Einzelbild herunterladen
 

Einzelnummer 5 Milliarden Mk.

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 259.

BerantwortliL i»t die Sditifüeifutta: Dr. Johannes Kramer. Anzeige«: S-D ar,eller, Fulda. Ro!ai>on»druck und «erlag der Fuldaer Artiendruckeret in Fulda. Fernivrecher Nr- S.

Be,u«rvreiS: Srntbe 8.-15, S?ob 30 MilliardenlieiSau*, lreibl-

Samstag, 10.

November Z92Z

Auzeigen-Breiie: Kleiureile (Tolonrl) 10 Gold-Pfennig, Reklame,eile cLownel) 00 Go.d-Biennlg. « SwärtS - Grundpreis: Kleimeile 90 Mark. Rek!ame;eile 270 Mark, mult vli, ert mit

50. Zahrg.

s Schlüsielrabl des Bere ns Deutscher Zeitungs - Berleger.

Verhaftungsbefehl gegen .Hitler mrd LnÄendorff. Die Nerchsrsgrerung überträgt General v. Seeckt den Dberöesehl.

In München, wo am 8. November 1918 zuerst Oke deutsche Revolution ausgebrochen ist, sollte am fünften Jahrestag dieses Ereignisses ein weiterer revolutionärer Akt vor sich gehen. Hitler und Lu- Oendorff, die Führer der Nationalsozialisten, führ­ten den erwarteten Schlag. Es ist, wie man wohl schon mit aller Bestimmtheit sagen kann, ein F e h l s ch l a g gewesen. Die verfassungsmäßigen Instanzen in Bayern, vor allem aber die Organe der Reichsregierung, die Reichswehr, werden da­für sorgen, daß in kürzester Zeit die Ordnung wie­der hergestellt wird. Zur Beunruhigung ist für den Teil der Bevölkerung, der für Ordnung und Recht eintritt, kein Anlaß mehr vorhanden. Das wird uns von allen Seiten, die einen Einblick m die Ereignisse haben, bestätigt. Auch Nachrich­ten, die aus dem bayrischen Grenzgebiet in der Rhön vorliegen, lassen erkennen, daß dort die ver­fassungsmäßigen Zustände nicht beeinträchtigt find. Man hüte sich in diesen Tagen vor allen Alarnmachrichten, die nur geeignet sind, Verwir­rung zu schaffen und das Chaos herbeizuführsn, ruf das die radikalen Elemente auf den verfchieds- ien Seiten spekulieren. Es liegen folgende amt­liche Nachrichten vor:

MMni Des MMWWMS.

wtb Stuttgart, 9. Dlov. (Tel.) Der 2Ri- litärbefehlshaber im Wehrkreis 5 gibt bekannt:

In München ist die v e r f a f f n n g s- mähige Regierung gestürzt. Hiller hat äch zum Reichskanzler erklärt. General- staakskommlffar v. Sahr und General v. Lossow be­kämpfen den Hitler. 3m Reich hat allein Ge­neral von Seekk, der die vollziehende Sewalt übernommen hat, zu befehlen. Die Reichswehr ist mobil erklärt. Zusammen nit der Landespolizei wird sie jedes Uebergreifen der Münchener Bewegung verhindern und zugleich jede Einmischung ungesetzlicher Kräfte unterdrücken. 3ch verbiete ausdrücklich jede Bildung und Zu­sammenziehung von Selbstschutzorga- n i s a t i o n e n oder ähnlichen Organisationen. Zu­widerhandlungen werden als Hochverrat be­strast.

Der Militärbefehlshader im Wehrkreis 5. Generalleutnant Reinhardt.

v. Aahr LNd £oiW gegen Hitler.

wtb Stuttgart, 9. Jtov. (Tel.) Das Wehr­kreiskommando 5 teilt mit: Der Kommandant von Bayreuth meldet: Generalstaalskommissar von Kahr und General v. Lossow bekämpfen den Hillerpuksch. Truppen von Rordbayern wurden nach München zum Kamps gegen Hitler herangezogen.

Württemberg gegen öen putsch.

wtb Stuttgart. 9. Nov. (Tel) An das württembergiiche. Volk! 3a Bayern haben rechts­radikale Kreise unter völliger Verkennung der wah-

Die EolÄglasur.

Roman von Martin Korch.

Genehmigte Uebertragung von Mathllde Mann.

35] ----------

Friedlich lag er da und schlief, den Kopf an den Stein gelehnt, mit einem ruhigen, sanften Ausdruck auf einen Zügen.

Einen Augenblick standen sie alle drei da und be­trachteten den Schläfer. Ellens Herz strömte über, vor Dankbarkeit: sie fühlte, rote unbeschreiblich sie den Mann liebte, der da lag und schlief.

Der alte Frank hatte die Hände gefaltet. Auf ein­mal ergriff er Ellens Hand und sagte mit flüsternder Stimme: Da ist er, liebe, gnädige Frau, sehen Sie nur, Gott sei Dank! Da liegt er!"

.,3a, GM sei Dank!" wiederholte Ellen unwillkür­lich.

Und nun kriegt er ihn nie, nie im Leben!" fuhr Frank fort, der in die Tiefe hinabsah, wo die Wellen brausten und schäumten.Er ist nahe batan gewesen, aber nun kriegt er ihn nie mehr!"

Ellen bemerkte erst jetzt, wie hart am Rande des Abhangs Kaj lag, so nahe, daß eine Bewegung ihn hätte hinunterstürzen können. Sie kniete neben ihm nieder, nahm seinen Kopf zwischen beide Hände und küßte ihn.

Kaj verzog das Gesicht ein wenig, dann streckte er sich und schlug die Augen auf. 3m ersten Augenblick war er ganz entsetzt, verwirrt sah er um sich. Aber allmählich, als er die Bäume erkannte und die Quelle und Ellen und Karen und den ttüen Frank, da kehrte ihm auch das Bewußtsein von dem wieder, was ge­schehen war, Er entsann sich des verunglückten Ofens und der Enttäuschung der Nacht. Aber Ellen stand da und sah ihn mit Augen an, aus denen die herzlichste Liebe stralsite. Dann schüttelte er die traurigen Erinne­rungen ab und sprang auf.

Hier habt ihr mich schlafend gefunden?" sagte er und sah Ellen an.Ihr habt euch sicher meinetwegen beunruhigt!"

ten 3nkereffen des gesamten deutschen Volkes den Versuch unternommen, auf dem Wege eines But­sches die öffentliche Gewalt an sich zu reißen. 3m Zusammenwirken mit dem Militärbefehlshader werde ich ein Uebergreifen der Bewegung auf Württemberg verhindern. 3eder Versuch hierzu wird mit allen Mitteln unterdrückt werden. 3ch verbiete jede Tätigkeit, die eine Unter­stützung der bayerischen Putschisten darstellt, ebenso ist verboten, daß von anderen Volkskreisen Ver­suche einer aktiven Bekämpfung der Bewegung ge­macht werdeu. Dies würde dazu führen, die Lags zu verschärfen und die Gefahr des Bürger­krieges näherzurücken. Die Polizei ist fest in meiner Hand und in der Lage, die Ruhe in Würt­temberg aufrecht zu erhalten.

Bolz, Minister des 3ntietn.

Der Staatsstreich im BLrgerbrau-UeLer

Die Vorgänge.

