reichbar. Die Technik hatte ja soviel Wunder gewirkt, worum sollte nicht der Augenblick kommen, wo sie soweit fortgeschritten war, daß jeder Mensch das „Leben genießen" könne. So meinte man. Es wurde verkannt, daß es für viele unerreichbar ist, was Wenigen gelingen konnte. Immerhin, die geistige Dispofiüon war rvrhcmden m breiten Volks- massen zur Aufnahme von Theorien. Was ein Smith, Ricardo und andere für die Besitzenden waren, das wurden Marx, Engels und Lassalle für die breiten Voiksmassen. Die philosophische Begründung ist den einen wie den anderen van txcrfd?«* denen Denkern gegeben worden.
In den weserrüichen Grundzügen war diese geistige Verfassung bereits vordemlkriege »or- handen. Zetten mü einer solchen geistigen Verses, 'ung bedeuten für Völker immer einen Niedergang. Die Geschichte beweist es. Man darf sich nur nicht blenden lassen von bem materiellen Reichtum Wäre der Krieg von kurzer Dauer gewesen vielleicht wäre eine Wendung eingetreten. 1914 ging eine idealistische Welle durch unser Land. In den ersten Mona- ten des Weltkrieges gatt der Grundsatz voll und ganz: „Das Leben fft der Güter höchstes nicht". Wer sein Leben für sein Volk freiwillig opfert, "der klebt nicht am Mammon. Langsam sind wir dam» wieder in die Niederungen des Materialismus ae- su^en- Am Ende des Krieges erfaßte dann der Geist der Schieber und Kriegsverdiener weste Dotks- schichten. Die alten Forme« zsrbrachen und der Geist der Zersetzung konnte sich schrankenlos aus- toben.
Inzwischen wuchs die Not. Die »Beanwwg teer schon im Kriege Tatsache geworden. Die Voraussetzungen für erfolgreiche wirtschaftliche Produktion wurden erheblich schlechter durch den Friedensvertrag von Versailles. Immer war es so, daß an der Not des Volkes einige Wenige gesund wurden. In vollem Umfange ist das auch in den letzten Aachen geschchen. Bei stark materialistischer Einstellung mußten die Gegensätze wachsen; mrd sie smd gewachsen. Heute macht die eine soziale Klasse andere für die herrschende Not verantwortlich. Neben der tatsächlichen Not wächst einmal wegen ocr Not und wegen des ungerechten Urteils der an- ^n ine Erb-tterung. Und doch wäre ein ein- heiüicher Wille, ein Zusammenhalten auf Leben und -Loö notwendig, denn der Feind hat das Bestreben, uns zu vernichten.
Jeder Staatsmann des deutschen Reiches findet heute eine ungewöhnlich schwierige Loge vor. Außenpolitisch ist unerhörter Druck und innerlich fft die denkbar größte Uneinigkeit vorhanden. Ein ungeheurer Zwiespalt geht durch die Seele unseres Volkes. Wir sind arm geworden «nb wollen es nicht einsehen. Wir wollen uns nicht herunterdrucken lassen und sind doch schon tief qe- Funfcn. Die Lebensauffassung, daß Arbeit und Er- werb heute noch Sinn und Streben in höchster Vol- lenbung fein können, ist längst als falsch erwiesen. Entweder leuchten dem deutschn Volk andere Sterne als der verglimmte Stern des Materialismus, oder T ßEtkemen Aufstieg mehr. Der bisherige Zwie-
Seele ist nicht zu ertragen, er schafft kein frfxrffensfreubifles Geschlecht, das zu jedem Opfer perett ist. '
Ein Staatsmann, der heute Deutschland erretten soll, braucht eine opferwillige Veoölke- rung. Lewer sind wir heute soweit, daß jede In- teressengruppe die Lasten des verlorenen Krieges auf die andere abwalzen will. Wer sich auf den Standpunkt stelltz daß alle sozialen Gruppen zur rinffi?9 notwendig sind, und wer
einseitige radikale Interessenvertretung ablehnt h)»rnHC*r Mbl Feindschaft zu erwarten haben. Ein deutscher Staatsmann, der das Ganze ret- ten will und die Absicht hat, den nationalen Gedan- fen zu fordern, kannfichnichtvordenKar- ren von Interessenten spannen las-
^ muß sonst scheitern. Die Rettting Dvutsch- n« ben gegenseitigen Opferbereit-
voraus. Opferbereitschaft und Opfergeist sind aber nur moguch, wenn wir zu einer Welt- und Lebensanschauung UNS durchringen.
wirtschaftliche üampfbelveglmgpn.
