yimemumnrer
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Tlr. 276.
BerantwortUcd für die Echriitleilung: Dr. Johannes Kramer. Luzeigen: I. D arreller, Fulda. Rotationkdruck und Verlag der :: Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernlvrecher Nr. 9. ::
Be^uakvreiS: Monat Dezember 2.59 Goldmarl frei Laus.
Samstag, l. Dezember 1923.
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50. Zahrg.
binettsbildung sind soweit vorgeschritten, daß
sie
das
Amtlich wird «ms Berlin gemeldet: Die Der- harlidlungen des Abgeordneten Marx über die Ka-
Alles fertig, Herr!
Und die Abholleinr?
Ebenfalls, Herr!
Na, dann also Achtung, Jungens l
Eine sekundenlange Pause folgte.
Los! kommandierte ich jetzt mit lauter Stimme.
Ein rascher Schnitt durch die Laschung befreite das Boot von der Haltekette, ein kurzes Klirren, und mit langsam zunehmender Geschwindigkeit glitt es fast geräuschlos dis gut gefettete Helling hinab. Heulend und zischend empfing uns die Brandung, warf uns hoch empor und blendete uns mit salzigen Schoumwolken. Mit Anspannung aller Kräfte mühten wir uns, das Boot an der Abholleine in tieferes Wasser hinauszubringen und auf die Sturmspitze Kurs zu halten. Nach hartem Kampfe mit den tückischen Prechern spürten wir endlich unter unserem Kiel das regelmäßige Heben nud Senken der hochgehsnden See.
Jetzt erst fand ich Zeit, einen Blick nach der Küste zurückzuwerfen, wo unterdessen in der Nähe des Bootshauses ein Flackerfeuer angezündet worden war, um das dänische Schiff zu informieren, daß HUfe unter- wegs fei.
Das Flackfeuer wurde von der Bark mit einer Rakete beantwortet, deren glühend rote Feuerugel einen kurzen Moment das nächtliche Dunkel erhellte. Bald nachher loderte, um uns die Richtung anzugeben, wieder ein Signalfeuer auf dem Deck der „Anina" empor; eine brennende Teertonns, deren flackerndes Licht- uns das schwer mit den Wogen kämpfende Schiff zeigte, das von Regen- und Hagelschauern in einen magisch leuchten- den Schleier gehüllt zu sein schien.
Si- werden auf die „Zwillinge" stoßen, ehe wir da sind, rief einer meiner Leute mit einem derben Seemannsfluch, und ein anderer setzte wütend hinzu:
Warum haben die verdammten Kerls nicht schon früher signalisiert? Jetzt ist zehn gegen eins zu wetten, daß wir zu spät kommen.
Das war geschrien worden, denn der Sturm riß uns die Worte förmlich vom Munde, und man konnte sich nur mit Aufbietung aller Lungenkratf verständigen. Dazu raste d:e See, wie ich's seit Jahren an unserer Küste nicht beobachtet hatte. Bald trug sie uns auf einem Wellenkamm zu schwindelnder Höhe empor, bald schleuderte sie uns in Tiefen hinab, daß uns Hören und Sehen verging. Dennoch verloren wir keinen Augen-
Die reitende Mitte
Der neueste Stand der Regierungskrise.
des Volkes anrufen und der neuzubildenden Regierung die Ermächtigung zur Auflösung des Reichstages überlassen. Unter solchen Vvraus- setztmgen stellen wir uns zur Regierungsbildung zur Verfügung."
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Der Reichspräsident hat den Brief der Deutschnationalen sofort beantwortet. Er beruft sich auf fein verfassungsmäßiges Recht bei der Auswahl des Ministerpräsidenten.