Aus München wird gemeldet: In der un­geheuer überfüllten und schon um 7 Uhr polizeilich gesperrten Versammlung im Saal des Bürger­bräukellers hielt der bisherige Generalstaats- kommissar Dr. v. K a h r die angekündigte große Rede. Ehe er sie aber noch zu Ende geführt hatte, wurde er plötzlich von dem anwesenden Füh­rer der Nationalsozialisten Hitler unterbro­chen. Sturmtrupps drangen in den Saal ein und gaben eine Anzahl Schüße gegen die Saaldecke ab. Es entstand eine ungeheure Un­ruhs. Hitler brach sich durch die Menge Bahn und erklärte, die Regierung Knilling fei hier­mit g e st ü r z t und dienationaleDiktatur ausgerufen. Heute vor fünf Jahren sei die Revolution ausgebrochen, mit dem heutigen Tage sei sie beendet. Das Kabinett Knilling sei abaesetzt. Die Minister Kn i l l i n g und S ch w e y e r, die in der Versammlung anwesend waren, wurden trotz ihres Protestes verhaftet und vorläufig ein» gesperrt. Außerdem wurden verschiedene-an­dere prominente Persönlichkeiten verhaftet. Hitler teilte mit, daß die neue bayerische Regie­rung bereits gebildet sei. Landesverwefer sei v. Kahr, Ministerpräsident P o e n e r. Eine deutsche nationale Reichsregierung werde in München gegründet. Es werde sofort eine deutsche nationale Armee errichtet. Die Leitung der deutschen Politik übernehme er, Hitler, selbst. Exzellenz Ludendorff übernehme die Leitung der deutschen Armee, General v. Lossow werde Reichswehrmini st er, Oberst v. S e i s s e r werde deutscher Reichspolizeiminister. Hitler richtete an die Versammlung, in der zahl­reiche Offiziere anwesend waren, die Anfrage, ob sie mit seinen Borschlägen einverstanden seien, was mit tofendem Beifall bejaht wurde. Hier­auf wurden die als Mitglieder der neuen Regie­rung vorgestellten Persönlichkeiten in den Saal ge­führt. Sowohl v. Kahr als auch Ludendorff und P o e n e r erklärten sich in kurzen Ansprachen zurUebernahmeihrerAemterbereit. Hierauf^richtete Hitler ein Schlußwort an die Versammlung, in dem er erklärte, der Tag, den er seit fünf Jahren erwartet habe, fei heute gekorn-

Erst jetzt, roo er aufgestanden war, merkte er, rote durchgefroren und rote steif er an allen Gliedern war.

Es war töricht von mir, daß ich mich hier hin- fetzte, so müde und angegriffen wie ich war! Hast du dich um mich geängstigt?" fragte er, indem er Ellens Hand ergriff.

Ja, ein wenig, Kaj!" erwiderte sie. Welche Angst Karen und sie heute morgen ausgestanden hatten, sollte er nicht wissen.

Kaj drückte ihr liebevoll die Hand.Dann muß ich wohl mit dir nach Hause gehen, liebe Ellen. Aber ich muß mich ein wenig auf dich stützen, ich bin so steif, daß ich kaum gehen kann."

Wie konntest du dich auch hier hulegen!" sagte Ellen mit sanftem Vorwurf.

Nicht schelten, bat Kaj und reichte auch Koren und Frank die Hand. Er war so eigentümlich milde gestimmt, und seinen Mund umspielte ein lichtes, gewinnendes Lächeln.

Dann trat man den Heimweg an, Karen ging mit Frank voran, Ellen und Kaj folgten Arm in Arm. Die Sonne war jetzt durch die Wolken gebrochen, und es war das schönste Frühlingswetter geworden. Wie Herr- lich ist doch das Leben, dachte er. In ihm sang und klang es, und er ließ den Blick langsam über die Seen, den Wald und die ganze Landschaft schweifen, bis er auf Ellen fiel, die glücklich an seiner Seite dahin» schritt.

10.

Kaj gehörte nicht zu den Menschen, die sich lange von einem Unglück niederdrücken lassen; wohl ergriff es ihn im ersten Augenblick tief, aber er kam in der Regel bald darüber hinweg.

Schon cm nächsten Morgen hatte er den Maurer kommen lassen, und nun nahm man den Ellen-Ofen m Angriff. Er wurde im Laufe einer Woche instand ge­setzt und genau nach dem zuletzt verunglückten Öfen um­gebaut. Dann mußte der erste Ofen geleert und die Waren in den Ellen-Ofen hinübergebracht werden, denn die eingestürzten Gewölbe tonnten nur von innen aus« gebessert werden. Das Ganze nahm viel mehr Zeit in Anspruch, als Kaj angenommen hatte. Er war selbst

men. Er werde Deutschland wiederzueinem Reiche der Herrlichkeit machen.

