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Mittwoch, 30. Januar 1924

Nr. 25

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Berautwortiich iwc bie EckrtttleNunsi St. Sobanneb St tarnet. Anzeiscn: 3- ® ersellet. Sulba. Rotationsdruck und Verlas bet ~ Fuldaer Ltttenbruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9. ::

VeruftSdretS: Nonat Januar 2.8V Kolbmark Itei t>auS-

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.

ZA Mr Oer GMMMnl.

wtb Paris, 29. Ian. (IcL) DerTtero- york Herold" will über das Ergebnis der S ach- verständigeuberatungen über die kom­mende deutsche Eoldnotenbank unterrichtet sein, die nach dem Blatte in der gestrigen letzten Sitzung in Paris so gut wie abgeschlossen sein sollen.

Der Plan des Sachverstöndigenkomitees sehe eine Bank vor, die eine neue Währung auf der Grundlage der deutschen Goldreserven und Devisen aurgeben würde. Die Beträge werden von den deutschen Staatsangehörigen selbst «nd von auslSndischen Zeichnern aufzubringen sein. Die Relchsdank werde aufhören, offizielle deutsche Notenbank zu sein. Der »Rewyork Herold- ist demgegenüber der Aufiassnng, datz die von Dr. Schacht geplante Goldnotenbank dazu bestimmt fein solle, ausländische Kredite zu sichern. Der Plan des Komitees ist, datz die Reichsbank Regierungsnotevbank bleiben solle. Die Deutschen, so fügt der »Rewyork Herald" hinzu, hakten eine Dank im Sinne, die sich den derzeitigen VerhSlt- nisseu anpasse, während der Plan der Sachverstän­digen 1) eine neue deutsche Währung und 2) ein ausgeglichenes Budget enthalte. Die Sachverstän­digen lehnten es entschieden ab. sich irgend einen Plan zu eigen zu machen, der die Emissionen der Reichsbank zur Grundlage habe.

Hebet die Verhandlungen des Lnsschusie« m der Eisen bahn frage will das Blatt wissen: Obwohl der Ausgleich des deutschen Budgets eine ungeheure Aufgabe sei. hätten Beratungen mit den Eisenbahnsachverständigen das Komitee von dem den deutschen Eisenbahnen innewohnenden Werte zu überzeugen vermocht. Er werde auf 2830 Milliarden Goldmark angeseht. wobei hervorge­hoben wurde, datz sie völlig schuldenfrei seien. Das deutsche Eisenbahnbudget werde nicht nur zur Bolanzierung des deutschen Budgets beitragen, sondern könne auch als Sicherheit für Anleihen dienen. *

Nachdem Reichsbankpräsident Dr. Schacht mit oünstiqen Aussichten für die Gründung einer neuen'deutschen Goldnotenbank aus Pans zuruck- aekehrt ist, hat die Reichsregierunq Geheimrat Dr. Louis Hagen in K ö l n brieflich erpicht, er möge feine Bemühungen um die Gründung einer befon. deren Rheinisch-Westfälischen Noten­bank e i n st e l l e n. Darauf ist bereits em Antwort­schreiben des Geheimrats Hagen eingegangen, mit welchem er mitteilt, daß das bereits ge­schehen sei-

WWW 6er ZWsWll- ÄMlM.

Wie dieBoss. Ztg- wissen will, W.awWn dem Reichsfinanzministerium und dem Reichsjusttz. Ministerium eine Vereinbarung getroffen wor­den, wonach im Rahmen der dritten Steuernower- ordnung die Hypothekenauftvertmig generell aus 10 Prozent des Dorkriegswertes b^ grenzt wird. Rur in Ausnahmefällen kann durch gerichtliche EntscheLmng darüber hinaus bis zu 25 Prozent gegangen werden.

Das Reichskabinett wird, dem Blatte .zufolge, sm Dienstag über diese Vereinbarung, Beschluß fai- sen. Ob für die Aufwertung der Obligationen dieselben Sätze gelten sollen wie für Hypotheken, steht noch nicht fest.

Verhinderung der Vahlreform?

