Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.
Nr. 149.
Verantwortlich für Ben ceOauioneÜen Teil i. V : A. Wrßler. - für bie Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^emipredier Nr. 9. Postscheck - Kon! o 4051 Frankfurt a. M.
Dienstag, 3, Juli 1923.
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50. Zahrg.
zeftstellunge» zu poincares Phrasen.
Die Heuchlermaske herunkergerissen.
Zu der jüngsten Rede des französischen Ministerpräsidenten wird dem Wolff-Büro von maßgebender Seite geschrieben:
In seiner gestrigen Senatsrede hat Pomcare mit ungewöhnlich plumpem Hohn der französischen Einbruchsarmee die Aufgabe zugewiesen, die deutsche Republik selb st gegen ihre Verirrungen zu verteidigen. Seitdem sie als Bedeckung einer einfachen Jngenieurkommission mit 50 000 Mann in das Ruhrgebiet eingefallen ist, hatte die französische Truppe vielerlei zu verrichten:
Bankraub, Fabrikplünderungen, gewaltsame Austreibung zahlloser Familien, Menschenjagden, Hinrichtungen und Massentötungen.
Daß wir in allen diesen barbarischen Akten eine Verteidigung der deutschen Republik zu sehen hätten, war uns bisher von Pomcare nicht zugemutet worden; mit dieser Wendung hat Pomcare zweifellos den Höhepunkt scheinheiliger Rhetorik erreicht. Üeb- rigens aber stellt sich seine Rede in unverhüllter Brutalität als ein neuer, nach den verschiedensten Seiten gerichteter Einschüchterungsversuch dar: Nach innen wendet er sich gegen diejenigen Franzosen, die an der Zweckmäßigkeit der Ruhr-Aktion zweifeln; nach außen schlägt Pomcare aus alle, die auf eine vernünftige Lösung des Reparationsproblems und auf eine endliche Befriedigung des leidenden Europa hinarbeiten. Besonders fudjt er natürlich in Deutschland Eindruck zu machen, wo man noch immer wagt, das Recht auf Leben und Dasein mit den Mitteln zu verfechten, die einem waffenlosen Volk im passiven Widerstand gegeben sind. Die von Pomcare angewandten G e - waltmethoden sind, so oft er auch das Gegenteil behauptet, ergebnislos geblieben: Wirtschaftlich find die Franzosen keinen Schritt vorwärts gekommen, trotz aller Opfer an moralisch«n Ansehen, mit denen sie die Politik Poincares bezahlten. Zum hundertsten Male sucht Pomcare die Berechtigung der Ruhr-Aktion nachzuweisen und er bleibt dabei, daß sie nicht Vertrags- und völkerrechtswidrig sei. Vergeblich bemüht er sich, den passiven Widerstand der Bevölkerung zu diskreditieren und die von ihm dagegen ergriffenen Mittel als die normalste Sache der Well hinzuftellen. .Wenn er sich rühmt, 16 000 pflichttreue Beamte vertrieben zu haben, so er- reicht er freilich noch nicht einmal die Wahrheit: Bis heute mußten über 65000 Menschen aus dem Rhein- und Ruhrgebiet Haus und Hof verkästen — gewiß ein überwältigender Beweis der Entschlossenheit der Bevölkerung zum Ausharren in dem aufgedrungenen Kampf! Die Anklagen Poincares ändern nichts an der Tatsache, daß die Bevölkerung die Kraft zu diesem Wi- verstand aus ihrem Rechtsbewußtsein und dem Willen zur Selbstbehauptung gegen eine Politik der Zerstörung schöpft. Die widerrechtlichen furchtbaren Vkuturteile, 'zu denen die französische Militärjustiz schreitet, smd nur westere Beweise dafür, daß die Politik Poincares einen Zustand der Gewalt und des Unrechts geschafft hat, der nicht andauern darf. Pomcare erklärt, daß er diesen Zustand auf unabsehbare Zeit aufrechterhalten will; die von Derstschland zur Beendigung des Konfliktes ge- machten Vorschläge will er keiner Antwort würdigen. Ganz bewußt und absichtlich versperrt er jeden Weg der Annäherung, weil er nur die KapiftÄation will. Bei aller Heuchelei und allen Verdrehungen lautet daher die Antwort: Ausharren im Ubwehrkampfl
Die neuen Opfer von Buer.
Durch eidliche Aussagen einer Reihe von Zeugen wurde einwandfrei festgestellt, daß die Schüsse, durch die von belgischen Straßenpatrouillen am 84. Ium drei Einwohner von Buer getötet wurden, ewige Minuten vor 8 Uhr, das heißt vor Beginn der Sperrzeit, abgegeben wurden.
Am Samstag vormittag wurden die Opfer des letzten Blutsomrtags aus dem Ehrensriedhof bei- g e s e tzt. Gemäß Befehl des Komamndanten durften
Die große Hoffnung.
Roman von Erich C b e n st e i n.
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®5 war noch früh am Morgen. Fritz hafte den Laden eben geöffnet, war aber noch nicht im Innern desselben erschienen. Ferdinand ordnete das Kassenbuch und den Geldbehälter, spitzte seinen Bleistift und schob den Kontrollapparat zurecht, während Fräulein Gosturn- lotzki im Hintergrund vor einem Spiegel ihr Haar zu- rechtzupfte und sich non Albert Schmeicheleien darüber ins Ohr flüstern steh.
Ferdinands Gedanken beschäftigten sich dabei mit durchaus friedlichen Dingen, wie: wer wohl heute der erste Kunde sein, was die Morgenpost bringen würde nsw., als ihn em lärmender Streit draußen auf der Straße jäh auffchreckte.
Natürlich wieder Fritz, der sich mit dem frechen Peter drüben zankte! Daß der dumme Surge es auch nie zu- wege brachte, Peters Süchcleien mit verächtlichem Schweigen zu erwidern!
Ferdinand warf einen Blick durch die Spiegelscheibe der Eingangstür. Natürlich — da standen sie einander inmitten der Straße gegenüber wie Kampshähne! Daneben schon Leute, die neugierig zuhö en.
„Albert, rufen Sie den Fritz herein! So etwas paßt sich ja doch nicht für unser Geschäft, daß der Junge da Straßenszenen macht, und wenn ers noch so gut meint!" rief Ferdinand dem Kommis zu.
Albert, froh, sich die Sache aus der Nähe besehen zu können, besonders da er jegt drüben im Heschlschen Laden die schöne Cälia auftauchen sah, schoß eilig hinter dem Ladentisch hervor und hinaus auf die Straße.
Fräulein Gostumlatzki folgte ihm bis an die Tür, um auch etwas von der Szene zu genießen. Draußen vergrößerte sich bas Publikum von Sekunde zu Sekunde. Ferdinand sah es und wurde dunkelrot vor Scham und Merger.
So etwas vor dem Gersdorferschen Geschäft! Und der Satansjunge von Fritz hörte nicht auf, so wenig wie Peterl Verde zitterten förmlich vor Wut und würden
Ein W. RilitmW in Sie Lust Mengt.
Trotz ungeklärter Ursache schwerste Sanktionen. Böttige Absperrung Des gesamten besetzten Gebietes.
Rach einer Meldung der Havasagentur aus Duisburg explodierte Samstag vormittag 2 Uhr auf der Linie Duisburg — Friemersheim in der belgischen Zone im Innern eines Wagens eines UrtauberIuges kurz nach der Ausfahrt aus Duisburg auf der Rheinbrücke eine Bombe. Ein Wagen wurde vollkommen pulverisiert. Neun belgische Soldaten wurden getötet und 25 schwer verwundet. Ein Wachtposten, der die Brücke bewachte, wurde durch ein Eisenstück getötet.
Nach den bisher eingegangenen Nachrichten liegt nicht der mindeste Grund zu der Annahme vor, daß das Explosionsunglück auf der Rheinbrücke bei Duisburg von deutscher Seite hsrvorgerufen worden ist; selbst Havas berichtet, daß das Unglück auf die Explosion einer Bombe oder eines Gasbehälters im Zuge zurückzuführen sei. Obwohl der Sachverhaü noch völlig unaufgeklärt ist, und insbesondere noch die Frage zu prüfen wäre, ob das Eisenbahnunglück nicht etwa auf das Konto der Fahrkunst der französisch-belgischen Regie zu setzen fft, hat sich der belgische kommandierende General veranlaßt gesehen, mit drakonischen Maßnahmen gegen die Bevölkerung des Duisburger und bes Hamborner Gebiets vorzugehen. lieber diese beiden Städte wurde der Belagerungszustand verhängt und außer den bereits Genannten wurden, soweit bisher bekannt, noch Polizeihauptmann Arnold verhaftet. Eine Reihe von Duisburger Bürgern wurden als Geiseln festgenommen und zwar, soweit bis setzt bekannt, die beiden allein auf dem Rathaus anwesenden Magistratsmitglieder Dr. Wetz und Crener sowie Regierungsrat Eylers, ferner die Rechtsanwälte Dr. Bach und Dr. Frcdickar, Landgerichtspräsident Dr. Brand, der Führer der Zentrumspartei, Dr. Feldhaus, und der Herausgeber der „Rhein- und Ruhrzeitung", Lucko. Es wird vermutet, daß auch die übrigen Parteiführer als Geiseln sestgenommen werden sollen.
Die interalliierte Rheinlandkommifsion hat an- geordnet, daß am 1. Juli von Mitternacht an der gesamte Verkehr zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet gesperrt wird. Die Sperre güt vorläufig für zwei Wochen. Sämtliche bisher ausgestellten Pässe sind für ungültig erklärt. Die interalliierte Kommission behält sich vor, für gewisse Ausnahmefälle besondere neue Paffe aus« zuftellen. Gleichzeitig veröffentlicht die interalliierte Rhemlanükommisfion ein Kommunique, in dem sie mitteilt, daß sie wegen des Attentats auf einen belgischen Militärzug bei Duisburg folgende Sanktionen beschlossen habe:
1. Don heute nacht ab ist die Ueberschreitung der Grenze zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet in beiden Richtungen für alle deutschen Staatsangehörigen verboten. Ausnahmen sind ledig- lich für die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung
sowie für außergewöhnliche Familienfälle vorgesehen. Die Dauer dieser Sanktion ist aus vierzehn Tage festgesetzt.
2. Auf Grund eines Beschlusses der belgischen Okkupationsbehörden ist in der Umgeb ung des Ortes, wo das Attentat verübt wurde, jeder Rachtverkehr verboten. Außerdem ist am Tage der Verkehr mit Automobilen, Motorrädern und Fahrrädern untersagt.
3. Die Cafes, Theater, Kinos und die fon- ftigen öffentlichen Lokalitäten bleiben geschlossen.
4. Eine Anzahl von Beamten und hervorragenden Persönlichkeiten sollen verhaftet werden.
lieber diese Bestimmung hinaus sind eine Reihe weiterer außerordentlicher Maßnahmen zur Be- kämpftm-g des Verkehrs auf der Eisenbahn sowie auf den Wasserwegen zu erwarten.
Im Landkreis H ö rde ist zur Sanktion für den angeblichen Anschlag auf französische Soldaten bei Hoheusyburg der Straßenbahnver- k e h r seit gestern mittag stillgelegt.
Am Sonntag nachmittag 5 Uhr erschienen auf dem Bahnhof Isenburg drei französische Kriminalbeamte in Zivil. Sie verlangten Einstellung des Zugverkehrs, da Isenburg im besetzten Gebiet liege. Die Reisenden auf den Bahnsteigen wurden einer Paßkontrolle unterzogen; bei fehlendem Visum wurde eine Geldstrafe von je 10000 Mark eingezogen.
Das Echo der Sperrmaßnahmen in der presse.
Zu den neuen französisch-belgischen Maßnahmen zur Erdrosselung jeglichen Verkehrs im Rhein- und Ruhrgebiet schreibt die „M o n ta g s p o st": Die Franzosen und Belgier wollen, daß die Leute nur noch mit den militarisierten Bahnen fahren können und die Einidringlinge wollen sich so gegen unangenehme Attentate schützen. Aber die Deutschen an Ruhr und Rhein werden auch die Schwierigkeiten dieser neuen Maßnahmen auf sich nehmen und den Franzosen nicht den Gefallen tun, als Schutzengel in den Regiezügen zu fahren.
Der „L o k a l a n 5 e i g e r" sagt: Die hermetische Absperrung des besetzten und Einbruchsgebiets von dem übrigen Deutschland hat unzweifelhaft noch einen ganz besonderen Grund. Rach Meldungen von sehr gut unterrichteter Seite hat es den Anschein, daß die Franzosen alle Vorkehrungen für die Proklamierung der rheinischen Republik getroffen haben. Selbstverständlich fft es eine große Förderung für derartige Pläne, wenn Rheinland und Westfalen unter irgend einem Vorwand von dem übrigen Deutschland abgesperrt sind. Die Explosionskatastrophe auf der Rheinbrücke von Duisburg hat den Franzosen den erwünschten Vorwand geliefert.
nur wenig Leidtragende dem Sarge folgen; außer den nächsten Anverwandten der Toten waren nur
Nach dem Gottesdienst zogen belgische Patrouillen mit gefälltem Bajonett zwischen den Scharen der Kirchenbesucher auf den Plätzen vor den Gotteshäusern auf und ab. Die Belgier nahmen bei allen Leuten, von denen sie vermuten, daß sie rechtsstehenden polittschen Kreisen angehören, Haussuchungen vor.
einige wenige Vertreter der städtischen Körperschaften zugegen. Der Kommandant hatte auch ausdrücklich verboten, Grabreden zu halten. In den Pfarrkirchen der Stadt fanden Trauergotte s- d i e n ste statt, die überaus zahlreich besucht waren.
sich im nächsten Augenblick in bie Haare fahren, wenn sich nicht jemand zwischen sie warf. Warum Albert Fritz nicht einfach bei den Ohren nahm und ihn ins Geschäft bugsierte? Aber Herr Albert stand im Gegenteil wie verzaubert daneben, schien seinen Auftrag ganz vergessen zu haben und hörte mit offenem Munde zu.
Da beschloß Ferdinand, dem peinlichen Austritt selbst ein Ende zu machen, sprang auf, schob Fräulein Gostumlatzki etwas unsanft beffeite und öffnete die Ladentür.
Seine Absicht war, Fritz beim Ohr zu nehmen, und ohne weiter ein Wort zu verlieren,'mit Gewalt in den Laden zu befördern. Aber er hatte kaum zwei Schritte gemacht, als er diese Absicht total vergaß. Denn an sein Ohr schlugen Worte, die ihm bas Blut vor Schreck erstarren ließen.
Peter hafte eben hämisch gesagt: „So, den Mund sollt ich halten und nicht dick tun mit meiner Herrschaft, well sie sich nicht mit der deinen vergleichen könne? Möchte wissen, wieso? 3m Geschäft werden wir euch bald über sein und sonst auch. Unser Fräulein wenig- ftens rennt nicht bei Nacht und Rebel mit ihrem Liebhaber herum, wie das eure! Und unser junger Herr läßt sich keine Dämchen heimlich ins Haus kommen und macht keine Schulden, wie . .."
Das weitere erstarb in gellendem Geschrei. Denn Ferdinand h sich auf den Burschen gestürzt und schlug mit den Fäusten auf ihn los, als hätte er einen Mchlsack unter sich.
Alle Fenster ringsum wurden aufgerissen. Fräulein Eälia schrie Zeter und Mordio, der alte Hejchl stürzte aus seinem Laden und rief nach der Polizei, denn man schlage ihm seinen Lehrbuben tot. Aus den Fenstern der Gersdorferschen Wohnung schrie Herr Gersdorser mft Stentorstimme: „Ferdinand! Laß den Jungen los! Augenblicklich laß den Jungen los!"
Aber Ferdinand, der sonst sanftmütig wie ein Lamm war und seinem Chef auf rw Wimperzucken gehorchte, war taub und blind. <
Erst als hinter ihm c .-Wchenstimme angst
voll bat: „Ferdinand ... Ferdinand, um Got- teswillrn, hall ein!" zuckte er jäh zusammen, gab dem
heulenden Peter noch einen unsanften Stoß und kehrte stumm, ohne sich um die Umstehenden zu bekümmern, in den Laden zurück.
