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EimelverkaufLyreis 40 Mark

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.

50. Zahrg

Donnerstag, 1. Februar 1923

Nr. 25

Bezugspreis: Monatlich 850 Ulk. Zustellgebühr extra- z AbgehoU in der Geschäftsstelle 880 IRL s

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonel 30 Znt.; ausro. 43 21M. Reklamezeile (Tepbreite 1 nach Colone^mah 120 Nark-

Berantwonlilt! iüt den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer. z für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. z Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer AcNendruckerei in Fuwa. srern'vrecher Nr. 9. PoMckieck-Kowo 4051 Frankfurt a. M.

Der Kampf um die Eisenbahn i Die französischen Eisenbahner im deutschen Betrieb. I

Die französischen, und belgischen Besatzungs- I behörden führen sowohl im R u h r b e z i r k als I auch im alten besetzten Gebiet systematisch die Militarisierung der Eisenbahnen durch. Die I Hauptzufahrtsstraße nach Hamburg ist durch das Eingreifen der französischen und belgischen Eisen- I bahner für deutsche Transporte gesperrt. Fer- I ner müssen die Lebensmitteltransporte aus Holland I umgeleitet werden, um in das Industriegebiet zu I aelanaen.

Die Derkehrsverhältnisse.

Der Kohlentransport nach dem Osten vollzieht sich nach wie vor ungehindert. Allerdings haben die Kohlenzüge zur Kontrolle 15 Minuten anzuhalten. Eiire Erhebung von Zöllen hat noch nicht statt- gestmiden. In Dui-burg und Düsseldorf werden von den BesatzrmgSbehörden Personenautos beschlagnahmt.

Wie aus der Pfalz gemeldet wird, stechen die Eisenbahnen unter militärischer Gewalt. Die Reichs- bahnbirektion Ludwigshafen ist von den Franzosen be­setzt. Die Beamten, die Nicht binnen einer Stunde er- Kören, daß sie Dienst tun wollen, sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

Aus Koblenz wird gemeldet, daß der Bahnhof mMäkisch gesperrt ist. In Köln ist die Eisenbahn­betriebslage im allgemeinen unverändert.

Infolge der Betrivbseinstellungen der Reichsbahnen im Ruhrgebiet besteht die G.fahr, daß leicht ver­derbliche Güter, namentlich Nahrungsmittel, verderben. Der Reichsverkchrsminister hat deshalb die beteiligten Reichsbahndirsktionen angewiesen, sich sofort zu bemühen, im Einvernehmen nut den Kom- munalverbänden und JnteressentenvereimMngen die Abfuhr derartiger Güter durch Landsuhrwerke und hauptsächlich durch Kraftwagen zu organi­sieren. Auf keinen Fall dürften Lebensmittel un- nötigevwCise zugrunde gehen. Auch für strenge D i e b- ftahlsoerhinderung sei zu sorgen.

Verhaftungen.

Oberregierungsrat Dr. Sembuch und Regie- mngsrat Dr. Basten vom Finanzamt in Aachen sind verhaftet und, nachdem sie unter entwürdigenden Um­ständen eine Nacht im Gefängnis verbracht hatten, aus­gewiesen worden.

Die in der EifonbahMreMon Essen Verhafteten Reichsbcchndirektionspräfident Jahn und Oberbaurat Pusch sind mittels Auto welggebracht und vor Lüding­hausen wieder abgesetzt worden. Um 3 Uhr wurde die Reichsbahndrrektion von den Besatz» ngstrup- penabgesperrt; kein Beamter wurde mehr he.aus- gelassen. Patrouillen mit aufgepflanztem Seitsnge- wehr durchsuchten die Räume, um die übrigen Ober- beamten zu verhaften. Verhaftet wurden noch Ober- regierungsrat Richtsteig und Oberbaurat Berghaus.

weitere Truppenverstarkungen.

