51. Zahrg.
Dienstag, 1. Zanuar 1924.
Nr. 1
Ein halbes Zahrhundert
pflegen. Alles, was die Ober-
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ist heute vergangen, seit die Fuldaer Zeitung regelmäßig vor die Einwohnerschaft Fuldas und des Fuldaer Landes hintritt und von dem Standpunkt aus, den ihre Gründer vor 50 Jahren bestimmt haben, zu Welt und Leben Stellung nimmt. Von tiefgehender Bedeutung war der Kampf der Geister, der nach der glücklichen Beendigung des Krieges bon 1870 und 71 in unserem Vaterlanüe zum Austrag kam und den
lassen, aber auch in allen Fällen zu ihrer Ansicht und ihrem Wort stehen, auf die man sich verlassen kann, von denen man weiß, was man von ihnen zu erwarten hat? Die Fuldaer Zeitung darf für sich in Anspruch nehmen, daß sie mit ihrer wahren Meinung nicht hinter dem Berge hält. Sie ist bon Anfang an wegen dieser Klarheit ihrer Stellungnahme zu materiellen und geistigen Dingen viel gescholten worden. Aber richtig war die Methode doch. Heute steht man es immer mehr ein, daß wir in wirtschaftlichen Dingen eine Verständigung unter den einzelnen Wirtschaftskreisen brauchen, daß jeder Stand Opfer bringen muß für die Volksgemeinschaft und daß es nicht möglich ist, das deutsche Volk und damit alle Stände bor völliger Verelendung zu bewahren, wenn nicht allen Ständen Opfer mannigfaltiger Art zugemutet werden, lieber die Fuldaer Zeitung haben sich im Laufe
wir als „Kulturkampf" zu bezeichnen Herrschaft der nach rein irdischen Gesichtspunkten eingeßellten Weltbe- betrachtung wünschte, trat damals in die Schranken, um mit jedem erdenklichen Kampfmittel die Geisteskräfte niederzukämpfen, die im heiligen Glauben an göttliche Offenbarung verankert sind. Wie hart und rücksichtslos der Kampf gegen die katho- - liche Kirche und ihre Kinder in jener
Zeit geführt worden ist, das hören wir Jüngeren heute noch mit bewegtem Staunen von denen, die damals in den Reihen der vom Angriff Getroffenen gestanden haben. Dann versteht man es auch, daß die damaligen Führer des katholischen Volkes in innerstem Gewissen sich verpflichtet fühlten, jedes Opfer zu bringen, um Waffen der Abwehr in die Hand zu bekommen, auch jene Waffe, die im Kampf der Geister unentbehrlich ist, die Presse. So kam es denn am 5. Dezember 1873 zur Gründung der Aktiengesellschaft „Fuldaer Aetiendruckerei" mit dem Zwecke „des gewerbsmäßigen Betriebes
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ausgabe einer politischen Zeitung". Diese Zeitung, die „Fuldaer Zeitung", erschien, nachdem zum Weihnachtsfest 1873 eine Probenummer dorgelegt worden war, bom 1. Januar 1874 ab regelmäßig, zunächst wöchentlich dreimal. Sie trat damit ein in die stattliche Reihe der Zeitungen, die um dieselbe Zeit der Opferwilligkeit des katholischen Volkes ihre Entstehung verdanken (in unserer Rähe u. a. das „Frankfurter VolksblatE und das „Koblenzer Volksblatt)" und hat seitdem, unter möglichster Anpassung an technische und journalistische Fortschritte, die Grund- sähe vertreten, zu denen ihre Gründer sich bekannten: „Für Wahrheit, Freiheit und Recht!"
So ereignisboll und bedeutsam die letzten 50 Jahre der deutschen Geschichte auch sind, deren täglicher Chronist die Fuldaer Zeitung war, es mag demjenigen, der heute auf diese Vergangenheit zurückschaut, gar vieles an Tageserscheinungen und Tagesmeinungen, was auf den einzelnen Blättern verzeichnet steht, klein und belanglos erscheinen. Gerade der
her Jahrzehnte woht alle Oter.oe schon beschwert, daß sie die Belange des betreffenden Standes zu wenig wahre oder gar verletze. Bald sollte sie arbeiterfeindlich, bald bauernfeindlich, bald mittelstandsfeindlich sein. Mag auch einmal menschliche Ilnznläng- lichkeit der Beschwerde eine Ursache gegeben haben: Volksgemeinschaft, Ausgleich der Intereffen der einzelnen Wirtschaftsgruppen im Geiste christlicher Solidarität, ist das Ziel unseres Blattes und wird es bleiben müssen, damit das deutsche Volk und unser liebes Vaterland nicht Schaden leiden.
