Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Sladk Fulda.
Mark,
fir. 79.
Herum wortlitt, rür 6en leooutonellen Teil: Dr. I. Stromer, - für die Anzeigen: I. Par geiler-Fulüa.
Notattonsdruck u. Verlag der Fuldaer Slcfienbnitferei in Fulda Zermoreckier Nr. ti. Vosfckeck-Kon'o 4051 Frankfurt a. M
Samstag, 7. April >923.
öezngspreis: IDionaiiid) 2500 Zlit. Zustellgebühr extra.
•- Abgeholi in der Gelchansstt lle 2550 Zlit. -
Anzeigen: Stleinieile nad) (Eo'one 10J 2RL; ausm. 125211t. Rekiomezeiie (2 en breitet nach Colone maß 375 stark.
50. Zahrg.
ZiMM-mWes WWW?
Im Anschluß an seine Zusammenkunft mit Lloyd George hatte der vormalige Minister und Finanzsachverständige L o u ch e u r eine Unterredung mit Sonar Law in Torquay, wo der britische Ministerpräsident sich von den Anstrengungen der Parlamentssession erholt. Es verlautet daß Louchsur dem Premierminister Einzelheiten eines Wiederherstellungsplanes mitgeteilt hat, der von den gemäßigten Elementen Frankreichs unterstützt wird und umfaßt:
1) die Herabsetzung der Gesamtsumme der Wiederherstellungen;
2) die Ausgabe einer internationalen Anleihe;
3) eine internationale Anleihe der Verträge.
MederhersteLung -es Reichskanzlers.
Der Reichskanzler ist von seiner Erkrankung gänzlich wiederhergestellt und hat die Geschäfte in vollem Umfange übernommen. Im Lause des Donnerstag-Abend empfing er die drei in Berün eingetroffenen Mitglieder des Betriebsrates der Kruppwerke. Sie gaben dem Reichskanzler ein Bild von den Vorgängen in Essen und stellten noch einmal fest, daß für das französische Kommando kein Grund vorlag, in die völlig ruhige und bereits im Auseinandergehen begriffene Arbeiterschaft hineinzufeuern.
3er MWkl Seritog muß rettiöif rt raeröen
Das Reutersche Büro meldet: Ramfay Mac- donald sagte in einer Rede in Porthcawl (Neuwales), er sei kürzlich in Paris gewesen und habe festgestellt, daß man dort zugebe, Frankreich werde aus dem Ruhrgebiet keine Reparationen erlangen. Er und seine Kollegen hätten mtt Mitgliedern des französischen, belgischen und italienischen Parlaments in Paris und anderswo zusammengearbeitet, um genau herauszusinden, unter welchen Bedingungen eine Regelung erreicht werden könne. Er vertraue darauf, daß man der Lölung des Ruhrproblems viel näher sei als vor drei Wochen. Die Arbeiterpartei bemühe sich, eine englisch-amerikanische Zusammenarbeit mit Europa zustande zu bringen, nicht für militaristische und imperialistische, sondern für moralischeZwecke, damit Amerika, Großbritannien und andere Mächte eine großzügige europäische Politik einleiten könnten. Der Versailler Vertrag werde revidiert werden müssen.
Der Kampf um die Kohle.
In der Nacht auf Freitag haben nach einer Meldung der »Boss. Ztg." aus Essen die Franzosen im Hafen von D u i s b u r g drei für d(e Kruppsche Fabrik in Rhemhausen bestimmte Schleppkähne be- beschlagnahmt, weil angeblich die Kohlensteuer nicht bezahlt war. Die Franzosen drohten mit der Blockierung des Kruppschen Hafens von Rheinhausen, falls die Kohlensteuer auch weiterhin nicht bezahtt werden sollte.
Die Blätter melden aus Buer, daß die Bergleute der staatlichen Zeche „Bergmannsglück", die nach Beendigung des zweitägigen Proteststreiks gegen die französische Besetzung wieder zur Schicht anfahren wollten, sämtliche Zechen toren von französischen Posten unter Gewehr besetzt fanden. D,e Bergleute traten daraufhin erneut in d e n Streik. Der Betriebsrat legte Protest ein bei dem General in Recklinghausen, woraus dieser einen
Die vier von der „Damag".
Roman von A. «Laber.