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Mit starker Verwunderung haben weite politische Kreise die Berliner Meldungen oernommen, aus Venen hervorzugehen scheint, daß bestimmte führende Parteikreise eine Wahlreform vor den kommenden Neuwahlen nicht in Angriff zu nehmen geneigt feien. Als Gründe für eine derartige Einstellung, hie auch dem Reichskanzler mitgeteiü worden sind, bezeichnet man einmal den Umstand, daß durch ein Ermächtigungsgesetz diese Fragen nicht geregelt ^er­den konnten, und daß zweitens wegen der Kurze der bis zu den Neuwahlen zur Verfügung stehen­den Seit diese Fragen nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt gelöst werden könnten.

Bezüglich des ersteren Einwandes, daß diese Dinge nicht durch em Ermächtigungsgesetz geregelt werden könnten, gibt es wohl kaum irgend eine Meinungsverschiedenheit. Aber ganz. und gar nicht ehwerftanben können wir uns mit der zwei­ten Begründung erklären.

Die Mängel des gegenwärtigen Wahlvcrfahrens liegen so offen zu Tage und sie haben im Laufe der letzten Jahre und Monate so schwere innerpotitische Hemmungen verschuldet, daß man eigentlich erwar­ten müßte, daß die berufenen Faktoren alle Kräfte auf Abstellung dieser Schwierigkeiten konzentrier­ten. Der größte Mangel liegt darin, daß bei dem heutigen Verfahren der Wähler so gut wie gor keine engere Fühlung mit derienigen Persönlichkeit hat, die er auf Grund des Listen-Systems gewählt hat. An dem Wahlsystem als solchem will kaum jemand rütteln, aber die technische Durchgestaltung dieses Systems wird allenhalben dringend ge­wünscht tmd sie läßt sich einfach gar nicht mehr auf­halten. Wenn wir zu der unerläßlichen Gesundung unseres polltisch-parlamentarischen Lebens kommen wollen, dann nmß insbesondere das System der Aufftellung der Kandidaten-Listen von Grund auf geändert werden. Der ganze Sinn des Wahlrechts jniri) sabotiert, wenn der Wähler nicht unmittelbar

seinen Einfluß auf die Bestimmung derjenigen Per- sönlichkeit, die sein Vertrauen hat, geltend machen kann. Die gegenwärtig beliebte Art der Kcmdidaten- Aufstellung fördert auch das Ueberwuchern berufs- ständiger innerpolitischer Interessen-Einflüsse, die sich auch bei de Gestaltung der politischen Dinge so verhängnisvoll geltend machen. Selbstverständlich muß den einzelnen Berufs- und Erwerbsgruppen im Parlament eine ausreichende Vertretung gegeben werden, aber der Vertreter dieser Kreise muß sich auch das Vertrauen im ehrlichen Kanipf er wer« ben. Don dem in vielen Fällen geradezu demora- lifieren'ben System der direkten Ernennung solcher Vertreter, wobei diejenigen den Vorrang haben, Ü« am robufteften aufzutreten verstehen, müssen wir ganz entschieden abrücken. Wir würden es aus allen diesen Gründen als ein Verhängnis für unsere kommende politische Entwicklung ansehen, wenn sich der gegenwärtige Reichstag nichk entschließe,! könnte, diesen offensichtlichen und immer wieder mit Recht beklagten Fehlern durch energische Inangriffnahme einer Wahlreform noch vor den kommenden Neu- wählen zu Leibe zu gehen. Würde dieser Reichstag den Willen und die Kraft hierzu nicht mehr aufbrin­gen, bann würde er selber das parlamentarische System zugrunde richten.

Wie uns aus Berlin mitgetsilt wird, hat in weiteren politischen Kreisen die Nachricht, daß die Wahlreform auf den Einspruch verschiedener Partei­führer vor den nächsten Reichstagswahlen nicht ftatt- finden sollen, lebhafte Erregung hervorgerufen. Man verweist in diesen Kreisen auf die nach Abhilfe direkt drängenden Mängel des gegenwärtigen Wahl­verfahrens, das man übrigens auch für so viel Miß- Helligkeiten und Krisen verantwortlich macht. Es ist nunmehr eine Bewegung entstanden, die darauf hinzielt, eine Volksabstimmung über die Frage, ob eine Wahlreform darüber herbeizuführen, ob die Wahlreform noch vor den nächsten Reichs- tagswahlen durchgeführt werden soll.

