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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 1.

Verantwortlick >ür die Sdirvtleuun«: Tr. Iobanner Kramer. Anzeigen: S Darteller. Fulda. Rotationsdruck und Verlag der .r Fuldaer «rtieadruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9. ::

Be-nakvreid: Monat Dezember 2.50 Loldmark lrei Saus.

Dienstag, L Januar 1924.

Anzeigen-Pretle: Klein,eile (lioloati) lokal 0.15 Sodmmcl- auswärts OLO Soldmark: Reklame,eile lokal 0,60. Soldmark u auswärts 0.80 Goldmark. :

Bei Siederbolungen Rabatt- Bo'tscheckkonlo Frankfurt a. ®t- 4051-

51. Zahrg.

Keine neue Papiergelb» Ueberschwemmmrg.

Der Reichsflnanzminisier gegen jede Wiederholung einer Jnssakion.

Der Berliner Vertreter derKölnischen Zeitung" henchtet über eine eingehende Unterredung, die er mit dem Reichsfinanzminister Dr. Luther hatte. Die Unterredung verlief wie folgt:

Frage: Glauben Sie, fierr Minister, daß der will- kürlühen Vermehrung des Geldes für Zwecke des Reichs nunmehr ein Ziel gesetzt, und daß damit die wesentlichste Quelle der Inflation verstopft ist?

Antwort: Seit dem Tage, an dem die Renten, bcmk mit der Ausgabe von Rentenbankschsinen begonnen hat, dem 15. November, durften Schaßanweisungen des Reichs nicht mehr diskontiert werden und sind nicht mehr diskontiert worden. Damit war d'e Notenvrefse für Zwecke des Reichs bei der Reichsbank stillgelegt.

Frage: Der Notenumlauf der Reichsbank weist aber noch nach dem 15. November eine erhebliche Stei­gerung auf. Wie ist das zu erklären?

Antwort: Diese Steigerung wird verständlich, wenn man die Entwicklung des gesamten Status der Reichsbank in der zweiten chällte des November betrachtet. Wie die Anlagekonten der Rsichsbank zeigen, find die Schatzanweifimgsbestänbe der Reichsbank von 1F9,8 Tril­lionen Mark am 15. November auf 161.0 Trillionen Mark am 23. November und auf 96,9 Trillionen am 30. November zurückgeacmgrn. Andererseits stnd die Privaten Wechsel von 39.5 auf 144,0 bezw. 347,4 Tril­lionen Mark an diesen Terminen gestiegen. Zu einem erheblichen Teile ist also die Steigerung des Noten­umlaufs auf private Bedürfniste zurückzuführen.

Frage: Wenn auch die Reichsbank für eins Kre­ditgewährung an das Reich nicht mehr In Frage kommt, wird nicht durch die Wirksamkeit ber Rentenbank eine neue Inflationsouelle eröffnet?

Antwort: Das ist in keiner Weife der Fall. Die Höhe des Kapitals der Rentenbank nebst der Grund- rücklage, wonach sich die Höhe des Nctenkonstngents be- Kirmt, ist so bemessen, daß eine Ausgabe von Re"tsn- nkfcheinen auch bis an die 8rev"> des zulä'siaen Höchstbetrages der Emission, 3,2 Milliarden Mark, durchaus unterhalb des Betrages bleibt, den der Ver­kehr tragen kann.

Fra»e: Diese Beträge treten doch aber zu dem bis­herigen Notenumlauf hinzu. Entgeht dadurch nicht die Gefahr einer inflationistischen Wirkung?

Antwort: Durch den Umtausch von Papiermark gegen Renten''ankscheine verringert sich entlprechmd der Umlauf an Papiermark Aber wenn selbst das volle Kontin ent der Rentenbonk in Um ans käme und zu den geaenwärf'gm Verkehr befinde en Keldzei' h'vznlräte, wurde - . T.»».»-<- allen R.iblitn.'.iffT '*'*"** Gold umgerechnet gegenüber den VorkriegSziffern nicht als arok er'chnnen. Im Jahre 19'3 belief sich der ge­samte Zohl-ingsmittelumlauf in Deutschland auf 5.65 Milliarden Ma-k.

