Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
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Nr. 2.
«erantworrliL >ür dir SckriitleUung: Tr. Sabatines Kramer. Anzeigen: 8- D ar»« Iler. Fulda. Rotationkdruck und Verlag der ,r Fuldaer Sctienbrutterei m Fulda. Fernlvrecher Nr- 9. ::
Be«narvretS: Monat Januar 2.30 Goldman! ftet Sau?.
Donnerstag, Z. Januar 1924*
Anzetnen-Dretle: «! em teile (Eownel) letal 0,16 Soidmarr auswärts 0^0 Geldmarkt Reklamezeile letal 0,60. «oidmark :: auswärts OLO Soldmark.
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51. Zahrg.
verftändigungrwünsche zum Neuen Zähre
Mit befonirerer Deutlichkeit sind die auf Verständigung gerichteten Wünsche der europäischen Völker am Neujahrtage zum Ausdruck gekommen. Beim Reichspräsidenten fand am Neujahrs- eage der übliche Einpfang des diplomatischen Korps stach zu dem sich die Botschafter, die Gesandten und die Geschäftsträger sämtlicher in Deutschland vertretenen fremden Mächte emgefunden hatten, und bei dem auch der Reichskanzler zugegen war. Als Doyen des diplomatischen Korps hielt der apostolische Nuntius Monsignore P a c e l l i folgende Ansprache:
Herr Reichspräsident! Der Beginn des neuen Jahres serfammeit wiederum die Vertreter der fremden Staaten um Ihre Person, um Ihnen und der deutschen Nation, deren höchstes Amt Ihnen anvertraut ist, ihre Glückwünsche und Wünsche darzubieten. Das soeben verflossene Jahr ist nicht ohne schwere Schmerzen und Leiden für die Menschheit dahingegangen, aber besonders an diesem Tage, den man gewöhnlich mit Freude und Fröhlichkeit feiert, richten sich unsere Blicke mit einer um so innigeren Teilnahme auf gewifle unglückliche Klassen des Volkes, in besten Mitte wir leben. Das sind die werktätigen Stände ebenso wie die Geistesarbeiter. Das ist der Mittelstand, das sind Kranke, Greise. Frauen und Kinder, denen oft das Allernötigste zum Leben fehlt. Wir sprechen den edlen Herzen unseren Beifall aus. die sich bemühen, ein so erschütternder Elend zu lindern, und wir wünschen glühend, daß alle Nationen sich jener gesunden und ruhigen Wohlfahrt erfreuen mögen, die auf Gerechtigkeit, auf friedlicher Arbeit und auf brüderlicher Liebe beruht. Das ist es, Herr Reichspräsident, was ich, der Ich jetzt wiederum die Ehre habe, bei dieser Gelegenheit im Namen des beim Reich beglaubigten diplomatischen Korps an Sie das Wort zu richten, mit ganzem Herzen von der göttlichen Vorsehung, der höchsten Lenkerin der menschlichen Geschicke, erflehe.
Der Reichspräsident Ebert erwiderte hierauf mit folgenden Worten.-
Herr Nuntius! Meine Herren! Es ist mir eine ganz »«sondere Freude, wieder aus Ihrem Munde die Glückwünsche entgegenzunehmen, die Sie mir und dem deutschen Volke au- Anlaß des heutigen Tages im Namen des diplomatischen Korps auszusprechen die Gü!e hatten. Dankbaren Herzens begrüße ich die Worte des Mitgefühls, mit denen Sie der Not des deutschen Volkes und. derjenigen unserer Volksgenossen gedacht haben, die in diesem schweren Winter unter bitterer Be» drängnis leiden. Mit aufrichtiger Genugtuung stellen wir fest, daß weste Kreise Mr fremden Nationen sich der m Deutschland herrschenden Not bewußt geworden sind, und, vom Geiste wahrer Menschlichkeit beseelt, uns Hilfe und Beistand geleistet haben; manches Leiden ist dadurch gemildert, und vielen ist auf dl-sem Wege wirksam geholfen worden. Mit Recht haben Sie auf diesen Geist allgemeiner Menschenliebe hingewiesen, der zusammen mit dem Gefühl der Gerechtigkeit gegenüber den anderen Nationen die stärkste Gewähr für den Fortschritt und das gedeihliche Zusammenarbeiten der Völker bietet. Cs fft bei Beginn dieses neuen Jahres der sehnlichste Wunsch des deutschen Volkes in seinem harten und duldenden Ringen um sein Leben und seine Zukunst, daß auch ihm bald das hohe Gut ruhiger Arbeit und friedlichen Lebens im Kreise der Völker beschieden sei. Mit der Hoffnung, daß der von Ihnen so warmen Her- zens gewürdigte Geist der wahren Menschlichkeit, im neuen Jahre sich weiter ausbreiten und immer tiefere Wurzeln fassen möge, verbinde ich, Herr Nuntius, meine Herren, die Bitte, Ihren Staatsoberhäuptern, Regierungen und Völkern mein« herzlichsten und aufrichtigsten Wünsche für ein glückliches und friedliches neue Jahr zu übermitteln.
