M 19»
Mittwoch, 23. Januar 1924.
Fuldaer Heilung
Druck der Fuldaer •Hetiett'irnrfetei in ^nlba
Vas Schicksal -er Kriegsopfer.
Bon allen Kreisen deS deutschen Volker, die durch den ,tr,edensvertraa von Versailles und seine tiolaen Wirtschaftlich auf« schwerste gesckädt t wurden, sind die- jemuen, die durch den Krieg in tr endeiner Steife in tzirekie Mitleidenschaft gezogen wurden, vielleicht am schlimmsten dran. Daß der Staat alle» für sie tut wa» in seiner Macht steht, kann keinem Zweifel unterliegen. Ader wie wenig liegt tn der Macht eine« von ungeheuren Lasten bedrängten, wichtigster wirtschaft- licher Hilfsquellen beraubten Staate«, dessen Kredit durch die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit (her- rührend von dem noch immer ungelösten Reparation«. Problem) untergraben, dessen Wahrung infolgedessen nahezu vernichtet ist!
Immerhin sind auch in den sogenannten »Siegerstaaten' die Schwierigkeiten in der ausreichenden Der- jor ung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen nutze । ordentlich urofe. Wenn auch statistische Einzelheiten noch nicht in solcher Vollständigkeit vorliegen, daß ein abschließendes Bild sich er eben könnte, so lassen sich doch Parallelen ziehen, werl die mit der Versorgung der Kriegsopfer in die Erscheinung treienden sozialen Prob eme überall die ele'chen find.
Luch nach der Neuregelung der deutschen Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge kann von einer „glänzenden" Versorgung der Kriegsopfer nicht gesprochen werden. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die deutsche Normalrente für die Dersorgungs- berechtigten weit hinter den durch die wirtschaftliche Not verursachten Bedürfnissen zurückbleibt und fomit jeden Versorgungsberechtigten zwingt, sich auf einem anderen Wege das zum Leben erforderliche hinzuzuverdiensn. Das wi"d aber um so schwieriger, je schwieriger sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland gestalten. Die illnterbrinflung der Kriegsbeschädigten bildet eines der schwierigsten und traurigsten Kapitel der Sozialfürsorge sti allen Ländern.
In Deutschland wird durch das Einstellimgs- zwangsgefeß vom 6. April 1920 mit feiner Novelle vom Januar 1923 vorgesehen, daß jeder Arbeitgeber ver- pflichtet ist, entsprechend der bei ihm beschäftigten Ar- bester 2 v. f). der Arbeitsstellen mit Schwerbeschädigten zu besehen.
9n England hat man den Versuch gemacht, die Arbettgeber auf dem Wege einer freiwilligen Vereinbarung für die Beschäftigten der Schwerbeschädigten her- anzuziehen. Nach dem Bericht der Unterhauskommisfi an kann der Versuch als gescheitert bezeichnet werden. Es soll dort noch einmal durch Verhandlungen versucht teerten, die Beschäftigung der Schwerbeschädigten zu sichern. Wenn dieser lebte Versuch nicht glückt, will man zum gesetzlichen Einstellungszwang greifen. In Frankreich ist das Gesetz schon seit mehreren Jahren der Depi'tiertenkammer vorgelegt. Durch die Senatsbeschlüffe wurden wesenlliche Aenderungen vorgenommen, die eine ■ nochmalige Beratung in der Kammer notwendig machen. Gegen das Gesetz macht sich der stärkste Widerstand der Arbeitgeber bemerkbar. Italien hat mit einer euer- gischen Gesetzgebung die Frage zu lösen versucht: inwieweit diese Energie sich zugunsten der Beschädigten ausgewirkt hat, läßt sich nicht überblicken, weil der enb- gültige Bericht über die Durchführung des Gesetzes noch nickt oorliegt. Aus Rußland siegen nur theoretische Bestimmungen über die Aufnahme der Schwerbeschädigten in Jnvalidenheimen und in Jnnasidmpimduktions- aenofsenschoften vor. Nachdem die Organisitionen der Kriegsbesckbdigten in Rußland aufgelöst sind, läßt sich die praktische Auswirkung nicht feststellen. In den übrigen Ländern ist eine Regelung erfolgt, die sich mehr oder weniger an die deutsch» anvaßt.
