Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfabf Fulda.
Nr. 9.
BerautworUlck uz b:e Stbtirileituna: Dr. JokanneS R tarnet. Ämeigen: 3- V arte Iler, Ruiba. Rolar onkdruck und «erla» bet :: Fuldaer Hdtenbinderei in Fulda. Fetnivrecher 9?t. S. ::
Be'uarvrei»: Monat Januar S.50 Eoldmark frei Sans.
Sreitag, 1L Januar 1924
»nseiaen-üsteife: Stemseile (Lolone,) .otoi 0.15 So.dmari auswärts 0.20 öolbmarf; Re k l am e, ei le lokal 0,60. Soldmark 11 auswärts 0.80 «oldmark. -.
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51. Zahrg.
Sie zßhrer Der pjölzWel! Separatilten eraiorUet.
Heinz-OrbieS und vier andere Separatisten in Speyer erschaffen.
Wieder greifen Revoloerschüsse in den Hang der Geschichte Deutschlands ein. Aus Speyer kommt die Kunde, daß dort die Führer der Pfälzischen Separatisten die Opfer eines politischen Attentats geworden sind. Das verräterische Treiben dieser Leute, an deren Spitze ein Landwirt, Franz Joseph Heintz aus Drbies, genannt Heintz-Orbies, der Führer der dortigen radikalen Baueinorgani- jfation, der freien Bauernschaft, stand, war für uns Deutsche besonders verdammungswürdig, weil es sedes Verständnis für den Gedanken an die deutsche Pmdertreue in schwerer Zeit vermissen ließ und lediglich nach mammonistischen, selbstsüchigen Ge- lpchtspunkten ausgerichtet war. Gleichwohl kann das -ürtige Gericht, das von Unberufenen über die Verräter gehalten worden ist, nur entschieden verurteilt werden. Solche Gewalttaten sind ein Hohn ,'euf christliches Gewissen. Sie zeigen in krassem Licht, wohin Europa unter dem Zeichen de» Versa'ller ^Diktats und einesPoincare gekommen ist und sollten ,eine neue Mahnung sein, endlich den Kurs des Hasses und der Bedrückung zu o e r l a s s e n und die Wege des Rechts und der Verständigung zu wandeln. Die schreckliche Tat von Speyer und ihre etwaigen Folgen kommen abermals auf das Konto der durch die Separatiftenbrwe» gung schlecht verschleierten RaubpolitikPoin- rares.
Das Attentat in Spei)er.
wtb parls, 10. Ian. (Tel.) Harms verdreNek folgende Meldung aus Mainz: Der Präsident der Separakisleubewegung der Pfalz, Heinh-Orbies, ist gestern abend 9*/, Uhr in einem Restaurant in Speyer ermordet worden, als er das Esten einnehmen wollte. Es erschienen dort drei Männer, riefen »Hunde hochl- und feuerten. Die Mörder haben die Flucht ergriffen. Ihre Persönlichkeiten konnten noch nicht sestgeskellt werden. Die Polizei und die Lefahungskruppsn Haden Haussuchungen voroenommen. Die Autos, die dis Stadt »erlassen, werden durchsucht.
Die Zahl der Opfer.
wtb 2R a n n 6 e l m. 10. Jan. (Tel.) Me aus zuverlässiger Quelle verlautet, sind bei dem gestern abend 9 Uhr in einem Restaurant in Speyer auf den Separakiskcnführer Heintz verübten Attentat noch vier weitere Todesopfer sowie mehrere Schwerverletzte zu verzeichnen. Die Kamen der Toten sind: weiß. Sand, Beißt und Huhfäller. Cs handelt sich um Ankerführer der Separatisten. Lin gewisser cilienkhal befindet sich unter den Schwerverletzten.
Verhaftung von Geiseln.
wtb Zweibrücken, 10. Jan. (Tel.) Als Geiseln für die Ermordung des Führers der Regierung der autonomen Pfalz wurden heute nacht hier fest- genommen: Oberregiernngsrat Dr. Pellmann, Direktor Dr. Lehmann. Oberlandssgerichtspräfidenk Lilatel, Staatsanwalt ficnig, Bürgermeister Döh- ting, Amtsgerichtsrak Müller und Iustizasteffor Pilakel. Heute nacht wurde von den Separatisten eine strenge Stragenkontrolle ausgeübt.
