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Sonntag, 13. Januar 1924.
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nötig erklärt, daß dies nicht zu befürchten fei; trotzdem geht aus den Aeußerungen des Herrn Ministers hervor, daß man auch vor der Schule nicht Halt machen wird. Wie verlautet, soll die Gesamtheit aller dem Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung unterstellten Beamten und Lehrer eine Abbaugruppe bilden. Universitäten, höhere Schulen, Volksschulen — alle werden betroffen werden.
Wenn man weiß, welch mühevolle, oft jahrelange Verhandlungen erforderlich sind, bis eine der genannten Bildungsstätten errichtet ist, wie schwierig die Schaffung eines neuen Lehrstuhles, einer Studienrats- oder Volksschullehrerstelle ist, fo muß man sich doch ernstlich fragen, ob es gerechtfertigt ist, aus Svarsamkeitsforderungsn, deren Erfolg zweifelhaft ist, auch nur eine Stelle abzubauen. In allen anderen Verwaltungen wird sich alsbald Herausstellen, ob der Abbau tragbar ist; wenn nicht, wird man ohne allzu große Schmierigkeiten wieder Leute einftellen können. Wer jedoch die Schulverhältnisfe kennt, weiß, daß eine Neugründung eingegangener Stellen auf die größten Hindernisse stoßen wird. Ein Volk in Not, das den Wiederaufbau dringend benötigt, sollte kein Opfer scheuen, um seine Kultur zu schützen. Treffend sagt Ministerialdirektor Kaestner in seiner Schrift „Geist und Kraft unserer deutschen Volksschule": „Wer nicht für die Volksschule den letzten Pfennig zu geben bereit ist, auch wenn und gerade wenn und weil die Not am höchsten steigt, sägt den Ast ab, auf dem er heute noch sitzt. Je größer die Not, desto dringender die Arbeit an der Volksschule. An der Oualitätsbildunq der Masse kann und darf heute nickt gespart werden." Was Ministerialdirektor Kaestner von der Dolksschul- fast, gilt ebenso von den höheren Schulen und Universitäten. Der Oualitätsbildnng der Masse muß die Oualitätsbildung der geistigen und industriellen Führer des Volkes gegenüber stehen, die eine bedingt die andere.
Aeußerst bedenklich ist der Abbau auf dem Schulgebiete auch deshalb, weil er die Gesundheit der Kinder untergräbt. Der Krieg und die ebenso schlimme Nachkriegszeit haben nach dem Urteil aller Aerzte schweren Schaden am kindlichen Körver verursacht. Die Kinder sind 'm Wachstum zurückgeblieben und unterenrM. Es fehlt denselben die warme, schützende Kleidung. Die Tuberkulose, deren Ausbr-'itung glücklich eingedämmt war, breitet sich aufs Neue in erschreckendem Maße aus. Will man unt°r diesen Umständen Km^er und Lehrer noch mehr wie bisher in überfüllte Klaffen stecken? Sind wirklich zwanzig M'llionen Deutsche zuviel vorhanden? Gefahr ist im Anzug; wer will die Verantwortung übernehmen?
Besonders aefährdet ist durch d->n Bersonal- abbau in her Schule die sittliche Erzi"hvna der Jugend. Kein wahrer Volksfreund darf und kann art' dieser Gefahr achtlos vorüb-raehen. Es erübrigt sich, auf die wachsende Kriminalität der Juaendlicken hinzuweifen; die'traurigen Zustände sind ja offenkundig. Interessant ist es, daß in dem ersten Entwurf zur preußischen Al>ba"v-"-ordwmg die richterlichen Beamten, die Beamten der staatlichen und Gemeindenolizei, der Land^^»rei und der Strafanstaltsverweltunaen in b»n Abba" rocht einbezogen waren. Sehr richtig bemerkt Hierzu die Allg. Deutsche Lehrerzeitung:
„Der S'aal beTfrtiat hier die Warf zua-nvmniene RerwaHrlysuna und b!e gestiegene Kriminalität utfe’-es $WfeS; er stellt sich aber nickt hie Frage — und ihn daran zu erinnern ist unsere Pflicht —. ob dieser Ser» mahrfasimg in den zurückliegenden Jrhren genügend
