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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Einzelnummer 10 Pfennig.

fiL 12.

verantwortlich lür bie EcbriiUeiiung: Dr. Jobanner Kramet. Anreisen: I. Barreller, llulda. Rotanonkdruck und Verlag der : Fuldaer Actiendruckerei ia Fulda. Fernidrecher Nr 9. t-

Beiunsvrei«: Monat Januar 2.50 Soldmark frei Sau».

Dienstag, 15. Januar 1924»

Anreisen -Preile. Kiemrette «Colone,) total 0,16 Smdmart. auswärts OSO Eoidmark. Reklamereil« lokal OSO, «otdmark. « aurwSrt» 0.80 «oldmark. ::

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51. Zahrg.

MMskesirmgMlükMii.

. 3lai> Mitteilungen aus Berlin find die franzö fische und belgiiche Aniwortnoten im Auswärtigen Amt übersetzt worden. Da die beiden Noten zu­sammen 29 Seiten lang find, konnte ihre Bearbei' hing seitens der zuständigen Regierungsstellen noch nicht begonnen werden. "Das Kabinett wird über die beiden Noien voraussichtlich erst beraten, wenn der deutsche Geschäftsträger in Paris, v. Hoesch, in Berlin eingetroffen ist, d. h. nicht vor DienStag.

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Die deutsche Regierung hat in Sache der Militär» kontrolle, die neuerdings in Stuttgart wieder zu peinlichen Szenen geführt hat, eine Note an die Kon troll kam miffion gerichtet, worin es heißt: Die­jenigen Ausgaben, welche die Botschafierkonferenz als noch offen betrachtet und an deren Durchführung die deutsche Regierung mitzuwirken durchaus bereit ist, «rfordern keine Besuche bei militärischen Stellen. Abgesehen von jenen noch offenen Aufgaben wurde alles was Teil V des Vertrags von Versailles an. Abrüstungsforderungen enthält, längst erfüllt- Der durch diese Abiüstung geschaffene Zustand uns tecliegr nach Art. 123 des Vertrags von Versailles nicht einer dauernden Kontrolle, sondern lediglich der Möglichkeit einer etwa aus bewnderen Gründen von dem Rate des Völkerbundes anzuardnenden Spezial- «nlersuchung.

Wie dazu der TemPS mitteilt, wird die Botschaf­terkonferenz in aller Kürze zusammentreten, um die in Paris überreichte Note der deutschen Regierung über die Wiederaufnahme der interalliierten Militär« konlrolle zu prüfen.

Die Lage in der Pfalz.

Der französische General übt Sanzelzensur.

Aus Speyer wird der Montags-Post gemel­det, daß der französische Oberdelegierte für die Pfalz, General de Metz, die Bekanntgabe der Er­klärung verboten hat, die am Sonntag in sämt­lichen katholischen Kirchen der Pfalz von der Kanzel herab verlesen werden sollte, und die die Aufforderung an die Katholiken der Pfalz enthält, der ungesetzlichen und unrechtmäßigen so­genannten autonomen Regierung keinen Gehor­sam zu lefften.

Das Eingreifen der Engländer.

Der britische Generalkonsul in München, Clives, fft Sonntag früh nach der Pfalz a b g e r e i st, um im Auftrage seiner Regie­rung über das Vorgehen der Franzosen im Zu­sammenhang mit dem Treiben der Separatisten sich zu orientieren. Seine Abwesenheit von Mün­chen wird etwa fünf Tage dauern.

Ministerpräsident Poincare hatte am Sonntag eine längere Unterredung mit dem englischen Bot- fchafter in Paris Crewe, die nach demTemps" in der Haupffache auf die von der englischen Regierung beabsichtigten Enquete in der Pfalz bezug hatte. Mit der Enquete ist bekanntlich der englische Konsul in München Csives betraut worden. Dis französische ^Regierung steht, wie derTemps" hervorhebt, auf dem Standpunkte, daß eine etwaige Enquete über die separatistische Bewegung in der Pfalz und der dort geschaffenen &tge interalliierten Charatker tragen müsse und ein Vertreter Englands nicht allein vornehmen könne.

Eine merkwürdigeLeichenfeier".

