Nr. 34.
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
tieranuDortltd) für den itoauioneUen Teil: Dr. I. Kramer. z für die Anzergen: I. i< a r 3 e 11 e r • gulfla. ::
Rotattonsdruck u. 23erlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda ^ermpretber Nr. 9. Poftickeck-Komo 4051 Frankfurt a. M.
Sonntag, 11. Februar 1923.
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50. Zahrg.
Per Kampf fürs Vaterland.
Die franzöftfdjen Sewaltstrelche dauern an.
Deutsche Abwehr.
Sn mustergilliger Einheitsfront führt das deutsche Volk nun schon seit Wochen den Abweyrkampf. Nur wenige sind es, die auch in solchen Zeiten ihre Son« derurteressen im Zeichen der vaterländischen Not zu er. reichen streben. Von allen anderen deutschan Volks- genossen kam man annehmen, daß sie mit reiner Absicht die heilige Jdse des Vaterlandes zum Ausgangspunkt chres Handelns nehmen. Sie Methoden, MU denen die einzelnen am besten der vaterländischen Sache zu nützen glauben, werden niemals völlig ern- hsitlich gestaltet teerten können. Der eine wird in gewissen Erscheinungen Gefahren für die gemeinsame Sache sehen, in denen der andere erfreuliche Zeichen erblickt. Wer dem anderen von vornherein in solchen MeinungsverschiedMheiten die denkbar schwersten Vorwürfe macht und zugespitzte Beschuldigungen aus spricht, dient nicht der gemeinsamen Sache, uni) wenn er noch so viele finden würde, die chm beistimmen. Kaltblütige Betrachtungen der Tatsachen ist u. E. heute notwendig. Das deutsche Volk wird in seinem ©lauten an einen Erfolg seiner Bemühungen gestärkt werten, wenn alles, mos ihm gesagt wird, hieb, und stichfest ist. Wenn die Forderung nach einer solchen Information ausgesprochen wird in einem Augenblick, in dem sie von gegnerischer Seite vielleicht in Zweifel gezogen we.den könnte, so liegt das im Interesse des treueren deutschen Kampfes um die Ruhr und sollte nicht mißdeutet werden.
Generalstreik.
Aus französischer Quelle wird wieder einmal die Nachricht verbreitet, daß Ende dieser Woche von der deutschen Regierung die Aufforderung zum © e« neralstreik ergehen werde. Früher schon hatten die Franzosen die Nachricht in die Welt gesetzt, die Bergarbeiter würden auf Geheiß der deutschen Regierung in den Generalstreik treten. Bei all diesen Meldungen handelt es sich um französische Machenschaften. Der Generalstreik wird laut und deutlich in der Pariser Presse zu einem Termin angekündigt, der von den Herrschaften selbst festgesetzt wird. Verstreicht dann dieser Zeitpunkt, ohne daß das angekündigte Ereignis eintritt, dann wird in die Welt posaunt, die deutschen Bergarbeiter folgten der Parole der Regierung nicht mehr; sie hätten endlich eingesehen, welches Vergnügen es sei, unter französischer Herrschaft zu arbeiten, und wie die großen Sprüche in allen solchen Fällen lauten. Eine General» streikparole ist weder jemals von der deutschen Regierung noch von irgend einer anderen deutschen Stelle ausgegeben worden. Angekündigt haben ihn lediglich die Franzosen, denen ein Generalstreik im Augenblick gar nicht so ungelegen käme, weil sie hoffen, daß er nach kurzer Zeit ergebnislos zu» fammenbrechen und daß dann der deutsche Widerstand einen empfindlichen Stoß erhalten würde.
Die Methode des passiven Wider st a n - des, wie sie jetzt geübt wird, und der Teilst re iks, hat sich vollkommen bewährt, was die Franzosen und Belgier ja wohl schon am eigenen Seite gespürt haben werden. Es ist natürlich nicht "gesagt, daß der Generalstreik eine Waffe ist, die nie und unter feinen Umständen gegen die Ein- teinglinge angewandt werden würde. Aber die Ruhrbevölkerung wird sich dafür den Zeitpunkt nicht von Paris vorschreiben lassen; sie wird ihn
„Stau Meier".
