Tmzerverkaufsprers 120 Mark
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Aulda.
Nr. 122.
jjttaiHtoütiiia, im sen reSaUionellen Teil: Dr. I. Kramer, » für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulva. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendrnckerel in Fulda. Ferniprecher Nr. 9. Postscheck »Konto 4051 Frankfurt a. M.
Mittwoch, 30. Mai 1923.
Bezugspreis: Monatlich 2500 Mk. Zustellgebühr extra.
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50. Zahrg.
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Die Beratungen in Vertin.
Verhandlungen Dr. Cunos mit der Landwirtschaft und den Danken.
Die Vorbereitungen deutscher Vorschläge, von denen die Regierung Dr. Cuno die Fortführung der Verhandlungen mit den Entente-Mächten erhofft, gehen rege weiter. Die Konferenzen beim Reichskanzler dauerten auch am Montag fort. Der „Boss. Ztg." zufolge empfing der Reichskanzler nochmals die Führer der Parteien der Arbeitsgemeinschaft, die ihm von dem Ergebnis ihrer am Vormittag stattgehabten Beratungen unterrichteten. Nach dem „Verl. Tagebl." empfing der Reichskanzler auch Vertreter der Landwirtschaft und der B a n k e n im Zusammenhang mit den Earantievorschlägen des Reichsverbandes der Industrie.
Die Vorschläge der Industrie stehen zurzeit im Mittelpunkt der Erörterungen. Das Schreiben, in dem die Industrie ihre Absicht mitgeteilt hat, trägt, wie eine offiziöse Verlaut- oarung besagt, den von der Reichsregierung festgelegten Gesichtspunkten der Heranziehung der Wirtschaft zur dinglichen Sicherung der deutschen Leistungen Rechnung, indem es sich prinzipiell auf den Boden dieser Auffassung stellt. Damit ist ein Schritt von großer Tragweite geschaffen, der die Reichsregierung als eine Kundgebung des Willens führender Wirtschaftskreise begrüßt, an der Lösung der schwierigen Garantiefragen aus allen Kräften mitzuarbeiten und die für eine brauchbare Regelung des Gesamtproblems erforderlichen Opfer zu bringen.
Die Regierung wird unter eigener Verantwortung und in voller Unabhängigkeit prüfen, wie weit die von der Wirtschaft aufzubringenden Leistungen bei den weiteren Schritten der Reichsregierung Verwertung finden können. Denn so sehr es zu begrüßen ist, daß in Erkenntnis der Notwendigkeit großer Opfer einzelne Stände sich bereit- finden, an dem zu lösenden Problem mitzuarbeiten, so wenig entbindet dies die Regierung von der Aufgabe, von sich aus Maß und Verteilung der Leistungen unter Berücksichtigung der Interessen aller Erwerbsstände zu bestimmen und unabhängig sestzuiegen. Die Vorarbeiten hierfür sind von der Regierung ausgenommen. Mit der gleichen Selbstverantwortung wird sie die gesetzlichen Maßnahmen vorbereiten, die für die Steigerung der deutschen Leistungsfähigkeit erforderlich sein werden, wie sie im wesentlichen in der Note von der Regierung wiederholt zugesagt worden sind.
Die Kritik
hat hinsichtlich der Vorschläge der Industriellen auch bereits eingesetzt. Namentlich im Lager der Sozialisten. Dagegen veröffentlicht als Beitrag zur Beurteilung des Angebots das W. T. B. aus parlamentarischen Kreisen folgende Notiz: Die Parteiführer des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und der Deutschen Demokratischen Partei beschäftigten sich bei der Besprechung der politischen Lage mit dem A n g e» b o t des Reichsverbandes der deutschen I n d u - st r i e an den Reichskanzler. In den von der Industrie angebotenen Leistungen sehen die Parteiführer ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die deutsche Wirtschaft in Erkenntnis der Lage bereit ist, für die Freiheit des Vaterlandes auch die schwersten Opfer zu bringen. Die für die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der deut- 'chen Wirtschaft gemachten Voraussetzungen werden bei der Bindung der angebotenen Bereit-
«uf neuen Dahnen.
Roman von Otto Elster.
