Fuldaer Heilung
Truck der Fuldaer Actiendruckerei in 3a»w
(3. Stott.) *M 25»
Sonntag, 27. Januar 1924.
Die Derufsstünde im Volksstaat.
ttMNMffikf SMMMMW M ZWittMUW.
F ' ^Vielfach ist in den Genossenschaften nicht Ehr der aite OieCfr," so klagte mit vollem Recht der fraunirei>rter auf dem 32. Derbcmdstag 'der Rheim- irfjan Geinossenschafren, der Ende Juni 1923 in Köln sMÄiand. Sicherlich hat er damit die tiefere Ursache der ALZLNurärrigen Krisis in dieser Gattun-g l^s bäusrtichM OrgwmsationsmsMs bloßgelsgt. Die deDen Pftchtarrrrzeta, aus denen sich ein blühendes GenoifenfchaftÄeben enrwickeln und halten kann, nämlich dörflicher, bäuerlicher Sippengslst und chrift- (toe Bruderliebe sind krank, finden in vielen vom PavierHeldschleier geblendeten, mnerlich zerrisfcnen Dörfern rvrnig Nahrung. Deshalb haben zahlreiche kleine E-enoifSirfcha.ten sich nicht ausgebaut rmd .siegen auf dem Sterbebette", u. an manchen Stellen bat der Strudel der Geldentmerlung und der wach- l^che Geldstrom, der aufs Land floß, dis Eenoffen- ichiift meggespült, besonders dort, wo sie nur noch ein kümmerliches Scheindasein fristete. Man mag allerhand Enrfchuldigungsgründe aus der außer- ordentlichen Zeitlage für die begangenen Sünden wider den GenoffMfchaftsgeist cm-s ähren, man wird ober sollet nicht mit Engelssungen ableugnen können, daß mir es hier mit einer Folgeerscheinung zu tun Haden, welche di« Umwandlung des bäuerlichen Lsbensgefühls und die Zersetzung dos dörflichen Ge- imemfchaftslsbens durch den Einzug schroff individualistischer Gedankengänge tat letzten Jahr
zehnt bewirkt haben.
Das kann denjenigen, der über die deutsche Ma« aenfmge: Wie füllen wir den Hunger von 62 Mil- tonen Volksgenossen? oder über bie andere für die gegenmärlige Kulturkrisis und die mit heißer Sehn- fiicht von unfern Boston gewünschte seelische Wieder» gsburt gleich wichtige andere Frage: Wie erneuern wir die bäuerliche Kultur? sich Gedanken macht, mit wahrem Schauder erfüllen.
Er schaut em riesenhaftes, kunstvoll gegliedertes, fein verästeltes Organisation swerk mit Reichsver- bänden, Zentralverbänden für einzelne Staaten und Revisicmsverbänden. Er sieht in der Statistik, daß am 1. Juni 1922 in Deutschland 36235 landroirt» schaftliche (Spar- und Darlehnskafson, Bezugs-, Molkerei- und sonstige) Genossenschaften bestanden tsnb sagt sich unwillkürlich: Was könnte heute mst einem solchen Körper geschaffen werden im Dienste der Ernährung unserer hungernden Massen und der Festigung des Bauernstandes, wenn allenthalben noch in der letzten Genossenschaftsstelle der Geist Raiffeisens lsbendig rväre! Wurde nicht bei enLsprtthsndsm Wirken der statischen Genossenschaften der Opfergang unserer Nation erleichtert, den ein unerbitüichss Schicksal uns zu wandeln gebietet? Würde nicht noch mehr wie bisher die ländliche Produktion befruchtet, indem die Genossenschaften auch die kleinen und kleinsten Landwftte zur Ertragssteigerung ihrer Lecker, zur Anwendung ra- Üoneller Betrisbsmethoden anregen dadurch, daß sie ihnen die Mittel an di« Hand geben bezüglich Düngerverbrauch und Viehzucht, Milchwirtschaft, Maschinenanw-enÄung, Kreditvermittlung? Der kleine und mittlere Lauer muß ein eifriger Genossenschaftsbauer fein, will er dem Großgrundbesitz m den Roherträgen nicht nachstshen urtb den Dienst aus seinrr ihm anvertrauten Scholle mit der Gründ- Schkeit cmsüben, wie es die hungsrnde Nation
verlangt.