lieberen die gleichen ober ähnlichen Grund-rschei- uungen. Was Deutschland betrifft, so kann es. wie eingangs bereits gesagt wurde, infolge der Unsicherheit seiner wirts^östlichen Lage nicht so wie es notwendig wäre für d-eienigen sorgen, die im Kriege ihre Gesund- hest und Arbeitskraft mehr oder weniger eingebüßt haben oder die durch den Krieg ihre Ernährer verloren. Das aber bringt für die Allgemeinheit die Verpflichtung mit sich, zu ihrem Teile daran mihuroirfen, daß der vorhandene Arbeitswille der Kriegsopfer nicht verkümmert. fonb-rn zum Wiederaufbau Deutschlands nutz- bringend anpefefet wird.
Das ganze Krieosovfer.Brobelm aber ist eine ernste Mahnung, den Ernst des Krieges nickt zu vergeffen über schwungvolle Redensart««, wie sie jefet am Stammtisch wieder vielfach beliebt sind.
aus dem Nachbaraebiei.
— Tan«. Hier wurde ein früherer Weichensteller der Staaisbahn verhaftet, der in den Gern inden Rohrbach un' Tann die Geschäfte besuchte und sich als Ingenieur des Kle'selek!rizität?amieS ausaab. Bet dem Mann wwde ein Ruckiack mit Glühbirnen gefunden, deren Herkunft noch nicht festgestesit werden könnte.
# Rotenburg. M. Rothschild aus Chicago, der vor 40 Jahren als Ojähriger Knabe mit seinen Eltern ausgewandert ist, hat 90 Bedürftige seiner Geburtsstadt mit Lebensrnitteln bedacht: 1120 Pfd. Weizenmehl, 500 Pfd. Schmalz, 250 Pfd. Reis, 100 Pfd. Kaffee, 200 Pfd. Zucker und 80 Büchsen Milch. Er hat schon regelmäßig feit Jahresfrist größere Beträge in Dollar gestiftet. Der israel. Gemeinde hat er eine Unterstützung gesandt, durch die es ihr möglich wurde, die baufällige Synagoge wieder herzustellen.
Go!dkörner ans Öen Briefen pus Xi.
In den Briefen und Erlassen, die der Papst bei den verschiedensten Gelegenheiten fast täglich in alle Teile her Welt hinausfendet, finden sich ost Goldkörner von großem Gehall, die die Kraft von Sinnsprüchen haben und für jedermann aufs höchste beherzigmswert sind. Bei einer Durchsicht der veröffentlichten Papstbriefe des letzten Jahres in den Acta Apcstolicae Sedis stieß ich auf mehrere solcher Perlen, die mir wertvoll genug schienen, um sie einem weiteren Leserkreise mitzuteilen.
In einem Briefe, den Papst Pius XI. an den Präsidenten der Bruderschaft „Pro Ecclesia et Pontifice" tun 15. November 1922 richtete, heißt es bezü l. der Autorität: „Unter den Hebeln, an denen unsere Zeit krankt, ist nicht das geringste jener G ist der Unabhängigkeit, wie man sagt, durch den sehr viele den wahren Gedanken der Autorität versälschen und denen, die gesetzmäßigvor. stehen, nicht gehorchen wollen. Deshalb wird es Auf. gäbe aller Mitglieder der Bruderschaft sein, daß sie nicht nur die Autorität und ihre Aemter und Rechte nach der Lehre der Kirche recht erkennen, sondern ihr auch in exemplarischer Weise gehorchen. Auf diese Art werdet ihr sehr viel beitragen, daß die Ordnung und dec wahr Friede, der diesen Namen verdient und den die Menschheit so sehnsichst verlangt, wiede'-hergestellt roerbe*. (Acta Apostolicae Sedis XV. 66.) Wie sehr verdienen diese Worte den Links- und Rechtsradikalm unserer Tage ins Stammbuch geschrieben zu werden! Wieviel können die letzteren von der Kirche, die die ohe Schule des Respektes ist, lernen!
