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50. Zahrg

Samstag, 14. Zuli 1923

llr. 159

in Fulda.

a. M.

ziehen werde.

die unbeschränkte Fortsetzung dieses

I

ders einzuladen, erwartet, baß sie sofern sie nicht verhindert sind, tagen geregelt

Nach dem „New- Baldwins außer- worden. Obwohl habe, der letzte

Vie Heler der U. Kugust.

Das preußische Staatsministerium hat beschlos­sen, den Dersassungstag als National­feiertag des deutschen Dolkes würdig zu be­gehen. Die Feier soll mit einem Rh e i n - R u h r» tage verbunden werden, um den Gefühlen der Geschlossenheit Deutschlands des Dankes an die lei­tenden Mitbrüder und des festen Entschlusses der

werer Gefahr belastet ist.

sagt, daß die

Wiederherstellung der well in Gefahr ist und daß der Friede, für den so große Opfer gebracht wurden, auf dem Spiele steht.

Premierminister Baldwin schickte seinen Bemer. kungen über die Antwort auf die deutsche Note eine Erklärung voraus, in der er die Tatsache hervorhob, daß der einzige Gegenstand einer möglichen Meinungs­verschiedenheit zwischen den Alliierten die wir ks am st e Methode zur Erreichung der Endziele beträfe, die für alle von vitaler Bedeutung seien, worüber alle überein- stimmten. Diese Endziele wären Reparationen und Wiederherstellung der Sicherheit in Europa Nachdem Baldwin auf die Gemeinschaft im Denken und Handeln, die bk Alliierten in der gegen- wattigen Not verbinde, hingewiesen hatte, sagte er:

«ttb Paris, 13. Zull. (Tel.) york herald" ist die Aeußerung ordentlich wohltuend empfunden

Poincare kürzlich geantwortet

deutsche Vorschlag sei unbeackstlich, lägen Anzeichen dafür vor, daß jetzt, wo das Parlament sich vertagt habe, Poincare zum mindesten einige Konzes­sionen und eine formelle Antwort an die deutsche Regierung in Erwägung

tierantroortlid? für den reoautoneüen Teil i. V.-.A. Metzler.

- für die Anzeigen: I. Parze"er-Fu-da. Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerri in Fernsprecher Nr. o. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt

sich an den Festakten beteiligen, durch dienstliche Obliegenheiten Der Dienst wird wie an Sonn-

Zustandes mit , , . .

Deutschland selbst treibt schnell einem wirtschaftlichen Chaos zu, das von sozialem und industriellem Ruin gefolgt sein kann. Baldwin betonte nachdrücklich, daß diese Lage nicht Deutschland allein angehe, und daß die öffentliche Meinung Europas, und nicht zuletzt die Großbritanniens, über die Fortdauer dieser Verhältnisse mehr und mehr beunruhigt werde. Dk

Amtlicher Arneiaer für den kreis und die Stadl Julda.

-- "" ..... "* Bezugspreis: Monatlich 9000 Bit. Zustellgebühr extra.

~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 9200 2HL - Anzeigen: KleinzeilenachTolonel lOOJlftt; ausro. 1500211t. Reklamezeile nach Colonel 3000 Mk. ausro. 4500 M.

Ausland.

♦ Ermordung des Prinzen Ali Fahml. In I London ist der ägyptische Prinz Ali Fahmi Bei er- mordet worden. Seine einer vornehmen türkischen । Familie entstammende Frau wurde unter der Be­schuldigung, den Mord begangen zu haben, ver­haftet. Der 53jährige Prinz war Präsident der ägyptischen Nationalpartei, ein hervor­ragender Politiker und ein glänzender Journalist. I Die Freunde des Prinzen vermuten politische Zu» tammenhs*-v« der Mordtat.

Der Klebe im nahen Grient.

Eine Niederlage Frankreichs.