Weil der Sinn der Genossenschaften zwar nicht überall, aber am vielen Stellen verloren ging, kann unser oben genannt«! Organisationswerk auf dem weiten großen Gebiete genossenschaftlicher Betätigung nicht mehr trat der alten Kraft zur Sicherung der Dolksernähmng wirken, wie es in unserer Lage wünschenswert märe. Wir meinen die Heranschaf- ftmg landwirtschaftlicher Ettzsugrasse, ihre Erfasfimg bei den Genossenschaften und ihre Weiterleitung in dis Städte, vielleicht hier zu den Organisationen der Verbraucher, um unnütze Zwischenhandelsglieder
Sine Märtyrerin der pflicht.
6] ---------
»Sie werden zugeben, Schwiegennama," sagte er, chaß ich Ihnen hinsichtlich Geduld und Sanftmut mtt unerreichtem Beispiele vorangehr. Sie haben mir da recht nette Dinge gesagt und ich habe mit keiner Wimper gezuckt. Trachten Sie also ebenso ruhig und gelassen zu sein, sonst werden wir niemals vorwärts kommen. Was haben Sie an dieser Heirat eigentlich auszufetzen? Daß Herr v. Foffoufe von vornherein seine Zustimmung gegeben hat? Sie erblicken darin, wenn ich Sie recht ver. standen habe, den Ausfluß einer wenig ehrenwerten Berechnung. Wein Kandidat erscheint Ihnen wie ein eigennütziger, habsüchtiger, feiler Mann, der, indem er G.l- bente heiratet, nichts anderes vor Augen hat, als sein Wappen um jeden Preis neu zu vergolden. Und daraus schließen Sie, daß er Ihrer Enkelin unwürdig sei. Ist dem fo?"
„Sa, dem ist so", gestand Frau Regnard, ganz er- staunt, daß ihr Schwiegersohn diese Frage unumwunden stellte, statt ihr aus dem Wege zu gehen.
„Ich könnte den Einwand erheben", fuhr er fort, .daß sehr viele Heiraten, die genau auf die gleiche Weife zustande kamen, sich vollkommen glücklich gestatteten. Der Mann bringt einen schönen Namen, die Frau eine schöne Mitgift in die Eh«; das ist doch ein sehr sauberer, gjater Handel, sollte ich meinen. Sch kann nicht begreifen, was Shnen daran verletzend erscheint' Erscheint er Ihnen als im Widerspr:uhe mit den Gesetzen des Zartgefühls stehend, so werden Sie ganz gewiß niemals einen Gatten für Ihre Enkelin finden, denn Sie können nicht hindern, daß ihre Mitgift nicht zu mindest die gleiche Anziehungskraft ausübe/ wie ihre schönen Aimen. Sch will aber darauf verzichten. Sie zu meinen Anschauungen zu bekehren, und Shre Einwendungen gelten lassen, $o wie Sie sie vorbringen, gestützt auf meine Unwürdig- ,'keL und die des Bewerbers. Sie haben eine schlechte Meinung von Herrn von Fosseuse, well er bereit ist, trotz der Vergangenheit des Vaters die Tochter zu heiraten. Run, ich kann Sie diesbezüglich mit einem Worte beruhigen. Ter junge Mann hatte nie im Leben daran sgedacht, um Eildettes Hand anzuhalten; wäre er freier Jßerr seiner; selbst, er hätte es auch niemals getan. Allein vechhiadene Umstände habe» sich vereinigt, um ihn mir
auszuschalten, die heute vielfach die Preise treiben. Dieser genossenschaftliche Absatz setzt, soll die Waren- vsrmMungslmie vom Dorf zur Großstadt geradlinig verlaufen, einen lebendigen Genossenschasts- geist voraus, nicht ein totes Organisationsgehäuft.
