M 285.
Sonntag, S. Dezember 1923.
Fuldaer Leitung
Druck der Fuldaer AeLiend racker ei iu Fulda
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Kunft und Wissenschaft
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Die Rücksendung unverlangter Manuskript« und die veantwortutt? von Anfragen Kann nur erfolgen, wenn von dem Linsender dar den neuen Postgebühren entsprechende Porto beigesügt worden ist.
auf die Dauer das Gedeihen unseres Staates an die Boraussetzung geknüpft ist-, daß auch in jenen Ländern, mit denen mir seit Jahrhunderten in wirtschaftlichen Beziehungen stehen, durch eine unserem Sanierungswerk ähnliche Anstrengung Staatsund Volkswirtschaft in geregelte Bahnen geleitet werden. Darüber hinaus fordert das Sanierungswerk, wenn wir es nicht bloß im engen Sinn einer Gleichgemichtsherftellung im Staatsbudget auffassen, zu einer endgültigen Sicherung eine allgemeine Atmosphäre der Beruhig ung unddes Friedens in ganzEuropa. Dies ist aber eine Lebensbedingung nicht nur für uns, sondern auch für andere, mit weit reicheren Mitteln ausgestattete Länder. Was Oesterreich selbst anbelangt, hat es vom ersten Tage seines Bestandes an diesem allgemeinen Bedürfnis im Rahmen seiner Außenpolitik nach besten Kräften gedient und sich durch die stete Bekundung ausgleichender und versöhnender Tendenzen das Vertrauen seiner Nachbarn und der ganzen Welt erworben. Unser sehnlichster Wunsch rft daraus gerichtet, so bald als möglich einen europäischen Friedens- zustand herbeigeführt zu sehen, der allen europäischen Nationen den ihnen gebührenden Anteil an dem Neubau der im Krieg entguterten Welt als ihr Recht, aber auch als ihre Pflicht zumessen würde.
Das zerstörte Gebiet.
Bericht über den Wiederaufbau.
In einer von HavaS veröffentlichten französ. Verlautbarung über den Stand des Wiederaufbaus in den zerstörten Gebieten und seine Kreditanforde- rungen im Haushaltsjahre 1924 heißt es, zur Zeit seien von 22900 vom Feinde zerstörten oder beschädigten Fabriken 20 000 wiederberqestellt und in den großen Industriezentren im Norden und Osten herrsche rege Wirksamkeit. Das sichere Anzeichen dafür sei, daß binnen kurzem die zerstörten Departements einen hervorragenden Platz in der französischen Wirtschaft einnehmen würden. Es seien 2912000 Hektar Boden wieder angebaut worden, die 88«/° der zerstörten landwirtschaftlichen Fläche darstellten. Schließlich seien 598000 Häuser wiederhergestellt worden.
Allerdings seien noch 143000 Häuser wieder aufzubauen, aber schon jetzt besäßen die befreiten Gebiete wieder ihre normale Bevölkerung. Der Häuserbau sei mit großer Schnelligkeit vorangeaan- gen; man könne damit rechnen, daß er in "kurzer Frist denselben Stand wie der industrielle Wiederaufbau erreicht haben werde.
Bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres würden für die Wiederherstellung der sachlichen Zerstörungen 40, für die Personenschäden 35 Milliarden Francs verausgabt sein. Man komme so zu dem Gesamtbetrag von 100 Milliarden, den der französische Steuerzahler oder Sparer in verschiedenen For- men dem Staate dargebracht habe, um die Wiedergutmachung der durch den Krieg verursachten Sach- und Personenschäden zu sichern.' Für 1924 würden die Berpflichtugen des Staatszuschuffes nach dem zur Zeit vorliegenden Entwurf sich auf 18 Milltarden belaufen, von denen 9 Milliarden für die Regelung der schwebenden Kriegsschulden bestimmt seien.
— priefterkongregation. Dienstag, den 11. d. Mt?., nach» ittagS 3 Uhr wird die Priester kongregation in der Kapelle des Herz-Jesuheims ihr neuntes Titular- fest in üblicher Weise feiern. Rach dem Gottesdienste Vortrag und wichtige Besprechung. Es darf darum eine recht zahlreiche Beteiligung erwartet werden.
Jawohl, und außerdem hat er wieder aufgefrischt.
Jetzt erst bemerkte Helga mein Derstörtsein: ängst, lich forschte sie nach der Ursache und sprang entsetzt auf, als ich ihr die Höhe des Wasserstandes nannte.
