MUtw-ch, 30. Januar 1924.
Fuldaer Zeitung
<£+ Druck der Fuldaer Actteudruckerei in Fold»
ttaWk mv MeikWlk.
Der in Nr. 17 der Fuldaer Zeitung gebrachte Bericht Oer eine Elternversammlung dahier und die in ihm veröffentlichte Kritik über die Schule von früher, spöttisch Lernschule genannt, und die Schule von heute, ver> cheißungsvoll mit Arbeitsschule bezeichnet, veranlassen »dien längst der Schulbank Entwachsenen, eine kleine Betrachtung anzustellen, die beweisen soll, daß in der jßen Schule auch gearbeitet worden ist.
Dir mußten früher vormittags und nachmittags in hie Schule gehen. Es gab nur eine Pause, die Früh- Ese, und die Stunde dauerte 60 Minuten. Die dop- v^en Schulwege haben uns nichts geschadet und wir faß bei dieser guten Ausnutzung unserer Schultage ganz fltbficben. Heute wird mit nervöser Aengstlichkeit der JLnje Unterricht möglichst auf den Vormrtag zusam- mengedröngt und die Stunden dauern nur 45 Minuten. Zwischen je zwei Stunden ist eine Pause. Trotzalledem ’öet vielleicht gerade deswegen sind die Schulkinder heute nervöser, überreizter als früher. Sie sind auch chcht leistungsfähiger wie früher. Man mutet den Kindern heute nicht mehr das richtige Arbeitsquantum zu, darum schauen sie später den Ernst des Lebens.
Außer den üblichen kirchlichen Feiertagen und den Ferien, auf die wir uns natürlich riesig freuten, gab es nur noch Kaisersgeburtstag und Sedan frei. Heute gibt es fast alle Bierteljahr so einen außerordentlichen Nationalfeiertag mit Schulfrei sein Rest der Siegesfreiseuche hinten, während vorn ununterbrochen roeitergekömpst wurde), und doch will die Heranwachsende Jugend nichts mißen von Autorität und gesundem Nationalismus.
Früher lernten mir Katechismus und biblische Geschichte und freuten uns, wenn wir sie konnten. Der «ine Lehrer erklärte uns alles gut, der andere nicht so gut. Der eine Schüler lernte gut auswendig, der andere nicht so gut Aber ich freue mich, wenn ich meine Kinder Bibel und Katechismus vornehmen sehe, um zu fernen, und ich kann es ihnen noch auffagen und mich erbauen an dieser Philosophie und Ethik der beiden Dolksbücher. Wir mußten arbeiten. Heute dürfen die Kinder nicht mehr auswendig lernen. Sie sollen es nur durchlesen. Wo ist nun die Arbeitsschule?
Früher machten wir schwere Auffätze und gepfefferte Diktate und unsere Reinhefte wurden ehrfürchtig behan- dekt. Da gab es zuerst Vorbesprechung, bann Niederschrift, bann Verbesserung, dann Reinschrift. Und der Erfolg! Ich kann es nicht sagen, ob die Kinder von heute mehr lernen, wenn sie schreiben dürfen, wie sie wollen, damit ja ihre „Individualität" gewahrt bleibe, wenn sie nach jedem Schulausfluge das Thema bekommen „Unser Schulausflug", nach jeden Ferien „Wie ich meine Ferien verlebt habe", und Vater und Mutter nun helfen müßen, damit etwas zu Papier kommt. Früher half uns der Lehrer, bamit etwas zu Papier kam. War das keine Arbeitsschule?
Im Rechnen, da lernten wir schwere Druchrech- mmgen und Wurzelausziehen, von Gesellschasts- und Mischungsrechnungen gar nicht zu sprechen. Der Lehrer erklärte es uns; einige begriffen es und andere nicht und schrieben ab. So wird es auch wohl noch heute sein trotz „moderner Arbeftsschule". Jedenfalls war mir das, was ich mir tn der Volksschule bet meinem alten Lehrer verarbeitet hatte, ein gutes Fundament für meine Gymnasial- und spätere Studienzett.
