Elnzelverkaufspreis 400 Mark,
Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
Dienstag, 10, Juli 1923
50. Zahrg
Nr. 155
Vas Urteil im Münchner Hochverratsprozeh.
Vaantwonltch für den cedauionellen leit t B: A. Wetzler. - für bU Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Notationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Semfprediet Nr. 9. PoMcheck-Konto 4051 Frankfurt a. M.
FranzösW-belgWe Vorslellungen wegen Duisburg
Eine amtliche deutsche Darstellung.
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Nachdem inzwischen die Antwort auf eine nach Nom gerichtete Rückfrage eingetroffen ist, konnten di« Verhandlungen zwischen dem R e i ch s k a n z - l e r und dem apostolischen Nuntius Pa c e l l i zum Abschluß gebracht werden. Als Ergebnis dieser Verhandlungen verbreitet das Wolff-Büro folgende Kundgebung:
Nuntius Pacelli hat im Auftrage der Kurie die Sabotageakte im besetzten Gebiet zur Sprache gebracht und die Ansichten und Wünsche des Heiligen Stuhls eingehend dargelegt. In seiner Erwiderung hat der Reichskanzler darauf hingewiesen, daß e8 sich um Vorfälle handelt, die aus der Erregung eines gepeinigten Volkes und als verzweifelter Versuch der Notwehr zu erklären sind. Die Reichsregierung sei jedoch mit dem Heil. Stuhl darin einig, jede verbrecherische Gewaltanwendung zu verurteilen.
Des Doffern hat der Reichskanzler davor gewarnt, den Rahmen des passiven Widerstandes zu verlassen. Die halbamtliche Kundgebung der Reichsregierung sagt schärfer und mit wünschenswerter Klarheit, was der Reichskanzler wiederholt m seinen Reden zum Ausdruck gebracht hat. Die neue Mahnung der Reichsregierung wird hoffentlich eine Entspannung der unerträglichen Lage an Rhein und Ruhr herbeiführen. Auch kann man hoffen, daß die päpstlichen Mahnungen in Paris und Brüssel nicht ohne Wirkung bleiben werden. In einem Teil der deutschen Presse wird offen anerkannt, daß Deutschland alle Veranlassung habe, dem Papst dankbar zu fein; nur einzelne Rechtsblätter fahren fort, den Papst zu schmähen. Instinktmäßige Abneigung gegen alles, was von „Rom" kommt, macht hier wieder einmal völlig blind für lebenswichtige Notwendigkeiten. Das Telegramm an den Nuntius, das in wohlverstandenem Interesse Deutschlands lag, wird von diesen Blättern als ein Schlag gegen Deutschland mißdeutet und die zufällige Anwesenheit des früheren Reickfikanzlers Dr. Wirth in Rom wird mit dem Zustandekommen des päpstlichen Telegramms in Zusammenhang gebracht, obschon dieser bis jetzt überhaupt noch kemerlei Besprechungen nnt Kardinal Gasparn oder anderen vaKanischen Wür- beMrägem gehabt hat.
Patent bleibt in Berlin.
Weitere Verhandlungen. — „Ein klares Reparations- Problem."
Der Vertreter des Wolff-Büros ist in der Läge, mitzufeilen, daß das von der Reichsregierung über die Unterredungen des Reichskanzlers mit dem Nuntius Pace11i herausgegebene Kommunique dn Vatikan mit großer Befriedigung aufgenommen wurde. Pacelli hat Anweisung erhalten, m Berlin zu bleiben; es werden noch weitere Schritte seitens des Vatikans unternommen werden, um den Frieden im Ruhrgebiet herMstellen. Wir erhielten folgendes Telegramm:
wtb Paris, 9. 3 uli. (Tel.) Die „Chicago Tribüne" meldet aus Berlin: Die Kurie habe in Zwei 5vagen von der deutschen Regierung eine schriftliche Antwort verlangt hinsichtlich der Sabotage und der Reparationen. Diese zwei Aragen seien noch nicht beantwortet. Ulan nehme aber an. daß binnen kurzem ein klares und einfaches Reparationsprogramm zustande kommen werde, das als Grundlage für die weiteren Bemühungen des Vatikan dienen solle. Der Papst habe gestern Nuntius Pacelli angewiesen, in Berlin zn bleiben, was sich aus der Hoffnung erklärt, daß das Memorandum in der Rqmrationsfrage von Deutschland zu erlangen sein werde. Eine Verständigung sei jedoch noch nicht erfolgt. Von einer neutralen Botschaft in Berlin will der Korrespondent erfahren haben, daß der Besuch des päpstlichen Nuntius und das Telegramm Pius XI. an ihn nicht die letzten Schritte seien, die der Vatikan unternehmen werde, nm den Arieden im Ruhrgebiet herbeizuführen. Auf diese Weise werde bei der am IS. Juli aus Aula^ der Svo-Jahrfeier der Sanouisierung des hl. Thomas zu erwartenden Enzyklika noch einmal Deutschland wie Arankreich ermahnt werden, sich im Interesse der europäischen Zivilisation in der Ruhrfrage zu v e r - ständigen._________________
Aus -em Linbruchsgebiet.
