Ich antwortete sehr kühl und war entschlossen, meine ablehnende Haltung beizubehalten. Er ging darauf in seine Kabine, um seinen Anzug in Ordnung zu bringen, nicht ohne uns vorher mitzutcilen, daß er die ganze Nacht auf Deck gewesen sei, um über das Schiff zu machen, dessen Sicherheit ihm feit Montag noch unendlich viel mehr am Herzen liege denn vorher. Inzwischen es- zählte ich Helga, wie kräftig der „fromme" Kapital fluchen könne.
Alo wirklich! Zeigt er sich auch mal von (einet menschlichen Seite! lachte sie..
Sorgfältig zurechtgestuflt, mit leuchtend roter Krawatte, erschien der Kapitän nach einiger Zeit wieder. Da der Koch bei dem Wetter kein Feuer anzünden kannte, mußten wir uns mit kaltem Fleisch und etwas Wein begnügen, worüber sich Kapitän Bünting in Entschuldigungen gegen Helga erschöpfte. Ein Blinder mußte merken, daß er rettungslos bis über beide Ohren verliebt war. Je kälter und zurückhaltender Helga sich benahm, desto feuriger wurde er. Ich hätte nie geglaubt, daß die Eitelkeit einen Mann derartig verblenden könne. Soviel steht fest, dachte ich, diesseits der Kaps trennt er sich unter keinen Umständen von ihr und ist im Stillen überzeugt, daß er schon vor dem Die» unddreißigsten Grad ihre Einwilligung erringt.
In unerträglicher Langsamkeit schlichen die Stunden des Tages dahin. Matt und elend durch die ewigen Sallomonales des Schiffes blieben wir größtenteils in der Kajüte. Der Kapitän kam und ging, und am Nachmittage machte ich mich auf. um in Jakobs Gesellschaft eine Pfeife zu rauchen. Wir stellten uns hinter einen Dorsprung, um ungestört miteinander plaudern zu tonnen. Dabei berichtete er mir, daß es wieder unter der Mannschaft gäre.
Es ist immer dasselbe, sagte er, sie haben wieder Schweinefleisch bekommen. Als ob das nicht egal ist. was sie in ihren Schlund stecken, da in der Küche doch kein Feuer brennt! Es scheint aber, daß sie sich die Behandlung nicht länger gefallen lasten wollen. Als Na- fier ihnen, in seiner Sprache natürlich, sagte, daß es wieder Schweinefleisch gäbe, schrien und kreisch en sie, wie die Besessenen, und einer fuchtelte sogar mit seinem
Etnielirunimer 10 Pfennra.
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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Mittwoch, 9. Januar 1924
DennUwortiiS >Sr die 6<bti;tleituna: Dr. LobanneS Kramer. Anzeigen: 3- v oriellet. Fulda. Rotavonidrurk und Verlas der Fuldaer Sehenbrudetei m Fulda. Fernivrecher Nr. 9. r: Be-narpreid: Sfonat Januar 2.50 Eoldmark frei Kaur.
Auzeigen-Preiie: Äieuneile IGoloned lota: 0,15 Sadmarr auSwära o.W Daldmark: Reklame,eile tl 0,60. öotemart :: auswärts 0.80 Eoldmark. :;
fri Wlederbolimqen Rabatt- Po t checkkon'o Sranküirt a. M 405W
51. Zahrg.
Bor Oer WeneiAW Oer Hoiei.
Die belgische Antwort.
Für Ende dieser Woche steht die Ueberreichung her Noten Frankreichs und Belgiens, dis die Antwort auf das deutsche Memorandum in den Auseinandersetzungen über das Ruhrgebiet bringen sollen, bevor. Drahtmeldungen besagen:
wtb London, 8. 3an. (Tel.) Der Brüsseler Berichterstatter der „Times" berichtet, das belgische Kabinett habe gestern nachmittag den Wortlaut der Antwort auf die deutsche Rote f e st g e l e g t. Die belgische Tiefe befasse sich punkt für Punkt mit den aufgeworfenen Fragen und sei im Tharakie? technischer Art. Sie schließe eine Mill-ilüng der Bereitschaft der belgischen Regierung ein, mit den Vertretern der deutschen Regierung alle Massnahmen zu erörtern, die dazu angetan feien, eine Wiederaufnahme des Dirt- schostslsbeus im Rhein- und Ruhrgebiet zu erleichtern, ohne der belgisch-französischen Pfänderpolikik zu schade«. Eine Abschrift sei anvaincare übersandt worden. Sobald er seine Gesinnung MSgekrüSt habe, werde die Rote dm deutschen Vertretern in Paris und Brüstet übergeben werden.