Klar und unzweideutig ist auch in geistigen Fragen die Stellung der Fuldaer Zeitung bom 1. Januar 1874, ihrem Geburtstage an, gewesen. Katholische Grundsätze wollte sie vertreten, der bedrängten katholischen Kirche wollte sie zur Wahrung der allgemeinen christlichen Freiheit zur Verfügung stehen. Sie hat, andersgläubigen Lesern zuliebe, nie einen Hehl aus ihrem katholischen Programm gemacht. Aber zahlreiche andersgläubige Mitbürger haben trotzdem die Fuldaer Zeitung gelesen und
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PttantwortNch für tie Schriftlen rinn' Dr. Johannes Kcamer, für die Anreisen: I. Parzeller. Fulda. RotaNonSd'uck und Verlag derr-FuIdaer Aciiendiuckcrei in Fulda- Fernfv>echer Nr-9 " lLof!-Be»ugsvre>s: B onal Januar ?.50 Gvldmar, s
eine Presse, die sich vor dem Widerspruch und damit vor wirtschaftlichem Nachteil drücken will. Das ist die sogenannte Generalanzeigerpresse. Sie redet den Leuten nach dem Mund, unter denen sie verbreitet ist. Die Generalanzeiger-Tendenz ist glücklicherweise in der deutschen Presse noch nicht zur verderblichen Herrschaft gelangt. Ist es denn auf die Dauer nicht auch viel würdiger und schöner, mit denjenigen zu Verkehren, die wohl ihre bestimmten Ansichten haben, auf ihnen beharren, nichts ans Liebedienerei sich davon abhandeln
Anzeigen-Breile; Äitmsei.e Colonel) lolal 0,15 Goldmcrk. auswärts 0,2o Coldmark; Reklameietle lofol 0,60 Goldmark, - auswärts 0.80 Go dmark. ::
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Zeitungsmann, der doch angeblich nur
den Tagesbedürfnissen dient, hat ein sehr starkes Gefühl für die Nichtigkeit der Einzelereignisse und des Tagesstreites. Die Erkenntnis dieser Nichtigkeit drückt ihn nieder, wenn er nicht aus religiösen Quellen den starken Trost gewinnt, der ihn hinter dem Vielerlei der Erscheinungen die Hand der göttlichen Vorsehung sehen läßt. Dann fühlt und weiß er daß zwar alles Tagesereignis vergänglich ist, die Wirkung seiner und seiner Mitarbeiter täglicher Arbeit verflattert wie die Blätter im Herbst, daß aber in langer Entwicklung eine nach hohen, heiligen Gesichtspunkten mit bollem Verantwortungsgefühl geleitete Zeitung unverwischbare Spuren eingräbt in die Geschichte aller Lebensäußerungen der Menschengemeinschaft, der sie eingegliedert ist.
In dieser Ueberzeugnng wird es ihm leicht, das Los zu tragen, dem die unabhängige grundsahtreue Presse nicht entgehen kann und der sie heute mehr als je ausgeliefert ist: das Ziel des allgemeinen Widerspruchs zu sein. Es gibt
Der Fuldaer Zeitung zum Goldenen Jubelfeste
Der nächtliche Gratulant.
s in der Nacht bor deinem Jubeltag Die Räder ruhten, und im Dunkel lag Der Setzersaal und das Maschinenhaus, Da trat Sankt Winfried aus der Gruft heraus Und ging im Zwielicht froher Festesträume Durch deine nächtlichstillen Arbeitsräume.
Da Hub ein Rauschen an in allen Blättern, Es neigten vor dem Bischof sich die Lettern, Die Typen stellten flink sich in Parade Und harrten auf des Heil'gen Huld und Gnade. Stumm stand der Druckmaschinen laut Geschlecht Und setzte sich zur Predigt still zurecht.
Nun öffnete St. Winfried seinen Mund Und tat den Hörern diese Botschaft kund: „Mich hat der Herr aus meinem Himmelsland Mit Grüß und Segenswunsch euch zugesandt. Was ihr durch fünfzig Jahre treu getan. Das sah der Herr mit Wohlgefallen an.
Ihr habt ja stets wie meine Missionäre Gewirkt zum Wohl der Welt, zu Gottes Ehre. Das Werk der Lanzenknechtc im Konvente, Das legte längst die Zeit in eure Hände, Und jedes Blatt, das ihr hinausgesandt. Trug treu mein Erbe durch das Buchenland.
Dein Ruf und Rat ward rings zur Gottessaat, Die reifte hundertfach zu Werk und Tat Und hielt das Volk um Christi Kreuz zusammen. Nun schüre weiter deines Eifers Flammen Und künde auch dem künftigen Geschlecht Die Wahrheit und die Freiheit und das Recht!" —
Der Bischof schwieg und hob die Segenshand. Dann schlug die Uhr. Die Lichtgestalt entschwand Nach oben in das helle Sterngefunkel.
Der Erdenmorgen löste leicht das Dunkel, Und nach der feierstiüen Segensnacht War schon das Haus zum neuen Werk erwacht.
Ludwig Rübling.
unterstützt, weit sie erfahren haben, daß ebenso wie im öffentlichen Leben der Andersgläubige mit den sich offen zum katholischen Glauben bekennenden Mitbürgern gut auskommen kann, auch ein katholisches Blatt religiöse Anschauungen anderer Bekenntnisse zu achten weiß, ohne zwingende Notwendigkeit religiöse Streitpunkte nicht in den Vordergrund zerren wird, im Grunde aber keine anderen Ziele verfolgen kann, als diejenigen, die allen gottesgläubigen Menschen gemeinsam sein müssen: Gott zu erkennen, ihn zu liehen und ihm zu dienen.
In diesem Sinn möge auch im zweiten Halhjahrhundert die Fuldaer Zeitung ihren Leserkreis in der Stadt Fulda und im Hessenlande als Band umschlingen, auch diejenigen festhalten, die in die weite Welt verschlagen sind und vielfach nur noch in ihrer Zeitung eine liebe Verknüpfung mit der teuren Heimat haben, und so im bescheidenen Rahmen ihres Wirkungskreises dem Wunsch des deutschen Reichskanzlers zur Erfüllung verhelfen, daß wir ein tk einig Volk von Brüdern werden.
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda