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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 270.

Verantwortlich lüt die Cchriitleitung: Dr. Johannes Kramer. Anzeigen: I- $ erteilet. Fulda. Rotalwnkdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckere: in Fulda. Fernivrecher Nr- S.

Bezugs drei»: Woche 24.-30. Nov. 0.40 «oldmark frei SauS-

Samstag, 24» November 1923.

Anzeigen -Drelle: Äleimeile (Colonel) Iota 0,10 Goldm., auS- würts 0.15 Goldm.: Steflamejeile total 0,40, auSoärtä 0,50 Goldm. (für Ann.-Trv : Grundpreis f. Anzeigen SO- Reklamen 270,- mal s Echlültelzahl des Berens deuticher Zeitung» - Verleger.) ::

50. Zahrg.

8kW Kommisten Md IMWldWk.

Verbote durch den MilitSrbefehlshaber.

Die Verhandlungen im Reichstag. — Kanzlerrede.

Als wichtigstes polilisches Ereignis der letzten Stunden muß wohl das Verbot der links- und rechtsradikalen Organisationen bezeichnet werden, das General v. Seckt erlassen hat. Eine Drahtmeldung besagt:

wtb Berlin, 23. Nov. (Tel.) Durch einen Befehl des Generals von Seeckk find für das ganze Reichsgebiet verboten: Sämtliche Organisationen und Einrichtungen der

kommunistischen Vartei Deutschland, der kommunistischen Jugend und der kommunistischen Internationale.

In der *

Begründung

wird gesagt: Durch die Vorkommnisse in Sachsen. Hamburg und Thüringen ist erwiesen, daß die kom­munistische Partei bestrebt ist. Soldaten der Wehr­macht zum Ungehorsam gegen Vorgesetzte und die Bevölkerung zum widerstand gegen die Anord­nungen der Regierung und der vollziehenden Ge­walt zu verleiten und durch Generalstreik und be­waffneten Aufstand die verfassungsmäßige Staats­form des Deutschen Reiches umzustürzen. Die kom­munistische Jugend hat sich an den Beratungen durch die Tat und durch mündliche und schriftliche Kundgebungen beteiligt. Die 3. Internationale, der die kommunistische Jugend Deutschlands ange­hört, hat diese Bestrebungen ebenfalls begünstigt und für sie durch Schriften geworben.

Ebenso verboten sind sämtliche O r g a n i s a - lionen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und der Deukschvöl- kischen Freiheitspartei.

Die Begründung vesagl: Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei hat es unternommen, Soldaten der Wehrmacht zum Ungehorsam za verleiten und die Regierung des Deutschen Reiches durch bewaffneten Aufftand zu stürzen. Die Deukfchvölkifche Partei vertritt die­selben Ziele wie die Nationalsozialistische Arbei­terpartei. Ihr Führer, v. Gräfe, hat an dem Umsturz in München keilgenommen. Dabei wurden die Soldaten der Wehrmacht zum Ungehorsam aufgefordert.

Die Rnchstagsfitzung

am Donnerstag bat noch keine Entsiteidung ge­bracht. Der Störenfried Re mm eie wurde von der Poliiei am Betreten des Reichstagsgebäudes ver­hindert. Der Reichskanzler wurde von den an­ders» Kommunisten zwar wiederholt in seiner Rede, die er gleich noch Eiöffnung der Sitzung begann, gestört, setzte sich aber schnell durch.

Die Kanzlerrede, die sehr wirksam war, gipfelte in folgenden Aus­führungen;

Wir find erst jetzt eigentlich in die Liquidation des verlorenen Krieges und Friedens eingetreten. (Zustim- mung). Deutschland erliegt dem Druck ferner (Seiner. Unser» einzige Waffe ist die Solidarität des deutschen Volles. Da darf keine Scheidung künftig gemacht werden zwischen den sogenannten nationalen und nicht nationalen Parteien. Jetzt geht eS nicht um Restau­ration oder Revolulion, sondern um Evolution und Zusammenfassung. Machtpolitik kann auch tm Innern nicht dauernd getrieben werden. Ich sage offen daß ich den Z usammenb ruch der großen Koali-

Die Soldglasur.

Roman von Martin Korch.

Genehmigte Uebertragung von Mathilde Mann.

45] ---------

»Was uns auch in der Welt begegnen mag, unser Glück kann uns niemand mehr nehmen. Unser Leben wird sich anders gestalten als bisher, aber in Gottes Namen wollen wir ■ sicher und ruhig vorwärts wandern. Unsere Herzen waren zerbrechliche Gefäße, liebe Ellen, ohne Kraft, etwas zu ertragen; da schickte uns Gott in seinen großen, mächtigen Ofen, und wir wurden durch Leid und Kampf gebrannt. Aber jetzt, glaube ich, haben wir ein wenig von seiner Glasur bekommen und können UNS mit seiner Hilfe halten, bis er uns einstmals zu sich holt. Und bann hoffen wir sicherlich, daß die beiden Gefäße trotz ihrer Gebrechlichkest Gnade vor seinen Augen finden mögen. Wir wollen uns gegenseitig helfen m allem, was gut ist, sodaß alle an unserem Glück An­teil haben können. Der alte Onkel Jakob und alle an­deren, die uns kennen und lieb haben, fallen fühlen, daß unsere Herzen eine haltbare, gute Glasur bekommen haben . . ."

Kaj wurde von Onkel Jakob unterbrochen, der die Türe aufftieß, die nur angelernt gewesen war, und mit strahlendem Gesicht ins Zimmer trat.

„3a, eine gute Glasur!" Er ergriff ihre Hände. »Die Goldglasur, Kinder! — des lieben Gottes eigene Goldglasur! . . . Ich habe gelauscht, ihr Lieben, und ich danke Gott dafür, lieber Junge. Jetzt weiß ich, daß der Auftrag deiner Mutter ausgeführt ist. Ich vermochte es nicht, aber da kam Gott, und der hat alles voll­bracht!"

Onkel Jakob setzte sich auf den Rand des Bettes, und Ellen gab ihm den Kuß, den er noch zu gute hatte, und streichelte ihm die runzeligen Wangen, während Kaj hin­ter ihnen stand und ihnen zusah.

13.

Unten in den Zimmern herrjchte mägrenbteijeit große Geschäftigkeit. ___

Hon bebaute. Darin stimme ich überein mit Herrn v. Kahr, der ja auch sein Bedauern ausgesprochen hat darüber, daß er bei Bildung seines früheren Ministeriums nicht die Beteiligung der Sozialdemokraten fand. (Hei­terkeit.) Der Parlamentarismus leidet gewiß unter den Kinderkrankheiten eines neuen Sy­stems, aber wenn nah dem Vorschlag des ftbg. Hergt an die Stelle der Parteien die Wi 11 s cha f ts ver­bünd e treten, dann würde der reine Mater ialiS- mus herrschen und nicht das Jntereffe des deutschen Volkes, sondern da? einzelner Fachgruppen maßgebend sein. Zn der Kritik, die Herr Hergt als Chef der neuen Regierung (Heiterkeit) an der alten geübt hat, kann ich nur sagen, daß ich das Programm der neuen Negierung noch immer vermesse. DaS neue Kabinett des Vertrauens ist ja noch parnicht da. Wir wünschen die schleunige Entscheidung der Vertrauensfrage, schließlich entscheidet das Ge­wissen. Wir haben die Uebeizeugung, daß wir ge- wlffenhaft unsere Pflicht getan haben. (Lebhafter Bei- fall in der Mitte, Händeklatschen auf den Tribünen)

Der Mißlrauensanlrag der Deukfchnalionalen.

Von der deutschnationalen Fraktion ist folgender Mißtrauensantrag einge­gangen: Der Reichstag entzieht der Regierung bas Vertrauen, dessen sie nach Artikel 54 der Reichs­verfassung bedarf.

