Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Nctiendruckerer m Fuld«
TamStag, 26. Aanuar 1924.
zur Lage -es Handwerks
tot sich Reichswirtschaftsmimster H a m m in einem Briefe an den Reichstagsadgeorbneten Kniest (Kaf° jel) geäußert. Er schreibt da:
Wir dürfen uns darüber keiner Täuschung hm- toben, daß die entsetzliche Finanzlage des Reiches es unmöglich macht, etwa mit Reichszufchufjen oder 3t großen Siaatsaufträgen dem Handwerk zu ^tren Diese Methoden der handwerkswrderung Wren wohl leider Zunächst der Vergangen- deit an, und es wäre unklug und unverantwortlich ron ihnen zu sprechen. Die für die Landwirtschaft, Industrie und den handel ebenso wie für das chandwerk bestehende Sorge ist m. <8. vor allem die, ob die Kaufkraft des deutschen Volke» ausreichen wird, der schaffenden Wirtschaft die notwendigen Aufträge zu geben. So wichtig es auch cft unsere Ausfuhr zu steigern, um damit für da» Inland Arbeit und damit Kaufkraft und hier wie- Ler Auftragsmöglichkeiten für die inländchhe Wirtschaft zu sichern, so wenig dürfen wir uns über die Schwierigkeiten unfior sein, die unseren Lemuhun- aen, auf dem Weltmarkt wieder zur Geltung zu kommen, entgegenstehen, und auch darüber, daß auch bei günstigster Gestaltung dem Außenhandel doch nur eine bescheiden« Rolle im Rahmen der Gesamt- beschästigung der Volkswirtschaft zukommt. Ich fürchte also, daß gewisse B e r k ü m m e r u n g s- erscheinun gen auch nicht fernzuhalten sein werden. Sorgen macht besonders die Beschäftigung des Vauhandwerks. Denn >ch fürchte, daß wir im verarmten Stande unserer Lolkswirtschaft uns den jährlichen Wchnungs- zumachs nicht mehr leisten können, der vor dem Kriege üblich war und der auch jetzt noch für Wctt- M>ah wie Kultur und Gesittung unseres Volkes so ungeheuer wichtig wäre. Damst möchte ich übrigens keineswegs dem Bauchandwerk von vornherein Be- fchäfügungsaussichten absprechen, vielmehr wird m. E. die notwendige Ernetlerung und Unterhaltung zahlreicher Wohnungen dem Baugewerbe, und zwar gerade wichtigen handwerklichen Zweigen, Erheb- Üches an Beschäftigung geben.
In dieser Gesamtaufführung ist di« Sewsthilfe des Handwerks von besonderer Bedeutung, und hierin sehe ich vor allem die Wichtigkeit des neuen Handwerkszesetzes. Der Reserentenentwurf wird eben in diesen Tagen fertig, und ich habe bereits grundsätzlich mit den Herren bahn gespro- chen, dag ich, vorbehaltlich der Prüfung im einzelnen, die schleunigste Weiterbearbeitung des Gesetzes durch die gesetzlichen Instanzen für notwendig holt«. Die Einwendungen, die gegen das Gesetz erhoben werden könnten, sind im wesentlichen wohl doppelter Art: einmal, daß das Handwerk mit Organ!- fations- und demgemäß auch geldlichen Opfern über- lastet würde, und zum anderen, daß durch ein solche» Gesetz einseitig die Organisation des Handwerk» vor - der Entscheidung über die berufliche Verfassung der andern großen Erwerbsstände festgetegt würde. In diesem Sinne ist auch von den Landesregierungen Fühlung genommen worden, während die weit überwiegende Anzahl der Ressortvertrettmgen der Länder solche grundsätzliche Bedenken nicht geäußert hat. Ich hoffe, daß diese Bedenken überwunden werden können und das Gesetz alsbald einen weiteren Fort- gang nimmt.
Sie sprachen dann von dem Wunsche des Handwerks, daß nn Reichswirtschaftsministerium ein Staatssekretär für das Handwerk geschaffen werde. Dieser Wunsch ist auch bereit» dem Herrn Reichskanzler beim Empfange, den er al» erstem Berufsstand dem Handwerk gewährte, vorgetragen worden. Meines Ergchtens wird dis Be- beutung einer solchen Einrichtung überschätzt. Denn worauf es ankommt, ist, daß aus grundsätzlicher wirtschaftlicher Einstellung heraus die Reichsregie-' rung, insonderheit das Reichswirtschaftsministerium, die Belange des Handwerks sorglich vertritt und daß im einzelnen der zuständige Sachbearbeiter hn Reichswirtschaftsministerium in engster Fühlung mit dem Handwerk ständig dessen Lage und Anliegen beobachtet und insbesondere auch den anderen Ministerien gegenüber nachdrücklich vertritt. Dafür ist alle Gewähr gegeben.