Praktische winke.
Nervenschwäche,
strahl bemerkte, der in diesem Moment das kleine ster streifte, froh aus:
Endlich wieder gutes Detter!
Leider immer noch zu schiech: für uns!
Darum? fragte ste. Weht der Wind noch Lande her?
an einen Schwächezustand des Nervensystems, wenn man sich fortwährend matt fühlt, wenn man unlustig ist zur Arbeit, unfähig zu andauernder Tätigkeit, ohne daß eine ernsthafte, organische Erkrankung borzulie.ien scheint. Häufig trifft man mit dieser Vermutung das Richtige, nicht selten täuscht man sich auch. Die Nervenschwäche ist durchaus nicht immer die Krankheit selbst, sie kann auch das am meisten im Vordergrund stehende Symptom einer ganz anderen Erkrankung sein. Bluterkrankungen verschiedener Art, Ernährungsstörungen, leichte organische Veränderungen des Herzens, Lageveränderungen an den Organen des Unterleibs, diese und noch manche andere Zustände können die gleichen Symptome der Neurasthenie Hervorrufen. Auch schwere organische Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks können rn den Anfangsstadien als einfache nervöse Leiden erschernen. In jedem Kalle ist es also verkehrt, sich lediglich aus den subjektiven Beschwerden em Urteil zu bilden über die Natur der Krankheit; dazu bedarf es vielmehr einer eingehenden und bei der
I Mort zm Mten MtoioofetMe.
Wieder eine Opferwoche? Wieder die Aufforderung zur Opferbereirschaft, zur Nächstenliebe? Für wen? Wer hält dieselbe? Wohin fließen die Gaben? I Wie oft hat das deutsche.Volk geopfert seit 1914? I Sind wir nicht alle selbst ein Opfer bietet schreck- I lichen Zeiten geworden? Tausend Fragen — und I mehr!
Pius XI. hat die Bischöfe der katholischen Welt aufgerufen zu Hilfsaktionen: Amerika, Holland, Schweiz, Spanien, Oesterreich haben ihre Caritas mobil gemacht für Mitteleuropa.
Deutschlands Katholiken wollen selbst auch die großen Schätze christlicher Caritas in des deutschen Volkes Not eröffnen und heivorholen, die Goldmünze opferbereiter Liebe.
Wir wollen die Hungrigen speisen ... Um Christi willen unseren Mittagstisch mit anderen teilen! Es braucht keiner zu hungern — wenn wir nur ernstlich wollen. Gehen wir in jeder Stadt und jedem Dorf ans Werk der Volksspeisung in geeigneten Räumen und im Privathause. Was die Klöster seit alter Zeit üben — ihr Brot mit den Armen teilen — nun muß es christliche Familien- fitte, werden. Das Mittagessen mit anderen teilen. Caritasverband, Vinzenz- und Elisabelhverein werden gerne bereit sein, diese neuzeitliche Hilfe in die rechten Bahnen zu leiten. Alle Bedenken, alle Schwierigkeiten, alle Einwände fort!
Die Caritas-Opferwoche mutz Brot schaffen.
Wir wollen die Nackten bekleiden.. Wer hätte» je gedacht, daß Christi Worte von den 2 Röcken praktisch werden für uns! Nun ist der Advent gekommen, wo wir um des lieben Christkinds willen um Hemd und Unterwäsche und Kleidung für unsere frierenden Kinder, Säuglinge, für Kranke und Greise angefleht werden. Wie der ungestüme Freund des Evangeliums wollen wir die Türen der 'noch Reichen in Deutschland vestürmen um Wäsche! Die Not ist unsäglich — nackte Säuglinge, frierende Kinder . . .
Die Caritasopferwoche muß warme Kleidung schaffen •
W i r wollen die Betrübten trösten . . . Kinderherzen verwaist, verlassen, verjagt, in Liebe und Fürsorge nehmen. Hunderte von Kindern — kein Heim, keine Elternliebe. Sollen alle Kinder in Anstalten? Nein, öffnet, wo es möglich ist, einem Kinde der Jugendfürsorge eine gastliche Türe, ein liebendes Elternherz . . .
Verlassene Kranke — ohne Arzt, ohne Arznei, ohne Pflege — wie viel Betrübnis wäre durch den Sonnenschein der Liebe zu bannen! Und wie viel zerknirschte Herzen, wie viel zerschlagene Hoffnungen, wie viel vernichtete Ex stenzen. Wir müssen in der Caritas-Opferwoche zur Tat christlichen Mitleids kommen. Lassen wir das Jammern, lassen wir das ewige Klagen! Bringen wir den Mut auf, andere zu trösten durch unser mutiges Ertragen und unser mutiges Wort zum Kreuztragen!
Die Caritas-Opferwoche muß uns christliche Kreuzträger schaffen, nm die Betrübten zu trösten ..
Deutsche Caritas-Opferwoche — Mission der Nächstenliebe.
wonach Helga mich wieder ablösen sollte — und so fort die ganze Nacht hindurch.
Kurz vor neun Uhr trat Helga raschen Schrittes an meine Lagerstätte, ergriff meine Hand und rief mit freudiger Stimme:
Mr. Tregarthen, der Sturm scheint nachgelaffen zu I haben; ich sehe ein paar Sterne am Himmel blinken!
Nur wer einmal etwas Aehnliches durchgemacht hat wie wir, kann sich vorstellen, mit welch neuer Spannkraft Helgas frohe Botschaft mich erfüllte.
Gott sei Lob und Dank! rief ich aus tiefster Seele und eilte mit ihr an Deck.
Das Wetter hatte sich wirklich überraschend aufgeklärt. Zwar bedeckten noch immer schwere Wolken- massen den Himmel, doch schimmerten durch zahllose Nisse und Spalten die Sterne in hellem Glanze, der die wogende See bis zum fernen Horizonte deutlich erkennen ließ; von einem Abnehmen des Sturmes war freilich noch immer nichts zu merken.
Wie Helga und ich verabredet hatten, arbeiteten wir eine tüchtige Weile an den Pumpen, dann legte das junge Mädchen sich nieder, während ich bis zur vereinbarten Frist die Wache übernahm; so verstrichen die Stunden bis vier Uhr morgens. Um .diese Zeit trat eine derartige Verminderung der Windstärke ein, daß mir mit genügend Hilfskräften das Schiff hätten unter Segel fetzen können. Allein wir waren nur zwei__
Seufzend begab ich mich wieder an die Pumpe, um den Wasserstand zu prüfen. Das Ergebnis meiner Untersuchung ließ mir das Blut in den Adern erstarren.
Wenn das Wasser forffuhr, derartig schnell zu steigen, so waren wir dem Untergänge geweiht. Rasch suchte ich das Deckhaus auf, wo Helga in unruhigem Schlummer auf der Polsterbank lag. Meine lauten Schritte mußten sie geweckt haben, denn sie schlug die Augen auf, richtete sich empor und rief, als sie den blassen Sonnen-
Gottesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 9. Dez. Dom. Kollekte f. d. Carita?. sammlung. */86, 6, */«7 u. 7 bl. M., V«! gemeinsame Kom. d. Jungfr.-Sod. i. d. Marienkapelle u. d. christen- lehrpfl. Iungfr. i. Dom, 8 Pfarramt m. Auss. u. Pr., */>10 Ratbebratamt m. Pr., '/-II Cbr. f. d. Jünglinge, V«12 letzte hl. M. m. Pr., */12 Herz-Mariä-Bruderschaft, ’.'iS Vers. d. Junafr.-Vereins, 4 Pr. u. A. z. E. b. hl. Franz von Sales, 6 Herz-Mariä-Bruberschaft m. Pr. u.Seaen Montag nackrn.5Advents-.7.—Stabtpfarrkirche. Caritaskollekte für die Armen. 5*/t Kom., 53/« hl. M., 68/« hl. M. u. Kom. b. Jungfrauen, 8 erster Schulgb. u. Pr., 9V» Pfarramt u. Pr., 11 zweiter Schulgb. u. Pr., 91/« Ehr. f. b. Jünglinge t. d. Severtkirche, 21/« Bruderschaft von der Todesangst des Herrn, 3V« Andacht für die Jungfrauen-Sodalität. — Pforr- kirche zum heiligen Geist. 7 Frühen., 8 Amt m. Pr., nachm. Vi5 Ehr., 5 A. — Sodalität. 1/ilO. — Sevcrikirche. Sonntags 7, werktags */i7 hl. M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Amt m. Pr., nachmitt. 2A. -Mittwoch abends 8 A.l — Frauenberg. 5, */»«, 6, '/,7 u. 7 hl. M., 8 Bruder- schaftsm., 2 feierl. Vesper m. fakram. Segen, V,6 A. zu Ehren der unbefl. Empfängnis Mariä.
Fräulein Nielsen, sagte ich, mich gewaltsam zusam- menraffend, wir können die „Anina" nicht mehr halten und müssen auf ein anderes Msitel sinnen, uns zu retten. Wir müssen ein Floß bauen und fertig ausrüsten, fn daß es jeden Augenblick über Bord gelassen werden kann. Es ist unsere einzige Rettungsmöglichkeit, wenn wir vorher nicht von einem vorbeifahreoden Schiffe aufgenommen werden.
Aber was wird aus meinem Vater?
Den nehmen wir natürlich mit.
Wie wollen Sie das anfangen? Er kann sich ja gat nicht bewegen.
Wir fragen ihn, so wie er jetzt liegt, an Deck und taffen ihn mit feiner Bettstatt an Tauen auf das Floß hinunter.
Ja, so wird's gehen, sagte Helga mit tiefem Aufatmen. So muß es gehen. Wie lange mag die „Anina" wohl noch flott bleiben, wenn wir die Pumpen nicht mehr anrühren?
Das wird Ihr Vater am beften wissen; kommen Sie, wir wollen ihn fragen.
Als wir die Kabine betraten, sanden wir Kapitän Nielsen aufrecht in seinen Kiffen sitzend und an einem Biskuit knabbernd.
Endlich scheint das Wetter sich zu ändern, rief er uns entgegen. Eden sah ich einen Sonnenstrahl dort über die Tür huschen. Was sagt das Barometer, Mr. Tre- garthen?
Mit zusammengezogenen Brauen blickte er bann zu feiner Tochter hinüber und forschte argwöhnisch:
Wie siehst du denn aus, Helga? Was ist passiert?
Vater, erwiderte das junge Mädchen mit nieberge« fchlagenen Augen, es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, baß die „Anina" langsam sinkt, und daß wir alle Anstalten treffen müssen, sie schleunigst verlassen zu können.
Was? schrie der Kranke gellend auf und umklam- werte mit seiner abgezehrten Hand krampfhaft den Bettpf offen. Die „Anina" sinkt? Wir muffen sie ver- kaffen? Ja, habt ihr denn die Pumpen vernachlässigt?
Nein, Kapitän, entgegnete ich, wir haben uns nichts vorzuwerfen. Ihre Tochter hat sogar über ihre Straft gearbeitet. Sehen Sie sie doch an! Sagt Ihnen denn 3hre Vernunft nicht, baß sie eine derartige Ueberan« ftrengung nicht länger aushält?
(Fortsetzung kotzt.)
Neue Bücher.
Herders viicherschatz l424- Rechtzeitig vor Weihnächte» bietet sich der „Bücherfchatz 1924" des Herberschen Verlags in Freiburg i. Br. mit einer an Neuauflagen unb Neuerscheinungen reichen unb vielseitigen Auswahl bar. Erläuterungen zu den einzelnen Werken erleichtern Beurteilung unb Wahl; ein gut ausgewähites Buch ist boch immer noch die wertvollste Weihnachtsgabe. Be- sonbers bemerkenswert ist bie Erzählungsliteratur, vor allem bie neue Sammlung „Der Bienenkorb", wo lich neben schon früher befanmen Erzählungen von Dörfler, Feberer, Moyr, Svens,on neue wertvolle Gaben vor. Weismantel, Herwig, Roselieb unb Schäfer finden >, bann .Der Fährmann" von Keckeis, b er ibeale Führer für bie reifende männliche Jugend; Helwigs groß» zügige „Deutsche Helbemegenbe", „Das alle Haus" von Matthietzen, der hier bas erste Märchenbuch im Sprechstil ber Kinder gibt; der Vorarlberger William mit „Der Lügensack" und „Der Herrgott auf Besuch", bie Schwäbin Schenk mit einem lieblichen Dorf-Jbyll „Vom kleinen Lehrer" und vieles andere mehr. Eine volkstümliche Gabe an bie deutsche katholische Christenheit ist bie Forbessche Biographie Pius' X. Unter den religiösen Schriften ragen toieberum bie Sammlungen „Bucher für Seelenkultur" (neu: Kühnels „Von Gott unb von uns", A. Feys „Aus Herzenstiefen"); „Bücher der Einkehr" unb „Ecclesia orans“ hervor, letztere um A. Baum stark „Geschichtliches Werden ber Liturgie" (X. Bändchen, unb H. Rosenberg „Die Hymnen des Breviers' (XI. Bändchen) bereichert. Edelste Frömmigkeit unb vorbildliche christliche Lebensdurchdringung macht „Liiiengarten ber hl. Katharina von Siena" von I. Murn- dauer zu einem seltenen Werk der Einkehr in sich selbst. „Von Seele zur Seele" spricht P. Lippert 8. J., I. Reinke vermittelt neue Erkenninrs zur Beziehung zwischen „Naturwissenschaft, W- Itanschauung, Religion", A. Rade- macher biicht dem „Vernünftigen Glauben" eine Gaffe in das moderne Denken. „Das Lied ber Orchideen" vou.Sellng klingt am Weg einer weltgesinnten Mädchen- feele zu Christus hin, und im „Verborgenen Heldentum" zieht O'Rahilly den Schleier von einem Bilde heiliger Männlichkeit unsrer Tage. Töihs „Reine Jugendreife" weist ber Jugend bett sichern Pfad längs bedrohlichen Schlünden. Beschauliche ©einer machen Halt vor Büchern wie Schwarz „Ich in Ihm" und Lechnik „Das innerliche Leben". Auch die übrigen vom Verlag gepflegten, namentlich die wiffenschaftlichen Gebiete sind in mannigfacher Auswahl vertreten. Wer sich eingehender über bie neuen Herder - Bücher orientieren will, greife zum „Bücherschatz" selbst, den der Verlag kostenlos versendet.
_ viel gebrauchtes unb noch öfter mißbrauchtes Schlagwort, mit bem nur bie Minberzahl eine klare Vorstellung verknüpft. Im allgemeinen benkt man
Technik und verkehr.
----- Rabiobriefe, bie aus Italien nach Amerika gesandt werden, sollen nach einem Abkommen zwischen den italienischen und deutschen Behörden über bie Berliner Funkenstation beförbert werben. Die Briefe gehen mit ber Post nach Berlin, von dort werben sie auf bem Luftwege weitergeleitet.
— Kein $r:eben$prei$ für dar friedlose 1923.___
zweite Komitee bes noiwegischen Parlaments beschloß, in biefem Jahre den Friedenspreis nicht zu verteilen. Der Betrag wirb nach ben Bestimmungen auf das nächste Jahr zurückgestellf.
KeLgcr.
eeeroman von Clark Rüssel.
Gesteneich als Muster.
Bundeskanzler Dr. Seipel be. richtet in der.Germanitttüder dieFort- schritte ber österreichischen Sanierung. Wir lassen bie Ausführungen, um zu zeigen, was in Deutschland noch zu tun übrig bleibt, wenn es endgültig besser werben soll, folgen:
Der Bund eSvor an schlag für 1924, den He Regierung bem neugewählten Nationalrat vor« kwlegt hat, ist der beste Beweis dafür, wie rüstig Oesterreich auf dem Wege der Sanierung vorwärts- schreitet. Um die ganze Tragweite des erzielten Fortschrittes zu übersehe», ist em Vergleich mit den Voranschlägen für 1923 notwendig. Unmittelbar vor Beginn des Sanierungswerkes hat die Regierung ein Bundesfinanzgesetz für 1923 einge- bracht, das entsprechend der damaligen staatS- finauziellen Sage, ein Defizit von 5293,7 Milliarden Kronen vorsah. Am 17. Februar wurde ein zweiter Entwurf eingebracht, in dem die Ansätze, entsprechend den finanziellen Auswirkungen des Reform- und Sanierungsprogrammes abgeänbeit waren. Die Gesamtabgänge waren darin um nicht weniger als 55 Prozent vermindert. Daß die Ansätze des Budgetgesetzes (Ausgaben 8490 Milliarden, Einnahmen 5826 Milliarden, somit Defizit 2664 Milliarden) Mtdjt aus der Luft gegriffen war, zeigt die nunmehr vorliegende Abrechnung für das erste Halbjahr, nach der das Defizit für diesen Zeitraum tatsächlich nur 1300 Milliarden beträgt.
Der Bundesvoranschlag für 1924 beziffert die Ausgaben mit 9182,2, die Einnahmen mit 8345,4, den Gesamtabgang mit 836,7 Milliarden Kronen. Das bedeutet gegenüber dem endgültigen Budget für 1923 wieder eine Verringerung des Defizits um 68,6 Prozent. Mit anderen Worten ausgedrückt: während im Jahre 1923 auf den Kopf der Bevölkerung ein Abgang von 30 Goldkronen fiel, beträgt er jetzt nur mehr 9 Goldkronen. Aber die Regierung beabsichtigt auch habet nicht stehen zu bleiben. Durch Maßregeln, die im Bundesvoranschlag noch keine BerücksiHtigung gefunden haben, gedenkt sie, gemäß den seinerzeitigen Abmachungen mit den Delegierten des Völkerbundes, das Defizit des Jahres 1924 auf 146,7 Milliarden Papierkronen (10 Millionen Goldkronen) herabzudtücken. Auf den Kopf der Bevölkerung wird dann der gewiß unbeträchtliche Defizitbetrag von anderthalb Goldkronen entfallen. Daß dem unbeugsamen Sanierungswillen, in dem sich die Regierung mit der gesamten Bevölkerung eins weiß, auch diese Leistung möglich sein wird, dafür bürgt die Erfahrung des Jahres 1923.
Freilich wird es dazu einer großen Kraftanstren- flung bedürfen. Der Abbau aller Leistungen, die über die Kräfte des Staates hinausgehen, wird I fortgesetzt werden müssen, ebenso der Abbau aller entbehrlichen öffentlichen Angestellten. Endgültig kann die Beamtenfrage allerdings nicht gelöst werden, bevor das große Werk der Berwal- tungsreform vollendet ist. Die Regierung beabsich- tigt, dem Nationalrat sehr bald dte entsprechenden Gesetzentwürfe vopzulegen. Für die Zukunft noch bedeutungsvoller als diese Sparmaßnahmen wird die dem wirtschaftlichen Ausbau gew8>- mete Tätigkeit der Regierung sein.
In dieser Hinsicht betrachtet die Regierung be- I sonders den Ausbau der handelspolitischen I Beziehungen zum Ausland als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Denn hier sieht sie den wichtigsten Hebel zur endgültigen Sanierung der I österreichischen Volkswirtschaft. Zu den bereits ab- geschlossenen Meistbegünstigungs- unb Tarifverträ- I gen werden in kurzem neue kommen. So mit Groh- I britannien, mit Amerika, Holland, Norwegen und I der Türkei. _ Wirtschaftlich besonders wichtig sind für uns natürlich die Handelsverträge mst unseren I Nachbarstaaten, die sich in Vorbereitung befinden. I
Wir sind uns dessen bewußt, daß der Erfolg der I Sanrerung nicht allein von unseren Anstrengungen abhängt. Man hat Oesterreich in den letzten Monaten bisweilen eine glückliche Insel genannt, und dieser Vergleich kennzeichnet gewiß in emem bestimmten Ausmaße die tatsächliche Lage, '^°^rn, als Oesterreich sich früher als mancher Nachbarstaat der Inflationswirtschaft der Nach- I rnegs^t mit all ihren furchtbaren sozialen und I politischen Nebenerscheinungen zu entwinden verstanden hat. Mr verhehlen uns jedoch nicht, daß I
Fülle ber vorhandenen Möglichkeiten keineswegs leichtes Untersuchung. m.
Ausgeräuselte Wolle
kann man besser gebrauchsfähig machen, wenn man sie um ein kleines Brettchen wickelt, in kaltes Wasser legt, bis bie gäben gut durchtränkt sind, unb bann langsam trocknen läßt. Der gaben wirb hierdurch ganz glatt
Lackschuhe
bürfen im Winter niemals an einem kalten Orte aufbewahrt werben. Auch das Abreiben mit Oel ist fastch. Man verwenbe Zwiebelsaft zum Reinigen unb poliere trocken nach.
Nichts können wir tun! rief ich verzweifelt. Das kinzige Msttel wäre noch, aus allem verfügbaren Holz im Floß zu bauen ...
Bei solch einer See? fiel Helga mir ms Wort.
Ich antwortete nicht, denn auch mir war das Wahn- witzige eines derartigen Planes nur allzuklar.