Methoden der französischen Propaganda.
In die Essener Bevölkerung wird durch die Franzottn neue Beunruhigung hineingetraqen, in. dem seit einigen Tagen Flugzeuge eine Unmenge Zettel über den Kruppschen Werken ab werfen, die den nur aus drei Worten bestehenden geheimnisvollen Text tragen: „Bis drei Tage!" Gestern wiederholte sich dieses Manöver in der Weiie, daß der Text der Zettel lautete: „Noch zwei Tage!" Es bleibt unklar, was diese Worte zu bedeuten haben, jedenfalls soll dadurch die Unruhe in der Bevölkerung noch gesteigert werden.
Alle Düsseldorfer Zeitungen sind von der Besatzungsbehörde verboten, Die von den Franzosen in deutscher Sprache herausgegebenen Zeitungen werden kostenlos verteilt. Damtt ist die Bevölkerung Düsseldorfs jeder freien Meinungsäußerung beraubt uns den. Machenschaft n des französischen Propagandadienstes wehrlos preisgegeben.
In Duisburg sind größere Truppenmassen, darunter schwere Artillerie, eingetioffen. — Nach einer Havasmeldung ans Düsseldorf hat die belgische Behörde in der Reichsbankfiliale in Duisburg vier Milliarde« Mark be,chlagnahmt. um die Geld-
Rach Abschluß der Unterredungen zwischen dem Reichskanzler und dem Apostolischen Nuntius über die Sabotageakte haben gestern (Freitag) abend der belgische Gesandte und nach ihm der sranzösische Botschafter im Auswärtigen Amt den Vorfall bei der Rheinbrücke bei Duisburg mündlich zur Sprache gebrachst. Beide Missionschefs haben als Auffassung ihrer Regierung dargelegt, bafj sich die Reichsregierung durch ihre Verordnungen für den passiven Widerstand und durch Beileidtelegramme auch für die aktivistischen Erscheinungen des Widerstandes verantwortlich gemacht habe. Aus diesem Grunde müßten die belgische und die französische Regierung fordern, daß die Reichsregierung das Attentat auf der Duisburger Brücke mißbillige und alles unternehme, um die Täter zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Zum Beweis für die Beteiligung von Deutschen hat der belgische Gesandte mitgetellt, daß auf der Brücke B r u ch- stücke einer explodierten Bombe gefunden seien.
