Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
üeramwonltd) tüt Oeu «oauioneilen Teil: Dr. I. Kramer. - für dir 'Anzeigen: I. Parze>!er-Fuioa. s Rmakionsdruck u. Serlag der Fuldaer Actiendnickerei ht Fulda ■^emimedier 'Jit. ti. Post'ckeck-Konio 4051 Franllmt a. M
Mittwoch, 21» Zebruar 1923.
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50. Zahrg.
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iePungen gefährde.
Lloyd George fi
Reparationen und er chodauere des» die die Zukunft der Reparativnv-
Lloyd George fragte zum Schluß: Wer kann sagen, was sich ere.Wen wird, wennDeutfchland zer. .bricht? Wer ro rd dabei gewinnen? Ich b.n durch. WS dafür, daß Frankreich Sicherheiten echä't, ad-r welche Sicherheiten wird es an der Ruhr erlangen? Wenn wir wirkliche Freunde Frankreichs find, werden wir unser Bestes tun, um uns aus der Verstrickung zu besre-en, bevor es zu spät ist.
Lloyd George forderte die Regierung aus, daß sie sich an die Vereinigten Staaten wende und daß beide Länder an Frankreich herantreten.
sichter um sich ju sehen, und so fand man sich in das Unabänderliche und harrte in Demut der Dinge, die da kommen sollten. Sobald aber die Nachricht von ihrer Ankunft die Stadt durcheilte, begann ein wahres Wettrennen von Boten, weiche- schriftliche Willkommengrüße zu überbringen hatten, begleitet von kleinen Geschenken und garten Aumerksamkeiten für die Gefeierte.
Die Famllie Groch schickte ein entzückendens Hundekörbchen mit blauen Atlaskiffen und blauen Atlasschleifen, sowie zwei eben erschienene Romane und Blumen, mein Miete di» Gartentischdecke und prachtvolle Prallnees, der Bürgermeister Zigaretten, die Thede in Hamburg an bester Stelle besorgt hatte, und Frau Klaudine ein Ju. gendbilünis ihres Better, Tim, von einem zarten Diät- terkranz tmwben. Nirbeth Fette ein elegantes Sofalisien gestickt und der Doktor einen bequemen japanischen Liegestuhl für die Veranda gestiftet.
Alle Gaben wurden auch dankend angenommen, und dem einen oder andern der Boten glückte es sogar, Frau Tommählen von weitem zu sehen, aber es vergingen zwei volle Tag», ehe die alte D-mie ihrerieits den Der- wandten ihres Mannes einen Schritt entgegentrat.
Daß sie keine einzelnen Visiten wünsche, wurde schon im voraus von Herrn Wittenburg bekanntgegeben, und man rechnete nun in fieberhafter Spannung darauf, daß sie selbst bei den betreffenden Famllien erscheinen werbe.
Doch nichts dergleichen geschah. Statt dessen kamen gedruckte Karten an jedes Mitglied derselben, mit der höflichen Aufforderung, sich am kommenden Sonntag in der Villa Tommählen um 5 Uhr zum Mittagessen einzufinden und den Abend über dazubleiben. Die Unter, zeichnete, so hieß es, werde dadurch am besten Gelegen- heit haben, sich über die einzelnen Persönlichkeiten zu orientieren, und so den Vorzug genießen, die Verwandten in ihrem eigenen Hause kennen zu lernen. Auch Tante Abelone sowie die Backfische und die Zwillinge hatten Einladungen bekommen, nur Frau Meier nicht, und das betrübte die Hanfemannfchen Kinder sehr. Sie hätten sie fo gern mitgehabt, schon des Franzäsichen wegen, aber die Hausdame lachte sie einfach aus und meinte,
I im Einverständnis mit den Alliierten Frankreichs eins neue Regierung eingesetzt wurde. Poincare verbreitete sich auch über die Zwischenfälle, die sich in der neutralen Zone von Drang zwischen Polen und Litauen ereignet haben. Er ging alsdann auf die Umstände und die Der- fehlungen Deutschlands ein, die in Ausführung des Fri-edensvertrages von Versailles die Besetzung des Ruhrgebiets veranlaßt hätten. Er sprach über die Ausführung des von der belgischen und französi. schen Regierung ausgearbeiteten Programms, namentlich über den Verkehr auf den Eisenbahnen und über die Abschlleßung der neutralen Zone, um die Ausfuhr von Kohle und Koks, metallurgischer und anderer Grgeugniffe zu verhindern. Er gab Kenntnis von dem Widerstand, der durch di« deutsche Regierung veranlaßt sei und von den Sanktionen, die gegen diejenigen Beamten ergriffen wurden, I oder noch vorgesehen seien, die die öffentlichen Dienste lahmlegten. Poincare erläuterte ferner die Maßnahmen, durch die das normale Leben in den besetzten Gebieten sichergestellt werden soll.