Die Separatisten scheinen sich die Methode des französischen Militarismus in ihrem ganzen Umfange angeeignet zu haben. Die Festnahme von Geiseln ist sowohl bei Franzosen als bei Separatisten als Rückfall in barbarische Zeiten zu brandmarken. ♦
Der Erste Staatsanwalt beim Volksgericht in Würzburg hatte am 9. Januar gegen die 19 „Führer" der pfälzischen Separatisten Steckbriefe wegen Landesverratsverbrechens ertasten, das vsn den neuen bayerischen Verordnungen mit dem Tode bestraft wird. Die Haftbefehle richten sich u. a. gegen den jetzt erschossenen „Präsi- dent-en" Franz Joseph Heintz-Orbies, Wirksckasis- Minister Dlsy-Kirchheimbolanden, May-Schifferstadt, Ricklss und Kaßmann aus Kaisersiautern, Steitz- Mcmrcheim, Detzel-Herxheim und Schwab-Pirmasens.
Einzelheiten Der die vluttat.
wtb 2H a n n!) e l m, 10. Imr. (Tel.) lieber dss Attentat rmf den Separullstenföhrer Heintz wird von der sogenannten autonomen Regierung der Pfalz mitgetellt:
Am Mittwoch, den 9 3cnuat, abend, gegen Ml Ahr, ist H-intz in einem Hotelzimmer des .Wikkelsbacher Hofes" getötet worden. Heintz faß mit einem Mann an einem Lisch, an dem auch noch andere Gäste des Hotels Platz genommen hatten. Plötzlich erschienen 4 bis 5 gut gekleidete junge Männer im Zimmer und näherten sich unauffällig dem Tisch, an dem Heintz sah. Sie stellten sich hinter die Stühle bet Herren und riesen: „honte Mi! Cs gilt den Separatisten!" 3m gleichen Augenblick feuerten sie ans bereit gehaltenen Repetierpistolen auf die Köpfe der am Tisch Sitzenden und dann auf die anderen Gäste. Mik dem Kufe: .Jeder hat eine Viertelstunde die Hände hoch zu halten!" wandten sich die Täter zum Gehen. 3n der gleichen Minute wurde der ■ Zenkalschalter des elektrischen Lichts von einem : Komplizen ansgeschaltek, sodaß das ganze Hotel und die Nebengebäude in Dunkel gehüllt waren. Bei Verlassen des Hotels knallten die Ak enläker drei weitere Personen nieder, die angeblich zufällig in das Hotel g>.hen wollten. Beim Davonshreilen haben sie 50 Schritte vom Hotel entfernt weitere Passanten nietet- geschossen Von den Getöteten wat Heintz sofort tot 3u6fäöei sowie die Herren weial und Sand starben .
alsbald. 3ns Hospital wurde ein Lilienthol gebracht, um dort einet Operation unterzogen zu werden.
Dis sogenannte autonome Regierung der Pfalz gibt in einem Zusatz zu obigem Bericht die Schuld an dem Attentat der skrupellosen Propaganda der Gegner der Sexaraüstsn. In Speyer wird, n>:<* dem WTB. gemeldet wird, angenommen, datz die Täter frühereSeparatisten sind, die das Attentat aus Rache gegen ihre Entlassung verübt haben.
Heber die Leiden der Pfalz unter der Sipaiatlslenherrichaft verbreitet gerade jetzt eine vom Zentrum im Reichstag emgcbrachte Iitterpellaion vklor'oeit. e'arin liecht e?:
Die in der bayorifchen Rheinpfalz durch die Sep a- tatistendewegung geschaffenen Zustände drängen mit Gewalt zur Katastrophe. Fast 700 000 treudrutfche Pfälzer werten von einer Bande verräterischen Gesindels in brutaler Weif« geguält, was nur dadurch möglich ist, daß die französische B e s a tz u ng dieses schändliche Treiben in kaum verhüllter Offenheit fördert. Mit Genehmigung der fremden Machthaber haben Lantesverröter die Verwaltungen zerschlagen, Ruhe und Ordnung zerstört und mit angemasster Gewalt bis zum 1. Januar 1024 insgesamt 107 pflichttreue Pfälzer aus ihrer Heimat vertrieben. Steuern und Abgaben werden von den Separatisten erpreßt; die freie Meinungsäußerung der einheimischen Presse wird tyrannisch unterdrückt.