Jetzt sind schätzungsweise, auf Goldmark zurückgeführt, im Berkebr:

Rentenbankscheine , . 1,200 Millionen G M. ReichSbavkaoten . . . 400 Millionen <».M. Kle-nere Goldanleihestücke 30Q Millionen G.Mf Notgeld etwa .... 500 Millionen G M zusammen: 2,4'D Millionen G,M7" fDer Umlauf an ReichSkasienscheinen, DarlebnS assen, scheinen und P ivatbanknoten kommt ni»t in Frme da er nur den Bruchteil einer Million GM. ausmackt.Z Die zu Zahlun -zwecken verfügbaren Guthaben der Geld« und K'editinstitute haben sich durch die Jnfla. tionswirtlchaft stark vermindert.

Tie Geaenüberstellung beider Summen ergibt klar, »ah man keinesfalls von einer Ue bersätt inu ng deS Verkehrs mit ZahlunaSmitteln so ecken kenn, selbst wenn man die Verkleinerung des Reichs­gebietes und den Rück ana der Warenproduktion und des Warenumsatzes in Rechnung zieht. Daß der Ver­kehr vor Erscheinen der Nentenmark mir der vorhan­denen gerin en Menae an Zahlungsmitteln überhaupt ousgekommen ist, erklärt sib a»S Oer damaligen starken Umlaufspeschwindi ikeit der Zahlungsmittel, die etne Foste der Währunrszerrüttun i war. Mit dem Still­stand der Entwertung verlanasamt sich aber die Um. lauf? eschwindi keit, 10 daß schon hierdurch mehr Zah­lungsmittel erforderlich werden. Bei einem Ber leid) des «e enwärtigen Umlaufs mit dem dev Vorkriegszeit ist ferner die ges unkene Kaufkraft des Goldes zu berücksichtigen, io dass infolge der hieraus sich «rgebenden allgemeinen Prei-erhöhung ein höherer Um. kauf an sich gerechtfertigt wäre.

Für den zukünftigen Umlauf der Rentenmark und seine Beurteilung ist r$ wichtig zu wissen, daß für die Rentenmark Aufsaugungs» und Anlaaemö isichkeiten ge- schaffen sind, die deflationistisch wirken müssen. Das find die Rcntenbriese der Rentenbank, die über 500 Mentenmark lauten; nach der Umwandlung in diese verlieren die Rentenvanlscheine ihren Charakter als Zahlungsmittel. Ferner oibt das Reich aus Renten, mark lautende unverfnnSlicke Si atzanweisunacn aus. Sie sind so aus estattet, daß sie eine voizugliche Anlage für Rentenmarkdepositen b'loen.

Frage: Glauben Sie, Herr Minister, daß da? Reich im Falle äußerst drine.enoer finanzieller «or en j e Wieder den Weg der Inflation beschreiten kann?

Antwort: Unter meiner Amtstätigkeit wird das ausgeschlossen fein. Ich glaube ober auch, dah feiner meiner Amtsnachfolger, kein Finanzmin'ster des Deut- schen Reiches diesen Weg wieder besch eiten wird, wenn er sich die für Staats, und Privatwirtschaft gleich ber« Heerenden Folgen der Inflation-Politik vor Au-ea't Die E sahrungen, die auf diesem Gebiet bis zum J.i. klasttreten der Rentenmark gemacht worden sind, lassen auch einen solchen Versuch von vornherein alS aus. frchtslos e-scheinen.

Ausland.

* Zwei politische Person lichk-iken Frankreichs xestorbe». Ter Chef des Generalslabes, General Buat ist ,an den Folgen einer Operarion gestorben. Er war 55 Jahre alt. Ter Abgeordnete Noble- matte, der auch kuize Zeil Frankreich beim Völker» 'Hund vertrat, ist gestorben.

* Rußland und Rumänien. In Odessa be­gannen russisch-rumänische Handelsverhandlungen. v- In Tira pol ttaten die Vertreter der Eowjel- »sgierung mit der rumänischen Regierung zur Re^e« ^rng der Frage der 1 ü * 111 n g e zufamme».

Der militärische Ausnahmezustand.

Neue sozlaldemokralifche Anträge auf Aufhebung.