„Wenn ich davon abfah", fo schreibt er, „eine der ueiben Oppositionsparteien mit der Neubildung der Regierung zu betrauen, so geschah das, weil ich durch meine oertrtmliche Aussprache mit den Führern der Reichstagsfraktionen am Abend des 23. Nov. zu der Ueberzeugung kommen mußte, daß für keine der beiden Oppositionsparteien die Möglichkeit der Bildung einer Regierung auf verfassungsmäßiger Grundlage vorhanden war. Außerdem hatte ich aus der Besprechung mit Euer Exzellenz (Hergt) am Freitag abend den Eindruck gewonnen, daß die Fraktion der deutsch-nationalen Bolkspartei keinen entscheidenden Wert auf die Führung bei der Regierungsbildung legte, vielmehr mit der Kanzlerschaft eines Mitgliedes der deutschen Bolkspartei oder des Zentrums einverstanden war. Im übrigen darf ich ausdrücklich darauf Hinweisen, daß ich mit dem Abgeordneten Kardorff, der mir von den Fraktionsleitungen der deutschen Volkspartei, des Zentrums und der Demokraten für die Regierungsbildung in Vorschlag gerächt roorben war, überemgekommen war, ber Fraktio» der deutsch-nationalen Volkspartei 'zwei wichtige Ressorts zur Besetzung durch Männer ihres Vertrauens anzubieten. Die Auffassung, daß jede Hinaus- zögerung einer Kabinettsbildung die Interessen des Reiches schädigt, teile ich durchaus. Nachdem mein Versuch, ein überparteiliches Kabinett, das von allen bürgerlichen Parteien getragen werden sollte, zu berufen, mißlungen war, habe ich alles getan, was in meiner Möglichkeit lag, um die im Reichstag geführten Verstände gungsverhandlungen der bürgerlichen Parteien zu beschleunigen. Diese Verhandlungen sind, wie Sie wißen, gescheitert. Darauf habe ich heute nachmittag den Reichstagsabgeordneten, Senatsprästdenten Marx, mit ber Bildung ber Regierung beauftragt, die von den Mittelparteien getragen wird."
voraussichtlich Freitag vormittag zum Abschluß gebracht werden können.
lieber die Ministerliste wird folgendes bekannt: Marx geht bei seinen Bemühungen um die Bildung des Kabinetts von dem Gedanken aus, eine Regierung zu bilden, die sich in der Hauptsache auf die Parteien der Mitte stützt, ohne eine eigentliche Koalitionsregierung zu fein, und die n i ch t ohne Verbindung nach rechts und links ist. Um eine Brücke zu den Deutschnationalen zu schlagen, hat sich Abg. Marx an den deutschnationalen Abg. Schiele gewandt, um ihn zur Uebernahme des Fmainzministermms zu bewegen. Schiele wird feine Antwort von der Entscheidung des Reichs - l a n d b u n de s abhängig machen. Ueber die weitere Besetzung des Kabinetts bestehen bis zur Stunde im wesentlichen nur 'Vermutungen. Die Mehrzahl der Blätter führt folgende voraussichtliche Minister- lffte an: Reichskanzler Marx (Z.), Vizekanzler Dr. Jarres (D. Vpt.), Aeußeres Dr. Strefemann (D. Vpt.), Inneres Dr. Hamm ? (Dem.), Finanzen: der bisherige Finanzminifter Dr. Luther ? (D. Vpt.), Post und besetzte Gebiete: der bisherige Reichspost- mmister Dr. Höfle (Z.), Justiz Dr. Emminger
Die Deutschnationalen haben einen vergeblichen Kampf um die Macht in Preußen gekämpft. Sie wollten die Krise in der Reichsregierung benutzen, um ihren früheren Einfluß in Preußen wiederzu- p em innen. Sie forderten den Posten des Ministerpräsidenten und des preußischen Innenministers für ihre Partei. Ihre unsachliche Forderung hat auf die in der preußischen Koalition zusammengeschlosse- neu Parteien offenbar provozierend gewirkt. Die bürgerlichen Parteien des preußischen Landtages, denen durch die deutschnationale preußische Landtagsfmktion das Ersuchen unterbreitet worden war, sich über die Frage einer Aenderung der großen Koasition in Preußen zu äußern, haben sich alle ablehnend geäußert.
Die demokratische Fraktion nahm einmütig folgenden Beschluß an: „Die Larrdtagsfrak- tion der Deutschen Demokratischen Partei lehnt e s a b, jetzt auch noch in Preußen eine Regierungskrise herbeizusühren."