Beim Neuiadrsempfang in Paris erklärte der Doyen, der päpstliche Nunisius Mfgr. C e r e t t i m einer Ansprache, die Jeden beunruhigenden tragischen Ereiainsse, die den Verlauf des vergangenen Jahres gekennzeichnet haben, brauchen wir nur in Erinnerung zu rufen. Trost allem fei es möglich gewesen, den Frieden aufrechtzuerkMlten. Anqs-
Kel'gcr. f
Seeroman von Clark Rüssel.
Anderes kann ich — vernünftigerweise — vorderhand auch nicht erwarten, sagt« er. ging zu Helga hinüber und unterhielt sich mit ihr augenscheinlich über die Schönheit des Wetters und ähnsiche triviale Gesprächs- stosst. JDamt holte er ihr einen kleinen Klappstuhl und einen Sonnenschirm. Sn nachlässiger Haltung, die jugendliche Eleganz marteren sollte, lehnte er rauchend lind plaudernd neben ihr. Aus Helgas Benehmen mußte er ersehen, daß sie alles wußte, doch störte ihn das keineswegs in feiner Beflissenheit, ihr den Hof zu machen. Dazwischen wandte er sich mH Fragen über mein Rettungsboot an mich und wollte wissen, ob es mir ersetzt werden würde.
Sollte zu diesem Zwecke eine Sammlung veranstaltet werden, so bitte ich mich dabei nicht zu Übergehen. Auch mein bescheidenes Scherflein soll der guten Sache dienen. Vielleicht trägt es mit dazu bet, Kindern ihren Jäter, Frauen ihre Männer wiedorzugeben! Oder gar eine verlorene Seele vor dem ewigen Verderben zu retten, die sonst, ohne die nötige Zeit zur Buße, in den Tod ginge. ,
Ich hoffe, Sie werden niemals wieder die Führung eines Rettungsbootes übernehmen, Hugh, sagte Helga.
Er hat die Gesellschaft und Freundschaft Fräulein Helga Nielsens dadurch gewonnen, rief der Kapitän, und das wird er sicherlich nicht bedauern.
Sch aber fühle mich für fein Hiersein verantwortlich, fuhr Helga fort, und werde nicht «her Ruhe haben, bis wir wieder auf dem Heimwege sind.
Gern würde ich mein Schiff wenden lasten, um Ihnen den Gefallen zu tun, sagte der Kapitän, doch würde es mich zu schnell einer Gesellschaft berauben, in der «H mich glücklich fühle.
Helga biß sich auf die Lippen.
Sie Kanarischen Inseln sind nicht weit, denke ich, und es würde keine große Kursabweichung für Sie bedeuten.
chaft Regierungsasfesjor
thüringischen Ministerium des Innern
rauchte meine
auch bis jetzt können, selbst er wieder!
Sie kennen wahrscheinlich die Religion dieser Leute nicht genau, Fräulein Nielsen? saate der Kapitän.
er sich bann heute. Mag kammer von Ohne ein schwand.
an Nakier, so sei es drum; doch nur für der Koch sich den Schlüstel zur Borrats- Mr. Jones geben lasten.
Wort machte der Mann Kehrt und ver-
Augen.
Ich will mit diesen albernen und törichten kn zu eurem Besten aufräumen. Wenn ihr einsehen wolltet, hätte ich Hoffnung, aus euch Christen machen zu können, ehe wir Capstadt Ihr uns heute Rindfleisch geben, Herr?
Vorurtei- bies nur benfenbe erreichen.
wir noch keinem begegnet; also hat er noch gar nichts für unsere Rückkehr tun wenn er es gewollt hätte. Still, da ist Dir treffen ein Schiss!