entgegen gearbeitet worden ist. ob die Verwahrlosung durch Llbbau der Erziehungseinrichtungen nicht in den kommenden Jahren gesteigert worden ist. Er fällt in der Ukderlegung: Bekämpfung der zunehmenden sut- lichen Verwirrung durch Ausbau der Schulen oder der Strafhäuser, — eine bedauerliche, negative Entscheidung. Wer nach den Ursachen des zugenommenen moralifchen Niederganges sucht, stößt immer neben den wirffchastücken Notzeiten auch auf die fehlenden erziehlichen E'm- fluffe. Jeder Jugendpsleger kennt die Zusammenhänge zwischen geistigem, morolifrhem Schwachsinn und 33er» wcchrlosung, Prostitution, Gesetzwidrigkeit, Verbrechen. Der Staat muß aus dem Elend und der Not unserer Lugend andere Schlüsse und Folgerungen ziehen, als er es in feinen Abbauverordnungen getan hat. Der Schulabbau ist eine bitterernste Frage für unser ganzes deutsches Volk"
Wenn vorstehend Stellung genommen wurde gegen einen zu weitgehenden und allzu schemati- fchen Abbau, fo fall damit, wie schon eingangs betont wurde, nicht gesagt sein, daß ein Abbau nicht erforderlich und notwendig sei; derselbe muß sich nur in den Grenzen des Möglichen halten. Man vergeffe nie, daß das Beamtentum das Rückgrat des Staates ist. und daß der Staat die Stürme der letzten Jahre nicht | überstanden hätte, wenn er sich nicht auf einen alten und erfahrenen Stamm von Beamten hätte stützen können.
Soll unser Staatswesen gesunden, so muß g e - spart werden, und es kann gespart werden,' in manchen Verwaltungen mehr, in anderen weniger. Die Sparsamkeit darf jedoch nicht zum Kulturrnck- schritt führen; am wenigsten verträgt dies die Schule. Sparsamkeit allein tut es jedoch auch nicht. Es muß auch Sorge getragen werden, d"ß die Staatseinnahmen auf eine gesunde Grundlage gestellt werden. Dies kann nur geschehen durch eine möglichst Gerechte Verteilung der Laff-n auf alle Volksgenossen. R i tz.
Zentrum und Beamkenabbau.
Nach der „Germania" bat hie fientrumsfraftion des Reichstages einstimmig eine Entschließung angenommen, wel.cke bei der Durchführung der an sich notwendigen Personalabbauverordnung vorgekommenen Schärfen bedauert. Insbesand-re wend-t sie sich g-gcn die Verordnung, durch die alle oberschlestscken Mücht- üngslehrer und Lehrerinnen, welche nock keine Wi»ber- anstestung erlangt haben, in den ein^meitiaen Ruhestand versetzt werden, und oegen die Ausdehnung h*s Verfonalabbaus auf die Opfer des passiven Wider st andes an Rhein nrb Ruh'' (®eFon',ene U"b Pe-hrönate). Eine Nachprüfung dieser Maßnahmen wird gefordert.
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Dem Vorschläge des 45er Ausfck"ffes des R->ichs- tages entsprechend erachtet das Rsickskahinett es für unbedenklich, wenn der Retch-ttaa mit der Wahrnehmung der ihm zustehenden Rechte hei der Durchführung der Psrfonalahhaun-'-orhnuna einen Sparausfchuß beauftragt, dock hält das Kabinett es nickt für angänma. die Mitwirkung des Reickstaasausfchuffes durch Verordnung der Reicksregierung festzuleoen, vielmehr sollen dem R-icksfag die erforderlichen Schritts überlasten bleiben. ________________ _ __________________
Gegen Angriffe auf den Neichsarbeitt- im'Mer
muß fick die „Germania" wenden. Sie schreibt: „Das Retchsarbeitsministerivm — und insbesondere sein lanasährige''. mm d-m achten Rffchskablnett ame» höriger Leiter, Minister Dr. Brauns — ist mit festem Willen an feine Wiederaufbauaufgaben heran getreten.
