Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.
51. Zahrg
Samstag, 2. Februar 1924*
Nr. 28
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Ausbruch der Revolution neuerrichteten Ministerien für Landwirtschaft. Handel. Industrie und Gewerbe und für s o z i a l e Korde r u n g aufgrund des Landtagsgesetzes rom 21. Dez. 1923, wonach die Zahl der Ministerien von acht auf fünf zu vermindern ist. a u f z u l ö s e n. Das Ministerium für Landwirtschaft' und Soziales soll als eigenes dem Ministerium des Innern einverleibt werden, das Handelsministerium als eigene Abteilung dem Etaatsministerium des Aeuk-rsn.
wtb Paris. 1. Aebr. (ZcL). Der sirzialMschc i Perfrstag in Marseiile hat geftecn übend bereits dl« \ Diskussion über die Wahlkattik mrfgrnommc«. Es \ traten dort zwei Richtungen zu Tage. Morel trat : dafür ein, mit ollen Mitteln dem nationalen Block i die Ausnutzung Ser gegenwärtigen Vohlordaung [ unmöglich zu mache». Krumbach bemühte sich nach- zuwrijen, daß das Kartell der Linksparteien auch
»nreiaen-vreiie: ÄiemitiU <6»io«tJ inte. 0.15 Qo.emati cu3»4tti 050 fltolbmart: Äetiameirile total 0,60. »elbmari i: auswärts 0.80 «olbet«L
Bei Rieberbo'nifflM Rabatt. ffranffart q. «- 4051.
Krupp in Spanien.
wt* Paris, 31. Jan. (Tel.) HavaS meld« tns Madrid: Aus Cartagena roitb oen BläNern gemeldet, daß ein SachverstänMgknausjchuß der Kruppwerke die Arienaie besichtige und die Möglichkeit der Ci nrichtung von Hochöfen urtt; Leitung deutscher Jngenienre geprüft habe, um Schisse jede» Tonnen- gehali» konsrruieren zu lönuen.
Ausland.
* ikntflatt» mtd R hlanS. Wir Reitet tm» Wohl- unterrichieten fitetjen vernimmt, ist eS möglich, daß die Anerkennung der tnififdien Regie- runa durch England noch vor dem Zusammentritt der Parlaments und ohne vorherige Bedingungen bekaunlgcgebkn wird.
Deutscher Reich.
* Dir Umstellung in Dauern. Das bäuerische Staatsministerium hat beschlossen, die drei beim
iBerantwortiid) ,ür bte etbtiiiltutmi: Dr. Sobanne* Sromer.
Slnsetaent 3.« erteilet. Sulba. Sielat-onibrad unb «erlas bet
Fuldaer irtttnbntderri m Fulda, fiernfbretfcer Wr. 9. --
»»»uaSvreib! Senat ggrear 9.50 «oldmark frei »au».
Des Zentrums Lebenskraft von Prof. Grebe, Mitglied der Landtags.
Abzug der Separat sten.
wtb Wiesbaden, 1. Aebr. (Tel ). 3n der vergangenen Nacht wurde das RegierungsZebäude, da» Rathaus, und das Landralsamt von den Separatisten geräumt. Die Räumung ist ruhig verlaufen. Die Beamte« der Regierung «sw. wurden wieder in ihre Betriebe eingeführl.
Eine Verhaftung.
wtb Pari», 1. Aebr. (Tel.). Dem »Pellt Parisien- zufolge verlautet au» Slra-zburg, Laß die badisch« JJolijei in Lörrach den Direktor einer Han- dclrsirma festgenommen habe, der beschuldigt wurde, ein französische» Spionagebüro zu leiten. Weiiere Verhaftungen seien in aller Stille in den letzte« Tagen vorgenommen worden.
Di« französische Linke.
ss d & fMinelnummer sQ Pfennkst.
Fuld aerZertung
Vie arbeit der Sachverständigen. .
Aus Berlin wird uns geschrieben: |
Nun sind die beiden Sachverständigenausschüste i fn Berlin mitten in voller Arbeit. Der erste unter dem Dorsitz d-, General Dave» stehende Kus- schuß betitelt sich: „Für Budget und Wahrung. > Der zweite Ausschuß, der unter dem Vorsitz Mac- Kennas steht, wird die Frage der Kapitalflucht behandeln. Letzterer ist auch vom Reichskanzler empfangen worden.
