Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Ur. 226.
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BerugSvreiS: Erste Stifte im Oktober 21 Millionen Mark.
Dienstag, 2. Oktober 1923.
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Rheinland bleibt deutsch.
In dem Lande an Rhein und Ruhr ist, wie das ckach Aushebung des passiven Widerstandes zu erwarten war, die Auseinandersetzung mit den Sonderbündlern in ein kritisches Stadium getreten. Dorten soll in Wiesbaden einem französischen Zeitungsmann erklärt haben, er werde die Rheinische Republik auf alle Fälle gründen, er fürchte keine Widerstände vom Ausland, auch von England nicht. Eine gerade Linie von Esten nach Frankfurt a. M., worin beide einbezogen werden sollen, werde die Ostgrenze bilden. Ob Herr Dorten nicht an Größenwahn leidet und sein Können ganz furchtbar überschätzt? Aus der heiligen Stadt am Rheinstrom klingt jedenfalls ein anderer Ton.
Kundgebung in Mn.
liebet 100,000 Angehörige aller politischen Par- /eien und aller gewerkschaftlichen Richtungen schlos- sen sich am Sonntag vormittag auf dem Kölner Meßgelände zu einem Schwur der Treue des Rheinlandes zum Reiche zusammen. Die Massenkundgebung hatte einen noch nie gesehenen Umfang. Nach Gesangsvorträgen des Kölner Männer- grsangvereins sprach der dem Zentrum angehörende Stadtverordnete Scha even. NamenS 'des ganzen Rheinlandes und namens der Anhänger aller poli- tischen, kulturellen und wirtschaftlichen Richtungen gelobte er dem deutschen Reiche Treue, verlangte die Heimkehr der Ausgewiesenen und Freigabe der Gefangenen und lehnte die Bestrebungen der Sonderbündler entschieden ab. Insbesondere wies der Redner auf die Worte Poincares hin, daß er keine Annexionen beabsichtige. Die Rede wurde von stark an» haltendem Beifall wiederholt unterbrochen.
Die Versammelten nahmen einstimmig eine Entschließung an, in der eS u. a. heißt: Das Rheinland fühlt sich unerschütterlich mit dem deutschen Vaterlande verbunden und wird allen Versuchen. Versuchen, irgendwelche Aenderung seiner staatlichen Zugehörigkeit durchzusetzen, leidenschaftlichen Widerstand entgegensetzen. Die Sonderbündler haben kein Recht, namens deS rheinischen Volkes zu handeln und sich als Vertreter der rheinischen Be- völkerung auszuspielen. Wir erneuern und bekräftigen das alte Gelöbnis, mit allen Deutschen gemeinsam den steinigen Weg unseres Geschickes zu gehen. Wer sein Vaterland verrät, und sich in niedriger Gesinnung fremden Machthabern anpasten will, der steht jenseits der Reihen, die die überwältigende Mehrheit der Rheinländer bildeten. Vor aller Welt berufen wir uns auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. In feierlichster Form verwahren wir uns gegen jeden Versuch, unser Recht auf Freiheit mit Füßen zu treten und das feste politische, wirtschaftliche und geistige Band zu zerschneiden, das uns mit dem ganzen Deutschland in guten wie in bösen Tagen verknüpft.
Mit einem Hoch auf das deutsche unteil- bare Vaterland schloß die Kundgebung.
