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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

enueittttffimet? 10 Pfennra.

nr. 15.

BermrtwortUch -ür bie 6 ebn: tleuun«: Dr. JoKanner St am ex. Anreise»! S- «arretier. Fulda. Rvtaiiontdruck und Verlas der -r Fuldaer Srtieebrudetei tn Fulda. Feruivrecher Nr- 9. s: Be-ueSvrei«- Monat Januar 2.S0 Eoldmart irel Vs«».

Freitag, 18. Januar 1924.

««»eiaen-Preiie. fiiemteile (ttolened lata. 0.15 Go.Smart auswärts 0L0 «oldmark: Stetlomexeile total 0,80. Soldmark ir auswärts VL» Soldmark. t-

vei WieberSolunaen Rabatt «o!t!»eckkouio Frankmrt a. M «l»l.

51. Zahrg.

WM M Skl SMISKMS. llakerfiaolsjekretär Mac NM gegen die Sonbet- bündelei.

Im englischen Parlament, sowohl tm Unterhaus als im Oderhaus, gehen die wichtigen Debatten, an denen alle führenden Persönlichkeiten Englands teil­nehmen, weiter. 3m Unterhaus hat der Unterstaats- Skretär im auswärtigen Amt, Mac Neill, auf di« ngriffe geantwortet, die namentlich von Ramsay Wacdonald und von Lloyd George gegen die Re­gierung geführt worden sind. Welchen Stand die Regierung Baldwin hat, läßt sich aus dem Wortlaut des Mißtrauensvotums, das von den Liberalen »ingebracht worden ist, erfahren. Es lautet:

Da die gegenwärtigen Berater Ihrer Malestät an« mig a eroefen sind, das Arbeitslosenvrob!em ohne Schutzzollpolitik xu behandeln, die von den Wöhlern endgültig oerutteilt worden ist, und da fie ebenfalls in der Führung der Lerwaltungsangekegenheiten und in der internationalen Politik erfolglos geblieben find, >o tonn ihnen die Führung der Regierung nicht länger «wertraut bleiben.*

Don Wichtigkeit für Deutschland ist vor allem die Stellung Englands zu den von den Franzosen begünstigten Sonderbündlern am Rhein- lieber Mac Neills Ausführungen zu dieser Frage wird uns gemeldet:

wtb London, 17. Jan. (Id.). Mac TTeifl er- klärte zur Frage der gestern von Lord George be- strroärenen separatistischen Bewegung in Deutschland, Lloyd George habe anerkannt, daß sie eine sehr heMe Angelegenheit sei. von Anfang au sei die von der britischen Regierung eingenommene Hal­tung folgende gewesen: Sie habe gesagt: Dir können keinerlei Separatismus gut heißen, der auf die Erklärung der Unabhängigkeit von Staaten hinausläufk, die jetzt Teste des deutschen Reiches sind. Die britische Regierung werde dies nicht zulassen können, da dies natürlich, wie klar ersichtlich sei, die gesamte Lage inbezug aus den Friedensvertrag Sn- der» würde. Line andere Sache sei es, wenn£) »- merule" gefordert werde, wenn sich autonome Staaten innerhalb des Reiches bilden wollten. Dies sei eine Frage, in die sich England nicht ein- mischen werde, voransgesetzt. daß es bewiesen sei. baß es der Dille der Bevölkerung selbst sei. Die britische Regierung habe stets daraus hingewiesen, daß innerhalb des Rahmens der Weimarer Ver­fassung die Handhaben gegeben seien, mittels deren eine solche Bewegung Wirksamkeit erlangen könne und daß, wenn irgend ein Teil des Deutschen Rei­ches es wünsche, die Maschinerie der Verfassung dies ausführen könnte.

Es sei vollkommen klar, daß im größeren Test des Rheinlandes die separatistische Bewegung nicht spontan sei. Größtenteils infolge des Einflusses, den die britische Regierung in der Lage war, gellend zu machen, wobei sie in großem Maße von den bel­gischen Alllierten unterstützt wurde, sei diese Lewe- guug im großen Teste des Rheinlandes zu einem natürlkhen Ende gekommen.

Mer in mancher Zeil habe die Bewegung ern­steren Umfang i n d e r B f a l z angenommen. Zu­erst halte es den Anschein, daß sie doch spontaner sei als im anderen Teil des Rheinlandes. In der letzten Zeit sei die Regierung auf Grund des Be­weismaterials zu dem Schluß gekommen, daß die separatistische Bewegung, was sie auch zu Anfang gewesen fein möge, keine echte Bewegung sei.