»1 -------
-3d) werde gleich morgen den Kunsthändler anrufen*, sagte sie. „(Es findet in den nächsten Tagen wiederum eine Versteigerung der Rodenhoffschen Nachlaßfachen statt. (Es wird wohl starke Nachfrage fein, denn es handelt sich um den Rest. Der Kunsthändler Meyer, der die Auktionen teilet, ist mir bekannt. — Wissen Sie denn, daß dann das Testament des Malers Rodenhoff eröffnet werden soll? — Er hat keine Leibeserben hinterlassen, denn er ist unoermählt geblieben. Er galt als Sonder- ling, lebte in einem entlegenen Winkel in der Schweiz Da herrscht natürlich in den weitesten Kreisen begreif- liche Neugier, wem das durch die Versteigerung der Hinterlassenschaft sehr beträchtliche Vermögen des Verstorbenen zufallen wird *
Das feine Antlitz der Frau Professor Moll hatte bei . Veras Worten eine feine Röte überzogen.
„Rodenhoff war früher im Haufe meiner Eltern ein häufiger Gast*, sagte sie, „und schon zu jener Zeit traten Sonderbarkeiten bei ihm zutage. Er war sehr miß- trauisch und eigenwillig, und hat meinen lieben Mann sehr häufig durch hatte und lieblose Worte gekränkt.*
„Laß das ruhen, Ina*, klang des Professors Stimme vom Sofa her.
„Da wäre es ja eigentlich gar nicht schade, wenn dieses Tischchen aus Ihrer Nähe verschwände, denn es weckt in Ihnen keine schönen (Erinnerungen! Vielleicht ist ihm aber eine glückbringende Rolle als „Tischlein deck dich" zugewiesen und es ist dazu ausersehen, Ihnen reiche Schätze ins Haus zu tragen. (Ein Versuch würde sich lohnen.*
„Bitte, Fräulein Samter, machen Sie den Kunst- Händler daraus aufmerksam!" bat Gitta eifrig. Die Aussicht auf eine namhafte Geldsumme schlug das letzte Fünkchen des Begehrens nieder.
Die Not war groß bei ihnen. Niemand hätte ahnen können, wie kärglich Professors lebten; wie tapfer die ®tie Frau Professor Entbehrungen auf sich nahm, wie
Weisungen ohne weitere
Mädchen.
„Darf mich
suchen?" fragte
Da schwand
ruhte fein Blick auf dem schönen, feinen Fräulein Gitta auch bald wieder be- Dera.
Rus -em Handwerk.
, . ==_ Mr erster weid icher Tischleraefelle in Preußen hat Frau.ein Marie Peschtow ihre Gesellenprüfung als Kunst möbelt» schwer der der Innung Potsdam bestanden.
Vera senkte die Stirn und bat nicht mehr. Wie eisiges Wehen zogs durch ihr Seele — nach ihr fragte zu Hause niemand, sie mochte kommen ober gehen--gehen,
wohin sie wollte, keine Stimme war da, die einmal voll Herzlichkest bat: .Bleib'!'
Bereits am nächsten Abend setzte Dera ihren Plan in die Tat um. Sie telephonierte dem Kunsthändler Meyer und gab ihm die Adresse des Professors auf, und war hocherfreut, daß Meyer lebhaftes Interesse bekundete. Dann durchforschte sie ihren Kleidervorrat. Sie sand nette Seide zu einer Bluse, die für Gitta passend schien, chwarzen Wollstoff für ein Kleid, den sie ihrer Mutter mit einigen Schmeichelreden abschwatzte, und zuletzt ent- deckte sie auch noch ein Kleid aus weißem gesticktem Voile, bas sie niemals getragen hatte unb mit bem sie Gitta eine ganz besondere Freude zu bereiten gedachte An alledem befestigte sie kleine Zettel, die lächerlich nied- rige Preise nannten, und schrieb an Frau Professor Moll einige herzliche Zeilen, worin sie auch betonte, daß es mit dem Bezahlen durchaus keine Eile habe. Dann chickte sie das Paket durch das Hausmädchen zu Frau Brofeffor Moll.
An diesem Abend fühlte sich Dera so befeeligt und glücklich, daß es selbst der immer nur mit sich beschäftig, ten Mutter auffiel, die sich natürlich Deras frohe Laune zu ihren eigenen Gunsten beutete.
(Fortsetzung folgt)
Der Refchstagsabgeordnete Staatsminister a. D. Pr' ?11 Ka f» der in Bonn wohnt, wurde nach der „Köln. Ztg.* ausgewiesen.
rz selbst ..
