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Elnzelverkaufspreis 400 Mark,

Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Dienstag, 10, Juli 1923

50. Zahrg

Nr. 155

Vas Urteil im Münchner Hochverratsprozeh.

Vaantwonltch für den cedauionellen leit t B: A. Wetzler. - für bU Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Notationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Semfprediet Nr. 9. PoMcheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.

FranzösW-belgWe Vorslellungen wegen Duisburg

Eine amtliche deutsche Darstellung.

Bezugspreis: Monatlich 9000 2BL Zustellgebühr extra. z Abgeholt in der Geschäftsstelle 9200 2RL n Anzeigen: Kleinzeile nach Townes LOO 2RL; ausw.900Alk. Rektamezeite nach Colonel 2000 Mk. ausw. 2800 ML.

WVMWilklMMMW.

Nachdem inzwischen die Antwort auf eine nach Nom gerichtete Rückfrage eingetroffen ist, konnten di« Verhandlungen zwischen dem R e i ch s k a n z - l e r und dem apostolischen Nuntius Pa c e l l i zum Abschluß gebracht werden. Als Ergebnis dieser Verhandlungen verbreitet das Wolff-Büro folgende Kundgebung:

Nuntius Pacelli hat im Auftrage der Kurie die Sabotageakte im besetzten Gebiet zur Sprache gebracht und die Ansichten und Wünsche des Heiligen Stuhls eingehend dargelegt. In seiner Erwiderung hat der Reichskanzler darauf hin­gewiesen, daß e8 sich um Vorfälle handelt, die aus der Erregung eines gepeinigten Volkes und als verzweifelter Versuch der Notwehr zu erklären sind. Die Reichsregierung sei jedoch mit dem Heil. Stuhl darin einig, jede verbrecherische Gewaltanwendung zu verurteilen.

Des Doffern hat der Reichskanzler davor ge­warnt, den Rahmen des passiven Widerstandes zu verlassen. Die halbamtliche Kundgebung der Reichsregierung sagt schärfer und mit wünschens­werter Klarheit, was der Reichskanzler wiederholt m seinen Reden zum Ausdruck gebracht hat. Die neue Mahnung der Reichsregierung wird hoffentlich eine Entspannung der unerträglichen Lage an Rhein und Ruhr herbeiführen. Auch kann man hoffen, daß die päpstlichen Mahnungen in Paris und Brüssel nicht ohne Wirkung bleiben werden. In einem Teil der deutschen Presse wird offen aner­kannt, daß Deutschland alle Veranlassung habe, dem Papst dankbar zu fein; nur einzelne Rechtsblätter fahren fort, den Papst zu schmähen. Instinktmäßige Abneigung gegen alles, was von „Rom" kommt, macht hier wieder einmal völlig blind für lebenswichtige Notwendigkeiten. Das Telegramm an den Nuntius, das in wohlverstan­denem Interesse Deutschlands lag, wird von diesen Blättern als ein Schlag gegen Deutschland miß­deutet und die zufällige Anwesenheit des früheren Reickfikanzlers Dr. Wirth in Rom wird mit dem Zustandekommen des päpstlichen Telegramms in Zusammenhang gebracht, obschon dieser bis jetzt überhaupt noch kemerlei Besprechungen nnt Kar­dinal Gasparn oder anderen vaKanischen Wür- beMrägem gehabt hat.

Patent bleibt in Berlin.

Weitere Verhandlungen. — „Ein klares Reparations- Problem."

Der Vertreter des Wolff-Büros ist in der Läge, mitzufeilen, daß das von der Reichsregierung über die Unterredungen des Reichskanzlers mit dem Nun­tius Pace11i herausgegebene Kommunique dn Vatikan mit großer Befriedigung auf­genommen wurde. Pacelli hat Anweisung erhalten, m Berlin zu bleiben; es werden noch weitere Schritte seitens des Vatikans unternommen werden, um den Frieden im Ruhrgebiet herMstellen. Wir erhielten folgendes Telegramm:

