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Einzelnummer 10 Pfennig

fit. 13.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Serantworthd) fit bie Gctttitleituna: Dr. SoLannH «tarnet, «nreise»! 2- B at,eilet. guida. Äotat eneSrutf und «erla, bet ,r Fuldaer «cticubruckere, in Jutta. Sernitiretter Rr- 9. :»

«e,ua«vre'»! Moral Saruor 2.50 Colbmotf tret Sau».

Mittwoch, 16» Januar 1924.

Sn« ei a e n »SSteue: Riettueue illo.oned total 0,16 ®o .smart auSwLrt» 0,20 Ctoibmatt Sell ante» eile total 0.60. «oldmart u eultoirti 0.80 «oldmart. :

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51. Zahrg.

GÄeIstzehriTUkWSseiliWg.

Ls zeigt sich ein kleiner RückganZ der Arbeltslosiskeil. Weitere Saftopfuag von Jnjlationsqucllen.

Wenn auch das Schiebergesindel noch mit sehn» Kichägen Blicken nach neuen Inscationsmöstlichkesten iklussaMt hall, es ist doch zu hassen, daß die veraut« iwornichen Leiter der deutschen Geschicke einem aber» maiigLn Lnftationsverbrechen an ehrtichen deutschen Menschen Riegel vorsthieben werden. Es Legen -Nachrichten vor, daß di« deutsche Goldnoten­bank, die der deutschen Währung eine zuverlässige Grundlage geben würde, schon im kommenden Frühjahr Wirklichkeit werden kann. Haben wir ein* mal diese Goldnorenbank, der der neue Reichsbank- präsident Dr. Schacht zielbewußt zustredt, daun müs­sen die Jnsiationsgewinnler alle Hossmmg begraben, ihren Volksgenossen, die in ehrlicher Hand- und Kopfarbeit einen bescheidenen Lebensunterhalt ^n, durch rassinierre Kniffe noch einmal das ige zu nehmen, um davon ein Prasserleben zu führm.

Eine Schattenseite der Währungsbefestl- fltmg schien die Arbeitslosigkeit zu sein, die mit der Surütlisierung der Mark einseßt. Jetzt meldet aber erfreulicherweise derSorroärts", die Beruhi- flung der WLHnmg hab« bereits einen kleinen Rückgang der Arbeitslosigkeit hsrbei- gsführt. Eine Gesamtübersicht fehle zwar noch, doch .lägen bereits die Ergebnisse der Zählung über den Beschäftigungsgrad tm Textilge- werbe vom Deutschen Textilarbeiter-Verband, der gewöhnlich ein typischer Gradmesser unserer ge- samten Wirtschaft sei, von Ende Dezember vor. Während die ZaU der Arbeistlosen und der Kurz­arbeiter im November noch 73 Prozent aller Mit­glieder betragen habe, sei diese Zahl aus 50 Prozent herabgegangen. Die Zahl der Pollar­beiter sei gegenüber dem Vormonat auf mehr «ls das Doppelte gestiegen.

Nach Informationen derDass. Ztg." ist das Kontingent der Darlehnskasseu jetzt pts zur Grenze von 10 Trillionen Papiermark, auf die es im November 1923 erhöht wurde, in An» Zpruch genommen worden. Eine neue Erhöhung des Kontingents ist, wie das Blatt hört, nicht be­absichtigt, da nicht mehr di« Erweiterung der Tätig­keit der D a r l e h n s k a s s e n, sondern ihr A b ° bau ms Ange gefaßt fft.

