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7>i-nstaa. L Januar 1924.

Jubiläums-Nummer der „Fuldaer Zeitung“

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Ein Rückblick auf den Kulturkampf-

Don Studienrat Dr. Scheller, Fulda.

S nhre des Kampfes bringen Segen. Der Katholizismus ist heute ein lebendiger Zweig an dem großen ' Baum der weltumfassenden Kirche, weil er vor 50 Jahren in schweren Kämpfen um Freiheit und Dasein ringen mußte und dadurch sich innerlich erneuert und gestärkt hat.

Zu den vielen segensvollen Früchten jener schweren Zeit gehört die blühende katholische Presse, deren wir uns heute im Deutschen Reich erfreuen. Auch die Fuldaer Zeitung ist eine Siegesfrucht jenes Kampfes. Und darum durste in dieser Ju­belnummer die Erinnerung an jene Zeit nicht feh­len, durfte nicht fehlen, weil nur so die Gründung unserer Iubllarin verständlich ist, durfte nicht feh­len, weil unsere Zeit des Materialismus es bitter nötig hat, an jenen Kampf um höchste und letzte Güter zurückzudenken und die Lehren jener Jahre lebendig zu bewahren.

„Die Pforten der Hölle werden fie nicht über­wältigen." Wahrhaftig die Pforten der Hölle, die Mächte der Finsternis erhoben sich drohend zu einer furchtbaren Gefahr für die katholische Kirche in den Jabren unmittelbar vor und nach dem vati­kanischen Konzil. Und wer nicht das feste Vertrauen besaß auf Christi Wort von der Machtlosigkeit der Höllenpforten gegenüber dem Eottesreich auf Erden, der mußte bei jenem Ansturm verzweifeln. Der damals auf der Höhe feiner Macht stehende Liberalismus, mit dem die Freimau­rerei im engsten Bunde stand, wußte nicht nur die Waffen des Geistes gegen die Kirche mobil zu machen, es gelang ihm sogar, die Staatsgewalt auf seine Seite zu ziehen. Und das besonders in Deutschland. Hier war es Bismarck, der — ur­sprünglich dem Liberalismus abhold — schließlich doch sich entschließen mußte, mit den National­liberalen zu arbeiten, und dann mit der ganzen Leidenschaftlichkeit seiner Natur deren kirchenpoli­tische Ziele zu den eigenen machte. Dadurch wurde der Kamps ein offener, rücksichtsloser, bru­taler, mit allen Mitteln der äußeren Macht ge­führter. Leider folgten damals auch weite Kreise des positiven Protestantismus dem Kampf des Li­beralismus, obwohl letzterer doch der gemeinsame Feind der Katholiken und gläubigen Protestanten

war.

Die Derhältniffe der katholischen Kirche in Preußen waren in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts durchaus erfreulich. Die Verfassungsurkunde vom Jahre 1850 garantierte den Religionsgesellschaften weitestgehende Freiheit und Selbständigkeit, und mit vereinzelten Aus­nahmen standen die Vertreter der Regierung der Kirche im großen und ganzen gerecht, wenn nicht gar wohlwollend gegenüber. So gelangte die Kirche in Preußen zu segensreicher Blüte. Das aber war den kirchenfeindlich gesinnten Liberalen ein Dorn im Auge. In ihren Kreisen verfolgte man mit billigendem Jnteresie die italienischen An­griffe auf Papsttum und Kirchenstaat. Und als Pius IX. im Syballus von 1864 die modernen Irrtümer (besonders des Liberalismus) verurteilte, als ferner bekannt wurde, daß ein allgemeines Konzil im Vatikan abgehalten werden solle, als «ar verlautete, die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes solle als Dogma definiert werden, da traten die feindlichen Absichten des Liberalismus tnit größter Schärfe hervor: in der Presse, in Re­den, Volksversammlungen und selbst in Gewalt­taten: Der „M oabiter Klo st er st urm" (1869), in dem der Haß gegen die neue Nieder­lassung von (zwei!) Dominikanerseelsorgern in dem bekannten Vorort von Berlin zum Ausbruch kam, foboB die bedrohten Ordensleute über Dächer und Gärten hinweg ihr Leben retten mußten, war wie «in drohendes Flammenzeichen von kommendem Sturm. Und alsbald setzten auch parlamentarische Angriffe gegen die Kirche und ihre Einrichtungen

ein. Abg. Professor Gneist nennte die Klöster „Pflanzstätten des Aberglaubens, der Faulheit und der Unzucht" und suchte die Regierung gegen die Orden scharf zu machen.

