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Vrnzeliriimmer 10 Pfennig.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Slabi Fulda.

Nr. 6.

BerantwortilÄ ,üt bie etbriitleiiuna: Dr. Jokannes Kramer. Anzeigen: I. P arreller. Fulda. Rotation-druck und Verlag der .r Fuldaer Aetiendruckerei gt Fulda. Fernwrecher Nr 9. ::

Be«uarvre>»: Nonat Saruar 2.50 Goldmark t«t Saus-

Dienstag, 8. Januar 1924.

Anreigeu-Preiie: Siem,eile (SoioneO Iota. 0,15 Go dmarr auSwärtr 0220 Goldmark: Reklame,eile lokal 0,60, Soldmark. :: auswärts 080 Soldmark. :

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51. Zahrg

Mk g» Ser esglWes Islikik.

Ernsthafte Erwartung einer Arbeiterregierung in England.England eine Null, Vorherrschaft Frankreichs". Englische Dündnisplane. Dos Streben nach der Luststreitmacht.

Gamin befaßt sich imObserver" mit der Po­litik der kommenden Arbeiterregie­rung. Er schreibt, mit den Geschäften keiner ein­zigen Nation sei eine derartige Mißwirtschaft getrieben worden, wie mit denen Großbritanniens feit dem Kriege- Ais der Krieg zu Ende ging, feien die Möglichkeiten in der Hand Großbritanniens größer gewesen als die irgend einer anderen Na­tion. Sei seien jedoch weggeworfen worden. Die Preisgabe des Wiederaufbaues durch die Koali­tionsregierung sei eine der schlimmsten Katastro­phen in den Annalen Großbritanniens gewesen. Die Koalition habe die wunderbare britische Luft­streitmacht bis zur Bedeutungslosigkeit herab­gesetzt, während Frankreich sich der Luft in über­wältigender Ueberlegenheit bemächtigte. Poincare habe begonnen, England als eine Null zu behan­dln.

Die französische Beherrschung des gesamten Kontinents sei erreicht wor­den. Garvin wendet sich dann gegen die Verbin­dung des Premierministeramtes und des Außen­ministeramtes in den Händen Ramsay Macdonalds. Die Aufgabe der kommenden Arbeiterregierung fei, die Ehre Großbritanniens aufrechtzuerhalten und den England zukommenden Einfluß wiederherzu- stellen. Die französische Vorherrschaft mit ihrer Luftstreitmacht und ihrem weitreichenden System subventionierter Allianzen sei mächtiger alsje seit den Tagen Na poleons und in man­cher Hinsicht noch mächtiger als damals. Jahre­lang werden man unter ihr leben müßen. Frank­reich werde weder abrüsten noch die Einkreisung Deutschlands lockern.

Garvin gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung Ramsay Macdonalds unverzüglich die­sem Zustand volle Anerkennung gewährt und danach über die Schuldenfrage verhandeln werde. Der zweite Schritt müßte die Einleitung einer ruhi- fen und entschlossenen Politik sein, die Deutsch- and in den Völkenbundsrat bringe. Der dritte Schritt müßte der Abschluß eines end­gültigen Abkommens mit Italien und Spa­nien sein, außerdem müsse England im gemein­samen Interesse die Beziehungen zu Holland und den skaud ana_r>.tlcst.en Ländern för- 5 er n. Cs'nmNeelMl^den Versuch unternehmen, die Entente ausrechtzuerhalten, jedoch nur auf der Grundlage des Gleichgewichts. Dis selbstmörderische Unterwürfigkeit Englands müsse aufhören. Eine vollkommen genügende Luftstreistnacht sei für die Bedeutung Großbritanniens wesentlich.

i *

Obs mit der französischen Herrlichkeit wirklich so weit her ist? Das weitere Sinken des französischen Franken ist doch eigentlich ein Anzeichen der Schwäche, das wir auch gegenüber der angeblichen zahlreichen diplomatischen Niederlagen Englands nicht so ganz gering einschätzen möchten. Freilich war der große Napoleon auch meistens im Debet. Aber schließlich ist die Firma trotz ihrer Glanzzeiten doch eines Tages tatsächlich zusammengebrochen. Der französische Doikswirtschaftler Charles Gide er­klärte einem Vertreter derHumanste", die Ur­sachen des Sturzes des französischen Franken seien psychologischer Natur. Das. sich ständig verschärfende Sinken der französ. Devise habe am Anfang des letzten Jahres begonnen, als Frankreich sich anläßlich der Ruhrbesetzung mit Eng- land überworfen habe. Man scheine zu vergessen, daß England und die Vereinigten Staaten Gläu-

J&efcfa.