Nach dreieinhalbstündiger Auseinandersetzung unterbrach Poincare sein Expose über das Ruhrgebiet und schlug dem Ausschuß vor, es in der nächsten Woche in einer Sitzung fortsetzen zu dürfen/ Dieser Vorschlag wurde einmütig ange-
I nommen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Abg. I Leygrzes, dankte, so heißt es in der amtlichen Dar- I stellung, dem Ministerpräsidenten für die umfassen- I den Erläuterungen, die er an der Hand von Texten I und Dokumenten gegeben habe, die es nunmehr dem Ausschuß gestatteten, sich Rechenschaft abzu- legen von der auswärtigen Politik der Regierung
I und von den klugen und festen Methoden, die sie angewandt habe, um die französischen Interessen zu schützen.
Die schmeichelhaften Redewendungen am Schluß dieser Verlautbarung dürfen bei den Gebräuchen, die in der höheren Diplomatie gelten, durchaus nicht so gedeutet werden, als ob die französischen Parlamentarier nun alle ein Herz und eine Seele wären.
Das Kompromiß in der verkehrssrage
Die Strecke NeußDüren.
Montag abend um 8 Uhr haben die E n g» I länder die Bahnhöfe Harff, Bedburg und Elsdorf geräumt, die alsbald von den Franzosen besetzt wurden. Damit ist die bisher teilweise "englische Strecke Neuß-Düren ganz in französische Hand gekommen. Die deutschen Eisenbahner, die die Weiterarbeit unter französischer Herrschaft »er« weigerten, wurden von den Bahnhosen vertrieben.
„Daily Expreß" meldet aus Düffeldorf: Die b r i- tischen Truppen werden aus einem kleinen Abschnitt des westlichen Teiles der Kölner Zone zurückgezogen.
vom Kampfplatz.
Dem „Tag" wird aus Tri er gemeldet, daß dort starke Truppentransporte nach dem Ruhr gebt« beobachtet werden. Seit Montag 15 Militärzüge mit Artillerie, Tanks uftv. durch Trier gegangen.
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Laut „Derl. TagM." wurde m Oberhausen ein SchutzpvlizÄboamter, der wegen Mchtgrüßens verhrster wvoden war, von dem französische Kommandanten mit ter Bemerkung entlassen, daß von jetzt an die französischen Offiziere aus den Gruß der deutschen Polizei, beamten verzichteten.
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Da die Franzosen dazu übrrgegonaen find-, nach dem unbesetzten DeutfHlarür bestimmte Postpaket« aus den Zügen zu werfen und zu beschlagnahmen, so z, B. in Hmmof u.ib Oberkassel, nehmen dir Post- anstalten des bcfttzrn G bietes keinerlei Post-
£101$ SMW KM 00 MM.
3m englischen llnlerhause.
Zur eine englisch-amerikanische Intervention.
Aoyd George erklärte bei der Beratu.:o des Ab- änfcflH.flsamrages wn englischen Unterhiiu.se, die D> rtt^rone Frankreichs u>w Großbritanniens sollte Misammengchen und zusammen handeln, soweit tzr möglich sei. Arer der Freundschaft Frankreichs bedeute nicht, daß England jede Handlung eine- jeden französischen Wtinifternums biLi« gen müsse, ine dazu angetan fei, den Frieden der >Welt nufs Spiet zu setzen. In der jüngsten Aktion Frank- reichs habe etwas gelegen, was Über die Repa- rationen hinausginge, und dies sei beun. rnhig « nd. In der Repartionsangelegenhelt habe Mts Vorgelegen, was eine derartige gewaltsame Lö- Mg gesorcert habe.