Während dieser Zeit bewegte sich vom Löwen­bräukeller aus ein gewaltiger Zug von An­gehörigen der Kampfverbände mit Fahnen und Musik nach dem Bürgerbräukeller.

Die erpreßte Zustimmung.

Die Verhaftung derOberländer".

Wtb Berlin, 9. Nov. (Tel.) Durch einen Junksxruch des Oberbürgermeisters von Nürnberg wird mifgeteiH: Herr von Kahr, General von £ o f- f o rv, Oberst Seisser haben erklärt, daß ihre Z u- st i mm u n g zum Vorgehen Ludendorffs und Hit­lers heute nacht erpreßt worden f e i und daß. sie die Bewegung in jeder Beziehung abiehneu. Sie hoffen, noch im Laufe des heutigen Tages d e s Putsch es Herr zu werden und werden den in München emrückcndsn Truppen der Reichswehr den Sachverhalt milteilcn, um weitere Konsequen­zen zu verhindern. Gleichlautende Mitteilungen hat Genera! v. Lossow den n o r d d a y e r i - scheu Truppen durch Aunkfxruch zugehen lassen. Gensraistaakskommissar v. K a h r hak sämküche Be­zirksämter angewiesen, genaue Paßkontrolle aus- zuüben. Alle Nationalsozialisten und alle An- hörige des BundesOberland" feien zu verhaften. Ludendorff und Hitler feien fest zu neh­men, wo sie angekroffen werden. Aus B am- berg wird mitgeteilt, daß man die dort befindlichen Führer bereits entwaffnet hat.

»

Hitler, der sichzmn Reichskanzler" erklärt hat, ist bekanntlich der Führer der bayerischen Nanonal- svMisten. Diese Nationalsozialisten, die vielfach die früheren linksradikalen Elemente an sich gezogen haben und mit nationalistischen Phrasen sozialrevolutionäre Absichten verhüllen, ahmen die italienischenFaszisten nach. Hitler möchte gern in Deutschland dieselbe Rolle spielen w i e Mussolini in Italien. Cs ist unbegreiflich, daß das bayerische Volk den Hitler, der außer einer aufreizenden Beredsamkeit keinerlei Qualitäten zum Staatsmann hat, so lange ertrug, bis er jetzt zum Staatsstreich überzugehen sich erdreisten konnte. Da­bei ist Hitler gar k e i n B a y e r. Er stammt aus dem österreichischen Orte Braunau, der beim Aus­bruche des 3üiÄ»rigen Krieges eine Rolle spielte. Auch seiner Konfession und Weltanschauung nach ist Hitler zum Führer des Bayernvolkes in keiner Weise legitimiert. Seine Agitationserfolge verdankt er vor allem den antisemitischen Redensarten, mit denen er die nur dem Instinkt folgenden Massen für sich gewann. Man versteht jetzt, warum Kardinal Faulhaber den vor einigen Tagen veröffentlichten Brief an den Reichskanzler gerichtet hat, in dem er vor dem Bürgerkriege warnte. Die auf den Putsch vom 8. November hinzielenden Bestrebungen, die dem Münchener Kar­dinal nicht verborgen geblieben sind, haben ihn zu dieser Mahnung in letzter Stunde ver­anlaßt.

Für die Politik der bisherigen bayerischen Regierungsparteien sind die Münchener Vorgänge, die Deutschland an den Rand des Bürgerkrieges führen, eine erschreckliche Lehre. Mit Kopsschütteln sah man, wie in der letzten Zeit selbst katholische Blätter Bayerns, (wir denken z. D. an denBeobachter am Main" in Aschaffenburg), geradezu eine Verherrlichung nationalsozialistischer Bestrebungen betrieben und kein Wort der Abwehr gegen diese n e u h e i d n i s ch e Bewegung fanden. Dagegen ergingen sie sich in Schmähungen der Zentrumspartei, der erprobten Schutztruppe christ-

überall zugegen und gab namentlich genau acht, daß die Gewölbe und Kanäle so solide gemauert wurden, daß nicht wieder etwas ähnliches wie das letztemal geschehen konnte.