Der Reichsmini st er des Auswärtigen hat beiden Vertretern in folgendem Sinne geantwottet: Der Vorfall bei Duisburg fei der deutschen Regierung bisher nur aus Zeitungsmeldungen bekannt; ihre Versuche, sich ein klares Bild davon zu verschaffen, seien gescheitett, was nicht zu verwundern sei, da die deutschen Lokalbehörden keinerlei Möglichkeit hätten, den Sachverhalt an Ort und Stelle nachzuprüfen. Aber selbst wenn an dem Vorfall Deutsche beteiligt gewesen sein sollten, könne nicht zugegeben werden, daß die deutsche Regierung irgenbeme Verantwortung dafür trage oder in irgendeiner Weise zu derartigen Akten ermuntert habe. Die von der deutschen Regierung nach Beginn der Ruhraktion erlassenen Verordnungen feien nicht die Ur» fache, sondern die Folge des spontanen aus der Bevölkerung hervorgewachsenen Widerstandes; die Beileidstelegramme im Falle Schlageter seien eine durchaus natürliche und selbstverständliche Kundgebung, nachdem ein deutscher Mann von einem fremden Kriegsgerichte auf deutschem Boden für ein wahrlich nicht aus ehrlosen Motiven begangenen Handlung widerrechllich verurteill und hingerichtet worden fei. Es stehe doch außer Zweifel, daß feine Absicht nicht auf Blutvergießen, sondern darauf gerichtet gewesen fei, den Besatzungstruppen die unrechstmäßige Benutzung deutscher Verkehrsmittel nn- möglich zu machen. Eine Umdrehung der Begriffe fei es, wenn jetzt Frankreich und Belgien sich für berechtigt hielten, Deutschland für Ne Folgen ihres rechtswidrigen Einmarsches in das Ruhrgebiet und für die Folgen des maßlosen Terrors der Besatzungstruppen verantwortlich zu machen. Man dürfe nicht vergessen, daß, bevor irgendeinem Belgier ober Franzosen in dem besetzten Gebiete auch nur ein Haar gekrümmt worden fei, bereits mehr als 20 Deutsche schutzlos ihr Leben durch die Kugeln der Besatzungstruppen eingebüßt hätten. Gewaltakte, wie ein solcher nach der belgischen und stanzösischen Darstellung auf der Duisburger Brücke begangen fei, lägen nicht in der Absicht und Politik der deutschen Regierung, die nichts unterlaffe, um die gepeinigte Bevölkerung zum befonnenen Verharren auf der Linie des passiven Widerstandes zu bewegen. Die Angabe, daß am Ort der Tat eine Bombe gefunden fei, könne jedoch keineswegs genügen, um die deutsche Regierung von der Beteiligung Deutscher an einem Verbrechen zu überzeugen. In diesem Zusammenhangs müsse daran erinnert werden, daß nach französischen unwidersprochenen Meldrmgen wiederholt sich Zwischenfälle ereignet hätten, wo französische.Soldaten von einem Kameraden
büße von 30 Milliarden Mark zn decken, die der Stadt nach dem Eisenbahnunglück auf der Hochfelder Brücke auferlegt worden war.
Der stellvertretende Regierungspräsident in Düsseldorf, Oberregierungsrat Dr. Terviel, ist auf der Fahrt nach Gerresheim, wo er sich von den ausgewiesenen Eisenbahnern verabschieden wollte, von den französischen Besatzungsbehörden verhaftet worden. Das dienstälteste Mitglied der Regierung übernahm die Geschäfte.
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Aus dem Eifenbahndirektkonsbezkrk Frankfurt sind erneut 124 Eisenbahnbedienste unter Beschlagnahmung ihrer Möbel ausgewiefen worden. Weiter wurden ausgewiesen aus dem Direktionsbezirk, Ludwigshafen 13 ledige und 50 verheiratete Eisenbahner mit Frauen und 82 Kindern und aus dem Bezirk Trier 9 Eifenbahnbedienstete mit Familie.
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In Offenburg wurde eine von den Franzosen eigens gezogene Telephonleitung von unbekannten Tätern durchschnitten und zwar in einer Zwischenpause der Patrouillengänge der Bahnhofswache, welche hier von der Freiwilligen Feuerwehr gestellt wird.
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Bei Massenverhaftungen und Ausweisungen von Eisenbahnern in R e ck l i n g ha us e n spielten sich jammervolle Szenen ab. Frauen und Kinder wurden von französischen Truppenkommandos mit aufgepflaiytem Bajonett frühmorgens um 6 Uhr auf die Straße getrieben. Alles Inventar mußte zurückgelassen werden. Das Trauerspiel, das sich verschiedentlich hierbei bot, war derart er» greifenb und beschämend, daß selbst eine Reihe fran- zösischer Soldaten sich weigerte, bei dieser Aktion mitzuwirken.
Staiitn und Wlnnd in der Mrlrnne.
Unterteilung mit dem italienischen Botschafter.