Wie kann nun echtes Genossenschaftsloben wieder allenthalben erblühen? Da ist zunächst zu betonen, daß der Genossenschaftsgeist nicht gemacht werden kann, sondern gezeugt werden muß. Da müssen die vielfach in den Dörfern noch vorhandenen Träger des wahren Genossenfchaftsgedankens sich mit ihren Berufskollegen und den Jungbauern zu'am- mensrtzsn, sie müssen den Genossenschaftsbauer vorleben, um allmählich die Organisation zu erneuern. Dabei wäre es empfehlenswert, wenn in federn Dorf eine bäuerliche Arbeitsgemeinschaft enMnde, in der । unter der Fährirag eines Geistlichen oder Lehrers alle die bäuerlichen Lebensfragen durchgesprochen werden. In dieser Rat- und Tatgemeinschaft werden die GenossenschafÄer erweckt werden, die dem Bauerntum Vertrauensmann und lokale Führer sein können. Solche bäuerliche Bildungsarbeit wird in vielen Dörfern geleistet. Es gilt, die.mutigen Versuche zu verallgemeinern. Das hierftir nötige Schrifttum ist von der .Volksvereins- zentralstelle zu erhalten.
Voran krankt der neue vslksstaat?
Alle neuzeitliche Demokratie, auch der neue deutsche Volksftaat, krankt an der von dem Rationalismus und von der Aufklärung aufgebrachten Meinung, der Staat gehe hervor aus dem willkürlichen Vertrage der Menschen. Darum glaubt man den Staat machen zu können, indem die Politiker und Staalsrechttohror die Staatszwecke sorgsam er- forschen, die zweckmäßigen Mittel zu diesen Zwecken ausklügeln, deren Zweckmäßigkeft den wahlberech- tilgten Staatsbürgern als annehmbar nachweisen, und zuletzt die Mehrheft darüber abstimmen lassen, welche Dtiaatsverfassung für alle verbindlich sein soll. Diese Auffassung bleibt an der Außenfläche, dem Gehäuse des Staates haften und Übersicht das darin lebende Geistige, den Sinn des Staates als sinnvolle Lebensgemeinschaft der Bolks- famisie. Diese soll durch das Geben und Empfangen des Vertrauens der Treue, der Hilfsbereitschaft und gütigen Liebe tat Miteinander- und Füreinander» leben der Bürger diesen Lebensergänzung und Lebenserhöhung, damit ein höchstes irdisches Glück bringen. Gewiß bedarf auch die innigste Lebensgemeinschaft, die Ehe und häusliche gantifle eines Hauses, der Hauswirtschaft, einer durch das Ehe- und Familiemecht gegebenen Verfassung, was alles sich machen läßt; aber erstlich und letztlich heiratet und gründet man eine Faimilie, um durch die darin gefundene, von allen Gliedern geschaffene Lebens» ergänzung und Leüenserhöhung einander zu beglücken. Wie Ehe und Familie, so ist a-uä; die im Lesbe des Staates verkörperte Volksfamilie ein Reich der Seele. Die Formdemokratie schafft mit ihrer bloßen Staatsbaumeisterei das leere Gehäuse, eine seelenlose Staatsanstalt, läßt darum das Sehnen der Bürger danach, sich in einer Volksfamilie, in einem Staatsvolke seelisch wiederzu» ftaden, ungestillt, läßt die Bürger nicht zur beglückenden inneren Ruhe, zum Frieden kommen.
„Das war früher anders. Vor dem Eindringen der rationalistischen, später materialistischen Auffassung der Lebens- und Lebensgemeinschaftsfragen hat 'man Staaten als organisierte Volksfamilien ge» ehrt, wie man Familien gründete. Alle staat-
Volksfamilien erstanden so als klare Idee und als eine große selbstlose Liebe in Geist und Herz ftaaisschö He rischer Führer. Sie erweckten, bildeten, erzogen die in der Gesellschaft schlummernden Lebensgefühle und den Lebenswillen zur Volksfaimlie, schulten sie sodann in der zweckmäßigen staatsbürgerlichen Betätigung durch Schaffen einer Verfassung, in welcher die naturharsten Lsbensgesetze des Staates zum Ausdruck kamen, die möglichst viele
Selbstverwaltung der Bürger vorsah und pslegto. Im Miteinander- und Füreinanderleben von ymh- rem und Gefolgschaft gewann die Staats dee, Staatsversassung und Staatsgesinnung wie alle Lebensbild uugs- und Lebensgestaltungskunst langsam Klärung und Festigung. Aeußere Nötigung und m- nerer Drang arbeiteten darin zusammen" (A. P i e« per, Der deutsche Volksstaat und die Formdemo- kmtie 36).
