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rNnzelverraufspreis 150000 Mark.

FuldaerZertüng

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

50. Zahrg

Samstag, 1. September 1923

Nr. 200

Oroantration erftrebte unter

Fischer die gewaltsame

Staatsform.

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Rand des Ruins gelangt ist. Diese Entwicklung der Dinge muß man sich klar vor Augen halten, wenn man verstehen will, daß es die Deutschnationalen in diesem Augenblicke für nötig gehalten haben, ein ins Einzelne gehendes Ö i

Mark Stadtgeld von den Franzosen weggenommen. worden. Die Fortnahme dieser ungeheuren Summe zerrüttet den soeben mit den äußersten Mitteln wie­derhergestellten Geldverkehr in Düsseldorf dermaßen, daß keine Zahlstelle mehr in der Lage ist, festzustellen, wie weit ihre Zahlungsmittel noch reichen werden. Der Umstand, daß diese Wegnahme unmittelbar vor dem Lohntage erfolgte, läßt darauf schließen, daß es den Franzosen darauf ankommt, Ruhestörungen zu provozieren, die dann vermutlich von ihren Schütz­lingen, den Sonderbündlern, für ihr un­sauberes Handwerk ausgenutzt werden sollen.

General Degoutte ist, da er persönliche Beschwer­den nicht anhoren wollte, durch Vermittlung der Ortskommandantur darauf hingewiesen worden, faß an eine Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs bei diesem Vorgehen der Besatzung nicht mehr zu denken fei, zumal sich herausgestellt hat, daß die Druckereien, wie auch alle Zahlstellen unter ständiger Beobachtung von französischen Beam­ten stehen. Die städtischen Kassen haben den Zah­lungsverkehr eingestellt. Die Bankstelle der Spar­kasse wird ohnehin noch immer von den Franzosen unter Siegel gehalten. Vertretungen der Judustrie, des Handels und Gewerbes sowie der Arbeitnehmer- organisattonen werden zusammengerufem um zu die­sen Gewaltmaßregeln der Besatzung Stellung zu nehmen.

gegangen,, auf dem < .. „ .

bar am Rande der Großstadt ,, _

Nähe vieler Wohnungen ohne besondere Schutz­maßnahmen große Mengen Spreng ft offe zu zu vernichten. Wenn dieses rücksichtslose Bor­gehen auch noch keine Menschenleben gekostet hat, so beträgt der S a ch s ch a d e n, der von der Stadt er-

Be)ug«»rei»: Erste Hält e Sep em her 1 BilUton. Anzeigen: Kleinzeile n.CoUme 750 0dlt.; aus®. 1100C02ht. Reklamezelle n. Colone* 230 000 2RL aus®. 330 000 Ulk. Wen«, d.Aeldeniwertun« müfiett b.ltnetsen b.Auaabe befahlt werden.

Deutsches Reich.

* Vom früheren Kronprinzen. Die Behaup ung ausländi cher .Qoireiponbenten, daß bet frühere Kronprinz des T»utichen Reiche- wieder nach Deutschland zurückkehren will, bestätigt sich nach B.äitermelvungen nut in ofern, als die deutsche Reichsirgieruna darüber informiert i|t, daß der 51*on» pr nz eine solche Absicht hat. Es könne jedoü nich। behängt weiden, daß er einen solchen Antrag aestclii habe.

Genen die verhafteten Leiter der kommn- nistischen BeztrkSoraanisation von Berlin ist laut Bost. Zig. vom Oberreichsanwalt ein Hoch- verratsverfabren emgeleitet worden. Die Oraanraiion erstrebte unter Führung der Ritffen Rahlow, des Aba. Scholem und der Frau Ruth Fischer die gewaltsame Beseitigung der

Geldraub im Grossen.

Dillionenbeute.

In Düsseldorf ist ein Geldtransport neinerBillionunddreiMilliarden

Innere und äußere Sefahren. Sorge ums Reid).

Der italienisch-griechische Zusammenstotz.

