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Einzelverkaofspreis 400 Mark.

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sladt Fulda.

Nr. 166.

Verantwortlich für Den reüattionellen Teil: Dr. I- Kramer, - für die Anzeigen: I. Par zell er» Fulda. ~ Rotationsdruck a. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Pofttckieck»Konto 4051 Frankfurt a. M.

Sonntag, 22. Zuli 1923.

Bezugspreis: Monatlich 9000 Ml. Zustellgebühr extra, n Abgeholt in der Geschäftsstelle 9200 2HL s Anzeigen: Kleinzeile nachTo'one! 10Sc> Mk., ausw.lSOOM. Rrklamezeile nach Colonel 3000 Mk. ausw. 4500 Mk.

50. Zahrg.

Set öeotfme BetMniWe.

Llus London wird gemeldet, daß dort am 20. Juli noch ein offizielles Telegramm aus Berlin eingetroffen ist, in dem wiederholt erklärt wird, daß keine deutsche Regierung von dem pas­siven Widerstand ohne gewisse Garantien abgehen könne. Es wird erklärt, es sei auch durch­aus unrichtig, daß Deutschland Großbritannien er­suchte, die französische Negierung zu veranlassen, irgendeine besondere Aktion zu unternehmen. Es besteht Grund zu der Annahme, daß Deutsch­land bereit sein würde, bei Erreichung dieser Formeln mitzuwirken, vorausgesetzt, daß die Zu­rückziehung der Franzosen allmählich, z. B. in drei Etappen, stattfinden würde, in welchem Falle Deutschland einwandfreie Garantien geben würde. Zuerst sollte Frankreich die Zioilgewalt im Ruhr­gebiet wieder zulassen und die ausgewiesenen Deut­schen ins Ruhrgebiet wieder zurücklassen. Eine von den zahlreichen Anregungen, die unformell ge­macht worden sind, sei, daß Frankreich sich aus dem Ruhrgebiet zurückziehen, aber Essen besetzt hal­ten sollte. Deutschland seinerseits würde darauf alle notwendigen Schritte tun, um sein Barver­mögen und seine Industrie zu verpfänden. Bei der nächsten Etappe, wenn die Franzosen sich aus Essen zurückziehen würden, würde Deutschland Schuldverschreibungen auf die deut­schen Eisenbahnen an die Reparationskom- misfion übergeben. Diese und andere Anregungen sind unformell gemacht worden; es wird aber wie­derholt, daß keine neuen Vorschläge gemacht wor­den sind, die Deutschland als Antwort auf seine letzte Note betrachtet.

Das Reuterfche Büro erfährt aus autoritativen Kreisen, daß es nicht zutrifft, daß irgendwelche neue Vorschläge von deutscher Seite gemacht wor­den sind. Als der deutsche Botschafter vor einigen Tagen Lord Curzon besuchte, sei lediglich die all­gemeine Lage erörtert worden. Deutschlands Stellung, wie sie in der letzten Note dargelegt worden sei, bleibe unverändert, bis die Ant­wort eintreffe. Es sei bekannt, daß Deutsch­land durchaus bereit sei, zu verhandeln; es könne aber den passiven Widerstand nicht auf» geben ohne die Garantie, daß Frankreich sich zu­rückziehen werde und bevor man wisse, zu welchem Zeitpunkt dies der Fall sein wird.

*

Das Reuterfche Büro erfährt, daß der Entwurf der Note an Deutschland und die Man­telnote an die Alliierten nunmehr vom Kabinett fertiggestellt wurden und sobald wie möglich nach Paris, Brüssel, Rom und Tokio und zur Information nach Washington gesandt werden kann. Man hält es für möglich, daß die Note bereits am Samstag in den Händen der französischen Regierung sein wird.

Äbficht auf eine Konferenz?

Das Reuterfche Bureau erfährt von zuständiger Seite, daß die meisten Meldungen, die wie­der über die britischen Vorschläge veröffentlicht wur­den, reine Mutmaßungen darstellen. Zum Beispiel ist keine Rede von Vorschlägen bezüglich einer Annullierung der Schuld an Großbritannien. Die Frage der interalllier- ten Schulden ist keine Angelegenheit, die in der Ant­wort an Deutschland zu behandeln wäre. Sie ist ein Gegen st an d zu einer Konferenz. Im

Die große Hoffnung.