Die Sonderbündler
hatten am Sonntag zu einer Demonstration nach Düsseldorf einberufen. Die Gewerkschaften gaben dort als Gegenaktion die Parole aus: Weg von der Straße! Als die Sonderbündler, die mit Regiezügen nach Düsseldorf gebracht worden waren, durch die Straße marschierten, wo auch die Kommunisten eine Versammlung abhielten, kam es zu Tätlichkeiten gegen die blaue Polizei. Darauf griff deutsche Schutzpolizei ein, der es gelang, die sonder- bündlerischen Stoßtrupps _ auseinanderzutreiben. Die gange Versammlung stob darauf in wilder Flucht in den Hofgarten und in die zum Bahnhof führenden Straßen, worauf die Schutzpolizei nach Säuberung der Straßen sich in ihre Quartiere zrz- rüctbegeben wollte. In diesem Augenblick schritten ins bisher unbekannter Ursache die Franzoseu mit Kavallerie und Panzerautos ein, umzingelten an mehreren Stellen kleinere Trupps von Schutzpolizei und entwaffneten sie. Die zersprengten sonderbündlerischen Stoßtrupps schlossen sich sofort den französischen Truppenabteilungen an, überfielen die entwaffneten Schutzpolizeibeamten und schlugen einige von ihnen nieder. Die im Polizeigebäude noch vorhandenen Schutzpolizeibeamten wurden dann ovn den Franzosen ebenfalls entwaffnet. Die Sonderbündler hatten sich zum Teil inzwischen wieder gesammelt und hielten vor dem Stadttheater eine kurze Versammlung ab. Dabei hielt ein Separatist, ein gewisser Kolmers, der vom WTB. als „Geistlicher" bezeichnet wird, eine Hetzrede gegen Berlin. Nach dem WTB. steht es fest, daß bei den Zusammenstößen 4 Schutzpolizei- beamte getötet worden sind und eine ganze Anzahl von Schwer- und Leichtverwundeten aus der Menge in die Krankenhäuser und Unfallstationen gebracht worden ist. Von den Sonderbündlern sollen 12 getötet worden sein. Der Polizeidezernent Beigeordneter Dr. Maas, wurde von den Franzosen verhaftet. Starke französische Patrouillen durchziehen die Stadt.
Der verkehr im besetzten Gebiet.
Dem „Lokalanz." wird aus dem Ruhrgebiet gemeldet: Am Freitag» Samstag und Sonntag fanden unter dem Vorsitz des Regieleiters zwischen den Spitzenorganisationen der Eisenbahngewerkschaften und der alliierten Hisenbahnregie Verhandlungen über
All te WllW Alk IkllWM.
Die Kundgebung der Fuldaer Bischofskonferenz.
Die deutschen Bischöfe, an ihrer Spitze die Kar- dinäle Fürstbischof Bertram von Breslau, Erzbischof Schulte von Köln und Erzbischof Faul- Haber von München, haben auf der im August in Fulda abgehaltenen Konferenz eine Kundgebung an die deutschen Katholiken gerichtet, die am Sonntag von den Kanzeln unserer Kirchen verlesen worden ist. Die Worte des Episkopates beziehen sich auf Tagesfragen, ine heute überall erörtert werden, über die aber selbst in gleichgesinnten Kreisen die Meinungen oft stark abweichen. Die Kundgebung der Bischöfe wird in diesem Chaos von Meinungen dem katholischen Volke, soweit es dem Glauben der hl. Kirche treu ergeben ist, einen sicheren Weg zeigen, über den nicht mehr zu debatüeren ist. In den Bischöfen überhaupt verehrt der Katholik die Nach folger der Apostel, m den deutschen Bischöfen der Gegenwart erkennen nicht nur die Katholiken, sondern auch viele andersgerichteten Kreise Männer von hervorragenden Eigenschaften, Führer des Volkes m höchstem Sinne des Wortes. Die Bedeutung der Kundgebung steht damit fest. Ein stärkender Trost ist sie allen, die trotz Spott und Hohn, trotz Anfeindung, Verdächtigung, Nörgelei selbst aus den Reihen der sonst Gleichgesinnten, schon bisher für Gedankengänge öffentlich eingetreten sind, die jetzt der gesamte deutsche Episkopat in feierlicher Form verkündet. Für das ganze katholische Volk aber ist das Hirtenwvrt der Fuldaer Bischofskonferenz ein Richtstein auf dem schweren Weg durch den Jammer unserer Tage: ein Wegweiser zur Rettung aus Haß und Verzweiflung durch die Liebe Christi in den Hasen des Friedens.
*
Die am Grabe des hl. Bonifatius versammelten Bischöfe Deutschlands senden ihren Gläubigen Gruß und Segen in Jesus Christus, unferm Herrn.