. , „ --- Hochofen
betriebe" bis zu 80 bezw. 90 Prozent spricht
Das verhärmte Gesicht der Frau Professor sah ganz verklärt aus, als sich Vera endlich von chnen verabschiedete. Auch der Professor drückte Dera mit Herzlichkeit Me Hand unb bat sie, recht halb wiederzukommen. Mit inniger Freude ' ' ‘ -
Beamtenfragen.
— Ale Einsichtnahme in Personalakten. Zu dem Be amlenrecht der Einsichtnahme tn bte Personalakten har der Neichsminlster des Innern, Oeser, unter dem 20 März im einzelnen folgendes bestimmt: Zu den Per> sonalnack weisen im Sinne des Erlasses der Reichsre re- rutig gehören auch besonders geführte Nebenakten über Dren st st rafe n, ErmitNungsverfahrenu b§l., ba,legen nicht Prüfungsakten, soweit sie im Gewahr- sam der Prüfungskommission geblieben sind. Die Per- lonalahen dürfen nicht mit geheimen Kennzeichen ver. sehen, Eintragungen von unjünftigen Tatsachen dürfen — im Gegensatz zu Werturteilen— erst borgenom« men werden, wenn den Beamten Gelegenheit gegeben war, sich über sie zu äußern. Auch Reichsbeamten im Ruhe stände kann die Einsichtnahme gestattet werden. Eintragungen über Disziplinarstrafen sind zu löschen, wenn der Beamte innerhalb einer Bewährun.is- frist (die biS zu ihrer besetz leben Re eiung bei Der- weisen und Geldstrafen biS zu 30 Mark fünf Jahre, bei sonstigen Disziplinarstrafen zehn Jahre beträgt) bte Pflichten seines Amtes zufriedenstellend erfüllt hat,
der sonnige Strahl aus den Augen des Greises. Er sagte betreten: „Wir mögen unser Kind nicht gern abends so weit fortlassen. Nehmen Sie uns das nicht übel, liebes Fräulein. Wir sind alte Leute unb vermissen unser Kind nur ungern in den karg bemessenen Stunden, wo es bei uns weilen kann."
Zwischen Kettwig und Werden ist nach französischer Meldung auf den Schnellzug nach Paris ein Bombenattentat unternommen worden. Die Bombe soll auf dem Gleise gelegen haben. Angeblich wurde die Lokomotive leicht beschädigt, und es wurde ein Stück der Schienen aufgerissen. Der Betrieb auf dem Gleise konnte nach der gleichen Meldung nach anderthalb Stunden wieder ausgenommen werden.
Kommunalpülitische?.
--- Tie Wichtigkeit ter heimatpresfe. Der preußische Minister des Innern hat, dem amtlichen Preußischen Prkffebienst zufolge, eine Versüßung heraus.egeben | wonach es zur Erhaltung der Lebensfähigkeit I ">er Presse, namentlich auch der unterstutzun.iswürdigen Provinzpresse, die wertvolles Kulturgut darstelle, erwünscht sei, die Zeitungsdruckereien m3 stichst mit staatlichen und kommunalen Druckaufträgen zu bedenken, soweit in der Vergebung der Staats iuf- trage freie Hand gegeben ist unb insbesondere staatliche Druckereien nicht verhanden sind.
--- Ermäßigung bet Berliner städtischen Werktarife. Xüe Berliner städtischen Werke haben im Hinblick auf b,e Verbilligung der Kohle die Werktarife herabge- setzt. Mit Wirkung von der Aprilbestandsaufnahme kosten fortan: 1 Kubikmeter Gas 650 Mark, Elek- tri 3ität pro Kilowattstunde 1050 Mark und Wasser 360 Mark pro Kubikmeter. (Sie bisherigen Preise waren für das Gas 700, Elektrizität 1200 und Wasser 400 Mark.)