Nach meiner ganzen Einstellung ist mir gerade das Handwerk ein außerordentlich wertvoller Berufszweig, eine unentbehrliche Stütze des Staate», «ine Quelle der Erneuerung von S e l b st v e r a nt- wortlichkeit. Arbeitsamkeit und S p a r- finn. Ich möchte mit der Hoffnung schließen, daß das Handwerk, je stärker es diese alten Tugenden
Eine Märtyrerin der Pflicht.
' .Davon will sie sich erst überzeugen. Ich begreife nicht, daß bk das nicht einleuchtet! Nun aber berichte Mir einige» über den jungen Mann," fügt« Frau Reg- Warb hinzu, die ihre gewohnt« Ruhe rotebet vollkommen erlangt hatte. .Wer ist er? Und wie alt ist er? Wie jsteht es um die Famllie? Das muh man doch wenigstens wißen, bevor man ein Urteil abgibt.*
.Ueber all diese Dinge wären Sie schon längst aufgeklärt, wenn Sie mir Zeit zum Sprechen gelassen HSt- tat", erwiderte der Schwiegersohn. .Hören Eie also und sagen Sie mir bann, ob Sie nicht Grund zur Zu- friedenheit hätten. Hoffentlich werden Eie dann Ihn Bemühungen mit den meinigen vereinen, um Gilberte zu veranlassen, diese sich niemals wieder darbietende Gelegenheit nicht unbenutzt zu lassen. Der junge Mann, den ich im Auge habe, ist der Marquis Franz von Fosseuse. Er ist 26 Jahre alt, dem Ministerium der Auswärtigen in Paris als Botschaftssekretär zugeteilt und erwartet jeden Monat seine Ernennung auf einen auswärtigen Posten, wie er einen solchen schon früher he- kleidet hat. Mit feiner Mutter lebt er im Winter in Paris, im Sommer in einem alten Schlosse am Ufer der Seine, in der Umgebung von Nourn, wo sie sich im Monat Juni niederläht und wo er seinen ganzen Ferien- urlaub mit ihr »erbringt. Die' Familie ist eine der ältesten und angesehensten der Normandie und verfügt über glänzende Verbindungen Nur Geld ist keines vorhanden. Der Pater, der vor einigen Jahren starb, verlor alles in unglücklichen Spekulationen. Doch Armut ist kein Verbrechen, zumal wenn sie mit solcher Würde getragen wird, wie in diesem Falle. Zudem ist Gilberte reich genug, um sich den Luxus eines armen Gatten zu leisten. Mein Kandidat ist höchst intelligent, schön, eine gewinnende Erscheinung und bei seinen Vorgesetzten bestens angefchrieben. Wenn er durch eine reiche Heirat ju Geld kommt, so steht ihm ein« glänzende Karriere bevor. Null, wünschen Sie noch etwas zu erfahren?"
Die Blinde antwortete nicht sofort. Sie schien nach- eubent* ihr Schweigen währte einige Minuten.
Die Beschlüsse des deutschen Zentrums»
Der Reichsansschuß der Deutschen Zentrumspartei hat folgende Entschließungen angenommen:
1. Der Reichsparteiausschuß betont bi« unwandelbar« Treue der Partei zu ihren althergebrachten und
bewährten Grundsätzen.