Die Einigung in Lausanne ist ein Erfolg der Türken. Frankreichs Verzicht auf eine ausdrückliche Neubestätigung der Bestimmungen des Muharem- dekrels im Vertrag ist eine schwere Niederlage der Politik Poincares, der es außerdem nicht hat durch» setzen können, daß England durch eine weitere Be­setzung Konstantinopels bis zur Beendigung der Verhandlungen zwilchen Angora und den Inhabern der ottomanischen Echuldiitel den Gendarmen sur die französischen Rentner spielte. Um einiger fran­zösischer Millionen willen hat sich Poincare bte neugewonnene türkische Freundschaft verscherzt. Dre Franzosen eitläten daher auch bereits offen, daß sie durch Englands Haltung zur Nachgiebigkeit ge- zwangen worden seien und daß es Englands Schuld sei, wenn die Titelinhaber gegebenenfalls ihr Geld verlören. Tatsache ist jedoch, daß England die fran­zösische Politik schließlich nicht mehr miimachte und sich weigerte, an ultimativen Schritten mit der Ge­fahr eines vollständigen.Abbruchs sich zu beteiligen, wie übrigens auch Griechenland. Das ist aber nur die Schuld der französischen Politik, die bet größerer Mäßigung weitere Unterstützung erzielt hätte. Dte noch zu regelnden Emzelfragen tonnen den Friedens­schluß nicht mehr gefährden. Die amtliche Mit­teilung der Verbündeten läßt daran keinen Zweifel und so wird die am 21. November 1922 begonnene, am 7. Februar unterbrochene und am 23. März wieder aufgenommene Lausanner Konferenz in etwa 10 Tagen durch einen FriedensMus; beendet werden, an den man kaum mehr zu glauben wagte und dessen Wert für die wirkliche Stabilisierung der Orlentverhältniße zweifelhaft bleibt, um io mehr als Rußland, das sich v:elle>cht noch in irgend emer Form in Erinnerung bringt, dem Vertrag fernbleibt.

Erhaltung von Rhein und Ruhr für unser Vater- land im Zusammenhang mit einem allgemeinen Bekenntnis zum Staat und zu seiner Verfassung starken Ausdruck zu geben. Sämtliche staatlichen Dienstgebäude sowie die Gebäude der Selbstverwal­tungskörper haben am 11. August in den Reichs­und Landesfarben zu flaggen. An allen Orten, die Sitz eines Oberpräsidiums, einer Regierung oder eines Landrates sind, haben die Vorstände die­ser Behörden sich mit den dort vertretenen anderen Behörden ins Benehmen zu setzen, um mög­lichst gemeinsame Bestimmungen über eine würdige äußere Gestaltung der Feier herbeizuführen. Zur Teilnahme sind die Spitzen der Militärbe­hörden sowie der Organisationen der Arbeit­geber- und Arbeitnehmerverbände, der Handels­und Handwerkskammern der Innungen und der Beamten- und Angeftellten-Organisationen beson- Es wird von den Staatsbeamten

Wie groß der Wert fft, den die englische Re- I aterunq auf jedes Wort ihrer Erklärung legt, zeigt siw darin, daß am Donnerstag vormittag nochmals -in Kabinettsrat stattfand, in der die bereits am Mittwoch ausgearbeitete Erklärung endgültig gebilligt wurde. Sämtliche Londoner Blätter be­kräftigen sich ausführlich mit der Anwesenheit des I tschechoslowakischen Außenministers Dr. Benesch in London, der sie im Zusammenhang mit der R e- parationskrise große Bedeutung beilegen, -er diplomatische Korrespondent der „Westtnmster Gazette" schreibt, Benesch habe in P a r t s fern Bestes getan, um die starre Auffassung Poin­care s zu ändern, und er habe sich in London de- müht, eine Annäherung des britischen Stand­punktes an den französischen zu ermöglichen.

In einem längeren Telegramm aus Washington bestätigt „Neroyork Herald", daß die amerika- I Nische Regierung entschlossen sei, die von Eng­land auf Grund der von Stanley Baldwin im Un- I tevhause abzugebenüen Erklärung vorgezeichneten Politik voll zu unterstützen. In Washington fei man überzeugt, daß, wenn jetzt keine Lösung des Reparationsprvblems gefunden werde, die Re- I parationskrisis noch viel schärfere Formen an- 1 nehmen werde. 2>ie Berichte der amerikanischen Auslandsvertreter stimmten darin überein, daß der Besitz Deutschlands an ausländischen Devisen nahezu erschöpft sei. Aber auch ein Fallen des stan» I zösischen Franken werde befürchtet, was von schäd­licher Rückwirkung bei französischen Getreideeinkäu­fen sein würde. Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas sei unmöglich, wenn nicht eine Lösung des Reparationsproblems auf wirtschaftlicher statt poli- tifcher Grundlage gefunden würde.