In Speyer fand am Sonntag vormittag die Trouerseier für den ermordeten «Separatistenführer Heinz-Orbis statt, die ein neuer Beweis dafür war, wie außerordentlich g e r i n g die zahlenmäßige Beteiligung der Pfälzer an der separatistischen Be­wegung ist^dennnu r etwa 300 Personen

I einschließlich der separatistischen Truppen und der Franzosen nahmen daran teil. General de Metz feierte den Getöteten in einem in französischer Sprache gehaltenen Nachruf als einen Freund Frankreichs und legte darauf an der Bahre im Namen Frankreichs einen Kranz nieder. Nach der Feier wurde die Leiche in die Heimat übergeführt. Der Leichenzug zum Bahnhof wurde durch separa­tistische Truppen geschützt, die den Zug mit der Se­paratistenfahne eröffneten und auch die Nachhut bil­deten, wobei sie Pfeifen und Zigaretten rauchten.

Zur Charakteristik des ermordeten Heinz schreibt die liberale Korrespondenz:

Den Hochverräter und Führer der pfälzischen Se- paraüsten hat fein Schicksal erreicht. Heinz, der Besitzer eines schlecht bewirtschafteten kleineren Land­gutes in dem Dörfchen Orbis hat sich früher als Nationalist vom reinsten Wasser auf­gespielt, dem die Deutsche Dolkspartei noch nicht national genug sein wollte. Als einer der Führer der Freien Bauemschast fft er von dieser vor Jahren derDeutschenBolksparteials bayerischer Landtagskandidat aufge­drängt worden. Den Vorschlag abzulehnen, lag damals keine Veranlassung vor, da die Deuffche Dolkspartei in der Pfalz auf ihren Wahlvoffchlag auch die Vertreter der Landwirtschastsverbände ver- einigte. Heinz hat seine deuffche Haltung erst ver­leugnet, als er sich an dem Separatistenputsch des sozialistischen Abgeordneten Hoffmann im Oktober beteiligte. Er wurde darauf sofort aus der Deut­schen Volkspartei ausgeschlossen.

Der Fall sollte für die Parteien eine Lehre sein, daß sie sich niemandenaufdrängen" lassen, auch wenn noch so viele Berufsintereffenten hinter ihm stehen oder wenigstens hinter chm zu-stehen scheinen. Zrankreichs nackte SeparationspoIitiR-

SmEcho de Paris" vom 12. Januar schreibt Pertinax in feinem üblichen Leitartikel u. a. folgende Sätze, die festgehalten zu werden ver­dienen:

Wir glauben für den Augenblick weder an die Stärke, noch an die Dauer der separatistischen Bewegung. Wir glauben auch nicht, daß sie unserer Sach« nützlich ist. Wenn alle unsere Anstrengungen gerichtet sein muffen auf die Aufstellung eines Repa rat! cmssystems, was mür­ben wir dann gewinnen, wenn wir ein Kartenbaus auf­bauen wollten, das notwendigerweise an uns Ansprüche stellen muß? Wir sind der Auffaffung, daß die genaue Anwendung (apvliation foutenue) des Vertrages schließ­lich das Ergebnis haben wird, die Rheinlande ",°,n Deutschland zu differenzieren. Aber diffe Erlcheimmg wird erft nach mehreren Jahren reifen. Ei« bedeMet da- Zi e l unserer Politik, und nicht ihren Ausgangspunkt. Nichts hindert uns also daran, unseren Vertretern strikteste Neutralität gegenüber den örtlichen Regierungen" vorzuschreiben und wenn notwendig eventuelle Ausschrettungen zu unterdrücken. Umsomehr dürfen wir behaupten, daß die BesatzunasbehSrden n,cht jede Agitation gegen das Reich zu unterdrücken haben, und daß sie nach viel we­niger den politischen Mord dulden dürfen. Außerdem können wir nicht die englische These anerkennen, wonach jedes separatistische ober gar autonomfftische Unterneh­men a priori als Verletzung des Vertrages bezeichnet wird. Kann man behausen, daß es in der Macht der Einwohner der Pfalz liegt, sich der Politik vom 11. Ja- nuar zu beugen und gleichzeitig den Befehlen der revan­chelüsternen Münchener Diktatur (!) zu gehorchen?

Don dem diplomatisch verschleiernden Beiwerk entkleidet, bedeutet diese Auslastung, womit Herr Pertinax sicher nicht allein steht, die Proklamierung der nackten Separationspolitik. Für jeden Deutschen sollte die Auslastung des franzö­sischen Journalisten eine Mahnung fein, die fran­zösischen Absichten durchkreuzen zu helfen. Das geschieht am besten durch besonnenes und ein­trächtiges Verhalten im Innern- Jeder wider­liche Streit und Hader m Deutschland. j°der Zwi­schenfall, der durch jugendliche Hitzköpfe herbei« oefvbrt wird, liefert den französischen Wünschen Wasser auf die Mühle.