Das „S. T." meldet aus Duisburg, daß dort bcdvutende TruppsnverstärkunigLn angr-kommen sind. Alle Kasernen sind mit neuen Truppen belegt. Es find auch zahlreiche französische Telegraphenbeamten angelkommen.

Verlockungs-Versuche.

Den Blättern zufolge gehen die französischen Be­mühungen weiter dahin, einen Keil zwischen die Arbeiter und Arbeitgeber im Ruhrgebiet zu treiben. Französische Spitzeln fordern die Beleg­schaften der einzelnen Schächte auf, in lokale Lohnbewegungen einzutreten. Auch im links­rheinischen Gebiet versuchen die Franzosen nach Berichten der Betriebsräte ähnliches. Daß die Franzosen mit diesem Appell an den kurzsichtigsten

„$rau Meier".

Roman von G. o. St o km ans.

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Hilde wurde ganz lebhaft. „Nein", sagte sie, „auf die Grotenkmrger da kann man nicht rechnen, da hast du recht, und die brauchen vorläufig' auch nicht zu wißen, was wir für Pläne haben, aber 10 bis 20 Mark ist der Versuch -wert. Freilich," und Ne sah ihn lauernd an, „die musikalischen Abende würden dir und mir ja sehr fehlen, wenn wir weggingen; du hast dich doch mit Frau Meier und Hans Petersen so schön eingespielt, und mir — nun mir machen sie auch viel Vergnügen."

„Unsinn," sagte er, „gerade wegen der musikalischen Abende möchte ich fort. Die Sache vaßt mir nicht mehr. Ich habe für morgen schon abgesagt, Rheumatismus im rechten Arm vorgeschützt."

„So?---"

„Und du hast ja andere Gelegenheiten, dich zu amü- peren."

„Ja, Papa," meinte sie schmollend, „aber es sind ihrer wenig genug. Du lieber Himmel, wenn ich mir denke, wie meine Kusinen und andere Offizierstöchter in meinem Alter leben, dann komme ich mir ganz be­klagenswert vor. Gelegenheit zum Tanzen gibt es hier kaum, und Gelegenheit zum Heiraten noch viel weniger. Ich muß entweder eine alte Jungfer werden oder in Kreise hineinheiraten, in die ich eigentlich nicht hinein­gehöre. Beides ist nicht nach meinem Geschmack."

Der Major stieß unsanft den Stuhl Zurück und sprang auf. „Rach meinem auch nicht, Jungfer Naseweis, und ich würde letzteres auch nicht zugeben; aber nun genug davon, es schlägt gleich sechs, ich muß tn die Stadt zu meiner Partte."

Die Folge dieser Unterredung war, daß Doktor Han­semann bald darauf in einer Hamburger Zeitung, die er sich auf einer Bahntour gekauft hatte, eine Anzeige fand, in der die de Vriessche Villa ausgeboten wurde. Richt mit dem Namen des Besitzers, aber doch in einer

Egoismus bei den Ruhrbergleuten keinen Erfolg haben werden, stehi außer Frage.

Sämtliche Parteien des Reichstages mit Ausnahme der Kommunisten haben einen Antrag eingebracht, der gegen die Schließung von Schulen und die Beeinträchtigung des Schul­betriebes durch die Franzosen im Ruhrgebiet Verwahrung einleqt, ebenso gegen die Besetzung von Jugendheimen. Die Reichsregierung wird oufge- fordert, gegen diese Uebergriffe der Besatzungsbehörde schärfsten Protest einzulegen.

Ausweisung von mbettervertretern.

Nach einer Meldung des „Vorwärts" wollen die Besatzungsbehörden, sobald alle führenden Amtspersonen über die Grenze des besetzten Ge­biets gebracht worden sind, das gleiche System auf die Gewerkschaftler anwenden, wenn die Ar­beiterschaft weiter auf ihrem passiven Widerstand verharrt. Der Anfang mit der Ausweisung von Ge­werkschaftlern ist bereits gemacht. In Essen wurde der Vertrauensmann des Verkehrs­bundes ausgewiesen. Auch an anderer Stelle sind Vertrauenspersonen der Gewerkschaften, die an der Organisation des passiven Widerstandes beteiligt waren, aus ihrem Heimatlande gewalt­sam entfernt worden.