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Die Kinder starrten ihn stumm und ganz betroffen «n, mein Miete aber sprang auf, rot und erregt, und rief mit lachendem Spott: „Schenken? — Nicht an« nehmen? — Du bist wohl toll, mein Max? Sie gibt uns doch nur, was wir von Rechts wegen längst haben sollten, und hütet sich noch dazu, die Pauschalsumme zu nennen, die Tim für uns bestimmt hatte. So kann sie immer noch tun und lassen, was iie will und die Großmütige spielen, während sie uns .in Wahrheit noch beraubt."
Das war dem ideal veranlagten Erich denn doch zu viel, und in jugendlichem Ungestüm seine? ehrlichen Ent- ruftung SBorte leihend, sagte er lebhaft: „Mein Gott, Tante Miete, kannst du denn niemand Gutes zutrauen? Mussen denn alle Schufte, Lügner und Betrüger sein? Richt wahr, Papa, keine Macht Der Erde könnte diese' alle Dame zwingen, uns etwas von ihrem Gelbe abzu- geben, wenn sie nicht wollte, und unter hundert, die in iprer Lage wären, würden gewiß neunundneunzig es für sich behalten.
„Ganz recht, mein Junge," war die Antwort, „so ist es Die Beweggründe sind in diesem Falle die reinsten und edelsten, die es geben kann, und, ganz abgesehen von dem Vermögettsgewinn, können wir uns von Herzen freuen, eine solche Verwandte kennen zu lernen."
Seine Schwester zuckte die Achsel,. „Cs ist leich', edel, wütig zu fein, wenn man selbst so reich ist und für keinen Menschen zu sorgen hat, im übrigen wird sie hier an «tebe und Verehrung keinen Mangel leiden. Wer das «eld hat, hat die Macht, und ein Bild, das, wie dies, ®uf Goldgrund gemalt ist, findet immer feine Bewum »erer."
„Natürlich müssen nun alle den besten Fuß oorsetzen. Um ihr zu gefallen," meinte Lisbeth wichtig. „Dis Geld 'E ja nicht gleichmäßig, sondern nach Gutdünken uerteilt Werden, und da wird sich natürlich jeder bestreben, der beste zu sein."
Der Hc.-sherr schüttelte den Kopf. „Ich nicht, liebes E ®nb! Ich kann mich nicht anders machen, als ich bin.
selbst zu wählen wissen und dann schon dafür sorgen, daß er nicht das Ergebnis haben wird, das die Franzosen von ihm erhoffen. Ein Abenteuer nach französischen Wünschen wird ein eventueller Generalstreik nicht werden. In Paris möge man sich darüber beruhigen und die vergebliche Versuche einstellen, Generalstreiks nach Bedarf anzukündigen.
Die Propaganda.
Im Ruhrgebiet geht die französische Propaganda um und will sich wie im Weltkrieg als gefährliche Kriegswaffe des 20. Jahrh. auswirken. In aller Herrgottsfrühe morgens verteilen französische Soldaten und Agenten gedruckte und mit der Schreibmaschine vervielfältigte Flugblätter. General Degoutte und all die anderen großen und kleinen Befehlshaber versuchen, unterstützt von französischen Ministern und Zeitungen, der Bevölkerung tagtäglich einzureden, Frankreich wolle nicht von den Arbeitern, sondern von den Kapitalisten „Pfänder" nehmen, Frankreich wolle im Gegenteil den Arbeitern helfen. Der Zweck dieses Generalangriffs auf die „Einsicht und Klugheit" der Arbeiterschaft ist mehr als durchsichtig: der Wi- d e r st a n d gegen die militärische Gewaltaktion soll unterhöhlt, die Arbeiterschaft aus der gemeinsamen Abwehrfront abgesprengt werden; nach dem bekannten Grundsatz der französischen Politik: schwächen, um zu vernichten.