Vie Schuld der Hranzssen.
wtb paris, 10. Jan. (Tel.) Angesichts der Demarche, die die englische Regierung über das Verhalten der französisch n Regierung in der Se- parakistenbewegung in der Pfalz rorgenommen hat, hat die Rheinlandlommission sich bereit erklärt, an vrt und Stelle Untersuchungen vorzunehmen._________
M UskikrillWS« Vk UsisUlMM?.
Wie bereits in der ausländischen Presse angekündigt worden mar, hatte die Militärkontrolliom- mission der Reichsregierung mrtgeteilt, das; a m 10. und 12. Januar in einer Reibe von deutschen Städten Kontrollbesuche stattfinden sollten. Die Besuche sind, soweit bisher Nachrichten von den deutschen Verbindungsstellen vorlieaen, zum Teil auch den militärischen Kommandostellen zugedacht. Sie sollen indessen in Zivil vor sich gehen und würden auch sonst in Formen ge'alten sein, die den Gefühlen der kontrollierten Stellen Rechnung trügen.
Zur Durchführung der Kontrollbesuche sind deutscherseits die nötigen Maßnahmen getroffen morden. Die Reichsregieruno erklärte indessen der interalliierten Militärkontrollkommission, daß ihrer Ansicht nach diejenigen Aufgaben, die die Kommission mit den militärischen Stellm in persönliche Berührung brächten, nunmehr als erledigt angesehen werden müßten.
DeLtsKes Reich.
* Die Neuorganisation der Reick sbahn. Im 5Reid,§bc> febrSrnm ifterum in Berlin trat der Oraaniiationsaichschu^ jtfannren, der über die Neu- organisation bet der Reichsbahn und über die mögliche Bestallung ihrer künftigen Beirübsform beriet.
* Keine NejchStazskand datur Ludcndo sss. Zu einer Nachrickt, daß die vaferlänbi dien Berbände und Gruppen Bayerns beabsichtigen, Lutendoiff als ReichZlagskan'übaien aufzu eilen, erfährt die fiane- ipondenz Hoffmann aus füh>enden Kreisen der vaterländischen Vervände Bayerns, die 25 Sp'tzenoerbände umfassen, daß von bie.cr Sette keine Absicht für eine derarlige Nominierung besteht oder bestanden Hal.
* Dr. Petersen Bürgermeister von Hamburg. Dr. Karl Peierien, der Vorsitzende der Deutschen Demokratischen Partei ist vom Hamburger Senat zu seinem Präsidenten und zum ersten Bürgermeister Hamburg; gewählt Worten.
Die Lüge in Thüringen.
Die Wahlvorschlagsliste der nichtsozialistischen Parteien.
Laut „Vorwärts" beschloß der Vorstand der so- zialdemokraiifchon Reichstagsfraktion, der Reichs- regicrung neuerdings die schleunige Beseitigung des militärischen Ausnahmezustandes nahezulegen. Hinsichtlich der Vorgänge in Thüringen wurde einhellig die Auffassung vertreten, daß der Kamps gegen die thüringische Regierung als ein parteipolitisches Manöver zur Erzielung einer bürgerlichen Mehrheit bei den bevorstehenden Landtagswahlen zu betrachten fei. Die gegen den verhafteten Minister Hermann erhobenen Beschuldigungen rechtfertigten seine Verhaftung nicht, da weder Verdunkelung noch Fluchtverdacht vorliege.
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, Rach einer Meldung aus Weimarist eine Einheitsliste der bürgerlichen Parteien dort zustande ge- kommen. Die Vorbereitungen für die Einheitsliste des Bürgerbundes, des sogenannten Ordnungs- bundes, sind in den vier Wahlkreisen völlig beendet.