Wenn ich mich noch an die Geschichte- und Geogra- phiestunden des würdigen Herrn Lehrers erinnere, so muß ich gestehen, wir haben in diesen Stunden gearbeitet. Wir mußten es wieder erzählen und auf der Karte zeigen. Liebe zum Vaterlande und Respekt vor der Obrigkeit (fein Kadavergehorsam nach rusiisch-bol- schewistisch-kommunlstischem Muster vor den Dogmen des Materialismus) verdanke ich diesem Unterrichte. In der Geographie mußten mir in der Heimat Bescheid und in den fernen Erdteilen. Wir lernten Länder, Berge, Flüffe, Völker und zeigten sie auf der Karte und freuten uns, wenn der Lehrer schöne Geschichten davon erzählte. War das nicht Arbeitsschule? Wie es in der Arbeitsschule von heute gemacht wird, weiß ich nicht. Die Kinder müßen basteln, Stäbchen legen und anderes mehr. Da gibt es einen Sandkasten und die Kinder machen darin Berge und Täler und Flüße und Städte und Dörfer. Aber wenn sie Bescheid wissen sollen, müssen sie lernen. Und daran scheint es zu fehlen, denn sie mißen nicht Bescheid. So ift es auch im Rechtschreiben und im Auffatz und im Rechnen usw. Ich finde nicht, daß die Jugend von heute selbständiger im Denken und reicher an Wißen geworden ist, obwohl sie aus der modernen Arbeftsschule hervorgegangen ist. Mir scheint, daß in der Schule von heute nicht so intensiv wie früher gearbeitet wird und um das zu verbergen, nennt man sie Arbeitsschule.
Und in der höheren Schule! Was haben mir lia gearbeitet, um Latein, Französisch und Griechisch zu lernen. Englisch war dann eine Kleinigkeit. Wenn
«Eine Märtyrerin -er pflicht.
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So lagen die Dinge, als ihr der unerwartete Vorschlag, der ihr unterbreitet wurde, ganz unverhofft die Möglichkeft bot, das Joch, dessen sie überbrüßig gewor- den, früher als sie gedacht, von sich zu schütteln. Bei dem Gemütszustände, in dem sie sich befand, hätte sie bas vorgebrachte Projekt daher mft Freuden begrüßt, wenn ihr Vater «es nicht unsympathisch gemacht hätte, indem er Forderungen daran knüpfte, denen sich Gilberte im Hinblick aus ihr Glück und ihre Würde nicht fügen konnte.
Sie war zu unabhängigen Geistes, machte sich namentlich eine zu hohe, eine zu persönliche Vorstellung von den Bedingungen einer glücklichen Ehe, als daß sie unfreiwillig, gezwungen geheiratet hätte. Bevor sie ihre Zustimmung zu einer Heirat gab, wollte sie die Gewih- heft erlangen, daß die Ansichten und Meinungen des Mannes, den man ihr vorstellte, mit den ihrigen harmonierten, daß sie ihn lieben und an seiner Seite glücklich sein könnte. Sie wollte ihn kennen mit einem Worte. Etwas anderes hatte sie mich ihrem Vater nicht gesagt, und wenn sie sich erinnerte, daß er darob in Zorn geraten, fühlte sie ihr Mißtrauen nur höher steigen. Sie erblickte in seinem Zorn, den keines ihrer Worte rechtfertigte, einen Beweis der Niedrigkeit und Unroürbigfeit des Werbers. Wäre er der Mann gewesen, wie er ihr vorschwebte, ihr Vater hätte sich gewiß nickst von seinem Unmut übermannen lassen, sondern hätte ihr Recht gegeben und das Für und Wider der ins Auge gefaßten Verbindung mit ihr erwogen. Indern er den Versuch machte, fein -n Schützling gewaltsam einzuführen, hatte er ihn unannehmbar gemacht.