Die Flugblätter beginnen meist mit einem Hinweis auf die armen verwüsteten Gebiete Frankreichs, welche die deutsche Regierung wieder aufzubauen sich weigere. Die Franzosen glauben offenbar, die deutschen Arbeiter hätten vergessen, daß wir in Versailles hundert Goldmil» liarden und vollständigen Wiederauf, bau der zerstörten Gebiete mit deutschem Mate- rial und deutschen Arbeitskräften anboten. Frankreich lehnte ab. Ebenso lehnte es die wiederholten Angebote der deutschen Gewerkschaf, ten ab, durch deutsche Arbeiter die größten Teile der Kriegsgebiete wieder aufzubauen. Auch ein Angebot Amerikas zmn Wiederaufbau gleich nach Beendigung des Krieges wurde von Frank» reich ausgeschlagen. Länger als ein Jahr haben die französischen Industriellen die Ratifizierung des Wiesbadener Abkommens, das eine ausreichende Belieferung der zerstörten Gebiete zum Ziel hatte, hintertrieben. Deutschland bot 40 000 Holzhäuser, — nicht einmal ein Dutzend nahm Frankreich an. Die f r a n z ö s i s ch e n Gewerkschaften taten alles, um den Widerstand der französischen Industrie gegen die Wieder- aufbau-Angebote der deutschen Regierung und Gewerkschaften zu brechen. Umsonst. Die französische Politik wollte die „offene Wunde" erhallen, die Industrie wollte in dem Wiederaufbau sich ein ge- winnbringendes Geschäft auf Jahrzehnte sichern. Weiß Gott, nicht Deutschland trägt die Schuld, daß heute noch der größte Teil Nordfrankrcichs in Ruinen liegt, sondern allein die französische Politik.
„Mit großer Langmut warte Frankreich seit Jahren auf Zahlungen und Leistungen." Haben wir nicht gezahlt und geleistet bis zum Weiß' luten? Die bisherigen deutschen Gesamtleistungen aus dem Friedensvertrag in bar, Sachleistungen und Wer-
und wenn die alte Dame euch nur bedenkt, fo will ich für meine Person gern leer ausgehen."
Annemarie hatte, sich bis jetzt ziemlich ruhig verhalten und nur mit Grete eifrig getuschelt, aber nun erhob sie mit einem Male ihre Stimme und sagte in ihrem eigen- ften Jargon: „Ja, du meine Güte, was mir eben einfällt, wie sollen wir es denn anstellen, um uns bei der neuen Erbtante zu schustern? Sie kann doch wahrscheinlich pur Französisch, und wir können das kaum verstehen, viel weniger noch es fließend sprechen. Wenn mir sie da noch so sehr umschmeicheln und ihr auf Deutsch die ent- zückendsten Sachen sagen, was wird es uns nützen? Jede Person, die im Französischen gewandter ist, kann uns bei ihr den Rang ablaufen."
Sie blinzelte der Tonte zu und wies heimlich auf Frau Meier, die am Schreibtisch saß und auf des Doktors Wunsch eifrig damit beschäftigt war, eine schriftliche Uebersetzung von dem Briefe anzufertigen, während Ernst hinter ihr stand und das von ihr Niedergeschriebene sofort abschrieb.
Mein Miete wollte das eine Blatt mitnehmen, ihr Bruder das andere behalten, und da sie große Elle hatte, weiter zu kommen, um die beglückende Nachrichi zu per- breiten, flogen die Federn der beiden nur fo über das Papier. — Bei Annemaries Worten zog ein Schatten über mein Mietes Gesicht, aber sie schüttelte den Kops und meinte zögernd: „In diesem Falle handelt es sich doch nur um die Verwandten von Onkel Tim: Fremde sind von vornherein ausgeschlossen, aber meine Schwester Fiete und Ellen scheinen ziemlich geübt im Französischen zu sein und sie werden es bei der Tante schon anbringen, daraus könnt ihr euch verlassen "
Grete lachte „Ja, Tante Miete, bann müssen mir alle noch bei Frau Meier Stunden nehmen und täglich unsere fünfzig bis hundert Vokabeln lernen. Wenn wir fleißig sind, kommen wir noch fo weit, daß wir Groths aus dem Felde schlagen."
Die Bürgermeisterin richtete sich ftri*auf. „Siebes Kind," sagte sie, „ich will tun. was ich fr >, aber ich sollte meinen, es wäre vor allem die PIN- iefer Fremden, Deutsch zu lernen. Sie kommt -o.... - will studieren,
und da ist es doch an ihr, sich mit der Landessprache be
ten (ohne Kolonien), erreichen die ungeheure Summe von 45 Milliarden Goldmark! Ist es die Schuld Deutschlands, wenn dis Schma- rotzerarmee am Rhein und die ungezählten Korn- Missionen in Deutschland bisher mehr als 5 Milliar- den Goldmark verschlungen haben? Mit den Kosten, die eine Kompanie dieser Amüsierarmee im Jahr verschlingt, hätte ein g a n z e s französisches Dorf wieder aufgebaut werden können.