Zu einer unvergleichlichen Heftigkeit entbrannte der Kampf des Liberalismus und des Protestantis­mus namentlich zur Zeit des vatikanischen Konzils. Da man ohne Verständnis war für die dogmati­schen Entscheidungen und kirchenrechtlichen Forde­rungen der Kirchenversammlung, wuchs der Haß gegen Kirche und Papsttum, gegen den Klerus und die Orden und besonders gegen die Gesellschaft Jesu zur Siedehitze. Aufbauend auf den Hegel- schen Ideen von der Omnipotenz des Staates, be­trachteten sie die Rechtsansprüche der Kirche als freche Anmaßung und Ueberhebung. Die Siege über das „katholische" Oesterreich und das „katho­lische" Frankreich wurden jenen Geistern ein neuer Ansporn zum Kampf des Protestantismus und Li­beralismus gegen den Katholizismus.

Don einsichtigen Führern (Peter Reichens­perger und Hermann v. Mallinckrodt) gewarnt, legten die Katholiken bei den Landtagswahlen von 1870 hohen Wert darauf, solche Vertreter ins Ab­geordnetenhaus zu entsenden, die bereit und in der Lage waren, die Rechte der Kirche gegen jeden Angriff zu verteidigen. Auf Grund dieser Wahlen bildete sich dann am 13. Dez. 1870 im Abgeord­netenhaus die „Fraktion des Zentrums", die sich neben den sonstigen politischen Aufgaben besonders die Verteidigung der „Freiheit und Selbständigkeit der Kirche und ihrer Institutionen" zur Aufgabe setzte. Auch die beiden Abgeordneten des Fuldaer Landes, der im Kreise Fulda gewählte Gutsbesitzer H e r r l e i n - Margretenhaun und der von den Kreisen Hünfeld und Gersfeld gewählte Amtsrichter R ü b f a m traten dieser Fraktion bei.

In dem Bewußtsein ober, daß gegenüber dem allseitigen Ansturm gegen die Kirche ein leistungs­fähiges Organ an zentraler Stelle erscheinen müsse, schufen einsichtige Männer wenige Tage später die „Germania", deren erste Probenummer am 17. De­zember 1870 erschien. In kurzer Zeit folgten noch eine ganze Reihe von Zeitungsgründungen in den verschiedensten katholischen Städten.

Im März 1871, als das neue Deutsche Reich gegründet und der erste Reichstag gewählt war, bildete sich auch im Reichstag eine Fraktion des Zentrums. Unter den ersten Mitgliedern finden wir wieder Gutsbesitzer H e r r l e i n - Margreten­haun als Vertreter des Wahlkreises Fulda-Gers­feld-Schlüchtern.

Und es war gut, daß der deutsche Katholizismus sich rüstete. Im Reichstag herrschten kirchenfeind­liche Tendenzen und die Regierung stand auf ihrer Seite. Das zeigte sich schon gleich bei der Er­öffnung: Während im Jahre 1860 der preußische Außenminister v. Schweinitz auf Befehl des Prinz­regenten und ebenso im Jahre 1867 Ministerpräsi­dent Bismarck diplomatische Schritte unternahmen gegen die italienischen Angriffe auf den Kirchen­staat und die Unabhängigkeit des Papstes, während Wilhelm I. in der Thronrede bei Eröffnung des Landtages 1867 sich im selben Sinne geäußert und noch im Februar 1871 im Hauptquartier zu Ver­sailles vor einer Deputation katholischer Malteser- ritter die Wegnahme Roms durch die Piemon­tesen als einen Gewaltakt sowie als Anmaßung von feiten Italiens bezeichnet und erklärt hatte, er werde „nach Beendigung des Krieges in Gemein­schaft mit anderen Fürsten Schritte dagegen in Be­tracht ziehen", lehnte schon die Thronrede zur Eröffnung des ersten Reichstags (kaum einen Mo­nat nach jener Erklärung Wilhelms T.) eine der­artige Intervention ab. Vergebens bemühte sich die Zentrumsfraktion bei Beratung der Ant« w o r t a d r e f f e auf die Thronrede, den gegen­teiligen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen; die harten Kämpfe um diese Adresie stellen die ersten kirchenpolstischen Debatten des Reichstags dar. Die liberale Mehrheit fetzte durch, daß in

Die Uebettvinönng des Kriegs-- geistes.