Die Partei wird die verfasiungstteue Dolksvartei bleiben, die sie stets gewesen ist. Sie wird die christliche Kultur schützen, die volksrechte nerteibigen und der sozialen Gerechtigkeit, vor allem gegenüber den Schwachen und hilfsbedürftigen und dem Ausgleich der roirt- schädlichen Interessen mit allen Kräften dienen. In treuer Pflichterfüllung gegen die Nation bemüht sich die Zen- Irumspartei, die gegenwärtige Not von Volk und Vaterland zu überwinden und da» Reich zu retten. Dazu sind ihr keine Ovfer zu schwer. Der Reichsausschuß erkennt an, daß die R e i ch , t a g s s r a k t i o n des Zentrum« die Politik in diesem Geiste geführt hat. Er spricht deshalb der Reichstogsfraktion, ihrem Vorstand und ihren Vertretern und der Reichsregierung fein vollstes SBertraren au». Der Reichsansschuß verfolgt mit lebhafter Anteilnahme den Kampf, den imfere Volksgenossen Im besetzten Westen um die Wiederherstellung ihrer politischen imb wirts stattlichen Freiheit führen. Der Reichsausschuß hat zur Seitimg der deutschen Zentrum svarlei und der Fraktionen in Reich und Ländern da, Vertrauen, daß sie ihre ganze Jhaft dafür ein« setzen, daß diesem Kampfe jede mögliche Unterstützung zuteil werde. m , ,,
2. Durch den Krieg und den Vertrag von Versailles ist die deutsche Wirtschaft
geschwächt worden. Ter große Mangel an Produkten und Lebensbedarfsartikeln aller Art ist nur auf dem Wege einer vermehrten Produktion zu beheben. Neben der Verbesserung der Organisation der technischen und wirtschaftlichen Detriebsführung muß eine erhöhte Arbeitsleistung treten. Der Reichsen'.sschuß be- prvftt, daß we'te Arbeitnehrnerkreise. insbefarb-re die christlich-natianale Arbeiterschaft, bereit sinh, dieser Lebensnotwendigkeit unseres Volkes Rechnim« zu tragen. Tie Zentrmnsportei steht auf dem Boden der Arbeitsgemeinschaft und verlangt baher die Lösung der Frage her Mehrleistung und der Lohnfestsetz'My auf dem Wege der Verhandlungen der Beteiligten. Eine opterwillige Mehrarbeit ist auf die Dauer nur zu erreichen. wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich Im Rohmen der gesttzlichen Beftimmungen über die Arbeitszeit und eine ausreichende Entlohnung verständigen. Diesem Gedanken der Verständigung Hot auch do, staatliche Schlichtungswesen zu dienen. Eine durch die Wettbewerbsverhältnisie nicht gerechtfertigte gedrsick'e Entlohnung liegt ebenso wenig im Interesse der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer. Nur bei einer kaufkräftigen Arbeitnehmerschaft kann die nationale Wirts ^ast gedeihen. Der Reichsausschuß fordert daher die Zen» trmnscmbönger auf feiten b-r Arbeitgeber und -nehmen auf. in diesem Sinne weiterhin tätig «u fein, den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft hochandlilten imb etwa aufttetenden Bestrebungen einer einseitigen DikkNvolit!! entaepenzutreten. Nur im aemeirsstnstsichen Züsow- menmirfen sind b!e gegenwörtigen Schmierigkeiten und die Not des Vaterlandes zu überwinden sowie der soziale Friede zu erholten.
weiter entwickelt, desto besser auch die ungeheuren, uns alle bedrohenden Gefahren dieser Zeit überwinden wird. __
katholische wett.
--«achaiisch« Abgeordnete in Amerika undln Lna'and Die vereinigten Staaten Nordamerika- zählen nach dem letzten Official Tatkolic Direetorh rund 18 Millionen fiatbolifen bei einer Ge!amteinwodnerzahl von über 100 Millionen. Die Mitaljederzahl be» Vbge- orbnetenbaufe» (die jetzt vakanten St he nicht mitgezählt) beträgt 429, die de» Senat» 96. Danach mühten, wie der Universe vom 4. Januar diese» Nähre» e» berechnet wenigsten« 64 Katholiken m der eitftrn Kammer sein und 14 im Senat. Die Katholiken haben aber nur 37 hegte. B in den beiden Körperschaften. Von den 37 Abgeordneten der ersten Kammer find 30 Demokiafen und 7 Republikaner. Im Senat sind keine Revublikaoer, sondern die 5 sind Demokraten Augenblicklich ist in der Regierung der Vereinigten Staaten kern katholischer Minister; einen katholischen Präsidenten hat Amerika noch nie gehabt. Besser sind die englischen Katholiken in der jetzigen Legislaturperiode toe-treten. Note der Bevölkerun «zahl mühte den Katholiken in England im Unterhaus 30 Abgeordnete zukommen; e» sind ihrer 24. Davon gehören 7 zu den Konservativen, 8 zu den Liberalen, 11 zurArbenerpartei und 3,zu denNationalisten. Di« Zahl der katholischen Peer» ist feststehend.