Daß der junge Mann von Adel und Marquis war, daß er einer berühmten Familie enistammte, hatte für Gilberte so gut rote feinen Wert. Titel und Rang lockten sie nicht, sondern stießen sie eher ab. Niemals hatte sie sich in ihren Zukunftsträumen so hoch verstiegen, niemals daran gedacht, den steilen Weg zu den toben der gesellschaftlichen Stellung emvorzuklimmen,
ich so zurückdenke, welche Mühe haben sich die Profefso- ren gegeben, um alles klar zu machen. Hatten wir erst einige Kapitel der alten Schriftsteller gründlich durchgearbeitet, bann ging bas andere von selbst. Die Ex- temporalien waren herzerquickende Knacknüße für die Fähigen und Fleißigen. Es gab Aufsätze nicht nur tn deutscher Sprache, sondern auch in den fremden Sprachen, befönbers im Lateinischen. Sie mögen nun ausgefallen fein, wie sie wollen, jedenfalls war der ganze Betrieb geistbildend und nur für die Faulen und Unfähigen geisttötend Und sind die Studenten, die aus »olchen Arbeitsschulen hervorgegangen sind, -ruf der Universität nicht viel wert gewesen? Ihre Geisteskräfte waren sicherlich ebenso geschull wie die des Nachwuchses von heute und das Schrsckroort vom „toten Wißen" trifft auf sie ganz und gar nicht zu. Aber da kam ein hoher Prinz ins Gymnasium, fand keinen Geschmack an den alten Sprachen, langweilte sich bei der gründlichen Durchnahme der Klaßiker, hielt sich für eine universelle Geistesgröße, die bestimmt war, dem alten humanistischen Arbeitsgymnasium den Garaus zu machen.
Man will der Jugend das Lernen durch die Arbeitsschule von heute leicht machen. Das laße ich gelten. Man will sie vor Ueberfütterung bewahren. Auch das laße ich gelten. Aber es müßen aus der Schule geschulte und gut erzogene Menschen howorgehen, und das geht nickt ganz ohne Mühe und Arbeit, denn ein alter Philosoph, Sfofrates mft Namen, soll gesagt heben: „Die Wurzel aller Bildung ist bitter, aber ihre Früchte sind süß." Die alte Schule wußte dies. G . . d.
Der nationalistischen Phrase, die nur geeignet ist, ASicherungen echter Vaterlandsliebe in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen, fallen heute manchmal Leute Mn Opfer, von denen man etwas anderes erwarten könnte. Welche G e f a h - r e n in diesen überhitzten Redensarten lauern, mag em Wahlplakat beweisen, das von den Nationalsozialisten in Weimar öffentlich angeschlagen worden ist. Darin heißt es u. a.:
Auf zur Besinnung!
Herunter mit dem Juden-Sowjetftern! Hoch das Deutsche Hakenkreuz!
Senat begeht, wer am Wahltage die Listen der Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum, Voltspartei und Deutscbnalionale wählt. Sie alle stehen unter der Führung Alljudas. Wir fordern ein freies Groß-Deutschland! Schließung der Börsen, Verbot der undeutschen und Judenpresse, Verabschiedung der Inden aus den Sraatsstellen usw. Unsere Parole ist Freiheit und Brot! Es lebe der bölkrsch-nationalsoziallstifche Staat! ES lebe Adolf Hittler!
Nieder mit der Monarchie unter Gnaden Alljudas und des römischen Papftes!
Unterschrift: Otto May, Propagandaleiter, Bad Sulza/ Thüringen.
Dor dem nationalistischen Radikalismus dieser Leute finden also jetzt Deutschnationale und Monarchie ebensowenig Gnade wie der „römische Papst" und die Juden. Solche Kundgebungen zeigen, wie recht der Reichsausschuß der Zentrumspartei hatte, als er den R a d i k a l i s m u s a l l e r A r t als den Feind bezeichnete, gegen ben die verantwortungsbewußten Parteien ihre ganze Kraft etnzusetzen hätten.____
schule und Volksbildung.