Die Regierung sei der Ansicht, daß die Bewegung bald von selbst zusammenbrechen werde.

England habe keine direkte Kontrolle, keine Be- satzungstruppea in der Pfalz. Dis vor wenigen Tagen, ja bis zum gegenwärtigen Augenblick habe die Regierung nicht einmal einen Vertreter ge­habt, von dem sie hätte Informationen erlangen können. Weil sie Informationen wünschte, habe sie vorgeschlagen, einen Vertreter zu entsenden, nm -le Tatsachen sestzustellea und diese an die Re­gierung unabhängig zu berichten, damit sie in der Lage sei, sich ein Urteil über die Politik zn bilden, die fie verfolgen wolle.

Die ftanzösischen Stellen hatten aus Gründen, die die britische Regierung nicht verstehe und ihrer Ansicht nach töricht seien, gegen die Ent­sendung Einwände erhoben, besonder» gegen die Entsendung de» britischen Vertreter» au» Köln. Mil Rücksicht auf die Gefühle der französischen Regie­rung habe die britische Regierung diesen Vorschlag fallen lassen und den Konsul von München ent- sandt, dessen Bericht sie noch Awatfe. Es sei hier­durch ein gewisses Maß von Reibungen et- zeugt worden zwischen Frankreich und England, und hoffentlich würden diese bald verschwinden und es der britischen Regierung möglich werden, zu Horen Entscheidungen zu kommen darüber, was fie tun könne.

Auch über die Rnhrsrage äußerte sich Mac. Reill: Die britische Regierung sei stets bemüht gewesen, in Uebereinstimmung mit dem Buchstaben und dem Geiste des Versailler Vertrags zu Han- dein, wie aber auch die britische Regierung an der Freundschaft mit Frankreich fcsthalle, von der der Fortbestand von Reparotionen irgend welcher Art abhäage, so könne sie sich doch nicht inbezug aus die Ruhrpolitik auf die Seite Frankreichs stellen.

Poincare

verhandelt zurzeit immer wieder mit dem eng­lischen Botschafter in Paris. Ferner werden in Paris wichtige Verhandlungen über die Teue­rung, über neueSteuergesetze und Spar- maßnahmen erwartet.

von Rhein, und Ruhr.

Nach einer Meldung derKöln. Zig." sind die Sonderbündler nachts von Königswinter abge­zogen. Die Fahne auf dem Rachaus wurde ent­fernt. In der Stadt herrscht großer Jubel.

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3n Duisburg wurde die Ausweisung von weiteren 24 Eisenbahnern zurückgenommen.

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Da»Perl. Tagebl." meldet aus Essen, daß die dortigen Besatzungsbehörden jetzt weiter« 9 8 0 Wohnungen für Df- fixiere und B eamte verlangen. Die in Betracht kommenden Familien der Besatzungsange- hörigen werden vom 20. Ian. ab Eintreffen. De Unterbringung mutz innerhalb eines Monats be­endet fein.

Als Revanche für die englische Untersuchung In der Pfalz haben dte FranzosenzweiKon- t r o l l o f f i z i e r e in die von den Engländern be­setzt« Zone von R öl n geschickt. Wie dieKöln. Ztg." von zuständiger Seite erfährt, besteht die Aufgabe der bereits in Köln eingetroffenen französischen Untersuchungskommission in der Feststellung, ob seiner Zeit vom britisch besetzten ®ebiel aus irgend­welche Vorbereitungen und Hilfeleistungen zur Be­kämpfung der Sonderbündler in Düren

und Honnef getroffen wurden. Die britiscl)« Be­hörde ist, wie mitgeteilt wird, mit der Untersuchung einverstanden. Der Standpunkt der britischen Behörde ist in dieser Frage grundsätzlich gekenn- zeichnet durch die Bestimmungen des Rheinlondab- kommens. Die UntsrsuchungskommWon hat ihre Tätigkeit sofort ausgenommen.

z» en Mta MMWUW.