Kur Geisa und Umgebung.
- Vacha. Dem hiesigen staatlichen Reform- Realgymnasium mit Realschule ist eine Privat- Oberrealschule angegliedert worden, damit bie Schüler der Realschule auch hier di« Reifeprüfung ablegen können. Sofern sich eine genügende
Der infolge der außenpolitischen und damit zusammenhängend der währungspolitischen Verhältnisse einge- tretene weitgehende Stillstand in der Wirtschaft uvd di» dadurch bedingt» Arbettslosigkett erfordern auch durchgreifende Maßnahmen bet Regierung. Ein längere» Andauern dieses Zustande» muß innenpolitisch und dadurch auch außenpolitisch von den unheilvollsten Folgen werden. Nachdem durch bi» Stabilisierung der Währung und durch di» verständnisvolle fjaltung weiter Kreise der Arbeiterschaft insbesondere der christlich-nationalen Arbeiterbewegung in der Frage der Arbeitszeit wichtig« Voraussetzungen zur Wiederingangsetzung der Wirtschaft geschossen sind, muffen weitere Hindernisse mit starker Hand aufgeräumt werden. In erster Linie ist eine
Neuregelung de» Kreditwesens, verbunden mit einer Erleichterung der Zins- und Kreditbedingungen, vonnöten. Bei Abbau der Woh- nungszwangswirifchaft sind die Lohn- und Gehaltsempfänger entsprech.' id u berücksichtigen. Der Reichsausschuh der Zentrumspartei forden di« ‘Regierung auf, entsprechende Maßnahmen unverzüglich zu ergreifen.
3. Die Preise ter
landwirtschaftlichen Bedarfsartikel müssen in Einklang gebracht werden mit den Preisen der landwirtschaftlichen Produkte. Weiter fordert die Zentrumspartei Maßnahmen, die der Landwirtschaft einen angemessenen Pre!» ihrer Produkt» sichern und eine weiter» Steigerung der Produktion ermöglichen.
4. Der Reichsausschuß der Deutschen Zenttumspattei hat In eingehender Aussprache zum
Deamtenabbau
Stellung genommen und bedauert auf das tiefste, daß Infolge d-r furchtbaren Finanzlage des Reiches von der Beamtenschaft io ungeheuere Opfer gebracht werden müssen. Der Reichsansschuh ist sich jedoch darüber klar, daß diese Opfer für die Beamtenschaft nur tragbar sind, wenn dar gesamte Volk zu gleichen Opfern bereit ist. Di« Regierung wird ersucht, strengstens darüber zu wachen, daß unnötige Hätten vermieden, die sozialen und wirtschaftlichen Interessen mehr al» bisher berücksichtigt, insbesondere aber die kinderreichen Familien, di» Auszewiisenen und Verdrängten geschützt werden.
5. Der Reichsausschuß der Deutschen Zentrumspartes ferbert alle Parteiinstanzen auf, bei den bevorstehenden preußischen ,
Kornmunalwahlen
dafür Sorge tragen zu wollen, daß genügenb Frauen an sicherer Stelle auf der Wahlliste stehen.
Die ganze Tagung stand unter dem Zeichen des Willens zur Geschlossenheit und zur Festhaltung der Mittellinie in der Politik, so wie es der lieber* lieferung der Zentrumspartei entspricht. Alle Fragen des öffentlichen Lebens, die gegenwärtig auf der Tagesordnung stehen, wurden diskutiert, insbesondere auch die Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Es ist erfreulich, feststellen zu können, daß sowohl von Arbeitgeber- wie von Arbeit» nehw.erseite die Zustimmung zum Gedanken der Arbeitsgemeinschaft und die Ablehnung bes Klassenkampfe» ausgesprochen wurden.
Schülerzabl für die Oberstufe findet, besteht di« Aussicht, daß auch die Oberschule vom Staate Thüringen übernommen wird. In nächster Zeit ist ein Schulerweiterungsbau zur Beschaffung neuer Klaj- fenräume vorgesehen.
aus Gderheffen und den hessischen Aemtern.