Sie «Mlißk SeiBlnlwn ii WM.

Die PlSns Macdonalds.

Vor dem h tler-prozeh.

Wtb München, 29. Jan. (Tel.). Zur Teil­nahme am Hitterprozctz haben sich über 50 Presse­vertreter gemeldet. Der Verhandlungssaal faßt nur ICO Personen. Es steht fest, datz Oberstleulnsnt Lriedcl, der militärische Führer des fiampfbun- des, am 18. Februar sich zu verantworten haben wird. Die gemeldete Erkrankung des Rates am Obersten Landesgericht Pöhner scheint nicht so schwer zu fein, datz er nicht verhaudlungssähig fein werde, keinesfalls wird dis Eröffnung des Prozesses verschoben. Jn diesem Fall würde das Verfahren gegen Pötzner abgetrennt. Ob General- stüalskonmüssar v. Kahr, General v. Lossow und Oberst Leitzer bereits von der Pflicht der W a h - tung des Amtsgeheimnisses entbun­den find, ist noch unbekannt. Datz es geschieht, ist nach den »Münchener Neuesten Nachrichten" sicher.

Kus dem besetzten Gebiet.

von folgeren Zechen werden Feierschichten wegen Wagenmangels gemeldet: Kon- stavtin der Große, Eintracht, Tiefvau, Pnnzregent, Dalhaufer Tiefbau, Zollverein, Friedrich Ernestine, Präsident, Brassert, Adolf Hanssmann unb. Carotme Magnus.

Die Essener Volkszeitung wurde nach Wiedergabe einer vom WTB. verbreiteten Meldung aus Bergzabern über die Tätigkeit eines franzofi- schsn Hauptmanns Geyer vom 29. Ian. bis 3. Febr. verboten.

DieStäfa. Zeitung" meldet aus Düffeldorf:

Den Leitern der deutschen Behörden ist Verfü­gung General Degouttes zugestellt worden, wonach er sich der Inkraftsetzung der Verordnung vom 27. September über den Beamtenabbau nicht widersetzt, aber oorbehält, daß die Verwendung dieser Verordnung durch die Divisionskommandeure sowie durch den kommandierenden General über­wacht werden fall.

bie Neuordnung der Strafoerialirens.

Don demokratischer Seite ist im preu­ßischen Landtag ein Antrag eingebracht worden, wonach der Landtag beschließen wolle, das Staats­ministerium zu ersuchen, unverzüglich. bei der Reichsregierung dahin einzuwirken, daß im Wege der ordentlichen Gesetzgebung die Bestimmungen der Verordnung über eine Neuordnung des Straf­verfahrens schleunigst dahin geändert werden, daß die Schwurgerichts fachen über die Schuld- und Straffrage die laienrichterlichen Mitglieder des Schwurgerichts urteilen und daß die großen Strafkammern aus zwei Berufs- und drei Laien­richtern zusammengesetzt werden.

Ferner soll die preußische Staatsregierung ihren ganzen Einfluß auf die Reichsregierung m der Richtung zur Geltung bringen, daß in Zu­kunft weitere grundsätzliche Reformen der Rechtspflege nur im Wege der ordentlichen Gesetz­gebung durchgesührt werden.

wirtschaftliche UampsbewegMgen.

Abstimmung über einen Lisrnbahnerllreik verboten Mättermeldung-n au» Dresden zufolge hat das Wehr- kreiSkornrnando 4 bte vom Deutschen Eisenbah» nerverbanb efafldeitete Aostimmunz über einen ebentuellen Streik der Eisenbahner gegen die Ar. bertSzertverlängerung unter Hinweis auf die Dtreikverordnung vom 27. September 1923 verboten und verschiedene Personen festnehm en und Urnen, Abstimmungrzeitet, sowie anderes Material beschlag­nahmen lassen.