In der Debatte sprach zunächst der Reichs- fmanzminister Dr. L u t h e r. Er erklärte:

Die Rentenmark könne nicht ausgeweitet werden, damit nicht auch sie der Inflation verfällt. Wir wer­den genötigt sein, eine neue energische Steuer­politik auf Grund des Artikels 48 der Reichsver­fassung durchzusetzen. Diese Steuetfoiberunaen werden in keiner Weise niedriger sein als die meines Amts- Vorgängers Hilferding. Selbst diese Steuern werden zur Deckung der ReichsauSgabcn nicht auSreichen. Wir werden bis zum 30. September 1924 zu einer allmäh. lieben Heraufsetzung der Mieten kommen. Nach, dem jetzt die Anzeichen einer fortschreitenden Stabili- sierunii unseres Geldes bemerkbar sind, werden wir mit äutz-rster Energie gegen die Ucberfdjreitunaen der Gol dmarkpreise vorgehen. Da- deutsche Volk braucht heute den Willen zur Arbeit und zur Armut. (Beifall bei der Vpt.)

Abg. Dr. Marx

gab bann für die Z entrums par t e i eine Er­klärung ab:

Darin wird bedauert, baß bas Reich in biefem Augenblick ber schwersten Bedrängnis durch die Feinde von innerem Parteihaber zerklüftet wirb. Aus oaterlänbifchen Gründen werbe sich bas Zentrum Hin­te r bie Regierung Stresemann stellen trotz vieler Bebenken innerpolitischer Art. In ber A u ß e n- Politik billige bas Zentrum durchaus bie Haltung des Kanzlers. Cs billige auch bas Vorgehen gegen S a ch - sen unb Thüringen unb erwarte, baß balbigft bas Verhältnis zwischen Bayern unb bem Reiche in ver­fassungsmäßige Bahnen geleitet wirb. Die Erklärung schließt mit der Versicherung unerschütterlicher Treue des Reiches zu der Bevölkerung im gefährdeten Rhein- undRuhrgbiet. »

Es folgten noch Reben ber Abgg. Dr. Scholz (D. Vp.) unb d, Gräfe (Deutschvölkisch). Zum Schluffe gab es lange Auseinanberseßungen zwi­schen Abgeordneten < und dem Reichswehrminister über mehr ober weniger belanglose Einzelheiten in Sachsen unb Thüringen. Am Freitag wird die Sitzung 11 Uhr vormittags fortgesetzt.

Auch die Sozialisten

haben ein Mißtrauensvotum eingebradjt Der Antrag lautet:

-Die Neichsregierung hat den militärischen Aus­nahmezustand gegen wachsen und Thüringen, ohne daß

Der Rechtsan^ilt Selbold war schon längst mit einem Referendar als Gerichtsbeamten und dem Polizeiaffi- stenten eingetroffen. Er war drüben in der Fabrik ge­wesen, wo die Arbeit ihren ruhigen Gang ging. Selbold machte den Führer, als gehöre das Ganze bereits ihm; er erzählte, welche Veränderungen er vorzunehmen ge­denke, und machte die weitfliegendsten Pläne für die Zukunft.

Die Herren waren ganz begeistert bei dem Anblick all der schönen Sachen, die da standen, und Selbold nahm ihre Lobreden in Empfang, als habe er die Waren h-r- gestellt. Larsen unb Frank sahen ihn wütend an. Da ging Selbold auf Larsen zu, ber gerade am Formen war:

„3a, Sie wissen doch, daß Sie von morgen an für mich arbeiten?" jagte er überlegen.

Larsen ließ bie Arbeit ruhen, schob den Schlapphui m den Racken unb paffte wütend an seiner Zigarre, während er seine Augen eine Wanderung über die ganze lange Person des Rechtsanwalts vornehmen ließ, von dem hoh^' Zylinder bis hinunter zu den Stiefelspihen.

„Nein, nein, davon weiß ich noch gar nichts," sagte er in einem spöttischen Ton.

„Nicht?" entgegnete ber Rechtsanwalt ein wenig un­sicher. „Nun, ich nehme an, bie Sache wird sich so ent­wickeln, daß ich heute noch Besitzer ber Fabrik werde."

„Hm, nehmen Sie das an?" meinte Larsen noch im­mer in einem halb unverschämten Ton. „Ja, dann nehme ich an, daß Sie Ihre Sachen selbst formen müffen, denn ich tu es nid). Ich bin hier fertig."

„Soo?" Selbold drehte sich auf dem Absatz herum — „na ja, Leute kann man genug kriegen."

(Es war ihm unangenehm, daß ber Referendar bie Unverschämtheit bes Kerls mit angehökt hatte. Jetzt wollte er zu Frank hinein, ber m ber Glasierstube stanb. Den hatte er in der Tasche, bas wußte er.