Der »Montag" teilt mit, daß in der nächsten, am 3. Januar stattfindendsn Sitzung des Fünf» zehner-Ausschuffes des Reichstages ein sozialdemokratischer Antrag auf Aufhebung des militärischen Ausnahmezustandes gestellt werden würde. Bei der Demokratischen Partei und auch teilweise beim Zentrum soll dem Blatt zufolge die Neigung bestehen, einem solchen Antrag zur An­nahme zu verhelfen. *

DieWelt am Monta g" ist vom Chef der Heeresleitung, General von Seeckt, auf 4 Wochen verboten worden. In dem Verbot heißt es, das Blatt habe in feiner Ausgabe vom 24. Dezbr. in einem ArtikelVerschleierte Inflation" eine unsachliche Kritik an den finanzieren Maßnahmen des Reiches und der Länder geübt, die geeignet fei, das für die Gesundung unserer wirt­schaftlichen Verhältnisse unbedingt notwendige Ver­trauen in der Oefsentlichkeit zu den wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung zu erschüttern und da­durch die öffentliche Ruhe und Ordnung zu ge­fährden.

Die Aanzssen an der Ruhr.

Nach einer Havasmeldung aus Brüssel hat der Ctoile Beige" Auskünfte darüber eingezogen, ob die von derKölnischen Zeitung" gebrachte Nach­richt, am 11. Januar werde ein g r o ß e r T e i l der französischen und belgischen Truppen das Ruhr­gebiet verlassen, auf Wahrheit beruht. Diese Nachricht sei nicht vollkommen richtig.

Es sei wahr, daß im Augenblick eine Umgrup­pierung der Besatzungstruppen vorgenommen werde, um die augenblickliche Besetzung des Ruhr­gebietes in eine unsichtbare umzugcstalten. Diese Umgruppierung werde es gestatten, die belgi­sche Truppenzahl um mehr als 2000 Mann zu ver­ringern. Französischerseits fei die Truppenzahl schon herabgesetzt worden. Aber diese Truppen hätten das besetzte Deutschland noch nicht verlassen. Sie verblieben dort noch einige Zeit, damit man sie eventuell, wenn irgend ein Zwischenfall die Sicherheit der technischen Kommissionen gefährde, zur Verwendung bringen könne. Es sei aber sicher, daß im Laufe des Monats Januar das Befatzungs- regime im Ruhrgebiet stark vermin­dert werde, man werde progressiv zur unsichtbaren Besetzung dieses Gebietes übergehen.

luOffls- WS ZkÄWM Srs WftiM

ZubMums-Aeujahr!

«ez. "Reichskanzler Marx.

halbes Jahrhundert lang waren Sie Kämpfer und Rufer im Streite unter der alten Devise§ür Wahrheit, Freiheit und Recht!" All' die Jahre her war die »Fuldaer Zeitung" getreue güterin und sorgsame Bewahrenn der reichen geschichtlichen und politischen Traditionen einer alten Stadt, mitten im Herren Deutsch­lands gelegen.

3n einer Zeit tiefster Hot feiern Sie den 50. Jahrestag Ihres Befiel)ens. Dieser Ehrentag fällt zusammen mit der Jahreswende 1923/24, an der für uns Deutsche weit in der Ferne der Lichtschein einer schwachen fjoffnung aufglüht als Zeichen dafür, daß die tiefste Nacht der Not und Verzweiflung für uns Deutsche nun doch bald vorüber ist. Aber noch ist es nicht Zeit zu Jubel und lauter Freude, da es noch eine Reihe Arbeit für uns zu bewältigen gilt. Unverzagt und unverdrossen wollen wir an die Arbeit gehen, um unser Teil beizutragen an der Befriedung Europas im allgemeinen und der Befreiung Deutschlands von Hartern politischen, finanziellen und sozialen Druck. Zum Werke von Deutschlands Befriedung brauchen wir den Mut zum Glauben und die Kraft zur Tal und nicht zuletzt die Liebe zu Deutschland.

Ein Dementi ans Frankreich.

Die Haoasagentur veröffentlicht folgende offi­ziöse Note:

Cs ist nicht richtig, wie bas In einigen deut­schen Zeitungen mitqcteilt wird, daß deutsch? Ge­fangene aus dem Ruhrgebiet nach der Teu­fe l s i n s e I abtransportiert worden sind. Sie sind nach St. Martin de Re gebracht worden, wo sich eine Strafanstalt befindet. Von dort werden manch­mal zu Zwangsarbeit Verurteilte nach Guyana be­fördert. Die in Frage kommenden Gefangenen werden die Strafanstalt nicht verlassen.

Deutsches Reich.