Sceromaii non Clark Rüssel.

Plötzlich brüllte er mit Stentorstimme durch die Fin- fternis nach ein paar Leuten zum Segeleinholen.

Heute nacht wird es ordentlich blasen, rief er mir zu. Und gleich darauf wurde die nächtliche Stille durch das Geheul der Matrosen umerbrochen.

Da ist der Kapitän, sagte Helga zurückweichend.

Sehr gut, Bise, hörten wir ihn sagen. Das Daro- meter ist stark gefallen, und im Nordosten wetterleuchtet es. Es ist am besten, Sie rufen alle Mann an Deck, denn ich kann mich nur bei ruhigem Wetter aus die Leute verlaßen.

Abraham donnerte tut die Tür des Mannschasts- raumes und schrie:

Alle Mann an Deck! Segelbergen!

Kurz danach war das Deck lebendig von gleitenden, ysschenden Schatten; papageienartig schrille Rufe schallieil durch die Nacht. Es hatte aufgehört zu blitzen, aber die Dunkelheit nahm schnell zu und die Sterne über uns verschwanden bereits in den sich drohend auftürmendcn Wolkengebirgen. Da uns beiden nichts daran lag, vom Kapitän beobachtet zu werden, sttegen wir in die Kajüte hinunter. Sonst hätte ich mit Freuden zugezrisfen und geholfen; aber unter diesen Umständen war ich ent­schlossen, kein Tau anzurühren, um meine ablehnende Haltung zu betonen und den Kapitän einzuschüchtern. Hoffentlich sah er dann ein, daß er zu weit gegangen war.

Durch den Lärm auf Deck, dmch Abrahams und Mr. Jones' Ruse und den Gesang der Malaien vernahmen wir deullich die feste Kommandostimme des Kapitäns, die von feinem sonstigen öligen Tonfalle himmelweit verschieden war. Das drohende Wetter schien den See­mann in ihm geweckt zu haben. Klatschend liefen die nackten Füße der Malaien oben hin und her. Helga folgte den Manövern und benannte alles mit dem rich- «gen Namen.

biger Frankreichs seien und daß ihre Forderungen an Frankreich den französischen Forderungen an Deutschland gleichkommen. In Frankreich finde man Geld, um Polen und der Tschechoslowakei Anleihen zu geben, während man den französischen Gläubi­gern erkläre, man besitze kein Geld. Namentlich in den angelsächsischen Ländern mache dies keinen glücklichen Eindruck. Wenn es demnächst zu einer inflatorischen Verschärfung des Notenumlaufs komme, würde den psycholo­gischen Gründen der Frankenbaisse ein neuer An­trieb gegeben werden. Die letzte Bilanz der Bank von Frankreich sei trotz der offiziösen Erklärung in dieser Hinsicht nicht sehr beruhigend gewesen.

Wir Deutsche sind, so schreibt dieFrkf. Ztg.", jetzt gewissermaßen schon Altmeister der Inflation, die Franzosen aber noch Lehrlinge. Darum ist es wohl nicht überheblich, daß wir heute die Fran­zosen daran erinnern, wie sie angesichts der fort­schreitenden Entartung der deutschen Maik die Deut­schen vor aller Welt des betrügerischen San» kerotts beschuldigten. Jetzt befindet sich Frank- reich in der gleichen Situation: Unausgeglichenes (sogar verschleiertes) Budget, ständige Vermehrung der schwebenden Schuld, in den letzten Tagen auch starke Zunahme des Notenumlaufes, Sinken des Wechselkurses. Und auch Frankreich ist in der Lage des Schuldners, der erklärt, nicht zahlen zu können. Damit alles wiederkehre, fehlte nur, daß jetzt die Gläubiger der ehemaligen Ankläger diese selbst des betrügerischen Bankerotts bezichtigten. Wie stände es dann mit der Verteidigung Frankreichs?