Wie die „Dass. Ztg." aus Rom meldet, hat bei itaüenische Gesandte in Athen seiner Regierung mit­geteilt, daß Griechenland die Note Mussolinis in der Fon», wie sie in Athen übermittelt wurde, nicht annehmen würde. Nach einer Meldung der römischen „Tribuna" aus Athen werde Eriechenland sich in seiner Antwortnote zur Annahme einiger Punkte bereit erklären, andere Punkte wolle es dis­kutieren. Griechenland werde aber diejenigen For­derungen zurückweisen, die die Souveränität des Staates verletzten. Sollte tatsächlich die griechische Antwort nicht eine glatte Annahme der italienischen Forderungen darstellen, so würden, wie die „Doss. Ztg." meldet, italienische Maßnahmen in Kraft treten, die in der Besetzung einiger griechischen Inseln, darunter Korfu, bestehen würde.

rr-iamwoniia* 'in tte SchrsMiiung: Dr. Jod. Kromer, „ für die Anzeigen: 3. *1- a t je11e r• öu.Oa. ~ «»tntinnehrud u. Stria« der Fuldaer Aktiendruckerel in Fulda- Tern*me»et Nr. Softltbetf-Santo 4051 Frankfurt a. M.

fie sich befinden und was sie tun können, um dem nachfolgenden Reitersmann Dr. Stresemann die Er­reichung seines Zieles zu erschweren.

Das neue Oppositionsprogramm der Deutsch- nationalen trägt die Form einer Entschließung und ist am 28. August in einer Versammlung der Landesoerbandsvorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei im Reichstag aufgestellt worden. Bor- aufgegangen waren Vorträge durch die Abgeord­neten Hergt, Helfferich, Schiele und Reichert. Das Programm selbst trägt den Stempel eines geradezu unübertrefflichen parteipolitischen Hochmutes. Jede Partei har das Recht und die Pflicht, ihr Programm und die ihr eigene Auffassung über die politischen Dinge für die einzig richtigen zu halten. Aber die Deutschnationalen verbinden mit diesem _ selbstver­ständlichen subjektiven Recht eine Anmaßung und eine Verketzerung u. Verlästerung aller anders Den­kenden, die nicht mehr zu überbieten ist. Das Wider­liche dabei besteht darin, daß sie das in demselben Augenblicke tun, wo sie gerade den handgreiflichen Beweis dafür angetreten, ja wiederholt haben, daß mit ihrer Politik und ihren politischen Auffassungen dem deutschen Volk nicht geholfen, sondern nur ge- schadet worden ist. Das Programm versucht zu­nächst die Regierung Stresemann deshalb in Miß­kredit zu bringen, weil tn ihr die Sozialdemokraten „übermäßigen Einfluß" besäßen. Das führe nur zur Schwäche nach innen und außen und zum Gegenteil all"s dessen, was heute notwendig sei. Die Opposition sei unter solchen Umständen für eine entschlossen natio­nale Partei die einzige wahrhaft staatserhaltende, staatsverteidigende Emstellung. Die politischen Kräfte, welche der Sozialdemokratie innewohnen, überschätzen auch wir nicht. Aber wir sind auch weit von der Auffassung entfernt, daß etwa die Taktik unserer Deutschnationalen auch nur im geringsten die Gewähr in sich trüge, die Voraussetzung zu schaf­fen, die heute zu einer entschlossenen Führung der deutschen Politik notwendig sind.

Die unangenehme parteipolitische Situation, in die sich die Deutschnationalen dadurch gebracht haben, daß sie, um das Kabinett Cuno zu stützen, der jüngst vorgenomm-nm schroten steuerlichen Belastung oller Erw-rbsständ' '-stimmten, suchen sie mit unüberbietbarem hmut zu über­winden. In dem Programm heißt es, daß sie jener Belastung nur zu dem Zwecke zugestimmt hätten, um die verstärkte Durchführung des Ab­wehrkampfes an Rhein und Ruhr und die Siche­rung der Staatsordnung im Innern zu gewähr­leisten. Diese Voraussetzung sei aber heutenicht mehr gegeben! Inzwischen habe die Zer­setzung der deutschen Wirtschaft verhängnisvolle Fortschritte gemacht, welche die llndurchführbarkeit und Untragbarkeit der übereilt beschlossenen Steuern von Tag zu Tag deutlicher hervortreten lasse. Wenn die deutsche Wirtschaft wirklich feit der Annahme der neuen Steuern durch den Reichstag eine ver­hängnisvolle Entwicklung genommen haben sollte, was wir bezweifeln, so ist das höchstens, abgesehen von den außenpolitischen Faktoren, noch eine Folge der Wirtschaftspolitik des von Dr. Helfferich inspi­rierten Kabinetts Dr. Cuno. Im übrigen ist es eine Maßlosigkeit sondergleichen, zu sagen, daß heute ,wo andere Leute regieren, das Reich unauf­haltsam dem Untergänge entgegeneile. In der gan­zen deutschnationalen Argumentation liegt die die­ser Partei und ihrer Selbsteinschätzimg seit jeher angeborene Taktik zugrunde, daß sie nur dann dem Staate und der deutschen Regierung gehorchen, wenn sie selbst die herrschende Partei ist. Daß sie