hat nicht an Widerständen und Bedenken der DeffemIWeit und noch weniger an Angriffen aef-hlt. Es konnte nicht überraschen, wenn die nicht in be- Negienmg vertretene Sozialdemokratie und die ihr nahestehenden Steife mifitrauifd) alle sozialpotztifwen Schritte der Regierung verfolgten. Die „Berl Volks- Zeitung" behauptete in ihrer Nummer 576 vom 19 Dezember sogar: „Das große Vertrauen, das Reichs- arbettsrninister Dr. Brauns in der ersten Periode feinet Amtstätigkeit auch bei den ihm politisch fernstehenden Arbeitern genoßen habe, sei infolge feiner Stellungnahme zur Lohnpolitik und Arbeitezeitfrage bis auf einen kleinen Rest vertan. Es fei ein offenes Geheimnis. daß Dr. Brauns eine auffallende Schwenkung nach rechts vollzogen, daß er still und zäh mit Erfolg an der Beseitigung des Achtstundentags gearbei'et habe ufw" Wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß all das nickt stimmt, daß Minister Brauns seiner klar bewußten. allerdings auf Politik des Möglichen abgestell- ten sozialpolitischen S-nie. einer Linie der Mitte, treu geblieben ist. daß er zwar der notwendigen Belebung der Produkiion nichts fckulb-g bleiben will, daß er aber nicht daran denkt, die Sozialpolitik preiszu- geben Es heißt die Dinae aus einer schiefen Perspektive sehen, es heißt das Maß des Möglich-» verkennen und Weg und Ziel verwechseln, wenn dem Reichsarbeitsminister von links solche und nock schärfere Vorwürfe gemacht werden.
Wenn es dafür einen Beweis gibt, so ist es der Umstand. daß gewiße ertreme Arbeitgeberkreise bas Reichsarbeitsministerium nicht minder scharf, ia noch hemmungsloser angreifen als die erwähnten Preße- oraane der Linken Diesen Arbeitgeberkreisen gebt Minister Brauns n i ckt weit genug. Der vernünftige Mittelweg wird immer v->n beiden Ertremen verkannt, bis er zum Ziele geführt hat Allerdings sollte es habet Grenzen geben, weniastens für Perfönlickkeiten. die nicht unter hem Druck persönlicher Not ihre Kinderstube allzu früh beendet sahen."
Unentwegt die richtige Mitte einzuholten ist eine mühevolle Aufgabe. Alle, die fick der Aufgabe der sozialen Versöhnung widmen, müssen Dornenpfade gehen. Aber der Preis ist des Schweißes der Edlen wert' Der Herr Reichearhs'tswini» ster, der so ehrenvoll den katholischen Priest-rst-rnd im Reich-kabinett vertritt, kann versichert sein, daß nicht die Schlechtesten im Reiche ihm als dem berufenen Führer mit Vertrauen folgen und rwch seinem Beispiel an dem Werk der sozialen Versöhnung mitzuarbeiten bereit sind.
Goltesdienftordnung.
Katholi'cker Gottesdienst.
Sonntna, 13 Fan. li?est her hl. Familie) Dom. Kollekte für St. IosevbSkircke. ’/.ß, 6, ‘/,7 u. 7 hl. M.. */-7 Hl. M. u. <?om. f. b. Mitglieder b. Marian, Jun fr.-Sob i. b Marienkapelle u. b. d ristenlehrpfl. Jungfr. i. Dom. 8 Pfarramt m. Vr., ’/910 Kathedral. amt m. Pr., 8 <11 Ehr. f. b. Jünel., V<12 letzte bl. M. m. Pr„ */,2 A. z. E. b. hl. 'arntlie u. Weihe an die HI. Familie, 8A3 Vers. b. Jungfr.-^ob, 4 Pieb. m. Vinn, 6 k>erz-Mar!8°Bruberickaft t. b. Marienkapelle m. Se-en u. Pr Montan ncickmittagS 5 An dockt Donners tag abends 8 Jugend- u. Jungwännerverein And. m. Anfpracke im SieckenbanS. — Stnbtpfarrtirdie. 5V, Kom., 5’/« hl. M.. 68 < bl. M. u. Som. d. Jungfrauen 8 erster Sckulgb. u. P»ed, 9V> Pfarramt u. Pred., 11 zweiter Sckulad. u. Pt., g*/4 Ehr. f. d. Jünol. t. d Sevenkirche, 2*/i Btuderfckakt v. d Dr>. e?angst d. Herrn, 3*/« And. f. d. Junatr »Sobalitä'. — Pfarrkirche zum heiligen Geist. 7 Frührn., 8 Amt m. Pred, 5 Yinb. — SodalitSt. */»10. — Seüeritirdie. SonntaaS 7, werktaoS "17 hl. M. — Her<»Jesu»Heim. 8 Predigt u. Amt, nackmiti« S g Eeo-nSandacht. Miitwacb abend» 7*1, ®e en$anbadit.' — Srattcnberg (SSetbnnd tsmiffionsfeft) 5, '/» , 6, V-7 u 7 hl. M., 8 Bruderschaftsm., 9 Leviten, amt, Vs3 MisfionS-Pr. u. And. für die Mitglieder deS Franz'?kaner-Mifüor?verrir!K
Personalabbau.