” ^.ie Streiflage in Oberschlesin belfert sich. Auf der Aütte Parufchowitz wird gearbeitet auf bet Grube Bahnschagt arbeiten 50 Prozent in d-n »utfler5Werten 30 Prozent der Belegschaft Die Fft-" denshufte ist m vollem Betrieb, mft Ausnahme der Ko- Kohlenmangels stielliegt. Auch aut den Stickstoffwerken in Ehorzow wttd gearbeitet Die Ellen.
Ans oerlorcnem Sennenland.
Ehanakter., Tier- und Jagdbilder aus Deutsch-Ostastika.
Don Rudolf Sendke - Fulda
Leben am See.
Die Wahaya.
Alle von mir scheu und unter
waren nicht sauber gearbeitet und zeigten größere und kleinere Löcher. Als ich ihn daraus aufmerksam mache, sah er sich erst eine Weile ganz erstaunt um, ohne eine Entgegnung zu finden. Dann aber fiel sein Blick auf meinen kleinen Boy Lwiza, der ein ziemlich fadenfchei- niges Hemdchen trug. Er deutete mit dem Finger darauf und sagte: „Dem sein Hemd hat ja auch Löcher!“ Das sollt mit anderen Worten heißen: „Mäkele nicht und kaufe!" Ich tat ihm dann auch den Gefallen und luchte mir die besten Stücke aus. Biele der Wahaya reiben Hren Körper mft Butter ein, was gleicherweise »or
bish" aufgezählten Regeroülker, zwi. -ciftw-wi. m k benen notf) eine Menge kleinerer Stamme wohnen, habe ich auf meinen Durchreisen nur fluchtig kennen gelernt und kann deshalb nur das Rot- wendigste und Auffallendste von ihnen erzählen.
lieber die Bewohner des Westufers, unter denen ich ewige Jahre wohnte, weiß ich bester Bescheid. Das Land Buk ob a beherbergt die Wahaya, Waziba und einige Unterstämme, deren Berständigungssprache das Kihaya ist. Der Mhaya ist mittelgroß und von gar- tem schlankem Körperbau, lieber die großen Körper- trafte und die Ausdauer des Mnyamwezi und Mfukum« verfügt er nicht. Die Kleidung besteht bei Männern unb grauen aus einem langfaserigen, buttergetränften Grasschurz. Ost fft dieser mit blauen ober rosa Perlen durchflochten. Bei kühler Witterung tragen die Leute etn gegerbtes Kalbfell oder eine Rindenstoffdecke darüber. Diese Decken sind eine Eigenttimlichkeft der Seebewohner. Sie werden aus der Rinde des wilden Feigenbaums angefertigt. Die Meister dies« Kunst schlagen mit einem geriffelten Holzhammer die dicken stffchen Rindenstücke bis auf Packpapierdicke breit, wodurch die Holzfaser zusammengearbeitet und fest und zäh wird. Die einzelnen Teile werden bann rechteckig geschnitten und so fein zufammengenäht, daß man die Naht kaum erkennen kann. Hierauf wttd die braune Decke mit schwarzen Ornamenten bemalt. Ich habe drei Stück dieser Rmdenstoffdecken — die größte ist 3,50 * X 2,15 * — und jede trögt ein anderes Muster.
Emst brachte mit ein Eingeborener eine Anzahl dieser Deden und bot sie mir zum Berkaus an. Diele davon
schäft wird an diesen Geschenken zugrunde gehen, einmal müssen sie die künsllich aufgeblähte Bodenrente doch bezahlen. Darum: statt > der vielen undurchsichtigen Steuern, die produkttve Arbeit hemmen, eine klare Grundwert st euer.