Größtes Aufsehen

muß die Rede NWthen, mit der der amerikanische General Dames, der zum Vorsitzenden des Ersten Sachoer st ändigenousschusses in Paris gewählt worden fft, den A u f t a k t für di« Arbeit dieser Kommission gab. Er stellte darin dem von dem Poincare-Freund Barthou, dem Vorsitzen­den der Reparationykommission, in seiner Begrü­ßungsansprache unternommenen Versuch, der Tätig­keit der Experten durch den Hinweis aus ihre Ge° kmdenheit cm den Frtedensvertrag die bekannten Beschränkungen aufzuerlegen, die Tatsache gegenüber, daß alles, was bisher zur Lösung des ReparationsproRems unternommen wurde, ge­scheitert ist imd scheitern mußte an der Verfehttheit her angewandten Methode. Die ganze Rede verriet ruch feine Auffassung von den Aufgaben der sachverständigen, die, auf der Raelrtät der wirtschaftlichen Tatsachen fußend, allein imstande ist. ßu positiven und praktischen Ergebnissen zu gelangen. Ausrichtig, wie der Appell an die Einigkeit der Alliierten, deren Mangel er di« Hauptschuld cm der Kritischen und gefährlichen Simation beizumessen scheint, war die Kritik, die General Dawes an rll«n bisherigen Versuchen zur Lösung der Repara- wnsfrage übt«.

Das Komitee, das nach dieser Ansprache sich zu t?n«n gemeinsamen Frühstück vereinigte, hat be­reits am Nachmittag des Eröffnungstages die erste geschäftliche Sitzung abgehalten.

Dawes sagte u. a.: -

Fünf Jahre hindurch hat unter den Alliierten nicht jenes Einvernehmen geherrscht, da- für de» Frieden uni)

Mm'OM? M tea tesiAki! S-Siü.

Die Weihnachtstage sind zwar rasch vorüber, a'-er kroh bin ich doch, daß ich wieder einmal in der vertrau- ten, gemütlichen Stube bei meiner Matter sitzen darf. Nach Deckaus eines vollen Jahres mar die frcmzösi'che LesatzungsbehSroe in Wiesbaden endlich so freundlich gewesen, die Rückkehr in die ölte Heimat am Rhein dem längst Ungeduldigen wieder einmal zu gestatten. Es war mir gelungen, für 22,5 Frs. einen Pah zu erhalten, und so hatte ich mich denn erwartungsvoll auf den Weg gemacht. Durch den Distelrasen hindurch trug mich der Zug Frankfurt, der Weltstadt, zu. Man kommt in eine andere Weit, wenn man durch den Distelrasen fährt. Aus dem rauhen Rhön^Dogelsberg-Gebiet öffnet sich der Zugang zu den reichen, milden und lebensfreudigen Gefilden an Main und Rhein. Aber leider, eine schlim­mere Schranke ist jetzt mitten durch das gesegnete Land gelegt, abermals muß man in eine andere Welt fahren, wenn man die Heimat erreichen will: man muß die Grenze der französischen Bssatzungszone übertreten, das Atmen wird beklommen, die freie Bewegung gehin­dert, wenn man sich dem Zugreiien des fremden Mili­tärs preisgegeben steht.

Seit kurzem ist nun wenigstens der Versuch gemacht, den direkten Verkehr wieder in Gang zu bringen. Von Frankfurt ab verkehren wieder durchgehende Züge ins besetzte Gebiet. Die Fahrkarte gllt freilich nur bis zur ersten Grenzstation, z. B. bis Höchst auf der Strecke FrankfurtWiesbaden. Schon vorher in Griesheim soll Paß- und Gepäckrevision stattfinden, und man muß sich mindestens aus eine gewaltige Verspätung gefaßt machen. Don der Gepäckrevision war allerdings nicht viel zu be- Irerken der Herr, der in Frankfurt mit mehreren Gepäckstücken den Wagen betrat und seine Anaeböttseo

den wirklichen Fockschritt wesentlich ist. Wir sind soweit gekommen, daß wir heute wissen: Diese Unfähig­keit, sich über eine gemeinsame Haltung zu eini­gen, hat ganz Europa in eine äufeerft kritische Lage ge­führt. Es ist nicht der Augenblick, uns Hüslichkeiien zu sagen.

