Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 172.
tierantroonltd; füx Den teoauionellen Tri!: Dr. I. Kramer, s für die 2ln$etgen: Z. Parze,ler-Fuida. :: Rotationsdruck u. Perlag der Fuldaer Actienbruckerei in Fulda, itemlpretber Rr. ». Postickieck-Kon'o 4051 Frankfurt a. M.
Sonntag, 29. Zu» 1923.
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50. Zahrg.
Sos M-PkMM der Rkgimulj 6m.
Ein Opfer für Rhein und Ruhr und Stenervorlagen. Warum erst jetzt?
Aus Berlin wird gemeldet:
Die Reichsregierung beriet auf Grund der Vorarbeiten der Ministerien und der Vorbesprechungen, die in den letzten Wochen beim Reichskanzler stattgefunden haben, unter dem B o r f i tze des Reichspräsidenten über die Maßnahmen, die angesichts der gegenwärtigen Notlage zu ergreifen sind. Verabschiedet wurden der Entwurf des Gesetzes über die Erhebung eines Opfers für Rhein und Ruhr, ein Gesetz über die Aenderung einzelner Derbrauchssteuergesetze und der Entwurf eines Steuerzinsgesetzes, die gemeinsam die I n f l a t i o n zu hemmen helfen werden. Der Reichs- finanzminister legte ferner den Entwurf eines Ge- fetzes zur Aenderung des Vermögenssteuergesetzes vor, durch das insbesondere Anpassungandie Geldentwertung erreicht werden soll.
In einem TelegrammandieMinister- Präsidenten der Länder hat der Reichskanzler darauf hingewiesen, daß die Beratung dieser Gesetze im Reichsrat so beschleunigt werden muß, daß sie dem Reichstag am 8. oder 9. August vorliegen.
Weiter wurde über dieAusgabederwert- beständigen Anleihe beraten. Genauere Mitteilungen hierüber werden in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Heber weitere Maßnahmen der Reichsbank, insbesondere zur Lösung der Goldkreditfrage, werden ebenfalls in den nächsten Tagen Mitteilungen erfolgen.
Der Zusammentritt des Reichstags.
Der Wiederzusammentritt des Reichstags erfolgt, soweit sich bisher übersehen lägt, nicht vor dem 9. August, spätestens am 17. August.
Stimmen zur tage.
In der „Köln. Volkszeitung" wird die sofortige Erhebung einer Not-Goldanleihe verlangt, um die Stillegung der Notenpresse zu bewirken und die völlige Vernichtung der Mark zu vermeiden.
„Ohne schwerste Strafbestimmungen gegenüber böswilligen Drückebergern wird man bet dem ganzen Plan leider nicht durchkommen können. Aber die Gesamtheit der breiten deutschen Volksschichten darf man doch nicht mit verschränkten Armen im Strudel versinken lassen! Bedarf es noch weiterer polrtischer Gründe, um die ernste und schnellste Erwägung und Berücksichtigung dieses Gedankens eindringlich zu begründen? Sehen wir nicht, tote man in Paris auf unseren Zusammenbruch spekuliert und damit auch der englischen Politik eine tödliche Niederlage zu bereiten hofft? Es ist fünf Minuten vor zwölf, hat es einmal geheißen, heißt es heute mit mindestens ebenso großem Recht. Diesmal soll und darf die zwölfte Stunde nicht schlagen, um unser Ende anzuzeigen. Noch ist eS Zeit zur Tat, aber die höchste Zeit. Wer sie verstreichen läßt, oder wer gar der rettenden Tat in den Arm fallen wollte, den wird Die Geschichte Deutschlands auf ihrem dunkelsten Blatte verzeichnen als den Feind, der würdig wäre, an der Seite der grimmigsten Hasser Deutschlands genannt zu werden. Wer aber uns die Tat bringt, der wird der Retter des Vaterlandes sein.