Es war Annchens Stimme gewesen, die ihn aus seinem blinden Wutrausch erweckt hatte. An allen Gliedern zitternd, war sie herabgeellt und stand nun bebend vor ihm.
„Ferdinand — was haft du getan und warum?" stammelte sie. „Wie konntest du dich so wett vergessen . . . du! und ein Lehrjunge!!!"
Ferdinand sah sie lange an mft feinen wässrigen Slauaugen. Dann, ohne ihre Fragen zuv beantworten, sagte er kurz: „Geh hinaus, Annchen. Das ist nichts für dich. Wir sprechen ein andermal darüber, jetzt habe ich zu tun."
Als sie den Laden verlosten haft«, rief er Fritz, Albert und die Gostumlatzki zu sich.
„Daß mir kein Wort von dem elenden Geschwätz dem Herrn oder der Frau 311 getragen wird, verstanden?> Ein anständiger Mensch müßte sich ja schämen, folch^elende Verleumdungen und Lügen zu wiederholen! Wenn Frau Gersdorser fragt, wird ihr geantoortet, daß Peter aus Brotneid sich alberne Bemerkungen über unser Geschäft erlaubt hat und mir die Galle darüber überlief. Wer mehr sagt, erhält die Kündigung, dafür würde ich schon sorgen. Denn so ist es immer bei uns gehalten worden: West' Brot ich eß', dess' Lied ich sing'!"
Sie versprachen es alle feierlich, über die letzten gemeinen Verdächtigungen des feindlichen Lehrjungen Schweigen zu beobachten.
Es war ja auch zu abscheulich, Annchen, die so sittsam und rein wie eine Heilige lebte, so zu verdächtigen! Und den jungen Herrn erst — so einen feinen, hübschen, vornehmen Menschen! Pfui, es war wirklich schändlich!
F-äulein Gostumlatzki besonders konnte sich gar nicht fassen darüber, was sie iudesten nicht hinderte, schon zehn Minuten später Hexrn Wbert zuzuslüstern: „Lügen? Na, ich weiß doch nicht —? Etwas wird schon daran fein! Wollen mal aufpaffen auf Schön-Aennchen! Sülle Wasser sind oft tief . . ."
Frau Gersdorser, die, als der Streit unten laut wurde, gerade beim Ankleiden gewesen und sich dann
Vas Mainzer Vluturteil eine Lockspitzelarbeit.
Zu den Todesurteilen des französischen Kriegs- gerichls in Mainz gegen sieben Deutsche schreibe« die Berliner Blätter, daß das angebliche, dem Urteti zugrunde liegende Eisenbahnattentat fehl stark nach Lockspitzelarbeit aussieht und daß Oberstleutnant Richert, dessen Treiben zufällig aufgedecki wurde, wohl nicht der einzige Provokateur im Dienst« der Poincareschen Politik jein werde.
Die Reichsregierung hat nach Eingang der Meldung über die Mainzer Todesurteile sofort di« erforderlichen Schritte zur Ausilörung des Tatbestandes und zum Schutze des Lebens der Verurteilten eingeleitet.
Havas meldet aus Düffeldorf: Die vom Kriegsgericht in Mainz wegen Sabotage zum Tode verurteilten sieben Deutschen haben R e v r s 0 n angemeldeh
Aus der Zone der Gewalttaten.
Vor dem Kriegsgericht der Besatzungstruppen m Düsseldorf mußte sich Oberpostsekretär Attops von der Oberpostdirektion Düsseldorf veranttvorten. Er war beschuldigt, gegen die Verordnungen vom 17. Februar und 14. Januar 1923 verstoßen zu haben, denen zufolge verboten fft, den streikenden Beamten das Gehalt auszubezahlen. Am 31. Mai drangen französische Beamte in das städtische Gebäude ein, wo Atrops gerade einigen hundert Beamten das Gehalt ausbezahlte. Das bei ihm Vorgefundene Geld in Höhe von 14 Millionen wurde beschlagnahmt. Der Angeklagte gab an, daß sich unter den von ihm ausbezahlten Be- amten keine Streikenden befunden hätten. Da° Kriegsgericht verurteilte Atrops zu einem Mönch GefänMris und einer Million Geldstrafe.