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Die Röte des Zornes stieg ihr in die Stirn. Die Zumutung Lanjens, ihre Hand gleichsam als Tauschobjekt zu behandeln, dünkte ihr unwürdig. Eine scharfe Erwiderung lag ihr auf der Zunge, aber aus Rücksicht für ihren Vater unterdrückte sie ihrey Unmut. Sv sagte sie nur: „Eine seltsame Art der Werbung, das muß ich sagen."
Jansen merkte, daß er Isa verletzt hatte. Rasch lenkte er ein; er entgegnete in herzlichem Ton: „Sie dürfen mich nicht mißverstehen. Das alles war ja nur gleichnisweise gesprochen. Ich bin eben viel zu sehr ®e- fchäftsmann, das kann ich nicht ändern, — aber ich versichere Sie, daß ich Sie aufrichllg liebe, und daß ich Sie gern als die Herrin meines Hauses sehen möchte. Die Lage, in der Sie sich jetzt befinden, ist Ihrer unwürdig!"
„Ehrliche Arbeit ist niemals unwürdig'"
„Spielen wir nicht mit Worten, Isa! Die Arbeit einer Schreibmaschinenschreiberin paßt nicht für die Toch- ter des Konsuls Grüttner, die im letzten Winter noch die Königin unserer Salons war."
„Könige und Königinnen hat man abgeschafft."
„Nicht in meinem Herzen, Isa!" rief er lebhaft, „hier herrschen Sie noch immer als unumfchrönkte Königin!" Sanfter entgegnete sie: „Ich danke Ihnen für Ihr? Gesinnung. Aber haben Sie schon mit meinem Vater gesprochen?"
„Er weiß von meiner Liebe zu Ihnen!"
„Nun, so lassen Sie mich vorher mit meinem Vater sprechen, ehe ich Ihnen Antwort gebe."
„Ich bin es zufrieden."
„So scheiden wir als Freunde!"
Sie reichte chm die Hand, die er in innigem Kuß an die Lippen führte, um sich zu verabschieden.
Wie erstarrt sah Isa da. Ihre Augen schweiften ziel, los in die Weite, einzelne Tränen perlten ihr über die blassen Wangen. Ihre Hände lagen gefallet im Schoß.
Welche Bilder erfüllten ihre einsame Seele? Sah
schäft durch die notwendigen Gesetze Gegenstand alsbaldiger parlamentarischer Verhandlungen werden müssen, und zwar auf der Grundlage der bereits in der Note vom 14. Nov. 1922 niedergelegten Regierungsprogramms.
Aus dem Lager der Demokraten.
Wie die „Vosfische Zeitung" berichtet, ist der Vor st and der demokratischen Partei am Sonntag zu einer aus Berlin und dem Reich zahlreich besuchten Sitzung im Reichstag zufammsn- getreten, an der auch die Vorsitzenden der Reichstagsfraktion teilnahmen. Die Beratungen waren hauptsächlich der innen- und außenpolitischen Lage gewidmet, über die die Abgg. Erkelenz und Fischer Referate erstatteten. In der Beurteilung der gegenwärtigen äußerst schwierigen politischen Lage und in der Empfehlung dex zu ihrer lieber- windung einzuschlagenden Wege ergab sich vollständige lieberetnftinrmung unter den Vorstandsmitgliedern.
Gegenüber Meldungen über angebliche Bestrebungen auf eine Fusion der Demokratischen Partei und der Deutschen Volkspartei wurde einmütig festgestellt, daß nicht der geringste Anlaß vorliege, an eine solche Fusion zu denken und daß Verhandlungen dieser Art weder geführt worden seien noch geführt würden.
Die wartende Entente.
Der Pariser ,Jntransigeur' meldet, von autorisierter Seite werde erklärt, daß keinerlei allgemeine Konferenz der Alliierten stattfinden werde, bevor die neue deutsche Note in der Reparationsfrage ausgegeben worden sei. Das gleiche Blatt will wissen, daß am Quai d; Orsay über einen Plan Mussolinis, nach Paris zu kommen, keinerlei Mitteilung vorliege.
Das Kabinett Baldwin.
Sir Worthington Evans hat das Amt des G euer alp ostm e ister s im neuen Kabinett angenommen. Er ist der erste unionistische Minister, der in die neue Regierung ein tritt.