_ Als wir kn diesem Jahre zu ernsten Beratungen m Fulda beisammen waren, erschien uns nichts dringlicher, als an unser ganzes katholische Volk ein gemeinsames Hirtenwort zu richten und uns mit allem Freimut auszusprechen über die gegenwärtige Lage und über das eherne Gebot dieser Schicksalsstunde. Was wir zu sagen haben, wird nicht allen gefallen. Aber uns gilt das Wort des Apostels: „Wenn ich Menschen ge- fallen wollte, wäre ich Christi Diener nicht" (Gal. 1. 10). Und wir sprchen dem Heiland nach: „Ich such nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat" (Joh. 5, 30). Wir haben keine andere Aufgabe und Absicht, als mit dem Licht der ewigen Wahrheit hineinzuleuchten ins Dunkel der Zeit und uns von ihm den Weg weisen zu lassen, den wir mit unseren Gläubigen zu gehen haben.
Geliebte, mit Trübsal und Elend gesättigt wie der Dulder Job (10, 15) schauet ihr mit uns voll Gram und Sorge hinein in die Gegenwart und Zukunft. Man kann in der Tat lange blättern in der Geschichte der Menschheit, bis man ein Gegenbild findet zu den jammer- vollen Zeiten, in denen wir leben. Der schauerlichste aller Weltkriege liegt hinter uns. Er hat in der Seele aller Völker einen wahren
Abscheu gegen Krieg zurückgelassen und einen Heißhunger nach einem Frieden, der den Namen Frieden verdient. Aber den wahren Frieden kann und will die Welt nicht geben, wie der Heiland selbst sagt. (Joh. 14, 27). Sie kann nicht herauskommen aus der vergifteten Atmosphäre des Krieges, kann sich nicht zur Abrüstung der Millionenheere entschließen und vergeudet noch immer Zeit und Geld mit der Beschaffung noch gräßlicherer Zerstörungsmittel und Mordinstrumente. Lieber will man selber auf die Segnungen des Friedens verzichten, als daß man sie einem andern gönnt. Statt einmütig auf eine Verständigung und Versöhnung der Völker hinzuarbeiten und Sinn und Herz dem wahren Wohl der Menschheit zu erschließen, verkrampft man sich in engherzigster Selbstsucht,
in starrstem Nationalismus
und läßt man sich von dem ebenso herzlosen als grundfalschen Motiv leiten: was dem andern Schaden bringt, gereicht mir zum Nutzen.
Die Folgen sind immer neue Sturmfluten von Gewalttaten und Grausamkeiten, von Drangsalen und Leiden, Vergiftung und Verwilderung des geistigen und sittlichen Lebens, Verwirrung aller äußeren Lebensver- hälknifle, Schädigung des Handels und Verkehrs und der ganzen Weltwirtschaft, Entwertung des Geldes, Teurung,
Hunger und Elend.
Darunter leiden allmählich alle Völker, und die Beratungen und Verhandlungen, wie dem ein Ende gemacht werden könne, dehnen sich endlos, hin und bleiben in Ratlosigkeit und Hilflosigkeit stecken. Die Weisheit dieser Welt ist zur Torheit geworden (1 Kor. 3, 19).
Unser armes Volk ober ist über all dem leiblich und seelisch krank geworden. Dumpfe Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung hat sich mancher Kreise bemächtigt: in andern zeigen sich Fieberzustände, die zu roilben Ausbrüchen und Ausschreitungen führen. Wohl bietet ein Teil unseres Volkes, und zwar der am schwersten heim- gesuchte, der Well das ergreifende Schauspiel eines still duldenden Heldentums voll Würde, Seelengröße und Selbstbeherrschung. Aber während unsere Brüder und Schwestern an Rhein und Ruhr so furchtbar leiden, gibt es im übrigen Reich nicht wenige, die von der
Tollwut der Vergnügungssucht, Genußsucht und Festsucht befallen sind, die nach dem alten Rezept des bodenlosen Leichtsinns leben: „Lastet uns effen und trinken, denn morgen werden wir sterben" (Js. 22, 13), die über alles hinwegtanzen, über des Volkes Rot und das Unglück des Vaterlandes, über christliche Zucht und Sitte, über die Gesetze der Obrigkeit und Gottes beilioe Gebot»
Andere sind in die Fallstricke des Teufels geraten (1 Tim. 6, 9), und
Götzendiener des Geizes
(Eph. 5, 5); sie häufen Unsummen von Geld und Gütern auf mit schmutzigen Händen, die vor keinem Wucher und Betrug zurückschrecken und geübt sind in der fluchwürdigen Kunst, Geld zu machen aus dem Elend des Volkes, aus dem Hunger und den Tränen der Kinder und der Armen. Wieder andre entbrennen in heißer
Rachsucht,
möchten Feuer vom Himmel herabrufen über die Bedränger, schädigen durch unbesonnene Taten Volk und Vaterland und machen sich mit ihrem ohnmächtigen Grimm nur lächerlich und verächtlich. Sie sind ebenso Gemeinschädlinge wie die, welche von neuen Kriegen und Revolutionen träumen und durch Aufruhr, Meuterei und neues Blutvergießen bessere Zeiten herbeiführen wollen.
So traurig sieht es aus in der Welt und so traurig ist die Sage unseres Volkes. Soviel Fluch und Elend kann ein Friede über die Menschheit bringen, der kein Friede ist, der, wie der Heilige Vater in seinem herrlichen Rundschreiben vom 23. Dezember 1922 sagt, wohl in Urkunden schriftlich niedergelegt ist, aber nicht eingedrungen und eingeschrieben ist in die Herzen, weil in diesen Herzen noch immer die Geister des Krieges leben und Unheil stiften. Der Heilige Batch: weist aber auch als tiefsten Grund all dieses Elends nach den Abfall von Gott und Christus, die Ausschaltung der Religion, des Gottesglaubens, der christlichen Grundsätze aus dem Staatswesen, den Gesetzen, der Familie, der Schule, dem Völkerleben. Es gibt
nur Einen wahren Frieden, ruft er der ganzen Menschheit zu, den Frieden Christi und er gibt die Losung aus: Pax Christi in regno Christi, der Friede Christi im Reiche Christi!
Geliebte, damit ist uns Weg und Ziel gewiesen. Wenn wir in so schauerlicher Zeit, wo alles wankt und weicht, unser Leben auf festen Grund und bas Heil unserer Seele sicher stellen wollen, wenn wir es gut meinen mit unferm Volk und Vaterland uni) zu feiner Rettung mithelfen wollen, dann heißt es vollen Ernst machen mit unserem katholischen Christentum und
die Herrschaft Christi
wieder aufrichten in imfrem Leben, in der Familie, in der Gemeinde, soviel an uns liegt auch im öffentlichen Leben. Diese heilige allgemeine Pflicht schließt im gegenwärtigen Augenblick vier Einzelpflichten in sich, die wir euch besonders ans Herz legen. Sie heißen: Beten, Sühnen, Opfern, jede Art von Liebe pflegen, auch die F e i n b e s I i e b e.
Das Hauptmittel, um eine böse Zeit in eine gute zu verwandeln, um die von den giftigen Gasen des Kriegs, von Lüge, Feindseligkeit und Gewalttat verdorbene Lebenslust zu entgiften und eine gesunde Atmosphäre des Friedens zu schaffen, um eine bessere Zukunft" anzubahnen, in der, wie es im Psalm 84 heißt, „Gottes Heil und Herrlichkeit im Lande wohnt, Erbarmen und Wahrheit sich begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, Wahrheit aufsproßt von der Erde, und Gerechtigkeit her- niederschaut vom Himmel", — ein Hauptmittel hierzu ist und bleibt
das Gebet, besonders bas Gemeindegebet und das Gebet der gesamten, zu einem wohlgeordneten Heer von Betern zu- sammengeschlossenen Christenheit.
Dieses Heer rufen wir Bischöfe auf in dieser drangvollen Zeit der Entscheidung. Wir ordnen an, baß in allen unfern Diözesen unb Gemeinden hn Laufe des Monats Oktober ein Gebetstriduum abgehalten werde. Die hochwürdigen Pfarrer werden von sich aus für jede Gemeinde diese drei Tage im Anschluß an einen Sonntag ansetzen und bas Weitere anorbnen; hierbei kann bas „Allerheiligste" in ber Monstranz ben ganzen Tag über oder während der Betstunden am Morgen, Mittag unb Abend ausgesetzt werben. So wollen wir im ganzen Vaterland, von Gemeinde zu Gemeinde, unsre Rot dem göttlichen Herzen Jesu und dem Mutterherzen der Rosenkranzkönigin anbefehlen und den Frieden herabflehen auf diese friedlose Welt.
