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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Mark.

Nr. 95.

Verantwortlich für den ceüautoneflen Teil: Dr. I. Kramer, - für bie Anzeigen: I. Parzeller-Fulba. :;

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda ^emlpretber Nr. ö. Postscheck-Konto 4051 Frankfurt a. Tt.

Dienstag, 24. April 1923.

Bezugspreis: Monatlich 2500 Alk. Zustellgebühr extra. z Abgeholt in der Geschäftsstelle 2550 Mk. s

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 10ll Mk.; ausw. 125Mk. Reklamezeile (Textbreite) nach Colone'maß 375 Rark.

50. Zahrg.

Ueberall wird geredet.

Die Debatte überdieRuhr und über das 'Teparationsproblem ist in lebhaftesten Dang gekommen. Besonders die Auslassungen des -rglischen Außenministers Lord Curzon, die oir am Samstag verzeichneten, haben die tnfer« rationale Aussprache sehr befruchtet. Offenbar sind -ie Steuerungen des englischen Staatsmannes von richt geringer Bedeutung. Die „Deutsche Allgem. Leitung" berichtet: Man glaubt in unterrichteten -nglischen Kreisen, daß Lord Curzon den Zeit­punkt für seine Rede mit Rücksicht auf gewisse diplo­matische Schritte wählte, die gegenwärtig von Sei­ten der englischen Regierung im Gange sind und *ls deren Ergebnis erwartet wird, daß Deutsch­land mit einem neuen Angebot an die Alliierten herantrete.

Im „Berliner Tageblatt" tritt in einem Aufsatz: „Der richtige Ausgangspunkt" eine Persönlichkeit in hoher amtlicher Stellung für den Curzonschen Vor­schlag ein, die deutschen Reparationsver­pflichtungen durch eine internationale Kom­mission festsetzen zu lassen. Die unbedingte Voraus­setzung für jede Reparationsleistung sei jedoch die Garantie für das ungestörte Arbeiten der deutschen Industrie, da nur so der Dienst der von Deutschland aufzunehmenden internationalen Anleihen aufrecht- erhalten werden könnte. Ueberhaupt ist die An­leihefrage jener Punkt, von dem aus die Dauerlösung der Reparaüonsfvage orientiert werden kann. Soll aber die von Hughes vor- gefchlagene, vom Minister v. Rosenberg angenom­mene Kommission praktische Erfolge zeitigen, dann ist es erforderlich, die Abschätzung der deutschen Lei­stungsfähigkeit durch die Höhe der erreich- u. verzins- baven Anleihen zu kontrollieren und zugleich die unentbehrlichsten Dorausfetzungen für die Anleihe- tätigkeit festzustellen.

Such poincare

hat sich wieder geäußert, und zwar, wie üblich, bei der Enthüllung eines Kriegerdenkmals. Er be- trachtete die Dinge auch wieder rein historisch. Für die Gegenwart von Bedeutung war lediglich die Er- klärung, daß für eine Annäherung zwischen Frank- reich und Deutschland „Reparationen und Sicherheiten" die wesentlichsten BÄingungen seien. Die französische Presse benützt die Angaben Poincares, um die ihr imangenehmen Ausführun­gen Lord Curzons zu bestreiten.

Erklärungen Stresemanns.

Auf einer von der Deutschen Dolkspartei veran­stalteten Kundgebung hielt Abg. Dr. Stresemann eine Rede, in der er u. a. ausführte: Die Rede Lord Curzons im englischen Oberhause schasse etneneue politische Sachlage, die auch von der deut­schen Regierung entsprechend gewertet wird. Wir erkennen mit Genugtuung an, daß Curzon anders von Deutschland spricht, als wir gewohnt sind, es aus französischem Munde zu hören. Was die Idee Curzons anbetrifft, dem Völkerbund einen be­stimmenden Einfluß auf die Verwaltung der Rhein- lande zu geben, so muß demgegenüber noch einmal festgestellt werden: lieber die Frage der deutschen Reparationsanleihe wird man sich mit Deutschland verständigen können. Unser Leben und Sterben hängt nicht davon ab, ob wir eine Gold- mtlharbe mehr oder weniger zahlen. Davon aber, daß Rhein und Ruhr deutsch bleiben, hangt unser Leben und Sterben ab. lieber Höhe und Modalitäten der deutschen Zahlungen wird man sich verständigen, aber über ein Aufgeben der deut­