Die Eisenbahnlinie Dortmund-Lütgendor» mund ist von den Franzosen stillgel egt worden.
Ziit Mms Ser BflgTOen RinislerlrW.
Französische Sorgen um den belgischen Verbündeten.
Die französische Presse äußert sich zur Beendigung der belgischen Ministerkrisis nicht gerade zuversichtlich. Sehr ernst steht das „Journal" die Lage nach Bildung des neuen Kabinetts cm, indem es schreibt: Die Entwicklung der nationalistischen Bewegung welche die Einheit Belgiens zu zerbrechen droht trägt im Keime bereite jene Rivalität in sich, durch die Jahrhunderte hindurch die flandrische Eben« zum Schlachtfelde geworden fft. Der Erfolg der flämischen Forderungen kann unmittelbare Wirkungen haben. Das Schicksal der belgischen Regierung hängt mehr und mehr von den Gruppen ab, die sich offen auf die germanische Zioilffation berufen. Diese Forderungen sind nur das Vorspiel für einen politischen Bruch. Noch seltsamer ist aber der Umstand, daß das Kompromiß, mit dem die Krise ihren Abschluß gefunden hat, die Einschränkung des militärischen Dienstes von der Liquidation der Ruhrangelegenhett abhängig macht. Hüten wir uns vor Kombinationen, aus denen sich nur Enttäuschungen ergeben können.
Vie 5tteikqefahr in der Berliner Metallindustrie.
Der Beginn des Streiks in der Berliner Metallindustrie fft angesichts der vom Reichsarbeitsministerium angeregten Vermittelungsaktion hinaus- geschoben worden. Es ist eine erweiterte Streikleitung gebildet worden, die über den Beginn des Streiks und darüber entscheiden soll, welche Betriebs zunächst in den Kampf gezogen werden sollen.
eilig fertig machte, erschien bald nach Annchens Weggehen im Laden und wollte natürlich alles haargenau wissen.
Aber Ferdinand sagte ihr nur gerade das Notwendigste und nahm ihre Vorwürfe über sein brutales Eingreifen schweigend hin.
„Manchmal packt's einen eben so, daß einem die Gall« überläuft!"
„Aber wegen so einer Dummheit, Ferdinand! Ab ob uns was daran läge, wenn Peter sich über unser, Preise den Mund zerreißt! Und die Konkurrenz vor Hsschl? Bah, die wirft uns nicht um! Eoll's nur versuchen, uns unsere Stammkundschaft abspenstig zu ma- chen! lieber Haupt, wer fft denn Heschl gegen uns, die wir feit Jahrzehnten zu den ersten Familien der Stadt gehören? Lachen hättest du sollen. Ferdinand, nicht dreinschlagen!"
Ferdinand lochte nicht. Er zuckte nur stumm di« Achseln. „Ich bin halt so. Manchmal packt's mich eben!*
Den ganzen Tag ging er umher wie im Traum. Als Annchen gegen Abend fortwollte — „zu Thilda Hobin- gcr, wie gewöhnlich", trat er ihr im dunklen Hausflur plötzlich in den Weg.
„Annchen — gehst du wirklich nur zu Thilda?"
Sie stutzte und wurde ein wenig blaß.
„Aber Ferdinand! Was soll die Frage? Was meinst du eigentlich? Wohin sonst sollte ich denn gehen?"
„Und ihr bleibt dann die ganze Zett über daheim bei Hobingers?"
„. . . ja doch! Wohin sollen mir gehen? Manchmal allerdings . . . Thilda hat öfter noch eine Besorgung . . . oder wir gehen ein wenig spazieren, wenn es in der Stube zu heiß ist und draußen so schön . . . wanan fragst du, Ferdinand?"
„Weil . . . weil jemand behauptet, du hättest einen lieb. Und — der ginge öfter mit dir! Ich wollte es dir eigentlich gar nicht sagen, Annchen, denn es ist io albern. Du und! . . . Nein, es ist gewiß nur Geschwätz. Man wird dich verwechselt haben. Ich weiß ja auch, daß deine Mutter hofft und wünscht, du möchtest den Fabrikanten Stonner, der dir jetzt so den Hof macht, nehmen.
^Fortsetzung folgt.)