Am Nachmittag saß ich an Deck und
Auf Grund der Feststellungen der zu den thüringi- schen Landeszentralbehörden entsandten Reichs- beauftragten, die zu einer Anzeige an die Staats- anwaltschast m Weimar geführt haben, ist, wie uns aus Weimar mitgeteilt wird, von der dortigen Staatsanwaltschaft Kunze vom V"" '
feiner Mannschaft sein soll, so Ist es meine Pflicht, euch die Wahrheit erkennen zu lehren. Versucht nur einen Mund voll zum Anfang, bann bekommt ihr hinterher Rinberpökelsiestch. Der Anfang ist ble Hauptsache. Wes. halb glaubt ihr denn, daß eine Speise, die für die Dame und den Herrn dort, für mich und Bise gut genug ist, für euch nicht paßt?
Nein, Herr, nein! Ein stechender, wilder Glanz, der Nakiers sanfter Miene Hohn sprach, brach aus seinen
Der Rsichsminister des Innern, der sich am Sonntag in Weimar aufhielt, hat dort zunächst den Vortrag der zu den thüringischen Landeszentralbehörden entsandten Reichsbeau ftragten entgegengenommen, alsdann die Vertreter des Thüringer Beamtenbundes angehört sowie der bürgerlichen Parteien und der sozialdemokrat. Partei und im Anschluß daran noch eine Besprechung mit dem thüringischen Staatsministerium gehabt.
Pfeife. Bei unserem Mittagsmahl um ein Uhr, das wie- der durch Kapitän Büntings endloses, langwelliges Salbadern gewürzt worden war, hatten wir beide uns sehr schweigsam verhalten. Ws der Kapitän sich nach dem Essen in seine Kabine zurückzog, saßen Helga und ich noch eine halbe Stunde über dem Brettpiel, dann ging auch sie hinunter.
Mr. Jones stapfte auf und ab, während ein scheußlicher gelber Kerl mit 'einen nervigen Fäusten das Rad hielt. Ich mustert« eingehend seine monströse Häßlich, feit, obgleich er mich unverwandt anstierte.
Nun, Mr. Sones, sagte ich zu dem Steuermann, des' fen kieine Kartoffelnase so komisch unter dem Mütze», raube aus seinem blassen Gesicht herausleuchtete, feines Winb für Sie, aber für mich taugt er nichts. Ich bin nun schon beinahe elf Tage unterwegs und möchte nach Hause.
Das sagen alle, die aus See sind, antwortete er, nur diejenigen nicht, bie keine Heimat haben, und das ist bei mir der Fall.
Wo stammen Sie denn her?
(Sortfefcuna felgt)
Nein! Und wenn ihr eure Kost nochmals Über Bord weist, bekommt ihr morgen wiederum Schweine» fleisch.
Das gegen die Musterrolle fein!
Die Speisetare lautet auf übliche Kost, und diele wird euch in reichem Maße zuteil. Auf der Suppe will ich heute nicht bestehen, von dem Fleisch aber müßt ihr, jeder einen Bisten, hinunterschlucken.
Niemals, Herr! Aber von Zwieback allein wir nicht leben können; wir Rindfleisch muffen haben.
Macht, daß ihr fortkommt! schrie der Kapitän.
Lasten Sie die Leute nicht darben, Kapitän, bat Helga mit zitternder Stimme. Geben Sie ihnen, was ihre Religion ihnen erlaubt.
Er sah sie schweigend an.
Ich kenne meine Pflicht und heb: sc-cin. Rechenschaft darüber abzulegen. Wer die Macht in Händen hat, bas Recht durchzufetzen, bars sich nicht schwach zeigen, sagte er schließlich. Doch um ihretwillen werbe ich eine Ausnahme machen. Diese Dame wünscht es! wandte
Deutsches Reich.
* Zwischen dem Reichspräsidenten Wert und dem österreichi'chen Bundespräsidenten Saini sch sind aus Anlaß derIahreswendeherzlicheGlückwünsche auSgeiauscht worden.
Das Wahljahr 192$.
Die Zentrumsfraktion des Reichstage» sagt in einem Neujahrsgruß, den sie durch ihren Vorsitzenden, Fehrenbach, an die Wähler gerichtet hat, folgendes:
Furchtbar schwer lastet die Not bet Zeit auf uns unb verlangt Anstrengungen und Opfer, die Menschenkraft fast übersteigen. Jetzt ist kerne Zeit zum Besser, wissen, zum Nörgeln unb zum Sch'.mp,en.