In einem anderen Sch"eiben an den Vorsitzenden des Dinfriedbundes zur Wiedervereinigung der getrennten Christen, Professor Dr. Simon tn Paderborn, hat sich ber hl. Vater über die Siebe und die Toleranz gegenüber den Andersgläubigen in sehr beachtenswerter Weise ausgesprcchen. Nachdem er zunächst bi« Zwecke und Ziele des Bundes belobt hatte, fährt
Die deutsche Arbeiterschaft am Scheidewege.
Von Fr. Ehrhardt, M. d. R.
In den Tagen nach dem 9. November 1918 glaubten weite Kreise der sozialistischen Arbeiterschaft, nunmehr sei die soziale Frage für sie gelöst. Im Jahre 1919 bezweifelte ich in einem Artikel (veröffentlicht in einem christlichen Gewerkschaftsblatt), daß sich die errungenen politischen imd sozialpolitischen Erfolge würden halten lassen. Damals bereits habe ich darauf hingewiesen, daß die Doraussetzungen zur Erhaltung der errungenen Erfolge fehlten und höchst wahrscheinlich die Kämpfe da wieder beginnen würden, wo sie 1918 geendet hätten. Ich bin der Ueberzeugung, daß die Arbeiterklasse genau so wie andere soziale Klassen in der Geschichte die volle staatsbürger- liche Gleichberechtigung erringen wird. Dafür sind aber Dcraussetzungen notwendig, die 1918 noch keineswegs vorhanden waren.
Inzwischen hat sich der Nebel gelichtet. Phantasievolle Hoffnungen und Pbrasen sind der nackten Wirklichkeit gewichen. Wir sehen heute klar, daß wir ein armes Volk geworden sind. Im we- sentlichen werden wir zur Friedensarbeitszeit zurückkehren muffen. Verschiedene sozialpolitische Maßnahmen lassen sich bei verengter Wirtschaft und bei einem armen Volke, das um sein Leben ringt, nicht aufrechterbalten. So drängt sich die Frage geradezu auf: Wo steht die deutsche Arbeiterschaft? Was muß sie tun, um nicht wieder um Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden? Welche Verpflichtungen hat die deutsche Arbeiterschaft, um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung durchzusetzen und sich zu einer andern sozialen Bewertung zu bringen? Welche Taktik muß eingeschlagen werden? Ich stelle bewußt diese Fragen für die g a n z e Arbeiterschaft. Gewiß gibt es innerhalb der deutschen Arbeiterschaft große Mu- nungsverschiedenheiten über Religion, Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Trotzdem bleibt auch die deutsche Arbeiterschaft eine soziale Klasse mit vielen gemeinsamen Interessen. Ja, wenn sich die Arbeiterschaft von politischer Romantik freimachen würde, dann wäre sie die soziale Klasse, die am wenigsten Gegensätze auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet zu überwinden hätte. Berauschen sich große Teile der deutschen Arbeiterschaft an Phrasen, machen sie eine falsche Politik oder taktieren sie gewerkschaftlich nicht richtig, dann muß es die ganze deutsche Arbei- t e r s ch a f t am eigenen Leibe büßen. Deshalb ist es nicht gleichgültig, wie sich starke Te!lbew"oun- gen der deutschen Arbeiterschaft einstellen. Dabei mögen Meinungsverschiedenheiten' und Gegensätze ruhig bestehen bleiben.