Die Arbeitsweise der beiden Sachverständiger-- Komitees vollzieht sich in der gleichen «orm, ®te sie bei den bisherigen Verhandlungen in Paris innegehalten wurden. Der erste Ausschuß hat fünf Unterausschüsse gebildet, deren Mitglieder - je fünf - sich über bestimmte Sozial- stagen zu unterrichten und die betreffenden Ange- lettenbeiten zur Beratung in der Dollversammlung des Ausschusses vorzubereiten haben. Jeder Untet- ausschuß hat einen Vorsitzenden, der autorisiert ist, mit der in Frage kommenden Stelle der Regierung zwecks näherer Information m Verbindung zu tre- I ter.. Die Reichsregierung hat sich für die Tätigkeit der Sachverständigenausschüsfe in größtem Matze I vorbereitet. Im Finanzministerium ist eme umfangreiche und inhaltlich ausgezeichnete Darstellung „Material für ein Studium der deut- scheu Wirtschaft, Währung und Finanzen" bereitgestellt worden, die zweifellos viele Em- lelunterfitdnmgen erleichtern oder gar uberflustig mach-n wird. Alle Beleg- und Beweisstücke für die Anaaben hält die Reichsregierung y*r persönlichen Einsichtnahme der Mitglieder der Ausschüsse bereit. m . I
Zunächst ist nur an die persönliche Vernehmung der leitenden Beamten der verschiedenen Reichs- ressorts gedacht. Hauptsächlich in Fraae komm-n, der Reichsbankpräsident Schacht, der Staatssekre- tär S ch r ö d e r vom Reichssinanzmmisterium, per Staatssekretär Fischer als Vorsitzender der Krieaslastenkommisiion und auch der frühere Staatssekretär Bergmann, der wiederholt als Sachverständiger der Reichsregieruna bet Behandlung der Reparationsfrage fungiert bat. Die Hm- zuziehuna von Vertretern der Wirtschaft und be- stimmter I n t e r e s s e n g r u p P en ist bis jetzt noch nicht angefordert worden. Die Reichsregi-rung hat eher Vorsorge getroffen, daß oeewnete Persönlich- feiten au» d-m rn-aktischen Wirtschaftsleben, rote | aus Kreisen der Wistenschast auf Anfordern rasch zur Verfügung stehen. Es 'muß damit gerechnet werden, daß namentlich für die Verhandlungen des zweiten Sachnerständiaenmtsfchusiss, der die Kavi- I talflucht untersuchen will, Vertreter aus Wirstchafts- kreisen zu Auskünften herangezogen werden.
WMmmMfivrMWlMni».
wtb Daris 1. Febr. (Tel.) Zum Srlef- wechfel des englischen Premierministers mit dem französischen Ministerpräsidenten schreibt der „Ma- ttn": Wenn Macdonai eine Zusammen straft mit poinrare verlangen werde, könne man di« nicht verweigern. Es fei gut, trenn die verantwortlichen Präsidenten sich offen aussprechen, aber trotzdem sei man noch weit davon entfernt anzunehmen, daß eine derartige Zusammenkunft. wenn sie ftatt- finde. das Präludium für eine allgemeine Aus- jprachc sei, bei der Deutschland und die Sowjets chre 3 nfeignen entfalten könnten.
Vom Jammer der Regiebahn.
Aus Düsseldorf wird gemeldet: Die Regie verlangt für die nächsten Tage die Uebergabe mm täglich 4000 offenen Wagen mit der Er- Körung, daß beim Ausbleiben dieser Wagen schwere Folgen für die Wirtschaft entstehen wurden. Wie wir von unterrichteter Seite hären, kann d-ie Reichsbahn ohne eine empfindliche Schädigung der Interessen des unbesetzten Gebietes dies« Wagen unmöglich abgeben. Es ist nicht durchführbar, daß immer erneut Leerwagen material in das Ruhrgebiet lsinem gepreßt wird, während die Regie völlig außer Stande ist, tausende von beladenen Wagen, die bereits im Ruhrgebiet stehen, zu bewegen. 2.» Schuld an den schweren Folgen für das Wirtschafts? leben fällt der Regie zur Last, die ihrer Aufgabe, wie sich immer mehr zeigt, in keiner Weis« gewachsen ist. * ’
Am 29. Januar mutzten auf 9tr Zeche Brachst r a ß e und Prinzregent (Deutsch-Luxem- bürgt die Belegschaften wegen Wagenmangel feiern, am 30. Januar auf der Zeche Adolf Hansemann und Prinzregent.