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Notier hielt eine Ansprache an feine Leute. Zweifel­los war er der Urheber des ganzen Dramas. Sein be­zaubernder Blick hielt die andern im Bann; trotzdem wurde hier und da ein Murren der Unzufriedenheit laut. Doch plötzlich erhob Nakier beide Hönde und zischte in herrischem Ton ein paar Worte, worauf lautlose Stille eintrat. Er ergriff das Buch und reichte es dem zunächst Stehenden. Dann jagte er in englischer Sprache:

Herrin und ihr, Herr, Mijser Vife und Jakob, wir setzt schwören den Muselmaneneid. Ich nicht gut spre­chen eure Sprache, aber ihr sollen hören meinen Schwur in Englisch. Er richtete seine Augen gen Himmel und rief mit klangvollem singenden Ton: Im Namen Mahd, des gütigsten und gnädigsten Herrn aller Dinge! Wenn ich dielen Eid brechen, o, Allah, ich mögen fahren zur Hölle!

Run nahm einer nach dem andern das Buch, hiest es mit ausgestrecktem Arm über seinem Kopf und schwur ben Eid in seiner Muttersprache.

Als das Buch zu Nakier zurückkam, wandte er sich, einen kurzen Befehl erteilend, an Ong-Kew-Ho, der sofort die Kabine verließ. Gleich darauf trat der Mann vom Steuerrabe ein, der ebenfalls den Eid leisten mußte. Das alles machte in der Tat einen ehrlichen Eindruck. Zuletzt schwur Nakier, und eine Minute dar. auf hatten all die gelben Schurken bis auf Nakier den Raum verkästen.

yf>r seht, Herrin, es ist alles richtig, sagte dieser lä­chelnd zu Helga.

Wir sind zufrieden, erwiderte sie ausstehend; dabel fiel ihr Blick auf den Mutigen Fleck am Boden und ihr Gefräst verzerrte sich vor Grauen.

Morgen früh suchen wir den Platz auf der Karte, wo ihr uns hinsteuern. Ihr wissen Schiffahrt, Herrin?

Wir, sagte Helga, indem sie mit einer Handbewegung auf uns drei wies, wir werden tun, was ihr verlangt.

Wer geht diese Wache? fragte ich nun.

Ich habe die Sieurrbordwache, meldete sich Abra. tzam.

Allee right, Mister Visel Schöne Nacht heute! Ich nun schlafen gehen.

Und Nakier verschwand lautlos ht der Dunkelheit.

Nun. da die farbige Mannschaft uns verlosten hatte, erwachten wir alle wie aus einem gräßlichen Traum.

Vorsicht! flüsterte Helga, wir bürfen frier nicht zu- farnmen stehen bleiben. Dori im Schatten beobachtet man uns.

Hier steht aber einer, schrie Jakob hitzig, dem es gar nicht einfäHt, mit einem Schiff voll blutgieriger Wil­der nach dem Kap zu fahren.

St! Brüllen Sie nicht so! suchte ich ihn zu be- schwichtigen.

Wütend sah er mich an, sprach aber leiser.

Wenn sie schlafen, klappen wir die Deckluken auf dem Vorderdeck zu, dann liegen sie wie in einem Brun­nen, und es müßte doch mit dem Teufet zugehen, wenn wir mit den drei oder vier auf Deck nicht fertig werden sollten.

Du meinst wohl, die werden nicht aufpaffen, Freund­chen? sagte Abraham. Meine Fäuste sind auch nicht von schlechten Eltern! Aber die Kerle sind geborene Mess'r- stecher Rühre einen an, und du hast fein Mester im Leib! Wir sind drei gegen elf, vergiß das nicht!

Es geht nicht, daß wir frier noch länger debattieren-, wir werden beobachtet, sagte ich

Gibi's hier denn keine Schußwaffen? fragte Abraham.

Ich hoffe, es wird auch ohne sie gehen, entgegnete Helga. Lasten Sie mir Zeit! Ich habe einen Plan, wie wir nicht nur uns, sondern auch das Schiff retten können.

Doch Jakob knurrte mit geballten Fäusten: Sollen wir drei Männer und ein Mädel, bas fo gut ift wie zwei von uns, hier sitzen und warten, bis wir abge­schlachtet werden, oder tun wir nicht bester, uns auf diese gelben Assen zu stürzen und Ihnen einzeln das Genick zu brechen?