jetzt eine radikale Nachprüfung der von chr selbst beschlossenen Steuergesetze verlangt, hegt auf der Hand und entspricht ihrem Bedürfnis, das ihr be­reits aufgekündigte Vertrauen des R e ichsland- Kundes schleunigst wieder zu gewinnen.

Die Forderungen, die das Programm m Be­zug auf die Innen- und Außenpolitik an bas neue Kabinett noch stellt, entspricht dem bereits Gesag- ten. Es verlangt im Innern zunächst rücksichtslose Wiederherstellung der E t a a t s a u t o r i t ä t. Das geschieht natürlich damit am besten, daß man den deutschnationalen Steuerverweigern entgegen- kommt. Es verlangt ferner schärfste Unterdrückung des geistigen und politischen Terrors. Das geschieht natürlich dadurch am besten, daß man durch Aus­hebung der Schutzgesetze für die Republik den deutschvölkischen Mörderzentralen wieder freie Wirkungsrnöglichkeit zurückgibt. In der Außenpolitik verlangt er wahrhafte Aktivität, Er­greifung jedes Mittels, das Erfolge verspricht. Als solche erfolgversprechende Mittel führt es u. a. an, Kündigung' des Versailler Vertrages, Ausweisung der Ententekommissionen, Vergeltungsmaßnahmen für die französischen Gewalttaten im Ruhrgebiet und Wehrhaftmachung des deutschen Volkes. Ge- miß würde sich über die Durchführung solcher Sor­tierungen zunächst niemand mehr freuen als P o i n c a r e, dem dadurch vollkommen freie Hand gegeben würde.

ver £infc$ra&ifcali$mus;

Tie Deutsche Allgemeine Zeitung meldet auS Dresden, daß der Vorsitzende der so ialdemo- traii'ifen Partei Wels und auch an leitender Stelle im Reiche stehende P.-isönlickkeiien in Dresden wellten ,u einer Konferenz mit dem sächsischen Mi- nisterpräsidenien Dr.- Zeigner und der sozialden o- fratiidjen Landla ssraknon. Man habe den Blattern zufolge Tr. Zeizner nicht in Zweifel darüber gelaffen, daß der kommunistische Rur4 in Sachsen au ft ören muffe, da eine er pneßliche Arbeit der onalistischen Mitglieder des ReichSkabinellS dadurch nnrnöilich gemacht tombe. Tr. Zeioner habe darauf b'ndende Zusicherungen gegeben, daß in Sachsen eine Aenderung einheten weide. jSo werde er z. B. seinen von den Kommunisten gewitterten Kamps gegen'den Reichswehrnnnnter Dr. Getzler aufgeben. , Ferner hat die sozialdemokraüiche 2anbloa5fraftion be- ichlosien, der kommunistischen ^obeutr’g auf fo o'iige Einbeiufung des Landtages ihre Unter» stützung zu versagen^

Nach einer Meldung der Baff. Zig. aut Trüben ist es in Plauen erneut zu Zuiammen stoßen ,wMen Erwerbslosen und Polizei gekommen, wobei vier Pol z- dramte durch Steinwürie ichwer verletzt wu'.den. Tie Ruhe wurde schließlich wiederherge- stellt.

Dor einiger Zeit sind die Franzosen dazu über« Exerzierplatz Lohausen unmittel- Großstadt Düsseldorf und in der

ppositionspro- grammzurBe kämpf ungdesKabinetts Dr. Stresemann aufzustellen. Sie waren mit dem Sturz Dr. Cunos gleichsam vom Pferde ge­fallen, lagen etwas verbeult und außer Atem auf dem Boden und sehen sich nun im Gelände um, wo

