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Kaum hake nach kurzer Pause der Saal sich wieder gefüllt, da klang ein ganz eigenartiges Stiic? an unsere Öhren: kurz und gedrungen, voll überraschender Gegen- sätze, m reicher musikalischer Form, bei der Chore.csanz und Orchester völlig eigene Wege gingen der Gesang des Lebens (von Hartleben), venont vom Erfurter Mei­ster Wetz, Wohl selten wird man so die Wucht und doch abwechslungsreiche Ruhe des Männerchore» spüren, wie in den meisterhaft geführten Linien dieses herrlichen Ehorgesauges:Groß ist das Leben uns Sterblichen, Freudgeschaffenen von den Göttern geschenkt und amt und klein ist der Menschen Herz, des Bettlers, der mit leeren Händen stets auf staubiger Straße sitzt, darauf das Glück auf den tönenden Rädern leuchtend vorbeifuhr." Und dieser, echt aus dem Leben geschöpfte Gegensatz, der nun trotz des eben geschilderten Elendes wieder zur glühendsten Lebensbejahung wird:Groß ist das Leben und reich'" Klang nicht in den letzten, gewaltigen Akkor­den des Thores ein schriller Unterton in der Seele des Zuhörers mit: Unsere Zeit versteht einander nicht? . . . Es war gut, daß auf dielen aufregenden Thor nrne die lieben, schönen Bolksliedchen kamen: Rheintreue (t>. Schrcgel) vertont von E. Kraemxr, dessen dritte Strophe dieBrüder" aufrief,alles Klagen und Wimmeim über unser Elend zu vergessen und aus dem zerschlagenen Gut ein neues Daterland zu zimmern", dann die unver­gleichlich schöne und tiefen Ewigkeitsernst predigende kurze Weise:fort unten in der Mühle" (bearb. o. Sil- cher) mit seiner Todesstimmung und wieder das innige, heiße Heimatliebe atmende portugiesische Volkslied: Wo des Duro Wellen fließen, alles Lieder, die, jedes in sei­ner Art, wohl auf alle unvergeßllche Eindrücke machten. Zart und innig, und doch etwas schalkhaft und lieb, ober doch mit klarem Lebensernst schloß diele Reihe der Aolksweisen ab per Abschiedsgesang: .Mägdlein, so schön

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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.

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Donnerstag, 3$. Januar ,924

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Nr. 26

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Wahlreform

iren. Es soll die ur­

gestellt werden, um

preußischer Landtag

fetzung deS Hauses angenommen.

Schule und Volksbildung

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poincare und Mardona'd.

wtb Paris, 30. Ian. (Tel.) Poincare und Mardonald haben Briefe ausgelauscht. Der Brief -es englischen Premierministers ist am Monlag nachmittag durch den englischen Botschafter in Pa­ris, Lord Crewe, am Quai d'Orsay überreicht wor­den. Gestern abend hat Poincare die Antwort an Macdonaid abgehen lassen. 3n den Briefen ver­sichern die beiden Ministerpräsidenten, daß trotz allem, was die öffentlichen Meinungen trennen kenne, sie ihr möglichstes tun würden, um in freundschaftlicher Weife die augen­blicklichen Meinungsverschkedenhei- tcnzu regeln und daß sie sich bemühen würden, für die Wiederherstellung Europas gemeinjam zu Arbeiten.

So wurden die Konzerte, gerade in ihrem Ernste und in der Melseitigkett ihres Programms fein bloßer Ohrenschmaus, sondern zugleich eine emfte, seelische Predigt. Auch der Konzertsaal hat dies; Aufgabe und diese Verpflichtung. Gott sei Dank, daß wir in Fulda in dieser Hinsicht allzeit von allen beteiligten Kreisen und Vereinen, die in der breiteren DeffentiWett auf. traten, ernste, gediegene, seelisch erbauende Musik zu hören bekamen. Hoffentlich bleibt unsere StM dieser alten Tradition treu.