9er totWte WMWMwd.

General Degoutte hat eine Verordnung erlassen, i durch die über das ganze widerrechtlich besetzte Ruhrgebiet der verschärfte Belagerungszustand ver- hängt wird. Sie hat folgenden Wortlaut:

In Anbetracht der systematischen Hindernisse, btc von gewissen Reichsbeamten ver Tätigkeit der alliierten In- genieurkommission in den Weg gelegt wurden, werden zur Verschärfung des Belagerungszustandes im ganzen Gebiet, in welchem französisch-belgische Truppen sich be­finden, folgende Maßnahmen getroffen:

1. Auftechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Jeder Sabotageakt wird strengstens be- ftraft werden. Die Truppen haben Befehl erhallen, mit Waffengewalt gegen jeden vorzugehen, der Eisenbahn-, Telephon- oder Telegraphenlinien sowie jede Einrichtung I zur Verproviantierung oder Versorgung der Truppen zu I sabotieren versucht.

2. Verkehr. 1) Am Tage vollständige Bewegungs- freiheit; 2) von 10 Uhr abends cm bis 6 Uhr morgens ist der Straßenverkehr untersagt. Defteiungen hiervon erteiü der Ortskommandeur durch Vermittlung der deut­schen Behörden. Jede Straßenkundgebung oder | Zusammenrottung ist verboten, nötigenfalls wer­den die DemonstraMen mit Waffengewall auseinander- I gesprengt werden.

3. Versammlungen. Ohne vorherige Erlaub- I nis des Ortskommandanten darf keine Versammlung ab- gehalten werden.

4. Presse. Verboten sind alle Zeitungen, Flug­blätter oder Broschüren, die Arttkel oder Bilder ent­halten, die geeignet sind, die Würde der Besatzungstrup­pen zu verletzen, Unruhe stiften oder die Sicherhell der Trupven gefährden. Die Ortskommandanten sind befugt, alle Exemplare, die obiger Vorschrift widersprechen, zu beschlagnahmen sowie den Verleger und die Verkäufer derselben zu verhaften. Die kommandierenden Generale können in den ihnen unterstehenden Abschnitten die be­treffenden Veröffentlichungen zeitweise verbieten. Die­selben Bestimmungen gelten für Theater- und Kino­vorstellungen.

5. Waffen und Munition. Waffen und Mu­nition jeder Art, die sich noch im Besitze der Bevölkerung befinden sollten, sind innerhalb von zwei Tagen den ört­lichen deutschen Behörden abzuliefern und durch diese den militärischen Behörden zu übergeben. Die örtlichen Milllärbehörden siiid befugt jede Untersuchung und Haussuchung vornehmen zu I\ en, die sie für nötig er­achten.

6. Strafmaßnahmen. Zuwiderhandelnde wer­den von den Militärgerichten zur Verantwortung ge­zogen und können zu Gefängnisstrafen bis zu fünf Jah­ren zuzüglich Geldstrafen bis zu 10 Millionen Mark oder zu einer dieser Strafen verurteill werden. Die Be- stimmungen der französischen Strafgesetze

Weise, die jeden Irrtum ausschloß. Die Sache inter­essierte und beschäftigte ihn lebhaft. Er nahm das Watt mit nach Hause und zeigte Frau Meier in bester Laune die Anzeige.

„Sie werden möglicherweise Ihren getreuen Partner und Verehrer verlieren," sagte er neckend, „der Major stellt nach Jahren wieder einmal seine Villa zum Ver­kauf."

