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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

50. Zahrg

Nr. 216

Postscheck-Konto 4061 Frankfurt a- M.

-r

Anrciaen- Grundpreise: Äleimeile (Colonel) 60 3RL aus­wärts 90 UH,; Reklamezeile (Colonel) 180 Mk., auswärts 270 Mk. Echtüsielrabl 12000. Anreisen sind bei Aufgabe ru berabren.

Donnerstag, 20. Sept. 1923.

Verantwortlich lür die Echrittleitun,.- L ».: Anton Heilet. Anzeigen: 3-1 arzeller, Fuld«. Rotntiontdruck und Verl«« der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda. Fernldrecher Ar- 9.

Bezugspreis: Lwei'e LäUte im September 4,8 »iklione« Mark.

Sewiffrnserforschung.

Wir haben zu lange, allzulange den Kopf m den ßmd gesteckt, allzulange haben wir gedacht: wir Serben uns schon durchwurskeln. Auf die Hilfe, cs Einsehen der anderen, Englands, Amerikas, er ganzen Welt, haben wir gehofft — und taten elber nichts, um aus dem Niedergang heraus- vkommen. Jeder Stand, jede Schicht und jeder finzelne suchte sich möglichst schadlos zu hatten. Lenn die „anderen" darben und hungern mußten, » nun, man bedauerte das; aber zu helfen, dazu Wts ncan sich nicht verpflichtet. Volksgemeinschaft, !otgemeinschaft, — man redete darüber. Der Staat, die Regierung sollte alles machen; von verlangte und forderte man, ohne Maß und chne Ueberlegung. Daß eine Regierung ohne -ilfe, ohne Stütze und ohne Opfer des Volkes «ichts ist und nichts vermag, erst recht nicht n solchen Not- und Gefahrzeiten, das wollte nie« nand begreifen. Es muß einmal klar und unge- chminkt gesagt werden: wir lebten und arbeiteten licht miteinander und füreinander, sondern F e g e n einander. Wir stießen UNS selber in das Inglück hinein. Statt alles daran zu setzen, timf) materielle Opfer und Leistungen die politische Freiheit und wirtschafttiche Unabhängigkeit von Reich und Volk wiederzugewinnen, feilscht man um Steuern und Opfer.

Man sollte meinen, die Zeiten sind so bitterernst, daß Zank und Zwietracht keinen Raum in Doutsch- land haben könnten. Was erleben wir aber? Eine nicht nur im Stillen, sondern vielfach auch in aller Oeffentlichkeit betriebene Auflehnung gegen die Steuergesetze und ihre Durchführung. Ist die Erkenntnis, daß wir allesamt die Folgen des ver­lorenen Krieges auf uns zu nehmen haben, auf uns zu nehmen mit Anstand und Würde, mit Zusam­menraffung all unserer materiellen und sittlichen Kräfte, so in alle Vollsteile eingeürungen, wie un­sere Lage es notwendig machte? Die „Franks. Ztg." frischt eine Erinnerung auf: Es ist noch gar nicht so lange her — es war in dm Tagen des Kabinetts Wirth, — daß der Mann, den die Rechte als chren Wirtschaftssachverständigen und Staatsmann par excellence auch heute noch ausgibt, daß Herr»Helffe- rüh dem Kanzler gegenüber die von diesem ange­strebte Erfüllungspolitik als beschämend bezeichnete, daß er ihm vorwarf, die deutsche Wirtschaft systema­tisch zu Grunde zu richten, „nur um zu erfüllen" und seine Rede schloß: „Wann endlich kommt das erlösende Wort: bis hierher und nicht weiter!" Und heute? Die Rechte hat zwar die August- Steuergesetze zusammen mit allen anderen Parteien des Reichstages einmütig gutgeheißen, aber schon nach wenigm Tagen mit der schärfsten Opposiüon gegen eben dieses Werk vorgesetzt. Wer die Opposi- tioon von ehrlicher Ueberzeugung getragen, dann war, so bemerkt die „Fkf. Ztg." treffend, die voraus- gegangene Zustimmung zu den Steuergesetzen, die wirklich Schweres und Manchen vielleicht sogar Ueberschweres auferlegten, mtweder eine Dumm­heit oder ein Akt der Feigheit.

Ist es ein Wunder, daß die Well zu einem sol­chen Volke kein Vertrauen hat, daß sie dem deut­schen Wort, deutschen Versprechungen und Garantien mißtraut? Wie soll eine Regierung eine gute, er­folgreiche Außenpolitik führen können, wenn starke Kreise ihr immer nur am Zeug flicken und ihre Au­torität untergraben? Wenn infolge der Eigen- nutzes einzelner Schichten die kranke Wirtschaft, die deutsche Währung vollends ruiniert werden?' Wa, mir bis jetzt getrieben haben und noch treiben, das läuft auf eine Art Selbstmord hinaus. Wir müssen das endlich einmal ohne jede Beschönigung vor uns selbst bekennen. Nur über diese Erkennt-

Das geheimnisvolle Schiff.

Roman von Fr. Viller

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Vierzehn Fuß Wasser auf dem Riff, fang Henriksen aus, während er die Leine mit dem Lot wieder ein- Holle.

Es ist gut, rief Holt; nun sind wir bald an dem andern Eingang — der Baum mit dem Sandhstgel drüben am Lande--Seht dort! Er zeigte über die

Reling hinaus. Einige Fuß unter der Oberfläche des Wassers starrte eine Reihe unheimlich spitzer Korallen- riffe — scharf wie der Rand einer Austernfchale.

Jetzt versteht ihr den Wert dieser Kartenskizze. Sle dient nicht allein dazu, um den Eingang zu zeigen, son­dern auch um den Kurs für die erste Strecke innerhalb anzugeben. Aber nun Achtung!

Holt holte das Ruder auf, und der „Fram" drehte sich wieder wie ein Kreisel, als ob er einen Anlauf in der andern Richtung nehmen wollte. Der neue Kurs war ungefähr lotrecht zum früheren und zeigte nach einer Senkung in den Sandbänken voraus.

In Wirklichkeit befanden wir uns in einem Bassin zwischen dem Strand und dem Riff draußen. Es konnte wohl eine Meile ober zwei breit sein und zog sich süd- toärts in der Richtung der Küste, soweit mir sehen konn­ten. Die See war hier ruhig wie in einem Teich und wurde nur von der frischen Brise gekräuselt.

Wir warfen wieder das Lot; es zeigte noch immer drei Faden; aber bann und wann tauchten drohende Korallenspitzen auf beiden Seiten des Fahrzeugs auf

Holt verwandte keinen Blick von den Zeichen voraus; die Rinne, in der wir segelten, wurde immer breiter, bis auch die Sandhügel voraus sich öffneten und einen Durch gang erkennen ließen — mehrere hundert Meter breit. Jenseits desselben dehnte sich ein neuer Wasserspiegel aus, er wurde m der Ferne vom Wald begrenzt, der aus dem Master auszusteigen schien.

Weiter reicht die Kartenskizze nicht, sagte Holt mit einem vergnügten Lächeln, und dies bedeutet wohl, daß «Dir uns nun mitten tm Fahrwasser zu hallen haben.

währungspläne der Regierung.

Das zukünftige

Som Reichsfinanzministerium wird mitgeteilt, daß die Arbeiten für die Schaffung eines wertbe­ständigen Geldes soweit gefördert sind, daß der Ent­wurf voriiegt. Die Reichsbank wird von den Staatsfinanzen völlig losgelöst und dadurch instand gesetzt werden, di« Funktionen einer Goldnoten- vank für das Wirtschaftsleben in vollem Umfang ju erfüllen. Reichsschatzscheine werden bei der Reichsbank nicht mehr diskontiert, so daß eine un­gedeckte Vermehrung des Papiermarkumlaufes nicht mehr stattfindet.

Für eine Uebergangszeit bis zur Balanzierung des Reichshaushalts gibt eine zu schaffende Bank Noten aus, die durch eine Goldverpflichtung der privaten Wirtschaft (Landwirtschaft, Industrie, f) anbei und Danken) auf Grund des Wehrbeitragswertes sichergestellt werden. Diese Noten werden gesetzliches Zahlungrmit- t e l. Die Papiermark wird Scheidemünze der neuen Note, in der sie zu einem bestftnmten Kurse einlös­bar sein wird. Gleichzeitig wird nach dem bereits vorliegenden Finanzprogramm die stärkste Ein­schränkung der Ausgaben im öffentlichen Haushalt erfolgen. Bei der Wertbeständigkeit der Einnahmen wird eine größere Ergiebigkeit der Steuerquellen und damit eine fortschreitende Dek- kung der Au-zzaben erzielt werden.

*

Der vorstehende Plan, der wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen das Reichskabinett zur endgül­tigen Beschlußnahme beschäftigen wird, geht zu­nächst von der richtigen Voraussetzung aus, daß angesichts der sich zuspitzenden Markkatastrophe ir­gendetwas geschehen muß, anstelle der Mark, die immer mehr ihre Funktton als Zahlungsmittel ver­liert, ein neues Zahlungsmittel zu schaffen. Eine endgültige Lösung der Frage ist aber nicht möglich, solange die Einnahmen und Ausgaben des Staates nicht insß Gleichgewicht gebracht werden können. Deshalb strebt man eine Zwischenlösung an, die in wenigen Wochen durchgeführt werden kann.

Die Reichsbank erhält die Funktton einer rei­nen Notenbank, wie sie sie vor dem Kriege

Zahlungsmittel.

hatte. Daraus geht schon hervor, daß der Umlauf d>r neuen Reichsbanknoten nur einen beschränkten Umfang erreichen wird. Im Vordergrund des künftigen Zahlungsmittelverkehres steht die neue Rote, die gegen Papiermark e i n g e t a u s ch t wnden kann. Daß vorher noch eine Denomination, da» heißt eine Herabsetzung des Nennbetrages des Geldes stattfinden wird, ist wahrscheinlich. Das bis­herige ffftipiergelb wird voraussichtlich die Funktton der früheren Scheidemünzen zu übernehmen haben.

Der Schwerpunkt der neuen Transaktton liegt darin, daß neue Reichsfchatzfcheine nicht mehr dis- konttert werden. Das Reich wird in Zukunft nicht mehr mit Reichsschatzfcheinen feinen Bedarf decken, sondern durch die neuen Noten der Währungsbank. Diese wäre überflüssig, wenn das Reich auf dem Anleiheweg noch größere Mittel aufbringen könnte. Das ist aber heute nicht mehr der Fall.

Wir werden also in nächster Zeit drei Arten von Zahlungsmitteln haben, die bisherige Papiermark, die Noten der Währungsbank, die die Rolle der gesetzlichen Zahlungsmitteln zu überneh­men haben und die Goldnoten der Reichsbank.

Die Fundierung der neuen Bank ist die Be­lastung des Grund und Bodens, wie der Industrie und des Gewerbes nach dem Helfferichschen Plan. Wenn der Reichskanzler vor kurzem erwähnte, daß der Besitz in erster Linie die hypothekarische Has- tung für die Reparationsverpflichtungen überneh­men soll, so bleiben diese Möglichkeiten unberührt, weil die prozentuale Belastung, die eine Gesamt- haftung ohne jedesmalige Eintragung darstellt, verhältnismäßig gering ist. Sie wird auf etwa 5 Prozent geschätzt.

Danziger Goldschecks.

Nach der „Danziger Zeitung" werden als Dor­läufer der neuen Danziger Währung am nächsten Freitag Industrieschecks zur Ausgabe gelan­gen. Es sollen Scheine von 10, 20 und 50 Gold- pfennig, 1, 2 und 2,10 Mark (gleich % Dollar) und 4,20 Mark (gleich 1 Dollar) ausgegeben werden.

nis können wir den Weg zur Rettung finden. Zur Rettung! denn wir stehen dicht vor dem Zusammenbruch. Der Kanzler hat in seiner Rede in Stuttgart darüber keinen Zweifel gelassen. Und auf diesen Zusammenbruch, diesen selbstver­schuldeten Zusammenbruch wartet die französische Politik, um aus dem auseinanderbrechenden Reiche Rhein und Ruhr als sichere Deute an sich zu

Lesen wir doch einmal nach, wie uns Frankreich, mit dem wir ringen muffen um unser Leben, be­urteilt: „Der Reichstag hat vor kurzem, so schreibt das „Echo de Paris", m aller Hast ein neues Steuerprogvannn verabschiedet, das allgemein als das letzte Mittel, Deutschland zu retten, angesehen wurde. Aber der Enthusiasmus, mit dem diese energischen Maßnahmen begrüßt wurden, ist bereits in Rauch zerflattert. Die Deutschen sind Patrioten bis zum Geldbeutel. In der Oeffentlichkeit berau­schen sie sich in tönenden Phrasen und nationa- l e n P r o t e st e n, in Wirklichkeit aber denkt jeder nur an sich selbst. So wird das finanzielle Sanierungsprogramm fabotiert, genau wie die Re- parattonen sabotiert worden sind. . ."

Und das Ende? Der Zusammenbruch ist unver­meidlich, prophezeit das Blatt. Darum muß Frank­reich Rhein- und Ruhrgebiet in der Hand behalten,

als Pfand und Bezahlung! — Die eigene finanzielle Sanierung ist also der erfte Schritt zur Durchkreuzung der französischen Ab­sichten. Aber selbst für den schlimmsten Fall: täu­schen wir uns nicht darüber, daß ein Zusammen­bruch alle, alle ohne Ausnahme, treffen und ruinieren wird; daß keiner dann seine Substanz, seinen aufgehäuften Reichttrm wird retten können. Denen, die es noch nicht begreifen wollen, hat der Kanzler in Stuttgart es deutlich gesagt: Was bleibt von der Substanz der Wirtschaft, wenn die Substanz des Staates sich nicht erhalten läßt? Und weil die Erhaltung der Substanz der Wirt­schaft von dem Bestand des Staates abhängig ist, muß die Wirtschaft dem Staat untergeordnet werden. Die Wirtschaft muß alles hergeben, damit der Staat erhalten bleibt. Not ist mächttger als Gesetze und Rechte, die in normalen Zeiten für Eigentum und Handeln des Einzelnen gelten.

Wer dem Reiche die Mittel zur Gesundung sei­ner Finanzen, zur Aufrechterhaltung seiner Eri- stenz verweigert und dazu auffordert, wer dein Volke die zu seinem Leben notwendigen Lebens­rnittel aus schnöder Gewinnsucht zurückhält, unbe­kümmert darum, ob Tod und Verderben daraus er­wächst, der hat den Anspruch, als ehrlicher Volks­genosse zu gelten, verwirkt.

Die pariser Zusammenkunft.

Enkscheidungsschwere Tage.

Am Mittwoch wird der englische Ministerpräsi­dent, Lord Baldwin, seinem französischen Kol­legen Poincare, einen flüchtigen Besuch abstat- ten. Die Zeitungen schreiben ostiziell, daß es sich dabei höchst wahrscheinlich nur um einen Höflich­keitsbesuch handeln würde. Baldwin und Poin- care werden darüber wohl anders denken. So kurz die Zeit sein wird, in der beide miteinander ver­handeln, so wichtig dürfte der Gesprächsgegenstand sein, über den sie sich unterhalten werden. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß der deutsch- französische Konflikt seiner Entscheidung zutreibt und daß diese Entscheidung in den nächsten Tagen fallen dürfte. Diese Entscheidung ist aÄ« bedeutsam nicht nur für Deutschland und Frankreich allein, sondern darüber hinaus zunächst für Belgien und England und vielleicht für ganz Europa. Es ist durch die Berliner Regierungsstellen kein Zwei­fel darüber gelassen worden, daß sich die passive Abwehr an der Ruhr und am Rhein nicht mehr lange, wenigstens nicht in der bisherigen Form, weiterführen läßt, daß die Ansprüche, die durch diese Abwehr an die Finanzkraft des Reiches gestellt werden, nicht mehr erfüllt werden können.

Die Reichsregierung hat aus diesem Zustands seit einigen Tagen die Folgerungen gezogen und versucht, sich mit Poincare über eine neue Form des Zusammenlebens der beiden Staaten: Deutsch­land und Frankreich zu verständigen. Es sind in der Hauptsache drei Gesichtspunkte, die tlargefteltt werden müssen, um diese Form feststellen zu kön­nen: Der erste Gesichtspunkt betrifft den passi­ven Widerstand, der zweite die Frage der Reparation, der dritte die der Sicherung. Das sind bekannte Dinge. Die Fragen müssen aber alle drei gelöst werden, und zwar mit der Gesamt­heit der Entente gelöst werden, ehe der polittsche Zustand geschaffen werden kann, das neue Der- tragsverhältnis, das die nächste Zukunft Europas garantiert. Es genügt nicht, daß wir uns z. B. mit der Reparationskommission etwa über die Frage der Reparationen einigen. Es muß — das scheint jetzt festzustehen — früher über die Frage des pas­siven Widerstandes eine klare Formel gefunden werden. Das verlangt nicht nur Poincare, das ver­langen auch wir, die wir unser Seifhmgsangebot und unsere Leistungsverpflichtungen abhängig ma­chen von der Wiederherstellurrg der toomroramä» über die besetzten Gebiete.

Wenn es nun auch feststeht, daß wir nicht mehr lange den passiven Widerstand finanzieren können, so ist damit doch keineswegs gesagt, daß wir, sobald das Stadium der Ohnmacht in dieser Be­ziehung faktisch feststeht und falls bis dahin keine Derständigungsformel über den passiven Wider­stand mit Poincare gefunden worden ist, formell kapitulieren. Eine solche Alternattve hat anschei­nend Poincare in seiner ganzen Ruhrpfänderpolitik in Rechnung gestelll. Er hat in seinen Reden dauernd unsere vorbehaltlose Kapitulation verlangt Das deutsche Verhalten im Falle der Unmöglichkeit der Weiterführung des passiven Widerstandes konnte eben noch ganz andere Formen annehmen als die formelle Kapitulation: „Wir könnten zur Gewalt übergehm, zu einem Verzweiflungsakt; wir tonn­ten auch das Ruhrgebiet — wie der technische Aus­druck heißt — einfach „versacken" lassen; da bei; Verzweiflun gsw iderstcmd ein Unding ist, ein Akt, bei dem alle Politik aufhört und beffen Resultat von vornherein als ungünftig für uns feststeht, so kommt er, wenigstens solange die parlamentarisch« Regierung in Deutschland besteht, nicht in Frage. Ettvas anderes aber bedeutet die andere Möglich­keit, nämlich die des „Versackenlaffens" des beut» scheu Westens. Eine solche Methode wäre selbst-

Die Korallenspitzen verschwanden; unter uns erblickten wir nur den seinen, weißen Sandgrund. Die Strömung war uns günstig. Wenige Minuten nachher lagen auch die Sandhügel hinter uns, und das schönste Bild trat vor unsere Augen: ein breiter See erstreckte sich gegen Süden und Osten, sowett der Blick reichte. Die einzige Verbindung desselben mit dem Meer schien die schmale Rinne zu sein, durch die wir gekommen waren. Wälder mit riesigen Bäumen bekränzten feine Ufer und schienen mit den Wurzeln im See zu stehen; Weidengebüsch bedeckte rechts und links die nächsten Ufer. Zahlreiche Inseln mit der Üppigsten Vegetation schienen auf der Oberfläche des Sees zu schwimmen. Fern draußen in der nordöstlichen Ecke stieg das Ufer terrassenähnlich in die Höhe und verlor sich in blauenden Bergen. Große Scharen von prachtvollen Vögeln aus dem Enten­geschlecht belebten die Oberfläche des Wassers und stiegen bei unserer Ankunft kreischend und lärmend auf, während Schnepfen und Wasserhühner längs dem schilfbekränzten Ufer in ihrem Mittagsschlummer gestört wurden und in das allgemeine Konzert einstimmten.

Lange Zeit saßen wir stumm und ergriffen von dem wunderbaren Uebergang aus der Einsamkeit des Meeres und dem unheimlichen Brausen zu dem lächelnden Leben und der lauten Lebendigkeit auf dem herrlichen Bin- nenfee.

Hier sieht es nicht aus wie in einem Seeräubernest, bemerkte ich. Möglicherweise haben wir eine große geographische Entdeckung gemacht, was wir aber wirk­lich Nicht erwartet hatten!

Holt hatte das Fernrohr ergriffen und ging voraus auf die Back, wo Henriksen stand und nachdenklich den Fischen zusah. die vor dem Bug auseinanberftoben. Wenn man nur eine gute Angel hätte, murmelte er, Dann ließe sich wohl einer von diesen Kerlen heraucholen!

Wir glitten sanft über die Seefläche hinein. Die Seebrife begleitete uns noch immer, wenn sie auch bei weitem nicht mehr so frisch war, wie draußen.

Dem Steuerbordbug - ?rcu$ lagen zwei Inseln, eine größere und eine kleinere/ gegen diese hatte Holt sein Fernrohr gerichtet.

Wir Überließen Henriksen das Ruder und schlossen uns Holt an.