Wegen iBagen mangel formten die Bekeg- 'chaften auf folgenden Zechen nicht anfahren: Am 29. und 30. Januar auf Graf Beust (Morgen'chichl), am 30. Januar auf Johann Deimelsberg (teilweise). Auf der Zeche Zollverein mußten am 30. Januar auf allen Schachtanlagen um 10 Uhr die Belegschaften ausfahren: am 30. Januar nachmittags und am 31. Januar vormittags mußte wiederum auf allen Schacht anlagen gefeiert werden.
Parlamenlsanflöfnng in 3apen.
wtb pari», 1. Aebr. (Tel). Aus Tokio wird berichtet, daß da« Parlament aufgelöst wurde. Rach weiteten Mei düngen ist der versuch gemacht worden, einen Lifenbahnzug zur Entgleisung zu bringen, in dem 25 Kammer- Mitglieder von Osaka nach Tokio reiften.
Nm das Petroleum.
wtb ®«|i)ln|loa, 1. Jebt. (Tel). Dee Senat Hot eine Entschließung einstimmig «nzensimmer-., in Oer bet Präsiden! aulgeforberi roitb, auf zettchlstch-m W-ge bie Aufhebung der PetrolsiEpachwerkcäzs ?n etlangrn. Dis Resolution erklärt die gench.n'.zieu orrlrctgr für un. gerechtfertigt enb den Gesetzen nubeesptechens.
Den Gegnern des Zentrum, bleibt die zähe Le- benslraft dieser Partei immer noch unbegreiflich. In kritischen Zeiten nehmen sie es srellch als selbstverständlich hin, datz das Zentrum Kraft und Festigkeit gm-ug zu rettendem Eingreifen hat, ober wenn die Gefahr vorüber ist, zerbrechen sie sich wieder den Ropf, warum diese Partei noch nicht verschwunden ist. In der Rechtspresse tauchen wieder Katholiken auf, die Nachweisen, daß das Zentrum längst über- lebt sei und zerfallen müsse, da feine Rolle als Verteidiger der kirchlichen Rechte erledigt sei. Diese 2e° Häuptling hören wir seit Jahrzehnten, o h n e d a tz die Stärke und Wirksamkeit der Partei dadurch beeintachtigt wäre. Ihr Wesen und ihre Wurzel scheint also doch wohl in solchen Auslassungen nicht richtig erkannt zu sein.
Zeiten, wie wir sie durchleben, mit Ihren endlosen Demütigungen für das nationale Selbstbewußt- sein und ihren schier unerträglichen wirtschaftlichen Drangsillen und Entbchrungen bedeuten naturge- mäß auch eine schwer« Belastungsprobe für eine Partei, die immer in vorderster Linie die Verantwortung für die Politik des Reiches auf sich nehmen mußte. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß solche Schwierigkeiten uns auch InderDergangen- h e i t nicht erspart geblieben sind. Als nach den Caprivischsn Handelsverträgen die Landwirtschaft 'n die grüßte Bedrängnis geriet, wurden in saft allen ländlichen Wahlkreisen Rheinlands und Westfalens geqen bie offiziellen Zentrumskandidaten landwirtschaftliche Gegenkandidaten ausgestellt. Damals wurde das Wort geprägt: „Das Zentrum wird agrarisch sein, oder es wird nicht fein.“ Das Zen- trum ist nicht agrarisch geworden; es blieb, was es war: eine soziale Volkspartei, zum Segen auch für die Landwirtschaft, denn nicht der Bund der Landwirte brachte die Rettung, sondern das Zentrum, das auch andere Berufskreife, vor allem feine christlichen Arbeiter, für einen ausreichenden Schutzzoll zu gewinnen vermochte. Diese Erfahrung ollte allen denjenigen zu denken geben, die sich ver- ucht fühlen, ihre materiellen Standesinterefsen zu stark zu betonen.