Roman von Erich E b e n st e i n.

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In der Tat merkte ihr niemand etwas an. Eifrig und fteundlich wie immer widmete sie sich dem Geschäft und war unermüdlich im Haus tätig. Während Gers- dorfer in Berlin weilte, erteilte sie bereitwillig allen, die fragten — und dazu gehörte fo ziemlich ganz Schloh- städt — Auskunft über das Glück, das ihr jüngerer Sohn gemacht hatte.

Gersdorfer schrieb ausführlich und begeistert. Aus jeder Zeile las man zufriedenen Stolz.

Ja, sie waren prächtige Menschen, diese Lehmanns! Um keinen Preis duldeten sie, daß er im Gaschos wohnte, sondern hatten ihm ein reizendes Gastzimmer bei sich eingerichtet. Trude war einfach ein Engel! Viel hüb­scher noch als auf dem Bilde, dabei ruhig, besonnen, sehr häuslich und bestrickend liebenswürdig. Ihre Aus­steuer war gediegen und reich, wie denn überhaupt alles bei Lehmanns den Eindruck behäbigen Wohlstandes machte.

Sechs Zimmer bewohnten sie in Berlin-Schöneberg. Großartig eingerichtet. („Da können sich in Schlohstädt die reichsten Leute dagegen verstecken!") Eine jüngere Tochter war auch noch da: Lotte. Die zeigte Herrn Gersdorfer jetzt Berlin und abends traf man sich irgend­wo mit dem Direktor, der ein sehr lustiger Herr war. lieber Trutzes Heirat und das einsame Forsthaus machten sich die Eltern nicht die geringsten Sorgen.

„Die Hauptsache ist der Mann und nicht die Stel­lung", meinte der Direktor. „Ihr Sohn hat Charakter und Trude hat ihn lieb, da wird's am Glück dann nicht fehlen."

Und seine Gemahlin fügte hinzu: „Ich habe meine Töchter so erzogen, daß sie überall ihre Pflicht tun wer­den, ob sie das Schicksal nun in den Salon eines hoch- gestellten Mannes oder wie bei Trude in ein einsames Forsthaus führt."

„Kurz, ich sage dir, Lene", schloß Herr Leopold feinen Bericht, Otto hat geradezu einen Haupttreffer ge­macht mit dieser Heirat! Morgen kommt er hierher.

gegenwärtigen Augenblick werden Bemühungen ins Werk gesetzt, um festzustellen, wie diese Konferenz zustande gebracht werden kann.

Gewalt statt Recht.

Der kommandierende General der 33. ftanzösi- schen Infanteriedivision hat für seinen Bezirk ange­ordnet, daß auf jede Person, die sich auf der Linie zwischen Westhofen und Dollmarstein einen Kilometer südlich der Ruhr in der Nachtzeit zwischen 9 Uhr abends und 4 Uhr morgens zeigt, o h n e A n- ruf geschossen wird.

*

Haoas berichtet aus Koblenz, daß die Rhein­landkommission Einspruch erhebt gegen die Ernennung eines als Landrat fungierenden deutschen Beamten mit der Begründung, daß die Ernennung nicht ordnungsgemäß und ohne Zustim­mung der Kommission erfolgt sei; desgleichen gegen die Anstellung einer L ehrerin und den Amtsantritt eines Bürgermeisters und von vier Steuerbeamten.

*

Nach einer Haoasmeldung aus Düsseldorf fft der Betrag von einer Milliarde auf der der Firma Krupp gehörenden Zeche „Helene Amalie" beschlagenahmt worden. Die Beschlagnahme wird mit der Nichtzahlung der Kohlensteuer begründet.

Verräter?

Aus Münster meldet WTV.: Eine Anzahl angeblicher deutscher Reichseifenbahner in Düsseldorf ruft zu einer Versammlung, in der zu dem deutschen Abwehrkampf Stellung genommen werden soll. Der Aufruf erfolgt aber in einer Weise, die jeden Zweifel ausschließt, daß die Einberufer in engstem Zusammenhang mit den Fran- zofenarbeiten. Dies geht auch daraus deutlich hervor, daß die Stadtverwaltung von den Franzosen aufgefordert wurde, Plakate, die auf diese Versamm­lung Hinweisen, ankleben zu lassen. Die Stadtver­waltung lehnte dieses Ansinnen ab, ebenso dasjenige, einen Saal für die Versammlung zur Verfügung zu stellen. Die Franzosen kleben jetzt selbst die Plakate an. Die deutschen Reichseisenbahnerorganisationen wenden sich auf das Schärffte gegen diese Seron» staltrmg,

Unruhen in Schlesien.