Die Bemühungen Italiens, in der Ruhrfrage ein gemeinsames Vorgehen mit England zu erreichen, finden insbesondere die Unterstützung der großen o. eritalienischen Blätter. Die „S t a m p a" schreibt m einem Leitartikel, gegenüber der französ. Hartnäckigkeit bleibe den beiden anderen Mächten kein anderes Mttel übrig, als eine aktive Verständigung; jedenfalls müsse Poincares VoliÄ
erschosien worden seien. Was die weitere Behandlung des Falles durch die deutsche Regierung anN änge, so werde die Reichsregierung sich dazu äußern, sobald ihr in konkreter und fubftantierter Form bas Ergebnis ber bisherigen Untersuchung oorliegen werbe. Im übrigen fei zu bemerken, baß bis deutsche Regierung in mehreren Fällen geforbert habe, ben deutschen Behörden zu Untersuchungen an Ort und Stelle Gelegenheft zu geben, baß aber biefer Forderung niemals entsprochen worben sei. Ebenso wenig habe bie französische Regierung auf wieberholten Vorschlag, eine internationale Untersuchungskommission zur Feststellung eines Tatbestandes einzusetzen, eine Antwort erteilt.
Man geht Wohl nicht fehl in der Annahme, daß das taktlose französisch-belgische Eingreifen gerade in den Tagen, wo in der Frage der Sabotageakte Verhandlungen zwischen dem Papst und der deutschen Regierung siattfanden, den vom Papst angeregten Schritt hat vereiteln sollen. Tas ist ihnen n i ch t gelungen, denn die durch das W. T. B. verbreitete amtliche Veröffentlichung der dem Nuntius Pacelli vom Reichskanzler gegebenen Erklärung, nach der die Reichsregierung jede „verbrecherische Gewaltanwendung" verurteilt, stand vor dem belgisch- französischen Schritte bereits fest. Die Antwort, die der Reichsminister des Auswärtigen den Vertretern Belgiens und Frankreichs gegeben hat, stellt in würdiger Weise den deutschen Standpunkt fest, geht aber, ohne Deutschland dadurch etwas zu vergeben, dennoch in sachlicher Weise auf das Vorgebrachte ein, indem auch in ihr ausgesprochen wird, daß „ein Gewaltakt, wie er auf der Duisburger Brücke begangen worden sei, nicht in den Absichten und in der Politik der deutschen Regierung liege, die nichts unterlaffe, um die beteiligte Bevölkerung zur besonnenen Beharrung aus der Linie des passiven Widerstandes zu bewegen."
BerILngernng der Verkehrssperre um sechs Wochen.
Nach Mitteilungen, die den Berliner amtlichen Stellen von zuverlässiger Seite zugegangen sind, beabsichtigen die Franzosen nach Ablauf der vierzehn- tägigen Sperre diese um etwa sechs Wochen zu verlängern und zwar mit der Begründung, man habe die Urheber des Duisburger Attentats noch nicht gefunden.
Regierungspräfident Grützner von Düfleldorf hat ein Schreiben an den Päpstlichen Delegaten Testa gerichtet, in bemerbie katastrophalen Folgen, die die Verkehrssperre auf die Lebensmittelversorgung des Ruhrgebietes hat, darlegt.
Nach dieser Meldung scheinen Frankreich und Belgien entschlossen zu sein, sich um alle Berstän- digungsbemühungen nicht zu kümmern und es aufs äußerste ankommen zu laffeu, um Deutschlands Widerstand zu brechen.
Die Rheinlaudkourmission Hat nach einer Havas- meldung beschlossen, der belgisch-französischen Eisenbahnregie eine vorläufige Entschädigung für dne Eifenbahnunfall auf der Hochfelder Brücke in Höhe von 69000 Franken zuzusprechen, die aus den Einnahmen des Deutschen Reiches geleistet werden soll.
durch eine andere ersetzt werden, einerlei, ob Frankreich sich dieser anschließe oder nicht. Der fran- zosenfreundltche „Corriere della Sera" kommt zu dem Schluß, England und Italien müßten Frankreich gleichzeitig zurückhalten und stützen, damit durch Lösung der Reparationsfrage und Wiederherstellung der Einheit der Entente das Tor für Frieden und Sicherheit in Europa wieder geöffnet werde.