Die „Germania" überschreibt einen Leitariikel mit den Worten „In höchster Not". Darin wird u. a. ausgeführt:
Das Vertrauen zu der Reichsregierung ist voll ständig erschüttert, die Stimmung auf den Nullpunkt gesunken. Die Unzufriedenheit oder vielmehr di- Wut ist allgemein. Sie äußert sich in den heftigsten Anklagen gegen die Regierung, gegen die Parteien, gegen den Reichstag, denen man die Verantwortung für die heutigen. Zustände zuschtebt und denen man vortoirft, die Dinge tatenlos laufen gelaßen zu haben. Die Luft ist mit Elektrizität geladen. Ein Funke genügt, und die Explosion ist da. Es ist ganz zwecklos, den Kopf vor den Tatsachen in den Sand zu stecken und nicht sehen zu wollen, war jedermann fühlt. Es herrscht Neunte-November - Stimmung. Man mag noch soviel EntschuldigungS- und Erklärungsgründe für diese Entwicklung anführen, die Tatsache läßt sich nicht wegdiSkutteren, daß daS Elend zu einem wesent- lichen Teile durch die Unterlassungssünden und verfehlten Maßnahmen der Reichsregierung herbeigeführt worden ist. Diese Regierung hätte stark sein können, wenn sie es nur gewollt hätte. Inner, politisch hat sie eS so gut gehabt wie keine ihrer Vor- gängerinnen. Außenpolitische Rücksichten und, wie wir heute ruhig zugestehen können, nicht immer richtig verstandene nationale Disziplin, haben fast jede Kritik verstummen laffen, auch da, wo ein ernstes und kräftiges Wort am Platze gewesen wäre. Die Regierung Wirth mußte jede noch so notwendige Maßnahme, auch solche außenpolitischer Natur, unter heftigen Kämpfen dem innerpolitischen Gegner ab ringen. Sie hatte mit allen möglichen Widerständen zu rechnen, um ihre Politik durchzusetzen, und dennoch hat sie es verstanden, die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage so zu gestalten, daß sie uns heute fast als die gute alte Zett erscheint. Die Regierung Cuno aber bedeutet eine einzige Enttäuschung. Der Regierung Wirth wurde vorgeworfen, sie hatte sich häufiger gewandelt und sich im Zlckzackkurs bewegt, aber die Regierung Cuno bewegt sich überhaupt nicht mehr. Sie steht still. ES sei denn, daß man Verordnungen über di» Regelung des Fleischgenuffes in den Restaurationen und mehr oder minder schwungvolle Reden bei besonderen Anlässen als Politik ansehen will.
Entweder hat die Negierung die heutigen Zustände vorausgesehen — dann sind ihre Unterlaffurgsfünben groß, ober sie hat sich von ihnen überraschen 'uffen — dann hat.^e e- k an Voraussicht und vosilisch-kn 2-rfi" "*
fehlen laffen, daß man nur von einem glatten Bankerott reden kann. Wie die Dinge liegen, muß man annehmen, daß die Regierung die innen- und außenpolitische Sage zu o p t i m i st i s ch von Anfang an beurteilt hat und daß ihr infolgedessen die Dinge über den Kopf gewachsen sind. Vor allem hat sie die Dauer des Ruhrkampfes gan$ falsch eingeschäßt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Regierung allzusehr unter dem Eindruck unserer naiiona- lfftischen Phrasenmacher gestanden hat und daß sie an die Wirkungen starker Worte mehr geglaubt hat, als ihr und leider auch dem deutschen Volke bekömmlich war. Cunos häufig gebrauchtes Wort von dem ehrlichen Kaufmann hat er nicht zur Richtschnur seines innerpolitischen Handelns gemacht. Zu den Gepflogenheiten des ehrbaren Kaufmanns gehört es nicht, Ausgaben über Ausgaben zu machen, ohne für die nötige Deckung zu sorgen. Die gewaltigen Summen, die der Ruhrkrieg verschlang, bezog man ohne Sorgen aus der Reichsdruckerei, der passive Widerstand wurde in der Hauptsache mit der Notenprefse geführt.
Der erwähnte Auffatz fordert dann den Reichstag auf, schleunigst Abhilfe zu schaffen. Dann heißt es: Kommt der Reichstag zu der Uederzeugung, daß die augenblickliche Regierung nicht die Kraft und die Autorität mehr hat, um die Lage zu meiftem, dann ist es feine Pflicht, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Er muß jetzt den Mut zur Verantwortung haben und Führerwillen zeigen. Findet er nicht die Kraft zu entscheidenden Entschlüssen, ohne Rücksicht auf Jntereffenpolitiker, dann ist das Schicksal des Parlamentarismus besiegelt und mit ihm, fürchten wir, das Schicksal des deutschen Volkes.
