaut werden sollte, von vorneherein selbst zerstört. Der Engländer Kohn es sagte hierüber:-
Der Krieg, der angeblich zum Schutze bet Heiligkeit völkerrechtlicher Verträge geführt toorDen war, endete mit einem offenen Bruch eines der denkbar heiligsten solcher Verträge durch die siegreichen Vorkämpfer der VertragSidce."
Deutscher Reich.
* Politische Personenuachrichtcn. Ter ozial- demokratische Sanbta.]5abgeo.onete Franz it lüget ist nach langem Leiden geuorben. Kruger haue im Landtag öen Wahlkreis Pol dam H vertreten. Seit l tto^er 1920 gehörte er auch dem loztaldemokratischen Par'.e vornand an.
* Die Auionomisken kn Hannover. Das Reichs- kabm-tt hat beschlossen, bie Bovabstimmmiü in Han-
Ausland.
* Vom englischen Kabinett. Der Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbimdes, I. H. T h o- mas, bat infolge feiner Ernennung zum englischen 'Kolonialminister das Amt als Vorsitzender niedergelegt.
wirtschaftliche Kampfbewegungen.
-°- Konflikt auf der German «werft. Wie die ,Vost. Zeitun .' aus Rtei mcioct, in es auf der Krupp'fchen (Serinaniawetft zu einem Konflikt wegen derLerflung von Heber itunDen gekommen. Nachdem bereits am IDionta । sich SW von den tun» 7000 auf Der Germaniawerft Beichä,timten >m Streik befanden, lebten auch Die Schiffsdauer Die arbeit nteDer. Die Werttleuung hat darauf befctilcffen, alle m beiter mit Ausnahme bet Lehrlinge und Kriegsbeschädigten zu entlassen und Die Werft zu schließen.
Deshalb sollten alle Parteien den Wahlkampf nach großem außenpolitischen Gesichtspunkt führen. Das deutsche Volk muß endlich eine richtige außenpolitische Einstellung finden. Richt Standes- oder Berufsfragen allein, nicht Arbeitszeit und Kartellpolitik, nicht Woh- nungszioangswirtschaft und Hypothekenaufwertung und ähnliche Dinge mehr sollten die Grundeinstellung zum Wahlkampf abgeben, sondern die Fragen: Wie erlangt das deutsche Volk seine p o l i° tischeFreiheit wieder? Wie werden wir das Unrecht des Versailler Vertrages los? Es ist der Vertrag, der durch Betrug unter Nichteinhaltung gegebener Versprechungen zustande kam, der ein Groß-Deutschland verhindert, der undurchführbar und unmöglich ist. Erst durch einen Vertrag, der aus den Grundlagen wahrer Gerechtigkeit beruht, wird Deutschland frei und Europa und die Welt wieder gesund werden. Deshalb gilt es, alles an dir Erhaltung der nationalen Ehre zu setzen, das deutsche Volk endlich zu einer lebendigen Volksgemeinschaft zusammenzuschließen und im Wahlkampf das Einigende in den Vordergrund der Er- erterunaen zu rücken. Damit dienen wir Volk und Vaterland und schaffen die Grundlagen, um auch unter Volk in der Zukunft aus den innerpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten herauszuführen.
Der Wahlkampf in Thüringen.
Die thüringische Wahlbewegung ist in vollem Fluß. Die im Orbnungsbunb vereinigten bürgerlichen Parteien, Deutschnationale Voikspartei, Deutsche Volkspartei, Zentrum, Sanbbunb und Demo- traten, führen den Wahlkampf in objektiver Weise. Auch auf der Linken zeigt sich ein gewisses Maß- Halten. Eine Ausnahme hüben eigentlich nur bte Deutschvölkischen,biemit einer wilden Agitation beit Waflkampf vergiften. Die völkischen Grosen reisen im Lanb herum und luchen bas Volk aus- rnputschen. Rach bem Grafen Rev entkörn sprach vor einigen Tagen der herüchtigie Ar thur Dritter, besten Reite io z emlich das Tollste an Verhetzung barftellt, was bisher geleitet worden tft Da! Zemrum nannte er eine „gottverfluchte Satans- Partei- unD den Retchstanzier Marx beschimpfter als „Oberbonzen". Sie „Allgemeine thüringnche Lanseszetuing" in Weimar, em parteipolitisch neutrales Blatt, sagt von bet Stele DmltiS, daß die Angriffe gegen die Kirche und die christliche Religio«
Das Ziel bes kommenden Wahlkampfes muß sein, einen Reichstag zu Stande zu bringen, brr ben Ledensnotwenbrqkeiten des brutschen Volkes gerecht wird. Was un§'nottut, das ist eine richtige außenpolitische Einstellung der breitesten VolkS- massen. Alle Maßnahmen aus wirtschaftlichem und steiierpaliüsckem Gebiet führen nicht zum Ziel, wenn nicht brsReparationsproblem eine für eutsch- lanb erträgliche Lösung erfährt, unb die Wunde an Rhein unb Ruhr auSgehrilt wirb. Die Schuld aq der deutschen Not immer nur auf bte beutsche Regierung unb die Regierungsparteien ablaben zu wollen, fuhrt zu, einer heillvien und volksschäslichen Verwirrung bet Köpfe, indem werte Volkskieise den Blick darüber verlieren, wo der eigentliche Feind steht. Unter bei furch,baren feindlichen Bedrückung sollte endlich daS Trennende mehr zurück und dos Einigende mehr in der Vordergrund der Erörterung gestellt werden. _ Der Kampf gegen die Unmöglichkeiten des Vergailler Vertrags und bte feindliche Bedrückung muß zur Ausgabe aller Parteien gemacht toetben. Bei jebem anderen Volke wäre baS eine Selbstverstöndl'.chkett, nur die Deutschen lieben es, unter dem Hohnge»
I lachtet der Feinde sich selbst die Fensterscheiben cm- znschlacten.