Die Erklärung Baldwins.

In Erwartung der wichtigen Erklärung Bald- I wins war das Haus und die Zuschauertribünen dicht besetzt. In der Diplomatenloge waren zahl- reiche Botschafter und Gesandte, darunter der demitsche Botschafter Dr. Sthamer und der französische Botschafter Graf St. Aulaive, anwesend. Die vom Premierminister verlesene Erklärung machte im all­gemeinen einen starken Eindruck und rief demon­strativen Beifall hervor. Sie läßt, obwohl sie in vorsichtiger Form und unter Schonung der fran­zösischen Gefühle und der Stimmungen der frank­reich-freundlichen englischen Kreise formuliert war, die Grundrichtung der englischen Politik zweifels­frei erkennen. Das englische Kabinett bietet zum letzten Male Frankreich die Möglichkeit, alle kom­menden Schritte gemeinsam zu tun und betont den unabänderlichen Willen Englands, im Rahmen der deutschen Lefftungsfähigkeit die Reparationen einzuziehen und gegebenenfalls zu erzwingen. Aber die englifche Regierung ist nicht bereit weiter zuzuwarten, darum soll die unverzügliche Aufstel­lung eines Entwurfs für eine Antwort an Deutsch­land und separate Absendung nach Berlin er­folgen, falls sich die übrigen Alliierten nicht binnen kürzester Frfft auf Grund des englischen Entwurfes über eine gemeinsame Antwort einigen. Ein wich­tiger Punkt ist, daß London keine Verschleppung mehr duldet, was von Baldwin auf eine ergänzende Frage MacDonalds ausdrücklich bestätigt wurde. Endlich ist Baldwins Feststellung von Bedeutung, >daß die Besetzung in der Friedenszeit ein bedauer- luhes Phänomen ist. Obwohl vorerst keine Debatte stattfand, fft doch erkennbar, daß die Erklärung nach Form und Inhalt allgemein befriedigt. Die Erklärung wurde zuvor von Baldwin den Führern dsr anderen Parteien vorgelegt und gebilligt.

Mi-usterpräsident Baldwin teilte mit. Groß- britm n en habe bte Alliierten dahin informiert, daß es bereit sei, die Verantwortung für die Vorbereitung des Entwurfs einet Antwor t auf die deutsche Note zu übernehmen. Die Antwort solle den Alliierten gut Kommentierung unterbreitet werden. Baldwin sprach die Hoffnung aus, daß man hinsichtlich der Fassung der Antwort zu einer Einigung gelange. Die in der deutschen Note enthaltenen Vorschläge, ob sie nun angemessen seien oder nicht, dürften nicht ignoriert werden. Baldwin wies nachdrücklich auf die wirtschaft­lichen und anderen Gefahren der jetzigen Lage hin und erklärte eine

L*hrbesttznng von unbestimmter Dauer für eine recht bedauerliche Erscheinung,

für die sobald als möglich ein ehrenhafter Abschluß gefunden werden muffe.

Wir sind fest überzeugt, daß die Methoden, die nur zum Ruin Deutschlands führen können, für England, für seine Alliierten und für ganz Europa verhäng­nisvoll sein würden. Wir machten uns von Anfang an klar, daß unserer Ansicht nach die Besetzung des Ruhrgebietes nicht geeignet ist, den Höchstbetrag an Re­parationen für die Aliierten einzubringen. (Beifall). 3m Januar machten mir in Paris ein Angebot, das wir als eine sehr großmütigeRegelung betrachteten, um etwas zu verhindern, was wir für eine Wirtschafts - katastrophe hielten. Dieses Angebot wurde von unseren Alliierten verworfen. Seitdem standen wir beiseite, beseelt von dem Geiste aufrichtiger Loyalität für die Allianz, die unseres Erachtens die Hauptficher- heit für den europäischen Frieden war und ist. Viele damals oorausgesehenen Folgen treten heute in die Erscheinung.

Die Alliierten erhalten weniger an Reparationen wie vor der Besetzung.