Die Zentrumsfraktion faßte ' folgenden Beschluß: „Nachdem alle anderen Versuche zur Bil- dung eines Reichskabinetts gescheitert sind, erkennt die preußische Landtagsfraktton die Absicht, eine Reichsregierung unter Einbeziehung der Deutsch- nationalen zu bilden, als richtig an. Sie hält aber einen fachlichen Grund nicht für gegeben, in der preußischen Regierung jetzt eine Aende- rung eintreten zu lassen. Die Entwicklrmg der Der- hältmffe im Reiche bleibt abzuwarten."
Für die Deutsche Bolkspartei blieb damit keine Möglichkeit, den Deutschuatianalen wesentliche Zugeständnisse zu machen. Sie Haben einen ähnlichen Beschluß gefaßt wie das Zentrum.
Angesichts dieser Sachlage hat der Abgeordnete Stege rwa ld dem Reichspräsidenten mitgeteiü, daß er den Auftrag zur Kabinettsbildung nicht übernehmen könne, weil ein Kabinett nach seiner lieber« (egung Zur Zeit nicht möglich sei. Es sei zweckmäßig, mtt der Kabinettsbildung einen Mann zu betrauen, ber innerpolitisch weniger umstritten sei als er. Der Reichspräsident beauftragte alsdann den Reichs- tagsabgeordneten und Senatspräsidenten Marx mit der Kabinettsbildung.
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Inzwischen hatte der bisherige Finanzminister Dr. Luther, der die Geschäfte bisher weitergeführt hat, einen Brief an den Reichspräsidenten gerichtet, worin er bittet, unter Hinweis auf die bereits feit ätzten Freitag bestehende Regierungskrise und die daraus folgenden schweren Schädigungen des sinan- Mllsn Weiterlebens des Reiches, ihn von der Werterführung der Geschäfte zu entbinden, da er seine Mitwirkung an dem durch das Fehlen einer verantwortlichen Regierung stehenden Unheil vor dem deutschen Volke nicht mehr tragen könne.
Einen merkwürdigen Brief hat auch die d e u t sch- nationale Reichstagsfraktion an den Rnchsprafldenten gerichtet. Darin beklagt sie es, daß den Opposittonsparteien nicht die Möglichkeit gelben worden fei, das Kabinett zu bilden. Es
-'l005 wische Volk in fÄner übergroßen Mehrheit erwartet Abwendung von der bisherigen Regierungsmethode und eine Neuorientierung nach reck ts. Wenn der Reichstag in ^rarte-rten Zusammensetzung nicht fähig ist, dieser Strmrmmg des Volkes Ausdruck zu geben, muffen Sre, Herr Reichspräsident, die Entscheidung
Alle Mann an Lord?
Somobn war die einstimmige Antwort. Habt ihr alle eure Korkwesten an» Samof)!! klang es noch einmal zurück.
Ich selbst hatte nach einem einmaligen versuch Tragen einer Korkweste als lästig aufgegeben
Sind die Segel gelöst und klar zum Hiffen? fragte ich wetter. " ' 3
KeLga.
©eeroman von Clark Rüssel.
rief ich, sie zärtlich küfsenb. Dann noch ein kräftiger Händedruck mit Mr. Trembath, em rafiber Griff nach Oelzeug und Südwestpr — und ,rf> st.°nd °uf der Straße, halb betäubt von dem ohren- ^rrelßenben Heulen des Sturmes und geblendet von den Hagelkörnern, die mem Gesicht peitschten. Bald aber geroobnte ich mich an bas Dunkel und ben Lärm, durch ben immerdeutlicher das ständige wütende Wimmern ^r Bovtsglocke «n mem Ohr drang. Ein flüchtiger Blick auf die See zeigte nur ein flackerndes Sianalfeuer in ber Richtung der „Zwillinge" und des Dead'aw- Felsens.
Das Rettungsboot mar bereits aus dem Schuppen gezogen und bemannt worden, und einige Leute waren gerade dabei, ben Mast aufzurichten, ber wegen ber ge- ringen Höhe des Bootshauses immer umgelegt werden mußt«, sobald die „Jeanet" unter Dach gebracht wurde.