In der „Frankfurter Zeitung" heißt es am Schluffe einer politischen Betrachtung:
Die Lage ist ernst, wie sie es nicht anders fein kann, seitdem der elfte Januar die politische Katastropl)e des Ruhreinbruchs über uns gebracht hat. Den Höhepunkt der Gefahr aber haben wir schwerlich schon erreicht. Der wird erst da sein, wenn das diplomatische Spiel der Sieger sich weiter ergebnislos hinzieht, ohne daß wir die Kraft zu enffcheldenden Maßnahmen fänden, oder aber in dem anderen Falle, daß die Verhandlungen zwischen England und Frankreich doch zu einem positiven Resultate führten und wir dann vor der Notwendigkeit ständen, uns zu entscheiden, was weiter weiden soll. Dann, wenn die fürchterliche Größe des Opfers, das uns zugemutet werden wird, unserem ht großen Teilen noch ganz unvorbereiteten Volke plötzlich offenbar werden wird — dann wird der schwerste Augenblick da fein. Denn dann werden wir die Probe zu bestehen haben, ob wir bei aller Zerrissenheit und bei allem Haß der beiden Extreme unserem Staat — als Staat! — noch so viel Kraft bewahrt haben werden, daß er dis Fähigkeit zum Handeln, zum Enffchluß noch besitzt. Die- fern Augenblick vorzuarbeiten, wäre heute die Auf. gäbe der Regierung in allen ihren Teilen, ob es sich nun um Währungs- und Finanzpolitik oder um äußere und innere Politik handelte. Aber dürfen wir hoffen, daß die Regierung Cuno dies erkennt?
Beherzigenswert erscheint uns, was die „Frankfurter Zeitung" in einer weiteren Veröffentlichung zu der oben zitierten Anregung der „Germania" sagt. Sie fragt, was — unbeschadet der berechtigten Kritik an Cuno jetzt eine Regierungskrise mit dem Feldgeschrei „Fort mit Cuno!" für einen Sinn habe und schreibt: „Sind die H e x e n m e i st e r da, welche die Situation mit einer genialen Kurbeldrehung wesentlich ändern könnten? Herr Cuno und feine engsten Mitarbeiter haben die jetzige Lage Deutschlands — nicht herbeigeführt, das wäre eine ungerechte Anschuldigung — aber doch wenigstens so gestaltet, wie sie jetzt ist. Sie haben dem Kampfe an der Ruhr die Form gegeben, die er hat, sie haben mit Billigung des Reichstages, auch mit starker Stützung deutschnationaler Politiker, uns bis zu diesem Punkte geführt. Daß andere die Konsequenzen aus der heutigen Lage ziehen sollten, könnte uns nach außen hin schwerlich etwas helfen und müßte im Innern dis Zersetzung nur fördern. Vermutlich wird auch der Reichstag bei feinem Zu- fpmmentreten trotz aller heftigen Reden zu keinem andern Resultat kommen — vorausgesetzt natürlich, daß bis dahin die innere Lage nicht durch verhängnisvolle Ereignisse stark verändert wird."
Der Kampfruf der Kommunisten.
Kundgebungen trotz des Verbotes!
Die kommunistische Partei hielt am Freitag in Berlin 17 Versammlungen ab, in denen zu dem Verbot des Antifaszistentages Stellung genommen wurde. In allen Versammlungen wurde eine Entschließung angenommen, welche die Aufhebung des Verbotes des Anti- fafzistentages fordert und in der gelobt wird, trotz des Verbotes die Veranstaltungen a b zu - halten und fafzistifche Organisationen dort, wo sie angetroffen werden, niederzuschlagen.
Die Regierung hat, wie aus verschiedenen Kundgebungen heroorgeht, alle Maßnahmen getroffen, um die Ordnung aufrecht zu hakten.
Die Not in Berlin.
Wie das Nachncbtenblatl der Stadt Berlin mit» teilt, halten Oberbürgermeister Boeß, Bürgermeister Ritter, Stadtrat Richter und Stadträtin Wehl mit dem Vertreter des Reichsernährungsministers Staatssekretär Heinici, orote demjenigen des preußischen Landwirtschaftsministers, StaatSjefretär Remm, eine Besprechung. Die 5Be< tretet der Stadt Berlin wiesen auf die schwere Notlage der Stadt und die allacmein?. San» un> Stimmung der B».