Es war früher alles ganz anders' daS ist ungefähr der Grundion, auf den die bayerische Verlassungsdenkschrift gestimmt ist. Diele nachträgliche Liebe zur Reichsverfaffung Bismaicks muh nicht wenig erstaunen, wenn man sich der bayerischen Klagen von ehemals erinnert. Die .Köln. VolkSzig.' ruft den Münchener Schwärmern für das Vergangene einige Tatsachen ins Gedächtnis:

.ES ist tief bedauerlich, dah sich diese Denkschrift in billiger Kontrastlerung von Ernst und Jetzt selbst zur Teudenzschrift stempelt. Wir sollen ihr glauben, datz das Reich BiSmarckS ein adäquater Ausdruck für Len Bund souveräner gleichberechti, ter Staaten gewesen sei. Die für Bayern stets schwer ertragbare H ege» moniestetlunq Preußen» wird mit keinem Worte etiüäbnt; verichwiegen, datz BiSmarck selbst in seiner Vertaffung ferne endqiltige Lösung, sondern nur einen einftmeilinen Kompromiß sah. Wir hören nichts darüber, wie umstritten doch schon die Souveränität der ®Uebftaaten vor 1918 war; nichts über die komplizierte Natur des Jneinandergreifens der unitarischen und föderalistischen Elemente; nichts über die Fortschritte zum UnitariSmuS hin, die seit 1871 emtraten. Hat man in Boyern daS persönliche Regiment Wilhelms II. ganz vergessen? Ver, essen, welche Empfindlichkeiten ge­legentliche Berufungen deS Punzen Luowin von Bayern, besnacbmaligenKönigSLuvwig 111 .auf den föderalistischen Charakter des Reiches in Berlin auilöftcn? War nicht in Wirklichkeit der alte Bundesrat von Preußen be­herrscht und darum als Träger einer föderalistischen Souveränität der Gliedstaaten vielfach zur Atrappe ge- worden? Und während die Denkschrift die BiSmarcksche Peifafsung von jeder Schuld an Niederla ie und Revo­lution freispltcht, belastet sie anderseits diejun ^Republik mit dem ganzen Pasiivum deS Zusammenbruch»! WaS sollen dera tige Antithesen heutzutage, wo sestgestellt ist, datz daSBteich BiSmarckS ein geschlossenes National- bewutzlseickund eine lebendige StaatSgesinnun g nicht zu erzielen vermochte? Wo Kuliurkamp und Sozialistengesetz schwere Mitzgriffe der Innenpolitik Bismarcks darstellen, wo der Kastengeist ärger herrscht* als je, wo der vom Verfafier der Denkschrift selbst bee Hegte Materialismus alles überwucherte, wo dem Reichstag feder Einblick m die Leitung der politischen Geschicke Deutschlands entzogen war?, wo ein überlebtet MilitärabsolutiSmuS herrichte, kraft dessen schließlich ein Ginzelwille über bas Leben von Millionen entschied, wo Außenpolitik und Kriegführung versagten, trotzdem aber die Kräfte de» Volkes b,s zum Weiyoluten ange­spannt und sich b etende griedenSmö.stichkeiten un «nutzt gelassen wurden, ton schließlich daS lähmende Bewutzt» sein des allgemeinen Zusammenbruch« den alten Staat in nicht geringerem Mage zum Stillstand brachte wie die an sich unbedeutende Revolution?»

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ReichS'anzker Marx hat unter dem 15. Januar folgendes Schreiben an den bayerischen Gesandten v. P reger genchiet:

Sie mir am 5. Januar d. I. überreichte Denkschrift der bayerischen Regierung habe ich inzwischen mit Auf. merksamkeit gelesen und sie, sobald ich in den Besitz einer ausreichenden Zahl von Abdrücken gelangt war, allen beteiligten Reichsstellen zugeleitet. Die bayetische Regierung wird es verständlich finden, dah die Reichs» regierung angesichts der weitreichenden Bedeutung der in der Denkschrift erörterten Probleme eine abschließende Stellung heute noch nicht einnehmen kann. Schon jetzt aber möchte ich meiner lebhaften Genugtuung dar­über Ausdruck geben, daß der in sachlich gehaltener Form bargefegte Standpunkt, den die bayerische Regierung der Reichsversassung gegenüber einnimmt, von dem Gedan­ken getragen ist, das Reich im Ganzen wie in fei­nen Teilen stark und fest zusammengesüst zu «r h a l-

6in »Milte RtiwIM In Seenot.

wtb £ 0 n b o n, 17. Ian. (Tel.). Reuter rncldek Einer Rachrichl au» Galvefioa in Texas zufolge lfk der Kreuzer dec Bereinigten StaatenTarawa", bei sich wegen der mexikanischen Unruhen auf dem Wege nach Deracruz befand. 16 Mellen von Veracruz auf beu Klippen gestrandet und gibt Not­signale. Eine drahtlose Depesche an den Kom­manbanken la Veracruz bittet am schleunigste Uebet- senbung zweier großer Schleppdampfer, wenn diese nicht binnen zwei Stunden dnträfen. werde es nicht möglich fein, das Kriegsschiff zu retten.