Nur auf dem Vertrauen kann sich bie Hoffnung aufbauen.
Unsere Partei hat in dieser schicksalsschweren Zeit abermals Den Stan Uer gestellt, des SBaterlanoeS wegen, auch wenn die Partei dadurch Schaden leiden sollte.
Unsere Fraktion, Die in Der einstimmigen Wahl ihres Borsitzenden eine hocherfreuliche Einmütigkeit bekundet, steht geschlossen hinter Dem Kanzler. Alle Berufsstande, Klaffen unD Interessen haben sich in allen wichtigen vaterländischen Fragen m unserer Fraktion immer zu einem einheitlichen Willen zusammengesnnden.
Mö e bei allen Parteian.Thorsten dieses Beispiel Nachahmung finden! Mögen auch alle jene, die Krieg und Revolution aus dem Z-ntru ns,>lcise brächten. Den Ruckwegwiederfinden! Die Macht Der Ercr miste hat der politischen Einsicht und dem vaterläudlschen Willen Der Fraktion Recht gegeben.
Das Jahr 1924 ruft zur R eichStagswahll Nie war die Notwendigkeit einet starken, geschlozeneil Zentrumsfraktion klarer wie heute. Eifrifite Wühlarbeit und regste Wahlbetätigung verdienen den Dank deö Vaterlandes.
Fehrcnbach, Reichskanzler a. D. Vorsitzender der Zentrumsjrattion des Deutschen Reichsta. es.
Gewerkschaftlicher.
— Knrtrltt der yirsch-vuiukerschen SIchtmtg m der Srbe trgtmtinshatt. Der auf dem Boden dec Hirsch. Dunckerschen Organisationen stehende Gewerkschaftsbuub der Angestellten ist aus der Arbeitsgemeinschaft ausge- treten. Der Schritt wird begründet mit dem Hinweis auf das Vorgehen der in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Arbeitgeberschast, daS jeglichen VerständigungS- • willen mit den Arbeitnehmern vermissen laste.
Die Lage in Thüringen.
Die Wahlvorbereitungen. — (Eine nichtfozialisir-^: Einheitsliste. — Der ReichsiunrüMiastier in Weimar.
Eine aufsehenerregende Verhaftung.
Wie die Thüringer „Allgemeine Zeitung" aus Weimar meidet» beschlossen die gesamten bürgerlichen Parteien und Verbände Thüringens am Moniag nachmittag in Weimar die Gründung eines bürgerlichen Ordnung sbundes. Zur Aufstellung einer bürgerlichen E i n h e i ts l i st e wurde eine Entschließung gefaßt, in der als Ziel der Einheitsliste bezeichnet wird, die Wiederkehr einer einseitigen Klasfenregie- rung zu verhindern und die in den letzten Jahren dem Thüringer Scaatswefen durch die fopaiistffch- kommunistifche Regierung zugefügten Schäden zu Hellen.
Die Anregung fLr dir nichtsozialistisch: Einheitsliste ist vom Zentrum ausgegangen.
sichts der Gefahren Habs sich die menschliche Solidarität stärker erwiesen als alle Egoismen. Der Präsident der Republik sagte in seiner Erwiderung, die Beharrlichkeit der französischen Repu» bsik, die mit unerschütterlicher Mäßigung durchgeführt worden ist, habe schließlich doch Frücht« getragen. Es schein«, daß man fetzt das Herannahen der endgMsg"n Gesundung und des endlichen Friedens begrüßen dürfe. Frankreich, desien Genie (?) dem Haß und der Zwietracht so fern stehe, wünsche von ganzer Seele Frieden und Entspannung.
Haoas berichtet aus Bersin: Ein Vertreter der französischen Kolonie drückte bei dem Empfang in der französischen Botschaft den Wunsch aus, daß die geplanten Abkommen zwischen Frankreich und Deutschland möglich gemacht werden. Die französische Kolonie bringe dm Wunsch zum Ausdruck, das Jahr 1924 möge eine politische Entspannung bringen, die für die fran- zösifchm Geschäftsleute in Deutschland die Grund- lag« des Erfolges fei, damit sie ihre Aufgaben im Interesse der französischen Industrie und des fran- zösischen Handels durchführen können. Der Botschafter versicherte die Franzosen in Berlin der wach- samen Aufmerksamkeit, die die französische Regierung der WiederaufnahmederHandels- beZiehungen zwischen Frankreichund Deutschland widme und erklärte: Möge das Jahr 1924 allen denen, die die Aufgabe haben, den Frieden wiederherzustellen, jenen Klarblick und jene Herrschaft über sich selbst und jenen Glauben und jenes feine Gefühl für die Erfüllung internationaler Verpflichtungen geben, die allein in der Lage sind, ein dauerhaftes Gebäude für die nötige Solidarität aufzurichten.