— Dar neue deutsche Lesebuch Ein jüngst ergangener Erlaß deS Ministers Boclitz regelt die Fraoe der Umgestaltung der Lehrbücher unserer Schuljugend. An erster Stelle steht das neue deutsche Lesebuch. In dem Erlaß des preußischen Kultusministers heißt es prinzipell: daS Lesebuch soll einen Weg zur deutschen Bildung bieten. Es hat in ganz besonderem Maße mit- zuwirken, daß daS Ziel der deutschen Schule erreicht wirb: Erziehung der Jugend zu sittlicher Bildung, zu staatsbürgerlicher Gesinnung, zu peesönftcher Tüchtigkeit im Geist deS deutschen Volksiums und der Humanität. DaS Lesebuch hat mitzuwirken, daß unsere Knaben und Mädchen geistig und mit dem Herzen Kinder des Landes werden, daS sie geboren hat, daß sie aber auch Verständnis gewinnen für Wesen und Leistung der fremden Kulturen, die auf die deutsche Geistesbildung einaewirkt haben. DaS Lesebuch hat eine anschauliche Darstellung des deutschen Kulim willens auf allen Wertgebieten unter bewußter Förderung der Verstandes-, Willensund Gefühtsbildung zu geben. Es soll dadurch Verständnis für die Eigenart deutschen Wesens, soll Volks, und Staatsgesinnung und das Gefühl der Verpflichtung wecken und begründen Helsen. Aus allen Stufen ist dem Auslandsdeutschtum die gebührende Aufme kiamkeit zu schenken und den Mundarten Raum zu gewähren. Die weiteren Bestimmungen beireffen die Gestaltung der Lehrbücher für die einzelnen Schulstufen, wobei in der äußeren Form der Lehrbücher weitgebende Freiheit gelaßen wird, und die Lehrbücher für die fremden Sprachen.
wenn ihr auch die Gelegenhett dazu geboten werden sollte. Sie war in einer bescheidenen Umgebung geboren worden und hatte die Vorteile und Befriedigungen einer vornehmen Lebensweise um so weniger kennen gelernt, als die ihrige bei allem Reichtum stets eine höchst einfache, ungekünstelte geroefen, und diese Existenz gedachte sie auch weiterhin beizubehalten. In ihren Augen bestand das Glück darin, von der Welt nichts zu verlangen und nichts zu erwarten, nur insofern mit ihr zu verkehren, als dies unumgänglich notwendig fein würde, und all ihre Wünsche und Anforderungen auf das eigene, durch beiderseitige Liebe und Vertrauen verschönte Heim zu beschränken.
Wenn Lukas Simonnet gemeint hatte, seine Tochter durch den Rang und die Wurden des Mannes, den er sich zum Schwiegersöhne wünschte, blenden zu können, so hatte er sich gewaltig verrechnet. Sein Manöver hatte keine andere Folge, als feine Tochier zu einer Frage zu veranlassen, die sie sich immer wieder vorlegte:
„Weshalb will der Marquis v. Fosieuse ein so bescheidenes, unbedetttendrs Mädchen wie mich heiraten, wenn er dadurch nicht zu Reichtum gelangen wollte? Ihn lockt meine Mitgift, nicht meine Person selbst, denn er hat mich niemals gesehen, weiß daher auch nicht, ob ich schön oder häßlich bin, ob ich einige Vorzüge oder nur Fehler besitze."
Und dies genügte, um sie geneigt zu machen, der Werbung, deren Gegenstand sie war, eine sofortige, unzweideutige Ablehnung entgegenzusetzen.
Jndesien sah sie ein, daß es notwendig sei, dieser Neigung nicht, sofort nachzugeben, den Vorschlag ihres Vaters nicht auf der Stelle abzulehnen, indem sie feinen Schützling überhaupt zu empfangen verweigerte. Sie war es Simonnet schuldig, sein Anerbieten zu prüfen, Herrn von Fosieuse zu empfangen, falls er sich einfmben sollte, unb ihn ohne Voreingenommenheit zu beobachten. Schlleßlich mochte er ja boch ein rechsch flener Mann fein unb ganz ausgeschlossen war es mich nicht, baß er über jene Eigenschaften des Geistes und des Herzens verfügte, die ein junges Mädchen rote sie von dem Gefährten ihres Lebens mit Recht fordern durfte. Ss man eine ar« Ungeredtflatat ihrerseits gewesen,
M flirt Den MMen Stielen?
Herr P. Raimund Böhmer, Pastor in Salmünster, schreibt uns:
Das Fuldaer Beiblatt der „Nachrichten" bringt in feiner Samstagsnummer auf Seite 5 einen Angriff aut die katholische Kirche, der wegen der darin enthaltenen Unwahrheiten nicht unbeachtet bleiben darf.