Sie las die paar Zeilen zwei-, dreimal mit großer Aufmerksamkeit, und in ihr Mesicht kam ein zartes Rot, als sie sich so über das Zeitungsblatt beugte, dann aber hob sie den Kopf und sagte ruhig: „Wenn die Villa auch verkauft werden sollte, die Familie de Dries kann darum doch hier bleiben. Es gibt ja Mietwoh­nungen genug."

Er lachte. „Wo denken Sie hin. Wenn der Major verkauft, will er auch wegziehen, sonst hat ja auch Gro- tendurg keine Anziehungskraft für ihn."

„Und Ihre Hauskonzerte?"

„Hören jetzt im Sommer sowieso auf."

Sie lächelte kühl. In ihrer Stimme lag leise Ab­wehr.

Der Doktor konnte wieder einmal die Widersprüche ihres Wesens nicht zusammenreimen. Einesteils schien das Gehen und Bleiben des Majors sie nicht zu berüh­ren, andererseits wurde sie durch die Nachricht, die er ihr überbracht hatte, offenbar schweigsam und nachdenk­lich gestimmt. Während der Doktor in dem Gedanken schwelgte, daß sein Nebenbuhler, der Mitwisser und Mit- cntdecker ihrer Heimlichkeiten, den Ort verlaffen wolle, schien sie bemüht, eine gewisse nervöse Unruhe zu ver­bergen, die sie quälte. — Und als man sich abends trennte, bat sie um Urlaub für einen ganzen Tag. Na­türlich wurde er sofort gewährt, obgleich fie weder Zweck noch Ziel der Reise nannte, und am nächsten Morgen verließ sie schon mit dem ersten Zuge, der nach Süden ging, den Ort.

15. Kapitel.

Thede Mctthesius hatte seine Tätigkeit an der Bank wieder ausgenommen und freute sich seines Lebens in Hamburg. Er hatte auch alle Ursache, vergnügt zu fern,

können bei schwereren Vergehen angewendet werden, alls die dort vorgesehenen Strafen höher sind, als die in der vorliegenden Verordnung angeführten.

7. Die Bestimmungen der Verordnung des kom­mandierenden Generals vom 11. Januar bleiben bis auf weiteres in Kraft, insofern sie nicht durch die gegen­wärtige Verordnung geändert werden.

Die Stadtverwaltung von Bochum hat unter Zustimmung sämtlicher Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände an die Besatzungsbehörde einen Protest wegen der Verhängung des verschärf­ten Belagerungszustandes gerichtet, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, daß derartige Maß­nahmen im Ruhrgebiet vollkommen un- hurchführbar sind, wenn nicht entgegen den bisherigen Erklärungen beabsichtigt ist, d a s g a n ze Wirtschaftsleben zum Erliegen zu bringen.

(Ein Protest der Zrauen.

Die unterzeichneten Verbände haben folgende Entschließung gegen die Ruhrbesetzung gefaßt:

„Die Besetzung des Ruhrgebietes durch Frankreich hat das gesamte deutsche Volk mit tiefer Empörung er­füllt. Dieser Schritt, zu dem der Vertrag von Versailles keine Handhabe bietet, ist eine brutale Rechtsverletzung, ist die Anerkennung des Gewaltprmzips, ist die Ver- höhnung aller Grundsätze eines gesitteten Völkerverkehrs. Ein waffenstarrendes Volk, das glaubt unter Bruch aller Verträge sich fein vermeintliches Recht mit Gewalt von einem waffen- und wehrlosen Volk erzwingen zu dürfen. Wunsch und Hoffnung von Millionen Menschen aller Völker, eine Zeit der Gerechtigkeit und des Friedens nach den langen Jahren des Kampfes anbrechen zu sehen, sind mit Füßen getreten. Nie und nimmer wird Deutschland diesen Rechtsbruch sanktionieren, stets wird unser Protest gegen ihn lebendig bleiben.