Aus dem besetzten G biet.
Rach einer Havasmeldmg aus Düsseldorf hat die französisch.belgische Regie seit dem 17. Oktober 56102 deutsche Eisenbahner ein» gestellt. Nach der gleichen Agentur sind am 28. Dezember 20 Ausweisungsbefehle rück- gängig gemacht worden.
Wie der „Lokalcmz." aus parlamentarischen Kreisen erfahren haben will, werden die Verordnungen der Reichsregierung über die Abänderung des Ausnahmezustandes in links gerichteten politischen Kreisen Äs nicht ausreichend angesehen. Vertreter der V.S.P.D. hätten deshalb mit Mitgliedern der bürgerlichen Koasitionsparteien Fühlung genommen, hroteroeit im bürgerlichen Lager für eine restlose Beseitigung des Ausnahmezustandes Neigung vorhanden wäre. Die Sozialdemokraten feien für eine sofortige Einberufung des Reichstages eingetreten. Auf bürgerlicher Seite fei man indessen der Meinung, daß schon aus außenpolitischen Gründen eine restlose Auf- Hebung des Ausnahmezustandes gegmwärtig nicht möglich wäre.
Die dritte Skeuernokverordnung.
Laut „Dofl. Ztg." wird der 15er»Ausschuß des Reichstages bereits am 3. Januar zur Beratung der dritten Steuernotverordnung gufammen« treten.
wegen des dringenden Verdachtes der Urkundenfälschung und Aktenbeseitigung verhaftet worden. Stirn#?, der Vorbildung für den mittleren Gemeindebeamtendienst besitzt, wurde im April 1922 als Assistent im Ministerium des Innern eingestellt und am 10. April 1923 zum Reg ierun gs a ssessor ernannt.
Ich lasse jedem feinen Glauben, erwiderte Helga.
Der Kapitän holte tief Atem, wahrscheinlich, um wieder eine seiner endlosen, mit Gemeinplätzen gespickten Tiraden vom Stapel zu lasten, als sein Blick glücklicher- weiser auf die Uhr fiel.
Oho, ich muß meinen Sextanten holen, es ist gleich Mittag, rief er. Ich bringe Ihnen auch ein Instrumem mit, Fräulein Nickson, dann können wir zusammen br Höhe nehmen.
Was fangen wir nur an? flüsterte Helga mir zu, als er den Sextanten holen ging. Er läßt uns nicht los: wie soll ich's ihm nur deuttich zu verstehen geben, daß es keinen Zweck hat, uns zurückzuhalten?
Wir müssen abwarten, bis wirklich ein Schiff i» Sicht kommt. Seit gestern, wo mir an Bord tarnen, find
Milderung des Ausnahmezustandes.
Auf Grund des Art. 48 der ReichSverfaffung wird folgendes verordnet:
Artikel 1. Hin!er § 5 der ReichSverfaffung betr. die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Oidnung 'für das Reichsgebiet nötigen Maßnahmen vom 26 September 1923, Reichsge etz- bla« 1, Seite 905, werden folgende Paragraphen 5a und 5b eingeschalier:
§ 5a. Gegen dos Verbot regelmäßig erscheinender Druckschriften. Eine Beschwerde an den Staaisqerichtebof zum Schutze der Republik ist zulässig. Die Beschwerde Hai fein? aufschiebende Wirkung. Die Entscheidungen des Staatsgenchts- bofes sind schriitlich zu begründen und dem Be- teiliatea zuzwtellen.
§ 5b. Auf bie Beschränkungen der per- sönlichen Freiheit findet das Gesetz betr. Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund des Kriegs- und Belaaernngszustandes vom 4. Dez. 1916, Retchsgesetzbl. S. 1329 Anwendung. An die Stelle des Retchsmilitäraerichis tritt der Staalsgerichtshof zum Schutze der Republik.