Dort liegen Fahrzeuge, so wahr ich Holt heiße! Seht bort! hinter der kleineren Insel!

Ich nahm das Fernrohr. Ganz richtig: über die Baumwipfel erhoben sich die schlanken Stengen und Dramraaen eines Raaseglers, während ein wenig mehr rechts die vergoldeten Knöpfe von zwei niedrigen Masten sichtbar wurden.

Was sollen mir tun? Umkehren? Monk sah Holt fragend an.

Dor zwölf Stunden kommen wir nicht heraus, war die trockene Antwort. Die Flut nimmt schon ab und bald wird das Riff fast ttocken liegen und die Oeffn mg für alles gesperrt fein, was nicht fliegen kann. Ich schlage also vor, daß wir weiter segeln, aber so, daß wir stets die Inseln zwischen uns und den Schiffen haben und unfern Beschluß fassen, wenn wir näher unter sie kommen.

Wir bedachten uns nicht lange, in diese Mause­falle zu segeln! rief ich, und nun beraten wir schon, wie wir wieder hinauskommen sollen!

Ist es denn ungewöhnlich daß Menschen so handeln? antwortete Monk philosophisch. Das tun Millionen Menschen auf der Welt seden Tag — im großen wie im kleinen. Warum sollten wir eine Ausnahme machen?

Deine tiefsinnigen Bemerkungen sind Übel angebracht. Du solltest doch bedenken, daß, wenn uns die Leute en Bord der Schiffe dort bemerken — mögen sie nun Car- listen oder Seeräuber fein — ihr ganzes Trachten in der nächsten Zeit dahingehen wird, uns so schnell als i möglich in die andere Welt zu senden.

Das wird aber jedenfalls nicht so leicht gehen. — Hrit schob das Fernrohr zusammen und gab Henriksen am Ruder einen Befehl. Der „gram" veränderte den Rurs und steuerte schräg quer über den See nach dem nördlichen Lande.

Als wir unter die kleine Insel tarnen, hatte der Wind fast nachgelassen; wir mußten die Ruder auslegen, um

den Kutter ganz unter den Strand zu bringen. Dori bargen wir die Segel, setzten eine Trosse ans Land und hollen das Fahrzeug zwischen bie' Aeste der Bäume hin­ein, welche über den See hinausragten. Dir wählten eine Stelle, wo zwei große Weidenbäume weit über­hingen, mit fast horizontal liegenden Stämmen. Zwischen denselben wurde der „gram" vertäut. Der Stamm bee einen Baumes diente als Landungssteg.

Wir steckten unsere Revolver zu uns und überließen den „Fram" der Obhut Henriksens. Er hatte die Angel­schnur hervorgeholl und versprach uns zum Abendessen frische Fische, sofern die Fische hier nicht schlauer wären als anderswo.

Daß wir uns in der Nähe eines Feindes befanden, schien nicht den geringsten Eindruck auf Karl Henriksen zu machen. Der Leutnant und seine übrigen Vorgesetz­ten würden wohl mit den Brassen fertig — das küm­merte ihn nichts.

Wir kletterten auf dem Weidenstamm ans Land und bahnten uns mit großer Anstrengung einen Weg durch das Gebüsch, welches den Raum zwischen den Uferbäu« men ausfüllte. Er war zwar nicht mehr als einen Kilo­meter breit, aber wir brauchten doch eine gute Stunde, ehe wir das andere Ufer erreichten und zwischen den Weidenbäumen auf das Wasser hinausspähen konnten. Nur ein schmaler Sund trennte uns von der großen Insel. Auch diese war mit Wald bedeckt, ober der letztere war in der Nähe des Ufers gefällt worden und eine plumpe Drücke aus unbehauenen Baumstämmen sprang ins Wasser vor.

An diesem improvisierten Quai lagen zwei Schiffe vertäut; etne mittelgroße Barke von altmodischem, plumpem Bau und ein kleines Dampfschiff mit tftoef Masten ohne Raaen und mit gelbem Schornstein. Der Rumpf des Dampfers war schwarz bemalt, mit einer vergoldeten Leiste geziert, und schien zu jener Dutzend­ware englischer Lustjachten mittlerer Größe zu gehören, wie sie zu Hunderten im Mittelmeer und den norwegi­schen Fjorden zu sehen sind.

(Fortsetzung folgt)