ten. Ich verkenn« nicht, daß die Denkschrift sowohl üö ihren geschichtlichen Darlegungen wie in den Vorschläge»' für die Zukunft Gegenstand lebhafter, vielleicht heftiger Meinungskämpse lein wird, die jedoch, wie ich be» stimmt hoffe, sich tn den Grenzen hatten werden, die ihnen die Tatsache zieht, datz deutsche Gedanken und Gefühle der bayerischen Regierung die Feder geführt haben. ;

Sie Reichsregierung ist gerne bereit, zunächst mit der bayerischen Regierung unter Zugrundelegung der überreichten Denkschrift in einen Meinung sau«, tausch einzutreten, wobei st« mit ber bayerischen Re­gierung darüber einig ist, daß die einzelnen in der Senkschrift erörterten Fragen einer eingehenden sachliche« und vorurteilslo|en Prüfung bedürfen. Erst nach dem Ergebnis dieser Erörterungen wird sich die Frage be- antuyirten lasten, inwieweit von Seiten der Reichsregie­rung und der bayerischen Regierung die Initiative zu gesetzgeberischen Maßnahmen zu ergreifen fein wird.*

Tie Sozialisten in Bayern.

Dem Vorwärts zufolge hielt eine Sektion bei sozialdemokratiichen Verein« München am Diens­tag abend tn München eine öffentlich Manntgegebene geschlossene Mitgliederversammlung ab, in der im Hinblick auf die Neuwahlen ein Landtag«- abgeordneter der Partei referierte. Al« die Versamm­lung beinahe beendet war, besetzte ein 30 Mann starkes Schutzmannsaufgebot den Saal, hob die Verfammlung auf, notierte sämtliche 60 Teil­nehmer und vcrhaftrie die am Borstandstisch Sitzenden.

Kommunistische Umtriebe.

DerVast. Zig." wird aus Stuttgart ge­meldet, daß in Friedrichshafen umfangreiche Vor­bereitungen zu einem Putsch aufgedeckt worden seien. In einer Reihe von Betrieben se>en seit einiger Zeil aus gestohlenem Material Hand­granaten hergestellt und unter Angehörige der kommunistischen Partei verteilt worden. Es seien bereits zahlreiche Verhaftungen, ausschließlich von Mitgliedern der kommunistischen Partei, vorgenom­men worben.

Tom anjMn Extrem.

Der wegen eines geplanten Anschlags gegen General v. Seeckt in Berlin verhaftete Thor- mann sollte Mitglieb ber völkischen Organisation Wiking" sein. Der BundWiking" in München lehnt in einer Erklärung an die Blätter es ab, mit dem gegen General v. Seeckt geplanten Atten­tat in Verbindung gebracht zu werden. Tbormamr fei bereits vor einiger Zeit aus dem Bunde aus- geschieden. Thormann Ist übrigens au» deutschvölkifchen Kr->sien heraus den Be­hörden wegen feines Vorhabens angegeben worden,.

Tarifwesen.

= Verbindlicher Schiedsspruch hn Kalibergbau. Der Reichsarbeitsminister hat den von den Gewerkfchoftrn abaefehnten Schiedsspruch, der für den Kalibergbau unter und über läge die Leistung von Mehrarbeit vor­sieht, für verbindlich erklärt. Aufgrund der in dem Schiedsspruch geregelten längeren Arbeitszeit haben sich die Tarifparteien über bie Löhne verständigt.

KelAa.

Seeroman von Clark Ruffel.

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Wenn mir auch von einem Handelsschiff keine große Hilfe erwarten durften, so schickte es uns doch vielleicht ein paar Mann an Bord, mit deren Beistand wir bis «ach Funchal gelangen konnten. Wie bitter nötig wir noch ein paar kräftige Hände brauchten, kam mir klar zum Bewußtsein, als unser armseliges Häuflein, vom Eegelbrasten total erschöpft wieder an Deck stand.

Wa, sollt« aus uns werden, wenn schweres ®elfer ersetzte, und alle Segel, bis auf ein dichtgerefstest Mars­segel, geborgen werden mußten! Ich beratschlagte mit Abraham und Jakob, ob man nicht ein oder zwei der Leute zur Hllfe nach oben beordern könnte; sie hielten das Experiment aber für zu gefährlich, was ich schließ­lich auch einsehen mußte.