Vielbeachtet wird in Rom ein langes Londoner Gespräch zwischen Curzon und dem italienischen Botschafter Torretta. Man deutet dies hier als Anzeichen dafür, daß England aus seiner bisherigen diplomatischen Reserve heraustritt und mit Italien gemeinsam einen Ausweg aus der Ruhrsackgasse sucht. Außerdem hatten manche römischen Kreise die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen, daß die jüngste Aktion des Pap st es die moralische A b- rüstung in ber Ruhrfrage vorbereite, indem einerseits Deutschland die Attentate verurteile, andererseits Frankreich in der Räumungsfrage entgegenkäme.
21 us London wird gemeldet: Nach Auskünften aus offiziöser Quelle wird die it a l i e n i s ch e Regierung von nun ab bei den diplomatischen Konferenzen, die in London über das deutsche Angebot, über die Reparationsfrage und die Ruhrbesetzung statffinden, vertreten fein. Das sei die Interpretierung, die man dem gestrigen Besuch des Marquis della Torretta im Foreign Office gegeben habe.
völkeOundsrat.
Saarfrage. — Danzig und Polen.
Der Völkerbundsrat beendete am Samstag seine 25. Tagung. Er faßte zunächst eine Entschließung über die Saarfrage, in der er den Charakter der Regierungskommiffton im Saargebiet als Vertreter des Völkerbundsrates und ihre kollektive Verantwortung feststellt, sowie bie Erwartung auf Aufhebung ber Ausnahmebestimmungen zu gegebener Zeit ausipricht, bie Gründe für die Einführung ber Frankenwähiung anerkennt und den Ausbau der lofaltn Gendarmerie, die laut Vertrag an die Stelle der fremden Garnisonen tritt, anempfiehlt. Der Rat sichert ber Regierunoskommiffion seine Unterstützung bei ihren wetteren Aufgaben zu.
Der Völkerbun srctt schloß fotann in öffentlicher Sitzung die große Danzig-Polniiche Debatte vom tttzirn Mittwoch ab, silbern er die inzwischen vom
wtb 2llünd)en, 9. Juli. (Tel.) 3m hoch verratsprozeß Auchs wurde heute vormittag S Uhr 15 Mn. das Urteil gesprochen. Es lautet gegen Prof. Auchs wegen des Verbrechens eines hochverräterischen Unternehmens auf 12 Jahre Zuchthaus bei Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft, eine Geldstrafe von 2 Millionen Mark und die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 3 a h r e, gegen den Kohlengroßhändler 3ohann Munk wegen des verbrechens der Beihilfe zu einem Verbrechen des hochverräterischen Unternehmens auf 1 3 ahr 3 Monate Zuchthaus bei Anrechnung von 6 Wochen Untersuchungshaft. eine Geldstrafe von 30 Millionen Mark und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei 3ahre, sowie Ausweisung aus dem Reichsgebiet. Der Kaufmann Johann Berger sowie die beiden Angeklagten Brüder Richard und Rudolf Gnterma nn wurdest freigesprochen.
spanischen Berichterstatter Quinones d. Leon ausgearbeiteten Vorschläge genehmigte, die auf eine Ablehnung der polnischen Forderungen hinausgehen und im allgemeinen der vom Völker- bunbskommiffar und der Freien Stadt Danzig vertretenen Auffassung vollkommen gerecht werden. Von den übrigen Streitfragen zwischen Danzig und Polen wurde nur noch die über die Finanzen des Hafenausschusfes in der Ratssitzung erledigt und zwar derart, daß die bisherige Regelung beibehalten bleibt, wonach Danzig und Polen je die Hälfte der Unkosten bestreiten. Die anderen Fragen sollen vor bie Augusttagung des Rates kommen. Anfolge der eingetretenen Entspannung beschlossen jedoch die Danziger und polnischen Vertteter, jetzt bereits in Genf direkt Verhandlungen zu eröffnen. Wie man weiter erfährt, hat auf Grund des Einspruches des VölkerbundskommiffarS die Warschauer Regierung bie in den letzten Tagen gegen Danziger Reisende ergriffenen Grenzerschwerungen eingestellt. _____
Gegen die Dollaritls
Wie der ,Franst. Zig? ein Funkspruch aus New- Jork meldet, stellte der Federal Reserve Board eine Untersuchung übet den ausländischen Gebrauch iotoie das Hamstern amerikanischen Geldes an. In der Veröffentlichung wird angedeutet, daß bet weiterem starken Abfluß amerikanischen Geldes politische Maßnahmen getroffen werden würden«
(Eine amerikanische Stimme.