Die einlische Regierungsbildung.

wbt £ o n ö o n, 7. 3an. (Tel.) Der diplomatische Berichterstatter desDaly-Telegraph" schreibt, man glaube, der englische Arbeiterführer Ramsey Macdouald werde, wenn er außer dem Amt des Premierministers das Auswärtige Amt über­nehmen werde, zu feinen Hauptmitarbeikern Tom Shaw und Arthur ponfonsky zu macheu. Es fei auch wahrscheinlich, daß Macdonald Lord Acton, der 1919 in dem unmittelbar auf den Krieg folgenden Jahre als Gesandter in Finnland war, zur Mitar­beit heranziehen werde.

Senatswahlen in Frankreich.

Bei den am Sonntag getätigten französischen Senatswahlen waren 116 Sitze zu vergeben. Die zur Wiederwahl stehenden Senatoren verteilen sich wie folat: Konservative und Liberale 19, Republi­kaner 15, Linksrepublikaner 24, Unabhängige und Radikale 8, Radikale und Radikalsozialisten 47 und sozialistische Republikaner 3. Im ersten Wahlgang wurden 82 Senatoren gewählt. Ein Wahlergebnis steht noch aus. Für 33 Sitze hat ein zweiter Wahl­gang stattzufinden. Die gewählten Senatoren ver- teilen sich auf die Parteien wie folgt: Konservative und Liberale 17, Republikaner 12, Linksrepubli­kaner 15, unabhängige Republikaner 3, Radikale und Radikalsozialisten 31, sozialistische Republikaner 4, Sozialisten 1.

Unter den wiedergewählten bekannt. Senatoren befinden sich Poincare und Leon Bougois. Die sozialistische Fraktion, die nur zwei Senatoren um­faßt, die zur Wiederwahl stehen, verzeichnen einen Gewinn von einem Sitz. In der Stichwahl stehen 5 Sozialisten, sowie der bekannte sozialistische Ab­geordnete Cachin.______

katholische Welt.

Heue Spende des Heiligen Dakers für Deutschland. Der Papst ließ durch Vermittelung der Gemahlin des deutschen Botschafters beim Vatikan, Frau von Bergen, derMütterlichen Hilfe" in Berlin eine Spende von 10 000 Lire zugehen.

Ich höre gern die rauhe Seemannssprache aus Ihrem Munde, Helga, aber lasten Sie sie ja nicht den Kapitän hören. Seine Bewunderung kennt sonst keine Grenzen.

Was kann ich nur tun, um in ihm das entgegen­gesetzte Gefühl hervorzurufen, Hugh?

Ich hoffe, Sie haben es hier unten einigermaßen ge­mütlich, sagte in diesem Augenblick eine nur zu be­kannte Stimme.

Helga erstarrte zur Bildsäule.

Meine Bark ist jetzt gegen den Sturm gerüstet, fuljt der Kapitän fort; aber ich kann Ihnen leider nicht Ge- jellschaft leisten, ich muß an Deck bleiben. Bitte, betrach, len Sie sich ganz als Herrin, Fräulein Nielsen, und geben Sie Punmeamootty Ihre Befehle. Sie können ruhig schlafen gehen; ich wache über Sie, aber darf ich Sie nicht noch einmal bitten, Mr. Jones' Koje zu neh­men?

Doch Helga dankte kurz, worauf der Kapitän, über diese entzückende Mädchenlaune den Kopf schüttelnd, ver­schwand, während Punmeamootty wie ein Geist herein- glitt.

Jetzt werde ich Abrahams weise Ratschläge befolgen, sagte ich, und die Specjekammer leer esten. Punrnea- moolly, bringt mir das Beste zu esten und zu trinken her, was Ihr habt! Gibts nichts anderes, als Rum, keinen Branntwein?

Ja, Herr, Kapt'n haben drei Flaschen für Krankheit.

Gut, bringt eine her, aber schnell müßt Ihr servieren, mein Junge, ehe das Geschaukele losgeht.

Punmeamootty grinste über das ganze Gesicht, und mit affenartiger Geschwindigkeit wurde der Tisch gedeckt. Als der Malaie im Begriff war, den Korken aus her Flasche zu ziehen, betrat der Kapitän die Kajüte.

Was habt Ihr da, Punmeamootty? rief er, ist das der Branntwein?