Im W e i m a r e r Wahlkreis, der auch das G e i s a e r Land einschließt, ist folgende Liste vereinbart: 1. Hö'er Zt. Bernhard (Landbimd), 2. Hoffmeister-Pößneck (D. Volksp.), 3. Dr. Wernick-Wei- ’mar (Deutfchnatk. Volksp.), 4. v. Eichel-Schrsiber- Eifenach (Deutfchnatl. Volksp.), 5. Deutsche Volkspartei (Kandidat noch unbestimmt, 6. Eerstenhauer- Weimar (Vaterländische Verbände), 7. Wetzel- Remptendorf (Landbund), 8. Kandidat noch unbe
stimmt, 9. Klüpfel-Eisenach (Einzelhandelsverband), 10. Demokrat oder Zentrum. Wie weit si'ch die Geisaer Katholiken mit einem derarsigen Vorschlag abfinden können, läßt sich von hier aus schwer beurteilen. Wir wollen hosten, daß die Wortführer der Kathosiken im Thüringer Land dafür gesorgt haben, daß sie ihre immerhin nicht unbeträchtliche Stimmenzahl nicht ganz ohne Wahrung der katholischen Belange zur Verfügung gestellt haben.
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AlS neue 9tu5 roirtun g der Kontrolltätigkeit des Ruche! in Thüringen wirb nach dem ,Berl. Lokalanz/ bekannt, daß Reaie:unqSrat Worch und Major Eticheit von ter LandeSpolizei vom Dienst u P nbiert worden sind und daß Mmisteiialrot Dr. Rockaer als Regierungsrat von Weimar nngversetzt worden ist. ___
Die KrbMzelt-Zrage.
Vom Christlichen Metallarbeiterverband wird uns folgendes geschrieben:
In Ihrer Notiz über den Düsseldorfer Metallarbeiterstreik wollen wir ergänzend mitteilen, daß alle Metallarbsiterverbänte einer vorübergehenden Verengerung der Arbeitszeit zugestimmt hatten:
Das Abkommen lautet folgendermaßen:
In der Frage des Arbeitszeitabkommens in der Schwereisenindustrie wurde am 13 Dezember im Reichz- arbeitsministerium nachfolgende Uebergangsrege« (ung bis zum 1. Juli 1 9 24 mit einmonatlicher Kündigung zwifck>en dem Arbeitgeberverband Nirdwest und den Mctallarbeitergewerkfchafteii (Deutscher Dtetall- arbei eroerbanb, Christlicher Metallarbeiter- verband, Eewerkverein Hirsh-Duncker) getroffen. Zu der Regelung der Nttiape der deutschen Witt'chsst wird für die eisenschaffende und verarbeitende Industrie die Arbeitszeit vorübergehend ander» fest, gesetzt:
1. Sn den (Betrieben der Eisen und Stahl schaffenden und verai beitenden Industrie, in denen bereits vor ober während des Krieges weniger als zehn Stunden gearbeitet wurde, gilt diele Arbeitszeit weiter.
r 2. Die Sonntagsarbeit regelt sich nach den Bestim< mungen der Gewerbeordnung mit ter Einschränkung daß die 24stündrge Wechselschicht nicht wieder eingeführt wird.
! 3 Es wird unverzüglich geprüft, für welche Schwer
arbeiter der Hochöfen, Stahl- Hammer- und Walzwerks- betriebe sowie ter Rohreugießerei Erleichterung en erforderlich sind. Snsbefontere kommen in Frage solche i Arbeiter, die unter besonderen Gefahren für Leben und Gesundheit arbeiten und dabei bi außergewöhnlichem Grate die Einwirkung der Hitze, giftigen Stoffen, Staub, i Gas und dergleichen ausgesetzt sind Tiere Erleichte- > rungen bestehen in der Herstellung van Ablösungen her« I art, daß von den einzelnen Arbeitern in den sechs i Wochen agen bei normaler Arbeitsmeile nickt mehr 1 als 54 Stunden effektiv zu arbeiten find. Dabei gelten Tauschen und Arbeitsbereitschaft nickt als Ar- s beits’.eit.