1. Deutschland hat durch den Krieg bie Arbeit 8 traft von aegeu 2 Millionen gesunden Männern verloren, 3 Millionen Kriegsbeschädigte sind nur noch in beschränktem Umfange mhntS- sähia. Die yns abgenommenen Werte und Geb eie I repräsentieren eine solche Wirtschaftskraft, daß sie der jährlichen Arbeitsleistung von 4 Millwnen männlichen Arbeitskräfte glrichkomrnt. Diese Verluste treffen das ganze deutsche Volk; die Konse- quenz daraus muß sein, daß wir auf allen Gebieten wirtschaftlicher Betätigung zu einer PlodnktionS-
I Steigerung kommen.
2. Deutschlands Verarmung und Rot ist werter begründet in dem tatsächlichen Verlust ganz bedeut- sanier Wirtschaftsgebiete im Osten unb Westen unseres Vaterlandes. Dieie Verluste haben leibet manche Kreise unseres Volkes schon wieder vergeßen. Mit den abgetretenen Gebieten verloren wir 5580000 Menschen und ca. 13 Prozent deS deutschen Grund unb Bodens. Weitere 15V» Millionen Deutsche schmachten unter dem Druck der fremden Besatzung. Im unbesetzten Deutschland sollten diese Verhältnisse vielmehr beacktet werden, sie enthalten weitgehend den Schlüssel für die große deutsche Not. DaS deutsche Voit darf den Verlust seiner Kolonien nicht ver- gessen. Deutschland Hal durch die Tat bewiesen, daß e$ fähig ist, als Kolonisator tätig zu sein- Die Kolonien wurden unk in einem Zeitpunkt entrissen, wo sie anfingen, von größter wirtschaftlicher Bedeutung sÜr daS deutsche Mutterland zu werden. Deutschland kann und darf aber nicht für alle Zeit von der kolonialen Betätigung auSgeschaltet bleiben.
8. Die finanzielle Belastung Deutschlands I ßurck den Friedensvertrag und baSLondoner Ultimatum I hat sich alS untragbar erwiesen. Hierüber hat schon | bte deuticke FriebenSa'bordnnng in Versailles ihr j Urteil gefallt, als sie er!1 arte:
„Deutschland ist nicht mehr em Volk und nicht mehr em Staat, sondern eine Handelsfirma, bte von I täten Gläubigern unter RonfurSbertoaltung gestellt I wird, ohne datz ihr auch nur die Möglichkeit ergeben I würde, den Beweis zu neben, ihren Verpflichtungen freiwillig nachzukommen. Der Wiederciutmachuntsaus- I schuh, der außerhalb Deutschlanos thront, wird in I Deutschland unvergleichlich grötzere Rechte besitzet!, als I ein deutscher Kaiser jemals gehabt hat.'
Dieses Urteil ist durch die Entwicklung der Ber» I hältnisse bestätigt worden.