wtb Paris, S. Isa. (Tel.) Havas meldet SUS Brüssel, die belgische Antwort aus das deutsche Memorandum könne im a! l g e m e i a e n als n e - gativ bezeichnet werden. Die Rote würde die Punkte der Deukschrist anführen, denen keine Folge gegeben werde« könne. Es würde keiner der deutschen Vorschläge angenommen werden, namentlich die, die auf die Mittel Bezug nehmen, die Beziehungen zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet zu erleichtern. Der Antwortentwurs Poinrares fei dem Kabinett mitgeteilt worden. Die Aeber- mittlung der beiden Antworten erfolge sehr wahr- scheinKch Ende der Woche.
Es ist bemerkenswert, wie verschieden die Abtönung der beiden Bericht« über den Inhalt der belgischen Note ist. Zum Verständnis genügt es, festzustellen, daß der Timesbericht einen Engländer, der Haoasbericht einen Franzosen zum Verfasser haben dürfte.
Der SachverftanLigenaurfchutz.
Erutrcffm der amerikanischen Sachverständige«. —
Nächste Woche beginne« die Sitzungen.
Eine Verhandlung vor i>em AppellationSgerichtShof von Drontheim.
Tie beiden amerikanischen Sachverständigen für den ersten von der ReparationSkommiflion eingesetzten Engneteausschuh (deutsche Finanzen unb Währung) General DatveS und Owen Joung sind in Cherbourg angekommen und werben in Pari» erwartet.
Der erste SachverständigenauSschuh wird am Montag vormittag im Gebäude der Reparatians» kommiffion seine erste Sitzung abf)eilten.
«
Die Reparationskommiffion veröffentlicht folgende Rote: Nachdem von der Reparationskommiffion und der deutsche» Regierung verschiedene Fragen beit, die Auslegung be6 Artikels 260 des Friedens- Vertrags dem Vorsitzenden bes AppellationSgerichtS- hofs von DrontheinF Breichmann, zur schiedsgerichtlichen Entscheidung unterbreitet worben sind, werben am 11. Januar in Paris die öffentlichen mündlichen Verhandlungen vor dem Schiedsrichter besinnen.
Art. 260 des FrieLenSverkragS bezieht sich auf die Abtretung der im Besitz deutscher Staatsangehöriger befindlichen Rechte und Beteiligungen an öffntlichen Unternehmungen oder Konzessionen in geroifien Ländern bezw. solchen Gebieten, die früher
Ketgcl.
Seeroman von Clark St Assel.
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Strauchelnd und stolpernd holte er eine Laterne. Helga kletterte mit verblüffender Sicherheit hinunter, und ich «richte ihr das Licht mit der Bitte, ei aufzuhängen und brennen zu lassen, da ich mir noch das Wetter ansehen und eine Prise rauchen wollte.
Dann tappte ich in di« Statute zurück, und Pun- nreamootty, der mir gefolgt mar, sah erschreckt auf den Trümmerhaufen. Dann schüttelte er die geballt« Faust-
Wir alle sage«: Sturm kommen, weil Kapl'n vöftr Mann!
Da ich draußen in der Nässe durchgefroren war, ging ich, mich an der Wand entlang tastend, nach dem Schwank und holte mir eine Flasche Rum. In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und der Kapitän trat herein. Sein Schnurrbart hing ihm in feuchten Strähnen über dem Mund, und von seinem Südwester rann das Wasser. Sich an der Tischkante festhaltend und mit dem plumpen Zeigefinger auf die Verwüstung am Boden deutend, jchrie er Punmeamootty am
Wer hat das getqji?
Ein Unfall, Kapitän, antwortete ich verdrießlich. Nie- > rträchtiger, alter Kasten, Ihr Schiff!
Wo ist Fräulein Nielsen?
Zu Bett gegangen! Ich setzte mich auf den Deckel des niedrigen Schrankes. Punmeamootty, reicht mir ein Glas ar dem Gestell dort!
Der Mann taumelte und ließ das Glas fallen.
Verdammter Lümmel! brüllte der Kapitän. Tolpatschiger Sohn einer Hündin! Aufräumen! Aber schnell!
Hat Fräulein Helga Licht?
Ich bejahte.
Sie kann fallen und bte Laterne hinwerfen. Das ist gefährlich bei solchem Wetter.
Sie ist geschickter als wir alle zusammen.
Gleichviel — ich muh nach Fräulein Nielsens Laterne , sehen, sagte der Kapitän, sich der Tür zuwendend.
Teutschkanb oder feinen Verbündeten gebart haben und aufgrund des FriedenöverttagS abgetreten wurden.
Als Vertreter der R ParationSkomniiffwn fungieren beim Schiedsgericht bet Rechtsanwalt beim Appellatwnshof in Paris, Zacq tc8 Lyon, und der Rechtsanwalt des Appellanonshofs in Brüssel, 'DL Marx. TeuischerfettS sind berufen Professor Jo eph Partjch und Regierungsrat Dr. Meyer.
Die neugierigen Franzosen und die stummen Amerikaner.
Mit welcher Spannung die Franzosen die amerikanischen Sachverständigen erwarten, geht aus folgender Meldung hervor:
wtb Paris, 8. Jan. (Tel.) »Petit Parlsien" meldet: Der amerikanische Sachverständige, Gene, rat David, habe bei seiner Ankunft erklärt, im Augenblick wisse er und sein Kollege absolut nichts. Sie seien nach Europa geschickt worden, um die Lage zu prüfen. Ihre Arbeiten würden la Paris beginnen, wo sie von Aktenstücken und Se- rlchten Kenntnis nehmen würden. Darauf würden sie an Ort und Stelle die wahre Finanzlage Deutschlands prüfen und dann in der Lage sein, in voller Kenntnis der Sache zu sprechen. Auch dann würden sie nichts erklären, denn sie hätten nach ihrer Auffassung nur dem Präsidenten und der Regierung der vereinigten Staaten Mitteilung zu machen. Bei der Ankunft in Paris lehnten die beiden Sachverständige« es ab. den Journalisten irgendwelche Erklärungen abzugeben. .
Vie Sorge um das besetzte Gebiet.
Zur Vorbereitung einer Regelung der Verkehrs-, Zoll- und allgemeinen wirtschaftlichen Fragen im besetzten Gebiet haben in Berlin B e - fpred}ungen zwischen einer Reihe von Vertretern der wichtigsten wirtschaftlichen Gruppen des besetzten Gebiets und dem Minffterium für die besetzten Gebiete stattgefunüen. Wie das Blatt hört, haben diese Besprechungen zu einem vorläufigen Ergebnis geführt, das dem Minffterium als Grundlage für feine weiteren Vorschläge an das Reichskabinett dienen wird.
»
Die Düsseldorfer Handelskammer feilt laut einer Meldung der „Köln. Ztg." mit, daß nach Mitteilung der Direktion der „Micum" vom 8, Januar an im Verkehr mit zollpflichtigen Waren aus dem unbesetzten m das besetzte Gebiet nicht mehr wie bisher 25 Prozent der in den interalliierten Tarif vom 1. Dezember 1923 angegebenen Sätze, sondern der volle Betrag erhoben wird. Wie die Düsseldorfer Handelskammer weiter mitteilt, haben nach der Neuordnung des Personenverkehrs zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet die Erlaubnisscheine, die für die Bewohner des unbesetzten Gebiets $ur Einreise in das französisch besetzte Gebiet erteilt worden sind, für ein Jahr Gültigkeit.
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Das „Echo du Rhin", das offiziöse Blatt des französischen Oberkommissariats in Koblenz, teilt über die Umgruppierung und Verminderung der französischen Besatzungsarmee mit:
Die franKsische Rheinarmee werde zur Zeit einer Umgruppierung unterzogen. Zahlreiche Truppeneinheiten seien im Begriff, zu Fuß ober mit der Eisenbahn in ihre Garnisonen zurückzukehren, aus denen sie am S. Januar 1923 zur Besetzung des Ruhrgebiets nseggejogen worden feien. Der Kampf habe nunmehr sein Ende erreicht. Demgemäß würden die aus dem Innern des Landes kommenden Einheiten, die Jäger- und Maschinengewehrbataillone, die Infanterie- und Schützenregimenter, Ka»
Sch sprang auf und vertrat ihm den Weg.