Seit dem 17. Jahrhundert ging dagegen der Fürstenabfolutismus dazu über, den Slam bloß als Sache der Obrigkeft zu betrachten, deshalb nach den Rezepten der Staaisvermmft von ölen herab zu regieren, die •jreifjett und ftlbstver- antwortliche Mitarbeit der Bürger ober auszuschließen, aus denen man gefügige Untertanen machte. Daran ging auch der alte Obrigkeitsstaat in der Revolution zugrunde, nämlich an der -teil« nchmÄosigkeit der Bürger. An dieser krankt auch der neue Dolksstaat, dessen Verfassung in buchgelehrten Parlamentserörterungen verstandesmäßig ausgeklügelt und in eigensüchtigen Parteistreitigkeiten ausgeknobelt ist. Darum bsteb er lebensfremde Formsache und kackte Zwecksache. Erst wenn die Bürger in diesem toten Gehäuse aus Idee und Liebe, d. h. aus deutschem Genossenschaftsgeist untd naturhaftem Dolksfamiliensinn ihre staatlrche Volksfamilie in selbstloser gemeinnütziger Selbftvn- realduug von traten auf aufbauen, den Staat als ihren Stacri ehrfürchtig liebend und pflegend, die Staatsaufgaben als ihre Bürgeraufgabe frei, selbftoerantworklich, ohne äußeren Zwang erfüllend, haben wir wieder einen Staat, der aus dem Volke erwächst. Dieser kann von den Bürgern als Volks- färailie beglückt erlebt werden, darum auch trotz aller äußeren Schwierigkeiten gedeihen und fruchtbar. wirken. Mit anderen Worten: Was vor allem heute notiut, ist nicht die Staatsbaumeisterei von Politikern, sondern der Lebenswille der Bürger zum Staate, die Erneuerung des sekbktverwaltendm Bürgergeistes. Erst dann kann der Volksstaat als rechte Volksfamilie aus den Seelen der Bürger erwachsen.
Wirtschaftliche vsraussetzungen.
Don GewerksHastsseite wird uns gefchrieben:
Snfolge des Sichnich'verstehen-Lernens oder -Wollens haben in der Vergangenhell schon sehr vie'e wirtschaftliche Kämpfe getobt, die unsere Gesamtwirtschaft sehr geschädigt haben ' Man müßte eigentlich annehmen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus der Vergangenheit so viel gelernt hätten, um einzuschen, daß mehr denn je ein Handinhandorbeiten aller produktiven Kräfte notwendig ist. Es sind in den letzten Satiren so oft die vielen wilden Streiks von allen Einsichtigen und nicht zuletzt von den Gewerkschaften verurteilt worden. Zur Zell spielen sich mancher Orts infolge der Regelung der Arbeitszeit Kämpfe ab. die ebenfalls jede Einsicht vermisien lasten. Man ist versucht, zu glauben, daß so etwas wie Vergeltung das Leitmotiv mancher Arbeitgeber ist gegenüber dem, was infolge d-s Mißbrauchs der Kräfte durch Arbeitnehmer gesündigt wurde. Eine derartige Einstellung ist vom Uebel und muß auf das Entschiedenste verurteill werden.
Alle im Wirtschaftsleben tätigen Menschen müssen versuchen, das richtige Augenmaß des Tragbaren und Erreichbaren zu gewinnen. Ein großer Teil der vrgcm'.sierten Arbeiterschaft ist sich bewußt, daß manche Aenderungen infolge unserer wirtschaftlichen Verhältnisse eintreten muffen. Andererseits ist es auch sehr verständlich, wenn man infolge der großen Notlage, in der sich das arbeitende Volk befindet und bei der großen Zahl der Arbeitslosen nicht überall das gewünschte Verständnis für manche wirtschaftlichen Nottven- drgkeiten findet. Hier Hilst weder Radikalismus auf der einen, noch Diktat auf der andern Seite. Alle Opfer auf wirtschaftlichem Gebiete werden nur dann ohne größere Störungen gebracht, wenn diejenigen, die opfern müssen, wissen, daß es einen Wert hat.