schen Rheinlande gibt es für uns keine Verständi­gung. Es gibt keine Rheinlandfrage, die den Völ­kerbund oder die Alliierten irgendetwas anginge. Die Garanten des Versailler Vertrages, vor allem auch England, mögen sich dessen bewußt sein, daß sie die Pflicht haben, dafür zu sorgen, daß der V e r- failler Vertrag gegenüber Deutschland ge- recht und loyal durchgeführt werde. England hat bisher innerhalb der Rheinlandkommission die Uebergriffe Frankreichs geduldet. Will Lord Curzon der ehrliche Agent zwischen Frankreich und Deutsch­land sein, dann muß er von der Tatsache ausgehen, daß die deutsche Souveränität über das Rheinland die Voraussetzungen für eine endgültige Regelung des Friedens ist, die den bisherigen Zustand der Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln ist.

Außer Stresemann sprachen noch Reichstagsabg. Pfarrer Luther, der von den Franzosen ausgewie­sene Oberbürgermeister von Duisburg Dr. Jarres und Reichstagsabg. Dr. Most.

Die Reichsregierung.

Wie Wolff-Büro hört, betrachtet die Reichs­regierung die Rede Lord Curzons als eine wich­tige politische Tatsache, die die bisherige Situation nicht unwesentlich beeinflussen könnte. Die Reichsregierung ist in Erwägungen darü­ber ein getreten, welche Folgerungen sich hier­aus ergeben.

Seim Reichskanzler fand eine Aussprache mit den Vertretern der Spitzenorganisatio­nen statt, die insbesondere die gegenwärtige Mark- festigung und deren Verhältnis zu den Löhnen und Preisen sowie die Lage in den neubesetzten Gebieten betrafen. Die Besprechung soll demnächst fortgesetzt werden. Die Besprechung ergab Uebereinftimmung darüber, daß eine neuerliche Warenpreiser­höhung auf jeden Fall vermieden werden müsse.

Gegen den Krieg.

In Berkin fanden am Sonntag drei große Massenkundgebungen 6eS Aktionsausschusses „Nie wieder Krieg" statt. Ansprachen hielten u. a. der Bergarbeiterführer Abg. Limbertz, Hellmut von Gerlach und Professor Ouidde. ES wurde die Absendung eine» Telegramms an den Reichskanzler beschlosien, in den unter Bezugnahme auf die Rede deS Ministers d-S Aeußern von Rosenberg am 15. April und die Rede des englischen Außenministers Curzon vom 20. April an die Reichsregierung die dringende Aufforderung gerichtet wird, sofort durch eine Mitteilung deutscher Vorschläge an die Gesamtheit der Alliierten dem vom deutschen Volke durchgeführten passiven Widerstand ein festes Ziel zu geben, um eine den Interessen deS deutschen wie deS französischen Volkes entsprechende Verständigung herbeizuführen.

aus dem Einbruchsgebiet.

Der kommandierende General Segeutte ver­öffentlicht durch Maueranschlag eine Verordnung betreffend die Ordnung der Einfuhr von Alkohol in das besetzte Ruhrgebiet. Danach hängt die Einfuhr von Alkohol über die Westgrenze und auf dem Rhein von der Bewilligung einer Er­laubnis des Ein- und Ausfuhrdienstes der 3. A. K. und der Zahlung eines Eingangs- und Ausgleichs- zolls ab. Die Einfuhr von Alkohol über die Oll- grenze des besetzten Gebiets ist grundsätzlich ver­boten, ausgenommen für denaturierten Alkohol zu gewerbllchen Zwecken, llebertretungen werden mit Geldstrafen bis 100 Millionen Mark und Gefängnis

Die vier von der „Damag".

Roman von A. Gab er

401 —-----

-Die gnädige Frau lassen das gnädige Fräulein her- vber bitten" sagte das Mädchen mit einem bedeutungs­vollen Lächeln, das sich Vera nicht erklären konnte. -Die gnädige Frau lassen recht sehr darum bitten; große Toilette ist nicht nötig. Die gnädige Frau würde sich schr freuen, wenn Fräulein Dera bald kommen woll- ten."

Vera glitt auf die Füße. Sie wollte etwas fragen, ober da war das Mädchen schon wieder hinausgeeilt.

Die Aufforderung war ihr willkommen. Das wäre Wohl das beste Mittel, um die wirren Gedanken tos zu werden.