2ch sprang ins Boot und nahm meinen Platz am Steuerruder ein:
Vorwärts, Jungens!
3m Rettungsboot.
3m Schein der großen Kuppellampe, die aus dem ^Eeren des Bootshauses zu uns herausleuchtete, sah daß keiner von meinen Leuten fehlte. Doch fragte ich wie gewöhnlich:
(Bay. Vpt.), Arbeit: der bisherige Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, Reichswehr: der bisherige Reichswrhrminister Dr. Geßler (Dem.), Ernährung: Dr. Schiele (Dnatl.)
Die Verhandlungen über die Besetzung des Reichswirtschaftsministeriums und des Verkehrs- minifteriums waren in den späten Abendstunden noch nicht abgeschlossen. Die Stellung der Sozialdemokraten zu der neuen Regierung macht der „Vorwärts" abhängig von der Zusammensetzung und ber Politik des Kabinetts, erklärt aber, es fei der Regierung Marx zu wünschen, daß es ihr gelingen möge, die Geschäfte des Reiches solange zu führsn, bis die Durchführung freier Reichstagswahlen im ganzen Reiche möglich ist. In der sozialdemokratischen Partei bestehe keine Neigung, mit dem alten Reichstag ohne zwingende Not neue Krisenexperimente zu machen.
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Mit innerster Bewunderung für die sittliche Per« sönlichkeit unseres verehrten Führers Marx erfüllt uns die Nachricht, daß er selbst sich jetzt für bie un* dankbarste Rolle zur Verfügung stellt, die es zur Zeit in Europa gibt, nämlich für die, deutscher Reichskanzler zu sein. Niemand, der den Führer des deutschen Zentrums kennt, ist im Zweifel, daß Marx aus innerster Gewiffensverpflichtung heraus dies Opfer bringt. Er ist kein Wirtschaftsmann, er ist kein ehrgeiziger Parteitakliker, er ist eine Per« sönlichkeit, in der der aufopferungsvolle Heroismus eines deutschen christlichen Mannes in edelster Form lebt. Wir hoffen, baß die deutschen Parlamentarier aller Richtungen diesen Mann nur in ber Voraussetzung veranlaßt haben, bie Kabinettsbildung zu übernehmen, well sie alle, ohne Rücksicht auf die parteipolitische Einstellung bereit sind, Mm Wohle Deutschlands, des deutschen Volkes m i t« zuarbeiten. Marx wäre berufen, ein Kabinett zu führen, bas uns vergessen macht, was von feiten bes Parlaments und namentlich feinen radikalen Parteiölementsn bisher am deutschen Volke gesündigt worden ist. Soll in letzter Stunde noch Rettung kommen? Wer kann angesichts ber schlimmen Er- fafynmgen, die wir gemacht haben, da Zweifel unterdrücken? Aber eins steht fest: Wenn ber edle, vornehme Charakter, die opferbereite Staatsgesin- nung, die Liebe zum deutschen Volk, bie in tiefster Religiosität wurzelnde Persönlichkeit bes jetzt zum Kanzleramt berufenen Mannes in Deutschland für weiteste Kreise Vorbild und Ideal wirb, bann darf uns neue Hoffnung für Deutschlands Zukunft das Herz erheben.
Deutsches Keich.
* Der Reichsrat hat dem Gesetzentwurf über die Ermächtigung der ReichSregierung zur Verlängerung der Gültigkeilsdauer deS vorläufigen Handelsübereinkommens zwischen der deutschen Regierung und Bet spanischen Regierung bis zum 31. Mai 1924 und dem Gesetzentwurf über die Bilanzierung wertbeständiger Schulden zugestimmt.
* Bon den Kommunisten. Nach dem Vorbild der K. P. D. soll laut Vorwärts auch die kommunistische Jugend Deutschlands in eine illegale Eeheimorganisation umgewandelt werden. Die alte Organisation wird als aufgelöst erilart. Eine Organisalionskommission hat sich als neue Reichsleitung konstituiert.
blick unsere Kaltblütigkeit; unbeweglich hockten meine Leute auf den Ruderbänken, ließen sich gleichmüttg vom schäumenden Gischt bis auf die Haut durchnässen und richteten die wetterharten, wie aus Erz gegossenen Gesichter unverwandt nach dem Punkte, wo bei jedem Heben des Bootes das gespenstich flackernde Signalfeuer der „Anina" sichtbar wurde.