Sühnen heißt unsere zweite Pflicht. Ihre Erfüllung ist herb unb bitter, aber sie bringt Heilung unb Genesung. Wir haben gefehll unb gefünbigt, barum ist ein solches Hagelwetter von Verberben über uns gekommen. Wenn die Völker ringsum noch so laut sich gebärbn, als könnten sie ihre Händen in Unschuld waschen, wir beten bas Confiteor unb den Psalm Miserere. Wir bekennen den Grund, aus dem wir mitschuldig sind am Ausbruch des Krieges, am Niedergang des Reiches Gottes in Deutschland, am Verfall ber christlichen Zucht unb Ordnung. Denn es ist nicht zu leugnen: all der Betrug unb Wucher und gemeine Mammonsdienst, die freche Ausgelassenheit unb ber frevelhafte Leichtsinn so vieler in unserer Zit lastet schwer auf uns als unsres Volkes Schuld, daher als unsre Schuld. Wir bekennen uns schuldig unb suchen unserer Sühnepflicht zu genügen durch geduldige Ertragung unserer Leiden, durch eine harte, ernste, sparsame Lebensführung, Ehrlichkeit und Redlichkeit. „Das ist ber Anfang unterer Rettung", sagt der hl. Bernhard, „daß wir verwerfen, was wir liebten, bereuen, woran wir uns erfreuten, lieben, was wir fürchteten, erstreben, was wir flohen, wünschen, was wir verschmähten." (Serm. 2 be Circumcis.)
Das geht nicht ohne Opfer ab, unb nur um den Preis der schwersten Opfer wirb, wie jetzt bie Dinge liegen, die Freiheit und ber Friede unseres Vaterlandes erkauft werden können. Wirb unser verelenbetes Bolk noch soviel Opferkraft unb Opfermut auf bringen?, Das ist bie große Schicksalsfrage.
An uns, Geliebte, soll es nicht fehlen. Wir kennen die Bedeutung des Opfers. Wir wissen, baß bas Opfer bas Mark des religiösen unb sittlichen Lebens ist, wie es ber wunderbare Mittelpunkt unseres. Gottesdienstes
die Wiederaufnahme des Verkehrs im besetzten Gebiet statt. Von deutscher Seite durftet» nur Fragen gestellt werden. Die Regie will die deutschen Eisenbahner nur unter folgende» Bedingungen zulassen:
1. Die deutschen Beamten werden auf die alliierte Regie vereidigt. 2. Es werden nur solche Beamte eingestellt, die am Ort ihrer Tätigkeit geboren sind. 3. Aeltere Leute sind von der Wiedereinstellung überhaupt ausgenommen; es kommen nur jüngere Leute in Frage. 4. Die ausgewiesenen Beamten werden nicht wieder eingestellt;" die Ausweisungen werden aufrechterhalten.ö.Jnsgesamt darf nur ein Drittel des bisherigen deutschen Beamtenstabes wieder eingestellt werden. 6. Alle Leute haben unter alliierter Leitung zu arbeiten.
Wie es in dem Telegramm weiter heißt, sind die Beamten des Ruhrgebiets meistens ältere Leute. Es ist also kaum anzunehmen, daß überhaupt die Beamten, die den französisch-belgischen Bedingungen entsprechen, auch nur das in Punkt 5 zur Bedingung gestellte Drittel ausmachen.
Die Verhandlungen werden fortgesetzt.
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Aus Essen wird gemeldet: Die über die Stadt und den Landkreis Essen wegen des letzten angeblichen Sabotagefalles verhängten Verkehrsbeschrönkungen wurden aufgehoben. In den Straßen herrscht bei sonnrigem Herbstwerter völlige Ruhe.
Die tage in Bayern
ist undurchsichtig. Jedenfalls laufen in Bayern zurzeit eine ganze Menge Strömungen durcheinander Die Stimmung der ansässigen Bevölkerung gegen Ludendorff und Hitler, die als Zugereiste betrachtet werden, ist im Wachsen begriffen. Die Reibungsfläche! zwischen Bayern und Reich scheint sich gleichfalls zu vergrößern. Die K. V. verlangt die Abberufung deS Reichsvertreters in München, des Gesandten v. Haniel, als einer ungeeigneten Persönlichkeit.