Die meisten Außenstehenden können kaum übersehen, welche große Verantwortung gerade heute die gewerkschaftlichen Organisationen tragen. Slbgcsehm von einzelnen sinksradikal eingestellten Personen sind sich die gewerkschaftlichen Führer der großen Aufgaben bewußt. Die, allerdings nicht immer augenfällige, Arbeit wird oft gewaltig gehemmt durch die Tatsache, daß Arbeit-
ous Gnade oder Ungnade auszullefern, und da habe ich ihm nahe gelegt, mein Schwiegersohn zu werden."
»Das hast du getan?" fragte Frau Negnard maßlos erftaunt
»Aber Ja! Und da er in meiner Gewalt ist, fo mußte er sich meinem Wunsche anbequemen. Das wundert Sie?"
»Don dir wundert mich gar nichts mehr. Lukas. Welche Fallstricke magst du wohl diesem Unglücklichen gelegt haben, um ihn zu zwingen, dir zu gehorchen?"
Selbst wenn sie die feste Absicht gehabt hätte, ihn zum Aeußefften zu treiben, ihn völlig außer Fassung zu bringen, so hätte sie nicht anders sprechen können. Allein er hatte sich mit den Vorwürfen, die sie gegen ihn erhob, endgültig abgefunden, n-ud seine Antwort bewies heuerbings, daß er fest entschlossen fei, sich nicht aus seiner Ruhe bringen zu lassen.
„Don Fallstricken ist keine Rede! Sch habe ausschlietz- sich erlaubte, gesetzlich zulässige Mittel angewendet. Herr pon Fosseuse der Aeltere war zu seinen Lebzeiten Ser» ! öaföungsrat einer Finanzgestllschast, die zuerst in Z.h- lungsschwierigkeiten, dann aber in Konkurs geriet. Ein Urteil des Handelsgerichts, das durch den Pariser Gerichtshof bestätigt wurde, mochte die Derwallungsrä'e für die Vergangenheit verantwortlich und so entfiel auf Herrn von Fosseuse mit einem Male eine Schuldenlast von fast 2 Millionen Franken. Als man sie von ihm em treiben wollte, erklärte er sich außer stände, den bedeutenden Betrag zu erlegen, und setzte den gerichtlichen Schritten den uvanfechibaren Tatbestand entgegen, daß zwischen ihm und feiner Frau eine Gütergemeinschaft nicht bestehe und auch niemals bestanden habe. So tarn das Syndikat nicht einmal auf seine Kosten und nachdem es Sahre und Sahre zugewariet, veräußerte es die Schuld auf dem Versteigerungswege. Sch trat als Käufer auf und brachte die ganze Schuld an mich, fo daß gegenwärtig ich allein der Gläubiger der Familie Fosseuse bin."
„Da der Vetter nicht bezahlen konnte, Slutter und Sohn werden es noch weniger können," warf Frau Reg. narb ein.
„Rur gemach," ermahnte Simrnnet. „Sch suchte Mutter und Sohn aus und nachdem ich mich überzeugt hatte, daß ich keinen roten Heller von ihnen erhalten könnte und ihr prächtiges Schloß eigentlich eine Stätte der Rot und des Eleittis fei, gab ich ihnen ein gutes Mittel in die Hand, um, sich ihrer Schuld zu entledigen: ich sprach
von Gilberte, rühmte ihre Tugenden, sprach des ausführ, lichen über ihre materiellen Derhältniffe und f"gte schließ- sich zu dem jungen Menschen: „Wenn Sie sie heiraten, fo werden Sie nicht bloß ein reicher Mann, der den ihm zukommenden Platz in der Gesellschaft würdig auszufüllen vermöckste, fonbern ich lege die Schuldverschreibungen Ihres Vaters zu dem Heiratsgut meiner Tochter, so daß Sie mir absolut nichts schuldig sind, als einigen Tank, dafür, daß ich Shnen eine so vollkommene Frau wie Gilberte zugeführt habe." Das ist alles, verehrte Schwiegermama; von Fallstricken also gar keine Rede, wie Sie sehen."