Was haben wir zu Beginn unserer Arbest in diesem Sachoerständigenauss huß vorgefunden? Zunächst ein undurchdringliches kolossales Durcheinander wirtschaftlicher Ansichten, beruhend aus Tat­sachen, die so schnell sich geändeck haben, daß die Ge­samtheit der Ausgangspunkte selbst dann nichts weck wäre, wenn sie miteinander in Einklang ftärben. Bei allem gebührenden Respekt vor der großen Kompetenz der Sachvecktändigen, die in diesem Durcheinander um- hergeirck sind, war es ausgeschlossen, daß sie nicht bei oerf-hiebenen Zielen anlangten. Sie standen der Not­wendigkeit gegenüber, stabile Schlußfolgerungen zu ziehen, während es keinerlei stabile Voraus­setzungen gab. Wenn sie die Mark zur Grundlage nahmen, so war die Woche darauf die Mark etwas ganz andere» geworden. Handelte es sich um den Dollar, das Pfund, den belgischen oder französischen Franken, so besaß jede dieser Währungen einen beftimmten Werl auf dem Internationalen Wechselmarkt und einen anderen Weck hinsichtlich ihrer inneren Kaufkraft. Handelte es sich um Berechnungen um Gold, so galt es, Goldwecke aus der Zeit vor dem Kriege und Goldwerte aus der Zeit nach dem Kriege zu berücksichttgen. Im allgemeinen gesprochen, haben wir nichts besonders Weckvolles ge­funden unter den wirtschaftlichen Argumenten, die aus dem beruhten, was sein sollte, anstatt auf dem. was ist. Mit anderen Worten: Argumente, die auf einem stän­dig wechselnden Status beruhten. Während dieser Zeit, während der fünf Jahre, die dazu verwendet worben sind, mühevoll jene ungeheuerlichen Bibliotheken anders kann man sie nicht nennen von mehr oder weniger veralteten Statistiken und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zufammenzubckn- gen, sind nach und nach die wirtschaftlichen Gnmdlagen Deutschlands zusammengebrochen und mit ihnen die deutsche Produktionsfähigkeit U-berdies bat der Kre­tz i t sämtlicher europäischen Alliierten, als dos Wirtschaftsleben Deutschlands allmählich erlosch, einen Stoß erhalten; denn die Welt begreift sehr wohl, daß Demschland, wenn da» deutsche Volk seine Arbeitsfähigkeit verlleck, selbst seine Fähigkeit einbüßt, jene Reparationen zu zahlen, die ein so wichtiges Ele­ment der europäischen Zahlungsfähigkeit barftellen.

Die Rebe gipfelte In der Aufforderung, zu helfen, daß Deutschland Heilung erlange. Es gelte als erste Maßnahme ein System zur StabIIi. sierung verdeutschen Währung zu schof. fen. Es gilt, das Wasser zu finden, das die Mühle des beutfd)en Budgets treiben soll. Bauen wir die Mühle erst dann, wenn wir das Wasser gefunden haben, das ihre Räder drehen kann.

Sn M m Die SkWe M.

Das Programm des englischen Generalkonsuls.

In einer Unterredung mit dem Heidelberger Korrespondenten des^Berliner Tageblattes" betonte der englische Generalkonsul C l i o e s, der von seiner Regierung sehr gegen die Wünsche der Franzosen als Beobachter in die Pfalz geschickt worden fft, daß England in der pfälzischen Angelegenheit durchaus unparteiisch und korrekt vorgehen werd«. Er habe bereits am Sonntag mit Vertretern der pfälzi­schen Parteien gesprochen, um sich über die Zustände zu unterrichten; er werde aber auchdieSepara- t i st en hören. In Mannheim werde er eine Unter­

redung mit Vertretern der pfälzischen Kirche haben. In Speyer werde er dem General de Metz einen Be­such abstatten.

Clives betonte, England stehe auf dem Stand­punkt, daß das separatistisch« Problem in der Pfalz eine mnerpolitische Angelegenheit Deutschlands ist und nuraufGrunddesArtikelsl9der Weimarer Verfassung gelöst werden kann. Clives schloß, England sei bereit, den Sichren Wil­len des pfälzischen Volkes zu respektieren, soweü er sich auf verfassungsmäßigem Wegs auswirke. Es siege England durchaus fern, Frankreich zu diskredi- tteren, aber Großbritannien könne dem illegalen Separatismus nicht das Recht zuerkennen, sich als rechtmäßige Regierungsgewalr aufzuspielen.