Teuerungskrawalle in Breslau. — Streik und Aussperrung.

Große Lebensmittelunruhen haben sich in Breslau in mehreren Stadtteilen ereignet. Die Krawalle nahmen in der Friedrich-Wichelm- straße ihren Anfang und verbreiteten sich von dort auf mehrere Straßen der inneren Stadt. Eine An­zahl Schuh - und Kleider!öden wurden ge­plündert. Die Polizei mußte schließlich von der Waffe Gebrauch machen. Die Unruhen wurden von jungen unreifen Burschen angezettelt. Be- sonders wurde eine große Anzahl von Geschäfts­lokalen in der Rsufchfiraße heimgesucht. Als später mehrere Hundertschaften Schutzpolizei die gefährdeten Straßen und den Ring absperrten, trat langsam wieder Ruhe und Ordnung ein. Mehrere Personen wurden verhaftet.

*

Der „Schlesischen Zeitung" zufolge hat der V e r- banddersl^lesischenMetallindustriel- l e n den Streck der Arbeiterschaft mit Aussperrung bezw. Entlassung sämtlicher Belegschaften beantwor­tet. Nur die begonnenen Arbeiten und gewisse Not­standsarbeiten werden verrichtet. Die Aussperrung erstreckt sich auch auf die Betriebe der Ortsgruppen Breslau und Ratibor, die vollständig ruhen.

Ueberrnorgen ist die Hochzeit und danach fahre ich gleich zu Annchen".

Am Abend des Tages, da in Berlin die Hochzeit statt- fanü, faß Frau Magdalene mit Ferdinand oben im Wohnzimmer und sah Jahresrechnungen durch. Es war schon nach d-em Abendessen, das Mädchen, Fritz und der Hausknecht bereits im Bett. Draußen schneite es, im Haus herrschte Totensttlle.

Da schrillte plötzlich die Torklingel laut durch die ' Stille.

Betroffen blickte Ferdinand auf.

f „Wer kann das sein?"

Frau Gersdorfer war in die Höhe gefahren, hatte im Nu eine Kerze angezündet und stand schon an der Tür, ehe Ferdinand die Frage noch ganz ausgesprochen.

„Bleib nur, ich gehe selbst." Damit eilte sie hastig hinaus. Ihre Wangen waren rot, ihr Herz klopfte laut. Wenn es Gustl wäre!!!?

Ihre Gedanken, die sich immer mit dem Lieblings­sohn beschäftigten, zogen gar keine andere Möglichkeit in Betracht.

Er kam, um sich mit ihr zu versöhnen! Er hatte sich vielleicht endlich verlobt und wollte es ihr selbst mit­teilen.

Aber unten harrte ihrer eine große Enttäuschung. Es war nur die Magd von Hobingers, die heulend be­richtete, daß ihr Herr soeben bewußtlos von fremden Leuten heimgebracht worden fei. Was mit ihm eigent­lich geschehen sei, wisse sie selbst nicht. Aber Frau Hobinger und Fräulein Thilda trieben es so arg, daß sie sich keinen Rat mehr gewußt habe und auf eigene Faust hierher gelaufen sei. Frau Gersdorfer sei immer so ruhig und besonnen, ob sie nicht ein wenig hinüber- kommen und den beiden zureden wolle.

Sehr bleich kehrte Frau Gersdorfer ins Wohnzimmer zurück und erzählte Ferdinand, was geschehen sei. „Na­türlich muß ich sofort hin", sagte sie, mechanisch Hur und Mantel anlegend und geistesabwesend vor sich hin- bllckend.

In ihrem Kopf jagte sich eine Flut angstvoller Ge- j danken. Hobinger war es, der ihrem Mann immer die !

; städtischen Lieferungen zugeschanzt hatte und die doppel- j 5 ten Rechnungen vertuschte. Der Gewinn wurde dann

Ehrhardt in Ungarn?