I auch Netze aus Bast ober Garn. Wie bei jedem Naturvolk spielen bei den Wahaya leibliche Genüste eine
I große Rolle. Außer feinem täglichen Bananengericht, bas ab und zu durch ein Stück Rind-, Schaf- ober Zie- genfteifd) schmackhafter gemacht wird, bringen Wildfleisch,
I Fische, Heuschrecken unb Honig Abwechslung m den | Küchenzettel.
I Die Heuschrecken gehören einer kleinen afrikanischen Art an. In Schwärmen kommen sie über bas Lanb, unb wo sie einfallen, ba ist die Ernte in kurzer Zeit vernichtet. „Bwana, nzige wanakuja, Herr, die Heuschrecken kommen", war ein Alarmruf für meine Jungen. An ein Hallen war nicht zu denken; sie strömten hinaus und mitten hinein in den Jnsektenregen. Jeder rupfte sich einen langen Grashalm aus, und bann wurden die Heuschrecken rasch gefammell und aufgespießt. Im Augen- | blick war ein Halm voll. Zusammengeknotet wurde er um den Hals oder an den Arm gehängt. Hatte man g^nug gesammelt, so kehrten die Jungen zurück und ich erhielt die Gebinde mit den dicksten Heuschrecken. Gewöhnlich ließ man die lebenden Tiere noch einen Tag in einem großen Korbe; bann hatten sie sich gereinigt. Sie würben durch heißes Wasser getötet und ohne Beine unb Flügel in frischer Butter gebraten. Im Geschmack ähnelten sie den jedem Bewohnen der Wasserkante wohlbekannten Krabben. — Als Jäger kennen und verwenden die Wahaya eine Menge der raffiniertesten Fal- len, sowohl für Säugetiere als auch für Vögel. Hier konnte ich zmn erstenmal in der Kolonie fesfftellen, daß der Mensch ein Tier zu Tode hetzen kann. Kleine struppige Hunde, denen man Glocken umbinbet, sind die eifrigen Gehilfen des Jägers bei dieser Jagdart. Der Mhaya mit einem Speer ober beM schweren Mworo, dem Beilmesser, bewaffnet, hat in einem ber kleinen Haine, bie die sonst baumlosen Weideflächen unter- brechen, einen Buschbock aufgestöbert . Sofort nehme» bie Köter, die ich niemals bellen hörte, bie Verfolgung auf; ihr Herr immer hinterherlaufenb. Der Klang der Hundeglocken weist ihm den Weg. Stunden-, ja tagelang dauert bie Hatz. Immer kürzer werden die Erholungspausen, in denen das Wild sich verschnaufen kann, bald sind die biffigen Hunde wieder heran. Da stellt sich ber Bock feinen Gegnern, schlägt auch manchmal ben einen ober anderen ab, indem er ihm mit feinem Gehörn den Leib aufreitzt. Der auf dem Plan er- scheinende Läger gibt dem armen Tier den Rest. Das Fleisch ist für einen Europäer ungenießbar; durch bie langanbaucrnbe Flucht ist es fast schwarz geworden.
(Sortfehuna folgt.)
Soziales.
— Sozialpolitische -tkömrmgen Die Versammlung ber Internationalen Bereinigung für den Arbeiterschutz in 5B aselteurdegeschlofsen. Die Versammlungbat beschlossen, einen internationalen Kongreß für Sozialpolitik auf den 26. April 1924 nach Prag einzuberufen. Die Lanbesveibänbe werden eingeladen, energisch'an der Verwirklichung folgender Punkte zu arbeiten: 1. Beschränkung der wöchentlichen Arbeitsdauer auf 48 Stunden. 2. Wöchentliche Ruhetage. 3. Festsetzung des Alters der zur Arbeit zugelassenen Kinder. 4. Schutz der Frauen und jugendlichen Arbeiter. 5. Sozialversicherung. 6. Gesetzliche Anerkennung ber Kollektivverträge. 7. Anerkennung des Rechtes der Angestellten auf jährliche bezahlte Ferien. Die Versammlung hat fest, gestellt, daß in den Ländern, wo Betriebsräte bestehen deren Nutzen allgemein anerkannt worden ist und be- schloß, eine Untersuchung über die Betriebsräte einem erweiterten Ausschuß zur Behandlung zu überweisen Die schwere wirtschaftliche Not wird einen erheblichen Teil dieses Programms auf lange Zeit hinaus unverwirklicht laffen.