Kein Mann Betritt Fräulein Nielsen» Schlafquarsier, fv lange st« und ich auf dem Schiffe sind.
Die verschiedenartigsten Gefühle spiegelten sich in seinem Gesicht: er sah auf die Flasche, die ich noch immer in der Hand hielt, und merkte, daß ich in der richtigen Stimmung war, sie ihm an den Schädel zu schleudern, falls er mich aus dem Wege schieben wollte. Außerdem mochte er wohl denken, daß ich nicht ganz nüchtern sei.
Ich kann Ihnen versichern, sagte er, sich mit gemalt» sanier Anstrengung zu seiner gewöhnlichen Sanf.inut zwingend, daß Fräulein Nielsens Räume mit ebenso heilig sind wie Ihnen. Wollen Eie denn selbst nach dem Licht sehen? Unser aller Sicherhell steht auf dem Spiel.
Ohne zu antworten, setzte ich die Flasche wieder an ihre Stelle, und erregt, denn ich hatte mich auf ein Handgemenge gefaßt gemacht, verlieh ich die Kajüte, indem ich Punmeamootty zurief, mitzukommen und die Falltür hinter mir zu schließen. Ob er mir folgte, weiß ich nicht; ich sand die Laterne brennend, löschte sie ous und warf mich vollständig ausgekleiket aufs Bett. Lange konnte ich bei den wahnsinnigen Schwankungen des Schiffes nicht etnschlofen. Zweimal flog ich aus der Bettbank, daß ich mir dabet fast die Glieder brach. Ich rief nach Helga, konnte aber ihre Antwort nicht ver» stehen.
Gegen Morgen erwachte ich durch den Anprall einet gewaltigen Woge, der wie ein elektrischer Schlag alle Planken des Schiffes erzittern ließ, aus kurzem Schlummer und glaubte bei einem Blick durch bte trübe Glasscheibe den Morgen dämmern zu sehen. Ich zog die Stiefel an und tastete mich nach der Falltür, die jedoch verschlossen war, so daß ich nicht heraus konnte. Ich überlegte nun, wie ich mich am besten bemerkbar machen könnte, holte eine lose Planke von meiner Bett- s stelle und donnerte damll gegen die Luke. Sie wu de nach ein paar Minuten geöffnet und das vertraute rote Gesicht Jakobs sah unter einem zerknitterten gelben i Südwester auf mich herab. 1
Dallertebrigabcn, Tanks- und Maschinengeschütze, nach Frankreich zurücktransportiert. Zufolge der Reorganisation der französischen Nheinarmee bildert gewisse bisher im Rheinlands stationierte Regimenter Teile der Divisionen im Inlands und werden deshalb chre derzeitigen Garnisonen verlassen. Die 3e- megtmgen zur Rückkehr der Truppen würden sich über den ganzen Mvnat Januar erstrecken.
Ein bemerkenswertes Gerücht.
DaS auswärtige Amt in London ertart in einer Mitteilung, daß die Zeilungsmeldung, wonach die gegenwärtige britische Regierung entschloffen gewesen sei, die britischen Truppe n aus Köln zuriickzuzieben und den britischen Vertreter in der R'.paraiionSkomimsfion und in der Botschafter- konferenz abzuberufen, nicht der Wahrheit entspricht. MÄMWMMffM.
Angesichts der schwierigen Finanzlage des Reiches mußte daS Kabinett in feiner Sitzung am Montag die Zahlung weiterer Vorschüsse auf die Waldabgabe an den Verein deutscher ZeitungSverleger ab lehnen. DaS Kabtnett setzte Weiler die Beschlußfassung über di- Entwürfe des Reichs schulgesetzes und eines Gesetzes über die Lehrerbildung vorläufig aus, bis das Finanzverhältnis zwischen dem Reich und den Ländern neu geregelt ist,
Einmütig war das Reichskabinett der Meinung, daß mit größter Energie und RücksichlSlosigk'.ut gegen dis Auswüchse der VergnügungS- und Genußsucht, wie sie insbesondere in dem schamlosen Treiben gewiffer, die große Not des deutschen Volkes nichtachtender Deutscher in den internationalen Kurorten in Erscheinung treten, eingeschrltten werden muß.