(Hört, Hört, Hört! bei der Opposition), und was sie er­halten, wird eingetrieben um den Preis der zunehmen­den Zerrüttung des deutschen Wirtschafts- Systems, mit der Aussicht auf den vollständigen Zu- jamm enbruch dreies Sostems in Zukunft (frört

der Widerhall in Paris. ,

Bis zur Stunde Hegen noch keine kompetenten Stimmen vor, die auf die Beurteilung schließen lasstn, die der englffchen Erklärung der den maß­gebenden französischen Stellen beschieden sein wird. Der bisher erkennbare Eindruck geht dahrn, daß die französische Regierung Anlaß habe, mit der Er­klärung im großen und ganzen zufrieden zu sein, da sie nicht nur außerordentlich entgegenkommend im Tone gegen Frankreich gehalten sei, sondern vor allem auch deshalb, weil sie die endgültige Ent­scheidung abermals hinausschiebt und so Zeit zu neuen Verhandlungen läßt. Dagegen hat nach der „Frkf. Ztg." die scharfe Verurteilung der französischen Ruhrpolitik durch die eng- lische Regierung um so peinlicher überrascht, als noch heute morgen die offiziöse Presse der Hoffnung Aus­druck gegeben hat, daß die englische Regierung jede Anspielung auf diesen heiklen Punkt unterlassen Erde. Insbesondere, der Satz, »daß die Besetzung des Gebietes einer Macht durch eine andere Macht mitten im Frieden ein im höchsten Grade unge­wöhnlicher und bedauerlicher Vorgang sei, ber so rasch wie möglich ein ehrenhaftes Ende finden müsse", scheint hier stark zu verstimmen, imd es fft keineswegs ausgeschlossen, daß diese Niedergeschla­genheit in den politischen Kreisen in der Presse, deren Vertreter für Freitag spät abends nach dem Quai d'Orsay bestellt sind, um die Instruktionen der Regimung entgegenzunehmen, ein Sturm der Ent­rüstung folgen wird.

Etwas zu optimistisch beurteilt der „Newyork Hemld" die Stimmung in Pariser Regierungs­kreisen. W. T. B. meldet uns:

Die Alliierten könnten frei miteinander sprechen mit dem vollen Verständnis von Teilhabern, bte durch das gleiche Geschick an die gleiche Aufgabe gebunden sind. Das Geflüster interessierter Parteien auf irgend­einer Seite des Kanals oder in irgendeinem Teile Euro­pas kann nicht gestatten, uns von dieser Pflicht durch irgendwelche» Vorbehalte oder sorgfältig genährte Miß- Verständnisse abzulenken. In allem, was wir zu sagen oder zu tun bereit sind, wird die britische Regierung wie das Herz Frankreichs von dem einzigen Wunsche bewegt, daß der gute Wille zwischen den Nationen, die zusammen gelitten, aufrechterhatten werden soll und daß jeder er­halten soll, was ihm gebührt. Wir sind ebenso enffchlos- sen, wie irgend einer der Verbündeten, daß Deutsch­land bis zum vollsten Umfange seiner Fähigkeit Reparationen leisten soll. Wir firfb bereit, jede Maßregel zu ergreifen, um Deutschland zu zwingen, bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit zu bezahlen. Aber wir sind als Nation von Geschäfts- leulen uns dessen bewußt, daß rost, wenn wir von Deutsch- land eine übermäßige Leistung fordern, keinen Erfolg Haben und daß wir und unsere Verbündeten die Hauptleidtragenden sein werden. Viele von den Folgen, die wir als Ergebnis der Ruhrbesetzung vorhergeschen haben, sind auf dem Wege, sich zu verwirklichen. Wir sind überzeugt, " ........ ~

Bus der Zone der Gewalttaten.

Wie die „Westindustrie" aus Mühlheim an der Ruhr meldet, sind die Thyssenschen Werke, die bisher besetzt roaren, wieder freigegeben worden. Die Arbeit wurde wieder ausgenommen.

Barmen besetzt.

wtb Barmen. 13. Juli. (Tel.) Heute vor­mittag gegen 7 Uhr rückte eine große Abteilung französischen Militärs aller Waffengattungen aus der Richtung haßliugshauseu hier ein und be­setzte die öffentlichen Gebäude, das Rathaus, die Post und den westlichen Barmer Bahn­hof. Auf dem Bahnhof wurde um 9 Uhr heute morgen schon die Kontrolle ausgeübt.

Line Mahnung des Kardinals Schutte zum Frieden.