Daf} die Außenpolitik des Deutschen Reiches immer mehr entscheidenden Augenblicken entgegen- geht, ist unschwer zu erkennen. Die Reparations­debatte, die nun schon seit Wochen zwischen den alliierten Mächten im Gange ist, wird bald Folge- erscheinungen für Deutschland zu Tage fördern. Baldwin und Poincare scheinen nicht mehr weit von der Einigung entfernt zu fein, denn die Nach­richt von einer geplanten Zusammenkunft, die wohl als äußeres Zeichen der Einigung aufgefaßt werden muß, lautet jetzt sehr bestimmt. Dem „Man­chester Guardian" zufolge ist es wahrscheinlich, daß Premierminister Baldwin und Poincare zusam- mentreffen, bevor Baldwin Frankreich verläßt. Es werde erwartet, daß Poincare die Ein­ladung zu einer derartigen Zusammenkunft er­gehen taffen werde.

Auch der Führer der italienischen Politik, Mus­solini, hat sich zur Nuhrsrage geäußert. Er glaubte, eine leichte Besserung der Lage feststellen zu können, betonte aber, daß die innere Lage Deutschlands sehr schwierig und für Europa beäng­stigend sei. Dieser Ansicht kann man, wenn man die inneren Spannungen in Deutschland bedenkt» leider nicht widersprechen.

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Von parlamentarischer Seite wird uns aus Berlin geschrieben: .

Mit dem Sturze des Kabinetts Dr. Cuno sind die Deutschnationalen aus ihrer heimlichen Regie­rungsstellung wieder hinausgedrängt worden. Ehe Dr. Cuno Generaldirektor der Hamburg-Amerika- Linie wurde, war er Reichsbeamter und hatte damals als obersten Chef den Staatssekretär und Vizekanzler Dr. Helfferich. Dieses Abhängigkeits- und Treue- oerhällnis hat Dr. Cuno wieder in Kraft treten lassen, als er Reichskanzler wurde. Dr. Helfferich wurde der Inspirator seiner Innen- und Außen­politik, die Deutfchnalionale Volkspartei damit, wenn auch nicht ausdrücklich, fo doch tatsächlich, von wesent­lichem Einfluß auf die Führung der Regierungs- gefchäfte. Nur diesem Zustande 'st es zu verdaten gewesen, daß in den Tagen der letzten Kabinettskrise die deutschnationale Presse sich für eine Diktatur Dr. Cunos einsetzte, obwohl dieser Reichskanzler für eine Bekleidung mit diktatorischen Machtvollkommen­heiten längst die moralischen Voraussetzungen ver­loren hatte. Um das Kabinett Dr. Cuno, d. h. den starken Einfluß der Deutschnationalen Volkspanei auf die Regierung zu erhalten, stimmten d i e Deutschnationalen für die hohen Not- fteuern, die die Wut des Reichsiandbunoes und weiterer deutschnationaler Wählerkreise — diese Wut ist naturgemäß durchaus patriotisch — geweckt haben. Nur jenem starken Einfluß der Deutschnationalen auf das Kabinett Cuno ist es aber auch zu verdanken gewesen, daß dieses Kabinett politisch ziemlich un- sruchrbar blieb und die deutsche Wirtschaft an den

Wie Reuter aus London mitteilt, wird dort die italienisch-griechische Krise in den zuständigen Kreisen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Wie verlautet, soll sich der Botschafterrat mit der Frage beschäftigen.. Sie wird als eine interalliierte Frage be­trachtet werden, da die Grenzkommission urfprünglich vom Botschafterrat ernannt worden ist.

(Siehe unter Letzte Nachrichten.)

Das geheimnisvolle 5chiff.

Roman von Fr. Silier.

15 --

Nun, es kann nichts schaden, wenn er dir erst die Hand drückt,Holt, fuhr Monk ernst fort. Tue es, Fredrik, denn wenn jemand sein Leben für einen andern gewagt hat, so hat es Holt für dich getan. Sobald er sah. wie es um dich stand, schwamm er wieder zurück und mühte sich sicher zehn Minuten ab, ehe er dich befreien konnte. Wie er es überhaupt fertig gebracht hat und warum ihr nicht zu Brei zerquetscht worden seid, kann ich noch jetzt nicht begreifen.

Ich zögerte nicht, meine Hand ■ auszustrecken, aber Holt hatte sich schon aus der Kajüte entfernt.