Schon nach kurzer Zett hatten wir uns der dänischen Bark fo weit genähert, daß wir in den Wanten ihres Fockmastes eine Anzahl Menschen hängen sehen konnten.
Der Bootsmann zeigte ein Flackerfeuer, dessen smaragdgrünes Licht Doot und Schiff mit blendender Helligkeit übergoß.
Focksegel herunter! kommandierte ich und brachte durch ein« Wendung des Steuerruders das Boot etwa dreißig Faden von ber Bark ab in den Wind.
Anker nieder! Masten umlegen! Fier weg das Ankertau! klangen die nächsten Kommandos, die prompt und schnell ausgeführt wurden. Rach wenigen Minuten hatten wir neben der Bark angelegt und versuchten, uns mit ben im Takelwerk hängenden Dänen zu verständigen.
Soviel ich in dem ungewissen Licht sehen konnte, hatten sich etwa sechs ober sieben Mann in den Wanten des Fockmastes festgeklammert, und einige andere schienen noch im Takelwerk des Besanmastes zu hängen. Hinter dem Heck des Schiffes schimmerten bi« von weißem Gischt umsprühten „Zwillinge" in bedrohlicher Nähe, und bie hochgehenden Wogen verminderten die beängstt- genb geringe Entfernung zwischen der Dark und den Felsen noch mit jeder Minute. Höchst« Eile tat not, wenn wir uns selbst und die gefährdete Besatzung in Sicherheit bringen wollten.
Springt, Leut«, springt! schrieen wir aus vollem Halse den fremden Matrosen zu.
Es dauerte lange, bis die von Kälte und Angst halb Betäubten uns begriffen hatten. Endlich wagte einer von ihnen den gefährlichen Sprung, und in kurzen Zwi. djenräumen folgte bei jedem Heben des Bootes ein an. derer, bis ein regelloser Haufen stöhnender Menjchen auf dem Boden der Lernet" lag.
vie Rheinlandstage.
Der 5 4 e r A u s s ch u ß für bie besetzten Gebiete wurde gewählt. Er besteht aus 20 Mitgliedern des Zentrums, 20 Sozialdemokraten, 8 Mitgliedern der Deutschen Volkspartei, 4 Deutschnationalen und 4 Demokraten. Außerdem wurde beschlossen, den Ausschuß um zwei Mitglieder zu vermehren. Es werden auf diese Weise noch zwei Kommunisten in den Ausschuß gewählt. In dem Ausschuß befinden sich u. a. Dr. Imbusch (Ztr.), Dr. Klöckner und v. K r u p p.
Die Regiebahn.
Nach einer Havasmeldung aus Düsseldorf hat die französisch-belgische Eisenbahnregie bis setzt 48 156 deutsche Eisenbahner eingestellt.
Eine Beurlaubung.
Wie die Boff. Zig. aus Essen meldet, haben die Franzosen die endgültige Beurlaubung des E s s e n er B ürg e r m e ist e rs Schäfer angeordnet,! der zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Schäfer wird voraussichtlich noch diese Woche sein Amt wieder antieten.
TaS rheinische Geld.
Nach einer Meldung des Lokalanz. aus Gelsen- kirchen fin» die Verhandlungen über ein wertbeständiges Geld für das besetzie Gebiet bis zur Errichtung der rheinischen Goldnotenbank zum Abschluß gekommen. Die rheinisch-westfalischen Landesbanken übernehmen die Ausgabe des Geldes. In drei Städten des besetzten Gebietes werden Druckstellen errichtet. Die Landesbanken decken das Geld mit 60 Prozent Goldanleihe, für die restlichen 40 Proz. haben die Städte Wechsel zu liefern, für die das Reich wieder Goldanleihe gibt, sodaß das Geld voll gedeckt sein wird.
(Ein -eutsch-sranzöfischer Zwischenfall,
Französische Repressalie.