Ein« abgewirtschaftete Gemeinde. Die bei Essen gelegene 30 000 Seelen starke Gemeinde Rotthausen, ist das Opfer verfehlter Kommunalpolitik geworden. Rotthausen hat eine Linksmehrreit, und die Experimente der Linken haben die unerquicklichsten Verhältnisse in der Verwaltung der Gemeinde herbeigeführt. Ter Stein tarn ins Rollen, a-S im September vorigen Padres die Li. ke den Hauptetat der Gemeinde dadurch sabotierte, dgß sie mehrerernale die Beschlutzunfcihigkeit des Gemeinderats herbiifuhrte. Dann wurde die Gemeinde von der Regierung „unter Kuratel gestellt". Am 12. Mäiz hat der Gemeinderat den Nachtraa-eta't abgelehnt. DaS hat nun die preußiche Staatsregierung veranlaßt, den Gememderat von Rotthausen gemäß Gesetz vom 15. Mai 1856 aufzulösen. Eine Neuwahl des Gemeinderats von Rotthausen wird kaum nötig fein, denn die Dinge in Rotthausen haben dazu geführt, daß die Gemeinde nicht mehr in die Lage kommen wirb, ihre Selbständigkeit zaruckzugewinnen. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Anschluß an eine finanzkräftige Stadt zu suchen. Um die Eingemeindung Rott» hausenS haben sich in gleicher Weise Esten und ®eU sentirchen bemüht Die F-mge ist jetzt laut „Westf. Merkur" soweit gediehen, baß demnächst b'C Eingemeindung Rotthausens in (Self, n irchen, mit dem Rotthausen wirtschaftlich aufs enaüe verbunden ist. als gesichert gelten kann.
Wie der „3ntnmfigeant" mitteilt, reist der Minister für öffentliche Arbeiten L e T r o c q u e r nach dem Ruhrgebiet und nach dem Rheinland. Seme technijche Jnstruktionsreise werde drei Tage dauern.
. „ , te weitere Begründungen
vor^unehmen. Die Ausgewiesenen erhalten keine schrlflliche Begründung mehr, sondern lediglich die Mitteilung, daß sie ausgewiesen werden, well sie Eisenbahner sind. Die Ausweisungen erstrecken sich aus alle Famllienangehörigen.
Aus dem altbefetzten Gebiet wurden ohne die Fami.ienmüglieber bis zum 28. März mehr als 2700 Personen ausgewiesen. In den letzten Tagen hat die Zahl der Ausweisungen sie Hunger litt, um ihren Mann die Milchration nicht entbehren zu lassen. Wie sehr sie sich muhte, Ersparnisse an allen Ecken zu machen, bamlt ihre Kleidung unb bte Häuslichkeit nichts verrate von der entfestigen Not.
Selbst Gitta hatte keine Ahnung davon, wie schwer es ber Mutter wurde, mit bem Gehalt, das sie heim- brachte, alle notroenbigen Lebensbedürfnisse zu erschwin- gen. Die Einnahmen aus ben schriftstellerischen Arbeiten bes Professors waren ja immerhin nur gering unb ssußerbem ganz unzuverlässig.
/ Veras kluge Umsicht ließ sich nicht täuschen. Sie hatte schon in ber ersten Stunde ben Verfall erkannt, ber hier fein grausames Werk trieb. „Langsames Ster« ben!" Wie oft mag es vorkommen, unb bie Well stürmt daran vorbei, bem Genuß entgegen.
Sera Samter besaß aber auch praktischen Sinn, ber bas wanne Fühlen schnell in tätige Hilfe umsetzte. Sie beschloß, bei Dr. Mossynski bringend vorstellig zu wer- den, daß er Gittas Gehalt erhöhe und ihr auch Extra- arbeiten übertrage. Sie überdachte auch blitzschnell den Inhalt ihres Garderobenschrankes und ber Sachen ihrer Mutter, unb sie entsann sich einiger Stoffstücke, bie im hintersten Winkel ein nutzloses Dasein fristeten. Aber sie mußte diplomatisch zu Werke gehen, um bas Fein- gefühl ber Leute nicht zu verletzen.
„Eine Bekannte von uns ist in großer Derlegenhest", begann sie plaubernb. „Sie hat sich einmal mit Kleiber- stoffen, bie sie billig erstehen konnte, über Bebarf ein- gedeckt. Nun finb bie Stoffe nicht mehr ganz mebern unb sie möchte sie roieber los sein. (Es ist eine günstige Gelegenheit, Frau Professor, auf spottbillige Weise zu guten Stoffen zu gelangen. Meine Bekannte ist sehr termögenb unb hat kein Interesse baran, Nutzen aus bem Verkauf zu ziehen. Sie will bie Stoffe , noch unter bem ursprünglichen Preise veräußern."