Zur Klarstellung der Wahrheit diene folgendes: Als mir nach der Konversion des RenMers St. scharfe Vorstellungen wegen meiner „Taktlosigkeit" gemacht waren, nahm ich zwei einwandfreie fernstehende Zeugen und ließ mir solgende Fragen beantworten: 1) „Seit mann tragen Sie sich mit dem Gedatften, katholisch zu werden?" „Seit VA Jahren", „©eireinem halben Lahre?" „Nein, seft einem und einem halben Jahre". 2) „Ist es freier Wille und eigene Ueberzeugung, oder hot Sie jemand beeinflußt?" „Eigene Ueberzeugung." 3) „Liegt irgendwelche Beeinflussung vom kath. Pfarrer vor, direkt oder indirekt?" „Gott bewahre! Nein, nein! 4) Herr Pfarrer W. meint, Sie feien genötigt worden!" „Wie kann der nur so etwas behaupten!" 5) „Was hat Sie bisher abgehalten?" „Aeußere Rücksichten."
lieber diese Fragen hatte ich vorher weder mit ihm noch mit den Angehörigen eine Silbe gesprochen, sodaß keine Beeinflussung möglich war. Die Zeugen muhten sich vorher vergewissern über das vollständig klare öe- wußtsein und die Urtellssähigkest, des Kranken. Nun vergleiche man diese Darstellung mit- dem Bericht tn den „Nachrichten"! . . ,
Obschon ich aus vielen Aeußerungen (rote auch aus den in den „Nachr." erwähnten „inneren Kämpfen ) bte Neigung SL’s zum katholischen Glauben ahnen konnte, habe ich doch keine Andeutung gemacht, ober irgendwie auf ihn einzuwirken gesucht, was doch nahe gelegen hätte. Selbst als er ben Antrag stellte, ich moch.e thn in die kath. Kirche aufnehmen, erklärte ich ihm: „Darm sind Sie vollständig frei, das müßen Sie selbst wissen! , sodaß er erwiderte: „Das weiß ich. Sie haben sich ganz korrekt benommen. Sie haben es an sich h^an kommen lassen!" Kennt man das „Proselyienmacherei t
©elbft ein Glied der eoanq. Gemeinde Salmünster mahnte gegenüber d-m Sturm, der wegen des Übertritts eiftfacht wurde, zur Besonnenheit, indem es sagte: „Wenn es b;c Katholiken so machen wollten, wohin kamen rotr bann? Die dulden uns doch auch, ohne etwas zu lagen. Zwei evang. Aerzte arbeiten hier, und ferner kann sich beklagen, daß irgendwie religiöse Differenzen vorkommen. Im kath. Schwesternhause «ft .ein enangel. Hausarzt, keiner findet etwas bann! So bie Ansicht aus dem eigenen Lager unserer Gegner — Ja, „wenn bie es auch so machen wollten! Wer ift also ber Störenfried? Haben nicht die Katholiken das schöne Einvernehmen zu stützen und zu wahren gesucht?
Als vor einigen Jahren ein Katholik vor feinem Tode zum Protestantismus übertrat, haben die Katholiken nicht eine solche Szene vollführt. Wer stört also den Frieden? „ .
Die Katholiken, und nicht zuletzt der katholische Pfarrer, haben geholfen, daß hier eine evang. Schule erstehen konnte. _ „
Hat jemals ein Katholik aus Salmünster eine evan- gelische Predigt besucht, um sich dann nachher über Pre- digt und Prediger öffentlich lustig zu machen, sie zu verspotten und zu verhöhnen, wie es vor kurzem tn der Missionserneuerung ein Glied der evang. Gemeinde Salmünster bei einem Pater gemacht hat? Die Katholiken haben in edler Toleranz sich das alles bieten laßen und haben geschwiegen! Wer also stört ben Frieden?
Ist es etwa „eoanneIifch", eine solche rein Srioate und Innere Seelenangelegenheit in die effentlichkeit zu zerren und zum Gegenstand der Zeitungsdebatte zu machen? Widersteht es nicht ledem rett- giös und human empfindenden Menschen, die seelischen Vorgänge im Herzen eines jetzt im Grabe ruhenden Mannes vor aller Oeffentlichkeft zur Untersuchung zu bringen? Dient man so dem konfessionellen Frieden?
Es ist unvermtroortlich und unverzeihlich, daß dieser von den Katholiken so geschätzte und bewahrte Frieden und das harmonische Zusammenleben in so frivoler Weife zerschlagen wird.
Ich will mich nicht auf Zertungsfehden einlaßen, mußte aber Vorstehendes zur Rechtfertigung Vorbringen.
Wissenschaft und Zorschnng.
— Chinesen a'r Entdecker Amerikas? Anschließend an die Notiz in Nr. 23 dieser Zeitung, daß im Staate Idaho in Nordamerika etwa 30 000 Jahre alte Inschriften gefundln wurden, die an das Chinesische erinnern, erlaube ich mir darauf hinzuwesten, daß nach einer alten chinesischen Chronik aus dem Jahre 458 fünf buddlstische Missionare auszogen und in cm etwa 6500 Meilen von der ostasiatischen Küste gelegenes Land turnen, daS jener Beschreibung nach Mexiko gewesen sein mutz. Als Berichterstatter jener Reise ist ein Bonze namens Hui-Schan genannt. Das Schriftstück stammt aus dem Jahre 502 n. Chr. und liegt im Archiv der Ljang-Dynastie. Das neue Land ist Fusana oder Fusu genannt. In der Tot finden sich in Mexiko sehr alte Spuren chinesischer Zivilisation. So fano man eine Grabsäule, die einen Brahminen in vollem Ornat darstellt, einem Budda der mit gekreuzten Beinen auf einen von zwei Löwen getragenen Throne sitzt und andere Reste, die darauf hindeuten, daß hier einst
ihn für die Taktlosigkeit und Ungefchicklichkeft feines An- roaltcs büßen zu lassen, indem sie ihn überhaupt nicht kennen lernen wollte; es erschien ihr wie ein Gebot elementarer Gerechtigkeit, sich nicht früher zu äußern, als bis sie ihn gesehen und mit ihm gesprochen haben würde.
Diese verschiedenen Erwägungen hatten denn zur Fvlge, daß sie in aller Ehrlichkeit die Bekanntschaft des jungen Edelmannes zu machen wünschte. Sie wollte ihren Vater nicht durch ihren Widerstand erbittern, ohne einen triftigen Grund für einen solchen zu haben, und dann wäre es jedenfalls sehr unklug von ihr gewesen, die sich ihr darbietende Gelegenheit, sofort frei zu wer- den. ohne ihre Großjährigkeft erwarten zu müssen, von Dornyerein zurückzustoßen, ohne sich überzeugt zu haben, daß sie sich ihrer mit Nutzen bedienen könne oder nicht. Sie faßte ihren Beschluß mit der Bestimmtheit, die sie in allem und jedem bekundete, und nachdem dies geschehen kehrte sie in den Salon zurück, um ihr^ Vater von ihrer Absicht in Kenntnis zu setzen.
Sie traf ihn aber nicht mehr an; ihre Großmutter war allein.
„Papa ist nicht da?" fragte sie.
„Er hat sich soeben entfernt und wahrscheinlich auf fein Zimmer begeben," erwiderte Frau Regnard.
„So werde ich ihn also dort auffuchcn," fuhr Gilberte fort.
„Du hast mit ihm zu sprechen?"
„Ich will ihm sagen, das heißt nur wiederholen — denn gesagt habe ich es ihm schon — daß ich bereit bin, Herrn von Fosieuse anzuhören ur.o ihn von dem ehrlichen Willen geleitet, empfangen, seine Gattin zu werden, wofern er mir gefällt und ich ihm gefalle."
„Weshalb willst du chm das nochmals sagen?" fragte die alle Dame erstaunt.
„Um ihn zu beruhigen. Du hast ja gesehen, Groß- mama wie aufgebracht und zornig er war. Er wird sich gewiß beruhigen, wenn er die Ueberzeugung schöpft, daß ich ihm nicht ohne Grund widerstrebe und daß ich bloß aufgeklärt und orientiert sein will, bevor ich einen Eift- fchluß faße,"
Chinesen gesessen haben müßen. Auch Begräbnisstätten von Chinesen wurden später aufgefunden, soüatz Kolum- bus nicht der erste Enioccker dieses neuen Erbteus war. Dabei sei gleichzeitig erwä.nt, daß auch die Normannen, unabhängig von dieser Cpmescnfahrl auf ibren Witin, er schiffen bereits vor Kolumbus bte Gestade Amciilas an- liefen, sodaß dieses Land eigentlich dreimal entdeckt wurde. Ob nun diese an edlich 30000 Jahre alten Schriftzeichen wirklich eine Urschrift sind oder ob sie nicht auch mit dem Aufenthalt der Chinesen um 502 m Zusammenhang gebracht werden rönnen?
Johannes Hack, Petersberg.
Das Organ der kath. kausm. vereine, die,Meikuria^ bringt in Nr. 10 einen Artikel, worin es heißt:
Wenn der Angestellte angesichts der Notwendigkeit der Mehrproduktion auch bereit ist, bei freier gegenseitiger Vereinbarung Mehrarbeit zu leisten, so kann und * wird er nur bann hierzu bereit sein, wenn ihm die übrigen sozialen Einrichtungen nicht auch genommen werben. Für biesen Standpunkt sollte man auch in Un- ternehrnerkreisen Verständnis ooraussetzen. Ein Abgehen der Industrie von ihrem Machtstandpunkt ist aber auch aus politischen Gründen notwendig. Die So- zialüemokratie hat versagt. Diese Erkenntnis bricht sich selbst in den Kreisen der sozialdemokratischen Arbeiier- massen Bahn. Zeigen die Unternehmer das nötige Entgegenkommen, dann düifte es nicht schwer halten, einen großen Teil der Arbeiterschaft für die bürgerlichen Parteien zurückzugeroinnen. Auf allen Seiten würde das nationale Bewußtsein, das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden. Im anderen Falle aber wird es nicht aus- bleiben, baß große Teile ber Arbeiterschaft dem radikalen Kommunismus in die Arme treiben. Eine zweite Revolution, schlimmer als die erste, würde die Folge fein. Darum zurück, bevor es zu spät ift Die Zett ist da, wo das Unternehmertum zeigen kann, daß der Arbeiter und Angestellte mehr bedeutet, als ein kaltes Nechenexempel, daß es bereit ist, auch im Arbeiier und Angestellten den Menschen zu achten. Aus dem Mün- sterschen Verbandstag des Verbandes K.K.V. rief dessen Vorsitzender am Schluß seiner Rede über den „katholi- schen Kaufmann, Staat und Gesellschaft" ben Führern der deutschen Wirtschaft mit allem Nachdruck die Mahnung zu, die wir dem Unternehmertum zur Beherzigung empfehlen: Laßt ab von dem Nur-Mammon-Geist, be- denkt, daß ihr nach Leo XIII. dereinst strenge Rechen- schäft ablegen müßt darüber, was ihr mit eurem Reichtum angefangen, daß gerechter Besitz und gerechter Gebrauch der Wirtschaftsgüter zwei ganz verschiedene Dinge sind. Geht ihr Europas Wirtschaftlern voran! Laßt die Wfttschaft wieder christlich werden, auf daß wieder Menschenglück auch aus dem Füllhorn der Wirtschaft strömen möge zu Nutz und Frommen eines jeden einzelnen von uns, zu Nutz unb Frommen ber Gesamchelt.
«acholische Welt.
= (Ein Ilarweltter-rklotzer in MLnS en Am 23 Jan wurde in aller Stille das neue, an der Hindcnburgstr gelegene Karmcliteikloster ein eweibt. Damit ist in München eine neue Niederlassung des altehrwürdigen Karmeliterordcns ins Leben getreten, nachdem das alte Kloster am Promenadeplatz ber Säkularisation zum Opfer gefallen war.
Eingesandt.