Die Arbeiterschaft ist in Deutschland die größte soziale Klasse. Dabei ist der freie Lohnarbeiter erst ein Produkt des neunzehnten Jahrhunderts. Keine in der Weltgeschichte auftauchende soziale Klasse ist von den andern als afeichberechsigt anerkannt worden. Das bat erst schwere Kämpfe aekostet. die nicht nur Menschenalter, sondern Jahrhunderte dauerten. Es fei hier nur an die Kämpfe der Handwerker im 13. und 14. Jahrhundert erinrrrt. Jahrhunderte hat der Kaumf der Bauern um ihre Befreiung gewährt. Das Bürgertum hat in den verschiedensten Ländern blutige Kämpfe um seine Freiheit aefnhrt. Es wäre ein Wunder, wenn der Arbeiterschaft dieses Rinnen erspart bliebe. Diejenigen, die im Besitz der Macht sind, geben sie freiwillig selten ab, sondern setzen fick bei Verminderung der Macht entschieden zur Wehr.
Die deutsche Arbeiterschaft hat den Kampf gegen Bedrückung und Ausnützung auch aufnehmen muffen. Sie hat dieses getan durch die Gewerkschaften, um einen wirklichen freien Arbeite- vertrag zu schaffen. Sie hat weiterhin versucht, die politische Gleichberechtiaung zu erob«rn. Ganz natürlich konnten nur lanasam und mit Aufbietung großer Anstrengungen Erfolae erzielt werden. Alle Kämpfe setzen geistige R-ife neben «dpserwill-'n und Unterordnung voraus. Auch ei«' Idee ist für eine in der Weltaesck'ichte soziale Klaffe notwendig. d>e gleichsam als Stern den Kärnnfen voran leuchtet. Jede neue soziale Klasie wird von den andern sozial gering bewertet. Auf h"re-^"gf°n und unberechtigten Vorurteilen wird der W'de^tond auf- gebaut. Längere Seit baitert es deshalb, bis sich eine neue fokale Klasie vollständig mit dm andern sozialen Klass-n zu einer gesellschaftlichen Einheit verschmolzen hat.
Es aibt sicher fein* sozialen Kl allen »n der Dsill. Hix n’tht auch d»n Kastengeist pfl-gf-n. In Deutschland ist das vielleicht mehr als in einem anderen Londe der Fall. Der Kastengeist k°nnt nur die eigene Umv-elt, das Leben anderer fniHer Klassen ist ihm vollständig fremd. Wer w'll, kann
tr fort: „Damit aber aus eurer Arbeit, die uns im übrigen eine frohe Hoffnung und die Erwartung reichster Früchte einflöH kein Sckaden erwachse, wollen wir euch mit unserer väterlichen Autor'tät nur an bas Eine erinnern, baß ihr in eu~er Handlungsweise beständig Mäßigung und Siebe an den Tag legt und auch stets auf die Warte eurer Bilchöfe hört, deren Aufgabe es ist. über die Zweckmäßigkeit eurer Maßnahmen nach der Verschiedenheit der Orte zu urteilen. Vor allem müßt ihr euch in ackt nehmen, daß ihr euch nicht durch un- besonnenen Eifer fortreißen Iar-t. wodu-ch die Abneigung der Aketholiken zum Schaden der Seefen mehr gesteigert gfs gemindert wird." (Acta Axostcllcae Sedis XV, 207.)
2)iefe Worte Pius XI. verraten ganz den Geist des „üebenswürdigen f* ei (inen“ Franz van S^'es, zu be"en dreihunde<rtjöhrig»m Todesgedäch'n's der Parti cm 25. Januar 1923 ein eigenes Rundschreiben erlaßen hat.
Dr. ch.
— Die Gegenwart vor 75 Zähren. Was wir jetzt in unserem deutschen Vaterland durchleben ist gewiß traurig, doppelt traurig aber deshalb, weil wir alles fdxm einmal durchlebten, ohne Nutzen daraus gs-ogen zu ha'en. Man lese, was der Dichter Hebbel am 31. Dezember 1848 rückblickend auf das vergangene Jahr in fein Tagebuch schreibt. Es klingt, als ob es erst heute geschrieben worden sei. „Das Jahr ist wieder herum. Es hat Deutschland eine Rev-ffusion gebracht, ob mehr soll sich erst zeigen. All« Erbseb'er unserer Nation stehen wieder in voller Blüte. Mich wundert trtr, daß wenigstens in dem Körner e-'nes Deutschen noch Einigkeit herrscht, daß sich nicht das Herz gegen den Kopf, der Arm gegen das Bein emrört! Zu einem imponierenden, wohl' egründeten S'aatsbau werden wir es ; wohl nicht bringen, das ist unmöglich, wo jeder Stein 1 Schlußstein werden will. Furchtbare ekelhafte Tage!