Das Ueberführen der Waren gestaltete sich günstiger, als Kaj gedacht hatte. Alles war so weit gebrannt, daß di« Glasur fest war, und zu feiner großen Freude sah Kaj auch, wie regelmäßig das Ganze da drinnen ge­brannt war; die Wärme hatte Überall im Ofen gleich­mäßig gewirkt, das System selber war also offenbar richtig.

Trotz der Ausdauer und des Fleißes, die Kaj und seine Gehilfen entwickelten, um die Arbeit zu fördern^ war es doch Mai geworden, ehe man roieber ans Bren­nen gehen konnte.

Jetzt waren aber auch beide Oefen in Ordnung, so daß fortan keine Pausen mehr in der Warenherstellung eintreten würden. Gleichzeitig hatte man viele Verbesse­rungen vorgenommen und überhaupt mehr System in die ganze Erzeugung gebracht. Larsen hatte ein ganzes Lager an Vasen angefertigt. Er hatte die großen eng» lischen Aufträge fertig geschasst; überall wo nur ein Platz war, standen Vasen, Ampeln, Leuchter und Sam­pelten. Frank war von srüh bis spät in der Glasurstube beschäftigt, in engster Verbindung mit Kaj, der jede ein­zelne Mischung selbst bestimmte.

Kaj fühlte sich froh und glücklich bei seinem Tage­werk, das ihn aufs höchste interessierte, und er gebrauchte feine Kräfte bis aufs äußerste. Und doch lasteten schwere Sorgen auf ihm. Das Geld schwand viel zu schnell; die 10 000 Kronen, die er geliehen hatte, schrumpsteir von Woche zu Woche mehr zusammen. Gleich als er die Suftime erhielt, hatte er Schulden davon bezahlen müs­sen, und nun waren größere Posten für Holz und Koh­len, Materialien und Handwerkerrcchnungen zu beglei­chen; der tägliche Betrieb verschlang eine Menge, und der Haushalt konnte auch nicht umsonst geführt wer­den. Einnahmen aber hatte er bisher noch nicht gehabt. ; Er sah ein, daß er gleich von Anfang an zu hoffnungs- i selig in feinen Erwartungen gewesen war; auch mit i den 10000 Kronen hatte er sich gründlich verrechnet

WWW M MSWiklW.

Die deutsche Reichsregierung erläßt folgenden Aufruf:

An das deutsche Volk!

3n der Zeit größter außen- und innenpolitischen Bedrängnis haben sich Verblendete ans Werk ge­macht, um das Deutsche Reich zu zerschlagen. 3n München hat Hne bewaffnete Horde die bayrische Regierung gestürzt, den bayrischen Mini- sterpräfidenten v. knilling verhaftet und sich ange- maßt eine Reichsregierung zu bilden, den Genera! Ludendorff zum angeblichen Befehlshaber der deutschen Armee, Herrn Hitler, der erst vor kurzer Zeil die deutsche Staatsange­hörigkeit erworben hak, zum Leiter der Geschicke Deutschlands zu bestimmen. Es bedarf keines Hinweises darauf, daß diese P u t s ch b e - schlösse null und nichtig sind. Wer dies« Bewegung unterstützt, macht sich zum h o ch - und Landesverräter. Statt unseren Brüdern im Rheinland und an der Ruhr zu Hel­sen, die für Deutschland kämpfen, stürzt man Deutschland ins Anglück, gefährdet die Ernährung bringt uns in die Gefahr eines feindlichen Ein morsches und zerrüttet alle Aussichten auf die An bahnung wirtschaftlicher Gesundung. Die letzter Maßnahmen der Reichsregierung auf währungs politischem Gebiet haben dazu geführt, daß du Mark im Auslände sich in den letzten 24 Stunden um das Vielfache gebessert hak. Alles ist dahin, wenn das wahnwitzige Beginnen Erfolg Hal, das in München versucht wird.

3n der Schicksals stunde des deut­schen Volkes und Deutschen Reiches fordern wir alle Freunds des Vaterlandes auf, sich einzusehen für die Bewahrung der dsutscheu Reichseinheit, deutscher Ordnung und deutscher Freiheit.