Sie musterte sich im Spiegel. Sie trug heute ein hell» Staues Stoffkleid, das den Hals ein wenig freigab und hch anmutig an ihre schlanken Formen schmiegte. Ihr haar hatte sie, wie immer, in losem Knoten am Hin. terkopse aufgesteckt; einige Löckchen waren aus dem Haar.

geglitten und lagen auf der Stirne. Dera verspürte keine Neigung, ihre Frisur zu erneuern. Die Mutter hotte ja auch sagen lassen, daß das nicht nötig wäre.

Leise Fröhlichkeit zog ein in ihr Herz. Vielleicht ging es heute recht zwanglos und gemüüich drüben zu, so Mi sie Gelegenheit zu ein paar herzlichen Worten an bie Mutter fand und ebensolche von der Mutter hörte, die war vorhin Zeuge gewesen, wie eine Mutter starb.

Ach! — Glücklich jene, denen noch ein Mutterherz fäKflt! — Ihr leichter Schritt huschte über den Teppich.

verweilte lauschend in der Diele, wo sie unschlüssig tikhen blieb. In welchem Zimmer hielt sich die Mutter wohl auf? — Hier lag das Wohnzimmer, dort das Be­suchszimmer, in dem das Klavier stand.

Sie wollte es in letzterem versuchen.

Aber es war niemand darinnen, wenn auch die Lam. Pen hellen Glanz gaben. Aber aus dem Wohnzimmer erklang der Mutter Lachen; dazwischen sprach ein Herr . . .

. Dera fühlte sich plötzlich umarmt —, geküßt--,

wttgezogen.

„Komm, liebes Kind —" hörte sie ihre Mutter Küstern. — g^re Wange war beiß, die Lippen bufteien

nach SB ein. — „Komm meine Dera. — Mein Aerachen ... es gibt eine Ueberraschung, Eine sehr große lleberraschungl"

Sie waren ins Wohnzimmer getreten, die Mutter in zärtlicher Umschlingung ihre Tochter geleitend. —

Aus dem roten Plüsch des Sessels hob sich eine schlanke, elegante Gestatt, verneigte sich vor Dera, die fassungslos, wie versteinert zu dem Besucher hinstarrte, als wäre sie ein Wahngebilde.

Dr. Felix Klug! — Hier--? — @r — hier!

> „Das ist mein Verlobter!" sagte Frau Samter mit Koketterie und sah mit verliebtem Blick zu Dr. Klug hin, der nun näher trat und Dera die Hand hinstreckte.

„Du kennst ihn ja. — Dera. — Und schau nur: er meint, daß du ibn bereits ein wenig — gern magst!"

„Mutter! —" sagte Sera tonlos. — Und dann noch einmal heiß und leidenschaftlich, wie eine Anklage: „Mutter!" >

Sie wankte plötzttch, schlug die Hände vors Gesicht und knickte zusammen. — Wildes Schluchzen erschütterte sie. „Mutter!" erklang es noch einmal, wie in Jammer er« stickt.

„Sie ist zu sehr erschrocken!" sagte Frau Samter, peinlich berührt. „Ja, ja, — die bösen Nerven! — De- ruhige dich doch, liebes Kind! — Mach keine Szene . . . Und weshalb mehren! — Ich hab dich noch niemals meinen sehen. Was ist denn da zu meinen?"

Dera machte eine müde Bewegung mit der Hand.

„Bitte — ach bitte, liebe Mutter — laß mich allein! — Nur ein paar Minuten, bitte . .

Dr. Klug reichte feiner Verlobten den Arm.

„Komm, Ziska. — Wir tun wohl am besten, wenn wir das Kind für eine Weile sich selbst überiaffen. Sera wird nachher zu uns kommen, wenn sie sich etwas be- ruhigt hat. — Ich bin stolz, eine so schöne gemütsvolle Tochter mein nennen zu dürfen, liebe Ziska!"

Ziska Samter lachte silbern hell, dann schlug die Sammetportiere in schweren Fallen hinter dem Paar zusammen.

Dera stützte den schmerzenden Kopf in die Hände — So schnell wie sie gekommen, waren die Tränen auch versiegt. Wie ein Wolkenbruch war es über sie nieder- gegangen; es war ihr gewesen, als aerberfte alles um

bis zu 5 Jahren oder einer von beiden Strafen ge- ahndet. Die Waren werden beschlagnahmt.