Der Oberhirt der Kölner Erzdiözese Dr. Schulte richtete an seine Diözesanen ein Hirtenwort. Es heißt in dem Schreiben: Es fft fraglos, daß die Entwicklung der Dinge einem entscheidenden Wende­punkt nahe gekommen ist. Daher drängt es mich, die unerschütterliche Ehrlichkeit Eures guten Willens, der, unberührt von Haß und i Leidenschaft, verwerfliche Racheakte weit von sich weist und unter Wahrung von Pflicht und Ehre nur nach Frieden und Versöhnung strebt, nochmals aufzurufen und Euch inständig zu bitten, die Bemühungen unseres Hl. Vaters, die Anstrengungen unserer Regierung und über­haupt aller, die irgendwie ehrlich für den Weltfrieden arbeiten, in diesen schicksalsschweren Tagen und Wochen mit Eurem unablässigen Gebete zu be­gleiten.

Das Wettrüsten.

Line Debatte im englischen Oberhause.

Die kürzlich erfolgte plötzliche Dersechsfachnnj des französischen Luffflottenetats macht den Brtter doch viel Angst. Im englischen Obevhcmfe kam et zu einer Erörterung über die Frage der Rüstungen» Lord Salisbury erklärte, die Regierung sei von der Gefährlichkeit des Rüstungswettbewerbs überzeugt. Bei der Vergrößerung der Luftstreitkräfte bibe sie sich keiner Uebertreibung schuldig gemacht; ^er ein­zige Vorwurf, der ihr gemacht werden könne, sei, daß sie nicht weit genug gegangen sei. Die britische Regierung wünsche ein A b k o m m e n über die Luftrüstungen nach dem Vorbild des Washing­toner Vertrages zu erreichen. Sie wende sich be­mühen, diese Poliük durchzuführen, sobald die Lage Europas etwas weniger gsepannt sei. Lord Grey bezeichnete die Neigung zur Rückkehr zum allen Wettrüsten als besorgniserregend, gab aber zu, daß die Regierung die Luftstreitkräfte habe vermehren müssen, denn England sei besonders gefährdet, da ferne lebenswichtigen Zentren durch die Luft besser zu erreichen seien, als dies bei den Ländern I des Kontinents der Fall wäre. Wenn das Land schutzlos solchen Angriffen ausgesetzt bliebe, wäre eine Revolution sicher. Der Rüstungswett­bewerb zwischen den beiden in der Luft stärksten Mächten England und Frankreich, die während des Krieges treue Alliierte gewesen seien, sei kein gün- ftiges Zeichen für die Zukunft. Die Fortsetzung des Wettrüstens berge die Gefahr eines neuen Krieges in sich, der schlimmer wäre als der letzte. Ein neuer Krieg würde überhaupt den Untergang Europas bedeuten. Es fei aber noch nicht einmal I sicher, ob Europa sich von dem letzten Krieg er­holen werde. , ■

Außer dieser Angelegenheit wurde in der Ober- Haus-Sitzung die Frage des Flottenstützpunktes I Singapore erörtert, die vor allem Lord Grey lebhaft beschäftigte. Dieser betonte, der einzige Gegner, der in Betracht kommen könnte, fei I Japan. Ein Konflikt mit diesem Lande sei aber unwahrscheinlich; außerdem entspreche der Plan dem Geist des Washingtoner FlottenaAommens.

vevlsen-Rnhelage.

Wie das „Berl. Tagebl." mitteilt, fft von einer Reihe von Banken und auch seitens der Reichsbank bei dem Berliner Börsenoorftand beantragt worden, Devisenruhetage einzus Ihren und zwar sollen die Nofferungen von Devisen und Noten an den sog. börsenfreien Tagen gänzlich unterbleiben. Bon den Banken wird Keser Wunsch u. a. mit Arbettsuber» häufimg begründet.

Wts Meine für IeMImi).