Lloyd George gab sodann einen grschichtlichm Rück, hluk auf die Reparatwnssrage und wies nachdrücki.ch Hif die verschiedenen Vorschläge hin, die von Poincare zurückgewiesen worden seien. Angesichts der Tatsache, daßnureinDesizrtvonlO Prozent in den Kchlenlieferungen bsstanden habe, sei es schwer zu gtaiben, daß nur die Erlangung von Reparationen bet ZMck der Ruhrbesetzung sei. Er fei überzeugt von der
2 0. Kapitel.
3hm war der große Augenblick gekommen.
Koffer und Stiften und ganze Eisenbahnwagen voll Döberner Möbel wurden vor der Villa abgeladen. Ham- °urger Leute legten die Teppiche, befestigten Vorhänge hingen die Bilder auf, und dazwischen stand Herr Wittenburg wie ein Feldherr und dirigierte die ganze '5Q6)t mit ruhiger Würde und Geschick.
Die Kinder und auch ältere Leute, welche zu^allen *ogesfiunben die Straße vor der Villa belagerten, hat- «n immer etwas zu sehen und zu berounbem und das ""gemeine Entzücken stieg aufs höchste, als zum Schluß ""ch der Küchenjunge und der Koch erschienen, die bald «jWf in schneeweißen Anzügen in der Küche herum- hontterten.
Liselotte und ihre jüngeren Geschwister, die sich zum Mehen besonders berechtigt glaubten, weil es ja ihre ~®ite war, die dort einzog, konnten Frau Muer gar ■W genug erzählen von all dem Kostbaren und Inter- *nvllen, das sie geschaut hatten, und selbst Lene ocr- l^irchte es nicht, zuweilen hinzugehen und die unhrim-
Schnelligkeit zu bewundern, mit der die Sache vor £> ging. Ja, es gelang ihr durch einen Zufall, sogar
Tommählens Ankunft zu erleben, und dieses Glück J01 nur wenigen Sterblichen besckieden, denn die alte ?°me erschien unangemeldet in später Abendstunde im ^vromobll, begleitet von der Jungfer und dem viel- Lebten Hündchen, dem bei dem Aussteigen ihre größte «orge galt, und das sie, ohne sich umzusehen, selbst die ^«fen gut Villa hinauftrug.
Die Verwandten waren zuerst sehr unglücklich ge- r®fen, daß ihnen ein feierlicher Empfang der Tante auf ?ln Bahnhof auf diese Weise genommen wurde, aber r* alte Dame hatte denselben gerade vermeiden wollen, ^wäre wokst mich zu verwirrend und angreifend für sie "wesen, nctb der langen Reise die vielen fremden Ge»
lieber die Unterhaus-Aussprache über den gemein- samen liberalen Abänderungsantrag meldet „Daily Eoening", es würde die Forderung der Zurückziehung der britischen Truppen vom Rhein gestellt werden. Wie das Blatt weiter meldet, würden die Arbeiter geschloffen mit den Liberalen stimmen. Bei der Abstimmung wurden g die großen Spannungen innerhalb der Oppo-
on Herausstellen.
- ver französische Nammeransschuß.
Strengste Seheimhallung.
Der Kammerausschutz für auswärtige An- Gelegenheiten ist Montag nachmittag zu einer Etzung zusammengetreten, um ein Expose des Ministerpräsidenten über die Lage im Ruhr- gcbtct, im Cr ent und im Momelgebiet entgegen zu- «etzmen. Poincare hat dem Dorsitzertden des Kammer- cmsschuffes erklärt, Latz sein Expos« drei Stunden Zeit in Anspruch nchmen werde. Ferner habe er ton den Mtgliedern des Ausschusses die strengste Geheimhaltung für die von ihm gemacht«. Aus. myrmigen verlangt. Rach dem Expose werbe Wncarc sich entfernen, urib der Ausschuß darüber zu .«finden Huben, ob er weitere Auskünfte vom Minfft.r- präsideuten wünsche, die in einer spateren Sitzung oder MisiL.ch gegeben werden sollen.
Das Poincare sagte.