In amerikanischen Blättern lesen wir in einem bemerkenswerten Aufsatz von Dr. Robinson folgendes:
'Diejenigen, die noch immer glauben, daß Deutschland allein für den Krieg verantwortlich ist, daß eS den Krieg geplant hat und bie anderen Länder unvermutet angriff, haben wir seit 1914 reden und schreiben sehen. Sre gehören in den Kindergarten. Diejenigen, welche bie offiziellen und nicht cffiziellen Dokumente gelesen haben, die seit dem Waffenstillstand veröffentlicht worden sind, wiffen, baß Frankreich und Rußland mehr Schuld am Kriege haben als Deutschland. England aber ist weit entfernt davon, ohne Schuld zu sein.
Dr. Purdy sagt, Deutschland hätte den Krieg gewollt, weil es eifersüchtig auf England war. Jeder, der die Verhältniffe kennt, weiß, daß England viel eifersüchtiger auf Deutschland war, als umgekehrt. Deutschland machte bedeutende geschäftliche und wirt, schastliche Fortschritte, viel mehr als England. Warum ich England, Frankreich und Amerika kritisiere und Deutschland nicht? Das ist sehr einfach. Bis zum Waffenstillstand konnte niemand ein Wort über England, Frankreich und Amerika sagen, ohne ins Gefäng- mS zu wandern. Nach dem Waffenstillstand lag Deutschland am Boden und ich schlage niemanden, der am Boden liegt.
Es ist von größter Wichtigkeit, unser Volk davon zu überzeugen, daß unsere Teilnahme am Kriege nicht groß und edel, sondern eine verbrecherische Torheit war. Es ist wichtig, unser Volk davon zu überzeugen, daß der Krieg uns und die Welt ein viertel oder halbes Jahrhundert zurückgebracht hat. Hätten wir uns nicht am Kriege beteiligt, bann wäre ber Krieg viel eher aui gewesen, denn Deutschland wünschte 1917 den Frieden; das ist bewiesen worden, aber die alliierten Regierungen haben ihren Völkern dieS verschwiegen. Und der Krieg würde nicht nur früher zu Ende gewesen sein, sondern auch der Friede würde rühmlicher gewesen sein, ein Friede, der weniger Haß zurückgelaffen hätte und bi< Welt würde heute in einem besseren Zustande sich be« finden.
Ich habe zögernd von der Schuld am Kriege ge, sprachen. Bis jetzt konnte man nur schwer die Tatsache» des Krieges ermitteln. Ich sagte daher, daß bie Schutt am Kriege gleichmäßig verteilt werden muffe. Neuer- dings aber sind Bücher und Dokumente erschienen welche über jeden Zweifel hinaus beweisen, daß 90 Proz der Verantwortlichkeit für den Krieg Frank, reich und Rußland trifft. Bis zum letzten Moment hat der deutsche Kaiser mit unendlicher Geduld den Krieg abzuwenden versucht. Es wird schwer Jein, diejenigen zu überzeugen, die Deutschland die alleinige Schuld zuschieben wollen, aber diejenigen, bie die Wahrheit hören wollen, können sie jetzt erfahren. Sie mögen wenigstens ein Buch lesen: „Frankreich möge sich erklären", geschrieben von Friedrich Ban sm an, früherem Mitglied des höchsten Gerichtshofes von Washington. Wer nicht ein absoluter Narr ist, der die Wahrheit nicht hören will, mutz zur Uebergeugung kommen, daß die französische Regierung den Krieg wollte, Rußland antrieb, den Krieg zu beginnen und nachher England in den Krieg hinernzog. Wenn bie Gerechtigkeit in ber Welt herrschte, dann würde Poincare rnillionenmal den Tod verdienen für das Elend, tr über bie Well gebracht hat und »och bringe".
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