Die Nähe der Refchstagswahlen, Vie Sitzung des Reichsausfchusfes der Zentrumspariei ga^-en Deranlaffung, daß sich unsere Presse in den letzten Wochen einmal eingehender mit dem Z e n « trumsgebanfen beschäftigte. Ohne Theorie kann der Deutsche nun einmal nicht leben, die Tatsachen allein genügen ihm auch in der Politik nicht. So erklärt sich das Aufsehen, das der bekannte Brief des Reick^kanzlers a. D. Dr. Wirth überall erweckt hat. Es ist ganz natürlich, daß ein Mann wie Dr. Wirth, der seine Kräfte in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat und vorläufig der unmittei- baren Einwirkung auf die Gestaltung der Dinge sich enthalten muß, angesichts eines für die Geschicke Deutschlands folgenfdjroeren Wahlkampfes sich gedrängt fühlt, feine Ansicht darüber zu äußern, wie er sich die Grundeinstellung seiner Freunde in diesem Kampfe denkt. Nehmen wir feine Ausführungen so, wie sie gemeint sind, so kann die Besprechung und Weiterspinnung der angeklungenen Gedanken für bie Partei nur fruchtbringend sein. Eg ist Dr. Wirch nicht eingefallen, das Zentrum zu verlocken, feine Schlachtordnung links aufzustellen. Der Stern feiner Ausführungen ist die Betonung des eigenen Charakters des Zentrums. Es soll seine Stellung in der Mitte wahren und gerade durch Betonung ferner Selbständigkeit und Eigenart auch Im Wechsel der Verhältnisse dem deutschen Volke in lebendiger Straft dienen. Wie dieses Ziel zu erreichen ist mag in aller Ruhe weiter erörtert werden.
Was die Gegner In den Dries Dr. Wirchs hinein- kegen, braucht uns nicht zu beirren. Die „Deutsche Tageszeitung“ vom 23. Januar 1924 sieht in ihm die Einleitung eines umfangreichen und wohl vorbereiteten „Trommelfeuers gegen die mit der Links- po'itik nickst einverstandenen Elemente der Zentrumspartei“ und meint weiter: „Das Derben um die Jugend war das eiaentliche Ziel dieses Trommelfeuers“. So spiegelt sich die Erörterung wider in dem Hirn von ßeuten, die nur links oder rechts denken können, die nur den Grabenrand, aber nicht die Fahrstraße sehen. Es ist nicht ,zu leugnen, daß auch in unseren Reihen manche sich durch das Gerede einer Links- oder RechtspoMk beeinflussen lassen, imb es ist selbstverständlich, daß mir den Rebel zu «rftreuen und Klarheit zu schaffen suchen. In Deutschland kann weder rechts noch links regiert werden, weil hüben und drüben ertreme P a r - teien sitzen» mit denen keine aufbauende Ardest möglich ist. Ein« wirklich,- Linksregierung gerät unfehlbar unter den Einfluß der Romnvmiftcn, die unentzvegt ans d-'e Wettrevo'ution trnar'-eiten. Wohin eine solche Politik fübA, zeigt das Beispiel von Thüringen und Sachsen. Eine ausgesprochene Rechtsreoiemng würde unter beutschvölki- schem Druck gehalten werde» Die Vorgänge in
über die Vehlen Bestand haben müsse. Die Diskussion wird heute fortgesetzt.
Der erledigte Venlzelo».
wtb Baris, 1. Febr. (Tel.) Noch einer m Paris aus Athen eingelaufenen Meldung soll der Zustand von V-nizelos außerordentlich ernst sein. Man erwarte, daß er und fein Kabinett im Lause des heutigen Tages zurücktreten werde. Nach dem „Matin“ sollen ihm feine eigenen politischen Freunde eine Art Ultimatum überreicht haben und ibn anklagen, er betreibe eine zaudernde Politik, indem er zwischen dem Königtum und der Repuolik nicht zu wählen verstehe. General Pangalos habe in einer Zeitung Venizelo» und seine Minister mit dem Tode bedroht.
„tkiitfäe Michsbahn".
Das Reichskabinett genehmigte den Entwurf der Verordnung, durch welä-e unter der Bezeichnung „Deutsche Reichsbahn“ ein selbständiges, eme juristische Person darstellendes wirtschast!, ch e » Unternehmen geschaffen werden soll, durch das das Deutsche Reich die in seinem Eigentum stehenden Eisenbahnen betreibt und verwaltet. Auch der Entwurf des P o st f i n a n z g e s e tz e s fand die Dilliauna Des Kabinett». Durch diesen Desetzent- wurf soll der Reichspost, und Tolegraphenbetneü al» ein selbständiges Unternehmen unter der Bezeichnung „Deutsche Reichspost“,vom Reichs- poftminifter unter der Mitwirkung «ne» Dermal- tungsrats verwaltet werden.