wtb Paris, 9. 3 uli. (Tel.) Die „Chicago Tribüne" meldet aus Berlin: Die Kurie habe in Zwei 5vagen von der deutschen Regierung eine schriftliche Antwort verlangt hinsichtlich der Sabo­tage und der Reparationen. Diese zwei Aragen seien noch nicht beantwortet. Ulan nehme aber an. daß binnen kurzem ein klares und einfaches Reparationsprogramm zustande kom­men werde, das als Grundlage für die wei­teren Bemühungen des Vatikan dienen solle. Der Papst habe gestern Nuntius Pacelli angewiesen, in Berlin zn bleiben, was sich aus der Hoffnung erklärt, daß das Memorandum in der Rqmrationsfrage von Deutschland zu erlangen sein werde. Eine Verständigung sei jedoch noch nicht erfolgt. Von einer neutralen Botschaft in Berlin will der Korrespondent erfahren haben, daß der Besuch des päpstlichen Nuntius und das Telegramm Pius XI. an ihn nicht die letzten Schritte seien, die der Vatikan unternehmen werde, nm den Arieden im Ruhrgebiet herbeizuführen. Auf diese Weise werde bei der am IS. Juli aus Aula^ der Svo-Jahrfeier der Sanouisierung des hl. Thomas zu erwartenden Enzyklika noch einmal Deutschland wie Arankreich ermahnt werden, sich im Interesse der europäischen Zivilisation in der Ruhrfrage zu v e r - ständigen._________________

Aus -em Linbruchsgebiet.

Methoden der französischen Propaganda.

In die Essener Bevölkerung wird durch die Franzottn neue Beunruhigung hineingetraqen, in. dem seit einigen Tagen Flugzeuge eine Unmenge Zettel über den Kruppschen Werken ab werfen, die den nur aus drei Worten bestehenden geheimnis­vollen Text tragen: „Bis drei Tage!" Gestern wie­derholte sich dieses Manöver in der Weiie, daß der Text der Zettel lautete: „Noch zwei Tage!" Es bleibt unklar, was diese Worte zu bedeuten haben, jedenfalls soll dadurch die Unruhe in der Bevölke­rung noch gesteigert werden.

Alle Düsseldorfer Zeitungen sind von der Besatzungsbehörde verboten, Die von den Fran­zosen in deutscher Sprache herausgegebenen Zei­tungen werden kostenlos verteilt. Damtt ist die Bevölkerung Düsseldorfs jeder freien Meinungs­äußerung beraubt uns den. Machenschaft n des fran­zösischen Propagandadienstes wehrlos preisgegeben.

In Duisburg sind größere Truppenmassen, darunter schwere Artillerie, eingetioffen. — Nach einer Havasmeldung ans Düsseldorf hat die belgische Behörde in der Reichsbankfiliale in Duisburg vier Milliarde« Mark be,chlagnahmt. um die Geld-

Rach Abschluß der Unterredungen zwischen dem Reichskanzler und dem Apostolischen Nuntius über die Sabotageakte haben gestern (Freitag) abend der bel­gische Gesandte und nach ihm der sranzösische Botschafter im Auswärtigen Amt den Vorfall bei der Rheinbrücke bei Duisburg mündlich zur Sprache gebrachst. Beide Missionschefs haben als Auf­fassung ihrer Regierung dargelegt, bafj sich die Reichs­regierung durch ihre Verordnungen für den passiven Widerstand und durch Beileidtelegramme auch für die aktivistischen Erscheinungen des Widerstandes verant­wortlich gemacht habe. Aus diesem Grunde müßten die belgische und die französische Regierung fordern, daß die Reichsregierung das Attentat auf der Duisburger Brücke mißbillige und alles unternehme, um die Täter zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Zum Beweis für die Beteiligung von Deutschen hat der belgische Gesandte mitgetellt, daß auf der Brücke B r u ch- stücke einer explodierten Bombe gefunden seien.

