Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
51. Zahrg
Mittwoch, 23. Januar 1924
auswärts 0,80 Goldmark.
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Nr. 19
Sei Wiederbolrmgen Rabatt- Soitfdwflonto SranNurt a- M 4051-
Von Dr. Aiphons Nobel.
Deutsches Reich
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otten statt. ES handelt sich nickt um tue jüngsten Tteuernotverordnunaen, sondern unz Etagen der Auslegung älterer Steuergesetze, insbesondere um die Festsetzung de» WehrbeitragwerteS.
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Minister. Von Dr. Aiphons Nobel.
satz fußt vielmehr im Straßenverkauf und in der Angewohnheit des Parisers, sich täglich mehrere Zeitungen zu kaufen. Eine andere Eigentums lichkest der französischen Presse betrifft den I o u r- n a l i st e n ft a n d. Es wird schon vielen ausgefallen sein, daß französische Politiker zugleich Jour-
Die Entscheidung im englischen Unterhaus.
/>er Sieg der Arbeiter über die Kouservasiven. — Saldwin mit 328 gegen 256 gestürzt. — vor der Berufung Macdonalds.
1.
..Vernon, fünf Minuten Aufenthalt."
Die Türen wurden geöffnet, um die Ankommenden «ussteigen und die Abreisenden einsteigen zu lassen. Die Zahl der Anlangenden belief sich indessen bloß auf eine einzige Person: einen ziemlich wohlbeleibten Herrn mit ergrauendem Haar und totem Gesicht, das von einem dichten Backenbart umrahmt war; in den Augen lag ein heuchlerischer, listiger Ausdruck, den die goldene Brille nur sehr wenig zu verbergen vermochte. In seiner schwarzen Kleidung mit seinem hohen Claquehut und dem bis ans Kinn zugeknöpften Ueberzieher, der seine stattliche Rundung noch mehr hervottreien ließ, machte er den Eindruck eines Menschen, der von Eleganz keinen Begriff hat und gering-schätzend auf die Mode herabblickt, oder der von Bevufswegen selbst auf Reisen ein würdevolles Aeußeres bewahren mutz, rote etwa ein Arzt, Notar oder Rechtsanwalt. Den letzteren Eindruck verstärkte noch die breite, schwarze Mappe, die er unter dem Arm trug.
Als ihn der Stationschef aus einem Abteil erster Klasse steigen sah, ging er ihm entgegen und begrützie ihn mit den Dorten:
„Guten Tag, Herr Simonnet! Mir haben Sie schon lange nicht gesehen."
„3a, ich war einige Tage abwesend."
„Aber müßig waren Sie während dieser Zeit sicher Nicht, das weiß ich."
„Müßig, mein lieber Freund, werde ich erst sein, wenn ich einmal tot bin. Die Geschäfte, mit denen ich zu tun habe, gleichen einem Räderwerk: haben sie den ‘ Menschen erst ersaßt, so lassen sie ihn nicht mehr los. Doch bin ich weit davon entfernt, mich zu beklagen."
„Zumal 3hre Geschäfte recht einträglich zu sein scheinen", fügte der Stationschef verständnisvoll bitun-
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Bernssdrei»: Monat Januar XBO Soldwatk fre: Dau»
„O, eg ist nicht alles Gold, was glänztl" bemerkte Simonnet, während er dem Manne folgte, der sich feires Gepäckes angenommen hatte. Draußen gab er feine Fahrkarte em den Stationsvorstand ab, drückte chm die Hand und schritt auf den offenen Mietwagen zu, der auf ihn wartete, um ihn in fein am Ende des Gemeinwesens gelegenes Heim zu bringen.
„Meine Tochter ist nicht da?" fragte er den Kutscher in einem Ton, der seine Enttäuschung verriet.
„Nein, Herr Simonnet Fräulein Gilberte wollte ihre Großmutter nicht veriasien, da sie sich unwohl fühlte. Doch sei die Sache nicht von Bedeutung, wie sie mir ausdrücklich auftrug, 3hnen zu sagen. Sie blieb nur aus Dorsicht bei der alten Dame zurück, ausschließlich nur aus Vorsicht", versicherte her Kutscher.