Sie sind wohl verrückt, fuhr ich ihn an .

Warum sollte es uns nicht glücken? murmelte er mit heiserer Stiwfne Nach einigem weiteren Hin- und Hsr- reden verließ er mit Abraham die Kabine, um die Wache zu übernehmen. '

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Anwachsen der Rechts- und Linksradlkalen.

Am Sonntag fanden in ganz Sachsen die G e- meinde- und Stadtverordnetenwah- l e n statt. Die Wahlbeteiligung war im allge­meinen rege. Aus sämtlichen vorliegenden Wahl­ergebnissen ergibt sich eine mehr oder weniger starke Verschiebung nach rechts, während ande­rerseits die Kommunisten einen ziemlich er­heblichen Zuwachs an Stimmen und Man­daten auf Kosten der Sozialdemokraten gewonnen haben. Es ist die alte Erfahrung, daß es die ver­antwortungslosen Kritiker immer bes­ser haben als diejenigen, die die Verantwortung tragen müssen.

In Leipzig erhielten die Bürgerlichen 58 Mandate, die Sozialdemokraten und Kommunisten 35 Mandate. Bisher hielten sich die Gruppen mit je 36 Mandaten das Gleichgewicht.

In Plauen wurden 38 Bürgerliche und 23 Sozialdemokraten und Kommunisten gewählt (bis­her 33 Bürgerliche und 27 Sozialdemokraten).

InMeißen: Bürgerliche 20 Sozialisten und Kommunisten 17: bisher 18 zu 18.

In der Landeshauptstadt Dresden entfallen nach der bisherigen Zählung auf die vereinigten Bürgerlichen (darunter die Katholiken) 39, auf die ihre eigenen Wege gehenden Deutschnationalen 4, auf die vereinigten Linksparteien 32 Mandate. Im bisherigen Kollegium, in dem die Zahl der Stadt­verordneten 84 betrug, die jetzt auf 75 herabgesetzt wurde, war das Verhältnis der Rechten zur Linken 42 zu 42L______________

Zum Zturz des Franken.

Die Abwärtsbewegung der französischen Wäh­rung hat in den letzten Tagen angehalten. Das ist eine Tatsache, die nicht nur in Frankreich zu denken gibt. Ernstere französische Blätter, darunter der Temps, machen sich die lächerliche Ausrede, Deutsch­land und deuffche Spekulanten seien an diesem Pech schuld, nicht zu eigen. Doch bringen sie nicht den Mut auf, den wirklichen Ursachen nachzuforschen, an denen es liegt, daß der Franc so schnell himrntersaust. Der Franc, der so lange Zeit auf leidlich solidem Boden gestanden hat.' In Paffs täuscht man sich, wenn man glaubt, Deutschland em­pfinde Schadenfreude über den rapiden Rückgang des Frankenwertes. Wir wiffen zu gut und haben es zu oft erfahren, daß letzten Endes Deutsch­land der Prügelknabe sein muß, wenn dort drüben irgend etwas schief geht.

Zudem fft, so schreibt dieÄ. D.", die Erkennt- nis, daß die Weltwirtschaft etwas Engver- bundenes und ein auf das allgemeine Gedeihen ein­gestelltes Ding fft, in Deutschland viel stärker ver­breitet als in Frankreich, wo so mancher citoyen nicht über die Waunoeifjroten Grenzpfähle hinauszusehen und nicht zuzugeben vermag, daß es draußen auch noch andere Länder gibt, in denen vernunftbegabte Menschen wohnen. Also wir freuen uns gar nicht über den fchlittenfahrenden Franken, empfinden es vielmehr unangenehm, daß dem Rentner Frank­reich ist doch bekanntlich dös Land der Kleinrentner nun Anlaß gegeben wird zu revoltieren und daß er der Gefahr erliegen könnte, durch bösartige Jour­nale zu neuem Hasse gegen den deutschenBankrot­teur" onffgestachelt zu werden. Wenn die Fahrt des Franken noch weiter abwärts gehen sollt«, würde sein Sturz die gleichen Wirkungen haben, wie sie Deutschland erlebt hat: Verelendung derjenigen, die em Lebenlang gearbeitet und gespart haben und-sich über Nacht dem Nichts gegenübersehen.