Das Reichskabinett hat ferner beschlossen, daß ber Erholungsurlaub der Beamten für 1924 gleickMäßig um sieben Tage gekürzt werden soll und daß in Krankheitsfällen von den Beamten nach dreitägiger Krankheitsdau« ein ärztliches Zeugnis etnzureichen ist.
Der Lohnkaris der Elssnbahnarbeller.
ffife die Blätter melden, ist der gesamte Lohntarifoertrag sür die rund 400 000 deutschen Elsenbahnarbeider durch den Reichsverkehrs- Minister gekündigt worden. Wie eine Berliner Korrespondenz hierzu erfährt, wird in dem neuen Abkommen, über das schon in nächster Zeit die Besprechungen hn Reichsverkehrsmimstenum beginnen, die Frage der Arbeitszeit einheitlich geregelt werden. Es besteht auch die Absicht, die i Lohnreoelung nicht mehr wie bisher zentral für das ! ganze Reich vorzunehmen, sondern entsprechend den ! wirischasttichen Derhältmssen in d,n verfchie- denen Landesteilen.
Perssna!ahbau itn ganzen Reich.
Ter Epar aus schütz de» Reichriaae« nahm einstimmig eine Emichliekung an, worin betont wurde, daß der Perwnalrbbau im Reiche aus die I Dauer undurchführbar sei, wenn er in Verbindung mit den übrigen Sparmaßnahmen nicht auch in Preußen und den Übrigen Ländern sowie in den Gemeinden und den Gemeindev-rbänden auf da» schleunigste durchgeführt werde. Dar- selbe gelte auch für die BeiörderungS'perre. Ein I E ngre'fen fei umso notroenSiger, al» die Perlonalkosten der Länder und Gemeinden zui zeit noch überwiegend vom Reiche g.tiagen werden. Angesicht» der im Jnteresie der Allgemeinbeit wie der Bramten- I schasl geradezu unerträglichen Zustände ha'te der CparauSschuft für notwendig, dir zurzeit an die Länder fließenden Besoldung-zuschüsse mm- heften» in einem dem e, forderlichen Perpnalabbau eptsvrechenden Maße zu kurzen und späiesten» mit dem Zeitpunkt einzustellen, in bem die Länder und Gemeinden auf eigene Einnahmen angewiesen stird. ,
preußischer Landtag.
ftmt Abstimmung in ber Angelegenheit der I preußischen (Srunbfteuct ist e» noch nicht ge- | kommen. Die Deutschnationalen haben einen I Antrag auf weitere Herabsetzung bet Steuer ge- I stellt, weil da» Defizit ja doch nicht gedeckt werde. Der I .ttnanzministee Dr. v. Rechter trat dem deutsch- nationalen 'Antrag entgegen; Wenn un» die Steuer m I dieser tform verweigert wird, bann tonnten wir die | Verantwortung für die Ne terung und für bie (£ji|len» I de» Staate» nicht mehr überne’-inen.
Sm Freitag wiro bte Beratung fortgesetzt.
München haben den Charakcer dieser Vew.gung hm- reichend enchullt. Die Poliük der Mwe ist m Deurschland nicht bloß deshalb notwendig, weil un- ere bedrängte außenpolitische Lage den restlosem llustrag innerpoliäscher Gegensätze nicht glättet, andern aud), weil die Entwicklung unserer Partei- verhättnisse in diese Richtung weist. Die Deutsch« Volkspartei hat den letzten Reichstagswahttarnpf mit den gleichen Mitteln geführt wie die Deulsch- naiionale Volkspartei. Nach der Wahl sah -re sich zur Mitarbeit genötigt und mußte sich der Tartik des Zentrums anpassen. Vielleicht werden dis Deutschnationalen nach den nächsten Wahlen auch zu den Parteien ber Mitte zahlen. Es hängt das ganz davon ab. wie stark die Deutschoölkischen aus der Wahl hrrootgehon. Die Gemeindewahlen in Zachen und die Wahl zur Bremer Bürgerichaft eronnen chon einen gewissen Ausblick. Sollten sie dann zu wsitiver Mitarbeit sich bequemen müssen, so werden ie ebenfalls den Spuren des Zentrun>s olgen müssen. Ihre Wtarbrit an den Sleurrvor- lagen vor bem Sturze des Kabinetts Cuno und tote Stellungnahme zu den sachlichen Fragen bet oen Verhandlungen in der letzten Regierungskrhe deuteten schon darauf hin. Gerade bis Entwtckwng ber Deutschen Volkspartei beweist die Richtigkeit der Zentrumspolitik. Aber das Zentrum hat dos Notwendige sofort getan und sich nicht erst em’ge Jahre Zeit genommen zum lieberlegen, öonn wäre es zu spät gewesen.