Völkernng hin. Oberbürgermeister Boeß hatte anschließend noch eine besondere Besprechung über die Lage mit dem Reichsminister des Innern, wobei er auf die unbedingte Notwendigkeit schleuniger Vergebung von Notstandsaibeiten hinwies. Am Samstag soll noch eine weitere dringende Besprechung mit dem Reichswirtschaftsminister, dem Reichs- arbeitsminister, sowie mit dem preußischen Finanzminister stattfinden.
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Die Lebensmittelversorgung Berlins steht den Blättern zufolge Var einer Katastrophe. Em großer Teil der Fleischer- und Kolonialwarenläden haben die Geschästslokale geschlossen, da sie über keinerlei Waren mehr verfügen. Die Karlos selzusuhr en sind so gering, daß nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung Kartoffeln in geringen Mengen erhalten konnte. Vor den wenigen noch offenen Geschäften stehen die Hausfrauen zu Hunderten angestellt und müssen viele Stunden warten, bis sie ein wenig Margarine oder Schmalz erhalten, wofür Preise von weit über 100000 Mark für das Pfund verlangt werden.
(Ein Hilferuf an die Landwirte,
Telegramm des Reichkanzlers.
Reichskanzler Dr. Cuno hat an die Führer der Landwirtschaft folgendes Telegramm gerichtet:
Die Städte sind infolge der Verspätung der Ernte von Kartoffeln entblößt. Auch sonst wachsen die Ernährungsschwierigkeiten der breiten Berbrauchermaflen. Ich richte daher an die deutsche Landwirtschaft den dringenden Aufruf, alle Kraft anzuspannen, um die Erträge insbesondere der Frühkarkoffelernte möglichst halb dem Verbrauch zuzusühren, um die Lage in den Städten zu erleichtern.
Der Reichkanzler und der Reichsernährungsminister werden in den nächsten Tagen auch münd, sich mit der Landwirtschaft wegen Behebung der Ernährungsschwierigkeiten erneut ins Benehmen treten.
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Der amtliche Preußische Pressedienst schreibt: ES gehen Gerüchte um, daß in einigen Gegenden des Landes aus Furcht vor bevorstehenden Unruhen die Beschickung der Märkte durch die Landbesitzer unterlassen wird. Es ist selbstverständliche und dringende Pflicht aller derer, die LevenSmittel produzieren, diese auf den Markt zu bringen, da neben der wachsenden allgemeinen Teuerung eine unge. nügenbe Versorgung bet Bevölkerung mit Nahrungsmitteln außerordentliche Gefahren im Gefolge haben könnte. Zn unserer Genugtuung können wir mitteilen, baß bie lä üblichen Organ isatiouen auf ihre Mitglieber dahin e i n to 11 fe n, die Märkte nach wie vor regelmäßig zu beschicken. Die Produzenten mögen wissen, daß die Polizeibehörden angewiesen sind, die Lebensmittel auf den Transporten zu den Markten ausreichend zu schützen.
Neue Zchreckensurteile.
Nach der „Voss. Ztg." standen vor dem französischen Kriegsgericht in Werden mehrere frühere Beamten der Essener Schutzpolizei und andere Polizeibeamte unter der Anklage wegen Spionage. Angeklagt waren Hauptmann Stubbendorf, Regierungsassessor Niehus, Polizei- wachtmeister Kosch und Bürodiener Brauer, ferner in Abwesenheit drei anbere Schupobeamte. Nach der Anklage haben Kosch und Brauer eine leie« Phonabhörvorrichtung derartig anzubrin- gen versucht, daß die Gespräche der französischen Kriminalpolizei Werden aufgefangen werden konnten. Der Plan wurde aber verraten und die Beamten festgenommen. Das Gericht sprach Stubbendorf und Niehus frei und vevurteilte Kosch und Brauer unter Zubilligung mildernder Umstände zu le» benslänglicherZwangs arbeit. Die drei abwesenden Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Wegen anderer Vergehen wurden Stubbendorf und Niehus zu drei bezw. sechs Jahren Gefängnis verurteilt.
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Nach einer Havasmeldung aus Düsseldorf sst die am 13. Juni gegen den Ingenieur der Badischen Anilin- und Sodafabrik Goerges vom Kriegsgericht m Mainz verhängte Todesstrafe in lebens- längliche Zuchthaus st ra fe umgewandelt worden.