Baldwin wurde einstimmig z u m F ü t e r der Konservativen Partet auf der unter dem Vorsitz von Lord Curzon abgehaltenen Zusammenkunft der Partei im Hotel Cecil gewählt. Es waren 250 Mitglieder des Unterhauses und 80 Mitglieder des Oberhauses anwesend. Lord Birkenhoad und Chamberlain waren nicht zugegen, aber vier unionistische vormalige Minister, darunter Hörne und der neue Generalpostmeister Evans.
Gegen den Justizmord an Schlageter,
Sine deutsche Jtofe.
Ser deutsche Geschäftsträger in Paris wurde beauftragt, der französischen Regierung folgende Note zu überreichen:
_ Die französische Regierung ließ den Kaufmann S ch l a g e t e r, gegen den das französische Kriegs- garicht m Düsseldorf aus Todesstrafe erkannte, am 26. Mai erschießen. Der Tatbestand, der dem Urteil zugrunde liegt, i st der deutschen Regierung nur aus Pressemeldungen bekannt und kann von ihr nicht nachgeprüft werden. Gleichviel, wie es sich damit verhalten mag, muß festgestellt werden, daß das Verfahren gegen Schlageter ebensowenig wie das Verfahren französischer Kriegsgerichte gegen andere Deutsche, Anspruch erheben kann, als Rechtsoerfahnen angesehen zu werden. Die französischen Kriegsgerichte haben kein Recht, auf deutschem Boden, den sie widerrechtlich betreten haben, über die Freiheit oder gar über Leben und Tod der Deutschen zu befinden.
sie sich wieder umgeben von Glanz und Üeppigkeit als Königin der Feste, umschwärmt von einer Schar eleganter Herren? Sah sie sich wieder auf modisch geschmücktem Dampfer, der durch die klaren Fluten dahinraufchte und in denen sich die weißen Dillen des Reichtums spiegelten? Oder dahinfliegen auf der flinken Segeljacht über die sich kräuselnden Meereswellen, getrieben von einem sanften Winde? Sah sie sich wieder sorglos das Leben genießen wie vor kurzer Zeit, wo ihr die Zukunft rosig erglänzte? Ein einziges Wort konnte ihr diesen gtücklichen Zustand zurückbringen.
Glücklich?--Tauchten nicht andere Bilder auf?
— Eine mondhelle Nacht am, einsamen Strande der ruhig atmenden See, in der sich Taufende von Sternen spie- gelten, — als ihre Seele sich zu dem hart arbeitenden, einsamen Manne fand, der so tapfer mit dem Leben rang, wie er sonst gegen die Feinde des Vaterlandes gekämpft hatte? —
Ober eine stürmische, dunkle, wolkenumhüllte Nacht, in der sie dem Untergang nahe gewesen und von ihm, dem sich ihre Seele erschloßen, gerettet worden? Die Stunden der Nacht, in der sie so warm und sicher in der kleinen Kajüte des einsamen Fischerkutters geruht, sorgsam bewacht, und nachher mit ihm auf dem Deck gesessen und seinen Worten gelauscht, die von Kampf und Sieg erzähllen?
Oder träumte sie von der Stunde des Abschieds, da ie voll Sehnsucht nach feiner Siebe die Arme um seinen Nacken geschlungen und ihn geküßt hatte, ihm Treue gelobt für fein ganzes langes Leben?
Hinweg ihr schönen Träume! Das hatte, unbarmherzige Leben, ein Leben der Arbeit und der Entbehrun. gen stand ihr gegenüber und starrte sie mit ernsten, drohenden Augen an.
Aus ihrem Sinnen und Grübeln riß sie der Eintrüt ihres Daters, der nach der von ihr begonnenen Arbeit ragte.
„Bist Du mit dem schreiben fertig Isa?"
