Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Julda.
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Donnerstag, l. November 1923.
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50. Zahrg.
Neue Regierung in Sachsen.
Ministerpräsident Fellisch.
Die Bemühungen, den außergewöhnlichen Zustand in Sachsen möglichst schnell wieder in gesetzliche Bahnen zurückzuführen, scheinen bereits Erfolg gehabt zu haben. Der Reichskommissar Dr. Heinze bat es zustande gebracht, daß in der letzten Nacht bereits eine Landtagssitzung stattfinden konnte, um zur Wahl eines neue» Ministerpräsidenten zu schreiten. Aus Dresden wird uns darüber gemeldet:
In der Nachtsitzung des Landtags wurde der Abgeordnete Fellisch (Soz.) mit 46 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt. 18 Stimmen entfielen auf den Abgeordneten Kaiser (D. Bpt.). 71 Abgeordnete waren anwesend. DieDeutschnationalen hatten vor Beginn der Sitzung den Saal verlaflen, während sich die Kommunisten der Stimme enthielten. Abgeordneter Fellisch nahm die Wahl zum Ministerpräsidenten an, worauf die Sitzung ge- i chlossen und das Haus auf DienStag, den 6. Nov. vertagt wurde.
lieber die Absichten des neuen Ministerpräsidenten Fellisch, der an die Stelle des Dr. Zeigner getreten ist, verlautet noch: Fellisch wird ein rein sozialistisches Minderheitskabinett bilden, das durch Ärldung der Demokraten und der Deutschen Volkspartei regierungsfähig ist und nur als ein llebergangskabinett gedacht ist. Der Vorwärts nennt in einer Meldung aus Dresden folgende Ministerliste: Ministerpräsident Fellisch, Innenminister Liebmann, Finanzminister Held, Arbeits- minifter Graupe, Justizminister Heu, Volksbildung Fleißner. Wirtschaftsminister noch unbekannt.
M das Reichskabinett
kann die Regelung, die nach obigen Meldungen aus Dresden erfolgt ist, eine Entlastung bedeuten, tnerm_ auch zurzeit von den radikalen Elementen in der Sozialdemokratie noch ein starker Druck auf die sozialistischen Minister ausgeübt wird. Von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion hängt es jetzt ab, ob eine Kabinettskrise vermieden werden wird. Wie der „Vorwärts" mitteilt, haben die sozialdemokratischen Reichsminister angesichts der Vorgänge in Sachsen dem Vorstand der Reichstagsfrakiton chre Absicht mitgeteilt, aus der Regierung auszuscheiden. Der Frattionsvorstand hat die Minister ersucht, die Entscheidung der Reichstagsfraktion zu überlassen, die Mittwoch nachmittag um halb 2 Uhr zusammentritt. Für die Vertagung fines endgültigen Beschluffes über die Frage des Verbleibens der Sozialdemokraten in der Rsichs- regierung war u. a. der Umstand von Bedeutung, daß eine Klärung der Regierungsfrage in Sachsen abgewartet werden soll.
Einer Mitteilung des „Vorwärts" zufolge wurde -ine ultimativ formulierte Forderung der K. P. D., bis Dienstag 6 Uhr abends eine Antwort auf die Frage zu erteilen, ob die sozialdemokratische Partei bereit ist, mit chr sofort eine Einheitsfront zu bilden, in Anbetracht des Verhaltens der Kommunfiten in Hamburg, Sachsen und anderwärts von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion a b g e l e h n t. Zu den in dem Schreiben der K. P. D. aufgestellten Einzelforderungen wird die Reichstagsfraktion sachlich Stellung nehmen.
Den Blättern zufolge haben auch das Zentrum und die Demokraten Fraktionssitzun-
Dre Golfcgla|ur.
Roman von Martin Korch.
Genehmigte Uebertragung von Mathilde Mann.
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Wohl wußte er, daß er eine Schlacht verloren und einen empfindlichen Verlust erlitten hatte: das meiste von diesem Brennen würde ja unbrauchbar fein. Und doch fühlte er sich so frei und leicht, als sei ihm ein großes Glück widerfahren. Er begriff es selber nicht, eins aber wußte er: er hatte viel gelernt in dieser Nächt. Alles, was er über Defen und Brennen gelesen hatte, war ihm auf einmal klar geworden im Lichte dessen, was er gesehen und erlebt hatte.