im Deutschland der Vorkriegszeit mehrere soziale Schichten mit Kastengeist auszählen. Am meisten herrschte der Kastengeist unter den Offizieren; unsere Junker sind noch heute stark von andern Gesellschaftskreisen abgeschlossen. Kastengeist herrscht unter Akademikern, insbesondere in ihren Verbindungen, er ist auch in besitzenden Kreisen vorhanden. Unten steht die breite Masie der Lohnarbeiter, die noch keinen Lebensstil besitzen und auch noch heute vielfach in ihrem Denken und Empfinden von andern nicht verstanden werden. Man hat viel vom Klassenkamvf der Sozialdemokratie geredet; ich glaube, es ließe sich sehr wohl ein dickes Buch darüber schreiben, wie andere soziale Klassen den Klassenkampf gegen die Arbeiterschaft führten, wenn auch eine theoretische Begründung sehlie.
Die sozialistische Klasienkampftheorie ist sicher f a l s ch , sie hätte auch niemals die Anhängerschaft gefunden, die sie tatsächlich fand, wenn die bürgerlichen Kreise eine andere geistige Einstellung zum Lohnarbeiter gefunden hätten. So wurde der Kampf verschärft und mit Erbitterung geführt. Aber statt anzuklagen, wäre es für manche Kreise richtiger, sie stellten einmal eine Gewissenserforschung darüber an, wieviel Erbitterung sie durch ihren Hock mut und Dünkel und ihre Unkenntnis in die sozialen Kämpfe hinein getragen haben.
Gewerkschaftlich kamen die Arbeiter in der Vorkriegszeit langsam, aber sicher vorwärts. Anfangs wurde der organisierte Arbeiter verfolgt und geächtet, und der Gewerkschaftsführer als Dolksauf- wieglsr entweder bemitleidet oder verachtet. Staat und Behörden haben Jabrz»hnte hindurch kein Verständnis für die gewerkschaftliche Arbeiterbewe- gimg gehabt- Vor dem Kriege war es aber doch schon erheblich besser geworden als zehn Sabre früher. Mittelbar und unnvftelbar wurden die organisierten Arbeiter die Pioniere im großm Kampfe um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der gesamten Arbeiterschaft.
Nur im Reich gab es ein gleiches, allgemeines Wahlrecht. In den meisten Ländern und Gemeinden herrschte ein Klassenrvahlrecht, das bewußt den Sfrbeitern die politische Gleichberechtigung nahm. Späteren Geschlechtern wird es unverständlich sein, wie die deutsche Sozialdemokratie während vier Jahrzehnte in der Opposition verblieb und keine praktische Politik machte. Unverständlich wird es auch bleiben, daß sie das eigene Volkstum und den eigenen Staat verneinte und nur einen weltfremden Internationalismus predigen konnte. Nach zwei Seiten bin hat die sozialdemokratische Taktik der deutschen Arbeiterschaft schwer geschadet. Einmal wurde den Gegnern der Arbeiterschaft der Kampf leicht gemacht. Die soziale Reaktion hat oft >m Materialismus gemacht und dadurch Kreise gewonnen, die nicht sozial und politisch reaktionär waren Dann aber hat sie ihre Massiv gar nicht vorbereitet auf die große Stunde, d»» nach ihrer Meinung einmal kommen mußte. Als die Sozialdemokratie die politische Macht übernehmen mußte, hatte sie Menschen dressi-rt, die den Staat als das größte Raubtier auf Erden ansahen, und die deshalb gar kein richtiges Verhältnis zum Staat finden konnten.