= Der Vuchbrvckerstreik im Saargebizf wegen de; Achstundentages geht weiter. Emigungsverhanb. fangen sind gescheltrrt.

<-- Die Streikbewegung Im Wuppertal dauert unver­ändert an. Die Metall- und die leftilarbeittr, die Fuhr­leute, die Krastwagenführer und die Buchbinder habe» nirgends bie Arbeit wieder ausgenommen. Die Urab­stimmung der Textilorbeiier über die Abmachungen, ore bei den Derhandlungen mit den Arbeitgebern über de» Schiedsspruch getroffen wurden, ist verschoben worden. Inzwischen Hai sich die Lage insofern etwa, verschoben al» nunmehr auch die Gefahr besteht, daß des Barmer städtischen Gas- und Wasser, werks sich der Ausstandsbewegung aiychUetzr.

Nach einer Meldung aus London hat der neue Ministerpräsident Macdonald die Absicht, in lieber« einftimmung mit allen feinen Ministern eine di- rektere und umfangreichere Außen­politik zu verfolgen.Gnening News" will wissen, daß Namsan Macdonald in nicht allzu fer­ner Zeit eine europäische Konferenz Vor­schlägen werde, die das große Problem der Re­gelung der europäischen Fragen einschließlich der Fraoe der deutschen Reparationen, der interalliier­ten Schulden und der Handelsbeziehungen und der Errichtung des Völkerbundes auf einer breiteren Grundlage zum Ziele haben werde.

wtb London, 29. 3sm. (le!.) Der neue Skaaksfekrelär Thomas erflärfe in einer Rede bei einem Essen im australisch-neuseeländischen Klub, an dem auch der Prinz von Wales teilnahm, zur Regierungsbildung:

Diese Art unblutige Revolution habe ohne Stö­rung stattgefunden. Der britische Handel und die britischen Finanzen gingen weiter, als ob nichts geschehen märe und die neue Partei regiere das große britische Reich. Am wenigsten beun- ruhig! unter allen seien der König und der Prinz von Wales, da sie seit langem erkannt hat­ten, daß Vaterlandsliebe, Liebe zum britischen Reich, Pflichtgefühl und Dienstgefühl nicht das Monopol einer Klaffe oder Iteberzeugung feien. Trotz der großen Veränderungen würde das alle Reich weiter bestehen und Schwierigkeiten überleben. Es sei $tt hoffen, datz man in ferner Zeit jagen könne, die Arbeiterpartei habe nichts getan, was dem großen britischen Reich, worauf wir alle stolz feien, geschadet habe.

Ende des Eifenbahnerstreiks.

wtb London. 29. Ian. (Tel.) Der Eifen- bahnerstreik ist beendet.

Der Zrenndschaftsverirag zwischen Rom und Belgrad.

Wtb Rom. 29. 3an. (Tel.). Den Blättern in­folge enthält der italienisch-jugoslawische Freund- schafisvertrag die Konvention und ein Zusahproko- koll. Die Konvention besteht aus drei Haupt- und zwei ergänzenden Artikeln, die die Dauer der Kon­vention selbst und das Verfahren der Registrierung des Vertrages beim Völkerbund beireffen.

Der erste Arlikek verpflichtet zu gegenseiti­ger Neutralität im Falle eines Krie­ges. Der zweite Artikel, der von Jugoslawien ge­fordert worden ist, sieht das Zusammenwir- kenbeimilitSrischea Verteidigungen und in Wirlfchastsfragea vor, wodurch die llalienifch- jugoilawischen Beziehungen in allen politischen Fra­gen ihren besonderen Lharakker erhallen.

In den nächsten Tagen stellt eine gemischte Sach­verständigenkommission den endgültigen Tert fest. Es werden dann noch wlrtfchaftlicheAbma- i chungen folgen, die in dem gestern unlerzeichnelen Abkommen vorgesehen sind und in Belgrad unter­zeichnet werden sollen.