Die „Kölnische Zeitung" rotes jüngst darauf hm, daß die Zustande in Sachsen und Thüringen sich nur deshalb bis zur Unerträglichkeit zuspitzen konnten, weil es dort an einer aus gleich en d e n Mittelpartei wie das Zentrum fehlt. Diese Beobachtung ist zweifellos richtig. Die Wirksamkeit des Zentrums erschöpft sich aber nicht m feiner ausgleichenden Tätigkeit in den Parlamenten: wichtiger noch ist bie Sammlung der Wähler tm Lande, wodurch eine sozialistische Mehrheit verhindert wird. Wären die bürgerlichen Parteien nut Einschluß des Zentrums im Reiche nicht starker als in Sachten und Thüringen, so hätten wir auch h* Reiche denselben Wirrwarr. Dir Zentrumswahler hielten m der Nattonalversammlungswahl dem 'Ansturm von links unerschütterlich stand; ohne sie hatte der Sozialismus bie Mehrheit errungen. In ®arn= fen hat man felHt durch eine Auflösung des Landtags den sozialistischen Bann ebensowenig brechen können wie in Thüringen. Woher schöpst das Zentrum die Kraft m dieser Sammlung und zu seiner ausgleichenden Politik? Weshalb vermag z. B. die »Volkspartei, die doch auch eine Mittelpartei die gleiche Aufgabe nicht in jenen Ländern zu lösen, dis das Zentrum für das Reich und in je»- nen Bezirken so vorbildlich erfüllt?
Das Zentrum ist nicht als reine Abwehrpartei gegründet Es war schon da, ehe der Kulturkampf begann. Das Zentrum ist hervorgegangen aus ber Ueberzeugung des katholischen Volksteils, daß ihm eine politische Vertretung unbedingt notwendig sei. Jahrzehntelang suchte er nach der richtigen Form, bi» er sie im Zentrum al» einer politischen Partei auf christlicher Grundlage sich endlich geschaffen hatte. Die christliche Weitanfck-auung bewies Kraft genug, der Partei Stärke und Zusam- menhalt zu sichern. Wenn sie im wesentlichen auf den katholischen Dolkstril beschränkt blieb, so lag das weder in der Absicht ihrer Gründer noch an ihrem Charakter. Insofern blieb ihre Grundlage allerdings schmal, als sie talsächich wenig über den katholischen Vollsteil hinauswuchs. Ein Glück aber war es für das ganze deutsche Volk, daß sie hier wenigstens ihre sammelnde Kraft bewährte. Hätte das Zentrum im evangelischen Volksteil in gleicher Weise Boden gefaßt, oder hätte sich dort ähnlich wie in Holland, eine Partei von gleichem Charakter und gleicher Zusamruensetzung durchgerungen, so wäre die Gefahr des Sozialismus nie so groß geworden.
In sein« christlichen Grundlage beruht die Lebenskraft des Zentrums. Nicht in der Verteidigung von Religion und Kirche erschöpft sich seine Ausgabe, sondern vor allem darin, daß er die christlichen Grundsätze im staatlichen und wirt- schafttichen Leben zur Geltung bringt. Das ist heute zeitgemäßer als jemals, weil der Staat als fostber nicht mehr christlich fein will, der Wiederaufstieg untere« schwer heimgestubten Vokes aber nur durch sittliche und religiöse Kräfte gesichert werden kann. Deshalb hat der christliche ©ebanfe auch werdende Kraft genug, eine Parte! zu sammeln und ^u'ammwn- zuscbließen. Seinen Eharakter als chnststche Pa stet m-ih das Zentrum in erster Linie betonen. Dann bleibt, es auch eine allumfassende Dolkspanei, bann kann es nur eine ausgleichende Mittel- partei sein, dann ist es immer eine soziale und auch eine wahrhaft nationale Partei, bie ihre na» lianale Gesinnung nicht bloß bekundet in Worten, sondern vor allem in vaterländischer Arbeit und Pflichtrrfüllung.