„Das war sehr klug von ihr", billigte S'monnet, während er in den Magen stieg. „Mnn man,^ wie meine Schwiegermutter, nächsten Monat achtzig 3ahre alt wird, so hat man allen Anspruch, von den ©einigen mit der größten Liebe gepflegt zu weiden, namentfid) wenn man blind ist"
Etwa zwanzig Minuten rollte ber Magen auf der Landstraße dahin; dann wendet er nach links und fuhr nunmehr zwischen zwei Reihen Pappeln auf einem schattigen Seitenweg weiter. Ein leichter Lufchauch hiell die Wipfel der Bäume in unablässig wiegender Belegung. Allmählich verbreiterte sich der Weg, um schließlich in ein ziemlich enges Tal zu münden, das im Vordergrund einen waldbestandenen Hügel, weiterhin aber eine Anzahl kleiner Häuser aufwies, deren jedes inmitten einer Gruppe Eichen gelegen war, zwischen deren dunkelgrünem Laub die spitzigen Dächer hervor- lugien. -
Eines dieser Häuser, das so dicht am Hügelabhang jag, daß es nur eine Fortsetzung seines (Bartens darzustellen schien, zeigte ein bedeutenderes A«u' eres als be übrigen. Plötz aus einem langgestreckten Stockwerk bestehend, zog es durch bi« Ausgestaltung feiner Fassade unb die Spitzbogenform seiner Fenster die Aufmerksamkeit
verborgenen Schätze zu heben, in ihren nachdenklichen, verschlossenen Miene zu lesen verstehen.
Ihr Pater, der gewöhnt war, sie so zu sehen und sich noch niemals die Frage Borget egt hatte, weshalb sie so wenig ihren Alters» und Geschlechisgenosiinnen gleiche, Men über den mehr als kühlen Empfang, der ihm zuteil wurde, nicht im geringsten überrascht zu fein. Als fügte er sich dem Zwang einer langjährigen Gewohnheit, erging auch er sich nicht in Kundgebungen feiner Liebe unb Zärtlichkeit. Nachdem ihm feine Tochter einige Schritte entgegengegangen war, um ihn zu umarmen, fand eine Begrüßung zwischen ihm unb ihr statt, als hätte man sich erst Tags vorher getrennt Ein Kuß, den er ihr flüchtig auf die Stirn drückte, und ein anderer, den sie ihm ebenso gleichgilttg gab, machte die ganze äußersich erkennbare Freude über das beiderseitige Wie- berschen aus.
„Großmama war krank?" erkundigte er sich, während er ziemlich schwerfällig die drei Stufen die Freitrepp» emporstieg.
„Krank märe zuviÄ gesagt", erwiderte Eckberts, die neben ihm ging. „Anfänglich war ich recht besorgt, als ich sah, baß sie ohnmächttg wurde; allein ich kennte mich bald beruhigen. Ihr Unwohlsein war tatsächlich nur eine Folge der übermäßigen Hitze, die wir heute hatten. Nun ist es aber etwas kühler geworden und ihr Unwohlsein auch schon b-hoben. Du wirst dir.) aber gleich selbst überzeugen können, denn Großmama e.- roartet dich im Salon."
'„Das trifft sich gut", erklärte Simonnet. „Ich hab, mit euch beiden zu sprechen."
Der Salon war ein hoher, gewählter Raum, in dem ehemals die Aebtissinnen des Ordens ihre Mahlzeiten eingenommen hatten. In einer Nische faß bie ehrwürdig« alte Dame. Frau Regnard, Simonnet* Schwiegermutter unb Gilbertes Großmutter, und atmete durch dar offene Fenster die frische Lust des Gartens und den Duft der Blumen ein.
^Fortsetzung folgt.)
♦ Landwirtschaft unb Steuerfragen. Im Reichs' zeit Berbandlungen mt‘ licken Organisati-
Ein Ministerialdirektor v. Schrieben im Reichsfinanzministerium hat an die anderen Ministerien ein Schreiben gerichtet, worin gesagt wird, daß in den Schiedssprüchen der gesetzlichen Schlich- tungsausschüfse zum Teil erheblich höhere Löhne und Gehälter bewilligt worden sind, als das Reich jetzt an Beamte und Angestellte zahlt. Er regt an, ob es nicht notwendig wäre, durch eine auf Gru nd desErmächtigungsgesetzeszu erlassende Verordnung die Spruchtätigkeit der gesetzlichen Schlichtungsausschüsse dahin ein zusch r än ke n, daß über die Lohn- und Gehaltssätze des Reiches I nicht oder nur unter besonderen Loraussrtzungen hinausgegangen werden darf.