*

Havas berichtet aus Essen, daß die Teerverwer­tungsstelle Meiderich von den französischen Truppen besetzt worden sei. Des ferneren hätten noch weitere Grubenbesetzungen stattgesunden.

*

Im Bahnhof Ortenberg findet Paßkontrolle statt. Die Wachmannschaft hat im Bahnhof Quartier be­zogen. Die Eifenbahnzüge kamen wie sonst an. Auch im Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr ist keine Aenderung eingetreten.

Deutscher Reich.

* Der Reichsrat nahm eine Verordnung an, worin die bisherigen Sätze der Erwerbslosen­fürsorge allgemein um 60 v. H. erhöht werden. Der Reichsrat beschäfiigte sich ferner mit dem Gesetz­entwurf über die Feier- und Gedenktage. Ein Antrag Trott zu Solz wurde mit 36 gegen 22 Stimmen angenommen, so daß auch der Bußtag gesetzlich geschützter Feiertag ist. Die An­nahme der Vorlage im ganzen erfolgte einstimmig.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Samstagssitzung stand die zweite Lesung des Antrages der Regierungsparteien betreffend die Bestrafung für Sprengung von Versammlungen und Aufzügen. Das Haus war aber nicht beschlußfähig.

Nächste Sitzung Montag: Antrag betr. Lehrer bildung, Biersteuer und anderes.

preußischer Landtag.

DaS Echo der links- und rechtsradikale« Kampsreden.

Während die Kreise des deutschen Volkes, die wirk- lich von vaterländischer, opferbereiter Gesinnung erfüllt sind, darauf sinnen, die durch den Rechtsbruch der Franzosen hervorgerufenen Notstände nach Möglichkeit zu mildern, sich der Ruhrkinder annehmen, Gegensätze und Jntereffenwiderstreit zu schlichten und die Einhests- front zu stärken suchen, haben die Radikalen von rechts und links im preußischen Landtag ein höchst schädliches und unwürdiges Parteigezänke entfesselt. Den Friedensstörern, dem Abg. S ch o l e m von den Kommu­nisten und dem Abg. Rittergutsbesitzer Schlange von den Deutschnationalen, ist deshalb mit Recht am Samstag noch einmal eine gründliche Zurechtweisung zu teil geworden. T er demokratische Sprecher, Abg. 3anfe« forderte energischen Kampf gegen den Radikalismus von links, die Rede des Abg. Schlange aber bezeichnete er als etn Verbrechen.

Besonderen Eindruck machten bann die AuSfüh- rungen des bei allen Parteien in hoher Achtung stehenden volksparterlichen Abg. v. Rardorf. Er bezeichnete die Rede des Abg. Schlange als einen Schlag ins Gesicht für den Minister des Innern. Der Minister deS Innern ist auch der Vertrauensmann derjenigen Männer und Frauen, die in der Abwehrfront stehen» und gerade auch diese Kreise werden diese Rede als einen Schlag ins Gesicht empfinden. Der Abwehrwille ist aber viel zu stark, als daß er selbst durch eine solche Rede er­schüttert, geschweige denn gebrochen werden könnte. Es bestehen zwischen den Herren auf der äußersten Rechten und meinen politischen Freunden mancherlei enge Be- ziehungen und Berührungspunkte; es würde aber im Lande nicht verstanden werden, wenn wir nicht in Offen, heit und Entschiedenheit sagten, daß solche AuSfüh. rungen aufunseren ernstesten u. nachhaltigsten Widerstand stoßen. Der Redner setzte sich dann sachlich mit den Maßnahmen deS Innenministers aus­einander. DaS Verbot der Deutschvölkischen könne er nicht als politisch klug bezeichnen. Unzweckmäßig sei auch da» Verbot der „Frankfurter Nachrichten", die tm

sie her plötzlich in Schutt und Trümmer. Jetzt kam die Stille — drohend — wie von unhörbaren Lauten des Schmerzes erfüllt.

„Kus! —", schrie ihr Herz im letzten Krampf des Verblutens an der Todeswunde, bie es empfangen hatte. — „Kus .. .’