Sie raffte sich auf. Aber ihre Stimme bebte leise, als sie entgegnete: „Verzeih, lieber Vater, — ich — ich habe Kopfschmerzen, — auch wurde ich durch den Besuch Jansens aufgehalten." ,,
Die deutsche Regierung hoffte, daß sich die französische Regierung, wenn nicht aus Rechtsgründen, so doch aus Gründen der Menschlichkeit und um eine weitere Verschärfung der Lage zu vermeiden, bewegen lassen würde, von der Vollstreckung des Urteils Abstand zu nehmen. In diesem Sinns find sofort nach dem Bekanntwerden der Urteile dringende Vorstellungen bei ihr erhoben worden. Die französische Regierung gab ihnen kein Gehör, entschloß sich vielmehr, den kriegsgerichtlichen Zwang gegen die Bevölkerung bis zum äußersten zu treiben und mit der Erschießung Schlageter? einen Schritt zu tun, der nicht-wieder gut gemacht werden kann. Die deutsche Regierung protestiert feierlich gegen diesen Mißbrauch der Gewalt, für den die französische Regierung die Verantwor- timg trägt.
Das Eewaltregiment.
Eine Verhaftung.
Der Vertreter des Regierungspräsidenten in Düsseldorf, Oberregierungsrat Dr. Lutterbeck, ist von den Franzosen in seiner Wohnung verhaftet und in das Gefängnis n a ch Dabendorf gebracht worden. Dr. Lutterbeck hatte bekanntlich gegen den Mord an Schlageter protestiert.
Der Raub der Farbstoffe.
Nachdem die Besetzung der Höchster Farbwerke aufgehoben worden ist, rechnet man damit, daß in den nächsten Tagen auch die Besetzung der B a d. Anilinfabrik aufgehoben werden wird. Tatsächlich sind die französischen und elsäßischen Arbeiter, die die Franzosen zur Abbeförderimg der Farben angestellt haben, bereits abgelöhnt und die Posten vor den Farblagerhäusern zurückgezogen worden._________________
Die endlose Lausanner Konferenz.
Angesichts der noch bestehenden Schwierigkeiten beschlossen die drei alliierten Bevollmächtigten in Lausanne, von nun an mit Ismet Pascha neben den offiziellen Komiteesitzungen regelmäßig gemeinsame Privatsitzungen abzuhalten. Man hofft, auf diese Weise noch am Ende der Woche eine Ver- ständigungsbasis für die wichtigsten türkisch-alliierten Streitfragen zu finden. Ein Absch luß der Kon- ferenzorbeiten wird aber trotzdem nicht vor Ende Juni zu erwarten sein.
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Beamtenfragen.
»stritt aus dem Beamtenkmnd. Dem „Äor- wäris" zufulge hat der thüringische Polizei- beamtenverband in feiner am 26. und 27. Mak in Weimar stattgehabten Icchrestagung mit über Zweidrittelmehrheit den Austritt aus dein Deutschen Beamtenbund und den fofortigen Anschluß an den Allgemeinen Deutschen SBeamtembtinb (sozialistisch) beschlossen. Eine weitere Entschließung stimmte der vom thüttngischen Innenminister geplanten Verstaatlichung der thüttngischen Polizei grundsätzlich zu.
Wirtschaftliche Nampfbewegungen.
= Zur Lohnregelung im Stein- und Braunkohlenbergbau für Juni traten die Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer am 28. Mai im Reichsarbeit s- Ministerium zu Verhandlungen zusammen. Zunächst kam für den Ruhrbergbau eine Vereinbarung zustande, wonach die Löhne einschließlich Soziallohn um durchschnittlich 10 000 Mark, das sind etwa 50 Prozent je Schicht erhöht werden. Bei dieser Lohnerhöhung ist die in der zweiten Hälfte des Mai eingetretene außergewöhnliche Teuerung, die bei der Lohnergelung für andere Berufe bereits ausgeglichen wurde, sowie die bevorstehende Erhöhung des Brotpreises und der Eisenbahntarife mit berücksichtigt. Für die an. deren Bergbaubetriebe sind Verhandlungen noch im Gange.
Erschreckt sah Grüttner sie an.
»Was ist dir, Kind? Du bist ja ganz verstört?
„Was hat dich denn denn so erschreckt?"
„Jansen Hai um meine Hand angebalten!"
„So bald und so unvorbereitet? Das war nicht meine Absicht."
»Du wußtest von seinen Plänen, Vater? Warum sprachst du mir nicht davon?"
»Ich wollte Zeit gewinnen, erst langsam beobachten, wie dein Sinn steht. Nun hat Jansen es nicht erwarten können! Jedenfalls wünschte ich, daß nh, ehe es zur Entscheidung kam, alle geschäftlichen Schwierigkeiten überwunden hätte. Das war auch meine Anttvott auf seine Anspielungen."