Wir erhalten folgende Zuschrift:
• Dem verlorenen Kriege ist ein wirtschafüicher Zusammenbruch in nie geahntem Ausmaße gefolgt. Die Staatsfinanzen sind völlig zerrüttet, und es bedarf der ernstesten Anstrengungen, wenn der Haushalt wieder in Ordnung gebracht werden soll- Jeder vaterländisch denkende Deutsche wird alle Bestrebungen, welche auf eine Gesundung der Verhältnisse hinzielen und die Gewähr auf Erfolg bieten, mit Freuden begrüßen und unterstützen. Zu den geplanten Maßnahmen, welche uns aus dem Finanzsumpf heraushelfen sollen, gehört auch der Personalabbau.
Wenn es auch außer Zweifel steht, daß ein Personalabbau erforderlich ist, so muß doch dringend vor einer schematischen Durchführung des Abbaues in den verschiedenen Derwaltungszweigen gewarnt werden. Umsomehr, als noch nicht einwandfrei festgeftellt ist, ob die erzielten Ersparnisse eine nennenswerte Entlastung des Staatshaushaltes hsrbeiführen. Bemerkenswert ist, daß in Oesterreich, das uns mit dem Beamtenabbau vorangcgangen ist, nach dem Abbau die gesamten Personalausaaben von 2,2 auf 2,9 Billionen gesti-- gen sind, und daß von diesen 2,9 Billionen allein 1,3 Billionen für die Ruhestandsbeomten erforderlich find. Die Besserung der österreichischen Finanzverhältnisse soll übrigens durch eine außergewöhnliche Entwickelung der Staatseinnahmen erzielt worden sein.
Grundsätzlich sollte man nur dort abbauen, wo seit Kriegsbeginn übermäßig aufgebaut worden ist. Nach Angaben der Bayerischen Lehrer» zeitung betrug die Gesamtzahl der Reichsbeamten 1914: 542 936 und 1923: 764 000, mithin ist eine Zunahme von 40,7 Proz. zu verzeichnen. Da das Reich durch den Schmachfrieden von Versailles unoefähr 10 Proz. seines Gebietes verforen hat, erfährt diese Zahl eine Steigerung auf 56,4 Proz. Die neu geschaffenen Beamtenstellen verteilen sich auf die verschiedenen Verwaltungen wie folgt:
Eisinbahnverwaltung 49,1 Proz., Postverwaltung 26 Proz., Finanzvermaltimg 21,8 Proz., die übrige Reichsverwaltung 3.1 Proz.
Ein Blick auf vorstehend? Zahlen zeigt sofort das Unsinnige eines gleichmäßigen prozentualen Abbaues für alle Verwaltungszweioö. Zu berücksichtigen ist ferner, daß in manchen Verwaltungen neben den Beamten zahlreiche Hilfskräfte arbeiten, während es in anderen Verwaltungen kaum Hilfskräfte gibt. Mit der steigenden G»lbentwertung ist bei einem Teil der Verwaltungsstellen die Arbeit und damit die Zahl der Beamten stark a'wachsen, während bei einem anderen Teil der Wührungs- wirrwarr nur geringe Mehrarbeit verursacht hat. Ungerecht würde es ober auch sein, wenn man den Abbau entsprechend der erfolgten Aufblähung des Deamtenkörpsrs in den einzelnen Vsrwaltungs- zweigsn vornehmen wollte; es ist vielmehr überall auch die Frage zu prüfen, inwieweit durch Mehrarbeit eine V?rmehr"na der Beamten erfordet- ltck war, und ob diese Mehrarbeit für d's Zukunft bestehen bleibt. Ein rein fchsmatifchsr Abbau nach emem a-rriffen Prozentsatz würde dem Staate fernen Nutzen, wohl aber unheilvollen Schaden brtnaen.
Gewarnt muß vor allen Dtnrnm vor einer m e chaniscken Uebertragimg der Abbmwerorhmmg auf die Schulverwaltung werden. K>fft"s- minifte*- Dr. Boelitz hat zwar nach einer Presse- imiw wiimMrwrwiMiiiiriiiwi'Tnii—mwr—■ftiwmi—m—m
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