Unser heißes Mitempfinden, unser lebendiges Zuge- Hörigkeitsgefühl gelten der Bevölkerung des besetzten Ge- bietes. In unveränderlicher Treue fühlen wir uns mit ihr wie mit allen unter dem Druck der Fremdherrschaft leidenden deutschen Gebieten verbunden in einheitlicher Gesinnung als Glieder des gemeinsamen einigen beut- schen Vaterlandes."

Bund deutscher Frauenvereine, Deutsch-evangelischer Frauenbund, Katholischer deutscher Frauenbund, Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz. HWmItllW rot Die MMN«.

Von zahlreichen Hotels sowie von Bauern und Bürgern des unbesetzten Gebiets kommen dauernd Angebote, die aus dem besetzten Gebiet Ausgewie- sönen und ihre Familien unentgeltlich auf­tu n e h m e n. Die Eisenbahnerhsime des imbe­setzten Gebiets haben ihren Gästen gekündigt, um ihre Räume den ausgewiesenen Eisenbahnern zur Verfügung zu stellen. Ferner haben sich viele Spe­diteure bereit erklärt, die Möbel der Ausgewiesenen unter Stundung der Transportkosten zu befördern.

Der stellvertretende Vorsitzende des Reichsaus- fchusies der deutschen Landwirtschaft, Frhr. v. Wan- genheim, richtete an die angeschlossenen Körper­schaften einen Aufruf zur Aufnahme der aus dem besetzten Gebiet an.sgewiesenen Familien in der Landwirtschaft.

Deutsches Reich.

* Mnisterkrisis in Sachsen. Der sächsische Land­tag hat einen Antrag der Kommunisten an­genommen, wonach dem Minister des Innern L i - pinski das Vertrauen zu entziehen sei. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Kommu­nisten und der Rechteen angenommen. Darauf ist das gesamte Ministerium zurückgetreten fimb die Sitzung des Landtages wurde geschloffen. Das Ministerium wird die Geschäfte bis zur Neubildung weiterführen. Die jetzige sächsische Regierung war rein sozialistisch. Sie hing von der Gnade der Kom­munisten ab. Man erwartet jetzt eine sozia­listisch-demokratische Koalition.

denn in einem Fach jbes Schreibtisches lagen wohl- geordnet die -quittierten Rechnungen und der einge­löste Wechsel, kurz alle Papiere, die ihm Frau Meier nach chrer Bezahlung zurückgegeben hatte. Der Schuld- schein über fünftausend Mark, den sie ds Gegenleistung empfangen hatte, machte ihm keine Sorgen.

Nun war der Pfingstsamstag herangekommen und mit ihm die Möglichkeit, wieder nach Hause zu reifen. Er freute sich schon auf allerlei, auf den frischgebackcnen Kuchen und den Festtagsbraten feiner Mutter, die hüb­schen Mädchen auf der Straße und nicht zum mindesten auf Frau Meier.

Er war ein ganz klein wenig versiebt tn sie; nicht mit dem Herzen, nur mit den Sinnen, und gerade nur soviel, daß jedes Beisammensein mit ihr seine Stim­mung erhöhte. Sie imponierte ihm auch durch ihr Wissen, ihre geschäftliche Umsicht und Menschenkenntnis, und dazu kam die Dankbarkeit für ihre erfolgreiche Ver­mittlung.

Mit dem Abendzuge wollte er fahren, und war ge­rade im Begriff, seinen Koffer zu packen, als der Post­bote ihm noch einen Brief überbrachte. Er war von seiner Mutter. In der Voraussetzung, daß es sich um eine Besorgung handelte, die er im letzten Augenblick noch erledigen sollte, riß er das Kuvert in Eile auf und war sehr erstaunt, als ihm eine ganze Reihe eng be- schiebener Briefbogen entgegenfiel. — Staunend begann er zu lesen, und je weiter er kam, um so betroffener und verstimmter w"rde er.