Wo war der Sonnenschein hin, der sie durchglüht hatte? Do war das sprossende (Brün, das wonnige Blühen, die jubelnden Lieder? Eine rauhe Hand hatte sie unbarmherzig aus dem Paradiese gestoßen, dessen Türen nun fest hinter ihr geschlossen waren. Kein Licht- strahl floß mehr aus dem sonnigen Lande auf ihren Weg. Eine graue Straße lag vor ihr, die endlos war. Endlos! —

Und die mußte sie gehen, weiter, weiter — bis an die Grenzen der Ewigkeit. —

Sie richtete sich jäh auf, sprang auf die Füße, wehte mit dem Tuche über das vom Weinen heißgewordene Gesicht. Sie schämte sich, daß sie erlegen war. Hatte sie sich verraten? — Allzuviel hatte sie schon gezeigt in dem ungestümen Drängen ihres Herzens, das sehnend das Glück schon zu erfassen geglaubt hatte. — Warum nur diese gräßliche Niederlage? — Weil sie töricht ge> wesen war, unsäglich töricht, wie ein Kind. Ach — es war etn Trugschluß gewesen, daß sie einmal an das Glück geglaubt

Hatte sie sich den beiden verraten? — Wie hatte denn ihre Mutter gesprochen? — Er habe längst ge­merkt, daß sie ihm — Zuneigung geschenkt habe; daß sie ihn „gern habe." — So, Herr Doktor? — Merkten Sie bas? — Oh — es war Ihre Eitelkeit, die Eie täuschte. Sie werden es merken, daß sie sich gründlich getäuscht hoben.

Sie blickte in das flimmernde Glas des Spiegels, legte ein Lächeln auf ihr schönes Gesicht. Cs war ein maskenhaftes, herzloses Lächeln. — Aber es war gerade das richsige. —

Mit sicheren, ruhigen Bewegungen gl'tt sie über den Teppich, hob die Falten der Portiere auseinander und schenkte dem Paare jenes glatte, gleißende Lächeln, das nun starr auf ihrem schönen, weißen Gesicht siegen blieb.

„Meine Dera!" rief Frau Samter und schloß sie aufs neue in die Arme. — „Ist dir nun belfer?"

Sie Wm Des SeiMnnMonts.

wtb Berlin, 23. April. Die Reichsbank hat den Wechseldiskont von 12 auf 18 Prozent, den Lombardzinssuß von 13 auf 19 Prozent erhöht.

wesentlichen auf volksparteilichem Boden ständen, wegen eines Artikel, der allerdings vom ersten bis zum letzten Wort zu verurteilen fei. Eine innerpolitische Krisis wäre im gegenwärtigen Augenblick ein Un­glück für daS Land. Unser politisches Verantwor- tungSgefühl ist geschärft genug. Wir lassen unS durch niemanden in eine Katastrophenpoliti! hineintreiben. Das deutsche Volk würde sich eine Räterepublik nicht acht Tage gefallen lassen, ebenso wie eine rechtsradikale Herrschaft auch höch­stens acht Tage dauern würde. Sie würde zer­schellen an dem Willen der deutschen Arbeiterschast, deren Kraft und Selbstbewußtsein durch den Kampf an der Ruhr keine Schwächung erfahren hat. (Lebhafte Zustimmung.) Alle derartigen Bestrebungen von rechts­radikaler ob. linksradikaler Seite, den Staat umzustürzen, werden immer nur eines erreichen: das deutsche Volk von neuem durch ein Meer von Unglück zu treiben. Auch die Dinge in Bayern haben eine außerordent­lich ernste Bedeutung. Die Behauptung, daß Bayern eine Ordnungszelle sei, ist der größte Schwindel der Welt. (Heiterkeit und lebhaftes Hört, hört! links.) Auch die bayerische Volkspartei ist sich darüber un klaren, daß die eigentliche bayerische Staatsgewalt heute außerordentlich schwach ist. Es wird ein frivoles Spiel mit der Einheit des Reiches ge.rieben. (Lebhafte Zustimmung links und in der Mitte.) Wir wenden unS gegen alles, was die Reichs­gemeinschaft stört. Das Ergebnis deS Abwehrkampfes gerade zeigt, wie notwendig die Erhaltung eines starken Preußens ist. Die Liquidierung eines verlorenen Weltkrieges ist nicht leicht. Wenn wir ein gesundes politisches Leben haben wollen, müssen wir unS eine anständige Kampfesweise angewöhnen. Wir haben bisher eine Politik getrieben, die die Ein- hertSfront ermöglicht hat. Wir sind ein entwaffnetes Volk, unS bleibt nichts anderes übrig, als der Gewalt den unbewaffneten Kampf entgegenzusetzen. Dabei kämpfen wir für den Frieden, wenn bte Welt das auch noch nicht einsieht. Wir werden in diesem Kampfe nur bestehen, wenn wir ruhig, einig und besonnen sind. Darum verlangen totr, daß mit aller Schärfe gegen Störenfriede vorgegangen wird. Wenn der Tag der Freiheit einmal gekommen sein wird, dann wird man uns Gerechtigkeit widerfahren lassen, das wissen wir. (Beifall.)