Nun gingen wir auch daran, die gefangene Mann­schaft mit Lebensmitteln zu verscrgen. Ich ließ eine für mehrere Tage genügende Menge Pökelfleisch abkochen und einen großen Kübel mit frischem Master füllen. Wahrscheinlich war es unten im Raum erstickend heiß, da der schwache Wind nur wenig frische Lust durch den Schacht in den Raum gelangen ließ und die Sonne ten ganzen Tag auf das Deck brannte. Wir beeilen uns daher so viel wie möglich, um bie Qualen der Em- geschlvssenen nicht unnötig zu verlängern, aber es war doch schon fünf Uhr geworden, bis wir unsere Vorbe­reitungen beendet hatten. Um die Vorräte hinunterzu» schaffen, mußten wir allerdings, auf unsere Gefahr hin, die Falltür öffnen. Wir bewaffneten uns mit schweren Ersenstangen, woraus ich dusch den Schacht hinunter ries. Man antwortet« mir augenblicklich:

Ja, Herr! Sm Namen Allahs, Wasser! Wasser! er­tönte Nakiers Stimme wie aus weiter Ferne.

Wir werden euch gleich zu essen und zu trinkm geben, erwiderte ich. Aber nur ein einziger dars die Sachen in Empfang nehmen. Wenn sich beim Oeffnen der Tür mehr als einer zeigt, schließen wir augenblicklich wie­der zu, und ihr bekommt keinen Bissen, keinen Trunk. Schickt Drmmeamaottyl

Wir schwären bei Allah! Nur einer kommen! ant­wortete die Stimme.

Ich wandte mich nun nach der Falltür, wo Abraham und Jakob schon kampsbereit standen, löste das Schloß und schob den Deckel ein paar Zoll zmück. Von der Sonne geblendet, vermochte ich in dem dunklen Raum anfangs nichts zu unterscheiden. Auf meinen Anruf meldete sich Punmeamovtty mit furchtsam zitternder -Stimme.

Hände zeigen! schrie ich, worauf sich feine ausge» streckten Finger wie die eines Ertrinkenden emporfchoben.

Sonst keiner von euch da?

Alle hinten! Alle hinten! stammelte er kläglich.

So schnell wie möglich reichte ich einige Säcke Schiffs» zwieback, das gekochte Fleisch und den Kübel mit Wasser hinunter. Als ich den Riegel wieder vorschob, hörte ich unten einen lauten Schrei, hielt mich aber nicht auf und ließ Jakob als Wache bei der Falltür zurück. .

Als Helga und ich etwas spater unser bescheidenes Abendessen verzehrten, ries Jakob nach mir.

Ich fürchte, die Kerl« ersticken unten, sagte er. Sie klopfen fortwährend und schreien durch den Schochs.

Ich horchte hinunter, wo eine schwache Stimme stöhnte:

Lrfft, Herr! ober wir alle sterben muffen!

Wir können weiter nichts tun, als bie Tür eine Spalte weit öffnen, meinte Jakob. Wie aber verhin- bern, daß sie dabei ausbrechen? Halt, ich hab's!, und mit einer Fixigkeit, die seinem guten Herzen Ehre machte, sprang er bavon unb tarn mit zwei Stücken Holz wie­der, bie im Boot bem Ruderer als Stützpunkt für die Füße dienten. Diese klemmte er unter b« Schiebetür, so baß baburch eine Spalte entstaub, bie zwar genügenb Luft einftrömen ließ, aber selbst bem schlanksten mensch­lichen Sörper keinen Raum zum Surchschlüpfen bot. Nachdem ich mich von der Festigkeit des Verschlusses überzeugt hatte, rief ich durch bi« Spalte: Wie steht's nun?

Ich hörte zunächst nur ein dumpfes Murmeln in ber Nähe ber Tür, unterschied aber bald Nakiers Stimme:

Allee right, Herr! D wie schön jetzt atmen! Weshalb Ihr uns hier gefangen halten?

Auf weitere Vorstellungen und Bitten erwiderte ich jedoch nichts, sondern war froh, den Annen eine Er­leichterung oerschasst zu haben, konnte mich aber beim Gedanken an die Deffnung der Tür, wenn sie sonst auch noch so fest verschlossen war, eine» unbehaglichen Ge­fühls nicht erwehren. Wir wagten auch nicht, sie einen Augenblick unbeobachtet zu lassen, und losten einander in ber Wache ab. Schreckliche, trmübenbe Stunden schlichen auf diese Weise dahin, trotzdem draußen auf dem Ozean eine wunderbare Nacht ihren Zauber um uns spann.