Beginn des Prozesses.

Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Wien, in dortigen rechtsstehenden Kreisen verlaute, daß Ehrhardt in Ungarn eingetroffen fei.

Nach einer Meldung des „Berliner Tageblattes" aus Hamburg ist der Kaufmann Karl Ehrhardt, ein Vetter des flüchtigen Ehrhardt, der auf Er­suchen der Leipziger Polizei unter dem Verdacht festgenommen worden war, die Flucht Ehrhardts begünstigt zu haben, vom Amtsgericht wieder frei- gelassen worden.

Wie die Blätter aus Leipzig melden, läßt die sächsische Regierung durch ihre Nachrichten­stelle eine Mitteilung verbreiten, in der sie erklärt, daß Ehrhardt nach Abschluß der Voruntersuchung am 15. März 1923 der Verfügung des Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik, des Senatspräsidenten beim Reichsgericht Dr. Schmidt, unterstellt worden fei und dem daher die Verantwortung für die Flucht Ehrhardts zufalle.

Nach einer weiteren Blättermeldung aus Leip­zig hat der Polizeipräsident aus Anlaß der am MontagbeginnendenVerhandlungen im Ehrhardt-Prozeß umfangreiche Si- cherheitsmaßnahmen getroffen. Es wurde ein Verbot von Versammlungen auf dem Reichs­gerichtsplatze erlassen.

28 Billionen Reichsschuld.

Der letzte Grund des Markelendes.

In der Zeit vom 30. Juni d. I. bis zum 10. Juli ds. Js. hat sich die schwebende Schuld des Deut­schen Reiches an diskontierten Schatzanweisungen um 6115,9 Milliarden Mark auf 28135 Milliarden Mark erhöht.

Diese sehr bedeutende Zunahme ist im wesent­lichen auf folgende Gründe zurückzuführen: 1. die Bereitstellung der zur Auszahlung der Vierteljahrs­und Monatsbezüge sowie der für Juli bewilligten erhöhten Teuerungsbezüge an die Reichs-, Staats­und Gemeindebediensteten sowie die Pensionäre und sonstigen Fürsorgeberechtigten erforderlichen Mittel, denen die Steuereinnahmen noch nicht ent­sprechend folgen: 2. die erhöhen Aufwendungen für die Reichsbahn aus Anlaß der erwähnten Befol- dungszahlungen, denen infolge der Ruhraktton ent­sprechende Einnahmen nicht gegenüberstehen. 3. Den erhöhten Geldbedarf für die Aufwendungen in Ausführung des Friedensvertrages und zur Abwehr der durch den Einbruch in das Ruhrgebiete hervor­gerufenen wirtschaftlichen Schäden. Die Abliefe­rungen der Oberfinanzkaffen haben sich gegen die vorherige Dekade um etwa 100 Milliarden Mark auf 259,5 Milliarden Mark gesteigert. Die volle Wir­kung der Geldentwertung bei dem Steueraufkom­men tritt hier erst später in die Erscheinung.

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* Rassisten gegen Katholiken. In Florenz wurden neun den Popolari und den katholischen Organisationen gehörige Häuser von Faszisten zer­stört sowie opposittonelle Zeitungsdruckereien ver­nichtet. An verschiedenen Orten fanden Kund­gebungen für Mussolini und gegen die Kammer statt. Mussolini sandte an die saszistischen Funktionäre ein in energischem Ton gehaltenes Tele­gramm, in welchem er die sofortige Ausforschung und Bestrafung der Täter anfünöigt und erklärt, der Faszismus habe tiefe Achtung vor der katholischen Ueberzeugung und könne derartige tadelnswerte Ausschreitungen nicht billigen.

* England und Japan. Reuter erfährt aus Tokio, daß die japanischen Zeitungen Erstaunen

zwischen beiden geteilt. Mit Baumeister Merz wurden ähilliche Geschäft gemacht. Oft auch arbeiteten alle drei gemeinsam.

Seit aber der neue Bürgermeister am Ruder war, schwebte Hobinger beständig in Angst vor EMdeckung. Denn Dr. Erktng besaß scharfe Augen und Ohren, war em Mann von unbestechlicher Rechtlichkeit und würde Schonung nicht gekannt haben.