Welche Räuberbande dieautonomen Separa­tisten" barftellen, wird Herr Clives erfahren, wenn er eine Unterredung mit demPräsidenten" an­strebt. Wie wir nämlich hören, hat sich für den von der Dott.justiz gerichtetenPräsenten" Heinz

unterwies: also da« Ist Wäsche, bas hier find Lebsns- mitiel, und hier dos Kleider, hot!« die Mühe umsonst gehabt. Bei der Rückfahrt wird man sich in dieser Be­ziehung mehr in Acht nehmen müssen. Dann wird am Zug entlang ausgerufen: Pässe bereit hatten! Nach einiger Zeit erscheint an der Wogentür ein französi­sche Soldat in rotem Fez, um sich von ihrer Gültigkeit zu überzeugen. In dem einen Abteil geht er rasch wei­ter, im nächsten müssen zwei Personen die Fahrt un­terbrechen.Nicht gut" und ein leise» Kopfschütteln, bann folgen bi« Opfer stumm unb verlassen den Wagen. Sie übrigen atmen erleichtert auf, wie es immer bei Menschen ist, wenn bas Unglück den Nächsten trifft und man selbst verschont bleibt. Nach y4ftünbigem Aufent­halt holpert der Zug weiter zur nächsten Station. Herr­licher Sonnenschein breitet weit vor uns die Schnee- landschast aus, während in Frankfuck noch Schnee und Regen im Beretr ox Unwirtlichkeit der Jahreszeit zum Bewußtsein brachten.

In Höchst haben wir wieder denselben Aufenthalt. Cs wird ungemütlich, auf jeder Station so lange warten zu müssen. Ab« hier werben die neuen Fahrkarten im Zug verkauft Ein französischer Beamter betritt ben Wagen, lieber bem Schild seiner Mütze liest man Midi", offenbar war er früher bei ben Bahnen im südlichen Frankreich bedienstet. Er fragt: Combirn? Antwort: Eine (nämlich Fahrkarte) nach Wiesbaden. Dann wird der Fahrschein von ihm ausgefüllt unb « gibt ben Preis an. Nach der Ausgabe mehrerer Ein­zelkarten bedeutet er dem Publikum mit einiger Muhe, es möchten Fahrgäste nach derselben Station gemeintem eine Fahrkart« lösen, damit bte Abfertigung rascher geht. Alfo,. wer fährt noch nach Wiesbaden? Hand hochheben! E, wird abzezätzlt, noch 7 hoben sich ge» mdisfc ü'iiuz. iammeU das Geltz ein. von jedyu 1,25

noch kein Nachfolger gefunden. Es verlautet, daß derHerr" Wirlscijaftsrninister Bley die Nachfolge abgelehnt hat. Da jedoch irgend jemand zunächst als provisorischerPräsident" fungieren muß, hat dem Vernehmen nach der wegen Spionage und Upterschlagung vorbestrafte (!) 2 3 jährkgeseparatistisch« Major" Kuhn aus Speyer die vorläufige Führung derPräsidial- gehchäfte" übernommen.

Au« Türkheim toitb gemeldet: Ter stellver­tretende Fmanzamivwsleher, iHegterungäiat Marz, ift durch ben üparattsti.chenP-zirkSkommssar" am 10 Januar tz. Je. aus seinem Amt vrririebcn worben._______________ ___________

MM StrMin mit M!Mn.

Den Franzosen Ist eine außenpolitische Trumpf- Karte aus der Hand genommen worden. Sie hat­ten sich bekanntlich mit Prag, mit der Tschecho- Slowakei verständigt. Deren rühriger Dirigent, Herr Denesch, sollte die Südslaoen. die Serben, zu diesem Bunde hinzugewinnen, auch vielleicht noch die Russen. Damit wäre Frankreich zu einem neuen mächtigen Bundesgenossen im europäischen Osten gekommen, was vor allem für eine Mittel- meerxolitik von großem Vorteil gewesen wäre. Aber Italien, durch diese Dündnispläne in erster Linie bedroht, kam den Franzosen zuvor. Es einigte sich in Belgrad mit den Serben über dis Hauplstreitfrage, über Fiume, und ließ dieser Einigung weitere Abmachungen folgen.