„Zum mindesten hast du tak'los und zudringlich gehandelt," wandte Frau Regnard ein; „ganz abgesehen davon, daß ich nicht begreife, welchen Vorteil du aus einer solchen Verbindung ziehen kannst!"
„Sie begreifen es nicht, Schwisgermama, und doch ist b*e Sache klar und einfach genug. Zunächst bekommt meine Tochter einen wirklich reizenden Gatten. Sie gelangt in eins durchaus ehrenwerte Farnlie, wird überdies gleichzeitig Marquise und erschließt mir den Zutritt in die glänzendsten Kreise. Sobald man mich dort verkehren sieht, werden dieselben Leute, die sich heute den Anschein geben, als würden sie mich verachten, sich um die Wette um meine Gunst bewerben "
„Und Herr von Fosseuse hat eingewilligt?"
„Na, leicht gegangen ist es nicht," gestand der Schwis- gechohn. „Die Leute sind von Vorurteilen erfüllt; sie sind ehrgeizig und unbändig stolz auf ihren Adel! — namentlich die Mutter. Zuerst wiesen sie meinen Vorschlag zurück. Ein Fosseuse, der Sproß eines Hauses, dessen Ahnherren unter den Kreuzzügen sich bereits Ruhm und Ehre holten, sollte die Tochter eines ehemaligen Notars, eines Plebejers und Anhängers der Republik betraten, der als Abgeordneter auf der Rednertribüne gegen die alten Königsgstrsuen wetterte? Wer hotte schon eine derartige Schmach erleb!? Alles eher, als etre solche Mißheirat, erklärten sie zuerst. Allein, ich lasse mich nicht so leicht absertigen, sondern beharrte bei meinem Anerbieten. Sch drohte und bewi-s ihnen, daß ich sie gänzlich zugrunde richten könne. Und zum Schluß trug ich den Sieg davon; allerdings erst nach einer breimaligen Zusammenkunft, bei welchen ich mit DorwürsLn. Vorstellungen, Bitten und Tränen bestü ntt wurde. Nun ist'» aber vollbracht," schloß ©imonnet seinen Bericht; „und ich bin der Herr der Situation. Die Besiegten haben sich in ihr Schicksal ergeben und schor
Kronhofstr.-EcReTränke.
Z. MM MNZ keMs,
Telephon Nr. 706 — Adalbertsrasse 1.
fcsMsuiIkilÄ
4t% (bester Qualität)
sofort lieferbar,
:: in Fuhren ab Bahnhof, “ im Kleinen ab Lager
gebet versuchen, die durch die Derhaltmffe BeWngte augenblickliche Schwäche der Drganifationen durch Bit. tote auszunutzen. Wenn hierbei Ersolge erzielt werden auf Arbeitgeberseite, fo sind es jedoch nur scheinbar«. Soll eine vermehrte Gütererzeugung eintreten, so ist solche niemals dmch eine „besiegte" Arbettecfchaft möglich Bei einem Arbeitnehmer wird am keinen Fall die notwendige Arbeitsfreudigkeit geweckt, wenn durch die mit Erfolg angewandten Diktate eine paust m der Tasche gemacht wird und Wünsche auf Wuder- vergelttma aufkommen lassen.
Auch die Lohnfrage bedarf einer vorsichtigeren Prü- funq. Ebensowenig wie der Arbeitnehmer hassen kann, aus einem unrentablen Betrieb hohes Einkommen zu erhalten, kann auch die Wirtschaft keinen Nutzen aus einer Arbeiterschaft ziehen, welche in ihrer Erfftenz auf eine „Ration" gesetzt wird, die ein menschenwürdiges Leben in Frage stellt. Von allen Volksschichten werden Cntbehrungm verlangt, ja diese müssen verlangt werden; jedoch gibt es eine Grenze, die unheilvolle Fmgen hinterläßt, wenn sie überschritten wird. Dieses ist m. E. leider schon eingetreten.