Der Reichsmini st er des Auswärtigen hat beiden Vertretern in folgendem Sinne geantwottet: Der Vorfall bei Duisburg fei der deutschen Regierung bisher nur aus Zeitungsmeldungen bekannt; ihre Versuche, sich ein klares Bild davon zu verschaffen, seien gescheitett, was nicht zu verwundern sei, da die deutschen Lokalbehörden keinerlei Möglichkeit hätten, den Sachverhalt an Ort und Stelle nach­zuprüfen. Aber selbst wenn an dem Vorfall Deut­sche beteiligt gewesen sein sollten, könne nicht zugegeben werden, daß die deutsche Regierung irgenbeme Ver­antwortung dafür trage oder in irgendeiner Weise zu derartigen Akten ermuntert habe. Die von der deutschen Regierung nach Beginn der Ruhraktion erlassenen Verordnungen feien nicht die Ur» fache, sondern die Folge des spontanen aus der Bevöl­kerung hervorgewachsenen Widerstandes; die Beileids­telegramme im Falle Schlageter seien eine durchaus natürliche und selbstverständliche Kundgebung, nachdem ein deutscher Mann von einem fremden Kriegsgerichte auf deutschem Boden für ein wahrlich nicht aus ehrlosen Motiven begangenen Handlung widerrechllich verurteill und hingerichtet worden fei. Es stehe doch außer Zwei­fel, daß feine Absicht nicht auf Blutvergießen, sondern darauf gerichtet gewesen fei, den Besatzungstruppen die unrechstmäßige Benutzung deutscher Verkehrsmittel nn- möglich zu machen. Eine Umdrehung der Begriffe fei es, wenn jetzt Frankreich und Belgien sich für berechtigt hielten, Deutschland für Ne Folgen ihres rechtswidrigen Einmarsches in das Ruhrgebiet und für die Folgen des maßlosen Terrors der Besatzungstruppen verantwortlich zu machen. Man dürfe nicht vergessen, daß, bevor irgendeinem Belgier ober Franzosen in dem besetzten Gebiete auch nur ein Haar gekrümmt worden fei, be­reits mehr als 20 Deutsche schutzlos ihr Leben durch die Kugeln der Besatzungs­truppen eingebüßt hätten. Gewaltakte, wie ein sol­cher nach der belgischen und stanzösischen Darstellung auf der Duisburger Brücke begangen fei, lägen nicht in der Absicht und Politik der deutschen Regierung, die nichts unterlaffe, um die gepeinigte Bevölkerung zum befonnenen Verharren auf der Linie des passiven Widerstandes zu bewegen. Die Angabe, daß am Ort der Tat eine Bombe gefunden fei, könne jedoch keineswegs genügen, um die deutsche Regierung von der Beteiligung Deutscher an einem Verbrechen zu über­zeugen. In diesem Zusammenhangs müsse daran er­innert werden, daß nach französischen unwidersprochenen Meldrmgen wiederholt sich Zwischenfälle ereignet hätten, wo französische.Soldaten von einem Kameraden

büße von 30 Milliarden Mark zn decken, die der Stadt nach dem Eisenbahnunglück auf der Hochfelder Brücke auferlegt worden war.

Der stellvertretende Regierungspräsident in Düssel­dorf, Oberregierungsrat Dr. Terviel, ist auf der Fahrt nach Gerresheim, wo er sich von den ausgewiesenen Eisenbahnern verabschieden wollte, von den französischen Besatzungsbehörden verhaftet worden. Das dienstälteste Mitglied der Regierung übernahm die Geschäfte.

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Aus dem Eifenbahndirektkonsbezkrk Frankfurt sind erneut 124 Eisenbahnbedienste unter Be­schlagnahmung ihrer Möbel ausgewiefen worden. Weiter wurden ausgewiesen aus dem Direktionsbezirk, Ludwigshafen 13 ledige und 50 verheiratete Eisenbahner mit Frauen und 82 Kin­dern und aus dem Bezirk Trier 9 Eifenbahnbe­dienstete mit Familie.

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In Offenburg wurde eine von den Fran­zosen eigens gezogene Telephonleitung von unbe­kannten Tätern durchschnitten und zwar in einer Zwischenpause der Patrouillengänge der Bahn­hofswache, welche hier von der Freiwilligen Feuer­wehr gestellt wird.

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Bei Massenverhaftungen und Aus­weisungen von Eisenbahnern in R e ck l i n g ha us e n spielten sich jammervolle Szenen ab. Frauen und Kinder wurden von französischen Truppenkomman­dos mit aufgepflaiytem Bajonett frühmorgens um 6 Uhr auf die Straße getrieben. Alles Inventar mußte zurückgelassen werden. Das Trauerspiel, das sich verschiedentlich hierbei bot, war derart er» greifenb und beschämend, daß selbst eine Reihe fran- zösischer Soldaten sich weigerte, bei dieser Aktion mitzuwirken.

Staiitn und Wlnnd in der Mrlrnne.