Jawohl, ich habe welchen bestellt, antwortete ich mürrisch.

Bitte, gehen Sie sparsam damit um, sagte er mit mühsam unterdrücktem Aergec. Ich habe nur drei Fla­schen davon an Bord. Damit ging er.

Hurra, Abraham hat recht! lachte ich. Nun wollen jtöir ihn aber ordentlich kränken.

Kampf innerhalb der sächsischen Sozialdemokratie.

Der Landesparkeikag gegen die Landkagsfraklion. Ankräge auf Ausschluß aus der Partei. Die Frakkionsmehrheit ruft den Reichsparleikag atu

Wie derMontagspost" aus Dresden gemeldet wird, hat der Landesparteitag der sozialdemokrati­schen Partei Sachsens am Sonnlag nach Entgegen­nahme der Referate der Abgeordneten Fellisch und mrdMüller-Leip^ig m i t 7 7 gegen 16 Simmen eine Entschließung angenommen, in der er feststellt, daß sich die 25 Sozialdemokraten, die sich an der Abstimmung für bie große Koa­lition beteiligten, eines groben Bruchesder Parteidisziplin schuldig gemacht hätten. Sie feien verantwortlich für bie Spaltung in der Frak­tion. Der Parteitag fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten, den Apell an das Volk und ersucht sämtliche sozialdemokratischen Mini- ster, aus dem Kabinett auszutreten.

Sollte die Landtagsauflösung nicht erreicht wer­den, so sei der Volksentscheid durchzuführen. Ferner wurde ein Antrag Lipinski-Leipzig ange­nommen, wonach die 25 Abgeordneten aus der Partei auszuschließen seien. Die Haltung der Abgeordneten, die sich an der Abstimmung für das Kabinett Held nicht beteiligt hatten, wurde ge­billigt Die wegen ihrer Beteiligung an der neuen Koalitionsregierung angegriffenen sozialdemokrati­schen Abgeordneten rufen die Entscheidung des Reichsparteitages an. Wir werden also in der Sozialdemokratie jetzt wieder die alten Probleme auf- tauchen sehen: hie Marxismus hie Revi­sionismus.

verhaftete Kommunisten.

Am Samstag Nachmittag 4 Uhr wurden in den Unteren Anlagen in Stuttgart der kommunistische Reichstagsabyeordnete Bartz und der württem- bergische Landiaasabgcocdnete Karl Muller nebst weiteren toter ehemaligen Mitgliedern der kommu­nistischen Partei von der Kriminalpolizei verhaftet und in das Neue Schloß gebracht. Von den Fest­genommenen wurden alle mit Ausnahme des Reichs- tagsabgeordneten Bartz, der im Besitz von belastendem Material gewesen fein soll, wieber auf freien Fuß gesetzt

Rus dem besetzten Gebiet.

Nach einer Havasmeldung aus Koblenz hat die Rheinlunbkommifsian sich mit der Verordnung der Reichsregierung vorn 27. Oktober 1923 über die EinschränkungderBeamten-undAn- gestelltenzahl befaßt und beschlossen, die Durchführung der Verordnung im Sparsamkeits- intereffe zuzulassen, sie jedoch zu kontrollieren. Es wird behauptet, daß gewisse deutsche Behörden sich anschickten, die bevorstehenden Entlassungen im politischen Sinne gegen die rheinischen Be­amten zu Gunsten der aus dem unbesetzten Deutsch­land stammenden vorzunehmen.

MMsOerz, Wn o. Seitoetloffung.

Nach einem Telegramm derMontagspost" aus Stuttgart fand dort die sog. Dreikönigs- Parade der schwäbischen Demokraten statt, zu der Mitglieder und Führer der Parteien aus dem ganzen Lande wie außerhalb Württem­bergs eingetroffen waren. Staatssekretär Hieber streifte in seiner Rede auch die neueste bayerische Denkschrift. Wenn er dazu auch nicht endgültig Stellung nehmen könne, so müsse er doch sagen, daß, wenn die einzelnen deutschen Staaten und Länder die Rechte bekämen, die sie v o r 18 7 0 hatten, dies über die Grenzen eines einigermaßen berechtigten