ben schmalen Hölzern Platz, bie bie beiben Bootswände miteinander verbinden. Der Steuermann lenkt das Fahrzeug mit einem gewöhnlichen Ruder; Steuer zum Einhängen kennt man nicht. Entweder sitzt ber Fahrgast in ber Mitte ober ganz vorne im Boot. Vielfach wird das Tempo durch einen Trommler angegeben, der auf I Eem großen Instrument, bestehend aus einem mll Kalbfell fein säuberlich überzogenen Baumstammende, den Takt angibt. Der Ton dieser Trommeln ist sehr wett zu hören. Man kann sich damit in der Trommel- spräche von Ort zu Ort verständigen, wie wir mit dem ^.elegraphen. Eine Trommel dieser Art von 60 cm S)cbe unb 50 em Durchmesser würbe mir von einem befreundeten Sultan zum Geschenk gemacht. Man kann [ NH kaum eine Borstellung machen, wie schnell und gewandt die Bootsmannschast das leichte Fahrzeug vorwärts bewegen und mit ihm wenden kann. Ist bie oabrt beendet, so wird das Boot auf ben Straub gezogen.
An Fischen ist ber See nicht sehr reich. Krokobile, Fischottern, Kormorane unb Reiher räumen furchtbar unter ihnen auf. Ich kann mich auch nicht entsinnen, baß mein Koch mir jemals ein Fischgericht zubereii-t batte. Ob bie Fische nicht schmackhaft sind, ober für ihn selbst rnwiko (verboten) waren, ober ob er sie für ein Schrnzi-(Buschneger-)essen unb eines Europäers un- mürbig hielt, konnte ich nicht ermitteln. Jedenfalls sah ich einmal, als bie Fischer am Strande einige Welse zerteilten, fingerlange Spulwürmer in deren Fleisch. Die Lust, von solchen Fischen zu kosten, war mir danach vergangen. Mit dem ungeheuren Fischreichtum des Indischen Ozeans ist ber Fischgehalt des Viktoriasees gor 'sicht zu vergleichen. Don den vorerwähnten Welsen gibt es übrigens ganz riesige Exemplare. Als ich einst an einem, schönen sonnigen Tage eine Dootfahrt unter- naf>m, zeigten meine Leute auf eine Stelle in dem niljigen Wasser. „Was ist das?" „Wtt wissens nicht." Ganz leise näherten wir uns, unb nun konnte ich mit bem Glas fesfftellen, daß etwas dort lag, bas einem großen schwarzen Balkonglich. „Ist cs ein Baum- | stamm, fragte ich. „’Rein, Herr, es ist lebendig." „Ist es ein Krokodil?" „’Rein, es muß ein großer Fisch fern, schieße einmal darauf!" Bis auf dreißig Schritt lies ich die Leute herandrudern, bann schoß ich mit Enten- lchrot darauf. Der Hintere Teil des Fisches hob sich fast sink recht hoch, bann versank er langsam in der Tiefe. Es war ein riesiger, bfeigrauer Wels von mindestens I zwei Meter Länge.
Zu ihrem Gewerbe benutzen bie Fischer 'des Sees ! v°r allem große Reusen, aus Ruten gestochten, bann aber j
Jenloistntimn und Unruhen.