Der Reichsarbeitsminister Dr. Brauns würdigt dieses Schreiben einer Kritik, worin es heißt:
Ich halte es n i ch t für möglich, einen allgemeinen Grundsatz aufzustellen, wonach die Löhne und Gehälter der Privatindustrie über die Zahlungen der öffentlichen Arbeitgeber nicht hinausgeften durften. Die Löhne und Gehälter werden sich stets in erster Linie nach den besonderen Verhältnissen mid Möglichkeiten der einzelnen Industrie- und Ge- werbezweige richten muffen. 3d) wurde em Festhalten an dem Lohnniveau der öffentlichen Arbeitnehmer in einem größeren Umfange, als es die Lage der einzelnen Erwerbszweige dringend verlangt, mit Rücksicht auf die Notwendigkeit einer möglichst großen Steigerung der Kaufkraft und ihrer Auswirkung für die Wiederbelebung der Wirtschaft nicht für erwünscht halten. Die Lohnhöhe der öffentlichen Arbeitnehmer kann nur e i n e Tatsache sein, die bet Lohnverhandlungen neben anderen wichtigen Umständen in Betracht gezogen werden kann. Es kommt hinzu, daß den Arbeitern und Angestellten der öffentlichen Arbeitgeber gewisse soziale Vorteile gewährleistet sind, die anderen Arbeitnehmern regelmäßig nicht in dem gleichen Umfange zusteben, was bei der Lsbnbemef- fung gleichfalls berücksichtigt werden muß. Für völlig ausgeschlosien erachte ich es, auf Grund des Ermächtigungsgesetzes den Schlichtungsbehorden Grenzen für die von ihnen vo-zinchlagenden Loyn- fätze vorzufchreiben. Die Schiedssprüche kommen im übrigen durch die Abstimmung der Beteiligten zustande und es ist nicht ersichtlich, wie die Beisitzer ni einer den Vorschlägen des Reichsfinanzministe. nums entsprechenden Stimmabgabe gebracht werden sollten. Ich hakte die Bindung der Schlich- tunqsbehörden durch eine Art Sperrgefetzfur unvereinbar mit der Freche,t des -* cnfoer» träges und der Eigenart de» Schlichtungswesens.
Die Bestechlichkeit der franzöf. Presse ist eine altbekannte Sa.he. Jeder Mann, der nut den journalistischen Verhältnissen Frankreichs nur em wenig vertraut war, wußte, wie das zaristische Rußland die öffentliche Meinung der Pariser ach dem Wege über die Presse gekauft hatte. Das kom- munistrfche Blatt, die „H u m a n i t e", hat nun für diese Tatsache das nötige Lewelsmatenal ziffam- mengebracht und veröffentlicht. Danach ist die Bestechung so vor sich gegangen, daß die Verleger der großen Parifer Blätter bebeutenbe Summen von der russischen Regierung bekamen unb als Entgelt ihre Redaktton zu einem propagandistischen Emire- ten für ein russisch-sranzösis ches Bund- nis veranlaßten. Für Rußland machte sich diese an sich sehr bedeuiende Ausgabe schnell bezahlt, denn, wie man weiß, mußte Frankreich als erste Leistung der rufsisch-französischen Entente bie|cm Rußland große Riistungskredite geben. .Nit bieiem Geld hat Rußland beispielsweise das ganze Bahnnetz im heutigen Polen ausgebaut, um so eine strategische Aufmarschlinie in dem be- absichtigten Krieg mit Deutschland zu Haden.
Das Interessanteste an dieser Bestechungsafsarc ist aber gar nicht die 'Bestechung selbst, sondern der Gleichmut, mit dem die Pariser und selbst die An- I geschuldigten die Enthüllungen der „Humanfte | hinnehmen. Sie Pariser finden also an dieser Be- steäMig gar nichts besonders Schlimmes. Man ist so etwas gewöhnt. Man scheint sich längst mit dieser Bestechlichkeit abgefunden zu haben, die ja in der Tat in Frankreich eine sehr allgemeine Erscheinung ist, ganz im Gegensatz zur englischen ober gar zur deutschen Presse, wo derlei Em- flußnahme bislang noch unerhört gewesen ist. Richt ganz so unbescholten ist die i t a li en i f ch e Presse, aber die Käuflichkeit der Parifer Presse durfte sie,
Nach roeiterer langer Debatte, in der auch der bisherige Ministerpräsident Baldwin das Wörter- yriff ist es im englischen Unterhaus zur Abstim- über den M i ß tr au en s an tr a g der Arbeiterpartei gekommen.