Kaj hatte die Gartenpforte erreicht. Er atmete tief auf und wandte sich um. Noch einmal sah er nach der Fabrik hinüber, wo jetzt alles dunkel war, und ein Gefühl der Befriedigung überkam ihn. Er war in dieser Nacht gewachsen, und sein Glaube an die Zukunft der Fabrik war so fest wie nur je.
Er eilte in das Schlafzimmer hinauf und näherte sich vorsichtig Ellens Bett. Sie lag so friedlich da und schlief mit einem sanften, fast lächelnden Ausdruck in ihrem feinen Gesicht. Das reiche Haar, das sie zur Nacht geflochten, hatte sich gelöst und bildete einen Rahmen um Stirn und Wangen. Auf dem Tfich neben dem Bett brannte eine kleine Nachtlampe und warf einen rötlich goldenen Schein auf die Schlafende.
Kaj blieb einen Augenblick vor dem Bett stehen, die reinste, wärmste Liebe leuchtete aus feinem Blick, während er die ansah, die sein ganzes Herz erfüllte. Wie reich und glücklich war er doch! Und wie dankbar mutzte er Gott sein!
Er trat einen Schritt näher und beugte sich über das Kopfkissen. Nein, es würde Unrecht sein, sie zu wecken. Aber, was sah er da? Waren das nicht Spuren von Tränen? Sie hatte also gemeint, und er wußte nur zu gut, worüber: er hatte ihr fest versprochen zu kommen und ihr zu erzählen, wie es mit dem Ofen ging. Das hatte er vergessen, und deshalb hatte sie sich gewiß in Schlaf geweint und erst der Traum hatte das Lächeln auf chre Lippen gezaubert.
Allerheiligen * Allerseelen.
von Friedrich Muckermann S. J.
Von der streitenden, leidenden und triumphierenden Kirche sprechen wir, und die Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen bringen uns in Erinnerung, daß wir nicht nur einer irdischen Gemeinschaft angehören, sondern auch einer andern, größeren, Diesseits und Jenseits umfassenden. Wie stark ist doch der Glaube der katholischen Kirche an die Idee der Gemeinschaft! In diesen Tagen, wo jeder mit sich selbst zu tun hat, wo Volk und Völker sich zersetzen und gegenseifig quälen, in dieser Zeit wagt sie den Menschen noch zu erinnern an eine Hilfe, die er Leidenden in einer andern Welt bringen, an eine Freude, die er mit Auserwählten eines vollendeten Daseins feiern soll. Ach, und man muß ja heute mehr als je Himmel und Erde miteinander vergleichen, diese wundervolle, chrfitliche Auffassung, wie sie aus den Liturgien von Aller- heiligen und Allerseelen klingt, mit all den die Gemeinschaft der Menschen zerstörenden Lehren unseres Jahrhunderts. Welche Gegensätze! Welche Konflikte, um es gleich zu sagen, für den ernsthaften Christen. Das Weltbild, in dem er, wenn ihm sein Glaube irgend etwas bedeutet, lebt, ist ein gewal- figer, herrlicher Kosmos, eine einzige, Himmel und Erde umfassende Gemeinschaft mit göttlicher Spitze. Wenn er seiner Heiligen gedenkt, dann sind alle Unterschiede unter ihnen wie ausgelöscht vor der einen, leuchtenden Wirklichkeit, daß sie Heilige sind, erlöst durch das Blut des Lammes, vereint im Paradiese des Herrn. Das Fest Allerheiligen faßt alle Heiligenfeste zusammen. In einem einzigen Lichtkreis weben die Heiligen aller Völker und aller Zeiten. Sie wanderten durch die Gezeiten des Kirchenjahres: Italiener, Franzosen, Spanier, Deutsche, Engländer, Heilige des Ostens und Heilige des Westens, Heftige der Alten und Heilige der Neuen Welt. Wir haben zu chnen gebetet, um ihre Fürbitte bei Gott, wir haben uns ihr Bild vorgestellt, chre Namen mit unfern verschlungen und grüßen sie heule wie Freunde unseres Hauses, wie Kinder der gleichen großen Gottesfamftie. Und auch wenn wir der armen Seelen gedenken, auch dann herrschen nicht die Unterschiede, mögen uns auch die Verstorbenen der engeren Familie näher sein als andere, nein unser Gebet ist allen gemeinsam gewidmet: Herr, gib ihnen die ewige Rul)e.....