Welch gewaltigen Ernst atmeten nicht schon gleich die orchestralen Eingangsstücke des verflossenen Konzertes, m denen die männlich starke und fast in all seinen Ton. werken ans Ueberirdische, Göttliche rührende Gestatt unseres unvergleichlichen Beethoven, wie ihn Max Klin. !?er in Marmor gemeißelt hat, vor unserer Seele ersteht. Gewiß, der Meister ist herb und schmeichell wahrhaftig nicht den Sinnen: um so gewaltiger ist seine Seele und sein musikalisches Bauen, die beide in seinen großen Wer. fen nie ganz ohne die tiefgläudige Gottesfurcht Beet­hovens zu verstehen sind. Und wie ein leuchtender, fest, gefügter, markiger Ewigkeitsbau hebt sich inmitten dieser weltabgewandten Weisen Beethoven» der wuchtige Ehor. gesang von 8. Lachner (181193)Groß ist Jehova" lDichtung vom österreich.ungarischen Dichter Pyrker, einem kath. Geistlichen) mit all seiner feinen und reichen Abwechslung und doch ständig wachsenden Kraft, di« sich in grandioser Steigerung bis zum Ende zu einem gewal­tigen Bekenntnis Gottes ausbaut:Groß ist seine Macht!" Wie wundersam ruhig und beruhigend klingt nach diesem mächtigen Gottesbekenntnis der a capella Thor des Schweizerkomponisten E. Atenkwsers (oeb. 1837): Abendfeier (nach einem Gedichte o. I V. v. Schef- sel). Auf einer einsamen Intel mitten im See häm­mert das graue Münster eines Klosters und der Rönnen-

Vie 7. Klaffe der Lyeeen. In einem Erlaß ÄuhuSmtntfterS, per vom ProvinZialschulkollegium _ 22. Januar an die ihm unterstellten Anstalten weiter- aegeden wurde, wird anpeotimet, datz die 7. Klaffe der Lyceen für das Schuljahr 1924/25 beizubehalten ist, fremdsprachlicher Unterricht nicht erteilt werden darf.

Deutsches Reich.

* Sozsatbemokratischee Darkestaa. Der fogiat demokratische Parieiausschuß beschloß, cn dem uotr Vorstand m Vorschlag gebrachten Termin für der Beginn des Parteitages der fozis-lbenrskrairfchen Partei, dem 3 6. März, festzuhaitem und das Land- tagsgebäude in Berlin als Tagungsort zu bestim­men. Eine vom Parieiausschuß angenommene Ent­schließung wendet sich gegen die Aufrechterhaltung des militärischen Ausnahmezustandes.

Die Lachverftändlgen-Kusjlchüffe

Lmkreffen des ersten Ausschrstes in Beilin. Die Mitglieder.

Vie Stellung der deutschen Regierung.

Ml-Äg zu W WWlWszsW'M,

Wohllätigkeit-konzert gar mancher mag den Kopf schütteln, da er das Wort liest. Wieder einmal jene seelenlose Art, die sich' selbst vergnügt, unb dann hinter« her mit dem Erlös des Vergnügens der Rot des Armen steuern will. Mag sein, daß diese Art, Wohltaten zu spenden, oder geldliche Mi trl für die Caritas zu er­langen, nicht gerade die idealste ist. Sie wird aber wohl noch lange Zett ihren Platz in unserer Welt be­haupten. Vom Fuldaer Wvhltätigkeitskonzert des Männergesangvereins5B inf rtbia" am vergangenen Sonntag wird man aber füglich ein anderes Urteil haben dürfen. Wenn auch sein äußerer Zweck war, eine namhafte Summe Selbes für das Hilfswerk 1924 zu» s-nuiwnzubringen, i=> haben zum mindestens alle, die in irgend einer Weise an dem Zustandekommen des Kon­zertes b.-eiligt waren, in selbstloser Weise auf jeden Gewinn verzichtet, ein psychologisches Moment und ein Beispiel für wette Kreise unserer Zeit, das praktische Losschälung vom Materialismus bedeutet. Wieoiele ar­beiten und Mühen eine solche Veranstaltung kostet, wie» viel Zeit, materieller Aufwand, aber auch seelische Energie nötig ist, um eine solch wohlgelungene geistige Seefen» kräsiigung unserer im Elende der Zett fast versinkenden Menschheit zu bieten, das weiß eigentlich nur der (Ein- geweihte. Und gerade dieses letzte Moment ist m un­seren Tagen von besonderer Bedeutung: wahre, seelische Erfrischung und seelische Kräftigung der vom Ernst und der Wirklichkeit des Alltags niedergebeugten Menschheit in einem so tiefernsten und doch so innerlich frohen Kon­zert zu geben, das ist ein besonderer Ruhmestitel, den dieDinfridia" und unsere Reichswehrkapelle mit all den sonstigen Beteiligten sich mtt den beiden Deranstal- tunaen am vergangenen Sonntag erworben haben.