Für die Bezahlung wird die tägliche zehnstündige Arbeitszeit zugrunde gelegt. Die Prüfung erfolgt in den einzelnen Werken unter Hinzuziehung der Ar- beiteroertreter. Sie muß spätestens am 1. Fedr. 1924 beendet sein
4 Für all» übrigen Arbeiter beträgt die normale Arbeitszeit ausschließlich der Pause für die secks Wochentage in den Hüttenwerken durchschnittlich 59 Stunden. Für die Arbeiter in der weiterverarbeitenden Industrie 57S Stunden.
Arbeitgeberverband Nordwest: Dr. Klönne. Sprinao- rum, Schreiber. Christi. Metallarbeileroe-band' Schwitz, t Burgartz. Deutscher Metallarbchterverband: W->lf H -D.» i Äewerkverein: Braun, Czieslik. Melstick, Reichskom- ' miffar.
Wenn mm trotzdem die Mitglieder des Deutscher Metallarbeiterverf'andes in Düsseldorf streiken, ft zeugt dies von einer großen Dssziplinlosigkeit. Di« kommunfftischen Zellen im D. M. D. haben ihre Arbeit bald vollendet. Es scheint der Zeitpunkt nicht mehr fern zu sein, wo Moskau einfach kommandiert und die freigewerkschaftlichen deutschen Arbeiter gehorchen müssen.
10 Stuntentaq in der Zementiudnstrie.
Laut Bert. Sokalan',eiger ist für den Be-eich de» ArbeitgebeiverbandeSderrbeiniich - westfälischen Zementindustrie nach langen Verhin>litnqen der Uebergang zum 10-ArbeitSstunüentag bere.nbart tooiben.
Weiteres zum Kufwertunqsproblem.
Don Amtsgerichtsrat Dr. Marx in Fulda.
zurückstellen, weil in anderen Fällen — bei anderer Schuldzattungen — eine Auswertung nicht sofort cbei überhaupt niht möglich ist. Wo bei Nichtaufwertunx ein ungerechtfertigter Gewinn des Gläubiaers eintritt, ist eine Anfwertungswerre unbillig, für den Schuldner unter Umständen katastrophal. Ein typisches Teispiel hierfür ist in Nr. 952 der Frankfurter Zeitung vom 24. Dez. 1923 mitgeteilt, wo es heißt:
In feiner sehr lehrreichen Abhandlung „Konfiskation der Hypotheken?" (Kölnische Volkszeitung 1924 Nr. 3) hat jetzt Oberlandesgerichtsrat Schumacher in Köln, Mitglied des Reichsrats, bargelegt, daß der Reichs- smanzminister auf den Gedanken einer Mietsteuer gekommen sei, „deren Kernstück die Besteuerung der Gewinne sein sollte, die Hauseigentümer dadurch gemacht haben, daß sie alte, in Gold ober golbmertem Papier geschuftete Hypotheken in geringwertigem Papier abgestoßen haben". Jur Erhöhung ter Erg ebigkeit der Steuer sollte, wie wir nunmehr genau erfahren, nach dem ersten Vorschlag für die Zukunft durch ausdrück- liche Eesetzesvorschrift die sogenannte Auswertung dinglich gefilterter Forderungen, die heute noch bestehen, verboten werten. Als man bei den ersten Beratungen über diesen Vorschlag zur Erkenntnis gekommen war, daß man dinglich gesicherte Forderungen nicht schlechter behandeln dürfe als nicht gesicherte, hat das Finanz- minifterium das Verbot ter Aufwerfung aus alle Forderungen ausgedehnt wissen wollen, die auf Reichsmark lauten und für die nicht ausdrücklich vereinbart ist, daß sich der Forderungsbetrag in Reichsmark mit Rücksicht auf die Geldentwertung nachdrücklich erhöht. Eine Ausnahme sollte nur für nicht völlig erfüllte gegenfe't ge Verträge sowie für Unterhaltungsansprüche unh unter- holtsähnliche Ansprüche gelten. Für das Gebiet der dinglichen Lasten (besonders der Hypotheken) und ter Schuldverschreibunoen (Snbuftrieob(igationen) sollte die Besteuerung des Grldwertunterschiedes erfolgen.