* Geheimrat Jungheim f. Der vormalige Direk­tor beim Reichstage, Geh. Regierungsrat I u n g» beim, ist nach kurzem schweren Leiden ver­schieden. __________

Die Verordnung über Gslddilanzen vsm 28. Dezember 1925.

Nach zahlreichen Durchberatungen hat nun­mehr noch vor dem Jahreswechsel der vielfach ab­geänderte Gesetzentwurf über Goldbllanzierung im $:r= ordnungsweg Gesetzeskraft erlangt. Danach müi« sen die nächstjährigen Bilanzen in einer nichtbestehrnben Währung, in der fiktiven Goldmark au'geste't, ebenso die Aktienkapitalien alter und neuer Gesellschaften nor­miert werden. Gegenüber den Borentwürsen ist aller­dings eine grundlegende Aenderung einrc= treten. Die neue Bilanzierung hat nicht wie geplant war, von der Kapitalsseiie her auszugehen. Nach dem uriprünglichen Projekt sollten die gezahlen Kapitalien in der Weise in Gold umgerechnet werden, daß Kapita!- einzahlungen bis 1919 zum Friedenskurs, später zum Durchschnittskurs des Einzahlungsmonats angerechnet würden. Das hätte bedeutet, daß wenigstens im Grund, fat? verlangt wurde, daß jede Nachkriegserhöhung le» Kapitals auch eine wirkliche D.rmögensvermehrunz dar- stellen müßte. Davon ist man abgekommen und gehl m der endgültigen Gestaltung der Verordnung hinsichr- sich der Goldbilanz ganz vom Prinzip der Eröff­nungsbilanz aus. Es werden die oothanbenen Aktiva ohne jede Rücksicht auf ihre bisherig? Bilanzbe- w'ertung nach ihrem letzten Goldwert in die Bilanz ein* gestellt. Die erste Frage, die sich ergibt, ist somit: Nach welchen Richtlinien Hot diese Bewertung zu erfolgen? Sie kann, ohne dah irgendwelche Sontinuität verlangt

wird, also obre Beachtung des Anschgffungs- oder Her. stellungspreises, überhaupt ohne jede g:s tzsiche Bindung rein noch pslichtmäßigem Ermessen oorgenrrnmen wer­den. Die eingetretene G'ldpreisstii-erung kann danach bei ter Aufwertung der Aktiven in Ansatz gebrecht wer- den. Verlangt wird nur, daß bis wesentlichen Umstände, die für die' Bewertung maßgebend gewesen sind, In einem Bericht dargelegt werden. Verlangt wird ferner, daß, wenn d e Bewertung der Aktwm höher et folgt als es dem An'chafsunqs- oder Herstellungspreis minus Der normalen Abschreibung entspricht, dieser Un­terschied in der Bilanz gesondert ausgewiesen wird. Das soll offenbar einen Schutz bieten gegen die Ausnutzung der Aktiven-Aufwertunpsmögsichkett zu eventueller Bl- lanzbefchönigung. Hinsichtlich ber technischen Fra­gen der neuen Aktiengcstaltung bleibt noch vieles offen. Nähere Regelung in den Durchführungsbestim­mungen ist in Aussicht gestellt. Zunächst heißt es nur (im 8), daß das Verhältnis der mit den Aktien und Geschäftsanteilen verbundenen Rechte zueinander durch die Umstellung nickt berührt wird. Die Minde ft» grenze für die Aktie ist gemäß dem Ursprung- sichen Plan mit 100 Goldmark im Normolfall ge- zo^en. Eine Verminderung der Johl der Aktien aus Anlaß derUmstellung" ist nur insoweit zulössia, als diese Mindestgrenze nicht eingehalten werden konnte.

Schule und Volksbildung.

= Mittellchnllehrer-vrSf mtg 'n »er Uninerfi'St Frank­furt a IN. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und stolksb'loung hat die Einrichtung einer Mittelfchnl- lehrerprütung an der Frankfurter Universität angeord­net. Der PiütungSausfchutz besteht aus den Dozenten der Univetsität, einem Vertreter des Provinziaischul- kollegiums und einem im Msttelfchulwesen erfahrenen Schulmann. Die Prüfungen sollen in ber Regel zu Beginn des Semesters statisinden. Sie kann von den an der Un versitäi studierenden Lehrern und den Kandi­daten des höheren Lehramts i nd der Theologie nach sechsmonatigem Studium abgelegt werden. B sh 'r wur­den die Prüfungen beim Vlovinzialschulkolleglum in Kassel abgchatten.