In Berlin fft es am Dienstag zu größeren Ruhestörungen gekommen. Taufende von Errverbs- tofen zogen zum Rathaus und stellten Forüerun- gen. Die Polizei trat ihnen entgegen und zerstreute die Demonstrantin. Es wurde auch geschossen. Mehrere Tote find zu verzeichnen. In den Abendstunden herrschte wieder völlige Ruhe. Di« Polizei hat in allen Stadtgegenden verstärkte Streifen in Dienst gestellt, um Plünderungen Ku verhindern. Am Mittwoch wird die Polizei in stärkerer Alarmbereitschaft gehalten werden, um «ne Wiederholung der Unruh« im Äame ersticken zu können. - ,
In Leipzig setzten sich die Teuerungsunruhen fort. Sie nahmen chren Ausgang von der Markthalle, die geschlossen werden mußte. Große Menschenmengen hatten sich auf dem Rohplatz ange- fommeü; sie wurden von berittener Polizei ausem- anbergetrieben. Ungefähr 25 Tumultuanten wurden verhaftet.
Saldi, 17. Oktober
Die §u!Saer Larolinger-ArkrmdeL
Bei dem Diebstahl aus dem Marburg« Staat». I archio sind, wie gestern mitgeteilt wurde, wertvoll» I Urkunden aus der Karolmgerzeit, meist für baä I Kloster Fulda bestimmt, gestohlen worden. Mtt I fen Urkunden hat es folgende Bewandtnis:
Karl Martell, der das Reich der Franken 8ts I zum Jahr« 741 regierte, hatte die SelbständigkÄis der Kirche vernichtet, er verfügte über ihr« Ech^ fünfte und zog große Teste des Kirchengute» ein' die er an seine Vasallen verteilte. Im Gegensatz! zu ihm waren seine Söhne Karlmann und Pipp§ bestrebt, den Umfang des kirchlichen Gutes und da, I mit die Leistungsfähigkeit der Kirche wisderherzn^ stellen, die gerade damals in Germanien als Trä. I Serin des Kulturgedankens die größte Deüeutun» I hatte. Namentlich die großen Verdienste des heil. I Bonifatius um das Reich haben die Kühne Karl j Martells in reichen Schenkungen und Verleihung I hon Hoheitsrechten gewürdigt. Karlmann schenkt I ihm am Flusse Fulda in dem buchcmischen Wald I einen Platz zur Erbauung eines Mostens. Die Ur- kunde des Königs Pippin aus dem Jahre 732 oder I J ,dem Erzbischof Bonifatius diese Schenkung bestätigte, fft eines der wertvollsten Originale, die I besitzen. Die reichen Besitzungen, die dar I Düster Hystüa in blühendem Kranze umgaben, sind I Schenkungen Pippins und seines großen Sohnez. I Karl.
Die kostbaren Urkunden, in denen die Verlei- hung bezw. Bestätigung ausgesprochen wird, sind folgende Originale: 760 Pippin schenkt dem Kloster Fulda die Villa Thininga ffn Gau Re« (Schwaben); 766 Schenk Mg von Umstadt im Mamgau; 777 Karl gibt dem Kloster sein Eigengut M Hamalumburg (Hammelburg) im Saalgau; 781 Karl schenkt dem Kloster den campus Unofeld (Hünfeld); 781 Bestätigung der von Ludwig dem Kloster geschenkten Villa Rostwp (Rasdorf).
Hoffentlich gelingt es, diese wertvollen Karo- singsr Original-UrkundÄr, die für die Geschichte des Mittelalters, besonders für die Geschichte des Fuldaer Klosters, in Sonderheit die Kenntnis der Aus- breitung des Patrimonium S. Bonifaüi, von wett- tragender Bedeutung sind, wiederzuerlangen, foweff sie gestohlen sind. <Z.
Die Preisschilder.