Unterteilung mit dem italienischen Botschafter.

Die Bemühungen Italiens, in der Ruhrfrage ein gemeinsames Vorgehen mit England zu errei­chen, finden insbesondere die Unterstützung der großen o. eritalienischen Blätter. Die „S t a m p a" schreibt m einem Leitartikel, gegenüber der französ. Hartnäckigkeit bleibe den beiden anderen Mächten kein anderes Mttel übrig, als eine aktive Ver­ständigung; jedenfalls müsse Poincares VoliÄ

erschosien worden seien. Was die weitere Behandlung des Falles durch die deutsche Regierung anN änge, so werde die Reichsregierung sich dazu äußern, sobald ihr in konkreter und fubftantierter Form bas Ergebnis ber bisherigen Untersuchung oorliegen werbe. Im übrigen fei zu bemerken, baß bis deutsche Regierung in mehreren Fällen geforbert habe, ben deutschen Behörden zu Untersuchungen an Ort und Stelle Gelegenheft zu geben, baß aber biefer Forderung niemals entsprochen worben sei. Ebenso wenig habe bie französische Regierung auf wieberholten Vorschlag, eine internationale Unter­suchungskommission zur Feststellung eines Tatbestandes einzusetzen, eine Antwort erteilt.

Man geht Wohl nicht fehl in der Annahme, daß das taktlose französisch-belgische Eingreifen gerade in den Tagen, wo in der Frage der Sabotageakte Verhandlungen zwischen dem Papst und der deutschen Regierung siattfanden, den vom Papst angeregten Schritt hat vereiteln sollen. Tas ist ihnen n i ch t gelungen, denn die durch das W. T. B. verbreitete amtliche Veröffentlichung der dem Nuntius Pacelli vom Reichskanzler gegebenen Erklärung, nach der die Reichsregierung jede „verbrecherische Gewaltan­wendung" verurteilt, stand vor dem belgisch- französischen Schritte bereits fest. Die Antwort, die der Reichsminister des Auswärtigen den Vertretern Belgiens und Frankreichs gegeben hat, stellt in würdiger Weise den deutschen Standpunkt fest, geht aber, ohne Deutschland dadurch etwas zu vergeben, dennoch in sachlicher Weise auf das Vorgebrachte ein, indem auch in ihr ausgesprochen wird, daß „ein Gewaltakt, wie er auf der Duisburger Brücke be­gangen worden sei, nicht in den Absichten und in der Politik der deutschen Regierung liege, die nichts unterlaffe, um die beteiligte Bevölkerung zur be­sonnenen Beharrung aus der Linie des passiven Widerstandes zu bewegen."

BerILngernng der Verkehrssperre um sechs Wochen.

Nach Mitteilungen, die den Berliner amtlichen Stellen von zuverlässiger Seite zugegangen sind, be­absichtigen die Franzosen nach Ablauf der vierzehn- tägigen Sperre diese um etwa sechs Wochen zu verlängern und zwar mit der Begründung, man habe die Urheber des Duisburger Attentats noch nicht gefunden.

Regierungspräfident Grützner von Düfleldorf hat ein Schreiben an den Päpstlichen Delegaten Testa gerichtet, in bemerbie katastrophalen Folgen, die die Verkehrssperre auf die Lebensmittelver­sorgung des Ruhrgebietes hat, darlegt.

Nach dieser Meldung scheinen Frankreich und Belgien entschlossen zu sein, sich um alle Berstän- digungsbemühungen nicht zu kümmern und es aufs äußerste ankommen zu laffeu, um Deutschlands Widerstand zu brechen.

Die Rheinlaudkourmission Hat nach einer Havas- meldung beschlossen, der belgisch-französischen Eisen­bahnregie eine vorläufige Entschädigung für dne Eifenbahnunfall auf der Hochfelder Brücke in Höhe von 69000 Franken zuzusprechen, die aus den Einnahmen des Deutschen Reiches geleistet werden soll.

durch eine andere ersetzt werden, einerlei, ob Frank­reich sich dieser anschließe oder nicht. Der fran- zosenfreundltche „Corriere della Sera" kommt zu dem Schluß, England und Italien müßten Frankreich gleichzeitig zurückhalten und stützen, damit durch Lösung der Reparationsfrage und Wiederherstellung der Einheit der Entente das Tor für Frieden und Sicherheit in Europa wieder geöffnet werde.