So blieb mir nichts anderes übrig, als den Versuch zu machen, einzuschlafen. Und es gelang auch, obschon ich das Gefühl hatte, als wäre mein ganzer Körper zerschmettert, und als läge ein Bleiklumpen in meinem Kopfe. Ich schlief so gründlich, daß schon di: Helle des zweiten Tages in die Kajüte des „f?ram" fiel, als ich erwachte.

~ Der kräftige Schlaf hatte mich wohl vor ernsteren Folgen dieses Abenteuers bewahrt; denn ich litt nur noch an einiger Mattigkeit und Empfindlichkeit in den Gliedern, aber der Kopf war klar und der Sebmsmut «stiegen. Ein paar Tage (pater war auch die Mattig- eit verschwunden, und die Kopfwunden heilten rasch.

*

Monk, der als Arzt waltete, erteilte mir am dritten tage Erlaubnis, die Koje zu verlassen, und ich zögerte nicht, auf Deck zu klettern. Meine Ankunft wurde mit lebhaften Glückwünschen aufgenommen, nicht am wenig- [ten von Henriksen.

Danke sehr, Henriksen! aber wenn du mir einen Dienst leisten willst, fo erzähle uhs vor allem, weshalb du uns verlasien hast, als wir an Bord des „Ozean" gekommen waren. — Wie ist es mit dem Schiff ge­gangen? Hat man noch etwas davon gesehen, nachdem wir es verlasien hatten?

Halt ein wenig! sagte Monk und erhob die Hand, — eins nach dem anderen. Was den „Ozean" betrifft, fo lagen wir so lange back, bis wir ihn als Wrack auf den Klippen sahen, und ehe wir den Ort aus den Augen verloren, hatte die See das Schiff zu Splittern zer- stoßen. Wenn er versichert war, so ist nun die Der- sicherungssumme zur Auszahlung verfallen — darauf können wir einen Eid ablegen. Was Henriksens Taten anbelangt, fo haben wir noch keinen vollständigen Be­richt von ihm erhalten, nur das Notwendigste in epi­sodischen Schilderungen, wie man es nennt. Wir haben vesabredet, daß er uns dann einen Generalbericht liefere. Nun kannst du beginnen, Henriksen!

Beginnen, ja, murmelte Henriksen unwillig; das ist leicht gesagt; aber meinen Sie, daß ich daran gewöhnt bin, zu predigen oder Vorlesungen zu halten? Und dann haben Sie und der Leutnant mich in den letzten zwei Tagen beständig ausgepumpt, sodaß ihr so nach und nach alles aus mir herausgequetscht habt — jeden­falls bin ich leer, das weiß ich.

Wohl möglich, mein lieber Henriksen; aber Dille: hat noch nichts gehört und überdies — je öfter du er­zählst, desto mehr Einzelheiten werden dir einfallen. Erzähle nur alles von Anfang an. Diller mag nicht länger warten. Wir beginnen also von jenem Augen­blick an, als wir drei an Bord des „Ozean" fuhren und du allein auf dem „Fram" zurückbliebest. Also — nun heraus damit!

Na, ja. mir fiel nämlich ein, daß ich wohl noch ein­mal um das Schiff herumsegeln könnte, während Sie an Bord desselben waren. (Wenn Henriksen erst einmal aufgemuntert und im Zuge der Erzählung war, ging es von selbst.) Also steuerte ich um das Schiff herum. Dort stand der Name „Grimstad" hinten am Spiegel, aber ich möchte darauf schwören, daß es in Bergen ge­baut war, — bei Dekke in Bergen; es ist ein Hart- läufer gewesen in seiner Jugend, dachte ich; das war deutlich zu sehen.

Gerade als ich eine Kabellänge oder anderthalb vor ihm lag, kamen Leute auf die Back gesprungen und winkten mir, daß ich herankommen sollte. Gewiß sind

Leute an Bord gewesen, dachte ich. Der Leutnant und die andern haben sie wohl getroffen und ersucht, mich heranzuwinken. So wandte ich den „Fram" und fuhr unter den Bug. Es war ruhiges Waffer. und das Fahrzeug lag ganz still. Sie warfen ein Tau heraus, und nun lieh sich ein Mann und dann noch einer an demselben herab. Ich fischte das Tauende mit dem Bootshaken auf und holte beide an Bord, denn ich dachte natürlich, daß es fo fein müsse und daß der Leutnant ihnen Befehl erteilt habe, an Bord des „Fram" zu gehen. Mir kam es zwar seltsam vor, daß sie nicht warten konnten, bis ich weiter nach hinten ge­langte; aber ehe ich Zeit hatte, mich zu bedenken, waren sie beide neben mir im Kutter.