$ar ein besseres Wahlrecht

treten auch die Demokraten ein. In der bernte» kratrschenBerliner Volks-Zeitung" weist der Abg. Otto Nuschle mit aller Schärfe die Mängel des jetzigen Wahlrechts nach. Er fichrt unter anderem > aus:

Es kennt nicht die politi ch belebende Einrichtung, der Nachwahlen, die zudem als Barometer derVocks- ftimmung für jedes parlamentarisch regierte Lano von ern >ester Tedeutuni y.no. Noch schwerer sind die vev- foffun,>smätzigenBedenken ge en die sogenannte tzieichs- liste. Sie wird gewöhnlich nur von den engeren Par- teivoiständen aufgestellt. Und wenn der volksparteiliche Wähler in Hinterpemmem des (Jlaubens war, tr wähle mit dem voikspaiteilichen Stimmzettel seinen Beam­tenkandidaten, so war das ein Irrtum. Mit den Reftftimmen wuroe die Reichsttste der Teutichen Volk-» Partei bedacht, an bei en sicher e stelle Herr Hugo Stinneö stano. In England hat der Wähler die Möglichkeit, auch einem Minister cm Mißtrauensvotum auszust'llen. Kein in der Wahl unterlegener M nister kann im Kabinett bleiben, wenn er nicht in einer Nach» waul ein Mandat erhäli. Das ist eine gute demokia» tilche Einrichtung, die die Minister zum stet n guhlung- halten mit den Wäh.ein nötigt Bet uns steh' der Minister auf der Wahlliste, oder er wird Spitzen­kandidat. feine Wahl ist der Wäh.erstunmung enizogen. Hal er schiech! gewirtschaftet, dann entgilt die Wäqler- ichast das den weiteien Listenkandidaten, die getoö nlich weniger em Siern des Lnstohes sind. DaS gegenwär­tige Wahlrecht ist sieiil, verfassungswidrig und un ei.enttichcn emne unSemokratisch."

Das Nsichskab-mett hat jetzt, da die Streitfrage über die Wahlresorm unter den Parteiführein nicht geschlichtet werden kannte, das Reichsministerium des Innern aufgefordert, die Arbeiten für d i g

Berautwortiicd ür die <S Ci.ru tleitung: Tr. Sobannes Kromer, «nietseu: I. P erteilet. Fulda. Slotat.enE6rutf and «erlag der « Fuldaer Aetteudrnckerei in Fulda. Fernlvrecher T.t. 0. :i Be-uaSvreiS: Monat Sarnar 2.60 Soldmark frei 8>cnJ.

Die Kölner Zone.

wtb London, 30. Ian. (Tel.) Der diploma­tische Berichterstatter derWestminster Gazette" schreibt, datz die Anhaltung einer Dahn- ladung mit britischen "Vorräten in Ründeroth durch die Franzosen eine ernste Angelegen­heit sei. Das Abfchnciden wesentlicher Mllrtär- vorrLte werde die Stellung der Englän­der in Sola unerträglich machen. Pre­mierminister Macdonald habe in Paris energischen Protest gegen dieses Vorgehen erhoben und gefor­dert, datz die Freiheit der englischen Verbindungen hergestellt werde.

Die Separatistenfrage.

wtb Paris, 30. 3an. (Tel.) Wie das »Echo de Paris" mrtlestt, hat die engsische Regierung aus bai Vorschlag, die verschiedenen Verwallnngsjrageu, die durch die separatistische Regierung aufgeworfen wurden, der Lotschasterkouferenz zu unterbreiten, noch keine Antwort erteilt. Der gleiche vor- schlag wurde auch der englischen Regierung über­mittelt, die auch noch nicht geantwortet hat, P v i n- rare und Zaspar hätten sich entgegen anders­lautenden Nachrichten bei ihrer letzten Besprechung am vergangenen Sonntag nicht über diese Frage verständigen können.

wtb London, 30. 3an. (Tel.). Mac Senna. der Vorsitzende des zweikeu Sachverstäudigsn- ausfchusfes der Reparalionskonnnijsio», ist nach Ber­lin abgereist.

Mac Senna, der aus seiner Reise nach Berlin oon Sir William Plender, einem angesehenen Lon­doner Bücherrevisor, begleitet wird, erklärte einer Reulermeldung zufolge, er hoffe, daß der S a ch v e r- fiändigeuausschuh seine Arbeit iu un- lefähreiaerwocheerledlgeu werde, doch Änne er nicht« Bestimmtes darüber sagen.