Die Basis dieses italienisch-südslawischen lieber« einkommens, von dem der Minister des Aeußern Nintschitsch am Schluß der letzten offiziellen Kon­ferenz der kleinen Entente die Teilnehmer verstän­digte, sollen folgende Punkte bilden:

1. Italien verpflichtet sich, alle Bestimmungen des Vertrags von Rapollo zu erfüllen und alle mit dem früheren italienifchen Außenminister Sforza festgelegten Abmachungen zu beachten.

2. Das Königreich Südflawien gewährt Italien volle Freiheit bezüglich der Organisation de» Fiumer Staates.

3. Südflawien wird da» Recht auf Benutzung des Fiumaner Hafens auf 50 Jahre eingeräumt.

4. Italien und das Königreich Südflawien wer­den eins Handelskonvention abfchließsn.

Die Bedeutung der Abmachungen für die etiro- paifche Politik leuchtet ein. Die französisch- tfchechkfchs Allianz hat gleich em Gegen­stück in dem itasienifch-ferbifchen Bündnis erhalten. Die Bewegungsfreiheit Italiens in der Adria, im Mittelmeer und auf dem Balkan werden erheblich gesteigert. ^Secolo" sagt, nach der Meinung offi­ziöser römischer Kreise sei nun endlich der schwarze Punkt verschwunden, der beständig den europäischen Frieden gefährdete, für die Wiederherstellung des Gleichgewichts Europas sei da» von größter Be- deutung. _________ _

yeinttches für Poincare.

Enthüllungen zu den russisch-französischen Sriegs- treiberelea im Jahre 1913.

Das Organ der französischen Sozialisten, die Humanits, veröffentlicht fortgesetzt Mitteilungen aus den ihr zur Verfügung stehenden Akten de» zaristischen Rußland, die den leitenden fran­zösischen Staatsmann Poincare arq bloßstcllsn.

Nachdem eine Depesche vom 29. Oktober 1912 ver­öffentlicht wurde die ber nach Paris entsandt« biplo- matffche Agent Dawidoff an Kokowzew richtete, worin erklärt wirb, Poincare unb Iswolski hielten einen Ne- servekrebit von 300 000 Frank» für erforderlich, um auf bie französische Presse einzuwirken, wirb ein längerer Bericht Iswolski» on Sassonow veröffentlicht.

Der Bericht, ber von Paris am 1. (14.) Februar 1913 abgssanbt würbe, ist am 5 Februar in St. Petersburg eingetroffen und bock unter Nr. 138 im Eingang re» atftriert. In ber Depesche setzt Iswolski ben Zweck feiner Aktion auselnanber. Er berichtet, bie außer­ordentliche gegenwärtige Lage lasse «inen gewissen finan­ziellen Druck auf bie französische Presse als wünschenswert erscheinen. Aus feinen Unterredungen mit bem ehemaligen Ministerpräsidenten, bem jetzigen

I Prösibenten ber Republik, konnte er sich überzeugen, ' daß Poincare feine Ansicht teile. Er äußerte jedoch den Munich, baß nicht» nach bieser Richtung hin unternommen werde, ohne ihn zu unterrichten.. Die Verteilung ber Unterstützungen auf bie sranzö- fischen Presseorgane fei unter Beteiligung ber franzö- fischen Regierung unb burch Vermittlung einer von ihr genannten Persönlichkeit, nämlich Lenair, vorgenommen. Seine Politik rechtfertigt Iswolski in bem" Bericht mit ben Worten, feit Beginn bes Balkankrieges bemühte er sich ohne Unterlaß, in ernsten französischen Blattern eine Diskussion «i tmterbaPen, bie mit bem russischen Stanb« punkt im Einklang stehe unb burch bie, wie ber Außen­minister Sassonow anerkannte, in bieser Beziehung höchst greifbare Ergebnisse erzielt wurden. In der letz­ten Zeit habe sich in Derblndung mit den Präsidenten­wahlen In einem gewissen Teil der französischen Presse eine Agitation gegen eine angeblich zu weltaelierde Un« !erorbnun,i ber Außenpolitik unter bie russischen Interessen unb ihre Direktiven herauzgedilb t. Iswolski spricht lobann von Unterretzunzen, bie er mit Raffalowltfch hotte, um Ihn von ber Notwendigkeit zu überzeugen, seine oe-ien Oesterreich-Ungarn gerichtete Balkanpolitik zur Geltung zu bringen. Er plaudert aus, daß er in ben letzten Monaten bie Vermittlung von Journalisten ber verschiebensten Kategorien in An- svnich nehmen mußte angefangen mit ben politischen Webafteuren ersten Ranaes bis zu ben bescheidensten Persönlichkeiten, unb baß er diese Vermittlung auch Zünftig noch brauchen werde.