Helga versuchte, etwas zu essen und zu trinken, und obgleich ich keinen Hunger hatte, tat ich, als ob ich mich mit großer Gier über die Speisen hermachte. Ich klap­perte absichllich mit den Tellern, weil ich mich von dem Kapitän durch das Oberlicht beobachtet wußte, füllte einen Humpen mit Branntwein und Wasser und rief mit lauter Stimme:

Auf unsere baldige Befreiung, Helga! Oder, wenn das nicht geht, auf möglichst schnelle Uebsrfahrt mit dem allen Kasten! Nachher wissen wir ja, was wir zu tun haben. Ausgezeichneter Branntwein! schrie ich, daß man es bis aufs Vorderdeck hören mußte. Schenkt mir noch einmal ein! Cs war nur ein Tropfen; ich wollte jedoch fo tun, als ob ich die Flasche nicht schonte. Ihr könnt jetzt abräumen, Punmeamootty, und wenn Ihr eine Zi­garre findet, wäre ich Euch dankbar.

Wie steht's da unten? Das Gesicht des Kapitäns erschien im Oberlicht.

Danke, wir haben gespeist, erwiderte ich hochmütig; Punmeamootty, die Zigarre, bitte.

Der Kops verschwand.

Ich nicht wissen, wo Kapt'n haben Zigarren.

Plündert doch seine Kabine, rief ich laut

Der Bursche schüttelte grinsend den Kopf.

Horch! was ist das? nef Helga plötzlich. Von fern her kam ein Ton wie das dumpfe Briillm der Bran­dung. Ein blendender Blitzstrahl schoß durch das Ober­licht und verdunkelte das matt glimmende Licht der Kajülenlampe. Im nächsten Augenblick wurde das Fen­ster geschlossen und eine Decke darüber gebreitet.

M-in Oelzeug, Punmeamootty! schrre der Kapitän.

Kann das Regen sein? fragte Helga.

Ja, es war Regen; eine wahre Sündflut, untermischt mit ungeheuer großen Hagelgeschossen, ergoß sich mit ohrenbetäubendem Getöse über das Deck. Das dauerte ein paar Minuten; dann brach der Lärm plötzlich ab, und man hörte wieder die ferne Brandung toben, aber tiefer, wilder, drohender. Noch ein paar Minuten der Ruhe, dann nahm der Sturm uns in feine Fange, und im nächsten Augenblick lag die Bark auf der Seite, wäh­rend die Sturzseen mit schrecklichem Getöse aufs Haupt­deck stürzten.

Helga wurde durch den Tisch gehalten, unter mir aber brach der Stuhl zusammen; ich fiel der Länge nach auf den Rücken, und über mich stürzte alles, was auf dem Tisch stand. Ich lag in einem wüsten Durcheinander van Marmeladetöpfen, Tellern, Gabeln und Messern, der in tausend Scherben zerschmetterten Branntwem- flasche und konnte mich nicht rühren, fielga schrie auf.

Ich bin unverletzt, rief ich.

Vom Achterdeck ertönte jetzt ein heiseres Geschrei, dem ein Knall wie aus einem Dierundzwanzigpsünder folgte.

Da geht ein Segel hin! sagte ich.

Das Schiff rollte und schlingerte und stampste; ich wurde aus dem Boden hin und her geschleudert und hatte Mühe, mich aufzurichten, ohne mich in den Scherben zu verletzen. Ich stieg aufs Achterdeck. Es war stockdunkel, und als ich die Letter zum Oberdeck hinaufklettern wollte, trieb mir der Sturm fo viel Nässe in bie Augen, daß ich, geblendet, kaum etwas fetzen kannte. Der Sturm fegte mit furchtbarer Gewalt daher. Es war, als ob eine übermächtige Gewalt uns emporriß, und dann von einer furchtbaren Höhe wieder in bie liefe schleuderte. Dabei krachte, ächzte und stöhnte das Fahr­zeug in allen Fugen, als wenn Taufende von einge» sperrten Sklaven um ihr Leben jammerten.

Das ist ja noch schlimmer als auf derAnina", Helgis sagte ich.

Ja, und dabei wetzte es damals doch ärger. Aber ich fürchte keinen Orkan fo sehr wie Kapitän Sunhngs Lächeln. Er wird gleich wieder hier fein. Ich will lieber zu Bett gehen!