~ ^r.eisPrüfung5fteUe der totaöt Fulda wird uns geschrieben:
Bei einem Gange durch die Stadt muß man noch trelfach die Wahrnehmung machen, daß nicht von allen Kaufleuten, die Waren in Schaufenstern aus- stellen, die Vorschriften beachtet werden, die im Interesse des kaufenden Publikums über das An- bringen von Preisschildern und Preisverzeichnissen blassen sind. Das Gesetz verpflichtet jeden, ber Gegenstände des täglichen Bedarfs (nicht Luxu--- waren) in Läden, Schaufenstern, Schaukästen üfw. sichtbar ausstellt oder anpreist, die Ware mit Preis- schildern zu versehen, aus denen der genaue Verkaufspreis ersichüich ist. Der Preis muß i n d e u t f ch e r Währung an gut sichtbarer, Stelle angegeben werden. Die deutsche Währung ist noch immer die Mark und zwar z. Z. d i e P a - piermark. Nicht zugelassen ist also eine Auszeichnung in Goldmark, selbst dann nicht, wenn der Multiplikator mitangegeben wird, was nicht immer geschieht. Statt des Preisschildes kann eine Nummer oder ein sonstiges Zeichen an der Einzelware angebracht und unter dieser Bezeichnung in ein Preisverzeichnis ausgenommen werden, das im gleichen Schaufenster mit den verzeichneten Waren angebracht sein muß.
In Fleischer- und Fischläden muß stets ein Preisverzeichnis im Verkaufsraum aushängen, aus dem sich die Preise der feilgehaltenen Fleisch- und Fischarten und -fortan ergeben. Bereits verkaufte Waren dürfen nicht ausgestellt werden. Die Abgabe der im Kleinhandel üblichen Mengen von Waren zu dem ausgezeichneten Preise darf vom Ladeninhaber nicht verweigert werden.
Da das Gesetz die Nichtbeachtung dieser zwingenden Vorschriften mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahre bedroht, woneben noch die Einziehung der Ware erfolgen kann, dürfte eine pein- liche Befolgung sich empfehlen. Der reelle Kauf-
angora statt Konftantinopei.
Sk Türkei wählt eine neue Hauptstadt.
Die Nationalversammlung in Angora hat mit Mehrheit für Angora afc neue türkische
.Dieser Vchstlutz fft intweffant und wichtig zu- flench Dir Türke« haben es ähnlich wie die Svw- letrussen gemacht, die den Sitz der Regierung von PeterÄrrrg nach Moskau verlegt und damit das Fenster nach Europa geschlossen haben. Während aber bei dem jetzigen Zustande Rußlands die Ver- legung der Haupfftadt an sich nichts bedeutet, fft dies bei den Türken doch wohl eine andere Sache. Die Tatsache, daß bei der wichtigen Abstimmung in Angora zwanzig Enthaltungen zu verzeichnen waren, spricht für die Annahme, daß die politische Enthauptung Konstantinopels — das feine Bedeutung als einer der religiösen Mittelpunkte der isla- mifffchen Wett behalten wird — doch noch starken Bedenken bei den Türken begegnet. Aber die Na- tionlaversammlung hat sich durch Majoritätsbeschluß für Angora entschieden und durch diesen Beschluß eine besondere Ehrung Angoras vollzogen; mit dem Namen der künftigen Haupfftadt sind Ruhm rite, feiten verknüpft. So rückt diese Stabt am Engun^ee, die kaum mehr als 35 000 (Stnnmfywr hat, in den Kreis der großen p o- litifchen Hauptstädte der Welt und ihr wird sich auch m der nächsten Zukunft großes Jn- terejse zuwenden, wenn auch die Arbeit der Türken
®efre*im9 ihres Landes einen gewissen Abschluß erlangt hat.
Die deutschen Boöenrefsrmer
haben in ben Sagen vorn 5.-7. Oktober m Marien- ihren Bundestag abgehalten. Aus bem Tagungs- bendtf feien folgenbe interessante Mitteilungen gemacht: ®teblungrarbeit bes Deuffch-Ritter-Orbens 1400 freie deutsche Dörfer unb 93 Städte geschaffen hat, ist fett bem Siege des Großgrundbesitzes bie Be- nnn ^"n53a^.f°-^rucf.8t0anden' daß sie 1815 ben Stand oon 1410 noch nicht wieder erreicht hat. Trotz der Ar.
ffrbm. von Stein wurden durch Abschaffung der verfchuldungsgrenze östlich ber Elbe 4 Miillonen Morgen Bauernstand vom Großgrundbesitz auf.