»Sind diese Schwiettgkeiten noch sehr groß, Vater?"
„Du weißt es ja selbst, liebes Kind. Die meisten Sorgen bereitet mir das Darlehen Jansens. Cs macht dich und mich unfrei ihm gegenüber. Ich möchte nicht, daß irgend ein Zwang auf deine Entschließung ausgeübt wird. Freilich, wenn du ihn lieb haben könntest." — „Dann wärst du aller Schwierigkeiten überhoben: nicht wahr, lieber Vater?"
Isa sah angstvoll zu dem alten Herrn auf, der sie liebevoll betrachtete.
„Das wohl, mein Kind. Aber ein Opfer sollst du nicht bringen. Nur wenn dein Herz für Jansen spricht, sollst du ihm deine Hand reichen."
Isa sank bleich, mit tränenden Augen auf ihren Stuhl. Ein krampfhaftes Schluchzen erschütterte ihren Körper.
„Isa, mein Kind, — sei stark, sei mutig! Niemand zwingt dich, „ja' zu sagen, wenn du nicht selbst willst! Es wird und muß auch so gehen! Beruhige dich, ich hoffe, daß noch alles gut wird."
„Ja, Vater, ich will stark fein! Verlaß dich auf mich! Ich kenne meine Pflicht."
»Nicht so, Isa! Nicht so, mein Kind! Du bist voll- kommen frei in deinen Entschlüssen."
Isa wandte sich ihrer Arbeit wieder zu. Sie zwang sich, gefaßt und ruhig zu erscheinen.
Un-uhig ging Grüttner auf und ab. .-
Sonar Caro und Cuno.
Von Dr. Aiphons Nobel.
Das nun zurückgetretene englische Kabinett Sonar Laws kam ungefähr zur gleichen Zeit wie das deutsche Reichskabinett Cuno ans Ruder. Es war ebenfalls ein Berlegenheitskabinett und, wenn auch offensichtlich die schwere Krankheit des englischen Premierministers der Grund feines Rücktrittes wurde, so ist doch ebenso offensichtlich dieser Rücktritt im englischen Volk begrüßt worden. Bonar Law schien den Engländern ebenso wenig wie seine Minister die geeignete Persönlichkeit, das englische Weltreich durch die gegenwärtige politische Krisis zu führen. „Das Kabinett der Mittelmäßigkeiten" nannte man es boshaft drüben.
Der Zufall, oder vielleicht doch die zwangsläufige weltpolitische Entwicklung wollte es, daß zur gleichen Zeit wie in London auch in Paris eine Ministerkrisis eintrat. Sie wurde schnell gelöst, wenn man die Weigerung des französischen Präsidenten Millerand, seinem innerpolitischen Gegner Poincare in diesem Augenblick die schwere Last der Verantwortung für das, was er im Ruhrgebiet Europa eingebrockt hat, abzunehmen, eine Lösung nennen will; doch schon das Rücktrittsgesuch erhellt wie ein Blitz die Situation, in der sich Frankreich befindet. Damit soll keineswegs gesagt sein, daß diese Situation im Geringsten schwerer als unsere eigene sei; wir, England, Frankreich und mit uns Gesamt-Europa steht am Rande einer Katastrophe, deren Eintritt und deren Ausgang keiner voraussehen kann.
Der Ton, die Kritik nutz die Haltung der führenden englischen Zeirungen während der Ministerpiä- sidenienschast Bonar Laws ließen erkennen, warum das Land mit ihm unzufrieden war; er hat nicht vermocht, die europäische Krisis, die die Ruhrbesetzung gebracht hat, zu verhindern oder nur zu mildern. Er hat England die große Demütigung bereitet, daß es vor Poincares Starrsinn zurückwich. Er bat in keinem Punkt gehalten, was er oder auch vielleicht nur seine Freunde (er soll sich seiner Zeit gesträubt haben, sein Amt anzutreten) versprachen, nämlich den drüben so verhaßten Lloyd George Lügen zu strafen. Denn worüber war Lloyd George gestürzt worden? Doch deshalb, weil er endlich begann, der französischen Anmaßung ein entschiedenes Nein entgegenzusetzen. Die Anhänger Bonar Laws aber sagten: „sobald wir einen franzosenfreundlichen Minffter haben, werden wir spielend Frankreich zur Mäßigung bringen".