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Aus Aachen wird gemeldet: Die Befatzungs- behörde hat mehrere angesehene Bürger als G e i - seln für die Züge der Regie wusgewählt und sie aufgefordert, sich zu bestimmten Stunden auf dem Hauptbahnhofe einzufinden. Zu den Geiseln gehören zwei Redakteure, ein Oberstudienrat und ein Gewerkschaftssekretär. Die Besatzungsbehörde hat, wie das „Echo der Gegenwart" meldet, weitere fünf höhere Beamte der Regierung in Aachen, darunter zwei Regierungsräte, festgr- nommen.
Kurland.
* Wahlen in Holland. Die Wahlen zur E,sten Kammer, die zum ersten Male nach dem Verhältniswahlsystem erfolgten, ergaben als endgültiges Resultat: Katboliken 16, ort o?oje Protestanten 8, Cbristlich-Hisiorische Partei 7, Sozialisten 11, Frei- heikspartei (Unionsliberale) 5, Freisinnige Demokraten 3. Die bisherige Zusammensetzung der Kammer war: 21, 14, 7, 3, 3, 4.
* Japan und Rußland. Einem Zeitungsdertreter erf?ärte Jo f fe, die wesentlichen Vorbedingungen Sowjetrußlands für die Eiöffnung einer formellen russisch-jepan i scheu Konferenz seien die Räumung Sachalins und die Anerkennung der Sow- jet’.egierirng durch Japan,
Kill „KmlMisiWr Siaierfeg“.
In Weimar hat ein — kommunistsscher Kinder« t a g stattgefunden. Damit sich die Leser ein Bild davon machen können, wie weit bereits die systematische Verhetzung der Jugend vorgeschritten ist, geben wir nachstehende Teile aus dem Bericht des „Gothaer Volksblattes" über den kommunistischen Kindertag wieder:
„250 Knaben und Mädchen aus allen Teilen Deutschlands traten zusammen, um über das Elend der Arbeiterkinder, den Schulkampf, die kommunistische K i n d e r p r e s s e und die gesamte Arbeit der Kinder» gruppen zu beraten. Die Konferenz wurde von einem Präsidium von drei Knaben und drei Mädchen geleitet. Zu allen Tagesordnungspunkten außer dem Bericht der Zentrale sprachen Kinderreferenten. Die Selbständigkeit, die politische und organisatorische Schulung der Kinder trat habet klar zutage. Die Konferenz spiegelte getreu die heutige Lage der Arbeiterschaft, ihre republikanische Reife und Kampfbereitschaft ab. Die meisten Kinder waren blaß, unterernährt, reinlich aber schlecht gekleidet. Aus ihren Reden aber erklang Revolution, Sicherheit und Kampfesmut.
Das Referat und die Diskussion über den Schulkampf zeigte erneut, was die deutsche bürgerliche Republik und auch die sozialistischen Regierungen Sachsens und Thüringens nicht einmal fertig gebracht haben, die Kinder der werktätigen Massen vor der Prügelstrafe und monarchistischen Verseuchung in der Schule zu schützen. Auch proletarische Kinder müssen sich körperlich und geistig vor den schwarz-weiß-roten Prügelhelden schützen. Diese Tatsache schafft eine revolutionäre Situation in der deutschen Volksschule; die Kinder haben den Klassen- kampf in seiner komplizierten Form zu führen. Die Prü- gelftrafe, die monarchistische und natonalistische Propaganda in der Schule, die Schikanen der Polizei, die die Kinder beim Vertrieb des „Jungen Genossen" (der tom- munistischen Kinderzeitung) erfüllten, spielen für unsere Kinder dieselbe Rolle, wie seinerzeit das sozialistische Gesetz und heute die Not der reaktionären Provokation für die erwachsene Arbeiterschaft. Beim Schulklasien» kampf müssen die Kinder reine, körperliche, starke und geistige Entwicklung auf bringen. Es ist bezeichnend, daß in der Diskussion über die Presse ein 12jähriger Knabe aus Südbayern beantragte, daß der „Junge Ge« noffe" die Wahrheit über Karl und Friedrich den Gro» ßen, Napoleon und andere nasionalistische Helden bringen soll, damit die Kinder handfestes Material gegen den Monarchismus der Lehrer hätten. Mit Befriedigung stellten viele Diskussionsredner fest, daß die Lehrer oft nicht in der Lage sind, den Argumenten der Kinder entgegenzutreten und die Diskussion unter irgendeinem Vorwande abbrechen."