Artikel 2. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft. Sie findet auch An- Wendung, soweit an bie'em Tage aufgrund der Verordnung des Reichspräsidenten "vom 26. Sept. 1923 regelmäßig erscheinende Druckschriften verboten oder Perionen in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt sind. Personen, die sich am Tage der Verkündung dieser Verordnung auf Grund oer Verordnung des Reichspiäsiden en vom 26. Sept. 1923 in Hast be» finden, sind alsbald darüber zu belehren, baß ihnen gegen ihre Verhaftung jederzeit das Rechtsmittel der Beschwerde an den Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik zusteht.
Die Interalliierte RhrinlcmdkommWon erläßt eine wichtige Verfügung, die den Versehr z m i- jchen dem besetzten und unbesetzten Gebiet neu regelt. Die wichtigsten Bestimmungen lauten:
Den gegebenen jetzigen Verhältnissen entspre- chond wird für die im b e s e tz t e n Gebiet ansässigen Personen der Verkehr zwischen diesem Gebiet und dem unbesetzten Deutschland freigegeben.
Aus dem Wortlaut der Ordonnanz seien die fol- genden Bestimmungen hervorgehoben: Jede Im be- setzten Gebiet wohnhafte Person, die im Besitz einer Ausweiskarte (Paß) ist, kann frei zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Deutschland verkehren. Die gleichen Bestimmungen gelten für Personen im unbesetzten Deutschland im Umkreis der Grenzen des besetzten Gebietes, die einem dem besetzten Gebiet angrenzenden Umkreis wiederholt Geschäfte oder andere Angelegenheiten zu erledigen haben. Die Gesuche um Paflagierkarten sind schrifltich an den Oberdelegierten zu richten.
In besonders dringenden Fällen und ausnahmsweise können Bewohner des besetzten Gebietes, die den Befitch von im unbesetzten Deutschland woh- nenden Personen zu erhalten wünschen, im Namen dieser Personen ein Gesuch bei dem Delegierten der Rhemlandkommission ihres Krefles einreichen.
Diese Ordonnanz tritt sofort in Kraft.
wenn Sie uns in einem Ihrer ausgezeichneten Boote In Irgend einem Hafen — sagen mir Santa Cruz — an Land setzen ließen, roarf ich ein.
Dann hätte ich ja keine Zeit, sagte er vhn« bas lei- ost« Zögern, Sie unb Fräulein Nielsen zu föngerm Derweilen an Scrb meines Schiffes und zu fernerer Begleitung zu bewegen.
Aber wohin denn, Kapitän? fragte ich, hitzig wer. dend.
Nun, nach dem Kap.
Nach dem Kap? Ich hoffte doch---
Sjier wurde ich durch Abraham unterbrochen, bet dem Kapitän melden kam, daß Kotier um eine Unterredung bäte.
Lasten Sie ihn kommen, befahl der Kapitän.
Nakier stieg bie Stufen herauf unb blieb, ferne alte Mütze in der Hand haltend, bescheiden vor Bünting tehen.
Wieder siel mir sein hübsches Gefickt, seine freie, ungezwungene Haltung auf.
Was glbt's. Notier?
Goh Syn Koh sagen, Mittagessen fü. n.e itiule, heute dasselbe wie gestern.
Ihr meint Erbsensuppe mit Schweinefleisch?
Nakier nickte mit orientalischer Lebhaftigkeit im Mlc- nenspiel.
3ch habe befohlen, euch zwei Tage hintereinander Erbsensuppe unb Schweinefleisch zu geben, nicht etwa als Strafe bafür, baß ihr gestern bas Esten über Borb geworren habt. Oh nein! Ich will euch nur zeigen, daß ich der Kapitän bin unb allein zu bestimmen habe.
Das fein richtig, rief Notier. Kein Mann dazu Nein sogen. Aber wir fein Schweinefleisch essen, wir lieber essen Schmutz. Wir ferne Erbsensuppe essen, fein Brühe von Schweinefleisch. Wir lieber trinken Teer.
3ft so etwas zu glauben! ereiferte sich ber Kapitän. Einmal müßt ihr hoch bamit anfangen. Habt ihr es benn überhaupt gekostet?
Rein, Herr! Es sein gegen unsere Religion, schrie der Mann heftig.
Eure Religion! Das ist gar keine Religion, bas ist purer Aberglaube! Unb ba jeder Kapitän Der Vater