Am Sonntag wurde nach einer Meldung aus München in der Türkenkaserne eine Gedenktafel für die Kriegsgefallenen des Leibregiments eingeweiht. Der Feier wohnten über 20000 Angehörige des Regiments, ferner Prinz Rupprecht und die Generäle Lossow, Rothmer und Epp bei. Es folgte ein Vorbeimarsch vor dem Prinzen Rupprecht, wobei das Publikum ihn mit dem Rufe begrüßter .Es lebe der König!"
Die toläning her ReWregiermg.
Das Reichskabinett trat am Sonntag zu einer Sitzung zusammen, um zur politischen Lage Stellung zu nehmen. Die Beratungen galten, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, der Vorbereitung der in der nächsten Reichstagssitzung vom Reichskanzler für die Regierung ab zu- gebenden Erklärung. Sie werde sich in erster Linie auf die außenpolrtische Haltung der Reichsregierung beziehen. Ferner wird über die durch die Verhängung des Belagerungszustandes entstandene Lage und die dadurch geschaffenen Verhältnisse deS Reiches zu den Ländern berichtet werden. Endlich werden die vom Kabinett in Aussicht genommenen Maßnahmen auf wirtschaftlichem, finanziellem und sozialem Gebiet zum Gegenstand der Erllärung der Reichsregierung gemacht werden.
Man nimmt in Regierungsk reisen an, daß bis zur Reichstagssitzung die offiziellen Erklärungen Frankreichs und Belgiens über die nach Aufhebung des passiven Widerstandes von diesen Ländern einzunehmende Haltung vorliegen werden. Sollte dies n i ch t der Fall sein, so wird sich die Regierung auch über ihre eventl. Stellung zu den kommenden Ereignissen äußern, insbesondere zu den von einzelnen Stellen der französischen Verwaltung an die deutschen Eisinbahnboamten und Arbeiter gestellten Ansinnen. Die Lage im Reich hat nach der Verkündung des Reichsausnahmezu- standes bisher zu Beunruhigungen keine Veranlassung gegeben und es wird angenommen, daß die Wirkung des Ausnahmezustandes das Reich vor Unruhen auch weiterhin bewahren roirb.
Die Nachrichten aus Bayern zeigen, daß dort die Kundgebungen am Sonntag in voller Ruhe verlausen sind. Die Nachrichten über die Ausrufung der rheinischen Republik haben sich nicht bewahr- heitet. Die Absichten der Separatisten sind vereitelt worden durch die Haltung der Bevölkerung, die in ihrer ungeheuren Mehrheit den Bestrebungen der Separatisten ablehnend gegenübersteht.
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Der Reichsminister für den Wiederaufbau hat am 28. Sept, die Bekanntmachung vom 13. Januar über die Einstellung der Reparationsleistungen im freien Verkehr an Frankreich und Belgien aufgehoben.
psmcare
hielt wieder eine Sonntagsrede. Diesmal im Walde von Ailly, wo ein Kriegerdenkmal enthüllt wurde. Inhaltlich bringt die Rede nicht? neues. Er sagte u. a.:
»Die deutsche Regierung hat mit ein wenig Lärm der Welt angetünbigt, daß sie dem passiven Wider- stände im Ruhrgebiet ein Enbe bereiten werbe. Sie konnte nicht anders handeln. Sie wußte, baß sie nicht mehr imftanbe ist, ben Widerstand zu finanzieren. Wir beurteilen Deutschland nach feinen Taten. Es bat daraus verzichtet, Bedingungen zu stellen. Das ist gut, aber es muß uns jetzt zeigen, daß es wirklich geneigt ist, in ben besetzten Gebieten bie Ausbeutung ber beschlagnahmten Pfänder zu erleichtern. Wenn es ben Hintergebanken hat, von 'uns Vorteile einzutauschen gegen einfache Worte der Unterwerfung, bann mürben wir keinen Schritt yn; Entspannung getan haben. Der Augenblick ist also noch nicht gekommen, unsere Aufgabe für beendet zu betrachten. Die Arbeit von morgen ist viel schwieriger, als bie Arbeit, bie wir vollbracht haben."
Der K r i e g s m i n i st e r Marginot hielt einen ähnlichen Snnuck-