Die deutsche Regierung treibt eine Finanzwitt- schaft der Vergeudung, wird weiter behauptet. Daß Gott erbarm! Das soll ein deutscher Beamter glauben, dessen Gehalt von Monat zu Monat immer weniger reicht, das nackte Leben zu fristen.
Das Unverfrorenste aber ist die Zumutung der französischen Propaganda, die deutschen Arbeiter sollten an die „Hilfe" Frankreichs glauben. Eben sind die gesamten 75 000 Bergarbeiter der Saar in den General st reik getreten, weil sie mit den bisherigen Löhnen nicht mehr leben können. Ihr Arbeitgeber aber ist — der französische Staat. Warum hilft er nicht? Sicherung einer ausreichenden Löhnung wird den'Ruhrbergleuten versprochen, aber den deutschen Saar» bergarbeitem wird sie verweigert. Aus politischen Gründen hat man den Saarbergleuten Anfang 1920 Frankenlöhnung bescheert. Eine Zeit- lang ging es ihnen darob sehr gut. Aber mit den Franken kam die Teuerung, kamen Absatzstockung und Wirtschaftskrisis. Was tat aber die französische Bergverwaltung? SiebautedieLöhnr ob. In den Jahren 1921/22 wurde den Bergleuten ein ganzes Drittel ihres Lohnes nach und nach abgezogen.
Die französische Propaganda behauptet, Frankreich wolle helfen, die Sozialgesetze erhalten Ausgerechnet Frankreich, das sozialpolitisch rückständigste Land Europas! Wie steht es damit im Saargebiet? Bis jetzt vermochten die Bergarbeiter nicht die Einführung des Betriebsrätegesetzes zu erreichen. Die Lasten der Sozialversicherung liegen zum größten Teil auf ihren Schultern. Die Abgaben für Sozialversicherung und für das Gezähe betragen im ganzen 1 2 Proz. des Lohnes! An Miete für die Grubenwohnungen müssen 35—50 Frks. pro Monat gezahlt werden!
So sieht die „Hilfe" Frankreichs in Wirklichkeit aus. Die deutsche Arbeiterschaft weiß nur zu genau, was sie von den Franzosen zu erwarten oat. Sie läßt sich nicht ködern; ihr zäher Abwehrkampf im Ruhrreoier beweist es jeden Tag aufs neue.
Entschlossenheit der Bergarbeiter.
Wie aus Bochum gemeldet wird, schreibt die sozialistische DergarteiLerzeitimg in ihrer Freitag-Ausgabe:
Der Wie der Arbeitnehmer, nicht zu kuschen vor den französischen Bajonetten, fft fest und unv.rbrüchlich. Das Ruhrgebiet fft das wirtfchaflNche Herz Dedfij- tonte. Wenn französische Imperialisten und Kapitalisten darüber verfügen, wird bas Elend des deutschen Dorfes größer uxr-d größer. Wie kämen wir dazu, dies Elend zu fördern, indem wir dem fiamöfffchsn Mili- tarismits fein JiÄ erleichterten? Frankreich fft sozialpolitisch rütfftürtbger als Deutschland. Die französischen Bergleute haben eine % Stunde längere Schichtzeit als die deutschen Dergarbe ter. Die französische Arbsiterbewegung wird durch teutalm Mili'tansnms niederc-ehatten. Deshalb haben wir olle Veranlassung, an unserem Standpunkt vernünftiger und entschlossener Abwehr festzuhaUen.
Lin 200 Millionen verlust.
Blättermeldungen aus Wanne zufolge kam bei dem Uebersall der Franzosen auf zwei Eisenbahnzüge einem Reisenden eine A k t e n t a f ch e ab- Händen, in der sich für 200 Millionen Mark Schuld-
tonnt zu machen. Meinst du nicht auch, mein Max?"