4. Die wirtschaftlichen Bestimmungen deS Versailler Vertrages bedeuten praktische bte Fortsetzung bes Krieges gegen Deutschland mit anderen Mitteln- 08 sei nur erinnert an bie verkehr«politischen Verhältnisse, an die Internationalisierung der deutschen Ströme, die Regiehahnen im besetzten Gebiet, bte Wegnahme der deutschen Handelsflotte, die Beschlagnahme bcS deutschen Eigentums im AuS- lande, die Meistbegünstigung auf handelspolitischem Gebiet, welche die 27 Sieger staaten sich gesichert haben und die Deutschland zum wehrlosen AuSbeutungS- objekr macht. Dasselbe gilt hinsichtlich bet p-ivat- rechtlichen Bestimmungen bei Versailler Vertrags, die deutlich zeigen, baß der Wirts,chasttkrieg auch in bet F> Lebenszeit fortgesetzt werden soll. Deutschlands führendeÄirtschastskreise würden dem deutschen Volke in Stabt und Lanb einen • befferen Dienst leisten, wenn sie mehr bett Kampf gegen bie Bestimmungen
Wir dürfen in Deutschland die Tatsache, baß bet Waffenstillstanb nut bebingterwefle abgeschlosien worden ist, ebensowenig <tu8 bet öffentlichen D>8- kussion verschwinden lassen, tote daS schreiende Unrecht, das in bet Besetzung des RuhrgebieteS uns zugefügt worden ist. Eben o ist rS notwendig, immer wieder zu betonen, tote im französischen Rachegeift, in der russischen Eroberungssucht, und im englischen HanbelSneib bie tiefsten Ursachen für ben Weltkrieg iiberbaupl zu erblrcken sind. Deshalb vermehrter Kampf gegen die Krie gs schuld lüge. Präsident Wilson sagte am 26. Ölt ober 1916 in Eine natt: „Niemand weiß, woraus der gegenwärtige Weltkrieg entstanden ist; keine einzige Tatsache hat ihn hervoi- gcrufen, sondern alle Drnge im allgemeinen." Und Lloyd George sprach am 22. Dezember 1920 in Birmingham auS: „Je mehr man die Bücher über bie Vorgeschichte des Krieges liest, desto deutlicher wird eS, daß keiner bet führenden Männer beit St lieg gewollt hat, man ist vielmehr in bteieit hinein geglitten, hinein gestolpert, hinein getorkelt." Inzwischen sind ja besonders in letzter Zeit bedeutsame amerikanische Stimmen laut geworven, die offen auSgechrochen haben, daß der Krieg von Frankreich und Rutz- volbereiter und absichtlich herbei»
Der Beamtenabbau in Preußen.
Die neue Vorlage über den Beamtenabbau, die I tm preußischen StaatSministerium fertiggestellt ist, regelt vor allem die neue Art und Zusammensetzung der Behörde, bei der gegen die einstweilige Verletzung in den Ruhestand oder gegen die Entlastung von Beamten mit- bet Begründung Einspruch werden «ann, daß bie Beftimmunaen des § 21 verletzt seien; Sicher besagt, baß die Auswahl weoer durch öie politische ober koufesnonelle Betätigunq oder durch dir Betätigung in Berufsoeremen, noch durch die Zugehörigkeit oder Nichtzugehörtgkeit zu einer politischen tzarlei oder zu einem politischen, konfessionellen ober Setufsverein beeinflußt werden darf.
Als Kontrollor mn wirb ein einheitlicher AuS- schuß in Berlin eingerichtet, der auS ber erfmber- lichen Zahl richterlicher Beamten ber otbentlichen anö Verwallungsgerichtsharkeit besteht. Ter Ausschuß kann, wenn bie Einlegung bes Einspruchs ohne ben Antritt eines Beweises mutwillig erschein!, den Beamten die baburch enistanoenen Kosten aufer- legen. Der Beschluß wirb wirksam, wenn baS Staatsminlsterium ben Ein pruch zurückweiht.
Die Verordnung sieht vor, baß die Zahl ber unmittelbaren (Staatsbeamten, der Beamten und Angestellten in den Gemeinden um mindestens 25 •/« Sei Standes vom 1. Oktober 1923 vermindert roirö unb zwar muß bie Entlassung von 15% vor bem 1. Apeil 1924 erfolgt sein. Ihre Ber, tznng in ben Ruhestand tonnen Beamte beantragen, bie bas 58. Lehenssagr toollenbet haben. Beamte, bte ihr Ausscheiden aus dem Siaaisdlenst innerhalb 6 Monalen nach Jnkrasttieien der Verordnung beantragen, erhallen als Abfinoungssumme im 2. uns 3. Dienstjahr das Zweifache des letzien Rionatsgehalies, im 4. uns 5. das Dreifache usw-, bis zum 14. Dienjtjaht und darüber hinaus oas Achtfache.^
Tie sBerorbnung enthält feinet Sonberbestim» mungen über bie Zahl bet Lehret anb Beatmen bet allgemeinen UnietrirbisDerroalturtgen. Danach
' M Einzelnummer 10 Pfennig.
FuldaerZeUung
Die Beisetzung WUsons.