Reichswehr und sächsische Regierung.
Melnungsverschredenhelken über die Drucklegung " einer Deukschrist.
Nach einer vom „Berliner Lokakanzsiger* rote» dergegebenen Meldung der „Dresdener Vocksztg." zu der Denkschrift, welche die sächsische Regierung aufAufforderungdessächsischenLand- t a g s über Mißhandlungen von Zivilpersonen durch Angehörige der Reichswehr zusammenstellen soll, hat der Befehlshaber des Wehrkreises 4, Generalleutnant Müller, der sächsischen Regierung schriftlich mitgeteilt, er bestehe darauf, daß che-: dis Unterlagen öer Denkschrift vor der Drucklegung vorgelegt werden. Er oerbte te eine Veröffentlichung der Denkschrift oder die Verwendung einzelner Teile derselben in der Oesfent- lichkeit vor Prüfung und Genchmigung durch das Wehrkreiskommando.
Die Finanzlage ln Sachsen.
Nach einer Meldung aus Dresden wurde der sozialdemokratische Abgeordnete Minister a. D. Dr. Reinhold zum Finanzminister ernannt und übernahm von dem bisherigen Finanzminister und jetzigen Ministerpräsidenten Held die Leitung der Geschäfte. Die Bekanntgabe der vollständigen Ministerliste erfolgt am 8. Januar. Der neue Finanzminister empfing am Nachmittag in feinem Amtszimmer eine Anzahl von Presseoertretern, denen er ein Bild der Finanzlage des sächsischen Staates entwarf, wie er sie im Augenblick seines Amtsantritts vorfinde.
Als eine der nächstliegenden Aufgaben de» Staates bezeichnete er 1) den Etat auf Goldbasis aufzustellen, 2) Steuern zu erheben, die einen sofort greifbaren Ertrag lieferten, 3) die werbenden Betriebe des Staates in Aktiengesellschaften umzu- wandeln, damit sie sich selbst trügen und kreditfähig seien.
Bezüglich der Pressenachrichten, daß der säch- fische Staat eine neue Inflation begünstige.
Sie hätten noch lange in dieser Mausefalle hämmern können, Mr. Tregarlhen, wenn ich nicht zufällig hier untergekrochsn wäre, um Schutz zu suchen.
Bergehoch, bis zur Spitze des Hauptmaste, reichend, kamen die üßetten heran und zerschellten in wirbelndem Gischt. Die Bark lief unter dichtgerefften Icpfcgeln; von der farbigen Mannschaft war niemand zu erblicken. Jakob schrie mir ins Ohr, daß alle vor Furcht halbwll wären.
Wer hat denn Wache? fragte ich.
Der Steuermann, anroorfete Jakob.
Zu meinem größten Erstaunen war es bereits acht Uhr, doch sickerte nur spärliche Helle durch die dicke, regenschwere Wolkenfchicht. Jetzt tauchte auch Helga in der Falltür auf; trotz der gewaltigen Schwankungen bes Schiffes schwebte sie leichtfüßig über das Deck auf mich zu.
Was für eine Nacht! rief sie. Ich glaubte, die Bark müsse jeden Augenblick in Stücke gehen.
Wir suchten bald die Kajüte auf, da uns der Sttinn trotz des Breitengrades, auf dem wir uns befanden, eisig kalt um die Ohren pfiff. Ich erzählte Helga auch, daß der Kapitän und ich gestern aneinander geraten feien.
So lange dieses Wetter anhält, können wir nichts tun, sagte sie traurig. Unser Traum von Santa Truz ist ausgeträumt. Ach, ich wünschte, alle drei Masten gingen über Bord!
Wenn nur der Rumpf heil bleibt! fügte ich hinzu.
5a, wenn nur der Rumps hell bleibt! Ich möchte vierzehn Tage auf dem Wrack herum! re.ben, wenn ich nur di« Aussicht hätte, endlich aus dieser lächerlichen Gefangenschaft erlöst zu werden!
Kaum hatte sie ausgesprochen, als der Kapitän eintrat. Er begrüßte Helga, erkundigte sich wortreich nach ihrem Besinden und hielt dabei ihre Hand fest, die sie vergebens zu befreien suchte.