Unb was soll aus meinem Vater werden? Ich mcchte mein Leben hmgeben, wenn ich ihn dadurch retten konnte Was äugen mir bei diesem Sturm mit emem Kranken an, der nicht einmal imstande fft sich ohne Hilfe zu bewegen?
seine Erfahrung wird uns von großem Nutzen fein, erwiderte ich; kommen Sie, wir wollen ihn auf- suchen. 1
Helga öffnete die Tür der Kabine, wandte sich aber sofort, den Finger auf die Lippen drückend, wieder zu mir zurück. Der Kapitän lag regungslos in den Kiffen unb hätte feine Brust sich nicht leise gehoben nud gesenkt, so hätte man ihn für eine Leiche halten können. M-t zärllicher Liebe, aber auch mit tiefer Trauer, blickte Helga lange Zeit auf ihren schlummerden Vater, dann setzte sie sich neben mich und flüsterte:
Ich werde ihn nicht lange mehr behatten.
Diesem Schmerz gegenüber war jedes Trösten vergeblich. Nur durch den Hinweis auf die vor kurzem gesichtete Dampffregatte und die Notwendigkeit, das Schiff so lange flott zu erhalten, bis irgendein Darüber« segelndes Fahrzeug uns Hilfe brächte, versuchte ich Hel- I gas gesunkenen Mut zu beleben.
Langsam verstrich die Zeit. Gegen ein Uhr mittags ging ich wieder an Deck, prüfte das Steuerruder, sah nach dem Wetter und untersuchte den Wafferstand. Ich konnte kerne wesentliche Steigung wahrnehmen. Frei- lich gestattete das schwere Rollen der Bark mir auch kein sorgfälliges Peilen. Ehe ich wieder in die Kajüte ging, fah ich mich aber noch an Deck nach brauchbarem Material zu einem Floß um. Auf dein Kombüsenbach Entdeckte icy eine Anzahl sicher befestigter Spieren, die im Verein mit einem Hühnerstall, einigen Lukenkappen I unb den keinen Wasserbehältern, aus denen die Mann-
I schäft ihr Trinkwasser zu holen pflegte, uns vielleicht I gute Dienste leisten konnten.
Doch ein Blick auf die See zeigte mir von neuem I die Aussichtslosigkeit dieses Planes, und mit geballten I Fäusten lauerte ich mich im Schutz der großen Reeling I düster brütend zusammen. Gestern noch hatte ich festen I und sicheren Boden unter den Füßen — heute weinte I meine arme alte Mutter sich um mich die Augen aus, und in der schaumbedeckten Tiefe, in der bas hilflose Schiff Zoll um Zoll versank, schliefen meine nng'iick- lichen Kameraden.
Das Iloß.
Wie wir den Rest dieses ersten Tages neilCviat, weiß ich heute nicht mehr; nur ein Eindruck ist mir aus jenen Stunden geblieben:
Die qualvolle Arbeit an den Pumpen! Das dumpfe Quälen — bas Ankämpfen gegen eine Unmöglichkeit!
Denn das Wasser stieg beständig, unaufhaltsam. Es hätte der unausgesetzten Tätigkeit beider Pumpen be- durst, um ein weiteres Steigen des Wassers zu ver- h'ndern, und dazu gehörte eine Schar kräftiger Männer, die einander regelmäßig ablösen konnten . . .
Der Kranke schlief bis tief in den Nachmittag hinein, schien sich aber nicht erholt zu haben, denn er bestürmte mich, als ich die Kabine betrat, wieder in so fieberhaft aufgeregtem Tone mit Fragen, daß Helga, die neben dem Bette ihres Vaters eingeschlummert war, erschreckt in die Höhe fuhr. Natürlich konnten wir dem Kranken die Gefahr, in der wir schwebten, auf die Dauer nicht verhehlen, und nachdem seine Verzweiflung sich in lauten Klagen erschöpft hatte, lehnte er, dumpf vor sich hin brütend, in den Kissen, wie ein Mensch, der alle Hoffnung aufgegeben hat
Mit Grauen sahen mir der Nacht entgegen, die mit ihrem undurchdringlichen Dunkel den geringen Nest ccn Lebensmut in uns völlig zu ersticken drohte. Schon I lange vor acht Uhr mußten wir die Kompaß- und Kajütenlampe anzünden, und nachd:m wir uns durch I ein paar Dissen gestärkt hatten, gab ich Helgas dringenden Bitten nach und streckte mich auf der Polsterbank in der Kajüte noch ein wenig zum Schlafen aus. Um 1 neun Uhr sollte Helga mich wecken. Dann wollten wir zunächst nochmals unser Heil an den Pumpen ver- I suchen; hierauf beabsichtigte ich bis elf Uhr zu wachen, I