Schornsteinfeger haben anscheinend tn dieser Zeit des Entbehrungsfaktors das Privileg, ohne Entbehrungsfaktor auszukommen. Wer in den letzten Wochen Schornsteinfegergebühren bezahlen mußte, mar niedsr- geschmettert, wenn er das. was er bezahlen mußte, mft dem verglich, was er selbst zu verdienen heute in der Sage ist. Vielleicht wendet sich der Herr Reichssinanz- miniftcr, der so besorgt darüber wacht, daß ein Erft- behrungssakior überall in Anwendung kommt, auch an die Herren Landräte, daß sie die Schornsteinfeoergebüh- ren in Einklang mft dem allgemeinen Minderverdienst bringen. Ein Entbehrender.
Zum Thema: Mieten. Auf das „Eingesandt" dieser Zeitung vom 26. Jan., „Mieten", ist zwar berefts von anderer Seite in der Sonutagnummer eine ganz treffende Erwiderung erfolgt, die wir aber in Punkto 7. Gebot noch etwas unterstreichen möchten. Diesen mit „Mehrere Mieter" gezeichneten Artikelschreiber, der die Hausbesitzer offen des Diebstahls bezichtigt, weil sie die gesetzlich festgelegten Bruchteile der Friedensmieten einziehen, würden wir gerne einmal persönlich kennen lernen, damit wir ihm sagen können, wer von beiden Teilen „Mein" oder „Dein" verwechsstt. Wir möchten ihm ferner, da er in den 10 Geboten Gottes fo genau Bescheid weiß, das 10. Gebot Gottes ins Gedächtnis rufen und es ihm vor Augen halten, welches heißt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochs. Esel . ." Im llebrigen ist es sehr intereßant, einmal die wirklich von Mieterseite im Laufe des Jahres gezahlten Mieten, am Werte der Goldmark gemeßen, kennen zu lernen. Wir wollen dies in der nachfolgenden Tabelle veranschaulichen. Die
„Um aufgeklärt zu werden, brauchst du nicht zu märten, mein Kind. Ich habe selbst mit deinem Vater gesprochen unb bin nunmehr genügend orientiert, um dir jetzt schon die Möglichkeit einer Entscheidung zu bieten."
„Ohne daß ich Herrn von Fosseuse gesehen habe?" rief Gilberte aus. „Ohne mit ihm gesprochen und erfahren zu haben, wie es um sein Gemüt und feine Intelligenz bestellt ist?"
„Es handelt sich augenblicklich nicht darum, ob ei in Bezug auf Gemüt und Intelligenz deiner würdig ift, sondern darum, ob du ohne Rücksicht auf feinen moralischen Wert ihn unter den Bedingungen heiraten kannst, unter denen dein Vater ihn dir vorstellt, ferner ob es sich mit deiner Würde verträgt, ihm gegenüber als die Mitschuldige an einem Tatbestand zu erscheinen, der nur zu sehr geeignet ist, einen unwiderstehlichen Druck aus ihn auszuüben, so daß er gezwungen ist, um deine Hand anzuhalten. Diese Frage überwiegt alle anderen und muß in erster Reihe gelöst werden," schloß Frau Regnard.
„Ich verstehe dich nicht recht, Großmama."
„Höre zu und du wirst verstehen. Dieser junge Mensch, ber vor acht Tagen noch nicht einmal ahnte, daß du auf der Welt seiest, konnte unmöglich von selbst auf den Gedanken kommen, dich zu heiraten. Erst dein Vater, ließen Schuldner er als Erbe des {einigen geworden, wies ihn auf dieses Mittel hin, um sich Luft zu machen und feine Schuld von sich zu schütteln. Im Vereine mit feiner Mutter hat er sich lange gegen dieses abstoßende Projekt gesträubt. Doch dein Vater drohte, mit aller Strenge des Gläubigers vorzugehen und so gab der Unglückliche nach, um gerichtlichen Schritten aus dem Wege zu gelten, die feine Not und fein Elend aller Well bekannt gemacht hätten. Dein Vater hat dich ihm aufgedrängt, gleich wie er ihn dir aufzudrängen sucht. Und nun urteile selbst, mein Kind, ob du feine Werbung, die nichts weniger denn eine freiwillige genannt werden kann, annehmen darfst."
Gilberte war leichenblaß geworden und dies zeugte zur Genüge für die Aufregung, die sich ihrer bemächtig, hatte.
(Fortsetzung folgt.)