»Hm, ja," meinte der Doktor; „vielleicht tut sie es auch und spricht schon ganz nett"
"Dann hätte sie doch auch deutsch geschrieben!"
„Einen fo wichtigen Bries, wo es auf jedes Wort ankommt? Das ist doch etwas anderes. Um das zu mögen, muß man eine Sprache schon vllkommen beherrschen, und die deutsche Orthographie und Grammatik macht dem Ausländer viel Schwierigkeiten — Uebrtgens, was mir einfällt, mein Miete, der Brief der alten Dame muß doch von dir beantwortet werden, du mußt ihr doch danken, in unser aller Namen, für die großmütige Absicht, und unsere Freude aussprechen, sie bald hier zu sehen."
Sie nickte und wurde rot. „Allerdings", sagte sie. das muß ich wohl. Meinst du, daß ich deutsch schreiben kann?"
„Französisch wäre beffer." -
»Aber ich kann es doch nicht, und fie hat auch in der Sprache geschrieben, welche ihr am bequemsten war."
Er lächelte. „Ja, sieh, mein Miete, das ist aber auch etwas anderes. Sie will uns eine Gunst erweisen, wir sind die Empfangenden, folglich müssen mir uns in allen Dingen nach ihr richten. Das kann fie verlangen."
„Gut; was soll ich dann tun?"
"Frau Meier wieder um ihre liebenswürdige Der- mittlung bitten. Ich bin überzeugt, ebenso wie sie den französischen Brief mit größter Leichtigkeit ins D. utsche übersetzte, wird sie deinen, Brief ms Französische über, tragen."
Die Hausdame war mit chrer Arbeit gerate fertig. »Mit dem größten Vergnügen will ich das tun," jagte sie heiter. Sie brauchen nur zu bestimmen, ob Sie den Bries hierhin schicken wollen oder ob ch zu Ihnen kommen soll. Sie müssen die lleterjeizung natürlich dann selbst abschreiben, und es wäre wohl gut, wenn ich diese Kopie bann noch einmal durchs->ten könnte "
„Abschreiben? — Ich?" Mein Miete schien von dieser Forderung unangenehm überrascht zu sein. „Ich sollte meinen, das wäre nicht nötig. Die alte Dame kennt meine Handschrift ja nicht, und das Original wird viel natürlicher ausjehen, als die Abickrikt."
Verschreibungen befanden, die er an einen amerikanischen Bankier nach Hamburg überbringen sollte. Alle Versuche des Reisenden, wieder in den Besitz des Geldes zu kommen, wurde von wn Fra«, zofen abgelehnt.
weitere Truppenverstaräungen.
Fliegeriöklgkeik.
Die „Boss. Ztg." meldet aus Essen, daß dort für die nächsten Tage eine neue französische Division erwartet wird. Wie das Blatt weiter meldet, ist in den letzten Tagen eine rege Tätigkeit französischer Flieger über dem Ruhrbezirk bemerkbar. Die Flieger machen aus geringen Höhen photographische Aufnahmen der Zechenanlagen und Gruben. Ferner dienen die Flugzeuge auch der Flugzettel-Propaganda.
Vie Ausweisungen
dauern unverän ert an. Allein in Trier erhielten am Freitag Ausweisungsbefehle: der Gürgermeister Oster, ferner vom Hauptzollamt Ztelamimann Rolinchen und die Obeizollsekreläre Bütten, Rondi und Tuffel; weiter der Realgymnasialdirektor Prof, Kirstein, der katholische Religionslehrer Professor Eisen, die Studienräte Schuh _ und Cyristoffel, der Studienassessor Dr. Lootevitz,' der Gymnasiallehrer Laos und der Hausmeister Alt. Die Herren sollten um 11 Uhr Trier verlassen. Tie Familien der Ausgewiesenen müssen innerhalb vier Tagen das besetzte Gebiet verlassen.
Aus dem ganzen Gebiet werden überaus zahlreiche Fälle von Verhaftungen, Strafoerlänge- rungen und Ausweisungen sowie terroristische Akts der nervösen Besatzungstruppen gemeldet.
weitere Mißerfolge der Franzosen.
Die stillgelegte Rheinschiffahrt.