Bonar Law hat Poiucarö nicht zur Mäßigung gebracht, obwohl er mehr als nachgiebig war. Lloyd George hätte nie durch diese wohlwollend neutrale Haltung dem französischen Militarismus geholfen; dazu hat er schon Poincarö viel zu sehr gehaßt. Bonar Law hat in einer unheimlichen Untätigkeit die Dinge laufen lassen; England sieht heute zu einem großen Teil ein, daß eine der wichtigsten Karlen für die Zukunft Englands so verspielt wurde. Es sieht auch ein, daß die Lloyd Georgische Politik nicht so unvernünftig war, wie sie seine Gegner hinstellten.
Wir wollen nicht davon schweigen, daß wir von dieser englischen Einsicht, nun, dä es tausend Mal zu spät ist, nichts haben, daß wir die Leidtragenden find. Wir wollen uns auch nicht verhehlen, daß viele deutsche Fehler begangen sind, allerdings im gleichen Augenblick hinzufügen, daß solche Fehler letzt, nachher, nicht schwer zu sehen sind, daß aber dies immerhin die Weisheit des Ratsherrn ist, der Vom Rathaus kommt. Das deutsche Volk in seiner Mehrheit (ganz abgesehen von der Konstellation der Parteien) war seiner Zeit der Ansicht, daß die bis- herrge Politik falsch gewesen sei, sonst hätte ja Wirth nicht zu gehen brauchen; möglicherweise haben wir uns da ebenso getäuscht, loie die Engländer mit ihrem Lloyd George. Aber sicherlich haben wir uns, genau so wie die Engländer mit ihrer Hoffnung auf Bonar Law, mit der Hoffnung auf Cuno, getäuscht.
„Jansen gab mir wiederholt die Versicherung, daß er mich nicht drängen werde, — aber ich traue ihm nicht redjt! Wenn du „nein" sagst zu seiner Werbung, so wird er sicherlich mit seiner Forderung hervortreten. Aber wie gesagt, zwingen will ich dich nicht!"
Isa zuckte wortlos die Schultern und arbeitete emsig weiter.
Da köpfte es an die Türe, die in die Schreiberstube führte. Ein Schreiber trat ein.
„2>ie Post, Herr Konsul," sagte er und überreichte diesem mehrere Briefe.
3Retf)«nifd> musterte Grüttner die Aufschttften. Doch dann entschlüpfte ein Ausruf der Ueberraschung seinen Lippen. Er ttß den Umschlag eines Briefes ab und überflog ihn mit forschenden Augen. Während des Lesens erhellte sich fein Gesicht. Lächelnd reichte er Jia den Brief.
»Da lies, mein Kind. Eine gute Nachricht von Ha- rald Bang."
Der Atem stockte ihr. „Bon Harald?"--
»Ja, lies nur, das ist ein guter Mensch, man Jem- Vertrauen zu chm haben."
Und 2fa las:
»Derehtter Herr Konsul!
Heute kann ich Ihnen eine Nachricht mitleüen. bi Sie hoffentlich erfreuen wird. Nach langem Bemühe, ist es mir gelungen, einen guten Säufer für Ihre jetzt.wieder ganz in totanb gefetzte Segeljacht zu finden. Ich nahm selbst auf der „Seeschwalbe" an der Segelregatta teil, um die Interessentenkreise von der Tüchtigkeit der Jacht zu überzeugen, und es gelang mir. da das Wetter stürmisch war und mehrere der besten Segelboote zurückgezogen wurden, einen ersten Preis ju erringen. Es war freilich ein etwas gewogtes Un- ternehmen bei dem stürmischen Wetter, aber gerade das begünstigte mich. So fand ich in dem Kommerzienrat Rabe aus Settin, dessen Name Ihnen vielleicht bekannt ist, einen Liebhaber für die „Seefchwalbe". Ich forderte 250 000 Mark. Zuerst wallte er Han- dein, als ich jedoch fest blieb, willigte er ein. Die „Seeschwalbe" präsentiert sich jetzt wieder als sehr