Wenn nun Hobinger so plötzlich stürbe, konnte sich unter seinen Papieren manches finden, was zu einer ge­nauen Untersuchung seiner Geschäftsgebahrung Anlaß bot. Dann — nein, lieber das gar nicht ausdenken! Hobinger würde doch auch nicht gleich sterben. Bielleicht war er nur am Heimweg vom Kasino gestürzt und hatte sich verletzt. Man mußte nicht immer das Schlimmste denken. Bei Merz hatten sie vor zwei Jahren auch das Ende gefürchtet und wie gut hatte der sich wieder her­ausgemacht.

Ms sie dann aber an Hobingers Bett stand und in das stille, weihe Antlitz mti den gebrochenen Augen blickte, wußte sie, daß hier jede Hoffnung vergebens war.

„Was ist denn eigentlich geschehen?" fragte sie den Arzt, der sich eben mit dem Leblosen beschäftigt hatte, als sie eintrat, bang.

Dr. Sewald, der auch ihr Hausarzt war, sah ste eigentümlich ernst an.

„Es heißt, er sei am Heimweg infolge des Glatteises gestürzt und habe sich dabei die Halsschlagader verletzt" antwortete er mit gedämpfter Stimme. „Die Leute, die ihn brachten, fanden ihn im Schnee an der Stadtmauer, schon besinnungslos, in Blut förmlich schwimmend. Wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Hobinger gern lebte, würde ich denken . . . aber es kann ja fein", schloß er in ver­ändertem Ton. „Seltsame Zufälle kommen vor. Denk­bar ist es ja, daß an der Mauer irgendwo ein Nagel oder Eisstück war, das ihm im Fallen die Schlagader aufriß. Wir müssen es wenigstens annehmen."

„Wird er zu retten sein?"

„Zu retten? Er ist ja bereits tot. Sehen Sie es nicht?"

Frau Gersdorfer wandte sich schweigend ab. Sie war so weih geworden wie der Tote dort auf feinem Bett.

Wieder eine Verkehrsstörung.

Stillegung dec Strecke Frarikfurl-HomSurg-Usingen, wtb Frankfurt. 21. Juli. (Tel.) heute früh kurz nach 5 Uhr hatten die Franzosen in der Stärfd von etwa 30 Mann den Block Hamecker zwischen Rödelheim und Weißkirchen der Strecke Frankfurt- Usingen überraschend besetzt und den Zugverkehr durch Aufreißen der Schienen unterbun­den. Der Zugverkehr auf der Strecke Frankfurt- Homburg-Usingen ist damit stillgelegt.

und Unruhe über die geplante Gründung einer Flottenbasis in Singapore ausdrücken und erklären, dieser Plan scheine einen Mangel an Vertrauen zu dem Washingtoner Marineabkom­men zu bedeuten. Sie finden es beklagenswert, daß die japanischen Gefühle gegenüber Großbritan­nien offenbar nicht genügend geschützt würden. Sie seien trotz der Aufhebung des englisch-japanischen Vertrages unverändert geblieben.

* Amerika studiert Rußland. Laut .Vossischer Ztg/ wird am Montag in Bremen eine offizielle amerikanische Studienkommission für Rußland Eintreffen. Die Kommission ist vom Hearstschen Zeitungskonzern entsandt worden und soll in Rußland unp arteiis ch e Studien anstellen.

* Schreckensherrschaft in Aegypten. Reuter meldet aus Kairo, daß von 13 Personen, die wegen eines Komplotts gegen britische Beamte ange­klagt waren, fünf zum Tode und die übrigen zu Gefängnisstrafen von drei Iabren bis zu lebens­länglicher Dauer verurteilt wurden.

Die Löhne in -er Privatwirtschaft.