Ueber die Mitteilungen, die Poincare gemacht hat, ist eine amtliche Verlautbarung erfolgt. Danach verbreitete sich der französische Ministerpräsi. vent über die Verhandlungen in der Meine lange- Aenheit. Er gab auch eingehende Auskunft über ms revolutionäre Bewegung in Memel und über Ute Art, wie die Ordnung wieder hergestellt und
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„$rau Meier".
Roman von G. v Stokmanr 541 -------------
pafete nach dem unbesetzten und neu- besetzten Deutschland sowie nach dem Aus- larLe mchr an.
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Der aus dem Ruhrgebiet ausgeroiesene Dössel- dorser Regierungpräsident Dr. Grüg. net ist in Elberfeld emgetroffen und führt von dort aus seine Regirrungsgeschäste weiter.
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Nach einer DlättermeDung des „Derl. Lokalanz." beschlagnahmte ein französisches Kommando unter Führureg von mehreren Lsfizieren im Rathaus von Recklinghausen für sechs Millionen Mark Schreibmaschinen.
Sn Mainz umstellten französische Krimmalisten in Zivil das Hauptpostamt, während mehrere andere französische Polizisten eine Durchsuchung des GebauS-s vornehmen. Die in dem Gebäude anwesenden Per- fönen, darunter etwa 100 Postabholer, Lursien das Ge- bäude nicht verlassen. Erst nach einer Stunde konnten sie das Postamt verlassen.
Die „Essener Volkszeitung", das Organ der Zen- trumspartei, ist von der Desatzu.igsb Hörde aus 15 läge verboten rrorden. Der „Nassauer Bote" in Limburg, gleichfalls ein Organ der Zentrumspurtei, wurde für drei Monate im besetzten Gebiet verboten.
Düffeldorf.
Montag nachmittag gegen 4 Uhr wurde der Oberbürgermeister Köttgen, während er mit den Veigeordneten und mehreren StMorrcrdneten eine Besprechung cbhielt, von einem französischen ©snba.merieoffi ter verhaftet und in einem Straft« wagen fortgeführt. Der Oberbürgermeister pto. testierte zunächst sollst gegen diese Maßregel, dann erklärte StaLirerordneter Adams namens her Führer der StabtverorLneienftaktionen, der Oberbürgermeister ge- nieße das Vertrauen der gesamten Bevölkerung: er müsse gegen seine Verhaftung und Fortführung jchärs. st«, Einspruch erheben.
Di« Beamten und Angestellten der Siatzt stellten zum Protest gegen die Verhaftung auf 2 4 S! u n. den di« Arbeit ein, Drganifationen des Handels und der Wirte beabsichtigen, ihre Betriebe während der Dauer des Proteststreikes ebenfalls zu schließen.
Wie verlautet, soll die Verhaftung und Ausweffimg des Oberbürgerneisters Köttgen deshalb erfolgt fein, weil er es oilchnie, eine Bekanntmachung der französischen Behörden zu veröffonrkcyen, die Lazu bestimmt war, die deutsche Bevölkerung durch Sirascmbrohung in ihrer gerechten und mit friedlich«, Mitteln dttrchgeführten Abwehr gegen die Eewaitpoiisik der Besatzung schwankend zu machen.
Offenburg
Durch Desehl der Interalliierten Rheinlandkom- mission ist der Verk hr ml't dem Brückenkopf Kehl für alle Fahrzeuge imtersagt, die gcmsinfchristlicher Besör- derung und als Ersatz für Beförderung auf dem >vch enemveg« dienen. Demnach wird der Straftwagen- dierft, der durch die badische Regerung zwischen Offenburg und Renchen eingerichtet worben ist, von Dienstag mittag 12 Uhr ab (französische Zeit) untersagt.
Gelsenkirchen.
Die Franzosen halten die Innenstadt und den Bahnhof Geljenkirchen besetzt. Reisende, die in ©elfen i neben ankommen, dürfen aussteigen; von Gelsen- kirchen abzufahren ist jedoch unmöglich, da daS Betreien des Bahnhofs von der Stadt au8 durch die Franzosen verhindert Wird. Die Fianzosen de- setzten auch die Post, deren Betrieb stilliegt, ferner das Amisgericht, das Oberly',eum, das Gymnasium, vas Real, ymnaiium, bie Volksschule und eine Reihe von Prioaihäusern. Von 7 Uhr abends bis 7 Uhr eine Fremde gehöre bei bem ersten Zusammensein in ten fest geschlossenen Familienkreis nicht hinein, und als Dolmetscher hätten sie im Notfälle ja Tante Fiete und Ellen Kudenfee. — In liebreicher Weise mar sie aber um b,e Toilette der jungen Mädchen besorgt, riet ihnen, bei dem schönen Wetter einfache, aber recht duftige Kleider anzuziehen, und frisierte sie selbst. — Ernst und Erich hatten sich auch wunderschön gemacht, und alle brannten vor ungeduldiger Erwartung und Neugier.