Als der Weltkrieg kam, hatten weite Kreise der deutschen Arbefferschaft, aber nicht nur diese, gegen den Staat in Opposition gestanden. Das war aber nicht nur die Schuld der Arbeiterschaft, sondern auch derjenigen, rte den Staat regierten. Vor d<>m Kriege haben Kreise des Auslandes geraubt, die deutsche Sozialdemokratie würde im L^lle eines Krieges ihrem Volk in den Rücken fallen. Diese Hoffnung wurde zuschanden. In den erft»n Tagen des Monat« August 1914 bejahte die üb"rw"ltiaende Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft ihren Staat. Sie griff zu den Waffen, nahm die St'-apaz-n und Leiden des Krieges auf sich. Sie kämvfte für ihr Vaterland, wobei rtele ihr Leben onferten. Dadurch wurde der Beweis erbracht, daß auch bei sozialistischen Masten der Vaterlands- und Heimat- oedanke niemals durch ein» weltfremd» Tbeorf» be- sistiaf werden konnte. Mit dem SVute auf den Schlachtfeldern sind die Sünden der Vergangenheit gesühnt. Das kann niemals mehr au«geläfcht m»r« den. Schulter an Schulter haben d»e deuts-h-m Arbeiter um ihr Vaterland oekämuft. damit bab»n sie das Recht erworben, in der H-imat und im mfiter- land nenau so gleichberechtigt beband-lt zu werden wie die anderen. Diesir furte Rückblick mar notwendig, um für die Gegenwart und Zukunft die richtigen Schlüsi» zu ziehen. Darüber in einem zweiten Artikel Näheres.
Man erfuhr, was das Chaos eigentlich für ein Ding ist und lernte das Pflaster der Societät, von dem niemand mehr weiß, wie schwer es zu Iebm war, gründlich schätzen! Ich sah in die Vergangenheit bis in den mit Bären bevölkerten deutschen Urwald hinein." Sehr interessant ist auch, was er am 14. August desselben Jahres in sein Tagebuch schrieb: „Es kommt zuweUen für ein ganzes Volk, wie für ein Individuum, ein Moment, wo es mit den Sünden feiner Bergangenheit brechen und ein neues Leden beginnen kann. Das ist bann aber immer em Moment, den die Nemesis überwacht, wie ihn die Gnade herbeiführt, und an den sich ber Untergang knüpft, wenn nicht unmittelbar die Auferstehung!" Solch einen Moment, wie er sich damals abfpielte, erleben mir auch heute! An uns ist es, ob wir Auferstehung feiern oder noch tiefer untergehen wollen! m.
— Die Leuchtkraft der Erde. Wohl auch mancher Laie wird schon oft eine merkwürdige Helligkeit des Nachthinnnels beobachtet haben. Bisher glaubte man, daß triefe Helligkeit von direktem Sternenlicht herrühre, jedoch kann., diese Ansicht nicht aufrechterhalten werden, weil genaue Messungen ergeben Haden, daß die Lichtstärke am Horizont eher größer ist ars am Zenit, während es umgekehrt sein müßte, wenn das Licht nur von den Sternen herrühren würde. Jetzt nimmt man an, daß die Erde selbst ein eigenes Licht ausstrahlen müsse. Dies geht bar» aus hervor, daß man im Spektrum Linien qerunben hat, bis nur dem Nordlicht eigentümlich sind, und ferner daraus, daß das merkwürdige Himmelslicht selbst bann eine photographische P atte schwärzt, wenn der Nach h'mmel vollständig mit schwar-cn Wolken bedeckt und keinerlei Mondschein möglich ist. Diese Beobachtungen gestatten freilich noch keinen cnbgülügcn Schluß. Die Untersuch rn em werden natürlich fortgesetzt. m.
Heues aus Frankfurt.