-,Na, Frank, in Zukunft werden wir beibe ja wieder mit einander arbeiten:" warf Selbold gemütlich hin.

Aber Frank sah mit einem verlegenen Lächeln auf und schüttelte den Kopf. „Nein, Herr Selbold, daraus wird nichts!"

„Warum denn nicht, mein fieber Frank?" ‘

| hierfür sachliche Gründe Vorlagen, in schärfster Form < angewandt, gegen die verfa^ungSwibrigen Zustände in Bayern aber nichts Entscheidendes getan. Sie hat daher nicht das Vertrauen beS Reichstages."

Die Ausfichken für die Abstimmung.

Wie aus Berlin gemeldet wird, werden die Deutschnationalen für das motivierte so­zialdemokratische Mißtrauensvotum nicht stimmen, während andererseits auch die Sozial­demokraten nicht für das allgemein gehaltene deutschnationale Mißtrauensvotum ihre Stimme ab­geben werden. Infolgedessen dürften die beiden Mißtrauensanträge mit verschiedenen Mehrheiten abgelehnt werden und dos Kabinett Stresemann wäre auf diese Weise formell nicht zum Rücktritt gezwungen. Da jedoch der Reichskanzler sich mit der Ablehnung der Mißtrauensvoten nicht begnü­gen werde, würden wahrscheinlich noch in der Nacht die Mittelparteien einen

Dertrauensantrag

für das Kabinett Stresemann formulieren und nach der Geschäftsordnung müßte dieser Vertrauens­antrag als der weitestgehende zuerst zur Abstim­mung gelangen. Für ihn dürften lediglich die Mit­telparteien stimmen, gegen ihn die gesamten Oppo­sitionsparteien. Der Dertrauensantrag würde bei diesem Stimmenverhältnis der Ablehnung ver­fallen. Mehrere Blätter führen bereits Kombina­tionen für die

Bildung des neuen K a bi nett s an und nennen auch einige Namen.

Die Rede Dr. Strefemanns wird nur in einem Teil der Presse ausführlich kommentiert. Die deutschnationalen Blätter kommen zu dem Schluß, daß der Tag den Bankerott des Parlamentarismus angezeigt habe. Die demokratischen Blätter nehmen zwar zu einzelnen Punkten der Ausführungen Strefemanns Stellung, das „Tageblatt" stimmt ins­besondere der Außenpolitik Strefemanns zu, kom­men aber zu keinem abschließenden Urteil über die Rede. Der „Vorwärts" kritisiert die Erklärungen Strefemanns in der Frage des besetzten Gebiets, in der bayerischen Angelegenheit und die Aussührun- gen des Kanzlers über den militärischen Belage- rungszustand und erklärt, daß die Mitteilungen Strefemanns über diese drei Fragen nicht befrie­digen konnten.

Unruhen im besetzten Gebiet.

Im Laufe des Donnerstag wurden, wie aus Köln gemeldet wird, an verschiedenen Stellen, so in Kalk, Nippes und Eigelstein nicht gestattete Versammlungen von Erwerbslosen durch die Polizei aufgelöst. In Nippes mußte die Polizei hierbei von der Hiebwaffe Gebrauch machen. Auf dem Hofgut Ariel wurden 50 Schweine ge­stohlen. Hier sind die Plünderer entkommen. Eine von der Teutoburgerstraße nach dem Süd- bahnhof ziehende Menge von 4 bis 5000 Personen wurde von der Polizei zerstreut. Als am Eifelplatz ein Polizeikommissar und zwei Beamte den Demon- stranten entgegen traten, wurden sie von der Menge niedergeworfen und entwaffnet: als weitere Polizei eingriff, ftüditete die Menge. Im ganzen wurden bis jetzt 46 Personen wegen Teilnahme an den Plünderungen verhaftet.

* Auch in Essen ist es abermals zu Unruhen ge­kommen. In Rotthaufen wurde die dortige Polizei­wache von der bewaffneten Menge angegriffen. Ein Polizei beamtet- wurde getötet. Im Laufe des späteren Nachmittags kam es in Essen wiederum M Zusammenstößen, bei denen die Polizei von der

Der Alte sah listig auf. Er sah erst Selbold an, bann bie anderen Herren. „Nein, Herr Selbold, denn Sie kriegen diese Fabrik nie, — nie tm Leben, bas will ich Ihnen nur sagen!"