Deutsche Landwirtschaft.

= Prof, vadr t. Ein Führer der deutschen Land- winschaft, ber seit 1895 Geschäftsführer des Deutschen Landwirtschaft: rates, zeitweilig auch toeneralfelretär des ehemals königlich preutzischcn Laudesölonomiekollegiums und der Zenti alsielle der preutzifchen Lanbwiitjchaits- tammer war, ist in Berten gestorben

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Von Friedrich Muckermann.

Was ist natürlicher, als gerade in der Silvesternacht zum Sternenhimmel aufzuschauen! Die glänzenden Lich­ter, die durch die Finsternis fahren, sind sie nicht ein Bild der leuchtenden Augenblicke des Lebens, die wir nicht halten können, wenn sie auch noch fo schön sind, die vorüber gehen, vorüber, vorüber. . . Indem aber die Sterne unserem körperlichen Auge entschwinden, in voller Fahrt, in vollem Glanze, bleiben sie doch noch vor dem inneren Auge, das ihnen folgt in unbekannte Fernen. Wecken sie den Gedanken an das grenzenlose Universum, an die mächtige Achse der Welt, um die alles kreist. Auch hierin ein Bild der Zeit, die, fo flüchtig sie ist, eben in dieser Flüchtigkeit an das Ewige gemahnt. So hat Gott wunderbar Zeit und Ewigkeit ineinander geschlungen, damit sie den Menschen be­gleiten, der auch ein Kind ber Zeit und der Ewigkeit ist, in dem auch das Vorübergehende mit dem Dauern- den schmerzlich ringt, bis endlich die neue Gestalt zeit­loser Schönheit in ihm vollendet wird in einem anderen Leben . . .

Mein Blick bleibt haften am tiefen Horizont. Da ist so ein Stern, ein merkwürdig flimmernder. Er geht unter, das ist schon deutlich. Ich erinnere mich, daß d'eser Stern einmal wie ein Alleinherrscher im Zenit stand. Aber er hatte immer so etwas Blinzelndes, so etwas Falsches, so wie jemand, der verspricht, was er nicht halten kann. Liberalismus, so hieß dieser Stern. Fortschritt, bas war fein Zauberlicht. Nur immer weiter, mag der Teufel wissen, wohin. Immer schönere Häuser, immer reichere Länder, immer größere Armeen, immer schnellere Schiffe, immer neue Zweige der Wissenschaft . . . Nur nicht an der Stelle raffen und in die liefen des Lebens schauen. Da unten aber ist's fürchterlich . . . Sehen wir lieber darüber h'"weg, lassen wir uns da ja nicht ein. Vesser in der Seilbahn über den Abgrund hin. Mit Musik und Leben-kunst. Ja, du flimmernder, blinzelnder Stern, nun müße du untergeben. Wir haben Dinge erlebt, über die kann man nicht hinweggleiten. Brocken die Stäbe der Me­nagerie, fo wird es eben unaemütlick auck für die lebenslustigsten Bewohner der Stadt Wir haben wie­der Hyänen in Europa. Tiaer und Darüber, Ansgestr, Klapperschlangen imb Haifische. Da werden wir wohl aufhören, die Welt für ein Aguarium mit GWbfifih'em zu halten. An ber ©runbfrage, wie wir basiere Menscken weben, können wir nickt mehr vorüberqehen. Stern des Liberalismus, deine Zeit ist und Hoffentlich auf Nimmerwiederfehnl

Da. auck schon weit dem Abend zu, ein zweiter Stern Rötliches Licht. Aber nicht das Rot der Gesundheit, sondern die fleckige Lohe fiebernder Wangen. Ende des Marxismus. Es trat schon lange voranszu- sehen Ter ärmste Mensch hält er auf die Dauer nicht ous in einer -A^fanfckmnina. jjie Gottes blühende Erd« in Wtz^WW^UflkvfiMik.' wo Signalpfeifen das Lied der MkMAMWKiKn und die Harmonie der Sphären. Es war einmal, da versprach bie'er Stern nie gesehene Feste von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber was er dann brachte, das war Klassenkamps, Barrikade und Bürgerblut. Liebe und Mitleid schien er einst zu- zuwmken den Aermsten in den fckwarzen Gruben und den Hartaeplaqien in den arvßen Räumen, wo die Treib- riemen summen und die Räder rattern Taz und Nacht. Und alle diese Millionen hofften auf diesen Stern. Aber es wuchs nur die Mackt des Kapitals und die Härte der Herzen. Verweht sind all die strahlenden Vartei». Programme; verzweifelt die Massen, leer die Kaffen unb| trauriger als ie ihr Heim. Nur ichnell unter den Hori-i zont, du unglücklicher Stern! Wir müssen ousschauenl nach einem anderen Licht, so wahr mir neue Liebe unb| neue Menschen brauchen. -