Baldwin verteidigte nochmals die Politik der Negierung und erklärte, wenn sie beseitigt werden töllta. würde sie ihrer Nachfolgerin keine ungelösten Probleme, außer der Reparationsfrage, ber französischen Frage und der FMe der Arbeit slofigkeit hinterlassen. Die Zukunft tieae zwischen der konservativen urtb der Arbeiterpartei. In Zusammenfassung der Erörterung des Mißtrauensantrages der Arbeiterpartei erklärte der Kührer der Liberalen, Sir John Simon: „Die Hauptpilicht des Hauses ist, die unfähige Regierung beseitigen. Ich hoffe, daß die Regie- .eiterpartei unter wohlwollender Hai-
Eine Märtyrerin der Pflicht,
Uebssetzt von Submig Wechsler.
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h«»len mit der Arbeiterpartei zusammenstimmen sollten, würden sie das Land verraten und nie rmeber das Land regieren.
Dann kam die Abstimmung: Der M i h- ltrauensantrag der Arbeiterpartei ist mit 328 gegen 256 Stimmen angenommen worden.
Dietz Abstimmung bedeutet den R ü ck t r i t t des Kabinetts Baldwin. Nach einer Meldung der „Erpreß • Korrespondenz" wird nunmehr eine Kommis, sionssitzung stattfinden, dtz sich mit der weiteren Geschäftsordnung befassen wird. Man erwartet, daß das Unterhaus bis zum 11. Februar vertagt koirb. Der König werde am Dienstag Ramsay Macdonald empfangen, ber bereits feine Mi- nrstsrliste fertig habe.
„Sunday Times" teilt auf Grund von Infor- mattonen von einflußreicher Seite folgende voraus- fichtliche Zusammensetzung des neuen Arbei- terkabinetts Mit: Premierminister und Staatssekretär des Aeußeren Ramsay Macdpnaw, Lordgeheim-
ÄfWss, «orckikanMr £-»rt Parmso., Schatz?anKer Snowden, FmanzfÄretär des Schatz- amts Graham, Minister des Innern Artlnrr Hen- derson, Kriegsminister Thomas, Erster Lord der Admiralität Lord HÄdcme, Kolonialsekretär Wedgwood oder Venn Spoon, Präsident des Landwirt- fihcrstsämts Roel Buxton, Arbeitsminister Sydney Mobb, Gefimbheftsministr Wheatley, Unterrichts- «rinifter Trevelyan, Pensionsminffter Robert, Prä- stdent des Handelsamts Greenwood, Generalpost- tneistzr Hartshorn, Sekretär für Schottland Adarn- jfon, Unterstaatsfekretär des Aeußern Brigadegeneral Tompson, Unterstaatssekretär des Home Office Miß BondsieD Attorney-General Patrick Hastings, Solicitor-GensrÄ Slesser.
Die deutschen Auslandsguthaben.
Zusammentritt des zweiten Sachverfkändigen- ausfchusfes.
Reiben dem unter dem Vorsitz des aiiwrifani» ffchen Generals Daves stehenden ersten Sachoer» ständigencmsschuß für die Reparattonsfrage ist jetzt 'auch der zweite Ausschuß, der die Frage der deutschen Auslandsguthaben prüfen soll, in Tätigkeit ßeireim. Den Vorsitz führt ein Engländer. Wie er in der Eröffnungsansprache ausführte, will das Komitee die ihm übertragene schwere Ausgabe lösen. Er glaube, ein gesunder Menschenver- stand, der die Sachverständigen zur Erforschung
llachollsche wett.
— neuer Weihbischof von K8ln. An Stelle de? verstorbenen Weibbisibofs Dr. Stoffels ist der Pfarrer I an St. Gereon in Köln, Joseph Hammels ernannt worden. Dieser ist am 26. Januar 1868 zu Aachen geboren, studierte Theologie in Bonn und Munster. Am 15 August 1894 Rum Priester aeweiht. war er zuerst Kaplan zu St. Quirinus in Neuß, von wo er 1901 nach Oberhausen-Altsladen zuerst alS Rektor und dann als Plärrer ' kam. 1912 wurde er nach Esten Borbeck und 1992 nach St. Gereon in Köln versetzt. Ueverall be- roäbrte sich Sammele als kluoer. eifriger und erfolg, reicher Seelsorger. Die bischöfliche Wech» wird der Erwählte voraussichtlich am 19. März, feinem Namens- ! tage, erhalten.