Nur der Doktor nahm die Sache ziemlich kühl. „Ich gäbe etwas darum, wenn ich heute zu Hause bleiben könnte," sagte er. „Ich bringe der allen Dame ja alle möglichen Sympathien entgegen und bin ihr jetzt schon herzlich dankbar für ihre gütige und großmütige Absicht, aber ein bißchen an den Tanz wns goldene Kalb erin- nert das heutige Fest mich doch, und Tante Abelone hat ganz recht, wenn sie die Situation für uns alle ein klein wenig beschämend findet."
Frau Meier sah ihn ernst und bittend an. „Einer solchen Stimmung müssen Sie sich nicht hingeben," sagte sie. „Natürlich, geben ist in solchem Falle sehr viel leich. ter, als nehmen, aber Sie geben auch, wenn auch in an- derer Art. Denken Sie doch daran, wie einsam diese Frau ist, wie arm an Liebe, wie -bestrebt, das Rechte zu tun, und das peinliche Gefühl, bas Sie jetzt beschleicht, wird sich verlieren. Versuchen Sie es nur, es wird schon gehen."
Er drückte ihr die Hand. „Wie gut Sie sind," sagte er. „Sie finden immer das rechte Wort und den rech- ten Trost."
Eine Stunde später fand sich die ganze Gesellschaft vor der Villa ein. Frau Klaudine und Frauken still, I die andern ziemlich aufgeregt, am lautesten und unae- I niertesten die Frau Bürgermeisterin — aber schon der Diener in feiner automatenhoften, unerschütterlichen Würde, der ihnen die Sachen abnahm, imponierte ihr, | und die Veränderung, bie in der kurzen Zeit mit dem ihnen fo wohlbekannten Hause vorgegangen war. er- I füllte alle mit Staunen und Bewunderung. Die Herr- | lichsten Gemälde, Spiegel und Kostbarkeiten waren bfÄ
morgens ist der Verkehr innerhalb des abgesperrten inneren Teiles der Stadt verboten. Passanten, die, nach 7 Uhr abends durch die Innenstadt gingen, wurden von den Franzosen mit der Aufforderung „Hände hoch!" angebalten und auf das rücksichtsloseste durchsucht. Jeder mit einer Handtasche oder Aktenmappe versehene Fußgänger wurve am Tage ebenfalls ungehalten und auf Geld untersucht Größere Geldbeträge wurden weggenommen.
In einer Note,
die von den deutschen Vertretungen in Paris, Lcmdor. und Brüssel anläßlich der Ausweisung des Ober- Präsidenten Fuchs überreicht worden ist, erhebt die deutsche Reichsregierung im ungemeinen gegen die Ausweisungen im besetzten Gebiet schärfste» Einspruch.
Protest gegen polnische Anmaßung.
Während die Oeffentlicbkeit sich fast uuSschließlich, mit den Vorgängen im Ruhrgebiet beschäftigt, ver« sucht Polen in rücksichtsloser Weise sich eine Weichselgrenze zu schuffen, die eine große Schädigung Deutschlands bedeuten und gegen die in Frage kommende» Bestimmungen des Versailler Vertrags verstoßen würde. Infolgedessen konnte über die Weichielgrenz- frage eine Einigung zwischen Deutschland und Polen nicht erzielt werden. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Botschasterrat.
Da nach den bisher gemachten Erfahrungen befürchtet werden muß, daß der Botschasterrat geneigt sein wird, den polnischen Wünschen weitgehendst ent» gegenzukommen, muß deutscherseits entschieden verlangt werden, daß der Botschasterrat sich an öeni Versailler Vertrag hält und die Hoheilsgrenze so festsetzt, wie es darin vorgesehen ist. In diesem Sinne legten auch die Vertreter der polirijchcn Parteien Fuldas Prolest ein gegen die Anmaßung der: Polen. Reichskanzler Dr. Cnno wurde gebeten, mit, allen Mitteln dayi» zu tonten, daß die Vernags- rechte des deutschen Volkes vom Botschasterrat geachtet werden.