Vielbeachtet wird in Rom ein langes Londoner Gespräch zwischen Curzon und dem italienischen Botschafter Torretta. Man deutet dies hier als Anzeichen dafür, daß England aus seiner bisherigen diplomatischen Reserve heraustritt und mit Italien gemeinsam einen Ausweg aus der Ruhrsackgasse sucht. Außerdem hatten manche römischen Kreise die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß die jüngste Aktion des Pap st es die moralische A b- rüstung in ber Ruhrfrage vorbereite, indem einer­seits Deutschland die Attentate verurteile, an­dererseits Frankreich in der Räumungs­frage entgegenkäme.

21 us London wird gemeldet: Nach Auskünften aus offiziöser Quelle wird die it a l i e n i s ch e Re­gierung von nun ab bei den diplomatischen Konferenzen, die in London über das deutsche Angebot, über die Reparationsfrage und die Ruhr­besetzung statffinden, vertreten fein. Das sei die Interpretierung, die man dem gestrigen Besuch des Marquis della Torretta im Foreign Office gegeben habe.

völkeOundsrat.

Saarfrage. — Danzig und Polen.

Der Völkerbundsrat beendete am Samstag seine 25. Tagung. Er faßte zunächst eine Entschließung über die Saarfrage, in der er den Charakter der Regierungskommiffton im Saargebiet als Vertreter des Völkerbundsrates und ihre kollektive Verant­wortung feststellt, sowie bie Erwartung auf Aufhe­bung ber Ausnahmebestimmungen zu gegebener Zeit ausipricht, bie Gründe für die Einführung ber Frankenwähiung anerkennt und den Ausbau der lofaltn Gendarmerie, die laut Vertrag an die Stelle der fremden Garnisonen tritt, anempfiehlt. Der Rat sichert ber Regierunoskommiffion seine Unter­stützung bei ihren wetteren Aufgaben zu.

Der Völkerbun srctt schloß fotann in öffentlicher Sitzung die große Danzig-Polniiche Debatte vom tttzirn Mittwoch ab, silbern er die inzwischen vom

wtb 2llünd)en, 9. Juli. (Tel.) 3m hoch verratsprozeß Auchs wurde heute vormittag S Uhr 15 Mn. das Urteil gesprochen. Es lautet gegen Prof. Auchs wegen des Verbrechens eines hochverräterischen Unternehmens auf 12 Jahre Zuchthaus bei Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft, eine Geldstrafe von 2 Millionen Mark und die Aberkennung der bürgerlichen Ehren­rechte auf 10 3 a h r e, gegen den Kohlengroßhänd­ler 3ohann Munk wegen des verbrechens der Beihilfe zu einem Verbrechen des hochverräterischen Unternehmens auf 1 3 ahr 3 Monate Zucht­haus bei Anrechnung von 6 Wochen Untersuch­ungshaft. eine Geldstrafe von 30 Millionen Mark und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei 3ahre, sowie Ausweisung aus dem Reichsgebiet. Der Kaufmann Johann Ber­ger sowie die beiden Angeklagten Brüder Richard und Rudolf Gnterma nn wurdest freige­sprochen.

spanischen Berichterstatter Quinones d. Leon aus­gearbeiteten Vorschläge genehmigte, die auf eine Ablehnung der polnischen Forderungen hinausgehen und im allgemeinen der vom Völker- bunbskommiffar und der Freien Stadt Danzig ver­tretenen Auffassung vollkommen gerecht werden. Von den übrigen Streitfragen zwischen Danzig und Polen wurde nur noch die über die Finanzen des Hafenausschusfes in der Ratssitzung erledigt und zwar derart, daß die bisherige Regelung beibe­halten bleibt, wonach Danzig und Polen je die Hälfte der Unkosten bestreiten. Die anderen Fragen sollen vor bie Augusttagung des Rates kommen. Anfolge der eingetretenen Entspannung beschlossen jedoch die Danziger und polnischen Vertteter, jetzt bereits in Genf direkt Verhandlungen zu eröffnen. Wie man weiter erfährt, hat auf Grund des Ein­spruches des VölkerbundskommiffarS die Warschauer Regierung bie in den letzten Tagen gegen Danziger Reisende ergriffenen Grenzerschwerungen ein­gestellt. _____

Gegen die Dollaritls

Wie der ,Franst. Zig? ein Funkspruch aus New- Jork meldet, stellte der Federal Reserve Board eine Untersuchung übet den ausländischen Gebrauch iotoie das Hamstern amerikanischen Geldes an. In der Veröffentlichung wird angedeutet, daß bet wei­terem starken Abfluß amerikanischen Geldes poli­tische Maßnahmen getroffen werden würden«

(Eine amerikanische Stimme.