auf sich^ ein kleiner Turm, der sein Dach krönte, vervollständigte den Eindruck des Klösterlichen. Tatsächsich ist der ganze Sau, so wie er sich dem Auge präsentiert, ber Uckerrest einer Abtei, bie vor ber Revolution an dieser Stelle bestand. Damals wurde ein gewisser Simonnet ihr Eigentümer. Aus Dernon gebürtig, betrieb er einen schwunghaften Handel mit Nationalgütern. Er bezahlte seinen Kauf mit Assignaten, bas heißt, er bezahlte so gut wie nichts, und dieser Umstand bewog ihn, seinen bleibenden Aufenthalt hier zu nehmen. Hier wohnte gegenwärtig fein Enkelsohn Lukas Simonnet und hier hielt auch ber Wagen, ber ihn vom Bahnhof abgeholt hatte.
Beim Geräusch der Räder auf dem Kies der Allee, die, aus herrlichen Linden bestehend, vom Wegsrnnn bis zum Hause führte, ersten eine weibliche Gestatt im Rahmen der Türe. Es war Fräulein Gilberte Simonnet, die ihrem Pater entgegenkam. Don ber Freitreppe aus sah sie das beschsidene G-fährt anlangen, ohne daß sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht gezeigt hätte; sie stand in eiskalter, regungsloser Haltung da, als hätte ihr die Rückkehr des Vaters nach ziemlich langer Abwesenheit weder Freude noch Vergnügen bereitet Sie war eine große, schlanke brünette junge Dame, die der beabsichtigten Herbheit ihrer ganzen Erscheinung noch die ausfallende Einfachhett ihres grauen Alpakakleides hmzu- fügte. Der Glanz ihres schwarzen Haares, der meian. cholische Ausdruck ihrer Augen, die dem Beobachter da, Vorhandensein ' einer leidenschaftbewegten Seele verrie- len, und ein strenger Zug um den Mund verliehen ihrer ganzen Person jenes hochmütige Gepräge, das jegliche Derttaulichkeit im Keime erstickte. Etwas Geheimnisvolles. Rätselhaftes lag in dem ganzen Wesen dieser Jungfrau von zwanzig Jahren Sie war nichts weniger denn eine ausgesprochene Schönheit und dennoch segelte : sie. Wo immer sie sich gezeigt hätte, nirgends wäre sie unbemerkt geblieben. Doch gehörte sie nicht zu jenen, über die man auf den ersten Blick ein Urteil zu fällen vermag; um sie schätzen und würdigen zu können, mußte 1 man sie näher kennen, und, um die in ihrem Herzen
nicht übertreffen. . „ .... , ....
So muß man denn bet der Lektüre französischer Zeitungen zuerst unterscheiden lassen, was bezahlt und was nicht bezahft ist. In der deutschen Presie ist die Unterscheidung ganz offenstcht- lich, mir der Anzeigenteil ist bezahlt. In Frankreich ist es anders: der, Nachrichtenteil und der Anzeigenteil unterscheiden sich nur dadurch, daß Reklame, Propaganda usw. im Nachrichtenteil bedeutend teurer als im Annoncenteil ist.
Nun muß freilich einschränkend hinzugefügt »erben, daß diese Korruption nicht für alle französische Zeitungen, sondern fiir einen verhältnismäßig kleinen Teil zutrifft, freilich für den Teil, der bei weitem die meisten Leser umfaßt. Es gibt zwei Gruppen Pariser Zeitungen; die eine umfaßt die Parteipresse, die andere die N ach richte n press«. Zur ersteren Gruppe gehören die meisten Zeitungen, zur letzteren nur 4-—5 Blätter, deren Leserschar allerdings in die Millionen geht. Der Einfluß der Parteipreffe ist im Vergleich zum Einfluß der Nachrichtenpresse unbedeutend. Der Vorwurf der Korruption trifft denn auch nur für die Nachrichtenpresse zu.
Es gibt kaum eine deutsche Zeitung, die sich auch nur annähernd mit der Auflage eines dieser großen Paritzr Blätter vergleichen könnte. Jedes von ihnen, das „Journal" das „Petit Journal", der „Petit Parisien" und der „Matin" find größer als die größte deutsche Zeitung, wenigstens was die Auf- [ lagenhöhe betrifft. Freilich werden diese Blätter einem kleinen Teil abonniert, in großer Ab-
MM M Einzelnummer 10 Pfennig.