Dr. Hugo 0 5 r b e 8, Berlin.

hr seid ja Träumer mit euren welt­fremden Friedensideen. An Rhein und Ruhr feiert der französische Militarismus feine Orgien — ihr redet von Völkerversöhnung und Frieden. In Frankreich starrt ein

Heer in Waffen — chr schweigt dazu, daß man uns die Waffen nahm. In Frankreich kennt jeder' Poli­tiker feine Pflicht, den militärischen Geist im Volke tzu erhalten — ihr unterdrückt ihn in Deutschland und setzt schon der Jugend die Friedensutopien In den Kops, anstatt sie vorzubereiten für den Tag der Abrechnung, der ja doch einmal kommen muß. Im französischen Katholizismus herrscht eine kräftige nationale Gesinnung, im deutschen Katholizismus eine schwächliche, pazifistische Tendenz" So ungefähr sagte jemand, der etwas davon gehört hatte, daß im August des verflossenen Jahres in Freiburg unter vorwiegender Betätigung deutscher Katholiken ein internationaler Fri^mskongreß stattgefunden hatte.

Gewiß, die Tatsachen sind richtig: an Rhein und Ruhr herrscht heute der französische Militarismus. Cs gibt aber keinen „Pazifisten" der das nicht Der« urteilt; auch in Frankreich ist die Zahl dieser „Pazi­fisten" groß. Daß sie dort zur Zeit nicht noch größer ist. ist bedauerlich. Aber daran ist nicht der „Pazifismus", sondern eben jener „Militarismus" Schuld, der für gewöhnlich nur beim Nachbarn be­kämpft, fürs eigene Volk ober als etwas Gutes und Erstrebenswertes georiefen wird. Der „Militarist" mißt mit zweierlei Maß; der „Pazifist" mit einem und verurteilt deshalb den Militarismus als sol­chen, einerlei ob er diesseits oder jenseits der Gren­zen sich hervorwagt. Das tun auch die französischen Friedensfreunds, sie lehnen die Politik des Herrn Poincare an Rhem und Ruhr ebensosehr ab wie mir i sie bekämpfen. Man lest nur die Reden, die Marc kangnstr, der katholische Abgeordnete von Palis, >

immer und immer wieder in der französischen De- pittiertenfammer hält. Freilich wird Sangnier auch ebensooft von Herrn Pomcave mit der Behauptung abgefertigt, solche „Friedensschwärmer" wie er gäbe es nur in Frankreich, in Deutschland denke fein Mensch ehrlich an Frieden. Das letztere ist un­richtig; eine Lüge, wenn Herr Poineare es wider besseres Wissen behauptet. Aber an Lügen tragen die Politiker nicht schwer, dst dem Grundsatz huldi­gen: „Recht oder Unrecht — mein Vaterland." Und diese Art von Staatsmännern findet man in allen Ländern. Sie wurden großgezüchtet durch die Schule der im Boden des Materialismus wurzeln­den Rechtsphilosophie des neunzehnten Jahrhunderts, die in dem nach außen sich betätigen­den Staat nur einen „ungebändigten, ungezügelten Willen der Selbstsucht" sieht, für den es keine sitt- liche Pflicht, keine natürliche Rechtsordnung gibt, der er sich unverdorbnen hätte; sie wuchsen auf in der Irrlehre, daß von Natur aus Streit herrsche zwi­schen den Staaten und daß das Völkerrecht nur den Charakter des klugen Egoismus trage, daß die Politik, namentlich die Außenvofftik, nichts mit Moral zu tun hole, daß sie jenseits von Gut und Bös stehe und nur danach zu beurteilen sei, ob sie dem eigenen Lande nützt oder schadet. Eben diese Art von Politikern bestimmte Europas Schicksal im Jahre 1914 und bestimmt es auch heute nach. Wohin das führt, wird deutlicher mit jedem Tag: zum ewigen, durch den Frieden nur unterbrochenen Krieg und schließlich ins Chaos.