Der Jnflakionsfchrecken m Paris.

wtb Paris, 29. Januar. (Tel.). Der Brot- preis wird vom 1. Februar ab auf 1,25 Francs 1 für das Kilo erhöht.

nicht weiter durchgehalten werden könne, daß 'm

Preise herunterzuziehen. Der bisherige Erfo.g fre­ier Politik ist nicht zu verkennen; er muß aber noch größer werden. Wir müssen unsere Preise noch wesentlich mehr herunterdrücken; auf der einen Seite, um einen starken Export treiben zu können dasür spricht selbst unsere augenscheinliche aktive Handelsbilanz, aus der anderen Seite, um die Kaufkraft der Löhne und Gehälter zu heben und damit wieder den inneren Markt zu beleben, zu ver­größern. Unter diesem Gesichtspunkt muß man auch die teilweise starken Arbeiteremlassungen betrachten, die zum Teil durch die Verlängerung der Arbeits­zeit notwendig wurden. Verminderung der Ar- beiterzahl bet gleichbleibend-r Produktion ergibt eine Verbilligung der Erzeugnisse; diese wiederum be­dingt größere Kaufkraft der Löhne und (Sehalter, die ihrerseits wieder stärkere Nachfrage nach Waren entstehen läßt eine Nachfrage, die erhöhte Pro- buttion und damit eine Neueinstellung von Arbei­tern zur Folge hat. Kein Mensch kann nolürUch verlangen, daß em entlassener Arbeiter sich d'e.e volkswirtschaftliche Ueberiegung oorhält und zufrie­den wartet, bis die durch stärkere Nachfrage hervor- gerufene notwendig werdende Produktion ihn ruft. Er wird notwendigerweise verbittert werden. Diese Verbitterung wird ater um so geringer sein, je rück­sichtsvoller die Entlassung geschieht. Aufgabe der Unternehmer ist es. für das letztere zu sorgen, Pclicht der Gewerkschaften, den entlassenen Arbeitern Ver­ständnis für diese Notwendigkeit beizubringen.

schastssekretären.

wurde im November 1918 von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in freiwilliger Vereinbarung festge­legt. ehe die Dolksbeauftragten ihn verordneten. Er övrb# damals vereinbart in der Hoffnung, datz auch bie damaligen FeindlSnder ihn tur Einfüh- nmn brachten. Diese Hoffnung hat sich aber nicht erfüllt. Deshalb drang bei uns die Erkenntnis im­mer mehr durch, daß der schematische Achtstunden-

Das gilt trotz der Tatsache, daß es jedenfalls fa den meisten Fällen leid-,ter gewesen wäre, in der Arbeitszeitfrage sich mit dem Betriebs­rat zu verständigen als mit den Gewerk- - - - - - Der Achtstundentag

In diesem Zusammenhang ein Wort über die Gewerkschaften. Einzelne Unternehmer glauben, es wäre richtig, dafür zu sorgen, daß die jetzt stark geschwächte Macht vollends zugrunde ginge. Einsichtige uni) weitsichtige Unternehmer halten das für falsch. Abgesehen davon, daß die schlechte Finanzlage der Gewerkschaften bei stabil bleibenden Verhältnissen in absehbarer Zeit wieder behoben sein wird und diese damit wieder voll aktionsfähig werden, sind sie als Erüehungsinstitut für die Arbeitenchaft unentbehrlich. Damit ioll nicht gesagt sein, daß alle Gewerkschaftsrichtungen eine gute Erziehungsarbeit leisten und sich immer den notwendigen Anfordenmgen gewachsen gezeigt hät­ten. Fast nur die christlich-nationale Gewerkschafts­bewegung kann das für sich in Anspruch nehmen. Trotzdem ist der Versuch einer Zerschlagung aus vielen Gründen falsch, der Erfolg wäre lediglich der, daß die Gewerkschaften nach ihrer finanziellen Sa­nierung von ftd) aus scharfe Vorstöße zur Gegen­seite machen würden und damit erneute Unruhe in das Wirtschaftsleben käme. Also keine Bekämpfung, sondern gegenseitige Achtung, auch wenn der eine oder andere zeitweilig finanziell geschwächt ist!