Wir brauchten beinahe eine Viertelstunde, bis wir, uns krampfhaft festhaltend und in der Dunkelheit vor­wärts tastend, das Quarterdeck erreichten. Ich sand dik Falltür zu unserem Schlasquartier oerschloffen. hob sie auf und sah in eine Finsternis, wie in einem Kohlen» schachl. Mit aller Lungenkraft schrie ich nach Punrnea» rnooty. Endlich tarn er auf allen Bieren angckrachen, bis auf die Haut durchnäßt, denn vorn ging die See beständig über. .... _ v

Amerikaner und deutsche Hot.

Die Feststellungen der amerikanischen Sachverständigen.

Professor Emers on von der Universität Co­lumbia, der zusammen mit Professor Patterson von der Universirät Pennsylvania von General Allen nach Deutschland entsandt wurde, um festzustellen, in welchem Maße tatsächllch Not herfcht, drahtet fol­gende Meldung nach Amerika:

Nach einem viertägigen Studium der Berliner Krankenhäuser, Säuglingsheime, Kinderhorte, Wai­senhäuser und Obdachlosenasyle finde ich die Berichte über Ausdehnung und Zunahme der Unterernäh­rung durchaus bestätigt. Die Mitchverfo» S Berlins beträgt nur noch ein Zehntel der Dor-

smenge. Ein Viertel der Bevölkerung Berlins ist auf private und staatliche Unterstützung angewie­sen. Der Mangel an Nahrungsmitteln, Kohlen und Licht, die Wohnungsnot im Verein mit der Schlie­ßung der Krankenhäuser und geringen Inanspruch­nahme ärztlicher Hilfe hat eine starke Zunahme von Krankheiten zur Folge. Viele Kinder leiden den größten Mangel an Schuhen und Unterkleidung. Die deutsche Selbsthilfe sowohl wie Einzelunter­stützung bilden wichtige Fakwren in dem Hilfswerk. Für die Kindernahrung fehtt es hauptsächlich cm Milch, Butter, Fett und Lebertran.

Föderalismus hinausgehe. Er möchte als Leich gebauten bei dem Problem Reich und Föderalisten das Wort des Frhrn. v. Stein aufstellen: Ich kenn« nur ein Vaterland, und das ist Deutfch» land! Nach dem Staatspräsidenten Hieber sprach Reichswehrminister Geßler über die inner­und auswärtige Politik des Reiches.

Rustand.

* Die Hebungen der amerikanischen Flotte. 9m Januar und Februar werden die amerikanischen Flottengeschwader des Atlanttschen und des Süllen Ozeans größere Hebungen abhalten. An den Ma­növer» beteiligen sich 15 Panzerkreuzer, 4 Kreuzer, 63 Torpebobootszerstörer, 11 Unterseeboote und 888 Hilfsschisfe, 103 Minenwerfer und zahlreiche Schlepp­dampfer.

* Der Bürgerkrieg in Mexiko. Reuter meldet aus Mexiko: Der Kriegsminister stellt die Nachricht, baß Tampico in bie Hänbe der Aufständischen S" len ist, in Abrebe. In Tampico hatten sich Mann Regierungstruppen konzentriert, die gegen bie Aufständischen in Richtung Tiirpan vor­gehen sollten. Reuter hört, daß bie einzige amt­liche Information über die Lage in Mexiko ein Telegramm aus ber Stadt Mexiko ist, daß die Auf­ständischen den Petroleumhafen von Turpan ge­nommen haben. Ein britischer leichter Kreu­zer fei von Veracruz nach Tampico abgegangen.

* Tas unruhige Japan. Reuler meldet aus Tokio: Bor dem kaiserlichen Palasi fanö in Ab-

Deutsches Reich.

* Politische Personcnnachrichten. Außenminister Dr. S tref em ann ist von seinem Erbolungsurlaub in Lugano wieder in Berttn ein getroffen.

* Den thüringischen Ministern Fröhlich, Hart­mann und Greil ist am Samstag in einer Sitzung des Reichskabinetts unter dem Vorsitz des Reichs­kanzlers Gelegenheit gegeben worden, sich zu den Feststellungen, die von de n Reichsbeauftragten in Thüringen getroffen worben sind, zu äußern. Das Reichskabinett wird sich nunmehr mit den Ergeb­nissen der Dorgenommenen Untersuchung befassen.