Und allen sollen die Lichtlem, die wir an den Gräbern entzünden, es sagen: Und das ewige Licht leuchte ihnen! . . .
Nehme ich nun einmal an, daß ich mit der ganzen Kraft des Glaubens die Geheimnisse dieser Tage durchdringe, nehme ich einmal an, es breite sich jene Stimmung, wie sie so ganz eigenartig bei dem schmerzlichen Uebergang von Allerheiligen auf Allerseelen überirdisch rein und klar und doch irdisch weinend und klagend hervorbricht, wirklich durch meine Seele, nehme ich einmal an, diese Gefühle beherrschten mich wirklich, wie es doch bei einem wahrhaften Christen der Fall sein soll, was soll ich anfangen in dieser Welt der immerwährenden Kriege und 3 ro t ft e ? Die Frage hat viele Sei
ten, aber das eine sagen mir diese Erinnerungstage: Wenn das Wort von dem Leben nach dem Glauben nicht eine Phantasie oder Heuchelei sein soll, dann muß ich aus der Kraft des Christentums alles dafür einfetzen, um die Dinge so zu gestalten, daß sie .zu dem Bilde passen, wie es der Schöpfer und Erlöser mit seiner Wett gewollt hat Ich kann nicht von der Gemeinschaft der Heiligen sprechen und zugleich einstimmen in das Kriegsgeheul wahnsinniger Hetzer. Ich kann nicht religiös vereinen, was ich chauvinistisch trenne. Ich kann nicht einer Kirche angehören, die alle Nationen umfaßt und zugleich Bestrebungen unterstützen, die heidnisch und dem Geiste dieser Kirche vollkommen entgegengesetzt sind. Das sind psychologische Unmöglichkeiten. Und wenn ich auch weiß, was die Pflichten dem eigenen Volk gegenüber in schwerer Stunde von mir fordern, und wenn ich selbst weiß, daß man im äußersten Falle mit der Waffe in der Hand für die Freiheit eintreten darf, so werde ich das doch immer nur können, den Blick und die Sehnsucht gerichtet auf eine irdische Gemeinschaft, die sich e i n o r d n e t m die wundervolle Gemeinschaft der erlösten Christenheit. Würden alle, die Christen sind, mit diesem Gefühl im Leben ernst machen, in der Tat, ein Völkerbund wäre gegeben, der das Anllitz der Erde erneuern könnte.
Freilich: In einer heiligen Gemeinschaft in Christus verbunden sind wir doch in einer Schicksalsgemeinschaft mit allem Menschlichen überhaupt verflochten, mit ihren Leidenschaften, mit dem Bösen, mit den Plänen der Kinder dieser Welt. Daraus entstehen dann die schweren Konflikte. Das kann den Idealismus der Besten niederdrücken. Wir werden nicht schwach fein und nicht das Tragische leugnen, wo es wirklich vorhanden. Aber wir, die wir Allerseelen und Allerheiligen feiern, wir werden, wie immer die Geschicke der Völker sich entwickeln mögen, unferm Glauben getreu fortfahren, von der idealen Gemeinschaft zu fprechen, sie zu w o l l e n, für sie zu arbeiten, die Herzen der Menschen mit Sehnsucht nach ihr zu erfüllen, und wenn wir dies tun, dann haben wir das stolze, durch Mißerfolge vielleicht gebeugte, aber niemals gebrochene Bewußtsein, daß wir Charakter haben, daß wir christlich handeln, wo wir uns Christen nennen. Mehr wird von uns nicht verlangt und wir können uns beruhigen. Nicht wir haben die Welt geschaffen. Ueberlassen wir Gott das uns Unentwirrbare. Unsere Schultern sind zu schwach, um etwas zu tragen, was der Starke über uns sich Vorbehalten. Ja, überlassen wir dies alles Gott, der aus Bösem Gutes schafft. Aber handeln wir, soweit es uns gegeben, unferm Gewissen und unferm Glauben getreu, und siehe, es wird in uns schon eine Gemeinde fein, die mit lebendiger Kraft die Idee des Friedens und der Gemeinschaft trägt, ein Stücklein Land, wo das Wort von jenem Frieden verwirklicht fit, den die Welt nicht geben kann.