Die Reparationskommissioa

wählte m Paris einstimmig den französischen Dele­gierten Barthou wiederum zu ihrem Vorsitzen­den und den italienischen Delegierten S a l v a g o Stagßi zu ihrem Stellvertreter.

Am Dienstag abend sind die Mitglieder des ersten Sachverstündigen-Ausjchusjes, etwa 40 Personen, in Lenin eingeirofsen. Am Mittwoch abend werden die Mitglieder des zweiten Ausschusses erwartet.

Die Hauptmitglieder des ersten Ausschusses sind: General Charles Gates Dawes, Leiter der Zen­tral Trust Company of Illinois in Chicago, Owen 2. Young, Rech-samvalt und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Elektric Company, Sir Rodert Kindersley, Leiter der Lank von England, Sir Josua Charles S t a m p» Direkter zahlreicher Jn- dustriekonzerne, Parmentier, Sldminfftraor des Credit Foncier de France, Professor für Finanz. Wissenschaften an der Sorbonne, Alix, Dr. Alberte Pirelli, Industrieller, Professor der Finanz- Wissenschaften an der Universität Bologna, Flora, Baron. Maurice H o u t a r t, Mllglied der belgischen Kammer und Emile Francqui, Staaisminifter und Schatzgouvernsur der Socirte Generale Belgi- que".

Die deutsche Regierung hat alle Vorkehrungen getroffen, um dis Tätigkeit dieser Kommissionen in weitgehendstem Maß zu erleichtem. Man mutz da- mit rechnen, daß die Untersuchungen auf 14 Tage mindestens sich belaufen, sodaß vor Mitte Februar ein Ergebnis nicht zu erwarten fft. Bis dahin weichen auch alle großen politischen und wikt» schaftlichLn Entscheidungen ruhen.

Der deutschen Rsicl^regierung kommt es darauf th, die Gegenseite, die nun zum ersten Male direkt m die Bücher des Reiches Einblick nehmen kann und nicht mehr auf umständliche Gutachten angewiesen ist, zu der Ueberzeugung zu bringen, daß Deutsch­land seine Verpflichtungen nicht erfüllen kann, wenn es nicht die Einheit seiner Wirtschaft be­hält und wenn ihm nicht die Möglichkeit gegeben wird, feine Währung zu sanieren und damit sich ausländischen Kredit zu verschaffen. Es hat sich nun doch gezeigt, daß überall, auch in Frank­reich, die Ueberzeugung sich durchsetzt, datz von Deutschland Barleistungen im gegenwärtigen Augen­blick nicht erwartet werden können. Es hat sich fer­ner durch die Verhandlungen des Reichsbankpräsi-' deuten Schacht in Paris ergeben, daß man in allen

In der Sitzung amDienStag machten dieKommuntsten einen heftigen Vorstoß wegen des Ausnahmezu­stand er im Reiche. Sie griffen die anderen Parteien scharf an, um neues Azitationsmaterial zu gewinnen. Die Demokraten uns Sozialisten stimmten aber dem Wunsch auf Aufhebung des Ausnahmezustandes zu. Ein dahin gehender Antrag wurde bet schwacher Be-

maßgebenden Kreisen die Errichtung einer zentralen Goldnotenbank in Deutschland als Voraussetzung für die Wöhrungs-Sanierüng und damit aber auch für die Erfüllung der deutschen Verpflichtungen an» steht. Und drittens darf man wohl feststellen, datz man im Ausland anerkennt, datz Deutschland ein lang eres Moratorium notwendig hat.

Die notwendige Frage ist jetzt nur, welche For» derungen von der Gegenseite gestellt werden, um Deutschland die Möglichkeit zur Sammlung seiner wirtschaftlichen Kräfte zu geben Hier tritt die Pfänderpolitik in die Erschekmmg. In matz» gebenden Kreisen der französischen Politik liegen offenbar zwei Richtungen mit einander in Widerstreit: Die eine, die von der richtigen Auffas» sung ausgeht. Laß Deutschland ohne freie Verfü» gung über seine Wirtschaftsgebiet«, also ohne Wie» d-rherstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Ruhrgebiet, nicht leistungsfähig wird, die andere, die Rhein und Ruhr nicht herausgeben will, ehe Deutsch» land nicht diesen Verpflichtungen Genüge geleistet hat. Zum mmdestens darin ist sich aber die heutige französische Politik einig, daß sie die politische Ent» s-he-dimg zuvor durchsetzen will, um erst dann di« Reparattonssrage in Angriff zu nehmen. Dem- kteWnüber müssen wir danach trachten, diese beiden wichtigen Dinge zum mindestens zu gleicher Zett zu regeln.