Für einen großen Teil der Arbeitnehmer reichten die Vorkriegslöhne bei weftem nicht aus, um mit siner Familie durchzukommen. Wie aber wirkt sich die Sache heute aus, wo die nominelle Höhe der Vorkrieaslöhne tn manchen Fällen noch nicht einmal erreicht wird, trotzdem der größte Zeil der Lebensmittel und insbesondere der Bedarfsgegenstände weit Über die Vorkriegspreise stehen. Würde ein Teil der Arbeitgeber Gelegenheit haben, das wahre jammervolle Elend, welches sich hieraus ergibt, tn den einzelnen Familien zu studieren, so würde manches Verständnis für die Einstellung der arbettenden Schichten wachgerufen. _,k
Unter Berücksichtigung all dieser Verhältnisse mußt« sich für jeden die Schlußfolgerung ergeben, alles Handeln auf Verständigunq einzuftellen. Nur wenn die Arbeiterschaft sich ihrer hohen Aufgaben für unsere Ge- famtroirtfdjait bewußt ist und von Arbeftaeberseüe dre Brbetterschast als ein gleichberechtigtes Glied der Wirtschaft anerkannt wird, wozu auch die Anerkennung der Organisationen gehört, sind die Voraussetzungen für den wirifchaftlichen Wiederaufbau gegeben.
Einige sehr guterhailene
HII. UÄ Wir!■!
billig zu verlausen.
GÄudlirrg, Kaualstr. 1,
Telephon 819
Züngerer, gewandtor weisender für Büroma}d)inen und Bürooritkel gesucht. Angebote unter 17. 144 an b. €xp.
morgen wird uns Herr von Fosseuse die Ehre seines Besuches erweisen, um den Tag mit uns zu verbringen."
„Und du glaubst, daß eine derartige Heirat Gil» bette zum Heile gereichen könnte?" fragte Frau Regnard.
„Weshalb soDe sie bas nicht?"
„Weil Herr von Fosseuse, vorausgesetzt, daß er Herz und Gemüt hat, niemals vergessen wird, welcher Mittel du dich bedient hast, um ihn zu zwingen, deine Tochier zu heiraten, und weil er in dieser immer deine Mitschuldige erbllcken und sie demzufolge niemals lieben wird."
Simonnet mußte bei diesen Worten laut austochen.
„Das sind Wotte, Schwiegermama, nichts als Worte," rief er aus. „Die Jugend des Gatten und die Reize Gilberies zahlen wohl nichts? Die Liebe wird ihr? Rechte alsbald geltend machen und ich werde hofsentttch recht bald krausköpftge Enkelkinder um mich hettp -len sehen. Ehe ein Jahr ins Land geht, werdet Shr Euch alle vereinigen, um mir dafür zu danken, was Ihr heute nicht genug tadeln könnt. Vorderhand verlange ich nichts weiter von Ihnen und Gilberte, als daß Shr meinen Kandidaten in der ihm gebührenden Art auf. nehmet und behandeti. Von Uebelwollen, Unfreundlichkeit oder Voreingenommenheit soll er ja nichts merken! Sch bin der Herr im Haufe, ich will, daß diese Heirat zustande komme, sie wird daher zustande kommen, und Sie, Schwiegermama, sollen mir hierbei behilslich sein. Sie haben großen Einfluß auf Shre Enkelin. Niemand als Sie vermöchie sie besser zu veranlagen, mir zu gehorchen, und mehr noch als Gilbecte selbst mache ich Sie für den Widerstand verantwortlich, den sie mir etwa leisten sollte!"
Seine Stimme hatte allmählich einen Hanen, gebiete- rischen Klang angenommen, als er derart seinen Willen kundgab. Er war nicht mehr der Mann, der bisher möglichst sanft und jovial gesprochen. Der Despot, der im Gnmde seiner Seele lagerte, machte sich qeT’enb und belehrte die bestürzte Großmutter, daß er vor keinerlei Mittel zurückschrecken würde, um seinen Zweck zu erreichen. Sm übrigen hatten sie einander nid)s mehr zu fugen und Simonnet schritt hinaus, ohne abzuwarten, ob ihm seine Schwiegermutter noch etwas 31: erw>d»rn hab- oder nidj:.
(Fortsetzung folgt)