So feiern wahre Christen das Fest Allerheiligen und den Gedenktag Allerseelen.
gen abgehalten, in denen beiden der Wunsch zum I Ausdruck kam, diegroßeKoalitionaufrecht I zu erhalten. Laut'„B. T." beschloß die demo- kra tische Fraktion,? eine Abordnung zum Reichskanzler zu entsenden und ihn aufzufordern, die Autorität des Reiches gegenBayern durchzusetzen.
Morgen konnte er ja alles wieder gut machen! Unwillkürlich faltete er die Hande, und dann mußte er an den alten Frank und an fein Gebet denken. Er sah das sorgenvolle Antlitz wieder vor sich, und einer plötzlichen Eingebung folgend, kniete er vor dem Bett seiner Frau nieder und dankte Gott für diese Nacht mit ihrer Hoffnung und ihren Enttäuschungen, bat um Kraft und Stärke, auch ferner tragen zu können, was Gott ihm auferlegen wollte.
8.
Am nächsten Morgen, als Kaj noch müde von der Anstrengung der Nacht wie ein Stein schlief, ging Ellen in die Fabrik hinüber, um sich nach dem Ergebnis zu erkundigen. «
Larsen, der keine Schonung kannte, erzählte, daß höchst wahrscheinlich alles verdorben sei, während Frank der Ansicht war, daß wohl ein Teil der Ware gerettet sei. Er nahm die ganze Schuld auf sich und sprach begeistert von seinem Herrn.
Ellen war ganz warm ums Herz, und als sie dann mit Kaj am Frühstückstisch saß, war sie noch liebevoller gegen ihn als sonst. Kaj war ziemlich M; auch er glaubte, daß das meiste von dem Gebrannten nicht zu retten sein würde, doch äußerte auch er seine Hoffnung, daß es ihm das nächstemal gelingen müsse.
Im Hause ging das Leben seinen ruhigen Gang. Ellen war sehr verändert. Ihr Glück hafte sie milder in ihrem Urteil gestimmt, und sie fühlte wärmer für alle; sobald sie von Not ober Krankheit bei Leuten, die in der Nähe der Fabrik wohnten, hörte, war sie bereit, zu helfen. Bei gutem Weiter machte sie mit Karen zuweilen kurze Ausfahrten, und es war ihr schönstes Vergnügen, den kleinen dicken Pony zu lenken, der seine Herrin so genau kannte und wieherte, wenn er nur ihre Stimme hörte.
Schon am Tage nach dem ersten Brennen hatte Kaj den zweiten Ofen in Angriff genommen; der alte Maurer wurde geholt, und man begann, den Ofen wieder aufzu- mauern. Auch an Larsen wandte er sich, und er hatte eine so eigene kurze und bestimmte Art zu fragen, daß er stets erfuhr, was er wissen wollte. Dann hatte er lange Unterredungen mit Frank, er studierte alle seine Notizen über die Defen aus Herberts Zeit und entdeckte ; bald, daß der altt Deutsche in der Ofentheorie sehr j
Der linke Mgel der Sozialisten.
Verlangen auf Ausscheiden der Sozialisten-Minlster. — Vorbereikung des Generalstreiks. — Ein Aus- fchließungsankrag gegen Reichspräsident Ebert.
wtb Berlin, 31. Okt. (Tel.) In der Konferenz der Berliner sozialdemokratischen
bewandert war, wenn man nur seine Erfahrungen aus der Tiefe der Vergessenheit ans Licht zu bringen verstand, und hierin war Kaj Meister. Namentlich kannte Frank viele Vorteile beim Ofensetzen, die er in der großen Fabrik in seinem Vaterlande gelernt hatte. Das alles erzählte er, und Kaj war geduldig und schrieb sich alles Wertvolle auf. So brachte er schließlich ein großes Material zusammen, bas er mit dem, was er gelesen und selbst erfahren hatte, ergänzte. Der Erfolg von alledem war, daß er nach Verlauf von einigen Tagen volle Klarheit darüber erlangt hatte, wie der neue Ofen sein mußte. Er fertigte eine Zeichnung mit genauen Maßen aller Wandflächen an, und es wurde mit einer ganz anderen Sicherheit als das erstemal gearbeitet.