S'nd wir wirklich Träumer, wenn wir erkennen, daß letzten Endes mcht durch die Macht der Waffen, sondern nur durch den allseitigen Willen zum Frie­den Enrona geholfen werden kann? Der ehr- l i che Wille zum w i r kl i ch en Frieden! Nicht zu e'nem Frieden, der nur so lange dauert, bis der Unterlegene seine Steifte wieder gesamme't hat, um von neuem das Zerstörungswerk eines Krieges zu beginnen; der beim S’eger die Furcht, beim Besiegten den Gedanken an Revanche nährt und die Völker nie :md n'mmer zur Ruhe kommen läßt, — sondern zu einem Frieden, den beide Parteien wollen aus der Ueberzeugung heraus, daß der Krieg wirtschaft­lich nicht auftaut, sondern zerstört, daß er um so

Don

unsinniger, aber auch um so barbarischer wird, je mehr Fortschritte die so oft gerühmte Kriegstechnik macht; daß er kulturell einen Rückschritt, einen Rück­fall in die Barbarei bedeutet und moralisch durch­aus nicht zur Ertüchtigung des Volkes, sondern zum Verderben führt, wie die Erfahrungen der Kriegszeit, aber auch der Nachkriegszeit in allen Ländern bestätigen. Sind wir „Schwächlinge", wenn wir den Krieg als „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" ablehnen? Dazu kommt aber für den Katholiken noch etwas anderes: er kann, ohne mit den moralischen Grundsätzen des Christentums in Konflikt zu geraten, den Krieg nie­mals als ein reguläres „MittÄ der Politik" an- sehen; der Krieg ist erlaubt ast Akt letzter Notwehr, aber nicht als „Mittel der Positik". Die Staaten, dst als organisierte Gesamtheiten nicht außerhalb der Moralgesetze stehen, sind zur Erhaltung des Frie­dens verpflichtet; es steht nach christlicher Auffassung durchaus nicht in ihrem Belieben, Krieg zu führen, denn a'ich als organisierte Gesamtheiten müssen sie sich in ihrer Betätigung nach den Grundsätzen des Christentums richten, mit denen das Faustrecht im Dölkerleben nicht vereinbar ist.

Das sind Tatsachen und Wahrheiten, die bestehen und Gelttma haben, einerlei, ob in Frankreich der Geist des Militarismus gepflegt und In den besetzten deutschen Gebieten betätigt wird ober nicht, und die nicht oft genug hervorgehoben werden können in einer Zeit, die nicht nur bei unseren ehemaligen Gegnern, sondern auch bei uns in weiten Volkskrei- fen die Begriffe verwirrt hat. Erst wenn die Bölker sie erkannt und aus dieser Erkenntnis die nratttfehen Konsequenzen mnächst für ihre geistige Ein­stellung *ur Positik der Gegenwart gezogen haben, ist die Voraussetzung für die Ueberminbung des Krieges und damit für eine beffere Zukunft gegeben. Die Friedensstee muß zur Friedensbewegung füh­ren. die Friedensbeweanng muß Massenbewegung werden. Dies verwirklichen zu helfen, ist mit in erster Linie die Presse berufen. Die Presse, ins- Monbere diejenige der europäischen Großstädte, war während des Krieges in der Freiheit, ihre Meinung ; zu äußern und die Bolksstimmung wiederzugeben, j stark behindert; durch zahlreiche, der Oeffentlichkeit *

meist verborgene Kanäle wußten die amtlichen (zivllen und militärischen) Stellen die Blätter in ihrem Sinne zu beeinflussen. Es geschah dies nicht selten in einer Weise, die nicht mehr in Einklang zu bringen war mit der gerade dem Publizisten ob­liegenden Pflicht zur Wahrheit und Gerechtigkeit. Diese Unsitte, die sich in den Kriegszeiten eingebür­gert hatte, ist heute zwar im allgemeinen verschwun­den, aber ein Rest ist doch noch davon übrig ge­blieben. Wenn z. D. führende Pariser Blätter in ihren Berichten über Deutschland dem französischen Volke die Meinung beizubringen suchen, es gäbe hier- »zulande nur Chauvinisten und Revanchepolitiker, die auf nichts anderes sinnen, als bei nächster Ge­legenheit Rache cm Frankreich zu nehmen, so wird das wohl geschrieben, weil es zur moralischen Recht­fertigung der Poincareschen Politik dienen fall. Der­artige Falschmeldungen vergiften aber die Atmo­sphäre, verewigen den Haß und machen eine ver­nünftige Verständigung fast unmöglich. Das schlechte Beispiel, was leider allzuhäusig drüben ge­geben wird, entschuldigt natürlich keineswegs, daß zahlreiche Blätter in Deutschland in den gleichen Feh'er verfallen und das französische Volk nach der Politik französischer Chauvinisten und Militaristen beurteilen. Gerade die katholische Presse muß sich davor hüten; gerade sie hat die Ehrenpflicht, der Wahrheit und nur der Wahrheit zu dienen. Auch der politische Gegner hat Anspruch aus eine gerechte Beurteilung. Mögen andere dafür kein Verständnis haben und uns Mangel an „nationaler Gesinnung" vorwerfen, das soll uns nicht berühren. Wir dürfen uns nicht an die Seite derer stellen, die ihre Aufgabe darin sehen, die Völker zu entzweien. Wir muffen — und das gilt vorab für die kacholsiche Presse— rnithelfen, den Kriegsgeist zu überroin- den und die Friedensidee zu verbreiten, wie das auch Papst Pius XI. $n feiner Weih­nachtsenzyklika von uns gefordert hat.