A Marburg. Am 24. Januar feierte der bekannte Marburger Philosoph Geheimrat Prof. Dr. Paul R a t o r p feinen 7 0. Geburtstag. Der jetzt im Ruhestande lebende Gekehrte ist der Führer der Schul-Phikosophischen Richtung, die aus der neukantischen Schule Hermann Cohens hervorging. Aus Düsieldorf gebürtig, gehörte er feiner akademischen Laufbahn dem Lehrkörper der hiesigen Universität an. Dem Jubilar wurden zahlreiche Ehrungen zuteil und die enangel. theologische Fakultät ernannte ihn zum Dr. tbeol. ehrenhalber. Namens feiner Schüler gratulierte Prof. Cassirer aus Berlin.
Gottesdienstordnung.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 27. Jan. Fulda, vormittag» 91/, Pfarrer Weber, 11 StmhtrrotiUbtenft, nachmittag» 2 Sup. Ruhl. — Schloß Bteb-rstei». vorm. 9 Pfarrer Reich.
Dienstag, 29. Jan. Fuldcr. Abend» 8 Kirchenchor.
Mittwoch, 80. Jan. Fulda. Abend» 8 Bibel- stunde (Gemeindehaus),
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<6 o n n t a 0, 27. Jan. Nicht um naebm. 6, sondern abend» 3 SDamelifation (Prediger Roth-Her»fctd). —
Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarier Weber). — Mittwoch abend» 8 Jupendbundstunde. — Freitag abends 8 Bib-l- und Gebetstunve.
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»Ich mächi» noch roiffen," sagt« sie endlich, »welche Motiv« die Familie Fosseuse bewegen können, sich mit der deinigen zu verbinden, wenn sie tatsächlich so hoch in Ehren gehalten wird, wie du behauptest?*
»Ich sagte Ihnen ja schon, Schwiegermutter, daß die Leute zu gründe gerichtet sind."
»Daß der jung« Marquis fein Wappen neu zu v«r- golden sucht, begreif« ich. Doch bieten sich einem Manne wie ihm ganz ander« Kreise als der unsere zu Operationen solcher Artl Mit seinem Titel und dem Namen, den er trägt, mit her Zukunft, dir du ihm prophezeist, kann er in den hohen Finnnzkreffen oder in der sehr gemischten Gesellschaft reicher Erbinnen, di« glänzendsten Stellungen «innehmen, viel bestrickender« und sttahlrn- btr« Schönheiten finden, als unser« Gilbert« ist, und ich wunder« mich wirklich, daß er, da er schon einmal auf der Suche war, seine Anspruch« nicht ein wenig höher schraubt«.'
»Sie scheinen gn vergessen, daß Ihr» EnkeNn. die schon heut« Besitzerin von zwei MAionen ist, die sie von ihrem Onkel, dem Notar Regnard geerbt hat, nach meinem Tod mehr als noch einmal soviel erben wird, da. von, wa» ihr von Ihnen zufällt, ganz zu schweigen. Könnte sich Marquis von Fosieus« denn Bessere» wünschen?'
Eimonnet blickte feine Schiviegermutter kriumphie- ttnb an; allein sie konnte diesen Blick nicht sehen und spann ihre Idee weiter, di« sie konsequent dmchführen wellte.
«Er könnte sich einen Schwiegervater wünschen, Lukas, der nicht wie du in seinem Leben auf schlimm« Er- lebnisie zurückzublicken hat,' erwiderte sie halblaut, als hätte sie gofürchtst, daß jemand ihre Worte vernehmen könnte.
Sie schien daraus vorbereitet zu fein, daß diese Worte einen neuerlichen Zornesausbruch herbeiführen wurden; allein ihr Schwiegersohn war entschlosien, sich nicht wieder aus seiner Ruhe bringen zu lasten, und entgegnete achselzuckend:
«Diese schlimmen Erlebniste, wie Eie si« nennen, sind Kleinigkeiten, bk nur durch besondere» Uebelwoüen über
Gebühr aufgebauscht wurden. Außerdem datieren rie fünfzehn Jahre zurück und sind heute längst vergasten.'