"Wie beliebt? Wollen Sie mich zum Narren halten? Glauben Sie, baß wir heute zum Vergnügen hier brau- ßen sind?" Selbold mürbe ganz unbehaglich zu Mute.

„Ne, zum Vergnügen nich', Herr Selbold; dar weiß ich wohl, aber . . ."

„Das glauben Sie denn, Mensch?"

„Ich glaub', Sie ziehen wieder von hier ab mit, mit etner . . ." Frank hielt plötzlich inne.

„Was meinen Sie, Mensch? fiat Funke plötzlich Selb bekommen? Erzählen Sie, was geschehen ist!" Sollte Frank wirklich etwas wiffen, so war es bas beste, es aus ihm herauszulocken.

"Nein, geschehen ist nichts, Herr Selbold, und ge­schehen tut auch gar nichts, bloß daß Sie die Fabrik nicht kriegen!"

„Schafskopf!" murmelte Selbold, zuckte die Achseln und ging weiter. Franks Worbe hatten ihn aber doch unangenehm berührt.

Als man nun auf den Hof hinüberkam, wo die Amts­handlung vor sich gehen sollte, war noch ein anderer Wagen angekommen, in dem ber alte Rechtsanwalt Oern und Herr Meier saßen. Selbold beunruhigte bas nicht: es war ja ganz in ber Drbnung, baß Funkes Rechtsbei-, stand zugegen war, unb Meier kannte er nicht.

Karen führte bie Herren in bie Wohnstube unb sagte, sie wolle Funke rufen; erst aber wollte sie mit Tic ter reden.

Sie war den ganzen Tag so todunglücklich gewesen, sie konnte sich gar nicht mit dem Gedanken vertraut ma­chen, daß die Fabrik Kaj genommen werden sollte, und sie hatte in ber letzten Zeit mehrmals zu Meier ge­schickt, aber der war beständig auf Reffen gewesen. Unb nun kam er selbst unb sah so geheimnisvoll aus. Sie bat Meier, einen Augenblick ins Eßzimmer zu kommen. Bleich und zttternd vor Spannung stand sie ihm gegen­über; sie wagte kaum zu fragen, sie war so bange, baß ihrer eine Enttäuschung harre, unb doch war bie Hoff­nung wieder wach in ihr geworden

Molkt am werk.

Vorgänge in Leipzig, wo ein belgischer Offizier belästigt worden sein soll, haben dem General Nol- let Veranlassung zu diplomatffchen Schrillen ge­geben. Es wird gemeldet:

wtb Paris. 23. Nov. (Tel.) Die Havas- Agentur meldet aus Brüssel: General Rollet wird im Einvernehmen mit den belgischen Behörden eine Role an bie Botschafterkonferenz richten, in der über die Zwischenfälle in Leipzig be­richtet wird. Die belgische und die französische Re­gierung feien einig, Geldentschädigungen und Sanktionen zu verlangen.

Seine Antwort auf die Entente-Roten.

Das „D. T." erklärt nach Erkundigungen an unterrichteter Stelle, daß die Pressenachricht, die Reichsregierung beabsichtige auf die Note der Bot­schafterkonferenz über die Wiederauf­nahme der Militärkontrolle in Deutsch­land eine Antwort zu erteilen, in der voraussichtlich die grundsätzliche Bereitschaft zur Erfüllung der Kontrollparagraphen des Friedensvertrages ausge­sprochen, aber nochmals auf die Gefahr möglicher Zwischenfalle hingewiesen werde, nicht den Tat­sachen entspricht. In der Note der Botschafterkon­ferenz ist eine Antwort von der Reichsregierung gar nicht verlangt worden. Zu einer Antwort liegt zurzeit umso weniger Veranlassung vor, als die Botschafterkonferenz felbst noch eine weitere Mit­teilung durch die Vorsitzenden der Kontrollkommis­sion und dem Luftfahrt-Garantie-Komitee in Aussicht gestellt hat.