5 600 000 ber tatkräftigsten brutschen bereinigten Staaten ausroanbem Sohne führten 1918 im Kampf gegen uns ^rbeÜ ."®‘e Sünden ber Vater werden yeuygefucht bis ins brüte unb vierte Glied". Heute Peben «Schalten ber Burg 67 Selbsthilfe^iedlungs. tzüu^r: Der Anfang einer neuen Dftfkblung.
Dorttag von Dr. Damaschke über bie Stuf. Iräbe ber Dobenrefonn verttefte sich zu ber Erkenntnis: Dte Wurzel unseres Unglücks ist bie Unwahrhastigkeit an verantwortlichen Stellen. Sie begann am 10. »arj 1915, als Herr Helfferich erklärte: Wir brau.
■ * 2tR® ®ieuer, rott begnügen uns mit Kriegsanleihe; ®trTr. brauchen keine Deckung, benn bas Bleigewicht ber Millioiden werden die Gegner tragen. So haben wir die Einnahmen hinten herum zu erschleichen versucht ourch ungedecktes Papiergeld, weil wir zu feige waren Steuern zu fordern. In bissen Tagen berichtete b« jTtna^mimfter, baß an Papier und Druckkosten das Reich tagsich 50 Billionen auszugeben habe. Die In. flat io n fft die brutalste Enteignung, die
über sich ergehen lassen. Der sparende Mittelstand kann für fein ganzes Vermögen nicht eine ^«kene Semmel kaufen. Ein Volk kann aber nur wach, fen, wenn feine Jugend sparen kann. Ungeheure Dum- men hat man den Besitzern der Sachwerte, vor allem den »roßgrundbesitzern, geschenkt. Unsere Landwirt.
Hitze und Kälte schützen soll. Baden fft so gut wie un. bekannt. Man reibt sich mit Bananenbtättern ab, bie eaerbtngs ziemlich viel Wasser enthaften. Kleine Kinder gehen ganz nackt. Heute sieht man vielfach schon farbige Tücher und Hemden aus Baumwollstoff, die Indien in größter Auswahl herüberschickt.
Die Wohnung ber Wahaya ist eine Runbhütee aus Stangen, die mit Lehm verputzt und mit einer dicken «chicht Gras bedeckt wird. Unter diesen Hütten findet man oft wahre Kunstwerke ber afrikanischen Bautechnik. I Ach habe Dullwishütten von zehn, zwölf Meter Höhe und dementsprechendem Umfang gefunden. Die starken Trogpfosten sind geschnitzt. Rinbenstoffdecken teilen bie Maume von einander ab. Fenster gibt es nicht. In ber Mitte liegen bie großen, glatten Herdsteine für das (Teuer, das dauernd unterhalten wird. Den Fußboden I bedt eine Schicht langen fernen Grases. Es ist wunder» I bar »arm und mollig in fo einem Bau, unb ich kann es Wohl Verstehen, daß der Reger unsere Steinhäuser I „feit" nennt.
Heber das Heuptnahrungsmittel, bie Banane, f>abe >4 schon früher berichtet. Der Reger pflanzt von ben Feldfrüchten nicht mehr als er bis zur nächsten Ernte nötig hat. Vorrat sammeln kennt er nicht. Bleibt durch ungünstige Wftterung ber Ertrag eus, so leidet er Hunger, unb durch Röte dieser Art sind schon ganze Landstriche entminest worden.
Die kühlen grasigen Hochländer bilben bie beste Weide für bas Sieh. Es werden Rinder, Ziegen und Schafe gehalten. Der Mhaya ißt ihr Fleisch und trinkt ihre Milch. Andere Speisen wieder sind mwiko, verbaten, ! z. B. Sckiweinefleifch, Geflügel, Eier. Ich habe nie gesehen, daß Hühner ober Enten gefüttert oder getränkt I wurden; sie suchen sich ihre Ehakula (Nahrung) allein b* Freien. Rindfleisch kostete in Bukoba 10 Heller (13 Pf« ) bes Pfund, ein Huhn 16 Heller, ein 9
1 Heller.
Als Fischer unb Schiffer sind bie Wahaya Meister Ihre Boote sind keine Einbäume, wie man sie an der Küste trifft, fenbern sie bestehen aus einzelnen Brettern, die mit festen Bastfaden zusammengenäht sind. Die Fugen werben mtt Baumwolle ausgestopft. Die Ruder sind meterlange Pabdelruber mit herzförmigem Blatt. I Vielfach haben bie Boote doppelseitige Ausleger, die bas I kiellose Fahrzeug im Gleichgewicht holten und auch teil- । weise als Wellenbrecher dienen. Segel habe ich bei unseren Wahaya nirgends gesehen. Die Sultane haben Staatsboote von 12—15 Meter Länge, bie von 25—30 Cojfte» fortbemegt werden. Die Ruderer nehmen auf
Kurland.