Nach einer Meldung des .Vorwärts^ aus Mainz sind bisher alle Versuche, die zrhlreichen zwilchen Bingen und Mainz liegenden Rheindampfer durch französisches Militär in Fahrt zu setzen, erfolglos geblieben. Einige von den Franzosen zuiammenge» stellte Schiffszüge konnten nicht in Fahrt geletzt werden, da öte Maschinisten fehlten. Tie Maschinisten und Hetzer des Roems und seiner Nebenflüffe haben erneut in Versammlungen beschlossen, den Kampf mit unverminderter Energie Weiler zu führen.
Die tage im Grient.
Reuter erfährt, daß die alliierten Oberkommissare «n Konstantinopel dem SJertreter der Regiemng von Angora eine gerne infame Note zustellten, warm erfrört wird, die Alliierten tonnten nicht zugeten, daß vor Unterzeichnung des Friedens den Bewegung«« ter alliierten Kriegsschiffe teer ihrem A laufen in türkischen Häfen irgendwelche Hmtermffe bereitet wür. ten. Die türkische Maßnahme dazu gl ich Smyrna widerspreche den Regeln der internationalen Höflichkeit..
Die Alliierten fordern formell die Zurückziehung Les türkischen Befehls, ter den alliterier Kriegsschiffen das Einlaufen in Smyrna verbietet.
deutsches Reich.
* Defoldungsregelung der Reichsbedienfleten. Di« Verhandlungen im Reichsfinan.zmmisterwm haben zu «mer vollen Cmigung mit den gewerkschaftlichen epttje: or^anifationen geführt. Die Vereinbarungen für die Beamten uns) die Staats- ortener sind von allen Gswerkschasten angenommen werden. Für die Beamten ist zu dem bisherigen Teuerungszuschlag in Höhe von 485 Prozent
Frau Meier lächelte. „Wie Sie wollen, FräuU germeister; ich füge mich gern Ihrem Wunsche."
Don Hansemanns eilte mein Miete zu den Groths, überraschte Frauken in der Küche mit der überwältigen, den Neuigkeit und schreckte die beiden Damen aus dem Mittagsschlaf. Ellen geriet in einen wahren Taumel des Entzückens, und ihre Mutter kämpfte vor Freude mit einer Ohnmacht. Während die schnell herbeigeru- fene Frauken ihr die Schläfe mit kölnischem Wasser einrieb und ihr englisches Riechsalz unter die Nase hielt, murmelte sie immer wieder: „Welches Glück, welches Glück, nun braucht meine süße Ellen diesen entsetzllchen Hupfer nicht zu heiraten, und wir machen diesen Sommer noch eine Reise mit der „Viktoria Luise" nach den berühmtesten Seebädern. — Eine Kabine für zwei Personen kostet mit aller Verpflegung allerdings 1500 bis 2000 Mark, aber das spielt ja nachher gar keine Rolle, das ist nur eine Kernigkeit." Ellen mußte ihr den übersetzten Bries zweimal laut oorlcfen.
„Nein," sagte sie, „daß ich das noch erlebe, diese Freude, diese Genugtuung! Ellen, mein Kind, du mußt nun an deine Toiletten denken. Die alte Dame ist Pariserin, wie es scheint; ist verwöhnt, besitzt wahr- scheinlich ausgesuchten Geschmack, mit deinen armseligen Fähnchen darfst du gar nicht vor ihr ericheinen."
„Erst recht, Mama; wenn fie >hr nicht gefallen und sie sieht meine Haltung, meine F.gur, läßt fie mir auf ihre Kosten aus Paris schönere kommen. Das ist ja überhaupt das Beste an der Sache, daß es fich nicht allein um Onkel Tims Vermächtnis handelt; feine Witwe ist ja selbst die reine Goldgrube."
"Und wie herrlich, daß sie selbst weder Kinder noch Verwandte hat", meinte Frau Mathesms strahlend „Da behalten wir sie für uns ganz allem und können sie ge- hörig ausnützen."
„Vor allem aber lieb haben," warf Frauken zagend und schüchtern ein. „Aus dem Briefe spricht doch die Sehnsucht eines vereinsamten Herzens, und sie bittet so bescheiden um unsere Zuneigung, während sie doch von vornherein auf unfern Dank und unsere Liebe An- fpruch hat."
tSortsetzung folgt