Die Gründe für das bedenkliche Rutschen einer Wähnmg, die rar nicht langer Zeit im Rufe der absoluten Festigkeit stand, siegen tiefer, als heute in Frankreich erkennbar fft. Die Nöte des Franken haben ihren Grund in den Methoden der Politik i-s

Ich werbe Sie um vier Uhr ablösen, rief ich ihnen nach, schraubte die Lampe herunter und setzte mich neben Helga, um mit ihr zu beratschlagen.

Wir hatten manche gefahrvolle Stunden durchlebt, seit wir uns in jener furchtbaren Sturmnacht zuerst be­gegnet waren; aber nichts kam dieser Mittelwache auf der rings vom nächtlichen schweigenden Ozean umge­benen Barks gleich Zwei Stunden saßen wir, leise miteinander flüsternd, und fühlten dabei instinktiv, daß unheimliche Schatten in der Finsternis um uns huschten und steckende Augen uns durch das Obersicht beobach. teten. Obgleich der Gedanke an unsere eigene gefahr­volle Lage das Enffetzen über die Tragödie des Doppel- mords überwog, blickte ich doch immer wieder nach den Lagerstätten der beiden Ermordeten hin, als ob sich dort in jedem Moment blutige Gestalten erheben müßten.

Ich war der festen Meinung, daß die Mannschaft zwar in der Tat beabsichtigte, bas Schiff an die süd­afrikanische Küste in die Nähe von Kapstadt zu bringen, daß wir drei Männer aber bas Land nicht lebend er» reichen sollten.

Und ihr Eid? entgegnete Helga.

Ihr Leben steht Ihnen höher als tfrr Lid.

Nach vielem Hin und Her stand gegen vier Uh» Helga; Plan fest, und mir gingen an Deck. Ich 'dürfte Abraham und Jakob hinu.nrer; unrem Planonnte ich ifrncr. nicht mitteilen, weil der Bursche am S-.euerrct# trie Ohren spitzte, bedeutete 'hnen aber, daß ick sie später in alles einweihen würde. Wenn wir Gluck hätten, sei das Schiff morgen unser. Dann schlenderte ich noch drm Steuer, sprach mit dem Mann am Rade ein paar Worte über den Kurs und ging bann mit Helga langsam auf unb ab, wobei ich hin unb wieder vorsichtig zurürf- blickte und auch einigemal Gestalten hinter dem Most verschwinden sah.

Endlich fing es im Osten an zu dämmern; dir Segel nahmen eine afrfwrave Färbung an, und das Meer war noch immer leicht bewegt. Mit unheimlicher Deutlich­keit wurde jetzt im zunehmenden Licht der Blutfleck an ler Reseliiig sichtbar.

Herrn Poincare, der in der Angelegenheit der Reparationen sein Pferd auf Warten rettet, statt an den Verhandlungstisch an die Ruhr zu gehen. Neh­men wir einmal im besonderen Sinne das Wort: Der Krieg ist der Vater aller Dinge, und wir kom­men der Sache näher. Zum Kriegführen soll nach leidlich glaubwürdigen Aussagen und zudem nach einigen peinlichen Effahrungen viel G e 'd ge­hören. Und darüber, daß der Zug t>er französischen Divisionen nach Essen und Dortmund viel Geld, außerordentlich viel Geld gekostet hat, besteht ntr- gendwo ein Zweifel. Noch einmal: der Krieg fft der beste Vater aller Dinge. So erkläre man den« dem Kriege den Krieg, unb nicht länger mehr wird der Franken so flüchtigen Fußes nach Jnflaioria eilen können.

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Cs verlautet, daß die französische Regierung schon im März Neuwahlen ausschreiben will, weil die jetzige Kammer aus Wahlrücksickstev zu den notwen­digen st arken Steuererhöhungen nicht zu bewegen sein würde.

Dr. Benesch als Mittelsmann.

Aussöhnungsversuche zwischen Paffs unb Moskau

Der diplomatische Berichtefftatter des Odseroei teilt mit, daß Dr. Benesch der russischen Re­gierung den Voffchlag gemacht habe, als Ver» mittler zwischen Moskau und Paris bei Verhandlungen zwecks Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Rußland aufzutreten. Die Grundlage der Ver­handlungen würde sein, daß Frankreich Rußland de jure anerkennt im Austausch gegen eine russische An­erkennung der russischen Dorkriegsschulden unb eine Verpflichtung aus Seiten Rußlands, den Versailler Vertrag zu respektieren.