Gitta wechselte einen Blick bes Einverstänbnlsses mit ber Mutter. Die Freude über bas Gehörte spiegelte sich in ihrem lebhaften Gesicht beutlich wiber.
„Das wäre etwas für uns", sagte bie Frau Professor. „Könnten Sie uns etwas von bie,en Stoffen vermitteln, Fräulein Samter? Ich mürbe Ihnen sehr dankbar fein.*
Sera versprach, einiges zur Auswahl herzusende'
Wie wir dazu erfahren, sind die vom sranzöst- sischen Derkehrsministerimn veröffentlichten Zähen weit übertrieben. Nach den von deutscher Seite gemachten Feststellungen beträgt die im Fe- bruar und März 1923 nach Frankreich gegangene Gesamtmenge an Koks höchstens 18 000 Tonnen. An eine regelmäßige Belieferung Frankreichs mit Koks, wie sie das französische Verkehrsmini terium hinzustellen beliebt, ist jedenfalls nicht zu denken. Um den Erfolg der vom französischen Verkehrsmini- sterium getroffenen Maßnahmen zu kennzeichnen, wird im übrigen darauf hingewiesen, daß die „Journ-e Industrielle* vom 16. März selbst von der Einschränkung des
Ingenieur zu Verhandlungen mit der Belegschaft nach Buer entsandte.
*
Das französische Derkehrsministerimn machte vor einigen Tagen durch Haoas außerordentlich optimistische Zahlenangaben über den Abtransport von Ruhrkohle und erklärte u. a., daß zurzeit sieben Transporisteelln für Koks funktionier- ten, wodurch die Koksversorgung der französischen Hochofenindustrie in Kürze ausreichend in' Gang kommen werde.
v.e Ausplünderung -er Banken.
Zu dem Vorgehen der Franzofen gegen die Banken in Bochum meldet der „Lokal-Anz.", daß die Franzosen nach angeblichen Streikgeldern für die Eisenbahner suchten. Bei der Reichsbank wurden 250 Millionen Mark „beschlagnahmt". Es soll sich hierbei um den Rest der Kassengelder des Bahnhofes Bochum-Nord handeln. Bei der Kommerz- und Privatbank, wo kein Geld vorgefunden wurde, wurden zwei Direktoren und ein Kassierer verhaftet. Sämtliche Banken haben wegen des Vorgehens der Franzosen geschlossen.
Der Dokumenkenfalfcher Anspach.
Gegen den Dokumentenfälscher Paul Anspach, der bekanntlich beschuldigt wird, Schriftstücke poli- tischen Inhalts hergestellt und an das Ausland verkauft zu haben, ist nunmehr Anklage erhoben worden. Anspach wird sich vor dem Schwurgericht Berlin wegen Spionage zu verantworten haben.
Zu -en Vorgängen in Essen.
„Daily Telegraph" behauptete, während der Vorgänge am Karsamstag in der Kruppsabrik hatten Krupp von Bohlen-Halbach sowie mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats vorn Fa- brikturm aus wie ein General durch Fern- g l ä s e r die Ansammlung ihrer Arbeiter beobachtet.
Wie W. T. B. hierzu von der Firma Krupp erfahrt, befand sich weder Krupp von Bohlen- Halbach noch irgend ein Mitglied des Verwaltungsrats oder des Direktoriums während der bekannten Vorgänge auf dem Turm. Alle diese Herren waren wahrend dieser Zeit zu einer geschäftlichen Besprechung versammelt.
eine ganz ungewöhnliche Höhe erreicht. Auffallend ist es, daß die Zahl der Nichtceamten zunimmt. Leider spielen hier Die niederträchtigen Denunziationen eine hervorragende Rolle.
Die Be-rückung -er Eisenbahner.
Nachdem die französische Aufforderung an die deutschen Eisenbahner, ihren Dienst unter französischem Befehl zu versehen, erfolglos geblieben ist, scheint die Besatzungs.ehörde durch Massenaus» Weisungen einen Druck auf die Beamten aus« üben zu wollen. Am Donnerstag sind aus der Pfalz etwa 60 Beamte ausgewiesen worden. D.e Franzosen sind auch dazu übergegangen, die Aus-
Das verfahren gegen -ie völkischen
Die Blätter melden, daß die Untersuchung gegen Roßbach und die Mitglieder der aufgelösten deutsch-völkischen Freiheitspartei in nächster Zeit an den Untersuchungsrichter des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik abgegeben werden wird. Die Untersuchung soll m Berlin geführt werden. Zwei Angeschuldigte, o. Bülow und Machr v. Stephani, sind gegen Stellung einer Kaution von je einer Million Mark auf freien Fuß gefetzt worden.