«Vergesten durch dich» nicht aber durch ander«, und du wirst nicht verhindern können, daß man dich an si» erinnert, so ost du dich in den Vordergrund drängen willst. Die Dinge erregten feiner Zeit viel zu große» Austehen, al» daß sie dem Marqui» von Fofleus» unbe« fannt fein könnten. Er muh es misten, so gut e» ander« Leute wissen, datz du al» Abgeordneter die zu vergebenden öffentliihen Arbeiten den Leuten zuschanztest, die dich am besten dafür bezahlten, daß du infolge dieser Machinationen dein Mandat niederlegen und bi« No- tariatskanzlei. bie du in Vernon besaßest, aufgeben muß. test, und dah du deine» ganzen Einflüsse, in Regierungskreisen bedurftest, um nicht vor Gericht erscheinen zu müssen. Er muß ferner wissen, dah die» die Grund- läge deine» Vermögen» bildet und dah die Operationen, durch die du er vermehrtest, ebenso zweifelhasten Charakter» al» lichtscheu waren.'
Eimmonet begann wieder die Geduld zu verlieren. »Ich habe keine Kenntnis davon, was Herr von Fosseuse weih oder nicht weih!' rief er aus. Ich weih nur, daß er mich nimmt wir ich bin, und Gilberte zu heiraten bereit ist.'
«Gerade das wundert mich ja und rechtfertigt meinen Verdacht,' beharrte bie alte Dame. «Wenn er deine Sergangenfjeit kennt — und er muh sie kennen — so begreife ich nicht, rot» er sich zu einer Verbindung hergeben kann, die ihm weder Ehr« noch Ansehen einträgt!'
„Sie trägt ihm Geld ein und dessen er am
dringendsten.
„Lukas, Geld ist nicht alles.'
„Ach war, es ersetzt doch olles."
„Ich würde Gilberte von ganzem . .. - v,, i
wenn Sie die Frau eines Manne» werden iöi.cOv, der so denkt.'
„Was Sie nicht hinderte, Schwiegermama, mir Ihre Tochter zur Frau zu geben.*
„Wir hatten uns in einem schweren Irrtum befunden, mein Mgnn und ich," ÜöJjnte Frau $t#asaib: utab 6* ■
rade weil meine arme Therese so schwer sür unseren Irrtum gebüßt hat, will ich Gilberte um jeden Preis vor ähnlichem Schicksal beschützen. Ich ertläre dir, Luka», daß ich mtt aller Macht gegen diese Verbindung antämpfen werde. Dein Marquis von Fosseuse flößt mir nur Mißtrauen ein. Ein Mann wie er wird sich nicht mit Leuten wi« wir verfchwägern. wenn er nicht von niedriger Gesinnung erfüllt ist.'
»Ja, sind wir denn «in Auswurf der Menschheit? Sie vergessen, dah Ihr Gatte Gerichtspräsident zu Eoreux. sein Bruder aber der angesehenste Notar unserer Stadt war, und dah Sie in Ihrer Famlie zahlreiche Osftziere, Richter und ähnlich« Leute Haden.'
„Ich vergesse gar nicht» und weiß den Wert meiner Familie zu schätzen. Erscheint aber die Befürchtung nicht gerechtfertigt, daß der Makel, den du über deinen Namen gebracht hast, auch auf Gilberte übergeht? Und ich mutz immer wieder auf die Frage zurückkommen: wie kommt es, bah Herr von Fosseuse, der Gilberte nicht kennt und demzufolge die Liede nicht als Entschuldigungsgrund ansühren kann, sich mit einem Manne verbinden will, der ein bemakeltes Vorleben hat wie du? Indem er dies tut, beweist er, datz er jeglicher Achtung unwür- big ist, und ich will ihn so wenig als Gilbertes Gatten sehen, rote sie es selbst wird sehen wollen, sobald sie er- fährt, was du mir soeben gesagt!"
„Ich verbiete Ihnen aber, es ihr zu sagen!" ries St° monnet aus. „Hören Sie, ich verbiete es Ihnen ausdrücklich!'
Die alte Frau gab kerne Antwort und eine Pause trat nach ihren Vorwürfen ein. Sie hatte eimonnet in bie’ höchste Erbitterung versetzt, Ihm aber wieder ein- mal den Beweis geliefert, daß feine Schwiegermutter em Felsen sei, an dem sein Sohn ohnmächtig zerschellen muhte. Er beherrschte sich zur Genüge, um an sich zu ballen und zu- schweigen, bie er sich einigermaßen be- ruhigt haben würde. Erst bann begann er wieder zu sprechen, und zwar tat er das gutmütigen, säst sanften Tones, als hätten bie schlimmen Dinge, bie er da zu hören bekommen hatte, ihn nicht verletzt.