Dem Berichterstatter zufolge ist die obige In­formation noch nicht amtlich bestätigt worden. Wenn sie sich als richtig erweisen sollte, so werde, wie ver­lautet, die russische Politik fein, derartige Verhand­lungen nicht ab.zulehnen, aber nicht zu irgendeiner Vereinbarung zu kommen, bis die russische Regie­rung eine Gelegenheit gehabt habe, die Frage der britischen Anerkennung mit Ramsay Macdonald zu erörtern. Da Dr. Benesch nächste Woche in London sein werde, so werde er zweifellos Gelegenheit neh­men, eine Mitteilung über diese Frage zu machen.

ErrtschMrgungsversuche der Regie.

Havas wendet sich in einer Meldung aus wtatns gegen angeblich übertriebene Darstellung der Eisenbahn-Verkehrslage in den besetzten Ge­bieten und die Verhandlungen zwischen der Regie« direktion und der deutschen Eisenbahndirektion in ber Kölner Zone, durch die die französisch-belgisch« Regie und die Besatzungsbehörden für den gegen« tnärtigen Zustand verantwortlich gemacht würden, oast sämtliche Vorschläge der Regie erklärt Ha- oas feien von den Deutschen abgelehnt war- den. Diese Vorschläge b zogen sich namentlich auf die Beibehaltung sämtlicher deutschen Eisenbahner in der englischen Besatzungszone, die lediglich einer an die Ober-Eisenbahndirektion Mainz ange« schlosienen Direktion unterstellt fein sollten. Der gegenwärtige Zustand fei zwar für die französisch- belgische Regie in gewissem Grade hinderlich, hab- aber weit ernstere Nachteile für die Deutschen.

Denn die Besatzungsmächte für die Kohlen- und Koksabfuhr aus dem Ruhrgebiet nur noch über zwei anstatt über fünf Strecken verfügten, so fei andererseits der Verkehr zwischen der Kölner Zone und dem übrigen Rheinland völlig unterbrochen. Die Regie habe jedenfalls nicht im mindesten den Wunsch, der Kölner Direk­tion ,3u gestatten, daß sie sich, wenn sie Lust habe, SU der Mainzer Direktion in Gegensatz stellen könne. Die angebliche Unfähigkeit der Regie laste sich leicht durch die Tatsache widerlegen, daß der

Hakt Scheuerbüfften! rief ich drei Leuten zu, die schwatzend herumsaßon, und kratzt den Fleck sv schnell wie möglich fori!

Sie machten sich an die Arbeit, und mit einem wehen Gefühl im Herzen kehrte ich zu Helga zurück.

Die Sonne stieg empor; der klare, blaue Tropen- Himmel veffprach einen herrlichen Morgen, nur im Nord­osten zeigten sich einige Silberwölkchen.

Helga kletterte nun tapfer durch die dunklen Tiefen des Schiffes in ihre Kabine hinunter unb lächelte mir ermutigend zu, als ich mich besorgt zeigte. Um sieben erschien Nakier oben, steckte, als er mich erblickte, feint Tonpfeife fort und näherte sich mit respektvollem Gruße. Was hatte dieser gefährlichste Schuft der ganzen Der- brecherbande doch für ein geschmeidiges, gewinnendes Aeußere!

Schickt mir Abraham! sagte ich höflich, er hat zwar Freiwache, ich möchte aber mit ihm die Kapitänskajüte nach Karten und Instrumenten durchsuchen.

Unter Nakiers gesenkten Lidern schoß ein scharfer Blick hervor; dann bat mich der Malaie mit einschmei­chelndem Lächeln, mich zuvor mit ihm über ben zu be­stimmenden Landungsplatz zu verständigen und schlug die Mosielbai vor.

Ich hatte zwar nie etwas van dieser Bucht g-frört, meinte aber, sie nach der Karte auffinden zu können Zu diesem Zwecke müsie ich mich jedoch aus den Auf­zeichnungen des Kapitäns über die Lage des Schiffe» orientieren und brauche daher Mr. Bise.

Zögernd holte Nakier Abraham, dem Jakob auf dem Fuße folgte, herbei. Die herumlungernden Leute der Deckwache schienen uns nicht zu beachten Nakier schritt die Luvjeite des Vorderdecks auf und ab.

Die Durchsuchung der Sabine ist nur ein Vorwand raunt« ich Abraham zu; ich wollte Sie allein sprechen, um Ihnen Fräulein Nielsens Plan rnitzuteilen. Losten Sie sich abe: nickt» werten unb machen Sie bas bümmftr Gesicht, bas iuftanbt kringelt können.

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