Nach einer Meldung aus London hat die Wirwe i des ehemaligen Präsidenten Wilson den Wunsch v ausgesprochen, datz das Leichenbegängnis ihres Gatten in aller Einfachheit und Stille vor sich gehe.' Trotz des lebhaften Drängens des Äriegsfetretarsr Weeks Hal sie das Anerbieten des Weißen Hauses, die Beerdigung feierlich zu gestalten, abgelehnt. Mittwoch nachmittag wird im Wohnhaus des ehemaligen Präsidenten eine religiöse Feier veranstaltet. Die Leiche wird alsdann nach der Kathedrale von Washington übergesührt, wo eine halbe Stunde päter ein neuer Gottesdienst stattsinden wird. Unmittelbar daraus wird die sterbliche Hülle des ehemaligen Präsidenten in der Krypta der Kathedrale aufgebahrt werden.
Die Regierung wird in dem Zuge durch den P ra s i d e n t e n C o o l i d g e in Begleitung seiner Frau vertreten sein. Die Ränder des Bahrtuches werden von 24 persönlichen Freunden des Verstorbenen getragen werden. Don ber 2Irmee' sollen nur acht Unteroffiziere verschiedener Waffengattungen an bem Leichenbegängnis teil- nehmen.________ ________________
Macdsnald und poincar6. >
Lord Crewes Besuch in London. — Die Pfalz- I angelegenheit.
DaS Reuterbüro erfährt zu bem Besuch des eng« j tzchen Botschafters Sorb Crewe in London, cS bestehe | lern Grund zu bet Annahme, baß er sich au, elwaS | anderes beziehe alS auf eine allgemeine E-.ö terung | unb ben natürlichen Wunsch bes hiitisckert Botschaft | lers in PartS, ben neuen britischen Ministerpräsidenten zu sehen. Was bie Melbungen über Vorschläge anbetreffe, könne man sagen, baß I nicht v el voizuichlagen zu fein scheine. In ber Pf alzfrage bei pielsweise Hobe F.ankreich gewiffe I Borichläge gemacht. Die Englänber hätten ihrer I Ansicht Ausdruck gegeben, daß bte Rheinlandkom- | Mission keine politische Macht sei. Bezüglich bet @i,enbabtt bestehe keine Meinungsverschiedenheit, i Die UeberfüUung auf oiesen Linien sei auf die Tat» I fache zurückzufühten, daß durch die von der Regie | auSgeatbeiieten Pläne kein Vorteil gewonnen I würde.
2LaS die Pläne für eine neue Konferenz beträfe, so sei nichts Greifbares vorhanden. Es fei auch sehr unwahrscheinlich, daß irgend eltoaS dieser Art erfolgen könne, bevor die Sachversiän« digenausschüsse für bie deutschen Reparationen ihre Untersuchung vollendet haben.
Bon einer unmittelbar bevorstehenden Zu- | sarnmenkunst zwischen dem englischen unb dem fron» 1 zösischen Premierminister in London ober Paris ,ei nichts bekannt.
Dor der Abreise der Zachverständigen.
Die aus Berlin gemeldet wird, will der Vorsitzende des Zweiten Sachverständigenausschusses, MacKenno, bereits am Donnerstag abenb Berlin verlassen. Die übrigen Mitglieder der Zweiten Kommission beabsichtigen, am Freitag abzureisen. £5 wird nur ein Revisionssachverstänbi- ger in Berlin zuruckbleiben, um eine Reihe von Fragen zu prüfen. Die Mitglieder des Zweiten Ausschusses, denen die Kömmission Dawes wahr- schsinlich 4n Kürze folgen wird, werden in Paris ben Bericht über ihre Untersuchungen in Berlin jertigstellen.
Die von „Daily Erpreß" und „Dtamchesker Guardian" verbreiteten Meldungen über angebliche Schwierigkeiten, die der Sachverständigenkommission von der deutschen Regierung gemacht worden feien und dm Entschluß Mr Bb- teife veranlaßt hätten, wird von der Sachversländi- genkommistion offiziös dementiert. Em Kommunique stellt u. a. fest: „Tatsächlich hat ber Ausschuß sowohl seitens der deutschen Regierung als auch seitens der Banken jede nur mögliche Un terstützun g gefundm. Der Ausschuß benutzt itzleichzeitig diese Gelegenheit zu erklären, daß in bem von ben Banken übrigens freiwillig zur Verfügung gestellten Zahlmmaterial die Namen auswärtiger Kundm weder erbeten noch bekannt, gegeben worden sind. Der Ausschuß hat es nicht für nötig beftmdm, irgend welche Untersuchungen «nzustellm, die das Bankgeheimnis verletzen."
Die dritte Steuernotdctordunng
wirb laut „Vossifcher Zeitung von bem zuständigen ReichsratSausschuß beraten. Das Blatt nimmt an, daß bie Beratung noch am Mittwoch zum Abschluß gelangt, und baß am Donnerstag der Füns- zehne raussckuß des Reichstags sich mit bem Entwurf brschästigen wirb.
MhlAWs Md Versgiler Vertrag von flbg. Andre, Stuttgart.