Usber die krasse Ungerechtigkeit, die sich aus der Durchführung eines solchen Planes ergeben würde, ist kein Wort weiter zu verlieren. Man kann dazu nur mit Senatspräsident beim Reichsgericht Dr. Zimmerle („Die Rechlfpreckung tes Reichsgerichts über die Geld- anfroertung“ in der „Germania" 1923 Nr. 356) sagen: „Nichts würde dem Ansehen der deutschen Volkswirr» schäft und der Einschätzung ihrer Kreditwürdigkeit nachteiliger fein, als wenn der Standpunkt des zahlungs- unwilligen Schuldners Im deutschen Rechtsleben Än- ertennung finden würde, daß durch den Währungsverfall b!e Verpflichtung zur Schuldenzahlung, auch wo sie nach Treu und Glauben geboten ist. in Wegfall gekommen fei."
Aus dem Artikel Schumachers, ter die Aufwertung vertritt, ergibt sich, daß neuerdings glücklicherweife Anlaß zur Annahme besteht, daß die Gefahr tes völligen Verbots ter Aufwertung abgeroentet ist, andererseits aber „der Kreis derjenigen recht groß ist, die ein solches Verbot nach der Entwicklung des letzten Jahres für geradezu selbstverständlich halten." Diese Aufwertungsgegner stützen sich besonders darauf, daß die Aufwertung einzelner Forderungen wie der Hyvo- !te?enforterimpen eine unberechtigte Bevorzugung der Hypothekengläubiger sei, denen gegenüber sich andere Gläubiger, insbesondere Epareinjagengläubiger, im Nachteil befänden. (Sergi, auch den Artikel „Ium Auf- roertungsprcblem" in Nr. 5 ter Fuldaer Zeitung.) Hierzu sei im Anschluß an meine früheren Ausführungen in Nr. 2 und 3 der Fuldaer Leitung Nachstehendes ergänzend bargelegt:
lieber die nach dem geltenden Reckt vorhandene Berpslichtunn zur Aufwertung nicht nur ter Hype, theken, sondern auch aller anderen alten Sck-'lden, die aus Verträgen herrühren, bei denen also die Grundsätze der §§ 157, 212 BGB. heranzuziehen sind, dürste d'ch insoweit gar kein Streit mehr möglich fein, als der Schuldner durch die Inflation nicht selbst derartig gelitten hat, daß ihm die Aufwertung nicht zugemutet werden kann. Hat die Instation in ihren Auswirkungen den Schuldner selbst in Mitleitensbast gezogen, so bemißt sich seine Verpflichtung zur Aufwertung und deren Maß auch nach der Höhe der mitherbeigeführten Schädigung des Schuldners. Kaum ein Aufwertung-fall wird einem zweiten lwnz gle ick geartet fein In einem Falle wirb ter Schuldner voll, im anderen teilweife, in einem dritten vielleicht überhaupt nicht aufzuwerten haben; in enteren Fällen wud ihm Stundung ’u gewähren fein. Nicht nur vom Standpunkt des Rechts, sondern auch vom moralischen Gesichfspuo't bet aus» gleichenden Gerechtigkeit wird im Interesse her notleitenden Gläubiger stets da eine Aufwertung statifirden müssen, wo deren Möglichkeit gegeben ist Man darf diese Fälle der Auswermu^müglichkeit nickt deshalb
„Eine Familie, in deren Besitz ein Eifen- und Stahlwerk sich über 100 Jahre befand, hatte dieses Werk an ein Unternehmen eines bekannten Groß-Eisen- und Montankonzerns verkauft und ließ sich als Kaufpreis — weil sie eine müntelsichere Anlage wünschte — Hy- prthekarobligationen dieser Aktiengesellschaft aushändi- gen. Der Einsender, einer der Betroffenen selbst, de- fürd>!et, daß eine Aufwertimgssperre die Familie endgültig enteignen wird, da alles Vermögen in den Ausbau und die Entwicklung dieses Werkes hineingesteckt worden ist."