Nach Verlauf von drei Tagen kam endlich der große Augenblick, wo man die Waren aus dem jetzt hinreichend erhitzten Ofen nehmen sollte. Mit einer nicht geringen Spannung fanden sich aHe Arbeiter der Fabrik ein, um habet zu helfen.
Die Türe wurde aufgebrochen, und nach und nach tarnen die Waren zum Vorschein. Alles, was in dem hinteren Teil des Ofens gestanden hatte, war, wie man erwartet hatte, nicht hinreichend gebrannt, die Glasur war nicht geschmolzen. Aber die Waren hatten glücklicherweise keinen Schaden gelitten, konnten bei Seite gesetzt und das nächstemal fertig gebrannt werden.
Kaj stand selbst im Ofen und nahm die Waren heraus. Bei jedem Satz, der abgenommen wurde, merkte er, wie die Waren immer wärmer wurden. Zu Anfang war dos Ganze gelb ober hellrot, und die Glasurstosse waren fest geworden, statt sich zu lösen; aber mit jedem Stoß, der zum Vorschein tarn, wurden die Farben dunkler, bis sie schließlich ganz dunkelbraun ober grün waren und man sehen konnte, welche Farbe jeder einzelne Gegenstand bekommen würde; aber alles war noch matt und ohne Glanz.
Endlich gelangte man zur Ofenmitte, und hier hafte die Glasur angefangen zu fließen. Kaj nahm die brennende Lampe und guckte neugierig weiter hinein, wo er eine Reihe hoher Leuchter stehen sah, die mit einem Glanz schimmerten wie er nie etwas Aehnliches gesehen hatte. Zum erstenmal empfand er die Spannung, die sich des Fabrikanten bemächtigen kann, mit einer solchen Gewalt, daß es ihm kaum möglich mar, die nötige
Funktionäre wurde taut ^Vorwärts" eine Entschließung angenommen, in der von der Reichs- kagsfräkkion der sofortige Rücktritt der sozialdemo- krMschen Minister aus der großen Koalition gefordert wird. Von den Partei- und Gewerkschafts- spihen wird die planmäßige Zusammenfassung aller politischen Kräfte und sofortige organisatorische Vorbereikung des General st reiks als wirksamste Waffe gegen die Sontrerevolution verlangt. Schließlich wurde gegen eine starke Minderheit ein Antrag angenommen, der nach dem Vorbild der Funktionäre von Leipzig den sofortigen Ausschluß des Reichspräsidenten Ebert aus der Partei fordert.
Solche Beschlüsse tragen, so bemerkt der „Vor- roärts", nicht dem Umstand Rechnung, daß sich die Tätigkeit des Staatsoberhaupts in der Stille des Beratungszimmers vollzieht, sodaß ohne genaue Kenntnis verttaulicher Vorgänge ein zuverlässiges Urteil über sie nicht möglich ist. Im allgemeinen hat die sozialistische Reichstagsfraktion den von den R a d i k a l e n beherrschten Beschlüssen der Berliner Funktionäre in der letzten Zeit vielfach keine Folge gegeben.
WM WM Sie WMMl.
Verweigerte Anerkennung der Rheinische« Republik.
Wtb Paris, 31. Okt. (Tel.) Der diplomatische Korrespondent der Havas-Agenkur glaubt zu wissen, daß die britische Regierung ihre Botschafter in Paris und Brüssel beauftragt habe, eine D e m a r che bei der belgischen und französischen Regierung auszuführen, daß sie die Legalität der sogenannten rheinischen Regierung der Dorten und Mathes nicht anerkennen und jeden Verspch, den separatistischen Ausstand in die britische Zone von Köln hineinzukragen, verhin- werden. Rach dem „Echo de Paris", hak der britische Vokschafter zum Ausdruck gebracht, daß die separatistische Bewegung nicht dem Gefühl der Bevölkerung entspreche. Der britische Botschafter hat die Haltung der beiden Mächte kritisiert, die fle gegenüber den Separatisten eingenommen haben und sie als eine Verletzung des Versailler Vertrages bezeichnet.