Volksgemeinschaft.

Bon Dr. Wirtz. Fo»I, Syndikus der Handel«. und IndustriebeirSte der Zentrumsparter.

Es unterliegt keinem Zweifel, daß sich in weiten Kreisen des deutschen Volkes eine lebhafte Beun­ruhigung breitmacht eine Beunruhigung, die im wesentlichen Maße durch die Neuordnung der Lohn- und Arbeitsverhältnisje ent­standen ist. Diese hat sich als notwendig erwiesen im Zusammenhang mit der neugeschaffenen Renten­bank und der von ihr ausgegebenen Rentenmark. Da die Aufgaben der Rentenbank eng mit der Wäh­rung zusammenhängen, mit der sich heute fast jeder beschäftigt, spielt auch die Steuerpo.ittk eine gewisse Rolle. Man ist beunruhigt über die zu niedrigen Löhne bezw. Gehälter^ über Arbeiterentlassungen: man ist beunruhigt über die Art und Weise, unter denen zum Teil diese Dinge vorgenommen werden; 'man ist beunruhigt über den Rückschritt, dir Reaktion, den altenHerr-im-Hause-Standpunkt", den man­cher Unternehmer an den Tag legt; man ist beun­ruhigt über die Behauptung, nur die Lohnempfänger trügen schwere Steuern und der Besitz wisse sich zu drücken.

Die Zeittrumspanei als christliche Diittelpartei hat die Pflicht, diese Dinge mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und so oder,so unter Umständen ge­wisse Folgerungen zu ziehen. Es ist verständlich, wenn der eine oder andere Unternehmer, der in den letzten Jahren unter dem Druck feiner Siebener viel zu leiden gehabt har, nun Den Augenbuck ge­kommen glaubt, wo er wieder zeigen kann, daß er der Herr nn Hause ist. Es ist verständlich, daß bas Pendel, das in den Nachkriegsjahrsn weit nach links ausichlug, nun zum entgegengesetzten Schlag aus« holt und über die Mitte hinauszugehen droht. Es ist verständlich, und fast immer so gewesen, daß auf eine Revolution nach einer gewissen Zeit eine Re­aktion folgt, die oft in Reaktionärtum übergeht. So verständlich dies alles ist eomußoerm ieden werden. Der Unternehmer, der zumeist geistig hoher steht und Führer fein will, darf nicht Gleiches mit Gleichem vergelten; er muß sich der Schicksals­verbundenheit mit seiner Arbeiterschaft bewußt blei­ben und trotz vielleicht mancher üblen Erfahrungen den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft hochhrnlen und durchiuführen bestrebt sein. Die führenden Spitzeuver' ände haben die Aufgabe, bas nach der entgegengesetzten Seite ausschlagende Pendel aufzu- fangen und in der Mitte festzuhalten. Der Staat, die politischen Parteien haben die Pflicht, der ge­sunden Reaktion Rechnung zu tragen, dagegen tos Reak ionartum zu bekämpfen. Das alles geht aber nur dann, w-mi das ganze Volk, insbesondere Ar- beitgeber= und Arbeitnehmerschaft, sich einander ach­ten, aufeinander vertrauen; wenn in sachlicher ruhi- i ger Zusammenarbeit die zu meisternden Dinge be- I - sprochen und geregelt werden. Gegenseitige Der- | s hetzung vor allem der beiderseitigen Organisatio- i nen, einseitige Diktate verhindern die notwendige Verständigung oder erschweren sie zum mindesten in i erhe' lichem Maße.

i In die-'em Geiste seien einige Bemerkungen zu , dem ol-enerwähnten Problem gemacht.

Di- L o h n f r a g t steht im Mittelpunkt unseres . ; Dirtschgfts'ebens. Sie hängt einrrsrits eng zusam» : - men mit den Dreisen und damit andererseits mit der inneren Kaufkraft. Es ist zweifellos richtig, i Löhne und Gehälter wir bisher, so auch bis auf weiterer auf ein- eben nur tragbare Höhe zu halten, 1 um im Zusammenhang mit anderen Faktors«