In amerikanischen Blättern lesen wir in einem bemerkenswerten Aufsatz von Dr. Robinson folgendes:

'Diejenigen, die noch immer glauben, daß Deutsch­land allein für den Krieg verantwortlich ist, daß eS den Krieg geplant hat und bie anderen Länder unvermutet angriff, haben wir seit 1914 reden und schreiben sehen. Sre gehören in den Kindergarten. Die­jenigen, welche bie offiziellen und nicht cffiziellen Doku­mente gelesen haben, die seit dem Waffenstillstand ver­öffentlicht worden sind, wiffen, baß Frankreich und Rußland mehr Schuld am Kriege haben als Deutschland. England aber ist weit entfernt davon, ohne Schuld zu sein.

Dr. Purdy sagt, Deutschland hätte den Krieg ge­wollt, weil es eifersüchtig auf England war. Jeder, der die Verhältniffe kennt, weiß, daß England viel eifersüchtiger auf Deutschland war, als umgekehrt. Deutschland machte bedeutende geschäftliche und wirt, schastliche Fortschritte, viel mehr als England. Warum ich England, Frankreich und Amerika kritisiere und Deutschland nicht? Das ist sehr einfach. Bis zum Waffenstillstand konnte niemand ein Wort über Eng­land, Frankreich und Amerika sagen, ohne ins Gefäng- mS zu wandern. Nach dem Waffenstillstand lag Deutschland am Boden und ich schlage niemanden, der am Boden liegt.

Es ist von größter Wichtigkeit, unser Volk davon zu überzeugen, daß unsere Teilnahme am Kriege nicht groß und edel, sondern eine verbrecherische Torheit war. Es ist wichtig, unser Volk davon zu überzeugen, daß der Krieg uns und die Welt ein viertel oder halbes Jahrhundert zurückgebracht hat. Hätten wir uns nicht am Kriege beteiligt, bann wäre ber Krieg viel eher aui gewesen, denn Deutschland wünschte 1917 den Frieden; das ist bewiesen worden, aber die alliierten Regierungen haben ihren Völkern dieS verschwiegen. Und der Krieg würde nicht nur früher zu Ende gewesen sein, sondern auch der Friede würde rühmlicher gewesen sein, ein Friede, der weniger Haß zurückgelaffen hätte und bi< Welt würde heute in einem besseren Zustande sich be« finden.

Ich habe zögernd von der Schuld am Kriege ge, sprachen. Bis jetzt konnte man nur schwer die Tatsache» des Krieges ermitteln. Ich sagte daher, daß bie Schutt am Kriege gleichmäßig verteilt werden muffe. Neuer- dings aber sind Bücher und Dokumente erschienen welche über jeden Zweifel hinaus beweisen, daß 90 Proz der Verantwortlichkeit für den Krieg Frank, reich und Rußland trifft. Bis zum letzten Moment hat der deutsche Kaiser mit unendlicher Geduld den Krieg abzuwenden versucht. Es wird schwer Jein, diejenigen zu überzeugen, die Deutschland die alleinige Schuld zuschieben wollen, aber diejenigen, bie die Wahrheit hören wollen, können sie jetzt erfahren. Sie mögen wenigstens ein Buch lesen: „Frankreich möge sich erklären", geschrieben von Friedrich Ban sm an, früherem Mitglied des höchsten Gerichtshofes von Washington. Wer nicht ein absoluter Narr ist, der die Wahrheit nicht hören will, mutz zur Uebergeugung kommen, daß die französische Regierung den Krieg wollte, Rußland antrieb, den Krieg zu beginnen und nachher England in den Krieg hinernzog. Wenn bie Gerechtigkeit in ber Welt herrschte, dann würde Poincare rnillionenmal den Tod verdienen für das Elend, tr über bie Well gebracht hat und »och bringe".

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