Der Gedanke an den Gegensatz zwischen der harten Wirklichkeit, in der mir heute leben, und das Ziel, desien Verwirklichung noch so unendlich fern zu liegen scheint, darf uns nicht schrecken. Letzten Endes wird doch die Idee siegen über die brutale Gewalt.

der Antwort die Ablehnung aller, selbst bloß diplo­matischen Schritte zugunsten des Papstes deutlich ausgesprochen wurden, und der Kaiser lobte diese Haltung in besonders herzlichen Worten.

Ein ähnliches Zusammengehen von Regierung und Liberalismus zeigte sich in einer noch wich­tigeren Sache. Bei Beratung der neuen Reichs- Verfassung suchte das Zentrum zu erreichen, daß die „grundrechtlichen" Artikel der preu­ßischen Verfassung, die die Freiheit und Selbständig­keit der Kirche gewährleisteten, auch für das Reich übernommen würden. Obwohl die Erfüllung die- ! fer Forderung ebenso den Protestanten wie den j Katholiken geziemt hätte, waren alle Bemühungen der Zentrumsabgeordneten umsonst. Ja, Bismarck benutzte diese Differenzen mit dem Zentrum dazu, die Partei in Rom zu verdächtigen, und suchte durch deutliche Drohungen den Papst zu veran­lassen, daß er ihr Verhalten mißbillige.

Rom mußte es ablehnen, dem Zentrum für sein Verhalten Vorschriften zu machen. Darum ging Bismarck nun zum offenen Angriff über: Durch Allerhöchste Kabinettsordre vom 8. Juni 1871 wurde die kath. Abteilung im preußischen Kultusministerium aufgehoben. Der Libe­ralismus jubelte auf, daß der allmächtige Kanzler im Kampf gegen die katholische Kirche auf seine Seite trat. Ohne Schwierigkeiten schloß der kon- seroative Protestantismus dieser Kampffront sich an, um jetzt, nachdem das Reich geeinigt war, die Idee von dem „protestantischen Kaisertum" rücksichtslos in die Praxis umzusetzen. So stand eine gewaltige Phalanx feindlicher Verbündeter von der äußersten Rechten bis weit in die linksliberalen Kreise hinein der für die Rechte der Kirche kämp­fenden Minderheit gegenüber. Mit dem Zentrum und den Polen kämpften damals für Recht und Freiheit nur die Fortschrittlichen unter Eugen Rich­ter und die wenigen Sozialdemokraten (zeitweise Bebel allein), die grundsätzlich alle Ausnahmegesetze : ablehnten.

In dem schweren Kampfe, den nun die katho- ; lische Kirche für ihre Freiheit und Existenz zu I führen gezwungen war, hat Gott uns eine Reihe i von glänzenden Führern geschenkt, die, getragen ■ von heiliger Liebe zu Kirche und Vaterland und | ausgezeichnet durch rednerische, juristische und i staatsmännische Fähigkeiten sowie durch Tugenden ; des Herzens, sich um das katholische Deutschland unsterbliche Verdienste erworben haben.

Die edelste Gestalt unter den wackeren Kämpen ist Hermann v. Mallinckrodt, der in den ersten Jahren des Kulturkampfes unbestritten die geistige Führerschaft im Zentrum besaß und mit ebenso großer Entschiedenheit wie mit Würde und Vornehmheit die Rechte der Kirche verteidigte. Mit beilig-dankbarer Verehrung schaute das katholische Volk auf diesen Führer, und als er in der Blüte der Jahre auf der Höhe des Kulturkampfes mitten in harter Arbeit und schwerem Kampfe sterben mußte (1874), da ging die Totenklaae durch ganz Deutschland: Die deutschen Katholiken „trauerten um ihn wie einst in seinem Heldenkampfe das israe­litische Volk um Judas Makkabäus", und sie be­gruben ihn wie einen König.