Wir müssen unbedingt „an die Kinder der christlichen Schule herankommen," sagten die .Kinder, „denn diese werden am meisten versumpfen!" Ununterbrochen mürben von den Kindern revolutionäre Lieder gesungen, besonders stolz klang der Vers „Wir sind die junge Garde des Proletariats" — und diese junge Garde kann sich sehen lassen. Diese Proletarierkinder wissen was sie wollen und sind voll Kampfesmut. Als sie an der Kaserne, an der Polizeiwache vorbeizogen und die Poft, zeibeamten sahen, riefen die Kinder mit besonderem Nachdruck: „Nieder mit dem Faszismus! Tod der Orgefch!" und ballten ihre kleinen Fäuste."
Ein Kommentar zu diesem Bericht des kommu- mstifchen Blattes sst wohl überflüssig. Diese verteufelt ernsten Kindereien zeigen, mit welchen Mitteln die Kommunisten die.Volksvergiftung betreiben.
Deutscher Reich.
* Der Verfassungsausschuß des bayerischen Landtages hat in der zweiten Lesung den Gesetzentwurf über Volksbegehren und Volksentscdeid angenommen. Für das Gesetz stimmten die Bayerische Volkspartei, die Bayerische Mittelpartei und die Katholische Volkspartei gegen das Gesetz die Sozialdemokraten, der Bauernbund und die Demokraten.
Tarifwesen.
= Setzte und Krankenkassen. Im Reichsacbeits- ministerium sollte am Freita» das Schiedsgericht in dem Honorar st reit zwischen den Krankenkassen- berbänbett und den Äerzten die Entscheidung. Für die i rfte Julihälfte wurde ein Honorar von 8250 Mk., für die zweite Julihälfte von 10657 Mart pro Person festgesetzt. Hebet die für August und September zu zahlenden Honorare werden alsbald im preußischen Wohlfahrtsministerium Verhandlungen statifinden.
wirtschaftliche Nampsbewegungen.
= Der Srerlaner Metallarbriterstreik. Wie die lauet Zeitung von zuständiger Seite erfährt, lehnten die streikenden Metallarbeiter bei der Abstimmung daS Ergebnis der AusoleichSverhandlungen mit 80 Prozent der abgegebenen Stimmen ab. Der Streik geht also weiter. -
katholische Welt.
= Heber die Diözesan-Synode von Meißen, die in den letzten Tagen im Kloster der Zisterziensennnen »’n Marienstern in bei Oberlausitz stattfand, wird gemeldet: Besonders feierlich war der Empfang des Bischofs Dr. Christian Schreiber nnd des Domkapitels von Batchen. An der Tür der A'oteikirche wurde der Bischof von der Aebtisfin und b-m ganzen Konvent begrüßt An jedem Abend während de. Dauer der Synode wurde für die Teilnehmer ein geistlicher Berita9 gehalten. Auch für die zahlreich zu dec seltenen Veranstaltung ja» fammengeftrömten (Stäubten ist reichlichere Gelegenheit zur Deichte geboten. So wi-d ’ie Synode nicht r.ar eine rechtschaffenbe Veranstaltung, en-xra auch einMiUel zur Hebung religiösen Lebens. Die Synod» begann ndl einem feierlichen Pontifikale, zelebriert vom Bischof. Schluß des Pontifikale wurde die Gelchöitsordnung der Synode festgesetzt und die ©nnrbalbeumitu eingesetzt. Der Bischof legt das Glaubensbekenntnis ab, nach iy« die gesamte Versammlung. Als erster Akt der Synode erfolgt sodann die feierliche Publikation der Eirichtm.gs- buöe der Diözese Meißen. Hierauf verkündet der Bt- fchof bie Erhebung ber katholischen Hofkirche in Bresben unb ber Dreifaltigkeitskirche in Leipzig zum Ranq» von Propsteikirchen unter gleichzeitiger Vetkeihistq bes Titels eines Propstes an bie derzeitigen Pfarrer Der beiden Kirchen und ihre rechtmäßigen Nachfolger. iSe -tanze Versammlung erteilt ihr» Sultimawiu» bürd’ «in»