Wir geben uns keinen Augenblick einem Zwei­tel darüber hm, daß Deutschland sehr erhebliche Op er brmtzen muß, um sein« wirtschaftlich» und politische Frethe't wieder zu gewinnen. Die Sihia» tton mug klar in ihrem ganzen Ernst erkannt wer»

sprüngliche Vorlage in einigen Punkten abgeändcr- werden.

Tie dritte Steuernotverordnung.

Das ReichSkabinett beschäingte sich am Diens­tag in fünfstündiger Sitzung erneut mit der dritten Steuerno veioidnung, vor ollem mit dem strittigsten Punkte, dei Frage der Aufwertung der Hypo­theken. Anicheinenü sind entgültigc Beschlüsse auch jetzt noch nicht gefaßt worden.

Kabinettskrise in preutzen?

Am die Grundsteuer.

Der Kampf um die Grundsteuern ix Preußen hat sich derart zuqespitzt, daß, wie die Blätter schreiben, mit einer Kabinettskrise gerechnet werden müsse. Die von dem der Deutschen $olf sparte* angehörenden Finanzminisier v o n Richter cingebrachte Erundsteuervorlage ist nicht nur bei den Deutschnationalen, sondern auch beim Zentrum auf Widerstand gestoßen, das den Steuerertrag auf etwa 40 Prozent des in der Regierungsvorlage erwarteten Betrages verrin­gern will. Das preußische Kabinett hat in seiner Dienste gsitzung zwar gewisse Zugeständnisse an du Forderungen des Zentrums gemacht, im Wesent­lichen jedoch an der Vorlage selbst festgehalten, da der Finanzminister erklärte, in so starte Abstriche, wie sie das Zentrum verlangt, nicht cinwilligen zu können, selbst aus d!e Gefahr hin, das; die Regie­rungsvorlage im Landtage keine Mehrheit finden werde und daraus e ns Regierungskrise entstehe. Der intersraktionelle Ausschuß dc« Landtags hat sich vergeblich um ein Kompromiß bemüht.

Jedenfalls muß erreicht werden, daß die Härten, die notnenrt'. bei der Veranlagung ter Grundsteuer sich zeigen, eine Abschwächung erfah­ren. Der Finanzminisier wird es um dieses Zieler willen nicht zu einem Bruch kommen lassen.

den. Vor einem Optimismus, wie er sich viel­fach aus Anlaß des an sich unMeisechaften Erso.ges des Reichsbankpräsidenten Schacht in Paris gezeigt j Hai, ist eindringlich zu warnen. Wir müssen uns darauf gefaßt machen, daß auch die letzten Ergebnisse der jetzigen Berliner Untersuchungsausschüsse an Deutschand harte Forderungen stellen werden. Und es erwächst dann ittuner noch die Frage, ob Frank­reich sich damit zufrieden geben wird, daß die Dinge nur wirtschaftlich Msigezogen werden und ob nicht doch im Hintergrund wieder die sogenannten poli- | tischen Forderungen auftauchen, die in der be­kannten Formelvom Rheinstaa t" gipfeln. Bon deiLi.cher Seite wird jedenfalls abgetehnt, die Dinge irgendwie auf das po'itisch-e Gebiet überspie­len zu lassen. Wir stellen die Wirrschaftsfragen in den Vordergnmd mit dem Hauptziel, unser Wirt- fchaftsgekäet einheitlich und geschlossen zu erhallen. Das gilt auch für Einzelpro' leme der deutschen Wirt­schaft, insbesondere des Eisenbahnwesens. Denn gerade das gegenwärtige System der Regie in den besetzten Gebieten führt einen anschaulichen Beweis dasiir, wohin wir kommen, wenn die Ein­heit des Eisenbahnwesens in Frage gestellt wird. Wir müssen uns frettich auch m dieser Frage recht nüchtern und real einstellen, denn es sprechen viele Anzeichen dafür, daß die Einstellung der Sachver- ftändigen-Ausschüsse dahin geht, die Eisenbahnen des besetzten Gsbiets für die Reparations­leistungen auszunutzen. Es sst offenbar beab­sichtigt, der deutschen Reichsregierung einen Vor- sih'ag zu machen dahingehend, einen deutschen Eisenbahn-Konzern unter Beteiligung aus­ländischer Kapttalien und zwar aufprivatwirt- schaftlicher Grundlage zu schaffen. Mr Müs­en uns auf eine solche Entwicklung bei Zeiten rüsten, denn es scheint in der Tat, daß danach ge­trachtet wird, daß in firner Frist die Zeit der Staats- betriebe für Deutschland vorbei fft. Wr können demgegenüber mit Nachdruck feststellen, daß die Eisenbahnen nur als Ganzes etwas leisten und dem Reich und seiner Wirtschaft von Nutzen sein können.