Nun trat ein anderer Mann noch mehr in den Vordergrund, Ludwig Windthorst, wohl der fähigste Parlamentarier, den ein deutsches Par­lament bis heute besessen hat, ehemals hannove­rischer Justizminister, der seinem König and) nach dessen Entthronung treu geblieben, von Bismarck darum als Welfe verschrieen. In allen Fragen von Bedeutung ergriff er das Wort, auf ollen Seiten des Hauses horchte man auf, wenn die „kleine Exzellenz", die „schwarze Perle von Meppen" sprach. Als Debattenredner gefürchtet, wußte er wie kein zweiter alle Blößen der Gegner auszunutzen, alle Schwächen der Bismarckschen Kirchenpolitik aufzudecken und dem gefürchteten Kanzler ein ebenbürtiger Gegner zu sein. Auf ihn ergoß darum

i Bismarck die ganze Schale seines Zornes und scheute selbst vor nichtswürdigen Verdächtigungen nicht zurück. Windthorst hat noch die Fruchte seines jahrelangen Kampfes reifen sehen, hat es auch noch erlebt, daß Bismarck aus feinem Amte schei­den mußte. Und Bismarck hat es erlebt wie dem früher als Reichsfeind verschrieenen Welfen bei sei­nem Tode selbst vom Kaiser und von Königen fürstliche Ehren erwiesen wurden, wie die Liebe des katholischen Volkes, das ihn schon bei Lebzeiten rote einen Abgott verehrte, ihm über das Grab hinaus folgte, ja wie die ganze Wett einig war ‘ in der bewundernden Anerkennung dieses großen l Toten.

Neben diesen beiden Größten ragten unter der Führern der deutschen Katholiken beroor die buben rheinischen Brüder Peter und August R e i » chensperger, Burghard v. Schorlemer- Älft, Frhr. v. Frankenstein, Lteber, Gras B a 11 e ft r e m, alles ausgezeichnete Parlamenta­rier und Führematuren, geeint in dem großen Ge­danken der Arbeit für die heilige Sache der Kirche

Und es gab Riesenarbeit im parlamentarischen Kampfe für die Rechte der Kirche. Ein Konflikts­fall drängte den anderen, als die Regierung die Altkatholiken begünstigte, ihnen katholische Kirchen und Kirchenfonds überließ, die katholischen Eltern zwingen wollte, ihre Söhne in den Unterricht von Abgefallenen und Exkommunizierten zu schicken.

(Sinai besonders herzlichen Glückwunsch

entbietet der Vorsitzende des Landesausschusses der Zentrumspartei im Bezirk Kassel, Amtsgerichtsrat R h i e I, M. d. L., der Fuldaer Actiendruckerei. Er schreibt:

Boll Stolz imb Genugtuung kann die Fuldaer Actiendruckerei auf die verstossenen fünf Jahrzehnte zurückblicken. Obwohl klein und mit bescheidenen finan­ziellen Mitteln bei ihrer Gründung auegeftattet hat sie es verstanden, unter umsichtiger Leitung und mit zäher Energie zu einem achtunggebietenden und achtung­genießenden umfangreichen Unternehrnen sich zu ent­wickeln und gleichzeitig die von den Gründern als Ge­genstand der Unternehmens bestimmten hohen, idealen Zwecke und Ziele unentwegt und unbeirrt zu verfolgen und in einem Ausmaße zu erreichen, wie man es vor fünfzig Jahren nicht zu erhoffen wagen durste. Gerade durch.das stetige Festhalten an den ursprünglich gesteckten Zielen hat die Fuldaer Ärtlendruckerei sich unauslösch­liche Verdienste um die katholische Sache und um die Partei erworben, die in erster Linie und vornehmlich die politische Vertretung des katholischen Volksteils dar, stellt.

Welm die Zentrumspartei in unserem Bezirk immer wieder, auch unter den schwierigsten poetischen Situativ, nen, sich als einig, geschlossen und stark zeigen konnte, so muß an erster Stelle der Name der Fuldaer Aclien- bruderet unter denen genannt werden, die hervorragend und bestimmend zu diesem Ergebnis beigetragen haben.

Als derzeitiger Vorsitzender des Landesausschussss der Zentrumspartei im Bezirk Kassel ist es mir ein Herzensbedürfnis, ihr hierfür wärmsten Dank auszu- tprechen. Möge es der hochgeschätzten Jubilarin vergönnt fein, noch recht lange ihr segensreiches Arbeiten und Wirken betätigen zu können, und darum ein von gan­zem Herzen kommendes: Ad multos anno»?

Rhiel, Amtsgerichtsrat,

Vorsitzender des Landsausschusses der Zentrumspartei im Bezirk Kassel.