Alle Maßnahmen für die Riederkämpfung des Putsches und die Wiederherstellung der Ordnung sind getroffen und werden mit rücksichts­loser Energie durchgeführt.

Der Reichspräsident: gez. Ebert. - Die Reichsregierung:

gez. Dr. Stresemann, Reichskanzler.

kicher Weltanschauung in Deutschland.Die ich rief, die Geister, werd' ich jetzt nicht los." So ist es der Richtung v. Kahr gegangen, v. Kahr und Los­sow haben sich anscheinend bis zum letzten Augen­blick mit Hitler und Ludendorff zu halten versucht, haben diesen das Spiel ermöglicht, haben dabei ihrerseits alle Gebote der Klugheit und der Ehre in den Wind geschlagen und sind nun doch letzten Endes genötigt, gegen dis Hochverräter Front zu machen. Hoffentlich geht, wie es heute den An­schein hat, die Gefahr, die der Putsch in München mit sich bringen kann, schnell vorüber und unserem armen Bolle bleibt die harte Prüfung eines Bür­gerkrieges erspart.

Späte Einsicht.

Nach einer Meldung derVosi. Zig." aus München veröffentlicht eine große Anzahl namhafter Pro­fessoren der Münchener Universität, da­runter Lujo Brentano und H. Oncken u. <r., einen" Aufruf,worindasZerwürfn is zwischenBahern und dem Reich auss Tiefste bedauert und dr» Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß es bald ge< lingen möge, zwischen Bayern und dem Reich zu'

Es beunruhigte ihn, daß der lange Rechtsanwalt sich in letzter Zeit häufig in der Fabrik blicken ließ. Dieser unangenehme Herr kam ihm vor wie ein Geier, der das Aas wittert und feine Kreise zu ziehen beginnt. Man hatte jetzt die schöne Ware gesehen, die er Herstellen konnte, und wußte von den Aufträgen, da würde man ihm die Fabrik sicher gern wieder abnehmen.

Während so der Geschäftsmann in seinem kleinen Kontor genug zu denken und Schwierigkeiten zu über­winden hatte, kämpfte auch der Mensch Kaj Funke in dieser Zett einen Kamps, der nicht zum Abschluß ge langte.

Eines Abends faß er allein an der Quelle. Die Sonne war im Begriff unterzugehen, er beobachtete, wie ihre Strahlen nach und nach goldiger wurden, bis sie schließlich in ein tiefes Rot übergingen und gleich einem Glorienschein die alte Fabrik umgaben, die großen Steine im Bach vergoldeten und auf feinen Wellen spielten. Es war ganz still hier, man hörte nichts als den Gesang einer Lerche, die sich verspätet hatte, und das Brodeln der Quelle, die ihr eintöniges Lied fang. Er blickte um sich. Welch eine wunderbare Zeit war dies dochl Alles grünte und blühte; die alten, knorrigen Erlen, die am Wasser entlang standen, hatten noch nicht ganz aus­geschlagen, aber mit jedem Tage fliegen die Blätter weiter aus den Hülsen hervor; die hellen Birken fächelten im Winde mit ihrem feinen, lichtgrünen Laub, und alle die verschiedenen Sträucher, Ahorn, Holunder, Wachholder und Weide standen in ihrem schönsten Schmuck da.

Alles, was lebte, entfaltete sich, wuchs und gedieh in wundervoller Pracht, es war eine Zeit des Wachsens. Würde es nicht auch in feinem Herzen endlich grünen? Er hatte jetzt schon so lange gewartet, hatte gehofft und zu Gott gefleht, aber es war ihm bisher nicht gelungen, das innere Gleichgewicht zu finden.

Mtt langsamen Schritten kehrte er heim; hin und wieder beugte er sich nieder und nahm, ohne es zu wi(. sen, einen Grashalm auf.

Im ©arten standen Ellen und Karen im Schutz eines Bosketts und sahen Kaj kämmen.

" «Fortsetzung fototl