Die Separatisten in Ludumshafen.

ntd Ludwigshafen, 23. Rov. (Tel.) Heule in den frühen Morgenstunden sind die Separatisten von Speyer aus auf mehreren Lasikrasiwagen über- laschend eingedrungen. Die Schutzpolizei wurde am Bahnhof und anderen Plätzen ent­waffnet. Mehrere Schutzpolizeibeamle wurden verschleppt.

Aus Li m b u r g sind die Separatisten mit Un­terstützung des französischen Platzkommandante» verjagt worden.

Schußwaffe Gebrauch machen mußte. Französische Patrouillen mit Panzerkrastwagen standen zur Si­cherung bereit. Bei einer Schießerei wurde auf Seiten der Polizei ein Beamter getötet und ein weiterer Beamter durch einen Lungenschuß schwer verwundet. Soweit bisher bekannt, hatten die Demonstranten 15 Verwundete; die Zahl der To­ten steht noch nicht fest. Von der Polizei wurde eine erhebliche Anzahl Personen, die Waffen bei sich ftihrten, verhaftet.

Deutscher Reich.

* Die Linbesratswahlen im Saargebiet. Durch einen Erlaß ber Regierungskommission ist dec Ter­min ^der Neuwahlen zum Landesrat auf den 27. Januar festgesetzt worden. Die Wahllisten sind bis zum 22. Dezember aufzulegen.

soziales.

— D e Zahl brr Erwerbslosen. Die Zahl ber unter­stützten Vollerwerbslosen betrug im Reichs- gebiet ohne besetztes Gebiet am 1. November 877262 gegen 691813 am 15. Oktober 1923:, die Z rhl oer umerstützten K u r j a rb e i t e r 1676 435 (gegen 1488121 am 15. Cttober 1923).

„Bringen Sie gute Nachricht, Herr Meier?" fragte sie endlich.

Meier nickte lächelnd.

„Sind Sie gekommen, um Kaj zu retten? Ist e» wirklich wahr?"

„2ch komme, um meine eigenen 10 000 Kronen zu retten, Fräulein Lund. Funke fehlt es ja nur an Kapital. Die Fabrik ist in feiner Hand sicher genug."

Meier mußte einmal bas Zimmer durchqueren. Es erschien ihm ein herrlicher Anblick, Karen in dieser Span­nung dort stehen zu sehen.

„Was wollen Sie tun, Herr Meier? Um Gottes wil­len, sagen Sie es mir doch!" Karen packte Meier ent­schlossen beim Kragen, sodaß er stehen bleiben mußte.

„3a, sehen Sie, Fräulein Lund, ich bin in England gewesen. Ich hatte nicht den Mut, es allein auf mich zu nehmen, aber nun geht die Firma dort drüben mit mir unb dem alten Dem gemeinsam vor.

„Unb Sie haben Geld?"

„Eine Unmasse, Fräulein ßunb!" Meier machte einen Ruck, um sich zu befreien, aber Staren hielt ihn beim Kragen fest.

„Unb bas alles haben Sie zustanbe gebracht, Meier?""

Meier sah mit einem fröhlichen Lächeln auf. „Ich habe auch genug Arbeit bamit gehabt, Fräulein Lund! Wir haben jetzt nur genau soviel, als wir gebrauchen. Aber in ein paar Tagen kommt Geld aus England."

Staren schlug die Augen nieder. „Herr Meier, erin­nern Sie sich wohl noch, baß ich Ihnen einmal etwas versprochen habe?" sagte sie ernsthaft.

„Weiß Gott, erinnere ich mich dessen noch! Aber Sie müssen wirklich nicht glauben, Fräulein Lund, daß ich da eine Heldentat ausgerichtet habe. Es ift in Wirk­lichkeit gar kein Risiko vorhanden."

Störens Wangen färbten sich auf einmal. Er hatte bie letzten Worte so eigentümlich leise gesprochen. Er dachte doch fein, und sie fühlte, daß sie ihn lieber hatte, als sie sich selbst eingestehen rootoe. Jetzt blickte sie auf, und Meier wurde ganz verwirrt, als er in ihre schelmi­schen Augen sah.

„Herr Meier, wollen Sie mir nicht einen Augenblia Ihren Bleistift leihen?"