Das Zentrum am Rhein.
Die französische Presfe beschäftigt sich mit der Vorkommnissen am Rhein. Herd« sagt in den Victoire, die Schlacht wäre für die Separatisten gewonnen, wenn die Zentrums Partei sich in Mafien für die Rheinische Republik aussprechen würde, da im Rheinland wie im Elsaß die Zentrumspartei große Wählermassen hinter sich habe. Wenn im Rheinland, fährt er fort, augenblicklich Dorten, Matthes usw. keine Wogen der Begeisterung zugunsten ihrer Auffafiung entfesseln könnten, so komme dies sicherlich daher, daß die rheinischen Katholiken vor einem Bündnis mit Frankreich zurückschreckten, in dem die Radikalen die Katholiken als Bürger zweiter Klafie behandelten. Ohne die Haltung der französischen Linksparteien gegenüber den Katholiken, meint Herds, würde sich das katholische Rheinland, das so viele Berührungspunkte mit Frankreich habe, längst in die Arme der französischen Republik geworfen haben. (!)
Eine trügerische Hoffnung, die Hoffnung des Herrn Herds. Die rheinischen Kacholiken wollen weder mit den französischen Radikalen noch mit den französischen Nationalisten etwas zu tun haben. Sie wollen von einem Frankreich überhaupt nichts wissen, da§ den Eindruck bestehen läßt, daß es auf die Zerstörung Deutschlands abgesehen sei. Sie wollen als Deutsche beim Deutschen Reiche bleiben
Vorsicht bei dem allmählichen, sorgfältigen Hercmsneh- men $u beobachten. Das Herz pochte ihm in der Brust, er wußte ja nur zu gut, wieviel von nur einigen wenigen schönen Proben abhing, und er muhte zeitweilig aus dem Ofen hinausgehen, um sich zur Ruhe zu zwingen.
Endlich, kurz vor Mtttag, gelangte man zu den schönen, blanken Leuchtern. Wohl selten ist ein Mensch so glücklich gewesen wie Frank, als er mit sechs Leuchtern im Arm aus dem Ofen herauskam. Aus seinem Gesicht strahlte eine solche Freude, daß sie ihm ein ganz verändertes Aussehen verlieh, und er sprach mit der Stimme eines von Entzücken überwältigten Kindes.
Er stellte die Leuchter nicht zu den andern Waren, sondern ging damit in die Werkstatt hinein. Larsen, der die Waren mit den beiden Jungen aufstapelte, vertrat ihm den Weg. „Safi doch mal sehen, Frank!"
„Mach, daß du wegkommst!" entgegnete Frank mit gänzlich veränderter Stimme, und diesmal ließ sich Larsen übergehen, zog nur stärker denn je an feiner Zigarre und verzog sich, von den beiden Jungen gefolgt, in die Glasurstube, wo Kaj mit dem Ordnen der Sachen beschäftigt war.
Vorsichtig setzte Frank einen Leuchter nach dem andern vor Kaj Funke auf den Tisch. Nie hatte man an Tonwaren solche Farben gesehen. Der Rauch, der in den Ofen hineingepumpt worden war, hatte sich mit der Glasur verbunden und die wunderbarsten Wirkungen hervorgebracht. Ein Leuchter, der mit Grün lasiert war, hafte eine tiefblaue Farbe angenommen, die sich veränderte, je nachdem das Licht darauf fiel; es war, ols habe man einen Edelstein vor sich. Ein anderer Leuchter war blau, aber mit Fassetten, auf denen die Rauchwirbel von Naphtha und Metallrauch seltsame Figuren gebildet hatten, die in allen Farben des Regenbogen, strahlten und so wunderbare Uebergänge aufwiesen, daß man sich nichts Schöneres vorstellen konnte. Am aller- schönsten waren jedoch zwei Leuchter mit einer weichen, warmen Goldfarbe; ein magischer Glanz lag darüb« und lockte den Beschauer, beständig über die Fläche» hinzustreichen, sie hin und her zu drehen, sodaß sich bts Licht in den Flächen brach.
Gortjetzung folgt.;