Minister Seoering äußerte sich zu Einzelheiten, der gegen ihn von radikaler Seite gerichteten Angriffe. Er stellte fest, daß Uebereinftimmung besteht in der Frage, daß gegen die Ruhestörer, gleichviel ob von UntS ober von rechts, mit der größten Energie eingeschritten werden muß. Beides habe er getan, wenn und wo es nötig war, und werde es auch künftighin tun. In der Nieder­werfung deS Kornmunisten-PutscheS in Mülheim sei die Haltung der Polizei und Kriminalbeamten über alles Lob erhaben gewesen.

Der Kommunist Zchuh-Reukölln vielt anschließend noch eine der bekannten Rede gegen den Minister wegen seines Vorgehens gegen die Mülheimer Ruhe-' störer. Am Montag soll noch der deutschnationale Abg. Bäcker reden. Die Deutschnationalen haben ein Mißtrauensantrag gegen Minister Seve- ring eingebracht.

lkaiholische Welt.

= Romreise der Kölner Kardinal». Kardinal Schulte hat am Samstag in Begleitung des Generalvikars Prälaten Dr, Vrgt die in diesem Jahre für alle deutschen Bischöfe vorgeschriebene Reise nach Rom angetrete»

Äus der Zentrumspartei.

= Der provinzialanrschutz der Rheinischen Sentrumr- partel tritt am Donnerstag, den 26. ds. MtS., in St ö I n zu einer Sitzung zusammen.

„Dante, liebe Mutter —" sagte Dera und machte sich sanft aus der Umschlingung der Mutter frei. „Ich kam vorhin von dem Lager einer Sterbenden. — Du mußt meine Erregung also gütigst entschuldigen. — Ich wünsche Glück zur Verlobung — — von ganzem Herzen . . ."

Kühl, kaum fühlbar lag ihre Hand in der des Man­nes, zu dem sie nun bald „Vater" sagen sollte. Er zog sie näher zu sich heran, seine Sippen beugten sich leicht auf ihre eisige Wange.

Da rann ein Schauer wilder Verzweiflung durch ihre ®fieber und sie preßte wie im Schmerz die Zähne zusammen.

Wie im Traum hörte Vera die Mutter fragen: „Es war eine große Ueberraschung für dich, nicht wahr, Derachen? Schau nur, welchf einen stattlichen und sieben Papa ich Euch g^chenkt hab'! Wir lernten uns im Februar im Theater kennen. Entsinnst du dich jenes Abends, wo ich bte „Tanzgräfin" besuchte? Damals war's zum erstenmal. Wir hatten unsere Logenplätze nebeneinander."

Und sie riß Dera wieder mit Ungestüm an sich.

Erschauernd machte sich Dera endlich aus den Armes der Mutter frei.

„Was sagt denn Heim dazu?" fragte sie. „Weiß er es bereits?"

„Er war heut vormittag hier, und da hab' ich es ihm natürlich gleich gesagt. Er hat sich natsirsich sehr gefreut. Er hatte ja schon öfters Gelegenheit, mst Felix zusammenzukommen. Beim Tennisspielen, weißt ön Sie mögen einander sehr gern."

„Dann ift’s ja gut.“

Sie kehrten wieder ins Wohnzimmer zurück, wo der Tisch mit allerhand leckeren Dingen gedeckt war. Dr. Felix Klug goß Wein in bie blitzenben Gläser. Und Dera mußte mit bem verlobten Paare anstoßen. Sie goß ben Wein in ein paar langen, burftigen Zügen hinunter. Ah — bas tat gut

„Noch etn Gläschen?" Die Frage der Mutier klang neckisch.

„3a — ich bitte. > , " Dera wußte kaum, was fte gesprochen hatte. Aber bann stieß sie noch einmal mit ben beiben an unb trank wieder.

^Fortsetzung folgt)