Die g r o ß e n Z i e l e der deutschen Politik sind 'N folgenden Punkten zusammen zu fassen: Deutsch- land muß danach streben, auf der Grundlage der Sanierung der Staatsfinanzen und der Gesundung der Wirtschaft überhaupt große internatio­nale Kapitalien zu erhalten, die dazu »er- wandt werden müßten, Frankreich als Abschlags- zahlung zur Verfügung gestellt zu werden. Zwei­tens strebt Deutschland danach, eine Verständi­gung über b i e Sachleistungen herbeizu- führen, die aus laufenden Reichsmitteln zu bestrei- ten wären. Zum dritten müßte ein längeres Moratorium erreicht werden, da Deutschland zu baren Zahlungen gar nicht imstande ist. Und endlich muß eine Verständigung mit der Gegenseite über die endgültigen Zahlungen Deutschlands erzielt werden.

Das sind die Kardinalpunkte, die bei allen Be­ratungen, die jetzt in Berlin stattfinden, immer wie­der in den Vordergrund gestellt werden müssen. Wir wissen, daß das auch seitens der Reichsregie­rung geschieht, wobei man sich über die endgültige Gestaltung der Dinge und über die Schwere der Opfer, die uns jetzt erst bevorstehen, nirgends einer Täuschung hingibt. Was wir aber unbedingt er­reichen müssen, ist die Wiederherstellung der Wirtschaftlichen und politischen Verfügungsfreiheit über b i e besetz­te n Gebiete, bie Wieberherstellung vor allem eines einheitlichen Wirtschaftsgebiets, um bie beut« sche Probuktion auf eine einheitliche Basis zu brin­gen unb sie auch einheitlich für bie Bebürfniffe von Reich unb Staat nutzbar machen zu können. Die kommenben Dinge werben nur bann zu einer gün­stigen Lösung geführt werben können, wenn wirk­lich ber wirtschaftliche Sinn über politische Tenden­zen die Oberhand gewinnt.

chor sckMt in stiller Abendstimmung zu den Wolken em- por: Sempiterni fons amorisCw'ger Liebe reine Ouelle, ber Betrübten Trösterin, fromme Mutter des Erlösers, grüß die Himmelskönigin!"Und mir tfis", als trügen bie Glocken und die zarten Töneeine Seele hnnmelswärtr". Unruhig ist ja unser Herz, bis es ruhet in dir, o Gott, hat der große Augustin so wahr gesagt. Mag deshalb Wagners Pilgerchor aus ber Oper Tann­häuser mtt feinen ruhig dahin arbeitenden Weisen und seiner vertrauenden Kraft diesen ernsten Abschnitt des Konzertes, der dem Bekenntnisse Gottes und ber Schn- sucht nach dem Himmel geweiht war, schließen.

Der folgenbe Abschnttt de» Konzertes gehörte mehr dem irdischen Leben unb seinen seelischen Gütern, ber frohen Jugend auf den Heimatfluren (Aus der Jugend- zett, Volksweise von Radecke, bearb. von Zilliken) mit dem verlorenen Glück des Herzens, das ber Wanderer in ber wetten Welt gelassen; leer dünkt ihm nun die Hei­mat, da er wie verkam: eine Mahnung an den unruffgen Geist unserer Zeit, die Stille und den Frieden der hei­matlichen Kinderzeil allzeit zu bewahren. Und wie ein Treuschwur zu unserem, von Feindeshorden btt er ge­quälten und zertretenen deutschen Daterlande klang da, folgende Lieb unseres heimischen Dichter» O Burghard», vertont von E. Krämer: Gott fcgie Deutschland! Wohl keiner ber Anwesenden hat im Innern nicht mitgesungen, als die letzte Strophe zum zweiten Male erklang:ver­loren und verlassen, wir dulden S hmach unb Rot; ein Opfer welschem Haffen, braut uns der sinst're Tob. Mag Rocht uns auch umgeben unb Wut und Höllenbrand: Gott segne Deutschland, segne mein Vaterland!" In der Ouvertüre zur OperTell" v. Rossini, baute dos Orchester diese Stimmung weiter aus und ließ sie zu einem wuch­tigen Ende kommen.