*

Unter ben, wie tm vorstehenden erwähnt, von der Humanstes" angeführten Beweisstücken für die Zu­wendung von russischer Seite für die A u s - (anbepreffe findet sich folgende Notiz aus dem Jahne 1917: Zeitung Telegraaph (Amster­dam) erhält für die auf Rußland bezügliche ©ribcr- beilage feit 1. Dez. 1916 alle sechs Monate 30 000 Gulden. Die Abmachung kann unter Kündigung bis zum 1. Juli zum Jahresschluss aufgehoben wer­den.

Deutscher Reich.

* Politisch« Ptrfonennachrichtsn. Der frühere Botschafter in Madrid, Prinz Max von Natibor und Corvey, ist in Sterz (Oberbay rn) gestorben. Seit 1884 tm dip omatiichen Dienst des Reiches, der ibn an bie Botschaften in Petersburg, Wien, Konstantinopel, London nnd Rom führte, vertrat er da« Reich als Generalkonsul in Budapest, als Ge- fanbfer in Athen, in Belgrad, in Lissabon und bis zum Jahre 1918 al« Botschafter in Madrid.

* Zum Beamtenobban in Preußen. Wie der omtftche preußi'che Pressedienst mitteilt, ist eins Verpflichtung des preußischen Staats zur Unter­stützung ausgeschiebener Lehrer und Lehrer­innen nicht vordanden. Es handelt sich al io bet einer staatlichen Unterstützung lediglich um eine auS freiem Ermessen gewährte ergänzende Hilfe. Es er­scheint aber fraglich, ob sich btt der Notlage des Staates und bet der erforderlichen äußersten Be­schränkung und Kontingentierung aller Ansuchen die staatliche Unterstühunq in dem bisherigen Umfange toeitetbtn aufrechterbalten lassen wird.

* DaS Reich und Thüringen. Tie Erörterungen zwischen bet RtichSregitrung und dec thüringischen Staatsregiernng sind nunmehr abgeschlossen. Die thüringische Regierung erklärte sich bereit, die Bedingungen zu erfüllen, die der Reichsregternnq unerläßlich erschienen, um von den Maßnahmen auf Grund de» Artikels 48 der RetchSver fassnng adzusshen.

* Rach ben sächsischen Gemrittbewahlen. Wie jetzt feftftebt, wurde in fast allen sächsischen Ge- mtinben bie bisbaige sozialistisch-kommunttti cht Mehrheit int Staöiparlament, wenn nicht beseitigt, so doch stark eingeschränkt. In Dresden büßte bte Bereinigte solzialdernokratische Partei etwa V» ihres Bestände- an Stimmen und Mancaien em. Auch bie kouimunistischen Gewinne können bieje» Verlust bei wettern nicht ausgleichen.

Kunft und Literatur.

-- Var neueste Bii!)tttm»erft Leo weirmantelr Da« Schicksaitipiel: .Die Kommftunde" wuroe v i dem bayerischen Siaatrtheatcr München zur Uraufführung im Februar erworben. DaS Buch erscheint als 2. Stuck der Trilogie .Da» Volk ohne Fahne' im Verlag de» Bühnen volkrbun de».