। Kurland.
* Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel reifte von Rom wieder ab. Vor der Abreise empfing er einen Vertreter des Wiener Korrespon- j denzbüros, bem er als Zweck seines Besuches die Notwendigkeit bezeichnete, alle im Interesse ber Sanierung Oesterreichs im allgemeinen, insbesondere aber in bezug auf Die Förderung guter Beziehungen zu Italien gelegenen Verhandlungen in gedrängtester Kürze zu führen. Er stellte fest, daß in ber Aussprache mit Mussolini alle politischen Fragen allgemeiner Natur so weit geklärt wurden, daß in Rom schon in den nächsten Tagen Italien als eine ber ersten Mächte mit Oesterreich einen vollwertigen Handelsvertrag abschließen werde, ber ben Interessen beider Staaten gerecht zu werden verspreche. Bezüglich der Zahlungen, bie sich aus bem Friedensvertrag und aus ber Nachkriegszeit ergeben, sei grundsätzlich ein gegenseitiger Ausgleich dieser Forderungen und Schulden zugesichert worden. Bei seinem Empfang im Vatikan seien alle große Fragen, bie Staat unb Kirche im allgemeinen unb die österreichischen Verhältnisse im befonberen betreffen, durchgesprochen worden.
* Zwischenfall in Rom. Agenze Stefani meßet: Der Sohn des deutschen Botschafters Freiherrn o. Neurath wurde, als er im Garten ber Botschaft mit feinem Hunde spazieren ging, von einer Kugel aus einem kleinkalibrigen Revolver in den rechten Unterarm getroffen. Nach ärztlicher Aussage bürste er in acht Tagen geheilt sein. Die Polizei stellt Nachforschungen nach dem Schuldigen an.
* Das „frotfengekgfe* Amerika. Reuter meldet aus Washington: Das Schatzamt hat bie Newyorker Hafenbehörde angewiesen, nicht länger zu gestatten, daß die an Land gehenden Schiffsvaffa- giere je einen Liter Alkohol zu medizinisäsen Zwecken mit sich führen dürfen, da dies eine Verlegung des Alkoholverbots unb der Zollgesetze sei.
* Cin Prozeß gegen 15 Aegypker hat in Kairo vor bem Militärgericht begonnen. Die Angeklagtin! werden beschuldigt, im allgemeinen Verschwörungen angezettelt und im besonderen zwischen September 1920 bis September 1922 Mordtaten gegenüber zahlreichen britischen Soldaten, Beamten unb anderen Personen begangen zu haben. Der Gerichtshof vertagte die Verhandlungen bis zum 17. April, um den Angeklagten bie Möglichkeit zu geben, ihre Verteidigung oorzubereiten.
Deutschez Reich.
* Fliegende Staatsmänner. Der bayerische Ministerpräsident v. K n i l l i n g fliegt am Freitag früh vom Flugplatz Oderwiesenselb aus mit einem Junkerslug^eug nach Wien, wo er nach etwa dreistündigem Flug gegen halb 10 Uhr eintreffen dürfte. Der Flug dürste mit Verhandlungen Zusammenhängen, die feit längerer Zeit wegen ber großen südeuropäifchen, von Marseille über Genf, Zürich, München, Wien, Budapest nach Bukarest und event. bis Konstantinopel gehenden Fluglinie gepflogen werben. Die Rückkehr soll nachmittags ebenfalls im Flugzeug erfolgen.
♦ Ein Prozeß der Reichspost. Die Oberpostdirektion Berlin hatte vor einiger Zeit Strafanzeige gegen ben Berliner Oberbürgermeister Pöß unb ben Stadtrat Wege erstattet, weil der Berliner Magistrat feine Postsachen zur Ersparung von Porto sammeln und bann selbst in Berlin erpebieren liefe. Nach Ansicht der Dberpoftbirettion hege barm eine Verletzung des Postregals. Die Staatsanwaltschaft hat ein Eingreifen abgelehnt. Die dagegen eingelegte Beschwerde ist vom Kam- mergericht abschlägig beschieden worden.