Der Schacher um Memel.
Di« französischen Lesatzungstruppe»> Huben Montag morgen Memel in aller Still« mrlufsen. Die Kasern« ist von den ßiiauen bezogen 'teerten. Die Franzosen haben sich auf ihre im Hufe» liegenden Schiffe begeben.
9:e Geheimbün-elei.
Sn der Nacht zum Sonntag wurde in einem Hotel in Altona eine Versammlung von 150 jungen Leuten durch den Polizeichef aufgelöst. Sämtliche Teilnehmer wurden festgenom- m e n. Es handelt sich um eine Versammlung der in Preußen verbotenen Nationalsozialistischen be?w. Großdeutschen Arbeiterpartei. Unter den Festgenommenen befanden sich der Rittmeister a. D. Raben, gegen den bereits ein Verfahren wegen Gchrimbündelei schwebt, und der Oberleutnant u. D. Roßbach. Diese beiden sowie drei weitere Führer wurden in das Polizeigefängnis eingeliefert, jedoch in der Nacht zum Montag wieder enllaffen, da Fluchtverdacht nicht vorlag.
, Die meisten Versammlungsteilnehmer waren mit Totschlägern und Gummiknüppeln usw. ver- schen. Bei der Leibesvisitation wurde umfangreiches Belastungsmaterial beschlagnahmt.
Deutscher Reich.
* Dr. v. sinssling in Berlin. Die angekündigten Besprechungen m.i dem bayerischen Mmsterpräsidentett Dr. v. Sniiling haben am Montag in Berlin begonnen.
als Schmuck verwendet, das Ganze hell und licht, wie in Freude und Genuß einladend, und dabei so diskret in den Farben, so fein und wirkungsvoll gegeneinander abgestimmt, baß eine vollkommene Harmonie erzielt worden war.
HerzNopfenb betraten sie den Salon, an der Tür von Herrn Wittenburg begrüßt, der bei jeder eintretenden Gruppe die Worte wiederholte: „Sie gestatten wohl, daß ich Sie der Madame vorstelle," unb fie dann mit den tadellosen Manieren eines vollendeten Kavaliers her alten Dame zuführte.
3a, da stand ste nun dicht vor ihnen, die kleine, korpulente Gestatt, mit bem scharfen Profil, ben lebhaften, dunklen Augen und bem weißen, hohen Lockentoupce. Ein schwarzseibenes Gazekleib mit Pailletten überjät, umschloß ihre Gestatt unb fiel in reicher Fältelung auf das Parkett hernieder, eine wundervolle Brosche schloß den Stehkragen, und brillanten unb Rubinen blitzten an der Hand, mit der sie einen schwarzen Spitzei.fächer eifrig hin und her bewegte. Sie sah elegant und vornehm aus, und die Art, wie sie sich bem Massenandrang gegenüber verhielt, zeigte daß sie viel gesell'chaitlich«' Routine besaß. Indessen von verwandtichaftticher Herzlichkeit war zunächst nichts, aber auch gar nichts zu bemerken, und der ftanzösifche Wortschwall, mit dem sie ihre Gäste überschüttete, ließ jeden nur sekundenlang »u Worte kommen. Bestürzt, befangen blickte man sich an. — Das war ja noch schlimmer, als man sich vorgestellt hatte! Man erkannte bie Sprache kaum wieder, welche der alten Dame mit einer so unglaublichen Schnelligkeit über bie Lippen floß, und gab jebe Hoff, nung, sich mit ihr zu verständigen, von vornh-rein auf.
Auf ihr: „Prenez place, — prenez place, je vous en prie, prenez place!“ hin gruppierten bie Damen sich auf Sefas und Sesseln im Haibkreife, möglichst weit von ihr entfernt, bie Herren blieben im Hintergrund stehen, unb nur Frau Groth und Ellen versuchten krampf, haft, mit ihr Konversation zu machen.
(Fortsetzung folgt)