Mein Miete hatte nämlich mit echt weiblicher Schlau­heit eine List ersonnen, um bas Verbot ihres Gatten zu umgehen und Thede zu warnen, ehe er wieder nach (Rrotenburg tarn und Frau Meier wiedersah. Der Ge­danke an die Gefahr, welche für ihn in diesem Wieder­sehen lag, ließ ihr Tag und Nacht keine Ruhe, und endsich verfiel sie auf den Ausweg, ihm brieflich von allem Mitteilung zu machen, was vorgefalleki war. Ihrem Gatten hatte sie gelobt, Thede nichts von ihrem Verdacht und ihren Mitteilungen zu sagen, aber ihm nichts zu schreiben, davon war gar nicht die Rede ge­wesen. .(Forts, folgt.).

Sm Beschlagnahme der linksrheinischen Zorften.

Dm sachverständiger Seite wird uns geschrieben;

Wie bekannt, beabsichtigt die sroizüsische Regie­rung schon seit längerer Jett die Beschlagnahme der im besetzten Gebiet gälege.ien deutschen Staats­und Gemeindef orsten. Die Beschlagnahme ist nunmehr aasgesprochen, von einzelnen Forftkafsen ist bereits Besitz ergriffen worden. Wie bei der wider- rechtlichen Besitzergreifung der Kohlengruben im Ruhr- gebiet handelt es sich auch hier um eine „Sanktion", die zu den von der Reparationskommisfron festgestell­ten „Verfehlungen" hinsichtlich der Holzlieferungen i n gar keinem Verhältnis steht. Von der neuen GWalttnaßucchme werden ausgedehnte und äußerst wertvolle WaiLbestände betroffen.

Allein die Fläche der Staats- und StaUsanteii- orsten, also unter Ausschluß der gerade im Rheinland <ehr zahlreichen Gemeindeforsten, beläuft sich im be-, etzten Gebiet aus rund 271500 Hektar. Davon entfallen auf Preußen rund 140 000 Hektar, Bayern rund 115.000 Hektar, Hessen rund 10 000 Hektar und Oldenburg (früher Fürstentum Birkenfeld) rund 6500 Hektar. Das dem Zugriff das Feindes preisgegebsne, in den Forsten steckende Nationalvermögen ist ganz außerordentlich hoch und geht nach heutigem Wert in die Billionen Mark. Es handelt sich in der Hauptsache um Fichten- und BuchrnbSstände, Mn ge­ringeren Teil auch um Eichen, also alles Helzen, die, abgeschen von dem verchLtnismähig geringen L-okck- verbrauch, für Industrie und Wirtschaft auch des ganzen unbesetzten Deutschlands von größter Wichtigst sind. Dies gilt in erster Linie für di« Versorgung der Papier- und Zellstofftnbustrie mit Schftifholz (Fichte), dann aber auch für alle anderen holzverarbeitenden Industrien und Gewerbe, wie Holz- verkohlungsindustrie, Faßfabriken, Möbelfabriken, SchwellenimpräWieranstalten, Sägewerke usw. Der Leser vergegenwärtig sich nur, wieviele Gegenstände, mit denen er stündlich in Berührung kommt, aus Holz hergestellt sind, dann wird «r ermessen, wie unent- dehrnch und wichtig der Rohstoff Holz für die gesamte heimische Wirtschaft ist und wckche weiteren schweren Opfer uns die Willkür unserer Feinde durch den Raub so ausgedehnter Holzrohsdoffquellen, wie sie die lrnks- rheimschen Forsten darstellen, auserlegt. Am schwersten wird natürlich auch hier zunächst die Bevölkerung int besetzten Gebiet selbst betroffen, in dem zahlre.chr kleine Dörfer, z. B. im Hunsrück und in der Esel, fast ausschifeMich vom Wald und der Arbeit im Walde