Vor kurzein ist an ber deutsch-schweizerischen Grenze, auf deutschem Boden, bei Singen, ein französischer Hauptmann Pendarces dÄrmont festgenommen worden, der fest mehreren Jahren dem französischen Generalkonsulat in Bafel zugetellt ist und von dort aus wirtschaftliche und politische Spionage gegen Deutschland betrieben hat. Auf Grund des umfangreichen Belastungsmaterials hat der Oberreichsanwalt Strafverfahren gegen d'Armont eingeleitet. Die französische Regierung hat sich für ihren Agenten eingesetzt, imb unter ber den Tat- fachen nicht entsprechenden Vorgabe, die Verhaftung sei auf schweizerischem Boden erfolgt, „Repressalien" rm besetzten Gebiet an gedroht. Die deutsche Regierung hat hierauf in zwei Noten gegenüber der fran- zösischen Botschaft festgestellt, daß eine gerichtliche Untersuchung an Ort und Stelle einwandfrei ergeben hat, baß die Verhaftung des französischen Hauptmanns an der deuffch-schweizerffchen Grenze aus beuffchem Gebiet erfolgte. Die bentsche Regierung protestierte unter Hinweis auf ben Bericht ber schwerzerffchen Zollbeamten an ihre Regierung, welcher die deutsche These betätigt, feierlich dagegen, daß die französischen Behörden als Repressalien den Senatspräsidenten Lenzberg vom Oberlandesgericht Düsseldorf verhaftet haben.
preußischer Landtag.
Der Landtag beschloß mit Rücksicht auf die Abgeord- net«n-3mmunität die sofortige Haftentlassung der am Dienstag verhafteten kommunistischen Abgeordneten Frau Wolfsstein.
Ohne Debatte wurden darauf eine Reihe kleinerer Vorlagen erledig.
■ Präsident ßemert beraumt die nächste Sitzung auf Freitag an. Auf der Tagesordnung stehen kleinere Vorlagen.
Jetzt vorwärts, Jungens! Führt das Doot unteH Besanswanten, kommandierte ich.
Dort ist niemand mehr, Herr! rief einer meiner Leute.
Ich sah noch einmal scharf zu dem Besanmast hinüber und mußte dem Mann« recht geben, denn auch ich konnte jetzt niemand mehr in den Wanten entdecken; es mußte wohl eine Sinnestäuschung gewesen fein, daß ich vorhin dort Menschen zu sehen glaubte.
Ist noch jemand auf dem Schiff? fragte ich die gereiteten Matrosen.
Einer von ihnen ächzte eine Antwort, die aber vom Heulen des Sturmes übertönt wurde.
Es müssen jetzt alle sein, Herr, meinten meine Leute. Die Backbarddavids sind leer; die übrige Mannschaft wird sich in den Booten gerettet haben.
Eine gewaltige Woge hob die „Jeanet" so hoch, daß • ich das Deck der Bark bequem überblicken konnte — es war leer. Ich wartete noch die nächste Well« ab, damit meine Leute sich ebenfalls davon überzeugen sollten, und auch st« konnten auf der „Anina" kein lebendes Wesen mehr entdecken.
Dann oorroärts, Jungens! kommandierte ich uni nahm meinen Platz am Steuerruder wieder ein.
Da tauchte Über der Reeling der dänischen Dark ein Kopf auf, und eine Helle Knabenstimme rief in reinstem Englisch zu uns herüber:
Um Gottes Barmherzigkeit willen, verlaßt uns nicht! Mein Vater liegt krank und hilflos in der Kajüte.
Herrgott, wie ich erschrak.
Wie viele seid ihr noch an Bord? schrie ich hinüber.
Zwei. Eine gewalttge Welle riß uns hinab, und gleich einer gigantischen Mauer ragte ber Schiffsrumpf etwa fünfzig Fuß hoch neben uns empor, während wir — wie in einem Abgrund — über uns den Sturm heulen hörten.
Kann Euer Vater allein an Deck kommen? brüllte ich, als die Wogen uns endlich wieder emporhoben.
Nein, er kann sich nicht rühren! Muß getragen wer, den!! klang es in herzzerreißendem Jammern zurück
titorfi».feung folgt.)