Weder schickte sich einer von denen droben an, herab« zukommen, aber nun zeigte sich ein großer, bärtiger Kerl mit schwarzen Augen, die er nach allen Seiten rollen ließ. Er ergriff den Burschen, der sich gerade berunterlaffen wollte, und warf ihn von der Back herab. Dann rief er den beiden, die schon drunten im Kutter waren, etwas zu, zeigte gegen Süden und focht mit den Armen, während sein Mundwerk wie eine Mühle lief. Ich verstand nicht, was er sagte, denn er sprach zu schnell, obschon ich sonst ein wenig Spanisch kann — ich fuhr einmal ein ganzes Jahr mit einem Klippfisch- boot an der spanischen Küste, sage ich Ihnen. —

Verstandest' du nicht ein einziges Wort? unterbrach Monk seine Erzählung.

Nein, nichts anderes, als daß er etwas von „Dampfer holen" und „Massigen" sprach; was das ist, weih ich nicht; ich sah auch nirgendwo ein Dampfschiff. — Er ließ sich übrigens nicht lange Zeit, sondern winkte mit den Händen und sprang von der Back herab, und dann sah ich nichts mehr von ihm und den andern an Bord des „Ozean", — denn unerwartet versetzte mir einer der Lumpen, die ich an Bord des „Fram" genommen hatte, einen Puff in die Magengrube, sodaß ich die Kojütentreppe hinabtanmelte und liegen blieb und ächzte wie ein Fisch auf trockenem Lande.

Aks ich wieder hinauf tarn, hatten sie den Kutter in (Bang gebracht. Der eine stand am Steuer und der andere sah auf dem Hüttenrand und lachte über

Da begriff ich, daß ich unter Seeräuber geraten war und suchte nach einem Prügel, um sie damit Mores zu lehren; aber kaum hatten sie bemerkt, was ich beabsichtigte, als der eine einen Revolver zog und ihn auf mich richtete, während der auf dem Hüttendach ein langes Messer hervorholte und schwor, er werde mir damit den Bauch aufschlitzen, wenn ich mich nicht ruhig verhalte — das verstand ich, denn ich hatte oft genug ähnliche Drohungen von den spanischen Halunken in Santander und Cadix vernommen. Ich blickte zurück nach dem Schiff, aber: es war nichts Lebendiges zu sehen, weder von Ihnen, noch den sä)warzäugigen Räubern. -)

Wie viele Mann sahst du an Bord des „Ozean"? unterbrach ihn Monk wieder.

Außer den beiden, die mich auf dem „Fram" be- suchten, — Henriksen belohnte sich selbst für diesen Witz mit einem breiten Grinsen — waren gewiß sechs bis sieben Stück an Bord des „Ozean". Ich hatte ja nichts anderes zu tun, als aufzupasien, weil die beiden Kerle bereit waren über mich herzufallen, als ich zu ihnen sagte: Nun gut, ihr verfluchten Piraten, die Zeit kommt wohl noch, wo ihr bezahlen müßt, was ihr schuldet. Der mit dem Messer verstand gewiß, was ich sagte, denn er nickte, wies auf sein unangenehmes Werkzeug und hielt mir die Spitze vor die Augen, damit ich sehen konnte, wie scharf sie war.

Wir segelten den ganzen Tag weiter. Ich mutzte die besten Sachen auf dem „Fram" für sie hervorsuchen und schmoren und braten, als wenn wir den Prinzen von Wales zu Besuch erwarteten, ich mußte sechs bis acht Konservenbüchsen öffnen und Champagner für sie holen. Als ich mit dem Kochen fertig war, mußte ich für sie auf dem Hüllendach decken, und während sie speisten, stand ich am Ruder. Aber Messer und Revol­ver hatten sie die ganze Zeit neben sich. Nachher mußte ich ihnen die Karte geben; übrigens glaube ich nicht, daß sie viel vom Navigieren verstanden haben, wenn sie auch wenigstens einen Kurs anzugeben wußten — ge- rade so, wie ich es selber kann. Wir steuerten den glei­chen Rurs, solange ich auf Deck war.--

Welchen Rurs? fragte Holt und zog die Kalle her- vor. (Fortjetzung folgt.) J