Ich habe Sie noch um Entschuldigung zu bitten, wandte er sich dann an mich Es ist mir gestern ein Ausdruck entschlüpft, den ich seit Jahren nicht mehr gebraucht habe, aber es kamen so viele W derwärtigkeiten zusammen, daß wohl auch das frömmste Gemüt einmal außer sich geraten konnte.
betonte der Minister aufs schärfste, daß er unter keinen Umständen irgend etwas unterstützen werde, das aufs neue zu einer Inflation und zu einer Untergrabung der Rentenmark führen könnte.
Neues aus Bayern.
Entrüstung über die Denkfchrlft zur Verfassung»- frage. — Der Kampf um die Fahl der Landtazs- abgeordncteu.
Im Verfassungsausschuß des Landtags hat der Abg. Dr. Sirr im Namen der Demokraten eine Erklärung abgegeben, in welcher das Bedauern darüber ausgesprochen wurde, daß die Denkschrift der bayerischen Regierung über die Revision der Weimarer Verfassung veröffentlicht wurde, ohne daß der Landtag davon Kenntnis bekam. Die Erklärung verlangt, daß die Regierung in nächster Zeit mit der Volksvertretung in eine Aussprache über diesen Schritt und über den Inhalt der Denkschrift eintritt. Dr. Müller (Sem.) bezeichnete es als ungeheuerlich, daß die Abgeordneten, obwohl der Derfassungsausschuß versammelt sei, erst aus der Presse von dieser großen Verfassungsaktion erfahren mußten.
♦
Bei der Beratung des Regierungsentwurfes zur Abänderung des Landtagswahlgesetzes wandte sich der Referent, Graf Pestalozzi (D. V.) gegen eine weitere Beeinträchtigung des flachen Landes durch allzugroße Beschränkung der Zahl der Mandate. Minister des Innern, Schweqer, bemerkte, das bayerische Parlament sei nicht zu zahlreich besetzt, deshalb sei auch das Bedürfnis nach Verringerung nicht so groß wie anderwärts. Abg. Dr. Müller (Dem.) trat für Verminderung um meindestens ein Drittel ein. Die Demokraten, dis sich auf die Großstädte stützen, hoffen natürlich in einem kleinen Parlament auf einen größeren Einfluß. Dieser Seite des Abbaues des Parlaments ist auch anderwärts sehr zu erwägen muh namentlich in ländlichen Wahlbezirken im Auge behalten werden.
MM gegen Oto Wratei in MMm MM.
Mustapha Kemal Pascha unverfehrk. Seine Gattin verletzt.
wtb Paris. 8. 3an. (Tel). Nach einer Ageuturmclduug aus Smyrna ist gestern in der Dills, die der Präsident der Türkischen Republik und seine Frau bewohnen, ein Anschlag gegen Mustapha Kemal Pascha verübt worden. Am Vormittag wünschte ein junger Mann Mustapha Kemal zu sprechen unter dem Vorwande, er habe ihm einen eisigen Dries zu übergeben, von Argwohn ergriffen, bat die Fran den Besucher zu warten, während sie auf das Iimmer zuglng. in dem sich ihr Mann befand. 3n diesem Augenblick warf der Unbekannte eine Bombe. Mustapha Kemal, der die Tür öffnete, wurde nicht getroffen. Seine Frau dagegen wurde verletzt. Der Täter konnte entkommen.
Es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß der Mordversuch gegen Kemal von den fanatischen Anhängern des alten türkischen Systems ausgeht, das in dem Präsidenten der türkischen Republik seinen erfolgreichsten Feind sieht. Gerade in den letzten Tagen hat Kemal einen großen Schlag gegen den Islam geführt, in dem er den Harem und die Vielweiberei aus hob. Vielleicht hat gerade dieser VorstoßgegendenHaremdas Attentat aus- gelöst, denn zweifellos erfreut sich diese Einrichtung in der Türkei auch noch mancher Anhänger. Uebri» gens wird behauptet, daß Kemals Maßnahmen zu» Befreiung der türkischen Fran aus unwürdiger Knechtschaft gerade auf seine jetzt verletzte junge, europäisch gebildete G e m ah l i n zurückzufübren ist.