— vor großem Hochwasser. Die raffte Schneeschmelze hat ein bedeutendes Hochwasser im Gefolge, da« an verschiedenen Stellen katastrophalen Charakter angu- nehmen scheint. Vom Cbermain wird ein außerordentlich rasches Steigen gemeldet. ei Biickber \ stieg der Main seit Sonntag vcn 0 55 auf 1 5 dci WÜ zbur bon 118 auf 1.45, bet Lohr von 156 aut 26 >, bei Aschaffenburg von 266 auf 321. Bet Groß-Krotzenburg zwischen Hanau und Aschaffenbur > hat sich dar Eis gestaut und sich hier bereits zu 5—7 Metern Höhe aufgetnrrnt. Das Wasser ergießt sich schon durch die Schleußcntore. Auch an der Brücke bei Offenbach setzte sich das Eis. Ter Zufluß der Nebenflnffe ist außerordentlich. Die Kinzig fuhrt riesige Wassermengen zu Tal und erreichte bei Wtrideim schon eine Höhe von 1.65 Metern. Auch die Nidda steigt schnell.
VermMter.
* Länder, die sich mit Gittern umgeben. Die Bereinigten Staaten und die Regierung von Mexiko sind übereingekommen, ein Grenz- g itter zwischen ihren beiden Staaten anzulegen, das das größte ber Welt fein wird. Don El Paso in Texas wird das Gitter nach dem Westen in einer Länge von tausend Meilen nach dem Stillen Ozean bis südlich von San Diego laufen. Im Abstand von je zwei englischen Meilen werden Warnungstafeln aufgerichtet werden, auf denen mitgeteilt wird, daß es verboten ist, über das Gitter zu klettern ober durchzukriechen.
• Der leuchtende Mensch. In den Londoner Warenhäusern werden jetzt mit Leuchtfarbe bestochene große Knöpfe verkauft, die viel Beifall finden. Sie roerben einfach bei Nebelwetter angesteckt und bieten den Vorteil ,daß man im Dunkel des Nebels begegnende Menschen besser erkennt und sich nicht gegenseitig an- rempelt. ___________________________
Technik und Verkehr.
= Opern im Rundfunk. Nachdem die Berliner »Ra» diostunde" bereits vor längerer Zeit Bruchstücke aus der Oper „Margarete" Teilnehmern mit bestem Erfolge zu Gehör gebracht hat, ist man jetzt am Werke, das be- gonnene Opernprogramm weiter auszubauen. Binnen kurzem wird es möglich fein, daß den dem Rundfunk angeschloffenen Teilnehmern größere Partien aus der Oper „Der Freischütz" zugänglich gemacht werden.
— Das blflne Darb des ffljeans. In der ver' gancaien Saison hat der 54 000 Tons große Dampfe* „Majesttc' der Whtte Star timte, das größte Sckiff de- Welt, den Rekord in der nordatlantischen Passwner' fahrt erdalten. Der Dampfer hat die Strecke Eher- bourg.Newyork in 5 Tagen und 21 Minuten zurück e- le t bet einer Durchschnittsgeschwindi> leit von 24 76 Seemeilen in der Stunde. Damit rst er als Sieger aus dem Wettbewerb um das blaue Band des Ozeans hev- g rgegangen. __________________
Briefkasten der LchristleitMS.
p. 5. Ob diese „Märchenerzähler" wirklich vcn jemandem ernst genommen werden? Sollte jenes Erlebnis vom Herbst 1918 schon ganz vergessen fein, als die von den „Märchenerzählern" so stark begünstigte Selbsttäuschung einer so furd): baren Ernüchterung weichen mußte? Wir kommen gelegentlich auf Ihren Wunsch zurück.
Der Einkauf von
Wein
auf der Flasche.
Achten Sie deshalb beim Einkauf stets auf das Zeichen
Spirituosen Likör
Einzig und allein der Name einer ersten Firma kann Ihnen diese Garantie gewähren.
ist stets eine
Verlrauenssache.
Weder die Ausstattung der Flasche noch allein der Name der Ware kann Ihnen die
Qualität
verbürgen.
M Mill
FULDA
Weingrosshandlung Import — Transitkellerei
Büro: Paulustor 4—6
Kleinverkauf: Marktstrasse 32.
r U t
I h"
I “
-
s
I