Am Donnerstag ist das deutsch-russische Getreide- abkvmmen, das die Bestimmung enthält, daß Ruß­land sofort mit den Getreidelieferun- gen für Deutschland beginnt, unterzeich­net worden. Die russische Regierung wird hierfür die Vorräte aus der alten Ernte nehmen. Die neue (Ernte ist in Rußland nach übereinstimmender Berichten sehr gut

Notwendigkeit des Eingreifens

hat sich deshalb ber britischen Regierung in wachsendem Maße aufgedrängt. Es zeigt sich, daß über die Haltung der hauptsächlich beteiligten Parteien mehr Klarheit ge­schaffen werden muß. Man wird allgemein folgenden Vorschlägen zustimmen: daß die Periode des Konflikts fo bald wie möglich beendigt werden soll; daß die Be­setzung eines Landes in Friedenszeit an und für sich etwas Ungewöhnliches und eine bedauerliche Erscheinung ist, für die so bald wie möglich ein ehrenhafter Abschluß gefunden werden muß; daß der Schuldner nicht lediglich aufgefordert werden soll, seine Schulden zu zahlen, son- bem daß er in die Lage versetzt werden muß, dies tun zu können, ferner daß die Zahlungsfähigkeit des Schuldners geprüft und festgestellt werden soll und daß vereinte Anstrengungen gemacht werden müssen, um diese Ziele zu erreichen. Der Friede wird erst bann enbgültig gesichert sein, wenn bie Fragen ber Repa­rationen ber interalliierten Sch ulben unb ber Sicherheit bes pazisizierten Europa gelöst finb. Wir hoffen, daß wir für diese Bestrebungen, ebenso wie für bie allgemeine Beurteilung ber Lage die Zu­stimmung ber Alliierten finden.

Zum Schluffe seiner Rede sagte Baldwin noch: Wir hoffen auf die Mitarbeit Frankreichs und Bel­giens nicht weniger als auf Italiens Mitarbeit. Tatsächlich haben wir allen Grund anzunehmen, daß die Ans chten der italienischen Regierung sich in wesentlicher Uebereinftimmung mit ber mistigen befinben.

Ramsay Macbonalb, ber Führer der Arbeiter­partei, sprach die Hoffnung aus, daß die Bemühungen des Premkrministers von Erfolg getränt fein möchten. Er stellte mehrere ergänzende Anfragen, die ber Premier. Minister wie folgt beantwortete: „Die Angelegenheit der Antwort auf die deutsche Note werbe sofort in Angriff genommen werden. Was bie Erörterung im Un» terhause betreffe, fo hoffe er, daß sich dazu Gelegenheit bei ber zweiten Lesung ber Consolidated Fonds-Bill fal­ben werde. Die dritte Anfrage Macdonalds, ob die ^Regierung beabfichige, ihre Antwort auf jeden Fall zur Information den Vereinigten Staaten zu über­senden, bat Baldwin, auf morgen zu vertagen.

Aus dem Oberhause.

Im Oberhaufe richtete Discount Grey eine Anfrage an den Staatssekretär des Aeußern über die europäische Politik der Regierung, worauf Lord Curzon bie gleiche Erklärung verlas, bie Baldwin im Unterlaufe ab­gegeben hat. Die Mitglieder des Oberhauses nahmen sie mit großem Beifall auf. Hierauf ergriff Lord Grey das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er u. a. zur Frage der Sicherheit Frankreichs bemerkte, die von Frankreich gebrauchte Methode zur Besetzung bes Ruhr- gebietes sei nicht geeignet, bas erstrebte Ziel zu errei­chen, sondern dazu, gerade bas Gegenteil zustanbe zu bringen. Die Lxhren ber Vergangenheit zeigten, daß der Militarisknus keiner Ration unb keiner Gruppe von Nationei.. Sicherheit bringen könne. Der Versuch, bie Sicherheit auf Kosten anberer Nationen zu erhalten, habe stets mit einem Mißerfola geendet.

9er große Äz im englWn PmlmA.

Der Eindruck der Regierungserklärung in London und Paris.

hört!) Die Einwohner ber betroffenen Gebiete sind in vielen Fallen schweren Leiben unterworfen und es be- fteht die ernste Besorgnis einer Lebensmittelknappheit. 3n dem Maße, wie die produktiven Kräfte Deutschlands erschöpft werden, schwindet die Wiederherstellung seines Kredits, und bie Zahlung feiner Schulden in eine unge- wisse Zukunft. Den Preis sur btefen Stanb ber Dinge bezahlt jedes europäische Land, ein Land mtt bem Sinken feiner Wechselkurse, ein anberes mit ber Ab- nahme feines Hanbels, ein drittes mit zunehmender Ar­beitslosigkeit. Es ist keine Uebertreibung, wenn man

iKlnzelverraufsPreiö 400 Mark.

FuldaerZeftimg

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