Fuld aerZettung
der Wahrheit treibe, werde ihre Arbeiten bestimmen. Dies sei die einzige Möglichkeit, zu der Losung zu gelangen, die der Welt Frieden und Wohltan d bringen werde.
Der englische Beobachter für bie Pfalz, Generalkonsul E l i v e» hat folgendes Telegramm an seine Regierung gesandt, das im Unterhaus ver- lesen wurde: ~
Nachdem ich fünf Tage darauf v-rwandt habe, die Ansichten ber Bevölkerung jeder Klaffe und irder Partei in der Pfalz zu vernehmen, bm ich zu dem allgemeinen Schluffe gelangt: „
1. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung steht der autonomen Regierung feindlich gegenüber.
2. Diese Regierung hätte niemals odne sranzösis ch e Unterstützung m Erscheinung treten können und würde fofort vertrieben werden, sobald die ftcmzösifche Unterstützung «ufhörtt.
Rach dem Zugeständnis von Bley, der das nominale Haupt der Regierung ist, sind 7 5 Prozent der Se- paratiften von außerhalb ber dfalz gekommen, sie umfassen unzweifelhaft zahlreiche Sorbeftrarte und Männer, die gänzlich unerfahren sind M den Ge- schäften der Regierung. „
4. Die katholische und ine protestantische Kirche, fre amtlichen Kreise unb bie Mehrheit der Bevölkerung in den großen Städten weisen den Gedanken einer Loslösung von Bayern zurück.
• 5 Ein beträchtlicher Teil ber Bevölkerung, obwohl gleichgültig gegenüber der Frage ber Sostrennuna von Damrn, steht der Abtrennung vom Reich feindlich gegenüber. __.
6. In bestimmten Klaffen der Bevölkerung, namentlich unter bm Bauern unb unter den sozialistischen Arbeitern besteht Neigung für bie Schaffung eines rheinischen Staates unter Einschluß ber MA. der politisch unabhängig, aber wirtschaftlich mit dem Reich verbunden sein solle. Dieser Teil ber Bevölkerung fürchtet eine militaristische Politik von Berlin und von München. t . ... .
7 Unter den Bauern unb Arbeitern herrscht st a r k e Kriegsmübigkeit und der Wunsch nach Frle- den um jeden Preis.
8. Die Loyalitätserklärung wurde M allen Teilen zi> rückgeroiesen. Die ErNärung war auf Baum imD andere Grundeigentümer und die ßanbburgermetfter be- schränkt. Biele von diesen unterzeichneten anfänglich, und zwar ohne Beratung mit den Gemeindebehörden, zogen nun aber bie Erklärung zurück. Die Bauern tn der Pfalz verhalfen sich gegenüber den politischen Ange- legen heften im allgemeinen ale ick gültig und wun- schen nur in Frieden ohne die Gefahr der Ausweffung zu leben. Dieser Teil der Bevölkerung würde, wie ich sede ErkkSnmg feder *«g!eture wtenei*nen, um in Frieden leben zu können. Die Annahme der in einer Menge von Fällen unter Drohungen erlangten Unterzeichnung kann nicht rechtfertigen, daß bie Mehrheit ber Bauern der autonomen Regierung günstig gesinnt tft. -
Eine Beruhignngspillr.
Muter erfährt, daß die britische Regierung die Frage der Eisenbabnblockade im Kölner Gebiet durch die französischen Behörden ihre Aufmerksamkeit widme. ES herrsche daS Gefühl, daß die Angelegenheit nicht zu ernst aufgefaßt werden dürfe. Noch Feststellung aller Tatsachen werde die Angelegenheit mit Frankreich besprochen werden.
ver englische Lisenbahnerftreli.
Die Leitung de? Eisenbahnerstreiks hofft, daß der Ausstand bald allgemein stin wird. ES wird auch berichtet, daß die Mitglieder der Gewerkichaft von ThomaS sich dem Streik angeschloffen halten, waS u. a. in Warrington und teilroeije in Crewe ber Fall ist. Am wenigsten in Mitleidenschaft gezogen ist der Eifenbahnbeirieb der London-Midland- Scholtland-Ge'ellschaft, welche 70 Prozent des normalen Dienstes aufrecht zu erhallen gedenkt.
In welchem Grade die Leute von den Thomas- Ttreckenden un'ersiützt werden, wird sich erst fpater zeigen; man hält ihre Haftung für rntscheidend. In einer Versammlung der Streikenden wurde Thomas mit dem Ruf: Verräter! begrüßt.