Millionen von Sternen funkelten am Firmament, bas Meer flimmerte unb leuchtete, unb ber Mond zog seine silberne Straße durch die dunkle Flut. Nur zu- weilen, wenn ich der Geliebten klein« Hand auf meinem Ami fühlte, wich meine Angst einem tiefen Glücksgefühl. Der alte Ozean selbst hatte mir das Weib meiner Liebe cis köstliches Geschenk bargebracht uns mich in Not und Gefahr ihr Herz gewinnen lassen. In knappen vier­zehn Tagen hatte sich dieser abenteuert eichte, tragische und doch noch so schöne Abschnitt unseres Lebens ab- gespielt.

Meine Mutter! Wenn ihr von dem Dampfer die Botschaft übermittelt worden war, wußte sie wenigstens, daß ich noch am Leben war. Wie ober würde sie Helga empfangen, das landfremde Mädchen, das ich ihr als Tochter bringen wollte?

Endlich dämmerte der Morgen, unb Helgas teil­nahmsvollen Blicken sah ich es an, baß bie körperlichen unb geistigen Anstrengungen ber letzten Zeit an mir nicht spurlos vorübe gegangen fein mu ten. Wir früh­stückten unb füllten bann ben leer fjeraufgcfanbten Was. serkübel von neuem. Nakier benutzte bie Gelegenheit, um uns beim Koran zu befeuern, baß mir nicht das geringste zu befürchten hatten, falls wir sie frei ließen, prebigle aber tauben Ohren.

Am Nachmittag frischte ber matte Lastzug zu einer steifen Brise aus unb bie Bark neigte sich tüchtig unter bem Segelbruck. Kühl wehte es um unsere erhitzten Ge­sichter; scharf durchschnitt der Kiel das hoch ousrauschenke Wasser und zog einen langen, schimmernden Sirenen hinter Pub her. ftelaa bette ihre '.Berechnung ?n gemacht

unb meinte, baß wir, wenn der Wind anhielte, tn nicht zu langer Zeit Teneriffa sichten wurden. Sie stand plaudernd neben mir an der Reeling; Abraham ging auf dem Vorderdeck, Wache haltend ,auf unb ab, und Jakob lag in Rufweite in festem Schlaf. Plötzlich fiel mein Blick auf den von der Abendsonne mit rötlich gol­denem Anstrich verzierten Hauptmast, den bis zur Höhe von etwa zwanzig Fuß em flimmernder Dunst in schrou. benartiqen Windungen umgitterte. Ich schrieb dies im elften Augenblick der erhitzten Atmosphäre zu, als Helg« aufschrie:

Da« Schiff brennt!

Gleichzeitig brüllte auch Abraham: Feuert Mr. Tregorthenl Feuer! Durch die Tür qualmt schon der Rauch!

Ich übergab Helga bas Steuer und weckte rasch Jakob auf. Wir hatten uns nicht getäuscht! Am Fuß des Hauptmastes träufelte ein Rauchwölkchen in bläu­lichen Wirbeln. Don unten hörte ich halb ersticktes Ge­schrei, stürzte zu der Deffnung in ber Tür unb fragte^ was es gäbe. Nakier antwortete, datz einige Leute durch unvorsichtiges Umgehen mit der Campe die Ladung t» Brand gesteckt hätten.

Bei eu-cm Gott, ihr lassen uns rasch hinaus oder wir elend verbrennen müffen!

Ich rannte mit Jakob nach hinten, doch bei bem ersten Versuch, bie in ben Schiffsraum führend« Luke auf» zuheben, quoll uns eine solch« Rauchwolke entgegen, daß wir nach Lust ringend zurückprallten. Dor Entsetze« fast gelähmt, stand ich vor dieser neuen Katastrophe, ber schlimmsten Gefahr, bie einen Seefahrer treffen kann.

Um Gottes willenI Was sollen wir tun! stöhnte ich.

Das ist einfach genug! sagte Jakob, ber _ sich am raschesten von uns zu fassen schien. Wir müssen da» Schiss cerlafien!

Und die Malaien umtommert kaffen, rief ich schau» bernb.

Hort! wie sie unten schreien! fchr!« Abraham, vor Er. regung zitternd. Wir müssen ein Doot DerprODioanticren, unb ehe mir abführen, muff ber letzte von uns die Tür aifftoffen, bannt sie herauskönnen. Dieser fetzte werbe

i 1* sein. (Forts, folgt.)