Jur alsbaldigen Aufwertung eignen sich die Hypotheken deshalb in besonderer Weise, weil ter für die Hypothek verhaftete Grundbesitz in zahlreichen Fällen hochwertig und meist noch in den Händen des alten Schuldners ist. Daß besonders der städtische ©ru-ibbefits durch die nach dem Kriege einsetzende Wohnungsgesetzgebung, die eine Vernachlässigung der Bauten zur Folge hatte, oftmals auch in seinem Werte h-rabgemindert ist, soll keinesfalls verkannt werden. Das rnnn aber keine auch nur zeitige allgemeine Sperre ter Hypo- the'enawfwertung rechtfertigen. Diese Sverre würde zahlreiche bejahrte Rentner, die nur durch Auf.oer.ung ter Hypotheken aus größter Not kommen fö .nen, wie- der vor das Nichts stellen. Tas liegt keines-olls im Interesse ter Allgemeinheit In Erkenntnis dieses Umstandes ist Oesterreich schon feit längerer Zeit zur Errichtung ter Hypothekeneinigung-ämter geschritten, denen die Aufwettung der Hnpotbeken obliegt, wobei sie zu prüfen haben, ob ter Schuldner bas Empfangene oder seinen Wen noch besitzt."
Die Auswertung der Hypotheken wird aber auch aus einem anderen Grunde in erster Linie und zwar recht bald erfolgen müssen. Sie ermöglicht nämlich in der Hauptsache erst die Aufwertung der Spareinlagen. Vor allem auch die Aufwertung bereits gelöschter Hypotheken, zu ter Rechtsanwalt und Notar Dr. Rehbern in der „Zeitschrift des deutschen Notaroereins" Jahrgang 1924 Nr. 1 Seite 7 sehr wertvolle Ausführungen macht, kommt in größtem Maße gewissen Ban- ken und Sparkassen zugute, an erster Stelle den kommu- nalen Instituten (städtischen Sparkassen. Kreislvarkassen, ständischen Leihhäusern, Landoskreditkassen usw), die sich mit ter Hingabe von Darlehen gegen Hypothekein- räumung befassen. Bei diesen müntelsicheren Kassen hat ein großer Teil ter minderbemittelten Bevölkerung seine Ersparnisse angelegt. Ende 1913 hatten die preußischen Sparkassen nach Terhalle („Das deutsche Bankwesen", 1922, Seite 33) von den reichlich 13 Milliarden Mark Einlagen, die ihnen zur Verfügung standen, 5,91 städtische und 2,34 Milliarden ländliche Hypotheken erworben, jodaß damals rund 65 Droz bet fremden (Selber in Hypotheken angelegt waren. Wenn auch im Verlause der Inflation viele Rückzahlungen bet Hypotheken erfolgt sinh, so wird ben Sparkassen doch noch eine erhebliche Zahl von Hypotheken verblieben sein. Dazu kommen dann noch die etwaigen Auf- werttmgransprüche der Sparkassen aus gelöschten Hypotheken. Die Durchführung ihrer Hypmh-kenaufwer- tungsansprüche ermöglicht den Sparkassen vielfach erst jegliche Aufwettung der Spareinlagen. Letztere muß im Interesse der vielen Notleidenden auch baibiosf ein- setzen. Bei manchen Großbanken können vielleicht deren Deoisenbestönte zur Aufwettung mitherangezoaen werden. Bei der Aufwettung der Spareinlagen wird auch wieder die Lage tes Schuldner, sehr wesentlich mit« sprechen Kleinere Banken, die ihre ausgeliehenen Gel- der in der Inflationszeit mit entwertetem Papier zurück- erhalten haben, kämpfen zur Zeit um ihre Eristmz und kommen bei der Aufwettuna nicht in Betracht. Er wird für die Aufwertung ter Spareinlagen sehr auf den Charakter de, einzelnen Instituts nnfemmen. Recht lehrreiche Hinweise findet man in dem Aussatz von Schwarz-Kyritz „Aktien-. Genossenfchafts- und Spar»