Trug der Sinne an ben ber dritte Stern dort Man sieht es an dem bringt ber Sumpf nicht Flimmerndes und Blin-

bei geboten und nur durch ben ewigen Himmel gesetzt Aber oben, bas ist schon ein echter, klaren, reinen Licht. So etwas

ehrwürdiger Kathedralen.

Irrlichter verblaffen, und ein neues Licht beginnt zu leuchten. Folgen ihm die Geschlechter der Menschen, wahrhaftig glücklick muß sich pr/-sen em- Zeit, m ber unter ungeheuren Wehen eine Erkenntnis geboren ns , bie ung neuen Glauben schenkt, eine neue Siebe und eine neue Erbel _________

Zwei Sterne sinken hinab. Es waren überhaupt keine Sterne. Es waren Irrlichter, aus Sumpf und Ne-

nicht fertig. Da ist auch nichts _ zelnles. Ter ist ruhig wie bas Auge Gottes. Rom, so heißt bie'er Stern. Letzte Hoffnung Euro­pas! Wie konnte trän ihn nur so lame übersehen? Freilich, es tnu-de erst der Sturm dir Iirlichter weg- Hafen Es wußte erst kommen die Not einer fürchier- licken Nackt bei grausigem Wogengang. Es mu'te erst auf den Sckffflein der Nationen klar werben, baß wir alle an Klippen zerschellen, wenn wir die bewährte Fahrstraße nicht wteberfinben. Daß Katholiken jo empfinben, ist verständlich. Daß dies aber auch Leute fühlen, die man zu den verwegensten Modernen rechnen muß, das ist schon verwunderlich. Da schreibt Heinrich Mann (man staune: Heinrich Mann):In solcher Laqe gedenken manche, die ihr nicht angehören, der Kirche. Man fragt, ob Ne selbst ihrer Große gedenke. Man zählt und mißt die Anzeichen, daß der Verfall de, Weltteils sie beunruhigt. Ergriffe sie die Führung int Kamps um seine Einigung, es ist fraglich, ob sie stark genug wäre, nicht aber fraglich, daß der Stampf sie stärker machen würde, als zwei letzte Jahrhunderte sie kannten. IhrWIlleundWortgegen den Na. tionalismus für Dölkerfrieden Mauen würden ausbsicken und Licht ahnen. ... ?ft sie noch fähig ihrer alten Weltklugbeit. den Geist des Sturmes voranzutreiben? Keine Liebhaber des Vergangenen ru­fen heute sie an wie vor hundert Jahren am Eingang ber Bürgerzeit. Zukunftsliebe ist es. sie macht uns fähig o Kirche, selbst zu Opfern bes Intellekts _unb. fflo!t weiß cs, bies Opfer bringen wir zuletzt. Astons V a a u e t hat bas jüngst noch Deutlicher ausgesvrock-n. Es ist ichon so: Ein neuer Stern, zieht bas alte Rem am büftern Himmel der Welt empor. Verheißend wie bas Frühlicht in ben Kreuzen uralter Türme, weich uns beruhmenb wie Abenbglut in ben Fenstern und Suppern

von den Hochschulen.

-- Steif v harnock» Haitfoger. Zum Nachfolge bei pro cstanstschen Thoolo en Adolf v. Harnack an der Universität Berlin ist Professor Dr. H a n s £ t e tz m a nn Hona) bcruien worben. Der als Kirchenhilloriker, Bibelforscher und Archäologe gleich hervorragenie Ge. lehrte Hai den Ruf angenommen. Aootf v Harnack sieht im Sommer nächsten Jahres auf hundert Semester akabemifcher Lehrtätigkeit zurück.