* Lei bet Sxplosiouskatastrophe in Warschau soll die Zahl der Toten nach bem Ableben einer Anzahl Schtververwundeter auf 150 Personen gestiegen sein. Die Gesamtzahl der Schwer- und Leichtverletzten wird nunmehr mit 1000 angegeben. Unter diesen sind nicht nur Bewohner der Zitadelle, sondern auch der in der Nähe befindlichen Beamten- kokonie. In dem Pulvermagazin, das in die Lust geflogen ist, lagerten ungefähr sieben Waggons Pulver für schwere Geschütze. Der durch bie Ex- plosion verursachte Lustdruck war so stark, daß eine zur Zeit der Explosion in der Nähe der Zitadelle marschierende Militärabteilung in die Weichsel geworfen wurde, wobei viele Soldaten in den Wellen den Tod sanden. Die Katastrophe ist zunächst auf einen verbrecherischen Anschlag zurückgeführt worden. Nach den Erklärungen des Staatsanwalts kann jedoch angenommen werden, daß es sich um Unvorsichtigkeit der mit der Einlagerung des Pulvers beschäftigten Arbeiter handelt.
* Kabinettskrise in Griechenland. Wie verkantet, hat das griechische Kabinett beschlossen, zurückzutreten. Es wird durch ein neuerliches Ministerium unter PolitiS ersetzt werden. DaS revolutionäre Komitee wird während der Neuwahlen zum Parlament bestehe« bleiben.
* Der neue amerikanische Präsidenkschasfskandi- baf. Wie eine Nachrichtenagentur aus Newyork berichtet, hat der bekannte Autofabrikant Henry Ford vorgefchra-gen, dem Staat den erzielten Kriegsgewinn im ungefähren Betrage von 7 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Der „Matin" erklärt dazu, das wichffge an dieser Nachricht bestehe darin, daß Ford feine Kandidatur für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten auf. zustellon gedenke.
Kus der Zentrumspartei.
=. ver veamtenbelrat bet westfälischen Zentrumspartei hat in einer Vollsitzung folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Der Beamtenbeirat der munsterschen Zentrumspartei verschließt sich nicht der Notwendigkeit einer aus zwingenden Gründen erfotber. lieben Vereinfachung der öffentlichen Ver. waltung. Er erwartet im übrigen von den Partei- mftangen, daß sie sich bei den Fraktionen der Paria- mente dafür einsetzen werden, daß, soweit der plan» mäßige SSeamtenabban hierbei in Betracht kommt, dieser nur auf Grund von Gesetzesmagnahmen erfolgt, die I den einschlägigen Beamtenartikeln ber Verfassung und tragen«e,'un£,en Sozialempfinden unbedingt Rechnung
wiffenschaft und Zorfchung.
= Sine Srlunbungsteife durch Rusflsch-Aflen. Wie wir erfahren, »st Borschaftsrat Dr. Asmis nunmehr von einer im Auftrage des Auswärtigen Amtes aus. geführten 1V>jährigen wirtschaftlichen Erkundungsreife durch Russisch-Asien nach Berlin zurückgekehrt. Die Reise, die von den russischen Behörden überall in ent- gegenkommendster Weise gefördert wurde, hat recht befriedigende Ergebnisse gehabt unb sehr teert- boKe Informationen geliefert. Geheimrat Asmis wirb seine Beobachtungen in einer Reihe von Vorträgen an verschiedenen Orten Deutschlands weiteren Kreisen zu. ganglich machen. * 1 °