Die allgemeinen Anweisungen des Reichs- arbeitsministers an den Schlichtungsstellen, die auf Grund der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als Grundlage für alle Tarif - Verhandlungen vereinbart worden sind, werden jetzt in folgendem Wortlaut veröffentlicht:

1. Die Tarifverhandlungen bleiben nach rote vor Mittelpunkt der Lohnbewegung.

2. Als Maßstab für die Anpassung der Gruudlöhn«- an die Geldentwertung soll ein Lebenshaltungs­index dienen, der aus zuverlässigen Preiserhebungen in 28 Orten des Reiches errechnet und jeden Mittwoch veröffentlicht wird. Dabei wird empfohlen, nicht nur ausschließlich den Lebenshaltungsindex zu Grunde zu legen, sondern auch bezirklich oder örtlich M e ß z i f s r n, wenn sie nach ähnlichem Grundsätze wie die Reichsindex­ziffer amtlich errechnet worden sind. Es wird befür­wortet, für diesen Zweck örtliche Tarifkommissionen der Beteiligten zu bilden. Die Goldmeßziffer (er­rechn et aus Dollarkurs, Goldankaufspreis ufw.) wird abgelehnt und ebenso die ausschließliche Verwen­dung des Großhandelsindex. Dessen Anwendung wird abr dann empfohlen, wenn zwischen der Preisfeststellung und dem Zeitpunkt der Lohnauszahlung weitere Ver­änderungen der Kaufkraft des Index berücksichtigt wer- den müssen.

3. Die Wahl des Index (Reichsindex, örtlicher bezw. bezirklicher Index oder eigener Jdex wie in der Bettiner Metallindustrie) soll der Gesamtvereinbarung unterstellt werden, rote auch die Spanne des Zeitraums, in der die Anpassung an die Geldentwertung zu erfolgen hat, erwünscht ist; ferner daß die Anpassung in den verschiedenen Wittschaftszweigen nicht am gleichen Tage erfolgt, um einer automatischen Prissteigerung entgegen­zuwirken.

4. Die Auszahlung der Löhne nebst der Zu. schlüge soll in möglichst kurzen Perioden er-, folgen. Bei den Beziehern von Monatsgehältern wird daher zu mindestens halbmonatlichen Teilzah- langen übergegangen werden müssen.

In seiner Hinterstube saßen Frau Hobinger und Thilda, beide rote von Sinnen, laut weinend, zuweilen schrill auffchreiend. Besonders Thilda gebärdete sich in ihrer leidenschaftlich übertriebenen Art wie eine Wahn­sinnige. Dazu fürchteten sie sich beide wie kleine Kinder vor dem Toten drüben. Da jedes vernünftige Wort ver­gebens war, nahm Frau Gersdorfer schließlich beide mit sich in ihr Heim, räumte ihnen ihr Schlafzimmer ein, zwang sie, heißen Tee zu trinken und brachte sie dann selbst zu Bett, wo sie sich allmählich in den Schlaf meinten.

Sie selbst dachte nicht an Schlaf. Ruhelos ging sie die ganze Nacht im Wohnzimmer auf und nieder.

Was würden die nächsten Tage bringen? Sollte ste ihrem Mann telegraphieren, daß er sofort zurück? kehre? Abgesehen von allen Befürchtungen, war Ho­binger ihm stets als Freund besonders nahe gestanden.

Aber eben deshalb würde nun auch sein Tod . . . und die Att seines Todes Leopold besonders erschüttern. Und viele Augen würden beim Leichenbegängnis auf Leopold Gersdorfer blicken. Wenn er sich nicht beherr­schen konnte — wenn vielleicht gerade seine Aufregung und seine Unruhe anderen auffiel, — Verdacht er­weckte? . . .

Nein, es war bester, er blieb fern und erfuhr alles erst durch sie selbst bei der Heimkehr. Schließlich war er auch ein alter, kränklicher Mann, dem plötzliche Auf­regungen nur schaden konnten, wie Dr. Sewald ihr öfter gesagt. Mündlich konnte sie ihn leichter vorbereiten. Auch hatte er sich so sehr gefreut auf die Besuche bei den Kindern. Heute nacht war er gerade unterwegs zu Annchen. In vier Tagen wollte er dann nach Posen zu Gustl.

Nein, ste telegraphiette nicht. Den Leuten würde ste sagen, sie miste keine Adresse, da er sein Reiseprogramm in Berlin geändert habe.

Daß hinter all diesen Erwägungen ausschlaggebend der brennende Wunsch stand, ihr Mann möge durch nichts an feinem' Besuch bei Gustav gehindert werden, weil ste selbst nur so klaren Einblick in dessen Leben gewin­nen konnte, kam ihr nicht zulsii Bewußtsein. Aber un­bewußt besttmmte es ihren Entchluß.

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