Frs. 4. Klasse. Es kommen 10 Centimes mehr zusam­men, da sie niemand haben will, steckt sie ber Betreffenb« ein als Provision, wie er sich ausdrückt. Die Sache macht einen gewissen Spatz, man bettachtst sich gegenseitig etwas genauer, um zu wissen, wer dazu gehört unb wer bezahlt hat. Ein anderer bekommt bie Fahrkarte. Biete Fahrkarten haben eine recht ausgiebige Größe: Format 12:15 Zmtr. Die Aufschrift Ist französisch unb deutsch: Regie bes chemins for des territotres occupes. Dann: Rachlöse-Fahtfchein, bem Reisenden anstelle einer Fahr­karte zu übergeben. Ferner: Auffchrift der abgenomme­nen Fahrkacke ober ber abgenommenen Fahrscheine. Unb so noch viele, anbere für alle möglichen Zwecke, z. B. Anzahl ber Reisenden. Uebergangstarte von . . . nach . . . Verlängerung ber Reise von . . . nach . . . Aende- nmg bes Reiseweges ober bes Reffezieles von . . . nach . . . über . . . anstatt . . . ufw. Die Ueberfüdung bet Züge ist außerordentlich unb nimmt beständig zu, zumal bie Reffenben sehr viel Gepäck haben. Das Reisen wirb so erschwert, abgesehen von bem langen Aufenthalt unb ber vielfach ungünstigen Ansetzung ber Zuge, bereit ge­ringe Zahl ben früheren Verkehr längst nicht bewältigen kann. Besonbere Unzusriebenheit äußerte ein Mann aus München. Arn Abenb vorher war er noch zu Hau», wo jetzt alles schon so billig ift Am Zug wollt« er nicht so lange warten, ba hat er schnell noch 5 Maß Bier getränten. Dann hat er bie ganze Nacht stehen müssen, ein paar Stunben hat er dabei freilich geschlafen, auf dem Boden liegend wie ein Sack,man hat'» ja gelernt. Einen Bekannten hat er getroffen, bem er Grüße tm einen früheren Regimentskameraden aufträgt Sag nur von berPerle ber Kompanie, bann weiß er schon, mers ift! Am Main angekommen fürchtet je­mand seekrank zu werden, so stark ist das Stoßen de» Wagens. 5n HoLtt__gibi£ Matz, i». ÄtewM#» «West .

wir heraus. Dor bem Wagen wird angetreten unb ab­gezählt bann gehts geschlossen nach ber Sperre. In bem Gebränge ist ber Mann mit ber Fahrkarte schon vor uns braußen, ich bin einer von ben 7, erklär« ich dem Schaffner zur Freube ber Umstehenden, aber da» war offenbar ganz überflüssig.

5n ben Straßen von Wiesbaden fft kaum burchzu- komrnen. Im Sommer sinb Hitze und Staub unerträg­lich, da nicht mehr gesprengt wirb, jetzt im Winter sorgt niemand mehr für bie Entfernung bes Schnees, ber sich in ber Stabt der heißen Bäder sehr rasch in unpafiier- barenMatsch verwandelt hat. 3 Stunden muß ich in Wiesbaden bleiben, ehe der Zug in ben Rheingau wei­ter geht Nur morgens früh und am Spätnachmittag fahren je 2 Züge auf ber Strecke, wo im Frieben täg­lich 32 Perfonenzüge in einer Richtung verkehrten. Ich muß nun natürlich eine neue Fahrkarte lösen unb bin 15 Minuten vor Abgang des Zuges am Schalter. Die Billette" müssen meist geschrieben werden, es dauert endlos lang, der Zug ist fort. Dafür darf ich jetzt die schönen Plakate an den Wänden des Bahnhofs bewun­dern, bie wirklich verlockende Gegenden Frankreichs in farbigem Bilde zeigen. Nur werden Deutsche vorläufig kaum hmkomrnen. Wer einen Paß hat, soll srellich mit Vorteil jetzt schon dort einkaufen, wie erzählt wird. Da» Derttauen zu dem Franken begann bereits in der deut­schen Bevölkerung zu schwinden, es heißt, ee gäbe schon 10 000 Frankerffchcine. Auch ihre Häuser in Wiesbaden wollen die Franzosen gern wieder verkaufen, die sie vor 5 Jahren (o spottbillig erstanden haben: ber Verdienst ber Hausbesitzer fft in Deutfchlanb gar zu gering.

Auf dem Lanbeshaus in Wiesbaden weht noch bet bunte Lappen ber Separatisten, um die sich niemand mehr kümmert Einige sollen sich noch in bem Ge. « «iMten, aber jum Glück H zu- Zerr zo.njt rri-his