Leiber müssen wir uns darüber klar sein, daß der Zugriff zu den Forsten sich viel leichter und «in* facher ins Werk setzen läßt, als der Raub der Kohlen. Hierbei heben wir es mit einer technisch aufs höchste entwick.ilten Organisakion zu tun, die, wie die Tatsachen zeigen, die französische Gewalt auf Granit beißen läßt. Die Forstwirtschaft dagegen ist, entsprechend der ihr innewohnenden Eiger iheiten, ein arbeitsextensirer Betrieb, der im Verhältnis zu (ehret räunMchen Ausdehnung und zu dem investierten Ka­pital mit sehr wenigen Beamten urid Arbeitern geleistet wird. AUf deren Hilfe sind die Ausbeuter hier nicht MigAviesen. Ei'Ne Kompanie Soldaten genügt, um in kurzer Zeit mit der Axt Milliardenwerte auf weiten Flächen nutzlos zu vernichten, nutzlos — denn die Schwierigkeiten des Abtransportes des ge- fchlagemn Holzes sind mindestens ebenso groß, in ab- gelsgenen Gegenden sicher größer, wie bei der Kohle, und hier ist der Punkt, wo der Widerstand erfolgreich emsetzm kann und muß. Kein Bea rter, kein Ar-, beiter fege die Axt an den deutschen Wald, soweit es gegen die Anordnungen der Regierung von ihm erzwungen werden soll. Dor allem aber: keiner leiste Hilfe beim Abtransport. Dann kann auch das Atten- tat auf rmfcren Wald ein Schlag ins Wasser werden.

Der Schaden wird auch ohnehin unermeßlich groß fein. Demr der Wald ist em lebender Organismus. Ist er zerstört, so läßt er sich Nicht wieder aufbauen, svndem braucht 100 und mehr Jahre, bis er wieder zu schlagreifem Hoiz hera-wgewachsen ist. Was mit. zu entarten haben, zeigt ein kurzer geschichtlicher Rückblick. Noch heute zeigt der Wald im preußischen und süddeutschen Rheinland die Spuren der französi­schen Watdoer-wüstung von 1806-1813. Die „Fran­zosenforsten" sind bei den Forstleuten und bei der Bevölkerung noch jetzt als minderwertig be­kannt. Wir werden in kurzem einer Waldverwiistung gegenüberstehen, die schlimmer ist, als damals, die unserem Doikevermöyen aus viele Generationen nur ganz langsam heilende Wunden schlagen und dem. Wald auf weitere 100 Jahre den Stempel französi­scher Raubgier aufdrücken wird. Unter dem Dmck des Versailler Diktats hat der gesamte deutsche Wald schon hergeben müssen, was er irgend hergeben kann. 2luf die Einfuhr vom Ausland, die vor dem Kriege jähr­lich rund 15 Mill. Kubikmeter Hölz, etwa ein Drittel, unseres gesamten Hol'Verbrauches, betrug, müffen wir nach wie vor verzichten. Wird uns nun die Ver­fügung über das linksrheinische Waldgcbi.i entzogen, so steht der gesamte deutsche Wald vor weitereni unerträglichen Eingriffen in die Nachhaltigkeit seiner Nutzung, deren Folgen auch ihn aus Generationen aufs schwerste schädigen müssen.

Kurland.

* Der Bürgerkrieg in Irland. In Dublin ereigneten sieb wieder zahlreiche Gewaltakte. Gegen die Nationalgarde wurden bei dem Rathaus und bei dem Telephonamt Bomben geworfelt. Ein Privathaus wurde durch eine Mine in die Luft gesprengte An zahlreichen Stellen ent­standen Brände.

Soziales.

= siür die Kleinrentner. Der preußische Minister für Voikswohtfahrt hat den Oberpräsidenten 1192 Mil­lionen Mark aus Reichs- und Landesmitteln zur Unter-, stutzuug an notleidende Kleinrentner überwieserr